shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

„Seuche des Hasses“

with 98 comments

„Ein solche Seuche des Hasses wie in den letzten Wochen gegen Beck und „Frau Lügilanti“ wurde hierzulande seit den Dutschke-Jahren nicht mehr entfesselt.“

Ist alles ganz außerordentlich richtig, was der Herr Nagel heute in der FR schreibt.

Ergänzend sei auch noch mal – etwas zu spät – auf Netbitches treffenden Kommentar zu den geballt machistischen Ausfällen in den von burschenschaftlicher Mentalität regierten Regionen der Blogosphäre verwiesen. Kommentare über über „diese machtgeile Schlampe“ Ypsilanti muß ich zwar halluziniert haben, die waren nämlich am nächsten Morgen wieder verschwunden. Die Art derAttacken gegen Frau Ypsilanti sind dennoch weit dramatischer für die politische Kultur der Bundesrepublik als das Wahrnehmen Option, sich von der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen.

Abschließend sei nur noch erwähnt, daß es mich empört, daß ausgerechnet die Spitzenkandidatin der niedersächsischen Linkspartei mir heute im Speisewagen  mitsamt ihres bärtigen Umfeldes die letzten Sitzplätze weggenommen hat 😉 …

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Written by momorulez

11. März 2008 um 20:26

98 Antworten

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  1. Du hast ausnahmsweise 😉 nicht halluziniert, aber der Jo@chim hat sich doch eines Besseren besonnen und das wieder weggelöscht. Ist doch eine positive Geste, einen Fehler oder Ausraster zuzugeben und nicht fortgesetzt zu verteidigen.

    NUB

    11. März 2008 at 20:33

  2. Na ja, was sich darin für ein Frauenbild äußert, das spricht ja dennoch Bände. Ich wüßte auch, ehrlich gesagt, kein männliches Äquivalent zum Ausdruck „Schlampe“. Gibt’s da eins?

    Deinen Spruch mit der „Diplom-Soziologin“ fand ich ja so dolle auch nicht, weil zwar der Verweis auf Partei-Karrieren immer berechtigt ist, aber durch diesen Einschub bekam das auch so ein Geschmäckle … manchmal wird da halt gegen ein Mileu gefochten, das immerhin auch dadurch historisch aufgefallen ist, daß es sich tradierten Geschlechterrollen nicht mehr unterwerfen wollte, und da haben Generationen von Soziologie-Stzudentinnen und Diplomanten schon Großes geleistet. Was dann durch solche Sprüche eben gleich mit abgeräumt wird.

    Ich ahne da ganz Gemeines, was unterschwellig mitläuft …

    momorulez

    11. März 2008 at 21:02

  3. Schlamperich? Aber stimmt, da wird Entsprechendes bei Männern doch in der Regel positiv assoziiert. Oder verniedlicht.

    Geschmäckle — denkst Du nicht, ein bisschen praktische Lebenserfahrung im Berufsleben, als Selbständiger, in Projekten oder Ähnliches ist vorteilhaft für jemanden, der sich anschickt, PolitikerIn zu werden? Ich habe in der Tat nicht so großes Vertrauen in PolitikerInnen, die sofort nach dem Studium Polit-Profi werden möchten.

    Was dann durch solche Sprüche eben gleich mit abgeräumt wird.

    Du überinterpretierst. Das fällt mir dauernd auf. Was jemand mit einer Aussage aussagen möchte, bestimmt ausschließlich der, der sie trifft. Was Du verstehst, bestimmst natürlich Du. Aber zu unterstellen, der andere müsse auch meinen, was Du verstehst, ist nur frech, mehr nicht, auch nicht Ausdruck irgendeines Bewusstseins.

    NUB

    11. März 2008 at 21:15

  4. „Was jemand mit einer Aussage aussagen möchte, bestimmt ausschließlich der, der sie trifft.“

    Schön wär’s – erfindet ja kein Mensch die Worte und den diskursiven Rahmen, in denen er sie verwendet. Und was meinste denn mit „Ausdruck irgendeines Bewußtseins“?

    Ich halte es zudem nicht für ausgeschlossen, daß man auch im Soziologie-Studium was lernt.

    Zu diesem ganzen Themenkomplex – wen zieht’s warum in die Politik? – hat Statler neulich sehr Gutes geschrieben.

    Und hier in der Hamburger Bürgerschaft ist z.B. auffällig, daß wahnsinnig viele Juristen da mitspielen, und das mekrt man Politik ja tatsächlich oft unangenehm an.

    momorulez

    11. März 2008 at 21:23

  5. Beispiel:

    Susann Engert

    1998 – 2004 Studium an der Freien Universität Berlin und der Universität Potsdam
    Hauptfach: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
    1. Nebenfach: Nordamerikastudien
    2. Nebenfach: Politikwissenschaft
    Abschluss: Magister
    Beruflicher Werdegang
    1997 – 1998 Au Pair in den USA
    2000 Praktikum bei der Märkischen Oderzeitung; im Anschluss freie Mitarbeiterin
    seit 2001 Wahlkreisbüro von Wolfgang Thierse; zunächst als studentische Mitarbeiterin; seit 2004 vollzeitbeschäftigt

    Diese junge Dame hat Praxiserfahrung.

    NUB

    11. März 2008 at 21:26

  6. momorulez

    Schön wär’s – erfindet ja kein Mensch die Worte und den diskursiven Rahmen, in denen er sie verwendet. Und was meinste denn mit “Ausdruck irgendeines Bewußtseins”?

    Ach so, es muss also jeder erst prüfen, welchem diskursiven Rahmen die Worte, die er verwendet, angehören könnten. Meinst Du ernsthaft, das Du das immer beachtest? Der diskursive Rahmen von Unterstellungen, ist im Regelfall recht billig, nämlich der der Diffamierung politischer Gegner. So. Gilt natürlich in alle möglichen Richtungen. Das ist aber das Naheliegendste.

    Ausdruck eines Bewusstseins meint, dass Du glaubst, etwas attestieren zu können, z.B. „Ich ahne da ganz Gemeines, was unterschwellig mitläuft …“ weil Dein kritisches Bewusstsein Dich dazu befähige. Du bist aber leider oder zum Glück nicht in der Position des Attestierenden, dem nichts attestiert werden kann, sondern diskutierst ja mit Leuten, die auch etwas Unterschwelliges erkennen könnten. Z.B. dass es einfach darum geht, Genossen/Genossinnen in Schutz zu nehmen.

    NUB

    11. März 2008 at 21:34

  7. momorulez

    Ich halte es zudem nicht für ausgeschlossen, daß man auch im Soziologie-Studium was lernt.

    Ich auch nicht. Auch wenn mich meine Worte evtl. in diesen Diskurs gespült haben. Ein Soziologiestudium hat genauso seine Daseinsberechtigung wie ein Ingenieurstudium oder ein Wiwi-Studium…

    Und hier in der Hamburger Bürgerschaft ist z.B. auffällig, daß wahnsinnig viele Juristen da mitspielen, und das merkt man Politik ja tatsächlich oft unangenehm an.

    Pass auf, dass Du nicht in einen den Rechtsstaat ablehnenden Diskurs gegen die Juristerei gerätst. 😉

    Ich plädiere im Prinzip einfach für mehr bunte Mischung verschiedener Berufe und für Erfahrung mit dem „wirklichen Leben“ bei Politikern. Also nix, dem Du unbedingt mit Fundamentalopposition begegnen müsstest…

    NUB

    11. März 2008 at 21:37

  8. Es gibt kein Äquivalent für Schlampe. Das Problem liegt im pejorativen „Schwa-Laut“ – He David, Schreibt man das so? – am Ende des Wortes: Saftschubse , Schlampe, Hure usw. (alles Beispiele, die mir eine Freinde einer at man auch z.B. bei Kindern: Lütte (sagt man hier im Bergischen): Das gibt es für männliche Schimpfnamen nicht: höchstens noch bei Bulle.

    lars

    11. März 2008 at 22:10

  9. […] räumt Fehler ein, will aber gar nicht führen Während bei shifting reality noch über die neuen Feindbilder Ypsilanti und Beck und ihre Bearbeitung durch politische […]

  10. @ „Schlampe“
    Wäre „Pissnelke“ als Schimpfwort so viel besser gewesen?

    Männer- und Frauenschimpfworte haben andere Traditionen und sind selten „androgyn“ verwendbar. Obwohl: „Zicke!“ geht auch wunderbar bei Männern. An Stelle von „Schlampe!“ passt mitunter „Schlamper!“ (für die unordenltichen Männer), ansonsten – funktioniert eher schlecht – „Schürzenjäger!“ oder „Frauenheld!“, was natürlich nicht das Gleiche ist. Dafür gibt es zum Ausgleich z.B. „Schlappschwanz!“, „Jammerlappen!“ „Warmduscher“ „Wixxer!“, „Arschloch“, „Dreckskerl!“ usw. usf. Man sieht: Die Geschlechterstereotype sind noch quicklebendig.

    (und bleiben das wohl auch)

    @ „Berufserfahrung“
    Die Mischung machts. Ich brauche kein Parlament, wo nur 50-jährige Manager drin sitzen. Ein paar junge Abgeordnete, die noch studieren oder unmittelbar nach dem Studium ins Parlament gekommen sind, tun der Sache ganz gut. Ein paar weniger Juristen und Beamte wären dann ein weiterer Verbesserungschritt…

    Dr. Dean

    11. März 2008 at 22:52

  11. Der Hexensabbat in der hessischen SPD-Landtagsfraktion gegen Frau Metzger nötigt Euch keine Silbe der Kritik ab?

    Ich war als 13jähriger in Gotha bei Willy Brandt. Es war November oder Dezember 1989. Die erste und bis heute prägendste politische Veranstaltung meines Lebens.

    Ich glaube nicht, daß Brandt das was heute da läuft, gutheißen würde. (OK, um des lieben Bloggerfriedens willen spar ich mir jetzt die Seebacher. 😉 )

    DDH

    11. März 2008 at 23:00

  12. Seebacher musst Du Dir sparen – das ist keine Sozialdemokratin. Und dass politischer Druck ausgeübt wird, wenn eine dusslige Abgeordnete ihrer Fraktion das Regieren unmöglich machten will: Das ist völlig normal. Die Fraktion möchte ich sehen, die ihren Abgeordneten noch auf die Schulter klopft, wenn diese das Regieren/Mitregieren torpedieren.

    DDH – ein wenig mehr Realismus, ich muss doch sehr bitten!

    Dr. Dean

    11. März 2008 at 23:05

  13. Das Problem ist nicht die Soziologie an sich – die Erzliberalen und Libertären wären gut beraten, die Erkenntnisse dieser Wissenschaftsdisziplin in ihr Theoriegebäude aufzunehmen, was ansatzweise nur die Praxeologen im Mises’schen Sinne machen (Blankertz z.B.) – sondern das Problem ist, daß sie sich, wenn dem Etatismus andienend, als Bevormundungswissenschaft von den Herrschenden extrem leicht korrumpierbar erweist. Es ist diese öffentlich-rechtliche BAT-Soziologenkiste, die mich so aufregt. Aber auch Politologen – die PR-Abteilung des Leviathan.

    DDH

    11. März 2008 at 23:08

  14. @NUB:

    „Meinst Du ernsthaft, das Du das immer beachtest?“

    Nö, ich habe aber im Gegensatz zu Dir auch keine Probleme damit, wenn man mich darauf hinweist.

    Genau so, wie Du ja die Möglichkeit hast, zu sagen : „Nö, so isses nicht.“ Weiß jetzt auch gar nicht, wieso Du das hier zu so einem Problem aufbläst, das ist Kommunikation.

    „Du bist aber leider oder zum Glück nicht in der Position des Attestierenden, dem nichts attestiert werden kann, sondern diskutierst ja mit Leuten, die auch etwas Unterschwelliges erkennen könnten.“

    Ja, und? Brauchste ’n Machtkampf? Kannste haben.

    „Z.B. dass es einfach darum geht, Genossen/Genossinnen in Schutz zu nehmen.“

    Wessen Genossen denn? Abgesehen davon, siehe den verlinkten Artikel, den ja offenkundig keiner gelesen hat, gibt es gute Gründe, Frau Ypsilanti in Schutz zu nehmen, deshalb verlinke ich doch den Artikel. Das ist doch nix Unterschwelliges.

    @Dean:

    Ja, in der Tat, die Stereotype sind noch quicklebendig, im Grunde genommen belegt das auch Deine Aufzählung. Z.B. der „Schlappschwanz“, „Führungschwäche“, also das zusammenzudenken, das ist ja auch schon wieder dolle.

    Und wenn Frau Ypsilanti die Führung übernehmen will, ist sie hingegen machtgeil. Und treibt’s gleich mit jedem.

    „Wixxer“ – also Voyeur, der nicht ordentlich und aktiv losfickt. „Arschloch“, na gut, das kann man sexualisieren, muß man aber nicht 😉 … „Warmduscher“, kann nix wegstecken, „Jammerlappen“ ebenso – übrigens neben „drecksack“ das einzige, ws nicht irgendwie auch sexuelle Konnotaionen hat, beim „Warnduscher“ stecken die schon mit drin.

    Und „machtgeile Schlampe“, na, das trieft nun wirklich vor ganz unangenehmen Konnotationen …

    momorulez

    11. März 2008 at 23:09

  15. @Dr.Dean: Realismus ist das eine – das GG das andere. Und da steht nix vom imperativen Mandat!

    Aber ich war lange genug in der im Innern totalitären FDP, um Dir im Grundsatz – leider – rechtgeben zu müssen.

    1997 wurden die „Nationalliberalen“ rausgesäubert – dummerweise war ich damals gerade „nationalliberal“ (das Etikett halte ich heute schon für albern), 2003 wurden die Möllemannianer rausgesäubert – und ich war gerade Möllemannianer. Shit happens.

    Aber seinen Robert Michels sollte man gelesen haben – und dann für den Rest seines Lebens parteifrei + glücklich bleiben. 🙂

    DDH

    11. März 2008 at 23:13

  16. @DHH:

    „Der Hexensabbat in der hessischen SPD-Landtagsfraktion gegen Frau Metzger nötigt Euch keine Silbe der Kritik ab?“

    Hexensabbat? Das hätte ich mal erleben wollen, wenn jemand aus der CDU zu Kohls Zeiten gesagt hätte, er würde aus Gewissensgründen nicht mit der FDP koalieren wollen, dabei gäb’s da deutlich bessere Gründe als im Falle der aktuellen Linkspartei.

    Man kann schon mit guten Gründen die Funktionsweise der aktuellen Parteiendemokratie diskutieren und da vieles für falsch halten, zum Teil fand das ja auch statt gegenüber, aber doch eher am Rande.

    Aber die Art und Weise, wie die Hartz IV-Gegner damals abgewatscht wurden, das hat ja auch niemanden sonderlich empört. Und Frau Metzger wurde doch bundesweit als supertolle Rebellin gefeiert und hochgejubelt, so heroisch im aktiven Widerstand gegen das DDR-Regime befindlich, und das gönne ich ihr schon.

    Was ich unplausibel finde, siehe verlinkter Artikel, ist, daß man antritt,, den Koch abzulösen, und dann alles dafür tut, daß das auch ja nicht stattfindet. So eine würde ich nicht wählen, Ypsilanti schon.

    Zu den BAT-Soziologen können sich ja die anwesenden Soziologen äußern 😉 …

    momorulez

    11. März 2008 at 23:22

  17. Würde ich wenigstens BAT bekommen, würde ich mich dazu auch äußern, aber solange meine Verträge nur semesterweise auf WHK-Basis laufen…

    lars

    12. März 2008 at 1:14

  18. … andererseits hat die Soziologie sicher ihre Vergangenheit als Planungswissenschaft, das kann man schon hin und wieder mal sagen. Luhmann hätte damals liebend gern der CDU das Parteiprogramm geschrieben.

    lars

    12. März 2008 at 1:17

  19. Doch, ich hab den verlinkten Artikel gelesen. Ich stimme ihm zu.
    Irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass die Frau Metzger sich auf ihre Feiergemeinde nicht wird verlassen können – was dann nicht an ihr liegt.
    Ansonsten ist die ganze Aufregung ja nun verlogen, wie es schlimmer nicht geht. So siehts jedenfalls von halbaussen aus. Niemand redet von Neuwahlen; muss dafür erst Beck weg, nachdem die Diplom-Soziologin Ypsilanti weg ist, Herr Kahrs durch Funk und Fernsehen bekannt geworden sein wird, und all die Konservativen und Liberalen und Grüne Teile, die jetzt in den Talkshows Krokodilstränen über den Zustand der SPD in kosmogenitalen Ausmassen weinen, sie kaputtmoralisiert haben werden, als Frau Metztgers Trittbrettfahrer?
    Eure gelbe Presse lese ich ja nicht.
    Mir reicht deutsches Fensehen.
    Aber interessant ist ja schon, auch wenn man dann Leute wie Herzog hört, über den ein Wort zu verlieren sich ja eigentlich nicht lohnt, wie über die Linkspartei im deutschen Parteien – Kontext diskutiert wird, während gleichzeitig ständig Anpassung an andere europäische Länder gefordert wird, im Sinne der Globalislierung, die uns naturgewaltig im Griff hat: so richtig ernst gemeint ist die Forderung ja nicht, überall im Westen gabs grosse kommunistische und sozialistische UND sozialdemokratische Parteien, und in den Staaten, die mal zum Warschauer Pakt gehört haben, sind die ehemaligen Betonsozialisten überall irgendwie mit in Regierungen und Parlamenten und Parteien und machen Steuergesetze und schaffen den Kündigungsschutz ab und nehmen gerne europäische Subventionen in Anspruch. Das empört auch niemanden, wie das Abwatschen der HArtz-lV-Gegner. Und DAS soll sich auch nicht ändern, überhaupt scheint sich manches nicht ändern zu sollen.

    T. Albert

    12. März 2008 at 1:35

  20. momorulez

    “Z.B. dass es einfach darum geht, Genossen/Genossinnen in Schutz zu nehmen.”

    Wessen Genossen denn? Abgesehen davon, siehe den verlinkten Artikel, den ja offenkundig keiner gelesen hat, gibt es gute Gründe, Frau Ypsilanti in Schutz zu nehmen, deshalb verlinke ich doch den Artikel. Das ist doch nix Unterschwelliges.

    Unterschwellig wäre es z.B. aus einer reinen Unterstützung für eine Politikerin, der man viel linkes Potenzial zuschreibt, die einen Richtungswandel in der SPD ankündigen könnte eine Emanzipationsstory zu machen.

    Aber natürlich ist die Sache komplizierter, die Seeheimer machen sie schwieriger, weil das auf einen eigentlich die ganze SPD betreffenden Richtungsstreit hinausläuft, den Beck bislang etwas deeskalieren möchte — durch Nichtstun. Es gibt aber Entscheidungen, die unvermeidbar sind. Z.B. wie hier anscheinend die meisten, die Linke für sozialdemokratischer zu halten als die Seeheimer SPD-Mitglieder. Und das ist dann ja auch etwas, worum es unterschwellig geht, wo an der Oberfläche über Frau Ypsilanti und den Hass gegen sie gegangen wird.

    NUB

    12. März 2008 at 7:15

  21. Na ja, wenn ich allenthalben im Radio höre, wie gegen Metzger gemobbt würde. Hat jemand aus der SPD-Parteizentrale gesagt, sie müsse zur Buße bei Regen auf dem Parkplatz Autos zählen? Sind interne Faxe über sie im Umlauf, sie triebe es mit kleinen Jungs? Fangen die Leute auf Handzeichen im Chor an, über sie zu lachen, sobald sie einen Plenarsaal betritt? Das wären so die üblichen Methoden, die unter den Begriff „Mobbing“ fallen. Tatsächlich wird sie nur, bis zur Forderung persönlicher Konsequenzen, öffentlich kritisiert, ein in der Demokratie reichlich normaler Vorgang.

    che2001

    12. März 2008 at 8:23

  22. @che2001

    Ich sage es doch, es geht eigentlich um etwas anderes — nämlich wohin die SPD steuert. Seeheimer + Linke geht schlecht zusammen.

    NUB

    12. März 2008 at 8:47

  23. @Che:

    „Tatsächlich wird sie nur, bis zur Forderung persönlicher Konsequenzen, öffentlich kritisiert, ein in der Demokratie reichlich normaler Vorgang.“

    Ja, eben, darin zeigt sich die Verlogenheit derer, die genau diese zu geißeln behaupten: Persönliche Konsequenzen haben nur die „machtgeile Schlampe“ Frau Ypsilanti und Herr Beck zu ziehen … Forderungen in die andere Richtung sind per se undemokratisch und mit Stacheldraht und Schießbefehl bewehrt. Johl, sabber …

    @NUB:

    „die einen Richtungswandel in der SPD ankündigen könnte eine Emanzipationsstory zu machen.“

    Wieso wäre das denn unterschwellig?Das kann man ja ganz offensiv so verteten, wenn man will. Und was meinst Du mit „Emanzipationsstory“? Das ist ja schon wieder der gleiche Duktus.

    @T. Albert:

    „und in den Staaten, die mal zum Warschauer Pakt gehört haben, sind die ehemaligen Betonsozialisten überall irgendwie mit in Regierungen und Parlamenten und Parteien und machen Steuergesetze und schaffen den Kündigungsschutz ab und nehmen gerne europäische Subventionen in Anspruch. Das empört auch niemanden,“

    Wohl wahr …

    momorulez

    12. März 2008 at 8:48

  24. @NUB:

    Das ist wohl wahr, darüber rege ich mich ja auch eigentlich auf. Da drohen wohl Hinterzimmer-Kartelle in die Brüche zu gehen, die von großen Koalitionen ganz gut leben können.

    momorulez

    12. März 2008 at 8:49

  25. Man kann das ja auch genüsslich umdrehen. Würde jemand Ole von Beust als machtgeile Schwuchtel bezeichnen, weil er mit den Grünen koalieren will?

    che2001

    12. März 2008 at 8:55

  26. momorulez

    Emanzipationsstory meint die Feststellung einer Konstellation, bei der sich jemand gegen Machos und Soziologen-Basher zur Wehr setzen muss, wie Du mit „Ich ahne da ganz Gemeines, was unterschwellig mitläuft …“ u.a. andeutest. Die Netbitch hat ja auch so eine Frage der Frauenemanzipation daraus gemacht. Ich habe halt wie gesagt mehr den Eindruck, es geht darum, wer für was steht. Für welche SPD.

    Natürlich auch bzgl. der Reaktionen im Antibürokratieteam, die — würde ich behaupten — wegen der Partei die Linke so aggressiv ausfallen, nicht wegen Y. persönlich.

    Da drohen wohl Hinterzimmer-Kartelle in die Brüche zu gehen, die von großen Koalitionen ganz gut leben können.

    Das m.E. eigentlich Unfaire im parteiinternen Umgang mit Frau Ypsilanti habe ich bei mir in den Kommentaren angemerkt: Man kann Y auch als Testballon begreifen. Und sobald die Herren Genossen merken, dass der Ballon gegen einen Nagel fliegt, wollen sie mit der Sache nix mehr zu tun haben. Und das wäre doch eher so eine typische „Männer lassen eine Frau mal machen, bis sie aufläuft“-Sache.

    NUB

    12. März 2008 at 8:58

  27. @che2001

    Man kann das ja auch genüsslich umdrehen. Würde jemand Ole von Beust als machtgeile Schwuchtel bezeichnen, weil er mit den Grünen koalieren will?

    Also machtgeil würde das Antibürokratieteam ihn u.U. nennen, das Konservative überwiegt dort ja nicht gerade. Aber Schwuchtel wohl eher nicht, die sind ja nicht homophob, andernfalls hätten sich Gaywest, Momorulez und andere schon des Problems angenommen.

    Aber sicherlich liegst Du in der machtstrategischen Beurteilung richtig, wenn Du unterstellst, die Linke löse bei Geld und Schwarz größere Aggressionen aus als Gelb und Schwarz bei Gelb oder Schwarz. Es geht im Kern um die Linke und wie man mit ihr umgeht.

    NUB

    12. März 2008 at 9:01

  28. PS: Der Westerwelle steht doch auch nicht auf Frauen…

    NUB

    12. März 2008 at 9:02

  29. Geld und Schwarz

    Auch ein witziger Tippfehler, passt hier her. 😉

    NUB

    12. März 2008 at 9:05

  30. @NUB.

    Stimmt, „machtgeile Schlampe“ verweist natürlich nur und ausschließlich auf einen SPD-internen Richtungsstreit. Und die ganze Hetzte per BILD und SpOn und in liberalen Blogs hat’s gar nicht gegeben, lediglich die Genossen dreschen auf Y ein.

    Und manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, daß Frauenfeindlichkeit im liberalen Lager mehr Ansehen genießt als Homophobie. Das ist bei sich-selbst-bewußt-werdenden Männerbünden manchmal so (obwohl uns hier auch die einzige mitbloggende Frau abhanden geommen ist, was mich auch schwer nervt. Da müßten wir irgendwie mal Abhilfe schaffen).

    momorulez

    12. März 2008 at 9:16

  31. momorulez

    Stimmt, “machtgeile Schlampe” verweist natürlich nur und ausschließlich auf einen SPD-internen Richtungsstreit. Und die ganze Hetzte per BILD und SpOn und in liberalen Blogs hat’s gar nicht gegeben, lediglich die Genossen dreschen auf Y ein.

    Also der Einfluss der liberalen Blogs ist schon mal verschwindend gering im Vergleich zu SPON und BILD. Die liberalen Blogs sind da mehr wie ein Kaffeekränzchen, von der BILD hast Du sowieso nix anderes erwartet, wenn Du mal ehrlich bist, bleibt SPON als Aufreger mit realer Wirkungskraft.

    Und manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, daß Frauenfeindlichkeit im liberalen Lager mehr Ansehen genießt als Homophobie.

    Es ist relativ egal, welche Person welcher Geschlechtszugehörigkeit oder sexuellen Orientierung für die Verbindung SPD-Linke stünde, beim Antibürokratieteam, bei der BILD und anderswo würde das immer heftigst kritisiert und attackiert werden, wegen der Partei die Linke. Du verlagerst die Diskussion um die Linke in eine emanzipatorische Schiene. Denkst Du, es hätte genauso wütende Kommentare geregnet, ginge es um eine rot-grüne Koalition ohne der Linken in Hessen? Die Linke ist das Knackpunkt.

    NUB

    12. März 2008 at 9:22

  32. PS: Und es ist immer noch zutreffen, der Jo@chim hat den Ausraster gelöscht.

    NUB

    12. März 2008 at 9:23

  33. der Knackpunkt muss es heißen.

    NUB

    12. März 2008 at 9:24

  34. @NUB:

    „Du verlagerst die Diskussion um die Linke in eine emanzipatorische Schiene. Denkst Du, es hätte genauso wütende Kommentare geregnet, ginge es um eine rot-grüne Koalition ohne der Linken in Hessen?“

    Nö, das spricht auch deutlichst gegen die Grünen. Und interessant ist einfach, in welche Kerben dann gehauen wird, wenn Leuten die Felle davon schwimmen.

    Und natürlich hat die Linke auch was mit emanzipatorischen Projekten zu tun und Frau Y auch, schon deshalb, weil die nicht die präsidiale Übermutter im Kostümchen spielt, sondern eine doch recht attraktive, selbsbewußte Frau ist, irre ich?

    momorulez

    12. März 2008 at 9:37

  35. momorulez

    Und natürlich hat die Linke auch was mit emanzipatorischen Projekten zu tun und Frau Y auch, schon deshalb, weil die nicht die präsidiale Übermutter im Kostümchen spielt, sondern eine doch recht attraktive, selbsbewußte Frau ist, irre ich?

    Also zu attraktiv, das ist ja nun eine Einladung, in ein Fettnäpfchen allererster Güte zu springen, denn wenn man sich (Du Dir) die Attraktivität männlicher Politiker anschaust, auch „das Merkel“ wie sie ja mitunter genannt wird (was da ja manche wohl auch für linke Opposition halten) wird da anders betrachtet als Kohl, Münte, Steinbrück …. das ist genauso wie mit der medialen Präsenz hübscher Frauen neben weniger hübschen Männern. Die Idee, eine Fernsehmoderatorin müsste eine junge, hübsche Frau sein, der männliche Moderator könne ruhig ein „alter Knochen“ sein, ist eine eindeutig im Widerspruch zur Frauenemanzipation befindliche Auffassung. Es ist außerdem ja nicht so, dass eine „Übermutter im Kostümchen“ Dich so stören würde, wäre sie nur eine linkere Übermutter. Oder irre ich mich?

    NUB

    12. März 2008 at 9:43

  36. Ja, da irrst Du in der Tat. Frau Pauli fand ich übrigens auch super. Da war ich mir allerdings sogar mal mit Jo@chim einig. Frau Hamm-Brücher fand ich auch großartig.

    momorulez

    12. März 2008 at 9:46

  37. Na schön, Du bist doch nicht so einseitig, aber das mit der Attraktivität ist dennoch ein Bumerang, Frauen könnten das schließlich auch gegenüber den Männern anwenden. In der Gesellschaft findet das ja statt. Und apropos Moderatoren: Politiker sind auch Moderatoren. Tiefensee hat das bei den Verhandlungen zwischen Bahn und GDL gezeigt.

    NUB

    12. März 2008 at 9:52

  38. Ich habe früher Tine Wittler zugejubelt, als sie noch Drum’n’Bass-DJ war!

    momorulez

    12. März 2008 at 9:55

  39. Heute ist die im Rauchverbotswiderstand.

    NUB

    12. März 2008 at 10:00

  40. Irgendwie scheint mir das auch weniger eine Seuche zu sein, als eine ganz dicke alte Kruste, die sich automatisch auf das Verhältnis Macht-Sex-Geschlecht legt.

    Es ist ja schon auffällig, dass auch che’s Beispiel nur mit „Schwuchtel“ funktioniert.

    @NUB und der Knackpunkt ist viel älter und wirksamer als Die Linke. Sonst würde der bei Hillary ja auch nicht so gut funktionieren.

    ring2

    12. März 2008 at 10:02

  41. @ring2

    und der Knackpunkt ist viel älter und wirksamer als Die Linke. Sonst würde der bei Hillary ja auch nicht so gut funktionieren.

    Hier schwingt aber so ein „Was habt Ihr denn, die Linke ist doch eine ganz normale Partei, alles Hysterie und inhaltliche Opposition gegenüber Emanzipationsprojekten“ mit. Diese Sichtweise wird aber von ziemlich vielen Leuten da draußen im Land einfach so nicht geteilt. Ihr hattet ja schon eine 250 Kommentare-Diskussion darüber, mit meiner Beteiligung. Daher will ich das jetzt hier nicht schon wieder ausbreiten. Aber es ist nicht einzusehen, warum die Gegner einer SPD-Linke-Verbindung gerade aus den Gründen Gegner sein sollten, die Euch hier einfallen.

    Es kann ja auch sein, dass jemand die Verbindung als nicht vorteilhaft für die SPD sieht, ohne zugleich irgendwelche antiemanzipatorischen Dinge im Schilde zu führen. Wird mit der Linken sowas wie eine „neue Sozialdemokratie“ etabliert, könnte die SPD ja in dem Sinne überflüssig werden. Zum Beispiel.

    NUB

    12. März 2008 at 10:08

  42. @NUB:

    „Diese Sichtweise wird aber von ziemlich vielen Leuten da draußen im Land einfach so nicht geteilt.“

    Na, dem haben wir uns dann natürlich konformistisch zu unterwerfen – Danke für diese Ehrlichkeit!

    „Aber es ist nicht einzusehen,“

    Verfügst Du das jetzt auch?

    momorulez

    12. März 2008 at 10:25

  43. momorulez

    Na, dem haben wir uns dann natürlich konformistisch zu unterwerfen – Danke für diese Ehrlichkeit!

    Nein, habt Ihr keineswegs. Nur wäre es für die Wahrnehmung der Realität wirkungsvoller zu erkennen, dass andere von vornherein andere Prämissen haben; und deshalb z.B. so einen Ypsilanti-Zirkus veranstalten. Und weniger, weil sie eine Frau ist.

    NUB

    12. März 2008 at 10:29

  44. Davon abgesehen ist es eine schlichte Verdrehung, anderen vorzuhalten, sie verfolgten ja im Kern antiemanzipatorische Anliegen, dann aber von „unterwerfen“ zu reden. Warum sollte sich jeder unter Deine Prämisse unterwerfen, die Ablehnung oder Bekämpfung der Partei die Linke müsse mit antiemanzipatorischen Anliegen einhergehen. Wenn man behauptet zu wissen, dass jemand im Grunde diese und jene Absicht hat, dann schiebt man ihm die eigenen Prämissen unter. In diesem Fall die Prämisse, dass die Partei die Linke ganz normal ist und wie jede andere Partei zu gelten hat.

    NUB

    12. März 2008 at 10:38

  45. Viel interessanter wäre doch z.B., warum die SPD überhaupt zu dem geworden ist, was sie heute ist. Ihr unterstellt ja wohl mehrheitlich, die Schröder’sche SPD sei von Sozialdemokratie abgerückt, oder? Nimmt man das an, könnte man sich ja auch fragen, ob sie nicht ohne eine andere Partei wie „die Linke“ wieder zu „sich“ finden könnte. Die SPD besteht schließlich nicht nur aus dem Seeheimer Kreis. Und sie hat eine lange Tradition.

    Muss da wirklich ein Gysi mit Lafontaine um die Ecke kommen und Sozialdemokratie neu erfinden?

    NUB

    12. März 2008 at 10:51

  46. Du kannst Dir durch Prämissenschieberei gerne von dem, was hier nun gerade Thema ist, ablenken wollen, aber all die Zitate sprechen nun wirklich für sich.

    Und das es auch andere Aspekte des Themas gibt und auch andere Wahrnhemungen, das gilt ja nun ganz grundsätzlich und sowieso immer, Deine Belehrungen diesbezüglich sind da nun auch nicht gerade zielführend.

    Ganz doof sind wir ja nun auch nicht, so daß es einer permanenten Betonung von Selbstverständlichkeiten eigentlich nicht bedarf.

    momorulez

    12. März 2008 at 10:55

  47. Z.B. die Selbstverständlichkeit, dass man eigentlich akzeptiert, wenn jemand sich anders besinnt und einen Ausraster weglöscht.

    NUB

    12. März 2008 at 10:58

  48. Deine Belehrungen diesbezüglich sind da nun auch nicht gerade zielführend.

    Du belehrst doch, wenn Du die „geballt machistischen Ausfälle in den von burschenschaftlicher Mentalität regierten Regionen der Blogosphäre“ thematisierst und antisoziologische Aspekte, angebliche Frauenfeindlichkeit, die „ganze Hetzte per BILD und SpOn und in den liberalen Blogs“ … Mit dem Begriff „Diffamierung“ kannst Du doch noch etwas anfangen, weil Du ja nicht „ganz doof“ bist. Anderen alle möglichen finsteren Dinge zu unterstellen, ist Diffamierung, mein Lieber. Nix Prämissenschieberei. Diffamierung ist ein politisches Kampfkonzept. Natürlich keineswegs nur bei Linken anzutreffen.

    NUB

    12. März 2008 at 11:06

  49. […] hat bei Shifting Reality eine andere Lesart eingebracht, an der die Netbitch wie erwähnt einen großen Anteil […]

  50. @NUB

    Finde ich wirklich schade, dass nicht die eigentliche These von Momo: Die Art der Attacken gegen Frau Ypsilanti sind dennoch weit dramatischer für die politische Kultur der Bundesrepublik als das Wahrnehmen der Option, sich von der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen

    … hier diskutiert werden kann, ohne in das jeweils „undramatischere“ zu verfallen.

    Ich persönlich halte das Wegbeissen der Linken bei der SPD ja für einen doofen Reflex, der schon bei den Grünen nicht funktioniert hat. Das Umarmen würde da viel destruktiver wirken.

    Und die Reaktionen bei CDU und FDP kann ich angesichts der Koalitionsverhandlungen mit der GAL in HH nun erst recht nicht Ernst nehmen. Wenig modernes Lagerboxen.

    Das (re)agieren der Medien in diesem Fall ist ja auch nur noch das Bedienen von Reflexen und Stammhirnmechanismen in der gesunden Volksseele, die aufzubrechen hier zurecht dramatisch gefordert wird. Schade, dass Du dann auch wieder mit Reflexen antwortest.

    ring2

    12. März 2008 at 12:00

  51. NUB
    „Die SPD ist eine Volkspartei mit langer und stolzer Tradition. Dass sie gegenüber der Linken einen Vertrauensvorschuss verdient hat, ist nun nicht Ausdruck burschenschaftlicher Mentalität, genauso wenig wie die Befürchtung, die SPD könne durch die Linke und vielleicht erst recht durch Zusammenschlüsse mit ihr ins Abseits geraten und in der Bedeutungslosigkeit verschinden; oder wie beim Antibürokratieteam und dessen Kommentaren zum Ausdruck kommt, dass man die Linke einfach nicht mag und ihr nicht traut. “

    Das habe ich mal von Dir rübergeholt.
    Naja, ich konnte aber noch nie feststellen, dass die SPD vor dieser ganzen Geschichte bei den erwähnten u. a. sonderlich beliebt gewesen wäre. Ist ein bisschen witzig, diese Sorge um den eigentlichen Hauptfeind. Der ist ja nicht die Linkspartei, sondern die „sozialfaschistische“ SPD. Was anderes konnte ich noch nie feststellen.

    T. Albert

    12. März 2008 at 12:02

  52. Ach Süßer, wenn Du das als Diffamierung liest, weil Du Dich Dich hier in irgendwas reinsteigerst, dann kennste nur wechselseitiges Mundtotmachen, und dann lassen wir das mal lieber mit der Diskussion.

    Das ist keine Unterstellung finsterer Dinge, aber auch das kann ja jeder selbst nachlesen und sich seine eigene Meinung bilden.

    So, und jetzt monologisiere von mir aus weiter, kotz Dich aus, geh spielen, für sowas habe ich aktuell keine Zeit.

    momorulez

    12. März 2008 at 12:02

  53. … ich meinte natürlich gerade NUB, Ring2 und T. Albert, nicht euch!

    momorulez

    12. März 2008 at 12:03

  54. So funktionieren diese Weicheier in den Parlamenten nämlich wirklich. Streiten sich um die Sitzordnung, wie Pennäler. Alles Symbol. Losgelöst von Wirklichkeiten. Dumme Medien, die dummen Menschen vorgaukeln, darum ginge es.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,540943,00.html

    Übrigens. Ich bin da nicht immun.
    Aber die eigene Schwäche erkennen, ist schon mal was, das ich Springer und SPON voraus habe.

    ring2

    12. März 2008 at 12:03

  55. Ich komme hier nicht mehr mit. 😉

    ring2

    12. März 2008 at 12:06

  56. momorulez

    uns alle drei?

    T. Albert

    12. März 2008 at 12:06

  57. uns alle drei nicht? –:)

    T. Albert

    12. März 2008 at 12:09

  58. Ich werde aber auch gerne mal „Süßer“ genannt 😉

    ring2

    12. März 2008 at 12:10

  59. @NUB

    Hier schwingt aber so ein “Was habt Ihr denn, die Linke ist doch eine ganz normale Partei, alles Hysterie …

    Das schwingt in meinem Fall nicht nur mit. Das ist auch meine Meinung 😉

    ring2

    12. März 2008 at 12:12

  60. Was wäre eigentlich, wenn in Niedersachsen eine schwarz-gelbe Mehrheit daran scheitern würde, dass ein CDU-Abgeordneter sich weigert, mit der FDP zu koalieren? Würde es deswegen ein allgemeines Wulff-Gedisse geben?

    che2001

    12. März 2008 at 12:18

  61. @T. Albert:

    Ich hatte noch mal redigiert, vorher las sich das tatsächlich wirklich wie ’ne Aufzählung 😉 …

    @Ring2:

    Süßer, ich pflichte Dir bei.

    @Che:

    Ja, eben!

    momorulez

    12. März 2008 at 12:20

  62. Ich würde ihn einen machtgeilen Hurensohn nennen 🙂

    netbitch

    12. März 2008 at 12:22

  63. Siehste, und selbst da steckt dann wat drin, was sich zumindest bei konservativen Leuten gegen dessen Mutter richten würde …

    momorulez

    12. März 2008 at 12:27

  64. Können wir mal das „Beck-Gedisse“ raushalten? Gehört nach meinem Empfinden nicht zum Thema des Artikels oben.

    Wer sich eine Woche abmeldet, wie der CSU-Seehofer in seinen besten Zeiten, und dann so wischi-waschi auf Führungsmensch macht, wie vorgestern der Beck; wer den Mumm nicht hat, zu sagen, dass man sehr wohl mit den Linken könnte, es aber sich nicht traut zu sagen, der wird aus anderen Gründen angegriffen, als Frau Y.

    Oder seht ihr das anders?
    Deswegen funktioniert imho das Wulff Beispiel auch nicht.

    ring2

    12. März 2008 at 12:28

  65. Eine nichtfrauendiskriminierende Variante zu Hurensohn wäre Sackgesicht :-). Natürlich ist das nicht übertragbar, aber es ist doch auffällig, dass Frauen sich in der Politik grundsätzlich immer weniger leisten können als Männer. Ich stelle mir gerade eine Politikerin mit einem Männerverbrauch und einem Kommunikationsverhalten vor, das einem Schröder adäquat ist. Was wäre los, wenn Frau Nahles einen Herrn Schäuble 8mal in Folge unterbricht und ihm dann „Sie können es nicht!“ ins Gesicht sagte?

    che2001

    12. März 2008 at 12:46

  66. Abgesehen davon, dass ich die Berichterstattung über die Vorgänge in Hessen für unsachlich und hysterisch halte, wie die meisten anderen hier, ich halte die „LINKEN“ nicht für sonderlich „emanzipatorisch“.

    Dass im Westen auf den LINKEN-Listen relativ viele DKP-Funktionäre stehen, das hat auch damit zu tun, dass das PDS-Estabslishment nicht unbedingt ein großer Freund des progressiv-sozialdemokratischen Parteiflügels bei den LINKEN ist. In meinen Augen ist es ein Trauerspiel unserer Parteienlandschaft, dass ausgerechnet die LINKEN in Augen vieler Wähler die glaubwürdigste Partei darstellen.

    So wenig ich die allemeine Hysterie in Sachen LINKE für angemessen halte, so wenig halte ich Begeisterung für angemessen. An den LINKEN begeistert mich nichts. Rein garnichts.

    Dr. Dean

    12. März 2008 at 14:42

  67. Würde jemand Ole von Beust als machtgeile Schwuchtel bezeichnen, weil er mit den Grünen koalieren will?

    Herr Schill vielleicht! 😉

    DDH

    12. März 2008 at 14:54

  68. Von SPD-Kahrs weiß ich nur, daß er den unsäglichen Kammernzwang abschaffen will – und das verschafft ihm bei mir Pluspunkte ggü blaugelben Klüngelanten („Brüderle, komm zwing mit mir!“)

    DDH

    12. März 2008 at 14:55

  69. @momorulez: Todenhöfer, den ich sehr schätze, auch wenn ich nicht jedes Wort unterschreibe, wurde von Kohl weggebissen, weil er immer seinem Gewissen folgte. Parteien an sich sind von Übel. Alle!

    DDH

    12. März 2008 at 14:58

  70. @Dean + DHH:

    „Parteien an sich sind von Übel. Alle!“

    Als utopische Perspektive ist das wohl richtig, aber so pragmatisch auf die Gegenwart gerichtet kann man ja trotzdem schauen, was mit ihnen anzufangen ist.

    Und ich bin kein Stück begeistert von der Linkspartei, sondern finde, daß man ganz klassisch im Sinne des „Keineren Übels“ mit den linken Mehrheiten was anfangen sollte. Weil Koch und von beust eben gar nicht gehen. Und Opel-Betriebsräte wie in Hessen sollen einfach auch mal wieder mitspielen können.

    Und bei Kahrs müßte ich tatsächlich noch mal nachrecherchieren,. was mich so gegen den einnimmt – irgendwas wabert da wie ein Echo druch mein Hirn, ich weiß aber, zugegeben, gar nicht mehr, was das war …

    momorulez

    12. März 2008 at 15:04

  71. Wenn´s darum ginge, von was man begeistert ist, würde ich nicht wählen und mich auch nicht mehr um Politik kümmern. Oder mich der APPD, der PARTEI oder der KPD/AO (Kreuzberger Patriotische Demokraten/Realistisches Zentrum) anschließen, oder vielleicht noch Ditfurths Ökolinx. Und als ich gestern mit ein paar alten Genossen diskutierte, da stand ich in deren Augen schon als eine Art Lifestyle-Yuppie und Rechtsabweichler dar.

    che2001

    12. März 2008 at 15:29

  72. @ Momorulez
    Financed by Rüstungsindustrie? Aktivist an der Intrigantenfront? Stütze von Zypries? Mehrheitenorganisierer für industrielobbyistische Anliegen? Steuerfreiheit für Beteiligungsverkäufe? Messerindenrückenrammer im Fall von Parteiprogressiven?

    @ Che
    Die KPD/RZ müsste eigentlich sogar DDH’s Wohlgefallen finden.

    Dr. Dean

    12. März 2008 at 16:02

  73. (an der Stelle müsste ich eigentlich auch ein „Süßer!“ verdient erarbeitet haben)

    Dr. Dean

    12. März 2008 at 16:04

  74. Ach, Süßer, wenn das so einfach wäre…

    David

    12. März 2008 at 16:10

  75. @che. Das sind ja Bremer Verhältnisse da bei euch im Kader 😉

    ring2

    12. März 2008 at 16:52

  76. Wo das wohl herkommt….

    che2001

    12. März 2008 at 17:00

  77. @Dean:

    Danke, Süßer! Ich wußte es echt nicht mehr so genau …

    @David:

    Ätsch! Ich Schlampe bin da ja freigiebig 😉 …

    @Che:

    Als ich gestern meinen St. Pauli-Eintrag geschrieben habe, habe ich mich hinterher auch den ganzen Tag gefragt, ob ich nicht einer jener Yuppies bin, gegen die ich doch eigentlich war und bin. Aber ich glaube nicht …

    momorulez

    12. März 2008 at 18:15

  78. Wo wir schon unverlinkt kommentiert werden, was ich völlig in Ordung finde, übrigens – hier für alle, die’s interessiert:

    http://www.bissige-liberale.com/2008/03/12/die-eigene-nase/

    „An-die-eigene-Nase-faß“ – so, hiermit geschehen. Wobei ich mich an derart drastische Ausfälle meinerseits nicht erinnern kann, will’s aber gar nicht ausschließen.

    Zur Präzision, falls hier noch jemand mitliest: Die Passagen zur politischen Kultur weiter oben bezogen sich weniger auf die Blogosphäre, sondern noch auf den Artikel von Herrn Nagel und was der da beschreibt.

    Das war allerdings tatsächlich nicht klar formuliert – und, vielleicht ist’s falsch, aber da habe ich doch andere Ansprüche an die berühmten „MSM“ als an Blog-Kommentatoren. Letztere sind – einschließlich meiner selbst – ja immer eher sowas wie Indikatoren davon, was bei den Lesern der MSM so ankommt. Welche Mentalitäten wirklich unterwegs sind. Und so.

    momorulez

    12. März 2008 at 19:57

  79. What the hell is MSM? Immer diese Abkürzungen!

    @Yuppietum: Diese alten Genossen von mir sind dermaßen unpop, dass ich schon durch das Tragen von Hemden mit Kragen als zu bürgerlich gekleidet auffalle. Ich bin auch der Einzige in diesem Kreis, der in einem Bereich arbeitet, wo wirtschaftliche Effizienz und attraktive Außendarstellung eine Rolle spielen, und in solchen Maßstäben zu denken ist für die bereits Verrat. Die haben wohl Rossana Rossanda und Regis Debray gelesen, aber noch nie die Namen Bruce Willis und Denzel Washington oder Quentin Tarantino gehört. Als ich kürzlich die Leistungen der modernen Medizin lobte und die Verwendung gentechnischer Methoden zur Heilung von Krebs und Aids für legitim hielt, erntete ich Entrüstung. Gentech ist nunmal immer böse. Wir bräuchten überhaupt keine moderne Medizin, sondern ausschließlich Lebens- und Arbeitsbedingungen, die nicht mehr krank machen.

    che2001

    13. März 2008 at 8:30

  80. Sagt man das nicht saucool statt „Mainstream-Medien“? Verringert zumindest meine Tippfehler-Quote …

    zu Yuppie:

    Na, eigentlich hieß das doch mal „Young Urban Professionals“? Gut, „young“ haut bei mir schon mal nicht mehr hin, aber rein soziotypologisch, von außen
    betrachtet, gehöre ich wahrscheinlich tatsächlich mit dazu. Was mein Werte- und Präferenzsystem betrifft aber kein Stück.

    Ist für mich aber was anderes, als das, was Du beschreibst. „Yuppie“ ist ja eher die Einheit von Ökonomie und Lifestyle, fragen wie Gentechnik, gehören die da mit rein?

    momorulez

    13. März 2008 at 8:48

  81. Soweit ich weiß, hieß Yuppie ursprünglich „Young uprising Professional“. An sich ist Yuppietum ja geprägt durch Popperlook, fetischhafte Fixiertheit auf Markenklamotten (auch nur bestimmte Marken, hauptsächlich Armani, Versace, Escada, Daniel Hechter, Prada und Gucci) und das Kokettieren mit einer neoliberalen Gesinnnung. Da gehörst Du von außen betrachtet kein Stück rein. Alterstechnisch ist das so eine Sache, da die ursprünglichen Yuppies heute arg auf die 50 zugehen.

    – Teile der linken Szene, die ich so kenne, betrachten jemanden schon als Yuppie, wenn man sich bekleidungsmäßig nach der Mode (und nicht der Szene-Mode) richtet, mehr konsumiert, als man zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung und des täglichen Wohlbefindens müsste und z.B. ein Handy besitzt -und außerdem bestimmte linke Allgemeinplätze, wie z.B. grundsätzlich gegen Werbung, gegen Engagement auf der Arbeit, gegen Stadtentwicklungsprojekte, gegen Gentech, gegen Apparatemedizin und überhaupt gegen moderne Technologie zu sein nicht teilt.

    Und dann gilt eben der Grundsatz: Als Linker muss man sich bewusst sein, dass die meisten Krankheiten Zivilisationskrankheiten sind, die durch ein grundsätzlich falsches Leben entstehen, wer sich dafür ausspricht, die mit neuen medizinischen Therapien heilen zu wollen, steht bereits auf der anderen Seite. Ich sage dann meist: Erzähl das den Patienten.

    che2001

    13. März 2008 at 9:28

  82. Gribbit, gribbit, gribbit. You know another really good business? Teeny tiny baby coffins. You can get them in frog green or fire engine red. Really. The antibodies in yummy mummy only protect the kid for 6 months, which is why these companies think they can gouge you. They think that you’ll spend whatever they ask to keep your kid alive. Want to change things? Prove them wrong. A few hundred parents like you decide they’d rather let their kid die then cough up 40 bucks for a vaccination, believe me, prices will drop REALLY fast. Gribbit, gribbit, gribbit, gribbit, gribbit.

    David

    13. März 2008 at 9:37

  83. che2001

    – Teile der linken Szene, die ich so kenne, betrachten jemanden schon als Yuppie, wenn man sich bekleidungsmäßig nach der Mode (und nicht der Szene-Mode) richtet, mehr konsumiert, als man zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung und des täglichen Wohlbefindens müsste und z.B. ein Handy besitzt -und außerdem bestimmte linke Allgemeinplätze, wie z.B. grundsätzlich gegen Werbung, gegen Engagement auf der Arbeit, gegen Stadtentwicklungsprojekte, gegen Gentech, gegen Apparatemedizin und überhaupt gegen moderne Technologie zu sein nicht teilt.

    Und dann gilt eben der Grundsatz: Als Linker muss man sich bewusst sein, dass die meisten Krankheiten Zivilisationskrankheiten sind, die durch ein grundsätzlich falsches Leben entstehen, wer sich dafür ausspricht, die mit neuen medizinischen Therapien heilen zu wollen, steht bereits auf der anderen Seite. Ich sage dann meist: Erzähl das den Patienten.

    In einigen Fällen kommt hinzu, dass Krankheiten ausbrechen, die bei einer niedrigeren Lebenserwartung (wie anderswo oder früher auch in den Industriestaaten) gar nicht ausgebrochen wären — die Leute wären vorher gestorben. Natürlich gibt es durch Bewegungsmangel und falsche Ernährung bedingte Erkrankungen, aber schon bei den Chemikalien, Elektrosmog, Industrie-Nahrungsmitteln (denaturierte Nahrung), Umweltgift-Diskussionen ist der Einfluss auf die Krankheiten höchst umstritten.

    In SAT1 war es glaube ich, kam ein Bericht über eine Frau, die mit einem Wohnwagen in den Wald gezogen ist und die nur noch mit einem Schutzanzug raus geht, der sie vor den gefährlichen Handystrahlen schützen soll, die sie angeblich krank machten.

    Es gibt ganz seltene Krankheiten, die wirklich auf einer übermäßigen Empfindlichkeit gegenüber Umweltbelastungen beruhen, aber soweit ich weiß, ist es für psychische Erkrankungen typisch, dass die Ursache für körperliche Beschwerden zunächst oder grundsätzlich nicht der Psyche und dem eigenen Körper, sondern fremden Einflüssen zugeschrieben wird.

    Das reduziert die Anzahl der wirklich relevanten Fälle schon mal um einiges, aber bestimmt bleibt auch ein Anteil, der wirklich durch Umwelteinflüsse krank wird bzw. gesundheitlich beeinträchtigt. Allergien liefern dafür ja auch eine ganz schöne Bandbreite. Dass ich diese radikale Feindseligkeit dem Fortschritt gegenüber (bei durchaus Verständnis oder Sympathie für Ökologie in Maßen) ablehne, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen.

    NUB

    13. März 2008 at 10:02

  84. Na ja, bei diesen meinen Genossen steht mehr im Mittelpunkt, dass der Streß im arg beschleunigten Berufsleben heutzutage krank macht, dass es kaum schwere Autounfälle gäbe, wenn nicht Hektik den allgemeinen Lebensrhythmus prägen würde, dass es in einer klassenlosen und entschleunigten Gesellschaft Krankheiten wie psychische und psychosomatische Erkrankungen, Allergien und die meisten Krebsarten nicht geben würde. Die Entwicklung von Therapien gegen solche Erkrankungen mit High-Tech-Medizin wird dann als Verschlimmbesserung wahrgenommen. Die aussteigerischen Ökochonder werden auch als Teil des Problems betrachtet, die Lösung liegt dann aber ausschließlich in Gesellschaftskritik bzw. Klassenkampf. Ich bin sozusagen schon außerhalb des Diskurses, wenn ich mich für medizinische, anthropologische, architektonische oder technologische Fragen interessiere.

    che2001

    13. März 2008 at 10:27

  85. che2001

    dass der Streß im arg beschleunigten Berufsleben heutzutage krank macht, dass es kaum schwere Autounfälle gäbe, wenn nicht Hektik den allgemeinen Lebensrhythmus prägen würde,

    Ist natürlich was dran. Zu viel Stress ist für das Herz-Kreislauf-System auf Dauer schädlich. Im Straßenverkehr mache ich aber doch mehr rücksichtsloses Verhalten und riskanten Fahrstil verantwortlich.

    Können Deine Genossen natürlich sagen: In der klassenlosen und entschleunigten Gesellschaft gäbe es keine Rücksichtslosigkeit. Wo wir wieder bei der Utopie-Diskussion und der Natur des Menschen wären.

    dass es in einer klassenlosen und entschleunigten Gesellschaft Krankheiten wie psychische und psychosomatische Erkrankungen, Allergien und die meisten Krebsarten nicht geben würde.

    Bis auf „die meisten Krebsarten“ ein Standpunkt, der nicht auf den ersten Blick als falsch erscheint. Krebs gab es aber immer. Wie gesagt sind früher die Leute nur oft nicht alt genug geworden, Krebs zu bekommen und daran zu sterben. Zusammenhänge zwischen Psyche und Krebs sind bisher auch nicht stichhaltig erwiesen. Natürlich beschleunigt ein schlechter psychischer Zustand jedes Sterben und erhöht das Leid, weil das Immunsystem und der ganze Körper darunter leidet. Die Medizin ist zumindest mal so weit, Psyche und Körper nicht mehr strikt zu trennen.

    NUB

    13. März 2008 at 10:37

  86. che2001

    Man kann durchaus sagen, mit dem Fortschritt der Medizin gibt es mehr Kranke. Weil erstens mehr als Krankheit eingestuft wird und bekannt ist, zweitens weil mehr Menschen vor dem Tod bewahrt werden, was aber nicht Gesundheit und Lebensqualität bedeutet.

    Ob alt oder jung, früher sind einfach viel mehr Menschen in aussichtsloser Lage gestorben, in der eigenen Familie habe ich das z.B. bei einer Tante mitbekommen. Schlaganfälle, dann auch Bauchfellentzündung. Im Krankenhaus wurde alles unternommen, jetzt ist sie ein Pflegefall, aber noch am Leben. Wir haben eine Medizin, die den Fortschritt ermöglicht hat, vor dem Tod zu retten, aber eben (noch ?) nicht jeden gesund zu machen.

    NUB

    13. März 2008 at 10:42

  87. @“Im Straßenverkehr mache ich aber doch mehr rücksichtsloses Verhalten und riskanten Fahrstil verantwortlich.“ Und woher kommt dieses? Die weitaus meisten Raser, die ich so erlebe, sind Anzugträger in schwarzen Audis oder BMWs. Seit den ca.25 Jahren, die ich Auto fahre, habe ich eine eklatante Brutalisierung des Fahrverhaltens erlebt, die mit der Entwicklung des Neoliberalismus einhergeht. Von der Termindichte bei Meetings bis zur just-in-time-Produktion, die es früher gar nicht gab ist dieser mit jeder Menge Hektik-Faktoren verbunden. Kann mich nicht erinnern, in den 70ern und frühen 80ern jemals überholende LKWs auf Autobahnen erlebt zu haben, inzwischen führen die bei uns in der Gegend mehrmals die Woche zu Unfällen mit Vollsperrung und Umleitung durch die Kleinstädte.

    @Krebs: In der ältesten Stadt der Welt, dem knapp 10 000 Jahre alten Catal Höyük, war die häufigste Todesursache Lungenkrebs, weil die Menschen die Schornsteine als Hauseingänge benutzten. Krebs war die übliche Todesursache der Armenkinder, die in England im 18 und 19. Jahrhundert als Schornsteinfeger eingesetzt wurden (da konnte man den Begriff „Kaminklettern“ noch wörtlich nehmen) und die selten älter als 14 wurden. Meine fundamentalistischen Genossen sagen ja nicht, dass früher irgendetwas besser gewesen wäre, sondern sie vertreten eine Verbindung aus marxschem Fortschritsmodell und ökologischer Kritik am Ist-Stand der Industriegesellschaft.

    che2001

    13. März 2008 at 10:50

  88. „Ich bin sozusagen schon außerhalb des Diskurses, wenn ich mich für medizinische, anthropologische, architektonische oder technologische Fragen interessiere.“

    DAS ist genau das Problem mit den Jungs und Mädels, warum ich das eines Tages nicht mehr ertragen habe. Es steckt ein negativer Objektbezug darin. Ich dachte in meinen Kreisen irgendwann, die meinen ein Unirdisches,das aber recht vulgär aussieht. Ich kannte auch Leute, die fanden Pol Pot toll.

    T. Albert

    13. März 2008 at 10:54

  89. Die weitaus meisten Raser, die ich so erlebe, sind Anzugträger in schwarzen Audis oder BMWs.

    Seit den ca.25 Jahren, die ich Auto fahre, habe ich eine eklatante Brutalisierung des Fahrverhaltens erlebt, die mit der Entwicklung des Neoliberalismus einhergeht.

    Die meisten Raser haben zugleich PS-starke Autos, die dazu einladen ausgefahren zu werden oder da besonders viel Freude bereiten (sollen). Und so ein PS-starkes Auto muss man sich erst mal leisten können.

    Nach Deiner These (ich will ja gar nicht ausschließen, dass sie z.T. stimmt) müsste ein Proletarier mit 400 PS unter dem Hintern lammfromm fahren, weil er nicht die neoliberale Ellenbogengesellschaft internalisiert hat.

    Es spielt sicher auch eine Rolle, dass die Autos besser geworden sind und dafür optimiert, schnell zu fahren. Man denke nur an die ganzen Fahrhilfen… Ich bin schon mit älteren Autos gefahren, die sind bei 200 kein Vergnügen, laut, wackelig, unruhig, z.T. keine besondere Straßenlage… >200 fahren bei den älteren Autos sowieso nur Sportwagen.

    NUB

    13. März 2008 at 11:00

  90. @T. Albert

    DAS ist genau das Problem mit den Jungs und Mädels, warum ich das eines Tages nicht mehr ertragen habe. Es steckt ein negativer Objektbezug darin

    Eigentlich ist jede Einstellung Mist, die etwas ungesehen, ohne detailliert zu betrachten, bejubelt oder verdammt. Natürlich halten wir uns da alle nicht immer so dran, aber es gibt auch welche, die arbeiten nur in so einem Modus.

    NUB

    13. März 2008 at 11:01

  91. che2001

    Meine fundamentalistischen Genossen sagen ja nicht, dass früher irgendetwas besser gewesen wäre, sondern sie vertreten eine Verbindung aus marxschem Fortschrittsmodell und ökologischer Kritik am Ist-Stand der Industriegesellschaft.

    Das hörte sich vorher etwas so an, als habe es ja früher Krebs nicht gegeben… Aber medizinischer Fortschritt ist nach dem Marx’schen Fortschrittsmodell doch wünschenswert, oder?

    NUB

    13. März 2008 at 11:03

  92. che2001

    Meine fundamentalistischen Genossen sagen ja nicht, dass früher irgendetwas besser gewesen wäre, sondern sie vertreten eine Verbindung aus marxschem Fortschrittsmodell und ökologischer Kritik am Ist-Stand der Industriegesellschaft.

    Das hörte sich vorher etwas so an, als habe es ja früher Krebs nicht gegeben… Aber medizinischer Fortschritt ist nach dem Marx’schen Fortschrittsmodell doch wünschenswert, oder?

    NUB

    13. März 2008 at 11:05

  93. che2001

    PS: Die Zunahme des Güterverkehrs mittels LKW und die negativen Folgen hast Du natürlich richtig erkannt, ein Gegenmodell wäre mehr auf die Schiene zu verlagern.

    (Weniger produzieren, konsumieren, verkaufen mal außen vor. 😉 )

    NUB

    13. März 2008 at 11:07

  94. @“Die meisten Raser haben zugleich PS-starke Autos, die dazu einladen ausgefahren zu werden oder da besonders viel Freude bereiten (sollen). Und so ein PS-starkes Auto muss man sich erst mal leisten können.
    Nach Deiner These (ich will ja gar nicht ausschließen, dass sie z.T. stimmt) müsste ein Proletarier mit 400 PS unter dem Hintern lammfromm fahren, weil er nicht die neoliberale Ellenbogengesellschaft internalisiert hat.“ — Meine Schwester zum Beispiel ist der Meinung, schon ABS und alles was an Sicherheitssystemen danach kam dürfte es nicht geben, weil es zum Rasen verleite, und mehr als 120 PS müssten gesetzlich verboten werden. Ich kann mich etinnern, dass es in den 1980ern von Grünen bis linksaúßen eine Kampagne „Tempo 100 freiwillig dem Wald zuliebe“ gab, erkennbar nicht nur am Fahrverhalten, sondern an entsprechenden Aufklebern auf den Fahrzeugen. Ich hatte da auch jahrelang mitgemacht. Ich bin als zeitweiliger Sportwagenfahrer und berufsbedingter Schnellfahrer ja selber nicht PC, aber zumindest vom gedanklichen Ansatz her finde ich das nicht grundfalsch.

    che2001

    13. März 2008 at 11:50

  95. @“Aber medizinischer Fortschritt ist nach dem Marx’schen Fortschrittsmodell doch wünschenswert, oder?“ Sicher ist er das, aber Ökolinke und Autonome sind häufig grundsätzliche Gegner der Schulmedizin und setzen eher auf Naturheilverfahren – bis hin zu Bachblütentherapie bei Infektionskrankheiten. Als zwar kritischer und insbesondere die Arbeitsorganisation in den Krankenhäusern und nichtpatientengerechte Verordnungs- und Abrechnungspraktiken kritisierender, aber doch grundsätzlicher Anhänger der Schulmedizin bin ich in einer Minderheitsposition.

    che2001

    13. März 2008 at 11:55

  96. @“ein Gegenmodell wäre mehr auf die Schiene zu verlagern.

    (Weniger produzieren, konsumieren, verkaufen mal außen vor)“

    Weniger produzieren, konsumieren, verkaufen würden meine Freunde als das Role Model bezeichnen.

    che2001

    13. März 2008 at 11:57

  97. che2001

    Weniger produzieren, konsumieren, verkaufen würden meine Freunde als das Role Model bezeichnen.

    Ich hindere keinen daran, sowas zu vertreten. Ich glaube aber auch nicht, dass es massenkompatibel ist. Die Massen verstehen keinen Spaß mehr, wenn man ihnen ein Leben ohne Wohlstand bereitet, sie fahren gerne auf dem Kapitalismusticket, solange es wirtschaftlich in ihrem Sinne ist oder zumindest Chancen und Möglichkeiten bietet und eine Lebensqualität, die sagen wir mal oberhalb der Schwellenländer liegt. Bescheidenheit als Ideal kann man vielleicht noch mit Wertekonservativen zusammenbringen, wird aber m.E. immer eine Minderheitenposition sein. Was ja nicht schlimm ist.

    Sicher ist er das, aber Ökolinke und Autonome sind häufig grundsätzliche Gegner der Schulmedizin und setzen eher auf Naturheilverfahren – bis hin zu Bachblütentherapie bei Infektionskrankheiten. Als zwar kritischer und insbesondere die Arbeitsorganisation in den Krankenhäusern und nichtpatientengerechte Verordnungs- und Abrechnungspraktiken kritisierender, aber doch grundsätzlicher Anhänger der Schulmedizin bin ich in einer Minderheitsposition.

    Du erzählst das ziemlich oft mit diesen Genossen, die Dich ja für irgendwie bürgerlich, rechtsabweichlerisch etc. halten. Scheint Dich doch zu stören, oder?

    Meine Schwester zum Beispiel ist der Meinung, schon ABS und alles was an Sicherheitssystemen danach kam dürfte es nicht geben, weil es zum Rasen verleite, und mehr als 120 PS müssten gesetzlich verboten werden. Ich kann mich etinnern, dass es in den 1980ern von Grünen bis linksaúßen eine Kampagne “Tempo 100 freiwillig dem Wald zuliebe” gab, erkennbar nicht nur am Fahrverhalten, sondern an entsprechenden Aufklebern auf den Fahrzeugen. Ich hatte da auch jahrelang mitgemacht. Ich bin als zeitweiliger Sportwagenfahrer und berufsbedingter Schnellfahrer ja selber nicht PC, aber zumindest vom gedanklichen Ansatz her finde ich das nicht grundfalsch.

    Ich dachte, dass auch hier, bald überall schon vor ein paar Jahren ein Trend zu sparsamen, ökonomisch-ökologisch sinnvollen Autos hätte durchsetzen müssen, einen Moment sah es so aus. Dann kamen immer wieder Modelle mit 500 PS, dann auch mal 1000 PS, womit die Hersteller natürlich (z.T. nur in Studien) zeigen, was sie können. Aber einiges geht ja auch in Serie… Sowas wie der Cheyenne müsste nach meiner Erwartungshaltung out sein, aber erfreut sich ja doch eines großen Erfolges, weltweit. Es soll auch in der Schweiz radikale Ökos geben, die PS-Boliden untersagen und gegen die Halter vorgehen wollen.

    NUB

    13. März 2008 at 13:16

  98. @NUB: Ich hindere keinen daran, sowas zu vertreten. Ich glaube aber auch nicht, dass es massenkompatibel ist. Die Massen verstehen keinen Spaß mehr, wenn man ihnen ein Leben ohne Wohlstand bereitet, sie fahren gerne auf dem Kapitalismusticket, solange es wirtschaftlich in ihrem Sinne ist oder zumindest Chancen und Möglichkeiten bietet und eine Lebensqualität, die sagen wir mal oberhalb der Schwellenländer liegt. Bescheidenheit als Ideal kann man vielleicht noch mit Wertekonservativen zusammenbringen, wird aber m.E. immer eine Minderheitenposition sein. Was ja nicht schlimm ist. — Meine Position wäre auch eigentlich eher „libertärer Sozialismus ist nicht uniformiertes Elend, sondern Luxus für alle“. Was „die Massen“ angeht, sind viele Altlinke noch von einem Arbeitermilieu geprägt, indem Bescheidenheit eine besondere Tugend war, und das mischt sich dann mit der moralischen Konsumzurückhaltung jüngerer Leute, die oft schon in grünen Haushalten aufgewachsen sind. Speziell in antiimperialistischen Zusammenhängen kommen dann die Erfahrungen von Asylbewerbern und Bürgerkriegsflüchtlingen hinzu, die mit Dritte-Welt-Elend aufgewachsen sind. Für das weitere autonome Umfeld typisch ist, soziale Verhältnisse im Weltmaßstab zu denken. Dann bezeichnet ein Sozialhilfeempfänger sich selber als reich, weil er die eigene Situation auf die Verhältnisse Brasiliens und Ägyptens herunterbricht. Ein Großteil dieser Szene lebt ja in freiwilliger Armut.

    Du erzählst das ziemlich oft mit diesen Genossen, die Dich ja für irgendwie bürgerlich, rechtsabweichlerisch etc. halten. Scheint Dich doch zu stören, oder?

    Klar stört mich das. Nicht nur rein persönlich, sondern auch, weil sich eine dermaßen ghettoisierende Szene die Massen nicht zu erreichen vermag und der Gesellschaft auch keine Alternative mehr anzubieten vermag.

    Ich dachte, dass auch hier, bald überall schon vor ein paar Jahren ein Trend zu sparsamen, ökonomisch-ökologisch sinnvollen Autos hätte durchsetzen müssen, einen Moment sah es so aus. Dann kamen immer wieder Modelle mit 500 PS, dann auch mal 1000 PS, womit die Hersteller natürlich (z.T. nur in Studien) zeigen, was sie können. Aber einiges geht ja auch in Serie.

    Das war Anfang der 80er noch ganz anders. Als 1982 der Porsche 944 rauskam, hieß es in der Fernsehsendung, in der dieser vorgestellt wurde, es stelle sich die Frage, ob es für solche Autos überhaupt noch einen Markt gäbe und ob das der Letzte seiner Art sei. Was dann im Zeitalter des Piech losging, erschien anachronistisch und absurd. Dabei gibt es Autos, die gleichermaßen sportlich wie sparsam und umweltfreundlich sind, z.B. der Daihatsu Copen.

    che2001

    13. März 2008 at 13:37


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