shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Der eiserne Vorhang steht und wird täglich ausgebaut

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Keine 20 Jahre nach der Öffnung der Grenzen Osteuropas gibt es einen neuen eisernern Vorhang, an dem jedes Jahr mehr Menschen starben als während der gesamten Existenz der DDR an deren Westgrenze gestorben sind. Sie fliehen nach Europa, weil Europa ihnen in ihrer Heimat die Lebensgrundlagen nimmt. Ein Bauer in Kamerun kann 15 Stunden am Tag schuften, das nützt ihm gar nichts, weil die subventionierten EU-Agrarprodukte auf dem Markt seines eigenen Landes billiger sind als die im Land erzeugten. Das große Bauernlegen, das mit der Grünen Revolution in den 1950er und 60ern begonnen hatte, nimmt weiterhin zu, und in den afrikanischen Großstädten türmt sich das Elend zu Gebirgen.

Vor Mauretanien und Senegambien oder Guinea-Bissau haben kanadische, portugiesische und japanische Fischereigesellschaften die Fanggründe gepachtet, den einheimischen Fischern bleiben Hunger, Piraterie oder Migration. Die Situation in manchen afrikanischen Ländern ist so verzweifelt, dass Nachrichten über das Ausbrechen eines Krieges in einem anderen afrikanischen Staat als Hoffnungszeichen begriffen werden, weil man sich als Söldner Geld verdienen kann.

War das Entstehen der globalisierten Weltwirtschaft in ihrer aktuellen Form und die Aufgabe des Organisierens ökonomischer Interessenssphären in geographisch voneinander abgeschotteten Räumen noch mit Kriegen verbunden gewesen, die dem Aufbrechen von Entwicklungsblockaden, dem Freisetzen von für die new world order benötigten Potenzialen und der Inwertsetzung bestimmter Regionen für die kapitalistische Entwicklung dienten (Golf II, auch Golf GTI – Globaler Transatlantischer Imperialismus – genannt, Yugoslawien), so dienen die Kriege heute ganz direkt dem Zugriff auf Rohstoffe und der Vernichtung überflüssiger Esser (Sierra Leone, Liberia, Kongo). In der europäischen Peripherie werden unter deutscher Regie (Herr Schily war da mal federführend und Bosnien-Herzegowina das Experimentierfeld für Nordafrika) riesige Internierungslager eingerichtet, um zu verhindern, dass Flüchtlinge in die EU gelangen, und EU-Neubeitreter wie Bulgarien werden dazu verpflichtet, das EU-Grenzregime zu übernehmen. Hunger, Lager, Deportation, das bedeuten die Wörter „Schengen“ und „Dublin“ für Schwarzafrika und Teile des Kaukasus.

Aminata Traoré sagte hierzu auf dem Weltsozialforum in Nairobi 2007: „Die menschlichen, finanziellen und technologischen Mittel, die Europa gegen die Migrationswellen aus Afrika einsetzt, sind in Wahrheit die Werkzeuge eines Krieges zwischen dieser Weltmacht und jungen Afrikanern aus Stadt und Land, deren Recht auf Bildung, wirtschaftliche Betätigung, Arbeit und Nahrung in ihren Herkunftsländern unter der Knute der strukturellen Anpassung vollkommen missachtet wird. Als Opfer makroökomischer Entscheidungen, für die sie in keiner Weise verantwortlich sind, werde sie gejagt, aufgespürt und gedemütigt, sobald sie einen Ausweg in der Emigration suchen.“

Völkermord gegen soziale Emanzipation, das ist das Ergebnis europäischer Entwicklungspolitik. Interessiert hierzulande aber niemanden, sind ja nur Neger.

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6 Antworten

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  1. Keiner sagt was? Wieso regt sich keiner auf?
    ACH, CHE HAT RECHT?
    Find ich allerdings sehr.

    T. Albert

    17. März 2008 at 19:31

  2. Es interessiert eben tatsaechlich niemanden, ganz offenbar, unabhaengig davon vermisse ich auch in obigem in der Diagnose des Missstandes die Aufforderung zu konkreten Handlungen, wogegen agieren: die Weltbank, die ‚global actors‘, die CDU, das eigentliche Symptom der Misere ist doch, dass seit 11/2001 das Elend der ‚anderen‘ von dem ‚Diskurs‘ ueber die angebliche Bedrohung durch den Terrorismus verblasst, es ist als haette man eine neue Diskursqualitaet konstruiert, die als Objekt und potentielles oder fortwaehrendes Opfer uns selbst erkannt hat, diese Erkenntnis aber muss alles andere ueberdecken. Dass die Loesung beider Fragen, also der Notwendigkeit der spezifischen ‚Opfer‘-Perspektive des Westens und der Linderung der Misere der ‚anderen‘ auf exakt derselben Karte steht, wird vielleicht noch auf obskuren Ostermaerschen diskutiert, findet aber laengst nicht mehr seinen Weg in irgendeine Form von medialem oder oeffentlichem Diskurs. Die ohnehin schon waehrend der 90er, wie an anderer Stelle diskutiert, marginalisierte Linke verliert, fast koennte man es so sagen, proportional zum Erstarken der, wie es scheint von gesellschaftlich stigmatisierten Kreisen in Stellung gebrachten, Linkspartei an oeffentlicher Bedeutung und dies im Gleichklang mit dem Verlust an Anteilen von Diskurshohheit im globalen Diskurs, Texte wie der obige koennen heute nur noch als weldfremd gelten.

    Andreas

    17. März 2008 at 21:09

  3. ‚..VOR dem Diskurs..‘

    Andreas

    17. März 2008 at 21:11

  4. Das spricht halt für sich – wüßte meinerseits nichs, was dem hinzuzufügen wäre.

    momorulez

    17. März 2008 at 21:15

  5. Als spannendes Projekt dazu die Arebiten der transit migration:
    http://www.transitmigration.org/migmap/home_map2_d.html

    lars

    17. März 2008 at 21:40

  6. @ die Aufforderung zu konkreten Handlungen: Für soziale Revolution weltweit! Break all rules!

    Darunter mache ich es heute nicht.

    che2001

    18. März 2008 at 8:14


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