shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

„Scheiß Protektionismus, scheiß Staat, scheiß Wahlen“

with 8 comments

Alles Scheiße, jaja. Worüber ich ja trotz fäkaler Dimensionen ungeheuren Ausmaßes seit Tagen grübel, ist die Diskussion mit Statler über die  Positionen Obamas zum NAFTA-Abkommen. Hatten wir hier in den Kommentaren, beim A-Team greift er das indirekt wieder auf.

Wenn das Argument so funktioniert, daß Freihandel eben gerade für Mexikaner z.B. gut ist, weil sich die US-Märkte dann öffneten und mexikanischen Unternehmen es so ermöglicht würde, an etwas gewinnbringend zu partizipieren, wovon sie sonst ausgeschlossen würden – ist das nicht ein flammendes Plädoyer für Chancengleichheit, ja, für – perspektivisch – sogar Angleichung der Lebensverhältnisse, also genau das, was linken Argumentationen ansonsten als erster Schritt auf dem Wege zur Knechtschaft untergeschoben wird?

Ich bitte das einfach mal von der Frage, ob Freihandel denn nun auch wirklich zu sowas führt oder auch nicht, zu trennen. Weil die veranschlagten Kriterien doch genau jene sind, die innenpolitsch normalerweise zurückgewiesen werden, oder nicht?

Ich meine das ausdrücklich auch nicht als „ätschbätsch, erwischt!“ Vielleicht verweist das vielmehr auf Gemeinsamkeiten, die ansonsten schlicht untergehen.

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Written by momorulez

14. März 2008 um 9:10

Veröffentlicht in Ökonomie, Links?, Staat=Markt?

8 Antworten

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  1. Naja, der Unterschied ist einfach, daß Konvergenz durch Handel anders läuft als durch klassische Umverteilung. Nehmen wir in dem Beispiel die USA: Du hast im Freihandel ohne Handelsschranken und ohne Subventionen natürlich Gruppen von Individuen, die verlieren. Die amerikanischen Bauern wären wahrscheinlich so eine Gruppe. Aber die Prognose ist, daß für die beteiligten Länder insgesamt jeweils die Wohlstandszuwäche der Gewinner die Verluste der Verlierer übertreffen.

    Man könnte also die Einführung von Freihandel als Paretoverbesserung gestalten, indem man sich einigt: Erstens, wir machen die Märkte auf und zweitens, in jedem Land kompensieren die Gewinner die Verlierer, dann haben am Ende alle mehr davon. Das passiert in der Realität nie perfekt, aber zumindest gibt es z.B. das bekannte empirische Resultat von Dani Rodrik, der nachweist, daß offenere Volkswirtschaften im Durchschnitt größere staatliche Umverteilungssysteme haben, also die Verlierer der Offenheit tatsächlich kompensieren.

    Okay, aber der Punkt ist: Beide Länder gewinnen durch Freihandel. Wenn Konvergenz durch Einführung von Freihandel stattfindet, dann dadurch, daß die Wohlfahrtsgewinne des vorher reichen Landes geringer sind als die des vorher armen Landes. Aber beide gewinnen. Nur: Das mit der Konvergenz muß nicht unbedingt passieren. Was wir sagen können ist, daß beide gewinnen. Es kann am Ende aber auch dabei herauskommen, daß der Abstand zwischen reichem und armem Land größer geworden ist. Nur selbst dann haben beide an absolutem Wohlstand gewonnen.

    statler

    14. März 2008 at 10:12

  2. Wäre die jeweilige Binnenökonomie weitgehend verteilungsneutral, sodass Handelsgewinne und Handelsverluste quasi „sozial gerecht“ verteilt würden, könnte ich den Auführungen von Statler – mit gewissen Vorbehalten z.B. hinsichtlich der Wirkung von Macht- und Entwicklungsasymetrien – insgesamt zustimmen. Dazu kommt ein vierter Vorbehalt, nämlich meine Vermutung, dass ein schlagartig eingeführter Freihandel oftmals mit erheblichen externen sozialen Kosten verbunden ist, welche den jeweiligen Handelsnutzen überkompensieren.

    (Man sieht: Im Grunde genommen kritisiere ich eine These, die – auch – ich aufgestellt habe, denn grundsätzlich halte ich den Welthandel für ein wirksames und sinnvolles Instrument auch zur ökonomischen Partizipation)

    Meine Vorbehalte etwas aufgedröselt:

    Punkt 1 – Verteilungswirkung und „-neutralität“ des Welthandelsnutzens

    Eine „ideale“ Verteilungsneutralität (z.B. hinsichtlich der Verteilung des Welthandeslsnutzens auf soziale Gruppen, Einkommensklassen usw.) wäre weder ökonomisch noch sozial ideal. Aber, und das halte ich für relevant, – tatsächlich ist ein Szenario vorstellbar (am leichtesten auf der Seite von Entwicklungsländern), dass die ökonomischen Umstrukturierungen, die sich als Folge eines Welthandelsgeschehens ergeben, einseitig zu Lasten sozial Schwacher gehen und einseitig zu Gunsten von Einkommens- und Machteliten ausfallen.

    Wenn das so ist, wenn also – das wäre eine Voraussetzung für dieses Szenario – bei den jeweilig betrachteten teilnehmenden Ländern des Welthandels eine binnenökonomisch sozial sehr ungleiche und auch erheblich machtungleiche gesellschaftliche Situation vorliegt, so muss man viel schärfer und genauer hinschauen, um hinterher sagen zu können, dass der Welthandel „beiden Seiten“ nützt.

    Allerdings – gleich mal als Argument vorweg, um typische linke Kritik zu entkräften: Gerade die Verbilligung von Konsumgütern (z.B. Kleidung oder Technik) kommt sozial schwachen Gruppierungen in einer Ökonomie oftmals in besonderen Maß entgegen.

    Der Handelsnutzen des Welthandels realisiert sich nämlich sowohl auf der produzierenden Seite, wie auf der konsumierenden Seite.

    Auf der produzierenden Seite könnte ein intensivierter Welthandel (unter der Voraussetzung binnenwirtschaftlicher Machtasymetrien) dazu führen, dass sich die Arbeits- und Lebensbedingungen für die Beschäftigten auf beiden Seiten des Welthandels verschlechtern.

    (Das ist außerordentlich bedeutend – und spielt auch im Zusammenhang mit NAFTA bzw. dem Obama-Wahlkampf in Ohio eine Rolle. Wenn z.B. Belegschaften auf beiden Seiten des Welthandels erpresst werden.)

    Allerdings: Auch hier lässt sich – auch dann, wenn die Voraussetzung der Machtasymetrie gegeben ist – keine sichere Voraussage machen. Der „globalisierungskritischen“ Position, dass intensivierter Welthandel automatisch zu Nachteilen für die Beschäftigten führt, widerspreche ich.

    Man muss genauer hinschauen.

    Dennoch kann man m.E. sagen, dass vernünftige (also: nicht übertriebene) Sozialstandards zu den Voraussetzungen des Welthandels gehören sollten, besonders dort, wo es um den Handel zwischen sehr ungleichen Ländern geht.

    (Das ist allerdings ein Tanz auf Messer Schneide – es kann schnell der Fall sein, dass die „Sozialregulationen“ des Welthandels übertrieben sind, wie es auch der Fall sein könnte, dass sie weitgehend wirkungslos ausfallen könnten, während sie zugleich wie ein nichttarifäres Handelshemmnis wirken – und somit mehr Schaden anrichten als Nutzen)

    Punkt 2 – Machtasymetrien im Welthandel

    Hier sind jetzt keine Binnenasymetrien gemeint (wie oben bereits angesprochen), sondern ein strukturell machtasymetrisches Verhältnis zwischen den jeweiligen Handelspartner.

    Auf eine kurze Formel gebracht:

    Unfaire Handelsvoraussetzungen schaffen unfaire Handelsergebnisse.

    Ein übertriebener Patent- und Urheberrechtsschutz kann sich wie eine Machtasymetrie im Welthandel auswirken, im schlimmsten theoretischen Fall z.B. verhindern, dass der schwächere Handelspartner überhaupt Produkte mit hoher Wertschöpfungskomponente anbieten kann. Umgekehrt könnte aber auch ein völlig entfallender Patent- und Urheberrechts eine Form des unfairen Handels bewirken.

    Was ich hier zunächst nur theoretisch andeute, spielt in der Praxis eine starke Rolle. So werden z.B. in Entwicklungs- und Schwellenländern produzierte Generika vom Markt ausgeschlossen oder auch konkurriernde Softwareanbieter, welche mit ausufernden Patentstreitigkeiten vom Marktzugang ausgeschlossen werden. Die in den USA beliebte und verbreitete Patentierbarkeit von Trivialpatenten, sowie deren Durchsetzung auf dem Wege der WTO, ist eine sehr hässliche Realität des Welthandels – und berührt genau den von mir aufgeführten Punkt Machtasymetrie.

    Ähnlich wie es auch im Binnenhandel der Fall ist, spielt es auch im Welthandel eine große Rolle für die Beurteilung des Gesamtgeschehens, wie offen der Marktzugang für konkurrierende Anbieter tatsächlich ist – ob und wie problemlos z.B. Anbieter aus Entwicklungsländern partzipieren können.

    Zur Abrundung noch ein m.E. großes ordoliberales Argument pro Welthandel:

    Ein intensiver Welthandel erzeugt in der Regel Vielfalt im Warenangebot und intensiviert damit, sehr segensreich, ein weitgehend faires Konkurrenzgeschehen auf den Märkten. Ebendieses Konkurrenzgeschehen ist in der Summe ein wirkungsstarker Machtbrecher, sowohl hinsichtlich binnenwirtschaftlicher ökonomischer Machtpositionen, und auf lange Sicht hin gilt dies auch im weltweiten Maßstab.

    Punkt 3 – Entwicklungsasymetrien

    Beim Welthandel zwischen sehr ungleichen Handelspartnern spielen ökonomische Entwicklungsasymetrien eine große Rolle. Das ist gleich doppelt bedeutsam, einmal, weil Welthandel zum einen eine Chance auf Verringerung der Entwicklungsasymetrien darstellt, andererseits, weil Entwicklungsasymetrien zu einem unfairen Welthandel führen können.

    Der erste Punkt – und das ist gerade für Linke relevant – spricht sehr stark für einen intensivierten Welthandel. Schaut man sich z.B. die Wirkung des Welthandels auf den Entwicklungsrückstand Spaniens im europäischen Vergleich an, kann man dies als exemplarisches Argument dafür nehmen, dass ein intensivierter Welthandel tatsächlich ein „emanzipatorisches“ und Ungleichheiten ausgleichendes Potential besitzt und Entwicklungsprozesse anregt. Vergleicht man den Fall Portugal (wo die Entwicklungsdifferenzen noch größer ausfallen), dann ist das Bild m.E. weniger eindeutig.

    Im Fall großer Entwicklungsunterschiede befürworte ich, dass man Entwicklungsländern Welthandelsprivilegien einräumt. Es kann – als vorrübergehendes Entwicklungsregiment – Sinn machen, dass ein Land mit großen Entwicklungsrückstand einseitige Zölle erlässt, um beispielsweise die einheimischen Schuhfabrikanten zu schützen und ihnen einen Übergangs- und Lernzeitraum einzuräumen.

    Sehr große ökonomische Entwicklungsunterschiede können nämlich bewirken, dass ein Welthandelspartner mit einem großen Entwicklungsnachteil als Folge des Welthandels ohne jegliche positive Kompensation eine De-Industrialisierung erlebt.

    (wenn man so will, kann man diesen Prozess – in Teilen – mit der De-Industrialisierung Ostdeutschlands vergleichen)

    Eine adäquate Antwort auf dieses Geschehen ist allerdings alles andere als einfach. Ich meine – erneut mit Vorbehalt – dass ein vorsichtes Heranführen des unterentwickelten Partners an das Welthandelsgeschehens, bei gleichzeitiger Privilegierung (!) des ökonomischen rückständigen eine Antwort darstellt, von der auf lange Sicht alle Handelspartner deutlich stärker profitieren als von einem Szenario des „schlagartigen Welthandels“ – was direkt zu meinem vierten Vorbehalt führt.

    Punkt 4 – abrupter Welthandel

    Ich begreife ökonomische Prozesse auch als Lernprozesse. Wenn sich das Welthandelsgeschehen schlagartig verändert (z.B. durch eine Liberalisierung oder durch einen Handelsvertrag), dann werden damit unter Umständen notwendige ökonomische Lern- und Angleichungsprozesse unterbunden!

    Dazu kommt, dass abrupte Veränderungen der Handelslage regelmäßig mit externen sozialen Kosten verbunden sind, welche erheblich sind und den Handelsnutzen übersteigen können.

    Ich befürworte also ein schrittweises Vorgehen.

    (Im Übrigen befürworte ich eine weitergehende Handelsliberalisierung zwischen Europa und den USA – dass man z.B. für den Handel mit elektronischen Geräten überhaupt noch den Zoll bemühen muss, halte ich für eine Idiotie ersten Ranges)

    Dr. Dean

    14. März 2008 at 12:18

  3. @Statler:

    „Naja, der Unterschied ist einfach, daß Konvergenz durch Handel anders läuft als durch klassische Umverteilung.“

    Weiß jetzt gar nicht, ob klassische Umverteilung aktuell der Megatrend ist, aktuell werden ja eher Schutzzonen für Schwächere und Mindeststandards diskutiert, und die kann man auch durch Chancengleichheitsargumente begründen – da, wo diese nicht gewährleistet ist, muß kompensiert werden. Was empirisch dann eine Endlosdebatte ist, aber Du gehst ja auch über moralsiche und quasi-moralische, also utilitaristische, Argumente da ran, und auf der Ebene des normativen Maßstabes besteht im Grunde genommen Konvergenz zwischen vielen liberalen und gemäßigt linken Positionen, darauf will ich ja eigentlich hinaus. Dann kann man die aber nicht auf die Relation zwischen Volkswirtschaften, sondern eben auch „innenpolitisch“ oder binnen-ökonomisch oder wie immer man das nennen will beziehen.

    „Die amerikanischen Bauern wären wahrscheinlich so eine Gruppe.“

    Aber gilt das Argument nicht universell? Wieso sollen für amerikanische Bauern nicht die gleichen Kriterien gelten wie für mexikanische? Subventionsabbau ist natürlich in diesem Rahmen sonnenklar zu fordern, ja.

    „Man könnte also die Einführung von Freihandel als Paretoverbesserung gestalten, “

    Ja, die Argumentation über Chancengleichheit ist ja eine, die mit solchen Modellen bestens klar kommt.

    „Beide Länder gewinnen durch Freihandel.“

    Das ist ja für mich eigentlich das Kernproblem: Das Argument bzgl. Chancengleichheit funktioniert nationalökonomisch, sozusagen. Warum eigentlich?

    momorulez

    14. März 2008 at 12:20

  4. Sheldon Richman sieht das Problem bei Wahlen als ein Grundsätzliches:

    „Most voters know nothing about how markets work—or even that they work—and how government actions tend to sabotage them. As I’ve noted before, Bryan Caplan’s book, The Myth of the Rational Voter, well documents the widespread ignorance about economic principles. Public-opinion surveys unfailingly demonstrate that most people believe, as articles of faith, that 1) profitable market exchange is a zero-sum activity (one person’s gain is another person’s loss), 2) foreigners bearing goods and services are threats, 3) job preservation is good and job destruction bad, and 4) bad economic news counts more than good economic news. The inconsequential nature of a single vote and the costlessness of casting a feel-good vote guarantee that most individuals will have no incentive to examine their economic biases before voting. (The more highly educated a person is, the less likely he or she is to have these biases.)“

    Und konkret zur das intellektuelle Fassungsvermögen des Elektorats übersteigenden Freihandelsfrage:

    „Most of the promises candidates make are about economic matters. Two candidates today promise to obstruct trade across the Mexican and Canadian borders because consumers‘ freedom to accept the best offer allegedly has eliminated manufacturing jobs in Ohio. (The candidates of course are not candid enough to blame consumer freedom, but that’s what they mean. Long before NAFTA, Ohio’s manufacturing jobs were „jeopardized“ by free trade and capital improvement within the United States, not to mention onerous government intervention.) Further, we hear candidates promise to make health care, college education, housing, and virtually everything else „universal and affordable.“ And we’re told that more taxes and government spending are the keys to prosperity.“

    Drum bleibt nur ein Schluß:

    „In other words, a truly informed person must understand that no one can be qualified to be president because no one can do what a president is expected and empowered to do.“

    Hier der ganze Artikel

    DDH

    14. März 2008 at 15:35

  5. Weil ich in Freihandel prinzipiell ein immenses ökonomisches und auch kulturelles Emanzipations-, Entwicklungs- und Angleichungspotentiel sehe, führe ich einstweilen meine Kritik an dieser Idee fort. Ich beschreibe also den nächsten fundamentalen Schmerzpunkt des Freihandels:

    Punkt 5 – Das Allokationsparadox des Freihandels

    Vorrede:

    Die klassiche ökonmische Weisheit besagt, dass freie Märkte und Freihandel allokationseffizient sind, besonders, und dies mit sehr großer Sicherheit, wenn man die Effizienz der Allokation von Wirtschaftsgütern z.B. mit sozialistischen Modellen vergleicht. Planwirtschaften sind eher als Märkte ineffektive Mangelwirtschaften

    Kurzum: Märkte können knappe Güter besser verteilen. Das gilt auch weltweit.

    Einwand:

    Eine oft verkannte, implizite Voraussetzung des marktwirtschaftlichen Allokationssegens besteht darin, dass die Markt-Teilnehmer (z.B. Händler auf einem Fischmark sowie deren Lieferantent) bis zu einem gewissen Grad ökonomisch gleich (!) sind.

    Wenn die Ungleichheit ein bestimmtes Maß überschreitet, dann funktionieren freie Märkte weniger als allokationseffiziente Distributionsmechanismen und – dies überraschend stark – als Raubmechanismus.

    Das mag den Leser, der diesen Gedanken schon immer unplausibel fand – oder ihn noch nicht kennengelernt hat, zunächst völlig unsinnig vorkommen, deshalb ein Beispiel mit Aha-Effekt:

    Beispiel mit Aha-Effekt:

    Gegeben sei ein wunderbares industrialisiertes A-Land, groß, mächtig und schön – sowie ausnahmslos von Individuen besiedelt, welche die Ideen von Ayn Rand für zwingend halten. Darum gibt es in A-Land auch ein Anti-Altruismus-Gesetz. Wegen der Freiheit, oder warum auch immer.

    Das A-Land steht mit dem B-Land (dieses ist um den Faktor 10 kleiner, sowie um den Faktor 1000 ärmer) seit dem Freihandelsabkommen XY-FTA neuerdings in einen verbesserten schrankenlosen Handelsaustausch, mit Ausnahme des Sklavenhandels und der Migration. Hier ist man restriktiv. Außerdem neigen sich in A-Land die Energiereserven dem Ende entgegen, und man beginnt sich vor dem Klimawandel zu fürchten. Alles in allem eine sehr gute Situation.

    Das B-Land möge man sich extrem arm vorstellen. Der größte Teil der Bevölkerung siedelt subsistenzweise auf 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche, der Rest der Fläche, der sich wegen seiner Bodenqualität dafür eignet, wird für den Export von Kaffee und Kakao genutzt – die damit eingenomenen Gelder dienen ausschließlich der korrupten Elite des B-Landes. Diese Elite ist sehr klein, dank bester Waffen auch sehr mächtig, überdies völlig skrupellos und kann über die Verteilung und Nutzung landwirtschafltlichen Bodens frei verfügen.

    Nun kann plötzlich diese korrupte Elite ihre Einkünfte verdoppeln (welch Segen!), weil das neue Freihandelsabkommen auch den Export von „Bio-Diesel“ ins A-Land erlaubt. Sogar die vormals wenig tauglichen Flächen in B-Land (die Subsistenzflächen) eignen sich für Bio-Diesel.

    Nun geschieht Folgendes: Die komplette landwirtschaftliche Nutzfläche von B-Land wird für Bio-Diesel genutzt, die Subsistenzwirtschaftler von ihren Flächen vertrieben. Der Wohlstand der Elite des B-Landes erhöht sich immens, ähem – und die wehrlose Restbevölkerung in B-Land vermindert sich in einem Prozess der der natürlichen Auslese.

    Aha: Natur pur plus Bio-Diesel.

    So könnte man es zusammenfassen.

    Bewertung:

    Das Szenario ist grell überzeichnet, in den beschriebenen Wirkzusammenhängen leider nicht völlig unrealistisch. Tatsächlich hat der Weltmarkt, zumal unter der Bedingung extremer Ungleichheit der Handelspartner, das Potential, eine höchst ungerechte Allokation von Gütern sogar noch zu intensivieren.

    Das ist es, was ich das Allokationsparadox des Welthandels nenne. Unter (Welt-)Marktbedingungen werden die Bedürfnisse von Menschen stark ungleich bewertet, wenn die jeweiligen Marktteilnehmer ökonomisch stark ungleich sind.

    Das ist keineswegs ein Grund zur Freude.

    Dr. Dean

    14. März 2008 at 16:02

  6. @ DDH
    Dass die Wähler grundsätzlich viel dümmer seien als z.B. extremistische libertäre Ökonomen oder Adelsleute, ist ein alter Klassiker der Demokratietheorie. Die Dummheit der Massen usw. Momorulez Beitrag habe ich eher so verstanden,d ass es hier zunächst um Fragen des Welthandels geht und darum, wann und inwieweit der Welthandel ein emanzipatorisches und partizipatives Potential hat.

    Auf eine Entgegnung darauf, auch von Statler, freue ich mich. Demokratieskepsis bitte ich woanders zu verhandeln. Tatsächlich sind die Fragen des Welthandels teils sehr schwierig. CATO-Sprech wird der Sache nicht gerecht.

    Fabio Canovo (lt. wiss. Zitationsindex ca. um den Faktor 1000 bedeutender als der libertäre Ideologe Sheldon Richman) hat z.B. nachgewiesen, dass der Kolonialismus den Welthandelserfolg von Ländern sogar heute noch stark mitprägt.

    Wenn unterschiedliche Ausgangsbedingungen sich im Welthandel aufrecht erhalten bleiben oder sich sogar noch verfestigen – was folgt daraus?

    Und wann genau wirkt Welthandel emanzipatorisch?

    Dr. Dean

    14. März 2008 at 16:30

  7. Hier findest Du sicher einige Antworten auf Deine Fragen!

    DDH

    14. März 2008 at 17:56

  8. @Dr.Dean: Ich muß nicht dümmer sein als Dr.Dean nur um weniger kompetent und damit befugt zu sein, darüber zu befinden, was Dr.Deans Bedürfnissen nutzt und frommt als Dr.Dean selbst. Selbstbestimmung geht bei mir IMMER vor Mitbestimmung!

    DDH

    14. März 2008 at 19:48


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