shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Der proletarische Abend

with 9 comments

In den 90ern war Topact unter unseren internen Veranstaltungen der vierteljährlich ausgerichtete „proletarische Abend“, der zeitweise gerüchteumwittert war und zu dem viele Leute gerne eingeladen werden wollten. Im Kern ging es dabei darum: Ein Mitglied unseres Freundeskreises gab einen bunten Abend, zu dem ein Gericht gekocht wurde, das gehaltvoll und bodenständig sein musste. Vor oder bei der Zubereitung wurde vom Gastgeber, bei uns Ghostgiver genannt, eine Referat im Stil eines volkskundlichen Vortrags zu den historischen und sozialen Hintergründen dieser Speise gehalten, dann wurden drei Videos mit Filmen rebellischen Inhalts geguckt und sich dabei die Kante gegeben. Eingeladen wurde zu dieser Veranstaltung mit Briefen oder später emails, die im Sprachstil von Guerrilla-Kommandoerklärungen zum „Proletarischen Abend“ der Proletarischen Front/Gruppe Internationaler Befreiungskampf/Sektion Proletarischer Abend/Untersektion Pongi-Pongi (Pongi-Pongi ist das traditionelle Männerpalaver in Polynesien) aufriefen. Ein alter Genosse erzählte davon kürzlich einem Jung-Autonomen in Linden, der sich das alles nicht vorstellen konnte und fragte, was daran witzig sein sollte, worauf mein Freund erwiderte: „Na, alles!“ Für Jemanden, der schon nichts mehr damit anfangen kann, dass man politische Aktionen  aus Theorien herleitet und sich andererseits  über theoretische  Selbstverständnisse  lustig macht war das  überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Erstellte dann in Frage, dass das überhauptstattgefunden hätte und telefonierte dann in der GÖ-Szene rum, mit dem Resultat, dass niemand davon etwas wusste. Als mein Freund sagte, logen, Deine Freunde sind Anfang 20,l diejenigen, um die es hier geht, aber 40 +, wollte er die Namen wissen. Als mein Genosse drauf antwortete „Anna und Artur halten´s Maul“, wusste er auch damit nichts anzufangen. Oh diese Jugend!

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Written by che2001

14. April 2008 um 22:19

9 Antworten

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  1. Der Generationenkonflikt.

    (Rubrik: früher war alles besser)

    Dr. Dean

    15. April 2008 at 16:00

  2. Nö, Rubrik „Alte Männer plaudern von früher“, steht doch oben …

    momorulez

    15. April 2008 at 16:46

  3. Was Che beschrieb ist eine herrlich alberne und zugleich auch kultivierte Art, seine Freizeit zu verbringen. Wie würde sowas bei heutigen Autonomen aussehen? Udn ich frage ich mich auch, ob auch Neoliberale ähnliche Formate des Feierns kennen?

    (Zum Beispiel: In den Nullerjahren war die “libertäre Abendgala”, nicht nur gerüchteumwittert, sondern in B-Berg ein Höhepunkt des gesellschaftlichen Daseins. Es ging so: Ein Mitglied unseres Libertärenstammtischs lud zum bunten Abend, zu dem ein Gericht gekocht wurde, das teuer und den besseren Leuten vorbehalten sein musste. Mindestens Kavia! Während der Zubereitung wurde ein heimatabendlicher Vortrag zur Niederträchtigkeit des Sozialismus gehalten, dann wurden zwei Friedman-Videos mit Filmen wirtschaftsliberalen Inhalts geguckt und sich dabei die Kante gegeben. Eingeladen wurde zu dieser Veranstaltung ein Vorzeigeneger, den wir dezent auf die wissenschaftliche „bell curve“ aufmerksam machten, solange, bis er trotz bester Speisen freiwillig ging. Nach dem Videos verfassten wir herzogsähnliche Ruck-Reden seitens der Sektion der neoliberalen Weltverschwörung/Komitee B-Bach, Untersektion der Raubfischangler (die Gastgeberin erwies sich dabei als vorbidlich höflich bis herzlich). Zum Schluss schauten videoguckten wir einige Reaganreden und interessante Youtubes aus dem Irakkrieg.

    Für den heutigen Nachwuchs ist das aber überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Der trifft sich neben den Organisationsabenden eigentlich nur noch für Killerspielparties. Oh diese Jugend!)

    Dr. Dean

    15. April 2008 at 17:17

  4. Mensch Dean, das haben wir damals bei der Wiking Jugend genauso gehalten. Nur gingen da die Leute nicht mehr.

    ring2

    15. April 2008 at 21:36

  5. Die Freizeitkultur ist ganz klar im Niedergang begriffen. Ich sag’s ja immer wieder: das wäre früher nicht passiert.

    Obwohl auch „damals“ es schon eine Reihe an Leuten gab, die das Ganze albern bis peinlich fanden. Sei’s drum. Aber irgendwie waren eur Proletarischen Abende durch einen akuten Mangel an Proletariern gekennzeichnet, gelle?

    cassandrammviii

    16. Dezember 2008 at 13:56

  6. Der Coach und unser Ex-Knasti waren, wie sie selbst es ausdrückten „extrem proletarisch“, und der Borrible hätte sich wohl auch so definiert. Ansonsten stimmt´s.

    che2001

    16. Dezember 2008 at 15:09

  7. ich wa rdas einzige Proletarier-Kind das ihr kanntet! Bourgeoises Gesockse.

    cassandrammviii

    16. Dezember 2008 at 20:09

  8. Nö, der Arbeitersohn, der Sozialhilfeempfängerinnensprößling und der Ständigdenjobwechslermalmonteurmalpostbotenachkomme waren das wohl auch. Und als Bourgeois würde ich meinen Papa, Sohn einer teilalphabetisierten Landarbeiterin und eines langzeitarbeitslosen Schlossers, der sich zum Manager raufgearbeitet hat auch nicht bezeichnen. Ein Bourgeois ist ein Unternehmer, ein Vorstand, Aufsichtsrat oder Direktor, vielleicht auch noch ein Professor, Chefarzt, Notar oder gutverdienender Makler, aber niemand von unseren Eltern.

    chezweitausendeins

    16. Dezember 2008 at 22:58

  9. Che mein Schatz, das war ein Zitat von dir selber 🙂

    cassandrammviii

    17. Dezember 2008 at 14:43


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