shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Persuit of Happiness

with 41 comments

„Barack Obama macht seine Hautfarbe bislang ja konsequent nicht zum Thema – und ist damit der erfolgreichste schwarze Politiker der USA geworden. Heißt das umgekehrt, dass die schwarze Bürgerrechtsbewegung, die die Hautfarbe in allen politischen Zusammenhängen anführt, umdenken muss?

Obama sagt ja selbst, dass er als Kandidat nur ernst genommen wird, weil es die Bürgerrechtsbewegungen und die Kandidatur etwa von Jesse Jackson gab. Er stellt sich damit sehr klug als ein Resultat der Bürgerrechtsbewegung dar. Gleichzeitig fühlt er sich ihrem politischen Diskurs aber nicht verpflichtet.

Aber müssen schwarze Bürgerrechtler angesichts von Obamas Erfolg nicht ihre Strategien und ihre politischen Ziele neu definieren?

Doch, ja. Obama wird die Bewegung zwingen, genauer nachzudenken, welche Ziele eine fortschrittlichen schwarze Bewegung verfolgen soll. Und ob sie ihre sehr traditionelle Rhetorik nicht so verändern muss, um ihre Ziele einer breiten amerikanischen Öffentlichkeit nahezubringen und mehr als ein amerikanisches Problem wahrgenommen zu werden und nicht ausschließlich als ein schwarzes. Die Obama-Kandidatur zeigt, dass die soziale schwarze Bewegung nicht als eigenständige Bewegung fortbestehen kann, wenn sie sich gleichzeitig in den modernen Staat integriert.“

 

 

Seit Wochen wundert’s mich, Wunder vielleicht ja deshalb, weil der Papst mich in seine Karfreitagsgebete auch mit aufgenommen hat, Schwule will er ja auch erleuchten: Woher kommt dieses Bedürfnis auf antibürokratischer Seite, nun unbedingt Obama den Lack abkratzen zu wollen? Ein Bild, das ja bei einem Schwarzen durchaus tiefenpsychologische Interpretationen zuläßt …

 

Das könnte ja mehr sein als traditionelles Lagerdenken und wird immerhin auf Seiten formuliert, die im Namen der Bürgerrechte – Demokratie basiert nämlich auf diesen, vergißt ja mancher gelegentlich – auch Herr Hussein wegchangen wollten, was ihnen ja zum Glück auch gelang. Also daß der weg war, gelang, was da sonst so gelang und was nicht, sei jetzt mal nicht Teil der Diskussion.

 

Und dann fragt man sich anschließend, wieso Bürgerrechte so vehement für Iraker, nicht jedoch in gleicher Lautstärke für Tibeter und Tschetschenen eingefordert werden, wie Martin weiter unten zu recht anmerkt. Ich meine sogar, himmlische Glückskeks-Witzchen über den Dalai Lamai dort bei den Antibürokraten mal gelesen zu haben, kann mich jetzt aber irren – würde aber passen, so einer „Gutmenschen-Ikone“ an die Kutte zu pissen, auch wenn ja erstaunlichweise auch der Antibürokraten-Buddy Roland Koch mit dem befreundet ist.

 

Ich vermute mal, daß die Freiburger Thesen ziemlich richtig liegen mit ihrer Diagnose:

 

„Es ist doch ganz einfach: (Luksic) ist ein Marktradikaler, dem bürgerliche Freiheiten völlig egal sind. Gleichberechtigung? Wirkliche Chancen für Unterprivilegierte? Wen interessiert das?“

 

 

Habe den Namen eingeklammert, weil der irrelevant ist, geht ja um’s Prinzipielle: In der Tat erscheint er immer neu auf, der alte Gegensatz zwischen Citoyen und Bourgeois. Und es ist nicht weiter erstaunlich, daß einer wie Obama sich als Resultat der Bürgergerrechtsbewegung begreift, diese zum Universellen hin überschreitet und sein Spezialgebiet Verfassungsrecht ist: Ich glaube, Obama ist Habermasianer, was wohl daran liegt, daß dieser viel von Rawls gelernt hat. Weiß da jemand mehr drüber, über die Einflüsse auf Obama diesbezüglich? Die US-Liberals haben ja gedanklich Großes geleistet, und es wäre ungewöhnlich, wenn ein Jurist sich damit nicht beschäftigt hätte, der in diesen RechtsBereichen aktiv war und ist.

 

Für jemanden wie mich, der den „Verfassungspatriotismus“ immer sehr anders denn als etatistischen Neo-Nationalismus und Ignoranz der Klassenfrage verstanden hat, sonder auch als kritisches Kriterium angesichts realökonomischer Mega-Gemeinheiten, der freut sich da natürlich.

 

Insofern soll wohl dieses ganze „der steht ja für nix“ angesichts von Obama genau davon ablenken: Daß auch hierzulande neue Bürgerrechtsbewegungen möglich und nötig sind, und daß es sich bei ökonomischn Fragen um genau dieses Thema handelt. Wer glaubt, primär sei Eigentumsschutz, und wer keines habe, habe keine Rechte, der vertritt eben einen halbierten Liberalismus; spannend finde ich auch den folgenden Aspekt in Obamas jüngster Grundsatzrede:

 

„Obama hielt seine Rede in Philadelphia genau gegenüber von dem Ort, wo die Unabhängigkeitserklärung der USA formuliert und unterschrieben worden war. Mit ihr erinnerte der 46-jährige Senator daran, dass dieser Wahlkampf, der bislang die Rassenfrage als eine Sache von gestern erscheinen ließ, nur zum Erfolg führen könne, wenn sich das Land und alle Rassen und Ethnien in ihm dieser Problematik stellten und gemeinsam versuchten, die Schwierigkeiten zu überwinden. Denn ohne den Wunsch aller zu Veränderungen, ließe sich auch keine erfolgreiche Gesundheits-, Renten und Arbeitsmarktpolitik erreichen. „

 

Das ist ein Plädoyer gegen die Ethnisierung von Politik, wie man es von Hillary auch gerne mal hören würde. Vielleicht habe ich’s auch nur überhört von ihr. Wenn ich all das richtig verstehe, bewegt sich Hillary noch im „Gender“ und „race“-Paradigma, das Obama deskriptiv voll anerkennt, normativ aber hin zu einem Universalismus zu transformieren sucht: Finde ich cool.

 

Und indirekt verknüpft er Fragen der Bürgerrechte und der Gesundheits-, Arbeitsmarkt und Rentenpolitik, ein Motiv, das hierzulande durch eine Ökonomisierung des Diskurses völlig aus der Diskussion verschwunden ist vor lauter Sozialtechnologie von neoliberal-gouvernementaler Seite.

 

Überhaupt scheint es so, als sei seit dem Mauerfall alles dafür getan worden, auch ja zu übertünchen und niederzubrüllen, daß es in der DDR auch mal ’ne Bürgerrechtsbewegung gab …. Diskussion eröffnet.

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Written by momorulez

20. März 2008 um 9:45

41 Antworten

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  1. @“Obama ist Habermasianer, was wohl daran liegt, daß dieser viel von Rawls gelernt hat. …. Die US-Liberals haben ja gedanklich Großes geleistet, und es wäre ungewöhnlich, wenn ein Jurist sich damit nicht beschäftigt hätte, der in diesen RechtsBereichen aktiv war und ist.“ — Soweit ich weiß, ist in liberalen deutschen Juristenkreisen gerade Carl Schmitt Kult. Warum nicht gleich Ernst von Salomon?

    che2001

    20. März 2008 at 11:47

  2. @Schmitt: Übrigens nicht nur bei den Juristen. Mit Agamben und Chantal Mouffe (die ich abseits ihres Schwenks zu Schmitt ja wirklich super finde) vollzieht sich ja auch eine Wende der politischen Theorie hin zu konservativen Theoretikern. Ähnliches gilt wohl auch für die Arendt, die freilich ganz anders einzuschätzen ist als der Schmitt.

    @Obama. Eine spannende Aussage finde ich in dem Artikel: Dass die Gottesdienste eigentlich Orte des anti-rassistischen conciousness raising sind. Das rahmt diese Aussagen aber auch anders. Das ist dann eine sehr wütende Anti-Hate-Hate-Speech. Da müsste man nochmal mit der Butler ran.

    Nun bin ich ja eher kein Freund von Religionen oder Kollektivgrößen, bin daher auch immer etwas ratlos gegenüber den Konflikten zwischen China und dem Dalai Lama, weil ich den spezifischen chinesischen Kommunismus genauso blöd finde wie den Buddhismus. Ich verstehe einfach nicht, warum die Verdammten dieser Erde dann so häufig auf nationalistische oder religiöse Konzepte zurückgreifen, sich quasi selbst ethnisieren, um den (post)kolonialen Praktiken der hegemonialen Staaten zu begegnen. In diesem Sinne lässt die Analyse der Universalisierungsstrategie von Obama ja durchaus hoffen.

    lars

    20. März 2008 at 12:28

  3. Weiß da jemand mehr drüber, über die Einflüsse auf Obama diesbezüglich?

    Eigentlich sollte ich etwas darüber wissen, zumal mein Blog unter über 10.000 Fundstellen sehr weit vorne steht, wenn man zugleich nach BO und John Rawls sucht. Ich müsste für die Beantwortung der Frage – leider – viel genauer nachdenken und recherchieren. Aus dem Stand heraus vermag ich da leider wenig Substantielles zu sagen.

    Mein Eindruck aber ist, dass Obama zu seiner Position auf anderen Wegen kam. Ich glaube, sein „Trick“ besteht u.a. darin, dass er sehr gründlich überlegt hat, wie er die feierlich-heroische Reagan-Rhetorik für eine progressive und <itatsächlich freiheitliche Agenda umbiegen und nutzen kann.

    : Woher kommt dieses Bedürfnis auf antibürokratischer Seite, nun unbedingt Obama den Lack abkratzen zu wollen?

    Das ist rechtslibertäre ideologische Feindschaft. Sie riechen den linksliberalen Urfeind geradezu – und hauen dann halt drauf. Es tröstet sie nicht, dass Barack Obama ein klarer Marktwirtschaftler ist und zudem „big government“ verachtet. Im Gegenteil – das macht sie noch untröstlicher.

    Und dann fragt man sich anschließend, wieso Bürgerrechte so vehement für Iraker, nicht jedoch in gleicher Lautstärke für Tibeter und Tschetschenen eingefordert werden,

    Oder Kasachen, Usbeken, Somalis, Pakistanis, Palästinenser, Saudi-Arabier, Yemeniter, Burmesen. usw. usf.

    Nun, ich glaube, dass da kein böser Wille dahinter steht, keine wirklich bewusste Entscheidung, sondern eher eine Art Aufmerksamkeitsdefizit. Die Welt ist auch irgendwie zu groß. Sie haben nicht gemerkt, dass „der Irak“ (ein mittlerkleiner Staat mit weniger als 12 Millionen erwachsenen Einwohnern), genauer gesagt, die von Hussein begangenen Menschenrechtsverletzungen im Vergleich zu anderen menschenrechtlichen Herausforderungen vergleichsweise geringfügig waren.

    Die Medien (teils von Interessengruppen beeinflusst und angefeuert) haben „den Irak“ und den bösen Hussein zu einen Riesenthema aufgeblasen, was durch den ersten Golfkrieg sicherlich noch erleichtert wurde. Es ist ihnen entgangen, dass dieser Hussein und seine Baath-Partei sich bereits nach 1992 teils erheblich transformiert hatten, und noch mehr ist ihnen entgangen, dass die Folgen des Embargos extrem brutal und menschenrechtsfeindlich waren. Provokativ formuliert: Was sind 5.000 vergaste Kurden in Halabdscha im Vergleich zu 500.000 verhungerten Kindern?

    Brutal formuliert: Das war ihnen egal. Das „Thema Irak“ war aber dennoch in aller Munde, zumal ideologisch angenehm und in einer leicht konsumierbaren Erzählform. Und da haben sie halt angebissen, zumal sich das damalige Narrativ ganz wunderbar kombinieren ließ mit allerhand, was irgendwie „gegen links“ war (vor allem der für furchtbar gehaltene Pazifismus – unerträglich für derlei Liberale) und mit allerhand, was sich als „pro-amerikanisch“ (pro-amerikanisch war damals natürlich pro Bush) oder gar „pro-kapitalistisch“ daherkommt.

    Eine Art Wunschverwandschaft der Vorstellungen.

    Zu den absoluten Feindbildern dieser „transatlantisch“ sich gerierenden Spezialliberalen gehört bemerkenswerter Weise die ACLU. Denn US-Bürgerrechte seien, sofern wirksam, etwas ganz fürchterliches und tatsächlich dem „freien“ Spiel des Sozialdarwinismus entgegenstehend.

    Okay, diese Argumentation war etwas unfair und reichlich polemisch von mir, aber nun, ich will damit zeigen, dass sich die Widersprüche eines derartigen Liberalismusverständnisses sehr leicht zum Tanzen bringen lassen.

    Dr. Dean

    20. März 2008 at 12:42

  4. Ich kann diese Haltung wirklich nicht verstehen. Warum immer der konservative Kandidat? Normalerweise müsste bei Liberalen doch eine gewisse Äquidistanz zwischen Konservativen und Sozialisten vorherrschen, wenn nur diese beiden Optionen ernsthaft gewählt werden können. Gut, man mag sich eher für den einen als für den anderen aussprechen, weil derjenige eher in Richtung liberaler Gedanken spricht. Aber dass gerade OL, aber auch andere aus dem liberalen Spektrum, immer und konsequent die Konservativen „endorsen“ und die Sozialisten in Bausch und Bogen verdammen, verwundert doch sehr. Und lässt eigentlich nur einen Schluss übrig: Dass die entsprechenden Leute nur einige bestimmte Thesen des Liberalismus wirklich unterstützen. Nämlich die Freiheit, Reichtum anzuhäufen, auch auf Kosten anderer. Alles andere ist zweitrangig oder gar nur Lippenbekenntnis.

    freiburgerthesen

    20. März 2008 at 13:15

  5. @Mit Agamben und Chantal Mouffe (die ich abseits ihres Schwenks zu Schmitt ja wirklich super finde) vollzieht sich ja auch eine Wende der politischen Theorie hin zu konservativen Theoretikern. Ähnliches gilt wohl auch für die Arendt, die freilich ganz anders einzuschätzen ist als der Schmitt.
    — sorry, für mich gehört Schmitt in die gleiche Ecke wie Hermann Göring, der ist nicht einfach nur konservativ.

    che2001

    20. März 2008 at 13:40

  6. Und Arendt würde ich als unkonventionelle linke Sozialdemokratin bezeichnen.

    che2001

    20. März 2008 at 13:41

  7. Konservativ meint in diesem Fall: Im Sinne der „konservativen Revolution“. Und von Ahrendt mag man halten was man will, aber sie steht eben schon auch in der Tradition Heideggers und auch der Massentheorie von Le Bon.

    lars

    20. März 2008 at 14:09

  8. Na, Sartre und Foucault stehen auch in der Tradition Heideggers, und die Ostblock-Dissidenten von einst haben sich auch auf den berufen. Man kann bei dem schon gut nachvollziehen, wo die Schnittstellen sind, die ihn zum Nazi machten, aber der ist zugleich auch jenseits dessen einfach ein Riese. Es gibt auch sehr viele Bezüge zwischen Heidegger und Adorno, trotz „Jargon der Eigentlichkeit“.

    Und Arendt wiederum war so gar nicht sozialdemokratisch, dafür war die viel zu elitär. Und auch die Bezüge zu Heidegger, da würde ich nicht von „Tradition“ sprechen. Die steht irgendwie quer zu allen anderen, das kann man ganz schlecht nach gängigen Schemata einordnen.

    momorulez

    20. März 2008 at 14:45

  9. Hannah Arendt hätte ich eher bei Jaspers eingeordnet – und vor allem als einen sehr eigenständigen Kopf mit teils ausgeprägt „progressiv-liberalen“ Tendenzen. Sie hate versucht, fundamentale Antworten auf die Katastrophe des Jahrhunderts zu finden. „Elitär“ würde ich aber fast alle Philosophen nennen…

    Dr. Dean

    20. März 2008 at 15:11

  10. Ich argumentiere ja auch nicht philosophisch, sondern politisch, insofern sortiere ich auch anders ein.

    che2001

    20. März 2008 at 15:12

  11. Zumindestens war das Hannah-Arendt Institut lange Zeit in konservativer Hand, was vielleicht die hegemoniale Lesart der Arendt als Konservativen ermöglichte. Aber das wirkt eben noch nach. Aber um die Arendt geht es mir soch gar nicht. Mir gings primär um den Schmitt. Wenn es euch beruhigt, dann formuliere ich das halt so:

    Die politische Theorie hat derzeit durchaus die Tendenz, sich mit rechten oder bislang als konservativ geltenden Theoretikern auseinanderzusetzen.

    lars

    20. März 2008 at 15:33

  12. @ Freiburger Thesen

    Ich kann diese Haltung wirklich nicht verstehen. Warum immer der konservative Kandidat?

    Aus Sicht der Rechtslibertären gibt es m.E. eine stringente Begründung, und die lautet: Der konservative Kandidat stehe deutlich eher für wirtschaftliche Freiheit.

    (Wobei man das doppelt anzweifeln kann. Erstens, nimmt man als Indiz für „wirtschaftliche Freiheit“ die Staatsquote (Quelle)und die Regelungsdichte, dann müssten diese Rechtslibertären Ronald Reagan verdammen und Bill Clinton anhimmeln. R. Reagan betrieb deficit spending der übleren Art – B. Clinton glich den Haushalt aus, senkt die Staatsqutoe und betrieb eine vergleichsweise wachstumsfördernde Wirtschaftspolitik. Zweitens, davon ab, beinhaltet „wirtschaftliche Freiheit“ u.a. auch die ökonomische und soziale (!) Durchlässigkeit einer Gesellschaft sowie ökonomisch-soziale Chancengleichheit, und zwar als Freiheitsvoraussetzung der Individuen. Das spricht dann ein weiteres Mal dagegen, ausgerechnet Reagan, Bush & Co zu Vertretern von „wirtschaftlicher Freiheit“ zu erklären.)

    Aber nun, von der Seite der Partei-Propaganda her funktioniert es trotzdem, ja, sogar bestens: Es sind vor allem die Konservativen in den USA, welche den Begriff der „wirtschaftlichen Freiheit“ für sich beanspruchen.

    (…und viele von uns vermuten, dass die Rechtslibertären ein eher kompliziertes und mitunter abwehrendes Verhältnis zu Fakten haben – und dafür dann ein umso positiveres Verhältnis zu heroisch verpackter Ideologie. Sowas wie: „Fredom is on the march!„)

    Dr. Dean

    20. März 2008 at 16:09

  13. Für mich ist Hannah Arendt vor allem eine Linkszionistin, Vertreterin von Modellen direkter Demokratie und Räterepubliken, zugleich aber Antistalinistin mit einer tiefen Skepsis gegenüber staatssozialistischen Systemen, deren politisch-ökonomische Konzepte am Ehesten zwischen Ordoliberalismus und Kibbuzgemeinschaft einzuordnen sein. In heutiger Sicht würden Autoren des Mainstreams sowas womöglich schon als linksradikal einordnen 😉

    Und dafür, dass ihre Totalitarismus-Theorie posthum als Rechtfertigungsideologie der westlichen Demokratie als bester aller Welten mißbraucht wurde kann sie wirklich nichts.

    che2001

    20. März 2008 at 16:35

  14. @ Che
    Dein „Zwischen zwischen Ordoliberalismus und Kibbuzgemeinschaft“ trifft es überraschend gut; ich bin da wirklich baff. Da findet sich das personalistisch und ethisch fundierte Konzept der Freiheit, die tiefe Abneigung gegenüber vermachteten Strukturen, aber auch das progressive Moment und das Querdenkenkönnen in der politischen Theorie von Hannah Arendt.

    Dr. Dean

    20. März 2008 at 16:58

  15. People who think with their epidermis or their genitalia or their clan are the problem to begin with (…) the problem is that Sen. Obama wants us to transcend something at the same time he implicitly asks us to give that same something as a reason to vote for him.

    Darum?? Statler, das ist nicht Dein Ernst? Oder habe ich ein Kernargument übersehen? Diese folgende Stelle ist ganz hübsch, und zeigt, dass sich Hitchens mitunter dem amerikanischen Mainstream voraus ist:

    The enormous advances in genome studies have effectively discredited the whole idea of „race“ as a means of categorizing humans.

    Wenn also Hautfarbe weder für, noch gegen Obama spricht – was war dann nochmal das Argument von Liberalen gegen Obama und für Clinton??

    Hitchens hingegen ist es offenbar egal, und – wie armselig – sagt dann, dass Obama nichts vorzuweisen habe, weder Erfahrung noch Ideen. Das ist eine Argumentation, die ihre Kraft aus Nichtwissen bezieht..

    Dr. Dean

    20. März 2008 at 18:51

  16. Naja, man muss natürlich zu Hitchens resp. dem Neger Obama wissen, dass es in den USA nie Sklaverei, Apartheid und sozialen Ausschluss fehlfarbiger Menschen auch per Gesetz gab. Dass Obama ein Rassist ist mit seinem transcending of something that he asks us to give as a reason to vote for him – das ist ja klar.

    T. Albert

    20. März 2008 at 19:13

  17. Ausserdem – wieso sich ausgerechnet auf Luksic beziehen? Der rührt wie üblich in all seinen Auslassungen irgendwelches Kolportagematerial zusammen, bis eine – immer – unbelegte Behauptung draus geworden ist. Der Herr hat nicht das geringste aus einem Zusammenhang gerissene Zitat nötig, völlig egal um was und wen es geht.

    T. Albert

    20. März 2008 at 19:23

  18. Ich weiß ehrlich nicht, was die Diskussion überhaupt soll. Obama ist der Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters. Er ist nicht mehr schwarz, als er weiß ist. Wenn seine Herkunft überhaupt irgendwas belegt, dann den Unsinn von Identitätspolitik. Und für die subtile Unterstellung rassistischer Motive bei anderen Bloggern eignet er sich schon gar nicht.

    statler

    20. März 2008 at 19:39

  19. @ Che:

    „Soweit ich weiß, ist in liberalen deutschen Juristenkreisen gerade Carl Schmitt Kult.“

    Welche Kreise sind das denn? Habe ich noch nichts von mitbekommen.

    statler

    20. März 2008 at 19:42

  20. Nee, Statler, ich habe keinem andern Blogger subtil rassistische Motive unterstellt, sondern auf dessen Schreibweise abgehoben. Die allerdings ich nicht für beantwortenswert halte. Die Motive von Herrn Luksic dabei sind mir auch ziemlich wurscht.
    Ansonsten hast Du ja recht – eigentlich. Aber nur Du und Herr Hitchens nicht.

    T. Albert

    20. März 2008 at 19:58

  21. @ Statler
    Die Frage ging zwar an Che, aber die Antwort lautet mutmaßlich: Staatsrechtler. Den übrigen Juristen hat Schmitt nicht viel zu bieten außer zugespitzte Polemik. Was natürlich ganz hübsch sein kann, nun, aber man kann wohl ausschließen, dass die politischen Positionen der „konservativen Revolution“ für Liberale sonderlich attraktiv sind.

    Zurück zu Hitchens: Was an Hitchens Besinnungsaufsatz so prima sein soll, habe ich immer noch nicht begriffen (okay: immerhin lehnt Hitchens das Konzept „race“ ab – naja, so aufregend ist das nun wieder auch nicht). Wenn man sich nichts vormacht, dann mischt Hitchens gute Argumente – die zur politischen Positionierung wenig beitragen – mit tapsigen Dämlichkeiten.

    Zum Beispiel ist sein Argument „at the same time he implicitly asks us to give that same something as a reason to vote for him“ eine ausgesprochene Dämlichkeit. Belegfrei, besinnungslos. Typisch US-Konservative halt, Hauptsache feste druff. Denn: Wenn wenn man etwas über den Präsidentschaftskandidaten Obama sicher sagen kann, dann eben, dass Obama nicht darum bittet, ihn wegen seiner Hautfarbe zu wählen.

    Wie man dann, wie Hitchens, auf die Idee kommen kann, dass Obama als Kandidat die Rassenkarte „implizit“ ausspielt („implicitly ask us (…) to vote for him„) – das erschließt sich vermutlich nur, wenn man sich den verdrehten Rassendiskurs der US-Konservativen zu eigen gemacht hat. Dort spielt immer der Kandidat die Rassenkarte, der schwarz ist. Und zwar völlig egal, wie hirnverbrannt diese Behauptung ist. So, Statler und nun schau Dir bei diesem Satz die erste Hälfte an, die ich fett herausgestellt habe.

    Da muss Dir doch schlecht werden, oder?

    Dr. Dean

    20. März 2008 at 21:45

  22. „Wenn wenn man etwas über den Präsidentschaftskandidaten Obama sicher sagen kann, dann eben, dass Obama nicht darum bittet, ihn wegen seiner Hautfarbe zu wählen.“

    Okay, der Vorwurf von Hitchens war nicht besonders treffsicher. Allerdings war der Beitrag auch vom Januar; ich bin mir nicht sicher, ob Hitchens das nach Obamas letzter Rede nochmal so schreiben würde, denn da kam dessen Selbstverständnis etwas deutlicher rüber.

    Aber selbst wenn Obama selbst die Rassenkarte nicht spielt: die Welle der öffentlichen Zustimmung, die ihn trägt (oder jedenfalls bis vor kurzem trog), spielt diese Karte schon. Ich habe in diesem Vorwahlkampf nun wirklich jede Menge amerikanischer Polit-Talkshows gesehen, und gerade bei denen, die Obama favorisieren, taucht dieses „Endlich ein Schwarzer, den wir wählen können“-Motiv immer wieder auf. Warum auch immer — als seien alle anderen schwarzen Spitzenpolitiker bisher unwählbare kommunistische Satanisten gewesen. Dann ist es natürlich immer noch falsch, Obama selbst einen Vorwurf daraus zu machen, aber ich denke, man kann das schon kritisieren.

    Wie auch immer, das entscheidende Argument bei Hitchens bleibt für mich dieses:

    „Not to dampen any parade, but if one asks if there is a single thing about Mr. Obama’s Senate record, or state legislature record, or current program, that could possibly justify his claim to the presidency one gets . . . what? Not much. Similarly lightweight unqualified „white“ candidates have overcome this objection, to be sure, but what kind of standard is that?“

    Dort wo Obamas Standpunkt klar ist, ist er (aus meiner Sicht) oft problematisch, wie in der NAFTA-Frage. Und wo ich ganz gerne konkretere Standpunkte hätte, gibt es oft gefühlige, vage Visionen — hehre Ziele, bei denen unklar ist, mit welchen Instrumenten sie erreicht werden sollen und können. Am Ende ist es eine Charakterfrage. Jemandem wie McCain, der aus reiner Überzeugung auch äußerst unbeliebte Positionen vertritt, glaube ich eher vertrauen zu können, als Obama, der immer ein wenig daherkommt wie ein 1998er Schröder. Gebildeter als Schröder, auch mit mehr Stil, aber der Politikstil ist so fürchterlich ähnlich.

    statler

    20. März 2008 at 22:16

  23. Ach Gott ja, er hat auch mal Ayn Rand gelesen, also Hopfen und Malz ist noch nicht verloren. 😉

    Aber das mit der „Libersphäre“ und den besonderen Abneigungen gegen Obama hängt (jedenfalls bei den Nicht-Rassisten in diesem Milieu) schon mit der von mir oft beklagten Identitätsstörung des Liberalismus zusammen: man fühlt sich rein instinktiv immer dem „bürgerlichen“, „rechten“ oder „konservativen“ Milieu zugehörig. Auch wenn die Ideengeschichte, wie Rothbard schon betonte („For a New Liberty“, Link bitte selber suchen, habe gerade Erkältung und mach nur das Nötigste) das absolut nicht hergibt.

    Marian Wirth merkte ja mal auf B.L.O.G an:

    „in dem Zusammenhang, um den es hier geht, gibt es m.E. ein eindeutiges Muster: Wenn in einer Wahl der Kandidat, der noch ehesten liberale Positionen vertritt, chancenlos ist, dann wird – von den Paxxis abgesehen, die in dieser Hinsicht konsequent sind – immer der rechte Kandidat unterstützt – und der linke gebasht.

    Besonders absurd finde ich das in Bezug auf Italien.“

    DDH

    20. März 2008 at 22:27

  24. @ Dr.Dean: „Das ist rechtslibertäre ideologische Feindschaft. Sie riechen den linksliberalen Urfeind geradezu – und hauen dann halt drauf. Es tröstet sie nicht, dass Barack Obama ein klarer Marktwirtschaftler ist und zudem “big government” verachtet. Im Gegenteil – das macht sie noch untröstlicher.“

    Wenn ich Dir jetzt beispringe, teeren und federn sie mich im A’Team, bei FDOG, BLOG & Konsorten. Aber was soll ich sagen? Volltreffer!!! 🙂

    Verschnupfte Grüße!
    DDH

    DDH

    20. März 2008 at 22:31

  25. Lässig-entspannte gut gesaunte Grüße, mit denen ich mich anschließe!

    netbitch

    20. März 2008 at 23:18

  26. @ Che:

    “Soweit ich weiß, ist in liberalen deutschen Juristenkreisen gerade Carl Schmitt Kult.”

    Welche Kreise sind das denn? Habe ich noch nichts von mitbekommen.
    — Keine unbedingt bloggenden. Juris, die in Notarskanzleien oder als Syndikusse mittelständischer Unternehmen oder bei Finanzdienstleistern arbeiten, FDP, den rechten Flügel der SPD oder die Realo-Grünen unterstützen, sich untereinander vernetzen und sich selber liberal nennen, vor allem in Berlin, Hamburg und Frankfurt/Main.

    che2001

    20. März 2008 at 23:54

  27. Ein Bild, das ja bei einem Schwarzen durchaus tiefenpsychologische Interpretationen zuläßt …

    Mein Gott, diese ewige penetrante Denunziation. Momo, das nicht mehr nur albern – es ist schlicht bescheuert. Als wenn Du nicht seit drei Jahren antibuerokratieteam.net lesen würdest. Hör endlich auf mit dem Schwachsinn. Oder haste immer noch nicht begriffen, dass wir da weder Rassisten noch Biologisten sind? Dann kann ich Dir auch nimmer helfen.

    Da hat DDH schon genauer erkannt, um was es Oliver und mir geht (Überaschung! Wir sind *keine* Linken!):
    Obama ist ein Protektionist – „klarer Marktwirtschaftler“… hrmpffff… *Neusprech* allererster Güte, das mit zweifelhaften Verbindungen zur scharzen Rassisten und Linksextremisten, aussenpolitisch wohl aber nicht so schlimm, wie’s hierzulande adaptiert wird.

    Nicht dass ich wesentlich grössere Hoffnungen in den zukünftigen Alterspräsidenten der USA, McCain, setzen würde – als Deutscher und Libertärer /muss/ ich mich Ganesha sei Dank aber nicht entscheiden (müsste ich ja als libertärer Ami auch nicht, könnte ja für *NON OF THE ABOVE* stimmen…)
    🙂

    P.S.: DDH, Du kriegst weder Teer noch Federn von mir – aber ein Eimerchen Baldrian könnte ich Dir anbieten?

    jo@chim

    21. März 2008 at 0:16

  28. „Mein Gott, diese ewige penetrante Denunziation. Momo, das nicht mehr nur albern – es ist schlicht bescheuert.“

    Kann das sein, daß Du ’n bißchen viel in irgendwelchen Bierzelten abhängst? Hast Du ein Alkoholproblem? Wir wollten ja hier schon mal die Rubrik „besoffen posten“ eröffnen, Du bist herzlich eingeladen!

    Wie liest Du denn da die Unterstellung von Rassismen und Biologismen hinein? Die Pointe ist eine völlig andere, eine, die auch bei Statler durchscheint: Es ist einfach verdammt simpel, eine „soziale Tatsache“ wie „race“, eine de facto hochwirksame, ob man das nun mag oder nicht, ständig für irrelevant z erklären, wenn man selbst all die Erfahrungen, die man so als Schwarzer z.B. in den USA macht, eben nie gemacht hat.

    „Hey, alle Menschen sind doch gleich, was weisen die eigentlich ständig auf ihre Hautfarbe hin!“ ist schlicht die Negation der Erfahrungen Anderer, darauf bezog der Satz, auf dieses Schema, was nicht nur in Franken und im Liberalismus im Allgemeinen Gang und Gäbe ist, nämlich aus richtigen Formalisierungen falsche Schlüsse zu ziehen und so dann außerordentlich zynisch das Erleben Anderer symbolisch auszulöschen.

    Wenn man den Lack abmacht, ist der doch auch nur wie ich als weißer Mittelstandseuropäer – nö, isser nicht, weil er andere Erfahrungen gemacht hat, nicht etwa, weil er von Natur aus irgendwie anders prädestiniert wäre.

    Das ist ja das große Thema dieser ganzen „Gender“ und „race“ versus „moralischer Universalismus“-Diskurse, wo Obamas Antworten alleine ihn schon zum Präsidenten qualifizieren, lies oben noch mal.

    Aber das sind Diskussionen, die zu verfolgen man wohl nicht nötig hat, wenn man sich in deutschen Provinzen so vor sich hin vermehrt und glaubt, die eigene Dorfkneipe sei die Welt. Zuhören ist da wohl weniger wichtig, als den großen Zampano am Thresen zu geben. Typisch Mann.

    Man muß ja nun die eigene Bildungsferne und das irgendwie wohl mit dem Alter sinkende Niveau nun nicht auch noch in Argumente umwandeln wollen und ansonsten vor allem lautstark herumposaunen, daß man nicht wirklich lesen kann und von bestimmten Themen schlicht keine Ahnung hat und jenseits der Parole schon gar nix mehr formulieren kann.

    Alle 300 Kommentare kommt Jo@chim um die Ecke und prollt rum. „Schwachsinn“, „bescheuert“, „penetrant“ – man verfällt da ja schon fast in tiefe Emphatie mit jemandem, der das braucht.

    momorulez

    21. März 2008 at 9:07

  29. Nun komm mal wieder runter. Die „tiefenpsychologischen“ Unterstellungen gegenüber Oliver in Deinem Ursprungsbeitrag kann man tatsächlich als alles mögliche interpretieren, auch als Rassismus-Vorwurf. Du legst doch immer so viel Wert darauf, zu berücksichtigen, wie Dinge in der Kommunikation mit anderen wirken können, und das ist sicher nicht falsch, aber dann leg diesen Maßstab doch auch mal an Deine eigenen Blogbeiträge an.

    Zur Sache:

    „Es ist einfach verdammt simpel, eine “soziale Tatsache” wie “race”, eine de facto hochwirksame, ob man das nun mag oder nicht, ständig für irrelevant z erklären, wenn man selbst all die Erfahrungen, die man so als Schwarzer z.B. in den USA macht, eben nie gemacht hat.“

    Darum geht’s aber eigentlich gerade bei Obama nicht, weil er, wie er immer wieder betont, gerade keine Identitätspolitik machen will. Und wenn dann ein größtenteils weißes Publikum die Identitätsfrage wieder ins Spiel bringt, mit Sprüchen wie „Endlich ein Schwarzer, den wir wählen können“, dann ist das wieder was ganz anderes und hat mit den subjektiven Erfahrungen Obamas erstmal wenig zu tun.

    statler

    21. März 2008 at 9:24

  30. „Nun komm mal wieder runter. Die “tiefenpsychologischen” Unterstellungen gegenüber Oliver in Deinem Ursprungsbeitrag kann man tatsächlich als alles mögliche interpretieren, auch als Rassismus-Vorwurf.“

    Dann kann man ja mal nachfragen, vielleicht, anstatt gleich in fremde Blogs zu pissen. Ich hab’s definitiv so gemeint wie nunmehr erläutert, was im Kontext des obigen Eintrages eigentlich auch klar sein sollte, auch der Verweis auf die Freiburger Thesen macht das doch deutlich, und das ist seit der Deklaration der Menschenrechte spätestens ja echt ein Dilemma. War mein Magisterarbeitsthema 😉 …. formale Gleichheit und materiale Differenz, sozusagen. Das ist auch im Feminismus heiß diskutiert, wie die liberaolen Universalierungsgrundsätze Erfahrungen von Frauen eben dergestalt negieren, daß sie Männliches verallgemeinern.

    Rassismen sind mir beim A-Team ja auch tatsächlich noch nicht aufgefallen, eine ziemlich ausgeprägte Ignoranz realen, sozialen Verhältnissen gegenüber aber schon oft.

    „Darum geht’s aber eigentlich gerade bei Obama nicht, weil er, wie er immer wieder betont, gerade keine Identitätspolitik machen will.“

    Ja, genau das finde ich ja auch gut.

    Ebenso gut finde ich aber, wie er in der Rede jene Gründe anerkennt, die zu diesen Politiken führten. Und die als erster Schritt eben auch in manchen historischen Phasen nötig sind – und er eröffnet eine Perspektive, sie aufzulösen, was eben nur dann geht, wenn man nicht so tut, als habe es die Sklaverei nie gegeben.

    Wir haben das beim FC St. Pauli immer, daß diese ganzen linken, heterosexuellen Mittelstandskinder waaahnsinnig aufregen, wenn Corny Littmann sein Schwulsein in’s Spiel bringt. Das spielt aber nun mal in einem Kontext wie Profifussball auch noch eine Rolle, da können die sich noch so sehr aufregen. Und er ist auch einer jener Generation, die mit „Brühwarm“ zunächst mal über die Identitätsschiene agieren MUSSTEN, sonst wären Wowi oder von Beust gar nicht möglich geworden. Und dieses „Red bloß nicht über Deine Sexualität!“ ist eine Negation des Anderen und im Grunde genommen wie in den Fünfzigern.

    „Und wenn dann ein größtenteils weißes Publikum die Identitätsfrage wieder ins Spiel bringt,“

    Das stimmt ja nicht, zumindest nicht nur. Die ersten harschen Reaktionen, die ich so mitbekam und über die Du drüben auch gewitzelt hast, war von schwarzen Underdogs aus den Slums, die recht dezidiert formulierten: „Na, der und seine Aufsteigerkarriere wird doch wieder nur als Argument genutzt, uns, die wir nix haben, auch keine Chancen, allesamt für minderwertig zu erklären. Der kennt doch unsere Lebensbedingungen gar nicht.“ Aktuell beziehen auch viele Hip Hopper diese Position – er würde einfach Rassismus wegstrahlen und weglächeln wollen, den gäbe es aber nun mal.

    Und dadurch, daß er wegen dieses vermeindlichen „Haßpredigers“ nunmehr zu diesen Fragen Stellung beziehen muß, wird der meiner Ansicht einfach noch viel wichtiger, auch global, der Obama, und reagiert da ziemlich großartig. Ein McCain kann all das einfach ignorieren, so wie Oliver und Jo@chim eben auch.

    momorulez

    21. März 2008 at 10:25

  31. […] DDH: Aber das mit der “Libersphäre” und den besonderen Abneigungen gegen Obama hängt (jedenfalls bei den Nicht-Rassisten in diesem Milieu) schon mit der von mir oft beklagten Identitätsstörung des Liberalismus zusammen: man fühlt sich rein instinktiv immer dem “bürgerlichen”, “rechten” oder “konservativen” Milieu zugehörig. […]

  32. Alle 300 Kommentare kommt Jo@chim um die Ecke und prollt rum. “Schwachsinn”, “bescheuert”, “penetrant” – man verfällt da ja schon fast in tiefe Emphatie mit jemandem, der das braucht.

    Auf Deine Empathie kann ich gut verzichten. Sagen wir mal so: ab und zu platzt mir der Kragen über die Unterstellungen und abwertenden, durch nichts gedeckten, Kategorisierungen, die Du mit Deinen Trackbacks in regelmässigen Abständen nach drüben platzierst, werter Momo. „Ziemlich ausgeprägte Ignoranz realen, sozialen Verhältnissen gegenüber“ ist auch wieder so eine arrogante Blase…
    … aber wirklich, was rege ich mich auf.
    Prollige Grüsse aus der Dorfkneipe ins intellektuelle Hamburger Mittelstandsmilieu.

    jo@chim

    21. März 2008 at 10:55

  33. Meine Emphatie haste, ob Du willst oder nicht 😉 … so ist das bei uns Christen. Heute ist schließlich Karfreitag.

    momorulez

    21. März 2008 at 10:57

  34. Ich vermute, mit dem regelmäßig platzenden und sich entleerenden Kragen verhält es sich ähnlich wie mit einer Baker-Zyste.

    Rahmengeschehen: Hochbelastung (Spitzensportler bzw. hochpolitisierte Blogger)
    Vermeidlichkeit: Gering – stark rezidiv
    Gefahren: Schmerzen, Muskelverhärtung, Degeneration
    Überwindung: Ursachentherapie bezüglich des Entzündungsherdes

    Dr. Dean

    21. März 2008 at 11:55

  35. Besonders praxisgerecht ist in diesem Fall allerdings das schlichte Beruhigen und Ruhigstellen. Also, liebe Politblogger: Beruhigt euch wieder!

    (Falls das beruhigt: Niemand hier wollte den Totalitarismus ausrufen oder zum Rassenhass aufrufen – wirklich niemand)

    Dr. Dean

    21. März 2008 at 12:00

  36. Doch, ich!

    (Wenn auch nur dem Widerspruch zuliebe ;-))

    che2001

    21. März 2008 at 13:20

  37. Die Frage lautet doch eher, was ein alt-liberaler Konstitutionalist an einem die Verfassung achtenden und im Bereich der civil rights (Guantanamo! Patriot Act!) wohl am wenigsten diese gefährdenden (abgesehen von der Waffenfreiheit im 2. Amendement!) Rechtsgelehrten von tadelloser Reputation auszusetzen hat? Das kann mir der Kronjurist des das GG in seiner Bestandsgarantie gefährdenden (vgl. Prof. Schachtschneider!) Europäischen Superstaats, Oliver Luksic, nicht erklären!
    http://girlinshortshorts.blogspot.com/2008/02/professor-barack-obama.html

    @Jo@chim: Hier der Kandidatencheck (aus linkslibertärer Perspektive):

    http://publiusendures.blogspot.com/2008/02/grading-candidates.html

    Was generell für Obama spricht:

    1) Iraq withdrawal,

    2) restoring the separation of church and state;

    3) easing off victimless crimes such as drug use;

    4) curtailing the Patriot Act.

    Diese Punkte nennt Scott Flanders vom CATO-Institute (weder als linksextrem noch als anarchokapitalistisch verschrien!)

    Ach ja, die Pfaffengeschichte. Dazu noch 2 Cents: Nicht Reverend Wrights (tatsächlich abstruse) Verschwörungstheorien bringen Obama in Bedrängnis sondern historische Realitäten, die ein auf Hurraah-Patriotismus festgelegter Pseudo-Amerikanismus (in Wirklichkeit D.C.-Eliten-Idolatrie) der „pro-westlichen“ Glaubensgemeinde auszublenden sich erlaubt, bringen diejenigen in Erklärungsnöte, die hier wie dort immer noch glauben, sie lebten in der “besten aller Welten” so sie nur in einer “westlichen Demokratie” das Licht der Welt erblickten.

    Die Wahrheit über amerikanische Menschenexperimente ist z.T. noch viel erschütternder als alle folkloristischen Volksreden eines Baptistenpredigers aus Chicago, wie diese Quelle hier belegt:

    http://www.infoplease.com/ipa/A0762136.html

    DDH

    21. März 2008 at 17:32

  38. Wie immer sehr differenziert: Sheldon Richman

    DDH

    21. März 2008 at 18:30

  39. Auch sehr gut: Jason Kuznicki

    DDH

    21. März 2008 at 20:04


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