shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Politik machen bedeutet, Menschen ihre Lebenschancen einzuschränken

with 6 comments

Darauf jedenfalls läuft alles hinaus. Ob Gesundheitspolitik,  Studiengebühren, Prüfungsordnungen, Hartz4, Lohn- und Preispolitik, Schwarz, Rot, Gelb und Grün unterscheiden sich lediglich in der Nuancierung, nicht in der Durchführung eines Generalangriffs auf die Klasse, den man einfach zusammenfassen kann zu: Lebenschancen begrenzen.

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6 Antworten

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  1. Sorry Che: Das ist Quark.

    Ich halte „Lebenschancen“ für ein durchaus wichtiges Feld von Politik, besonders dort, wo diese beschränkend wirkt. Ich bin auch dafür, alle Parteien unter diesem Aspekt zu kritisieren – und bin darüber hinaus sicher, dass sich überall Kritikpunkte finden lassen.

    Nur, erstens: Die Vereinfachung von verschiedenen politischen Konzepten und Haltungen in politischen Parteien darauf, dass diese (bewusst!) Lebenschancen vermindernt wollten, die trifft nicht zu.

    Die CDU sieht „Lebenschancen“ verbessert gerade dadurch, dass sie eine wirtschaftsnahe Angebotspolitik verficht, das sie zusätzlich „für Familien“ bzw. konservative Vorstellungen hier eintritt, wobei man den Erfolg ihrer Bemühungen durchaus bestreiten kann. Zusätzlich steht sie besonders für „Sicherheit“, was, wenn es tatsächlich eine gute und wirksame Politik wäre, durchaus Lebenschancen (und zwar: in einem kriminalitätsärmeren Umfeld) begünstigt.

    Die Bildungspolitik der CDU ist ziemich übel, die Ideen über die angeblich stets „härter“ anzufassenden Kriminellen, Strafverdächtigen und „Sozialschmarotzer“ sind Ausdruck ihrer geistigen Perversion, die Gesundheitspolitik geht v.a. zu Lasten der Normalbürger und schont Privilegierte.

    All das ist kritisierenswert, auch ist berechtigt davon zu sprechen, dass dies auf unangemessene Weise „Lebenschancen“ vermindere – aber, Che, sicherlich ist es verfehlt, die Verminderung von Lebenschancen als den Nukleus von CDU-Politik anzusehen.

    So, und vergleicht man mit den Grünen, so wird man auf dem Feld von Umweltpoltik schon mal deutlcihe Unterschiede feststellen. Hier ließe sich kritisieren, dass die grün-typischen Mittel der Umweltpolitik wirtschaftlich ineffizient und wenig nachhaltig sind (EEG-GEsetz: Zu stark zu Lasten der Verbraucher) – und auf andere Weise Lebenschancen vermindern, und zwar gerade bei denen, die auf niedrige Energiekosten angewiesen sind.

    In der Gesellschaftspolitik sind die Grünen allemal progressiv (also auch: pro „Lebenschancen“), sie unterstützen auch Mindestlöhne sowie das Organisationsrecht von Arbeitnehmern, sowie Änderungen im Steuerrecht, welche Privilegisierungen von Gut- und Bestverdienern reduzieren. Auch die Gesundsheitspolitik stellt sich deutlich anders da als z.B. bei der CDU.

    Die SPD ist auf Bundesebene zur Zeit durchseucht von „Seeheimer Kreis“, „Netzwerkern“ und Karrieristen – programmatisch relativ rat- und orientierungslos und stellt sich im Wesentlichen als eine Art „CDU light“ dar, gleichzeitig steht man hier hinter dem Mindestlohn, für eine weitgehend nicht-aggressive Außenpolitik und – alles in allem – eher für eine im Vergleich zur CDU fortschrittliche Gesellschaftspolitik sowie eine deutlich offenere und auf Förderung abzielende Bildungspolitik. SPD-Länder verzichten i.d.R. z.B. auf Studiengebühren.

    Die FDP ist eine Klientelpartei von Bestverdienern und Privilegierten – insofern klar für bessere Lebenschancen. Ähem, für die eigene Klientel, versteht sich.

    Che, das sind nicht nur Nuancen.

    Dr. Dean

    29. März 2008 at 16:51

  2. Für mich sind das alles nur Nuancen. Ebenso, wie die Auslandseinsätze der Bundeswehr dem Leitsatz folgen „Bevor Sie als Flüchtling oder Asylbewerber zu uns komme, erschießen wir Sie bei sich zuhause.“ Du schreibst bestimmt auch der Titanic richtig ernste Leserbriefe.

    che2001

    29. März 2008 at 18:48

  3. Lieber Che, Leserbriefe würde ich Dir schreiben. Natürlich nur solange, wie Du mir etwas wert bist.

    Dr. Dean

    29. März 2008 at 19:26

  4. Nee, im Ernst, der Beitrag ist eine Mischung aus der Art sarkastischer Polemik, wie sie in meiner Familie gepflegt wird (Onkel Fritz sagte mal auf die Frage, wer er sei, „Wenn Du das jetzt nicht weißt, wirst Du es nie erfahren“, beliebt ist auch als Antwort auf „Weißt Du eigentlich, dass….? „Ich werde es gleich hören“.) und Foucault´scher Gouvernementailtätskritik. Sozusagen das, was wir hier normalerweise in endlos langen Diskussionen und Großpostings abhandeln heruntergebrochen auf ein paar augenzwinkernde Sätze. Gemeint ist im Kern, dass in der Politik keine wirklichen Alternativen mehr zur Debatte stehen. Keine regierende Partei zum Beispiel steht noch für das Konzept „Aufstieg durch Bildung“, keine für offene Grenzen für Nicht-EU-Bürger, keine für keynesianische Wirtschafts- und Sozialpolitik, und das ist schon seit 20 Jahren so. Menschen drangsalieren können sie aber alle. Stimmt ja, dass sie das selber nicht als drangsalieren empfinden, aber die „kleinen Leute“ empfinden es als drangsalieren, es wirkt sich wie drangsalieren aus, es fühlt sich wie drangsalieren an, also wird es wohl drangsalieren sein. Ich Kind des Wohlfahrtsstaats der 70er Jahre konnte lange studieren und mich dabei politisch sehr exponiert betätigen, Strafverfahren eingeschlossen, habe magna cum laude promoviert und nach einer bunt-verworrenen Laufbahn einen unbefristeten Job als Führungskraft bekommen. Wäre ich heute Schüler, ich schaffte nichtmal mehr die Voraussetzungen fürs Abi, wäre ich Student, hätte ich nicht das Geld, um als Solcher überhaupt leben zu können (von der Tütensuppen-Dosenravioli-Tetrapackwein-Ernährung abgesehen, die ganz direkt ihren Einfluss auf die Lebenschancen hat), und bei den vielen hochqualifizierten Bewerbern hätte auch ein Berufsanfänger mit meiner vita keine leiseste Spur einer vagen Chance.

    che2001

    29. März 2008 at 19:48

  5. Und im Übrigen: Du schreibst mir tatsächlich Leserbriefe. Was sind Kommentare unter einem Posting sonst?

    che2001

    29. März 2008 at 22:53

  6. Eben.

    Dr. Dean

    29. März 2008 at 23:15


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