shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Exkursionen in die kleine Form [Kluge]

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„Zwölf Wochen vor der Insolvenz des Baukonzerns Holtzmann gelangte eine Partie illegaler Arbeitsmigranten auf eine Baustelle bei Straßfurt. Die Löhne, 80% unter Bundesniveau, galten in der eingeschleusten Gruppe als enorm. Der Vorarbeiter nahm vier Wochen später die gesamte Truppe, einschließlich der Eingeschleusten, mit auf eine Baustelle nördlich von Friedberg in Hessen. Hier ereilte alle Beteiligten das Fiasko. Die Container wurden geräumt. Zwei Tage behielt die Jugendherberge Friedberg einige der Eingeschleusten für die Nacht, ohne nach Ausweisen zu verlangen. Die Arbeiterstricher waren quasi verloren, weil sie den Weg, den sie in die Bundesrepublik genommen hatten, ebensowenig in Form von Papieren nachvollziehen konnten wie die Einreise. In einem Lager nördlich von Frankfurt wurden sie konzentriert und mit kostspieligem Lufttransport in ihre Heimatländer rückgeführt. Da sie, aus Vorsicht, falsche Länder angegeben hatten, bestand ihr Problem darin, entweder in dieser Fremde Arbeit zu finden, gleich zu welchem Preis, oder die Heimfahrt zu erkunden zu den aussichtlosen Gebieten aus denen sie stammten.“
Alexander Kluge (2005):  Arbeiterstrich, in ders. Die Lücke die der Teufel lässt,
Frankfurt/Main: Suhrkamp, S.849.

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Written by lars

24. März 2008 um 13:09

Veröffentlicht in Ökonomie, [kleine Form]

2 Antworten

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  1. Lars, wie war Dein vorgeschlagener Titel? Ich finde den nicht mehr. Interventionen…‘

    T. Albert

    24. März 2008 at 20:02

  2. “Kritische Interventionen zwischen Kunst, Architektur und Soziologie” ??

    lars

    24. März 2008 at 20:42


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