shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

O St. Pauli!

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Ja, die besten Chöre, die verpaßt man manches Mal dann doch als Hautpttribünensitzer – „Ihr seid ’ne Schauspielertruppe“, zum Beispiel.

Vereinsfussballdarsteller, allerdings keine Fußballerdarsteller, die durften wir ja gestern am Millerntor erleben. Fallen konnten die soooo schön …

An einem denkwürdigen Tag. An einem großartigen Tag. War ja noch richtig Tag, Anpriff um 17.30 h, weil Geld halt Menschenströme und Verhaltensweisen steuert.

’nen Schiedsrichterdarsteller durften wir auch erleben. Das war bestimmt gar kein richtiger. Und man fragte sich wirklich, ob irgendwo Backstage so ein Pate mit Zigarre in der Fresse, im Gegenlicht seine Silouhette aufbäumend, ihn zusammenrüffelte nach dem Spiel. Und er verzweifelt um das Wohl seiner Liebsten kämpfend stammelte : „Aber mehr als zwei reguläre Tore kann ich doch nicht aberkennen! Und den Ausgleich habe ich doch fast selbst geschossen! Und den Trainer auch auf die Tribüne verbannt!“ Mal drauf achten, ob dem bald ein Finger fehlt oder sowas …

Diesen megastarken Hoppenheimer Kader niederzuringen, an die Wand zu kämpfen, platt zu laufen – also, das was unsere Jungs da gestern brachten, Hallelujah. In Ehrfucht jubeln und nicht nur in Liebe entbrannt, das passiert auch nicht alle Tage. Was haben die da gestern auf den Rasen gelegt, noch immer innerlich glückstaumelnd dringt durch schlicht Fassungslosigkeit im positivsten Sinne angesichts eines solchen Spiels.

Sich einfach nicht demoralisieren zu lassen von einem solchen Schiedsrichtergespann und solchen Top-Spielern, das ist einfach nur gigantisch. Und sogar mal so richtig effizient spielen wie in der ersten halben Stunde, als unsere Abwehr schwamm wie ’n Stück Holz im Brackwasser, und dann doch dieses sensationelle 1:0 – wir dachten noch alle „Gott, wo spielt dieser Takyi nun wieder hin“, dann jedoch „rummms“ und Ludwig hämmert drauf und alle hüpfen. Wegen des Song 2. Das sind so Momente, da fehlen Worte und nur noch irgendwie tierisches Gebrüll entringt sich den Kehlen … reines Gefühl halt. Begeisterung.

Dann steht man in Halbzeit 2 am Bierstand, und plötzlich branden Laute auf, steigern sich, werden stadteilfüllend, die schöner sind als jede Symphonie – wenn dann der Song 2 einsetzt, dank Marcel Eger, da spürt man’s: Das wird noch viel großartiger heute am Vorabend!

Nachdem Pliquett bereits in Halbzeit 1 perfekt choreographierte Glanzparaden zelebrierte, rannten sie die Mannen Hopps nunmehr in Grund in Boden, und dieser Solo-Lauf von – wahlweise – Felgen- oder Gyros-Ralle als glanzvoller Schlußpunkt, also, was dann so in St. Pauli-Seelen vorgeht, das kann sich hier jeder noch mal anhören.

Ganz ehrlich: Ein derart spannendes, aufregendes, mitreißendes Fussballspiel habe ich doch selten erlebt. Und plädiere einmal mehr dafür, hieraus nun endlich einen St. pauli-Gesang zu machen:

Paßt doch! O St. Pauli

Wenn man dann noch nach dem Spiel betrachten darf, daß dank Pauline die Zukunft des Frauenfussballs auch gesichert ist und an all den enthusiastischen Menschentrauben vor den Kneipen auf dem Kiez vorbeischlurft, dann ist das einfach: Zuhause.

Und der Beleg zudem, daß eine gewachsene Alltagskultur irgendwelche finanzstark hochgetuneten Dorftruppen eben doch vom Platz fegen kann … denn das haben unsere Spieler gestern vor allem gezeigt: Daß sie wirklich wissen, leben, spielen, lieben, was den FC St. Pauli ausmacht. Danke!!! In Ehrfurcht.

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Written by momorulez

17. April 2008 um 10:05

Veröffentlicht in Fussball

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9 Antworten

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  1. Auf der Welle surfe ich jetzt auch erst mal bis Augsburg 🙂

    jekylla

    17. April 2008 at 11:54

  2. uff* und nach solch einem Tag erfährt man dann, dass Takyi nu geht.
    Ausgerechnet nach Fürth. Sowas.

    ring2

    17. April 2008 at 15:21

  3. Ach, so schlimm finde ich das gar nicht. Zum einen wird er da eh nicht glücklich, selber schuld, zum zweiten haben den in Liga 2 auch erst Ludwig und Trojan stark gemacht. Und das schaffen die auch mit Anderen. Eigentlich ist Charles nicht durchsetzungsfähig genug für Liga 2, das wird er in Fürth schmerzlich erfahren.

    momorulez

    17. April 2008 at 15:35

  4. Ich bin auch nur zuerst erschrocken, aber sehe das wie momorulez. Jetzt, wo andere so richtig durchstarten und mit der neu gewonnenen Einstellung und dem Bewusstsein, dass man so richtig was reissen kann, wird auch Takyi ersetzbar sein.

    jekylla

    17. April 2008 at 16:19

  5. Ja, da können wir Euch sehr dankbar sein. Der FC auf Tabellenplatz 2 – das gibt ja Hoffnung.

    Stimmt eigentlich das Gerücht, das ich gehört habe? Dass nämlich die Gladbacher Fahne, die letzte Woche auf unserer Tribüne aufgetaucht ist, von Paulianern „befreit“ worden und dann nach Kölle verschenkt worden ist?

    Karsten

    17. April 2008 at 18:33

  6. Ooops, solche Gerüchte kenne ich ja immer gar nicht – schau mal im St. Pauli-Forum unter „Fanaktionen“, ob da was steht 😉 …

    Und, glaube mir: Für den FC haben unsere Jungs das nicht getan 😀 – wo wir ja auch gewonnen hätten mit unserem neuen Torwartgott, abgesehen davon. Da habt ihr ganz schön Schwein gehabt, wie mir neutrale Augenzeugen (Oberhausen-Fans) berichteten …

    momorulez

    17. April 2008 at 18:55

  7. […] dann kann man es ja mal versuchen! Der Mann war bestimmt gekauft, und mit der Meinung stehe ich anscheinend nicht alleine. Unsere Abwehr fand mal wieder (was ist los mit den Jungs??) nur Sporadisch statt, […]

  8. Außerdem ist das ja auch nicht die feine Art, des Gegners Fahne dann anzuzünden (war doch so, oder?). zu zerreissen
    Da wäre unseren Fans besseres eingefallen.

    http://www.koeln.de/artikel/Sport/Streit-um-Fahne-DFB-ermittelt-gegen-Koeln-und-Gladbach-41491-2.html

    ring2

    17. April 2008 at 20:57

  9. […] Sag zum Abschied … wo der Ralph Gunesch nun in die Stadt der Illuminaten und des Dr. Frankenstein wechselt, da steigen sie auf, die Erinnerungen, und tanzen wie Schatten auf einer Höhlenwand, derweil das Feuer der Ekstase im Rücken lodert. Vor allem dieses Spiel erscheint vor dem inneren Auge und flackert traumhaft: „Diesen megastarken Hoppenheimer Kader niederzuringen, an die Wand zu kämpfen, platt zu laufe… […]


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