shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Innere Durchleuchtung, die nicht erlischt … Dein ist mein ganzes Herz, Du bist mein Reim auf Schmerz, wo Du nicht bist, will ich nicht sein …

with 13 comments

2ry21k8.jpgQuelle (Stef. im St. Pauli-Forum)

Man, wat eine Choreographie! Uns Haupttribünensitzern, uns faulem Pack, hatte man auch so sheerleaderhafte Puschel gebastelt, wat eine Arbeit, Danke!!!

So steht man morgens auf, verkatert, glücklich, mit schweren Beinen und Stimme weg ganz so, als habe man selbst mit auf dem Platz den Gegner zum Eigentor gedrückt – vermutlich fordern Krankenkassen demnächst einen St. Pauli-Aufschlag, Herzrasen, Kollaps-Nähe gehören bei uns ja dazu.

War gestern nach dem Spiel so erschöpft wie nach einer glücklich aufgelösten Beziehungskrise, so einer, bei der man sich angebrüllt hat, bei der die Fetzen flogen, bei der man hin und hergerissen zwischen Liebe, Begierde, Frust und sich entladendem Groll irgendwann dann doch wieder kuschelt .

Allein das Angebrülle dieses komplett absurden Schiedsrichters, dessen Pfiffe dann eher den Charakter einer Performance zur Illustration von Machtmissbrauch hatten, als daß man es als den Anwendungsfall nachvollziehbarer Regeln hätte begreifen können, war reiner Kraftakt. Hallelujah, das war Kunst auf höherem Niveau vom Gespann mit den gelben Hemden – solche Emotionen zu entfesseln, das muß erst mal jemand hinbekommen. Hatte erstmals Angst, daß die Haupttribünen-Sitzvereinigung ’nen Linienrichter mal eben so lyncht.

Aber auch die Dramatisierungskünste des eigenen Teams sind einfach unübertroffen – langweilig wird das nie, kein Moment ohne Hochspannung, und solche Anwandlungen Tschechowschen Scheiterns:

„Das riesige Loch auf der linken Abwehrseite der Hausherren nutzte der VfL zum Ausgleich. Thomik spielte den Ball in den Lauf von Schuon, der von rechts in den Strafraum eindrang und ins kurze Eck zum 1:1 einschoss (51.). Fast hätten die Hamburger postwendend zurückgeschlagen, doch nach Brauns Hereingabe brachte es Trojan fertig, den Ball aus einem Meter nicht im Tor unterzubringen.“

….. manmanman, würde ich sie nicht so heiß und innig lieben, die Boys in Brown, ich könnte auch sie manches Mal lynchen. Wie das halt so ist in Beziehungen, die von echter Leidenschaft beseelt sind 😉 …
Und dann steht man nach dem „Schweinekampfsieg“ (so formulierte es treffend einer im Forum) völlig erledigt vor Jochens Domschenke im Regen und ist doch so durchglückt. Ein innerliches Leuchten breitet sich aus, selig inhaliert man die Astras und weiß wie jedes Mal so ganz genau, wieso man dort steht inmitten dieser ganzen Freaks, die plötzlich laut Gesänge anstimmen – mal ehrlich: Wenn’s einen relevanten Kulturverfall auch jenseits von Jo@chims Kommentaren gibt, dann doch wohl das Abhandenkommen von gemeinsamen Gesängen? Denn die morgendliche Heiserkeit nach einem Heimsieg des FC St. Pauli, die fühlt sich sooooooooooo gut an …

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Written by momorulez

21. März 2008 um 10:02

Veröffentlicht in Liebe

13 Antworten

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  1. Er kann also doch noch gewinnen, der FC St. Pauli. Ja, es stimmt, es ist ein Zeichen von Kulturverfall, Verfall der Alltagskultur, dass kaum noch gemeinsam gesungen wird (angeordnetes gemeinsames Singen in der Schule und beim Bund zählen nicht). So gesehen sind der F.C. St. Pauli und seine Fans „alltagskulturell wertvoll“.

    MartinM

    21. März 2008 at 11:04

  2. Da hat St. Pauli sich glücklich den Sieg erstolpert, aha, ahso.

    (Erschrockene Blicke. Die Luft verändert anscheinend den Aggregatzustand, wird zähflüssig, ja, sie lässt sich stellenweise in Scheiben schneiden – ihm wird schlagartig klar, was er gesagt hat, er guckt sich ängstlich um um und schleicht auf Fußspitzen, in geduckter Haltung aus dem Raum. Er ahnt – erneut -, dass das Anzweifeln fundamentaler Glaubenstatsachen jeden Menschen zum Paria machen wird, und ihn zu jemanden, der womöglich aus Niedertracht sich und anderen die Freude an vertrauten gemeinsamen Überzeugungen und Haltungen nicht gönnt. Er fühlt sich asozial – und möchte beinahe seine Bemerkung über St. Pauli revidieren. Die Tür klappt zu, ein letzter kalter Wind weht durch das Lokal, man beruhigt sich allgemein wieder, die Gespräche beginnenn erneut, Gläser klingen aneinander und werden von freundlichen Gemurmel umrahmt.)

    Dr. Dean

    21. März 2008 at 11:34

  3. Aber Dean, man darf doch nicht links sein und St. Pauli nicht leiden können!

    freiburgerthesen

    21. März 2008 at 13:18

  4. Ja, Dean, sowas machste doch mit Absicht, nicht? In Vereinslokalen Prügeleien provozieren, aber dann schnell genug abhauen: war ja unser Sport früher, aber jetzt bin ich leider zu alt dafür. Hat aber immer viel Spass gemacht, meistens waren wir ja schneller, weil die andern immer schon so blau waren. Aber nur deswegen. Manchmal waren wir zu langsam, dann mussten wir uns ein bisschen vermöbeln lassen.OhOh.
    Also- gibs zu.

    T. Albert

    21. März 2008 at 14:05

  5. @Verfall der Alltagskultur, dass kaum noch gemeinsam gesungen wird – Genau da kommen ja die Demoparolen her, aus dem Stadion, nur halt mit politischem Inhalt gefüllt. Und die Fankurve von St. Pauli ist ja auch weitgehend identisch mit dem Schwarzen Block. @Momorulez, Du zickst m.E. ein wenig herum mit Deiner jo@chim-Anspielung. Da prallen zwei miteinander unkompatible Dickköpfe zusammen, die beide zugleich Recht und Unrecht haben 😉

    che2001

    21. März 2008 at 15:36

  6. […] zugetraut, dass sie eine halbe Stunde nachspielen lassen. Als es dann soweit war, der verspätete Abpfiff dieser Pfeifen, lagen sich alle in den Armen. Pure Glückseligkeit flutete aus den Paulianern, die Erleichterung […]

  7. „Und die Fankurve von St. Pauli ist ja auch weitgehend identisch mit dem Schwarzen Block“

    Na, das ist schon vielfältiger. Haupttribüne ist ja ’ne Fankurve, und ich sitze neben Filmschaffenden, Kneipenbetreibern und Frührentern. Und vieles sieht er aus wie Schwarzer Block, als daß es einer wäre.

    „@Momorulez, Du zickst m.E. ein wenig herum mit Deiner jo@chim-Anspielung.“

    Wir können jetzt aber auch gerne damit beginnen, uns diesbezüglich wechselseitig zurechtzuweisen, wenn Du möchstest.

    Kompatibilität im konkreten Falle wäre auch nix, was ich anstreben würde.

    Und anstatt rumzuonkeln, in welcher Hinsicht wer auch immer nun Recht oder Unrecht hat, kannste das ja vielleicht lieber ausführen.

    MomoRulez

    21. März 2008 at 21:08

  8. „Und die Fankurve von St. Pauli ist ja auch weitgehend identisch mit dem Schwarzen Block.“ – Das halte ich für ein 80er-Jahre-Klischee – auch wenn es sicherlich auch heute noch personelle und weltanschauliche Schnittmengen gibt …

    MartinM

    22. März 2008 at 10:47

  9. @martinM das ist ja das schöne am magischen FC. Einer der wenigen Orte der Welt, an denen das Gleichgewicht zwischen den auch in uns wohnenden Polen noch stimmt.

    Das Fundament der Leidenschaft ist eben braun/weiss und nicht schwarz 😉

    ring2

    22. März 2008 at 12:10

  10. ring2

    wohnen in Dir auch Polen?
    (Jetzt muss ich in mir doch mal nachsehen.)

    T. Albert

    22. März 2008 at 12:44

  11. @Das halte ich für ein 80er-Jahre-Klischee – auch wenn es sicherlich auch heute noch personelle und weltanschauliche Schnittmengen gibt …—-Ach ja? Ich hatte in der Fankurve aber den optischen und akustischen Eindruck, mich mitten in einem Schwarzen Block zu befinden.

    che2001

    22. März 2008 at 14:50

  12. Fankurve mit Schwarzer Block-Gefühl – oder ein gefühlter „schwarzer Block“. 😉 Ist mir schon klar, was Du meinst, che, auch wenn ich schon lange nicht mehr im Millerntor-Stadion war. (Den tiefsten Eindruck hinterließ bei mir der damalige bauliche Zustand. Mein Sitznachbar meinte, man solle das Stadion in „Colosseum“ umbenennen – fast so alt wie das Vorbild in Rom und in einem ähnlich ruinösen Zustand.)

    MartinM

    22. März 2008 at 23:39

  13. @T.Albert: Ja. Genau zwei. Wenn Du lange genug hinschaust, werden aus den vielen Gegenüber zwei Polen. 🙂

    Erik

    23. März 2008 at 18:17


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