shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Was vom Anschlag übrig blieb

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Gut zwei Jahre ist er jetzt her, der Anschlag auf Ermyas M. in Potsdam vom Ostersonntag 2006, ein paar Wochen vor der großen schwarz-rot-goldenen Sause am benachbarten Brandenburger Tor.

Was ist davon geblieben, außer großer Aufregung in den Archiven der Zeitungen, TV-Medien und der Bundesstaatsanwaltschaft? Narben, sicher. Und?

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Written by ring2

19. April 2008 um 9:51

Veröffentlicht in Faschismus und Antifaschismus

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23 Antworten

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  1. Insbesondere wird er von den Rechten dazu genutzt, die Nicht-Existenz von Rasismus zu behaupten, und im Zuge dessen werden dann meistens alle rassistischen Stereotype gleich mit auf die Bühne gestellt.

    momorulez

    19. April 2008 at 11:51

  2. Da gebe ich Dir recht, momorulez. Wobei „die Rechten“ bis weit in die „demokratischen Parteien“ und die „Mitte der Gesellschaft“ hineinreichen. Es ist traurige Realität, wie viele weniger Angst vor dem Rassismus haben, als Angst davor, dass der Rassismus allgemein bekannt wird.

    MartinM

    19. April 2008 at 13:14

  3. Ich las gerade in ein widerwärtiges Machwerk hinein, den Nazi-Science-Fiction-Roman „Stahlfront“, in dem sich der Autor an Fantasien ergötzt wie einen messerstechenden Türken sich selbst kastrieren zu lassen u.ä.. Von PI dahin ist der Schritt nur klein.

    chezweitausendeins

    19. April 2008 at 15:28

  4. „Stahlfront“ – ja, in der Tat ein widerliches Machwerk, das schon seit Monaten in der SF-Szene diskutiert wird – fast durchweg ablehnend. Selbst Fans harter Militär-SciFi (in der Machart von Heinleins „Starship Trouper“) distanzieren sich eilig von dem Zeugs (das außerdem noch grottenschlecht geschrieben sein soll).
    Was Hans-Joachim Bernt (HJB Shop) geritten hat, den Exklusivvertrieb von „Stahlfront“ zu übernehmen, ist nach wie vor ein viel diskutiertes Rätsel. Fest steht, dass zahlreiche SF-Fans ihre Lektüre nicht mehr bei HJB beziehen.
    Abgesehen von der nicht ganz auszuschließenden Möglichkeit, das H. J. Bernt ein „heimlicher Rechtextremist“ ist, gehen die meisten Vermutung in die Richtung, dass er einen „aufnahmefähigen Markt“ für solche Machwerke vermutet – einen Markt, den er für aufnahmefähig hält, dass er die Verluste im „Kerngeschäft“ zu verschmerzen glaubt.

    Womit wir wieder beim Thema „Rassismus in der Mitte der Gesellschaft“ bzw. „Rassismus außerhalb rechter Randgruppen“ wären.

    Zu P.I. – Allzu weit von bestimmten Kommentaren auf P.I. ist „Stahlfront“ in der Tat nicht entfernt. Vielleicht hat P.I. den Hans-Joachim Bernt ja auf die Idee gebracht, dass es einen Markt für Rassisten-SciFi geben könnte.

    MartinM

    19. April 2008 at 17:00

  5. Hinweis: der Smiley im vorangegangenen Kommentar wurde von mir fahrlässig, aber nicht absichtlich, gesetzt. Ich schreibe das, weil er den Sinn meiner Äußerung verfälscht.

    MartinM

    19. April 2008 at 17:03

  6. @momorulez: „im Zuge dessen werden dann meistens alle rassistischen Stereotype gleich mit auf die Bühne gestellt.“

    Es gibt ja jetzt wieder das Beispiel Rudolstadt. In der überregionalen Presse einigermaßen präsent, in der Regionalpresse unter „Vermischtes“. Wenn überhaupt erwähnt, dann auch hier als eine Mischung aus Abstreiten und Aggression den Opfern gegenüber. Wie nennt man eigentlich Widersprüche dieser Art, die ja nicht anders gedeutet werden können als: „Ausländerfeindlichkeit gibt es nicht (dabei wär Anlass genug vorhanden“).

    Irgendwie ein Bruch im normativen Gefüge: Wie bei getauften Heiden, die offiziell der Ethik der Sieger huldigen, inoffiziell aber immer noch ihre barbarischen Riten pflegen.

    Gomez Davila

    19. April 2008 at 18:20

  7. Kann man in diesem Fall denn noch sinnvoll von einem Anschlag sprechen?

    David

    19. April 2008 at 18:23

  8. @Gomez Davila: die Mischung aus Abstreiten und Aggression den Opfern gegenüber erklärt sich m. E. aus falsch verstandener Loyalität gegenüber der jeweiligen Heimatregion – und falsch verstandener Solidarität.
    In der Lokalpresse werden solche „unangenehmen“ Themen wie rassistische Gewalttaten gern unter den Teppich gekehrt, denn kaum ein Lokalredakteur möchte gern als „Nestbeschmutzer“ gelten. Hinzu kommt, dass grade „im Osten“ und „in der Kleinstadt“ Kritik seitens der überregionalen Medien leicht als Arroganz der „Besserwessis“ oder der „Großstadtjournallie“ aufgefasst werden.
    Den Widerspruch zwischen dem Wissen (oder zumindest dem dringenden Verdacht), dass es „auch bei uns in (Ortsname) Rassismus gibt“ und der lautstarken Äußerung „Bei uns in (Ortsname) gibt es so etwas nicht!“ nenne ich in den meisten Fällen „Heuchelei“, in einigen Fällen allenfalls noch „trotziges Wegsehen“.

    Das Beispiel mit den „getauften Heiden“ ist schlecht – auch wenn es auf die „Heuchelei“ abzielt – weil es stillschweigend davon ausgeht, dass die Ethik der Sieger deren der erfolgreich Missionierten überlegen sei. Beim Wort „barbarischen Riten“ denke ich außerdem unwillkürlich an Menschenopfer, Kopfjagd oder zumindest rituelle Mater; nicht an tatsächlich beibehaltene Volksbräuche.

    MartinM

    19. April 2008 at 20:58

  9. Man könnte „Anschlag“ auch durch „Attentat“ ersetzen, „Pogrom“ geht bei einer einzelnen Person ja nicht. Ich muss ja sagen, dass ich die Idee von Antifasist Genclik, Morde von Neonazis durch Morde an Neonazis zu beantworten, nicht wirklich und aus tiefem Herzen verdammen kann. Ich würde so etwas nicht unterstützen, verstehen kann ich es aber durchaus. Was die mediale Berichterstattung angeht, gehört den Deutschen ihr Rassismus um die Ohren gehauen. Ich habe mal ein Interview mit Opfern der Ausschreitungen von Hoyerswerda gesehen, bei dem die befragt wurden, was man mit den Rassisten machen sollte, und da kamen Antworten wie „Alle an die Wand stellen!“. Nochmal: Ich befürworte so etwas nicht, aber diese Opferperspektive müsste genauso öffentlichkeitswirksam publiziert werden wie die vorurteilsbeladene normaldeutsche Wahrnehmung des Themas.

    chezweitausendeins

    19. April 2008 at 22:33

  10. @MartinM: „dass die Ethik der Sieger deren der erfolgreich Missionierten überlegen sei.“

    Das würde ich aber sehr wohl behaupten. Die größere westdeutsche Toleranz dem Fremden gegenüber liegt ja sozusagen am kapitalistischen Erziehungsprozeß, der den Westdeutschen Ausländer einfach so aufs Auge gedrückt hat. Die SED-Politik mit ihrem Konformitätsdruck, ihrer Intoleranz, vor allem aber ihrer rigiden Ausländerpolitik hat hingegen zu einem Entstehen einer ganz anderen „Ethik“ beigetragen, nämlich dazu, dass Fremdenfeindlichkeit den Ostzonalen geradezu in Fleisch und Blut übergegangen ist. Deren ausgelebte Intoleranz, wovon das letzte besonders drastische Beispiel ja Mügeln war, als „Volksbräuche“ zu bezeichnen, hielte wiederum ich nicht für angemessen.

    Die Ostdeutschen sind eben noch nicht erfolgreich „missioniert“. Die sind da, wo die Westdeutschen in den 50ern waren. Das ist doch gerade der Punkt.

    Gomez Davila

    20. April 2008 at 8:32

  11. @Gomez Davila:

    Das glaube ich nicht. Ich mir recht sicher, daß es um völkische Identifikationen und auch den Versuch geht, solche Identitätsmuster zu leben als Antwort auf den Schock, den der Mauerfall ja nun auch für ostdeutsche Lebenswelten bedeutete.

    Das ist analog zu manchem in Serbien, aber auch zum Islamismus, der ja auch ’ne Antwort auf eine Modernisierungskrise und nicht etwa was Traditionales ist. Ähnlich diese „Natürlichkeits“-Diksurse unter jamaicanischen Hip Hoppern – da wird immer so was wie eine Entfremdung durch Modernisierung behauptet, hinter die man zurück müsse, und das auf der Ebene von Identitätskonstruktionen.

    Der Papst verbreitet auch dergleichen, die Struktur ist immer die gleiche bei diesen Formen des Konservatismus, zu dem der Neonazismus ja gehört.

    in DDR-Lebenswelten läßt sich das insofern „rückübertragen“, daß es zum einen da nun sich als einzig konsequente Opposition verstehen ließ, auf einmal rechtsradikaler Skindhead zu sein, die gab’s ja vor der Wende auch schon. Zum anderen aber auch, dadurch, daß die offzielle Doktrin der DDR als antifaschistischer Staat dazu führte, daß Strukturen aus dem 3. Reich gerade nicht aufgearbeitet wurden, sondern daß es lediglich andere Formen der Kontinuität gab als im Westen.

    Reaktion auf Moderninsierungsschocks und ungeliebte Konkurrenz ist’s in Ost wie West, da es auf je andere Muster bezogen ist, die Moderniserung erfuhren, ist, gibt’s da auch Ost-West-Unterschiede.

    Aber in beiden Fällen in immer Grundlage „Wer nix wird, wird deutsch“, und das dann eben im völkisch-nationalen Sinne bezogen auf Positiv-Stereotypisierung der „Eigengruppe“, die geschützt werden muß, weil sie so fragil und künstlich ist bei gleichzeitiger Projektion von Negativ-Steroytypen „Der Neger hat doch eh nur im Vollrausch ’ne blonde Braut angebaggert“, was ja richtige Deutsche nie tun. Dabei ist das doch die vielbeschworene Integration 😉 …

    momorulez

    20. April 2008 at 10:01

  12. .. ergänzend dazu, wäre ja Mord mit Mord zu bekämpfen, das sich selbst in archaische Muster zurück bewegen und selbst zum „Nazi“ werden.

    Schlimmer Gedanke, zumal ich fest davon überzeugt bin, und Che, das müsste Dir deine eigene Erfahrung auch sagen, dass solche Todesfälle in den seltensten Fällen geplante Mordanschläge sind.

    Sie bestehen, so meine zugegeben schwach belegbare, sondern eher gefühlte These, aus zwei Phasen, der ersten, in der dem „Inder mal gezeigt werden soll, wo er hingehört“, das dann unter Alkohol und Adrenalin erst zu dem führt, was wir kennen und zu recht „Mord“ nennen, sozusagen ideologischer Vorsatz, ausgeführt im Affekt. Wenn sich das Opfer wehrt, umso schlimmer.

    Die Mechanismen, die da wirken sind dann aber für den Einzelnen so außer Kontrolle, das man von geplantem Vorsatz schlecht sprechen kann. Ein Mord, im Sinne von ideologischer Blutrache wäre dann sogar noch niederträchtiger als die erste Tat.

    ring2

    20. April 2008 at 10:27

  13. @Gomez Davila: Che hat ausführlicher auf Deinen Einwand geantwortet, als ich es getan hätte. 😉 Inhaltlich stimme ich ihm voll zu.
    Schon das „Urbeispiel“ – das der tatsächlichen Christianisierung – krankte in den meisten Fällen daran, dass die Missionare zwar eine neue Moral predigten, ihre praktizierte Ethik diesen Idealen in den wenigsten Fällen entsprach.
    Die größere westdeutsche Toleranz ist sicherlich auf die „Westbildung“ und die damit verbundene starke Internationalisierung der Wirtschaft zurückzuführen – allerdings ging es in der BRD der 60er Jahre auch nicht gerade „ausländerfreundlich“ zu. M. E. kann man erst ab den 70er Jahren davon reden, dass offener Rassismus bei einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung und in den Medien nicht mehr „salonfähig“ war.
    Ein Beispiel:
    Im Zusammenhang mit dem 40. Jahrestags der Ermordung Martin Luther Kings hat die „Fankfurter Rundschau“ das Titelblatt ihre Ausgabe von 6. April 1968 online gestellt:
    http://originalausgaben.fr-online.de/_1968/pdf/04/1968-04-06_001.pdf
    King wird wie selbstverständlich als „Negerführer“ bezeichnet – in einer damals als „linksliberal“ eingeordneten Zeitung. Nicht, dass die Redakteure der FR damals rassistisch waren – es fehlte ihnen allerdings die Sensibilität dafür, was diese Wortwahl („Negerführer“) im Kopf eines Rassisten bewirken würde – nämlich eine Bestätigung seiner rassistischen Klischees. So gern ich über „Political Correctness“, vor allem der rein sprachkosmetische Variante, lästere – „Politically Incorrect“ sollte man auch nicht gerade sein. (Anspielung beabsichtigt!)

    Womit ich bei einem weiteren Grund für das Fortwirken des deutschen Alltagsrassimus wären: Dickfelligkeit, mangelnde Sensibilität, mangeldes Einfühlungsvermögen – auch bei Deutschen, die nicht selber rassistisch sind.

    MartinM

    20. April 2008 at 10:43

  14. @Che: „gehört den Deutschen ihr Rassismus um die Ohren gehauen“

    Wichtiger Punkt. In den USA z.B. gibt es einen blühenden Rassismus, aber u.U. eine größere Zurückhaltung, tätlich zu werden, weil andere Ethnien ihre Leute ganz schnell mobilisieren können.

    @momorulez: Völkische Identifikationsmuser als Antwort auf den Schock nach dem Mauerfall, also ich weiß nicht. Spielt sicher auch eine Rolle, aber nicht die Hauptrolle, und eher beim harten Kern der Neonazis. Wenn man sich mit den Leuten unterhält, klingt eher normaler Chauvinismus a la „gallisches kleines Dorf“ durch, der den Rassismus nicht richtig erklären kann. Zum Rassisten wird man nicht über Nacht. Den haben unaufbearbeitete Vergangenheit, Staatspropaganda (Hetze gegen Israel) und Abschottung allem Fremden gegenüber zum großen Teil zu verantworten.

    @MartinM: Lassen wir doch einfach das Christianisierungsbeispiel, welches tatsächlich nicht besonders gelungen ist. Dennoch ist die Intoleranz in den 70ern für mich kein Gegenbeispiel, eher als Aufbegehren gegen die „Zumutung“, mit Migranten umgehen zu müssen, zu erklären. Die schlimmsten Ressentiments sind doch nach den 70ern großteils wegerzogen worden.

    Gomez Davila

    20. April 2008 at 14:27

  15. @Che, Ring2

    Ich zielte mit meiner Frage eher darauf ab, wie Du/Ihr zu dem Urteil des Gerichtes steht. Sicherlich produzieren Gerichte nicht Wahrheit und man muß dem Urteil somit auch nicht zustimmen. Aber gibt es denn ausreichend Grund zu der Annahme, daß es sich in diesem Fall tatsächlich um einen bewußt geführten Anschlag handelte, trotz des Freispruchs? Ich gestehe da auch ein, nicht unbedingt auf dem aktuellsten und vollständigsten Informationsstand zu sein.

    David

    20. April 2008 at 15:11

  16. Du meinst wahrscheinlich die „Intoleranz in den 50er und 60er Jahren“, Gomez Davila. Ab den 70er sah es deutlich besser aus, auch dank des Einflusses der schulischen Erziehung und einer gewachsenen Sensibilität der Medien. Neben der speziellen DDR-Problematik dürfte es auch an dem wieder schlechter werdenden Lernklima an den Schulen und der nachlassenden Qualität vielen Massenmedien liegen, dass Werte der „Toleranzerziehung“ wieder den Bach runter gehen – und rassistisches Denken wieder Oberwasser bekommt.
    Nicht zu vergessen: in den 70er waren die meisten Einwander noch „Gastarbeiter. Das Bewusstsein war noch stark, dass diese Menschen nach Deutschland gekommen waren, weil freie Stellen für verhältnismäßig schlecht bezahlte „einfache Zulangjobs“, aber auch für unbeliebte „Drecksarbeiten“ nicht mit Deutschen besetzt konnten. Außerdem gab es noch die weit verbreitete Vorstellung, das alle „Gastarbeiter“ irgendwann wegziehen würden. (Was für viele sogar zutraf – aber oft erst im Rentenalter.)
    Ab etwa Mitte der 80er, dann ganz verschäft ab den 90ern galten Einwanderer oft einfach als „die, die uns die Arbeit wegnehmen“ – sogar Politiker „demokratischer“ Parteien gingen mit entsprechenden Parolen auf Wahlkampf. Die Illusion, dass „die Ausländer“ irgendwann „wieder wegziehen“ würden, und die, das Deutschland „kein Einwanderungsland“ sei, zerbrach auch etwa zu dieser Zeit.

    MartinM

    20. April 2008 at 15:32

  17. @MartinM: „Du meinst wahrscheinlich die “Intoleranz in den 50er und 60er Jahren”

    Jep, auch, die hab ich stillschweigend vorausgesetzt.

    „auch für unbeliebte “Drecksarbeiten” nicht mit Deutschen besetzt konnten“

    Halte ich für einen Mythos. Zuwanderung wird schon immer forciert, um Löhne zu drücken und somit den Profit zu erhöhen. Nachzulesen z.B. in Howard Zinns „Geschichte des amerikanischen Volkes“. Heutzutage wird das eher mit Betriebsverlagerungen ins Billiglohnland gemacht, oder mit der Drohung damit.

    Was Du über die Entwicklung in den 90ern in Westdeutschland schreibst, finde ich interessant, erklärt es doch die zwei unterschiedlichen Rassismen in D. In Ostdeutschland reicht die falsche Hautfarbe aus, um einen Menschen zu gefährden. D.h. der amerikanische Gastdozent wie der türkische Dönerbudenbetreiber kriegen mit aller Wahrscheinlichkeit beide auf die Fresse. In Westdeutschland hingegen scheint sich Rassismus mit dem Phänomen der sozialen Abschottung nach unten zu decken. Man nimmt die Kinder von Schulen mit hohem Ausländeranteil, der Sozialparasit der bekannten Clementschen Broschüre hieß nicht umsonst „Ibrahim“, und bei Reportagen über (natürlich selbstverschuldete) Armut werden die Innenräume türkischer Wohnungen abgefilmt. Das machen dann alles dieselben Leute, die an Latschdemos gegen rechte Gewalt teilnehmen, wenn der Osten mal wieder fürt schlechte Publicity im Ausland sorgt.

    Gomez Davila

    20. April 2008 at 16:21

  18. @ring2 „. ergänzend dazu, wäre ja Mord mit Mord zu bekämpfen, das sich selbst in archaische Muster zurück bewegen und selbst zum “Nazi” werden.

    Schlimmer Gedanke, zumal ich fest davon überzeugt bin, und Che, das müsste Dir deine eigene Erfahrung auch sagen, dass solche Todesfälle in den seltensten Fällen geplante Mordanschläge sind.“ — Ich habe nicht gesagt, dass ich das richtig finde, ich habe nur gesagt, dass ich verstehen kann, wie allein gelassene und von Deutschen, wenn es hart auf hart kommt, trotz Menschenketten nicht solidarisch unterstützte MigrantInnen darauf kommen können, uge um Auge Zahn um Zahn mäßig zurückzuschlagen. Und ich glaube auch, dass Neonazis realtiv leicht einzuschüchtern sind und dass es gut ist, sie einzuschüchtern. Ich erinnere mich an eine Geschichte, da waren die Neonazis in einer bestuimmten Gegend im Osten besonders brutal, taten Schwarzen aber absolut gar nichts. Irgendwann stellte sich heraus, warum: Sie hatten bei Schißübungen in deinem steinbruch gesehen, dass die Nigerianer dort auch Schießübungen veranstalteten, mit einem Commander und militärischem Drill, und zwar, um sich gegen Neonazis zu verteidigen. So einfach ist die Welt manchmal 😉

    chezweitausendeins

    20. April 2008 at 18:53

  19. „In Westdeutschland hingegen scheint sich Rassismus mit dem Phänomen der sozialen Abschottung nach unten zu decken.“
    Gomez Davila

    Ja, „scheint“. Drum kann ichs nicht sehen. Ich kenn es auch ganz anders: der schönen, zu dunklen, gepflegten Iranerin durchs Autofenster ins Gesicht spucken, Kinder, die nach uns schlagen, junge Arschlöcher, die 1992/93 sich auf der Strasse so benehmen, dass man sie meidet, die Strasse, zerkratztes Auto, „wie lange bleiben Sie denn noch?“, ein Park vorm Haus, in den man nicht mehr gehen konnte eine Weile, im Laden systematisch angestarrt werden bis sich dem Maul unter den Augen „Scheissausländer“ entrülpst; ach, undsoweiter. Das war im Ruhrgebiet. In Essen wurde damals ein „Asylanten“heim vom drumrum wohnenden höheren Mittelstand auf Bestellung angezündet, die Lieferung der Ware auch bezahlt; niemand redet davon. Diese Leute entsprachen ihrerseits der sozialen Umgebung erwähnter Iranerin. Also, sein Geld schützt den fehlfarbigen Menschen nicht. Auch nicht, dass er perfekt und normal Deutsch spricht, was sie angeblich alle nicht tun. Die Nigerianer machens richtig. Den türkischen Bürschchen mit ihren bescheuerten Butterfly-Messern habe ich damals allerhand verziehen, als sie die Nachbarschaft schützten.

    T. Albert

    20. April 2008 at 19:31

  20. Die Logik „Wenn rassistische Übergriffe, dann Schrotflinte“ hat jedenfalls immer funktioniert. Als Naziskins einmal ein Flüchtlingswohnheim überfielen, in dem sich lauter PLO-Kämpfer befanden, machten sie jedenfalls eine pädagogisch besonders wertvolle Erfahrung 😉

    chezweitausendeins

    20. April 2008 at 21:09

  21. @T.Albert: „Ja, “scheint”. Drum kann ichs nicht sehen.“

    Tja, da bin ich mit meiner These, die Ostler wären eben noch nicht durch den Multikulti-Erziehungsprozeß durch, tatsächlich blamiert. Die übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen ist, sondern die Richard Schröder (der Theologe) vor kurzem mal so ähnlich formuliert hat. Verstärkt wird diese einseitige Sicht dadurch, daß es rassistische Überfälle offensichtlich nur dann in die Presse bringen, wenn sie in Ostdeutschland begangen wurden. Welche Absicht auch immer hinter einer solchen Selektion steckt (wenn eine dahinter steckt).

    Gomez Davila

    21. April 2008 at 10:10

  22. @Gomez Davila

    „daß es rassistische Überfälle offensichtlich nur dann in die Presse bringen, wenn sie in Ostdeutschland begangen wurden. “

    Ja, den Eindruck hatte ich schon immer. Allerdings laufen auf den brandenburgischen und lausitzischen Dörfern schon mehr OFFENSICHTLICH unangenehme Typen rum: nach einschlägigien Erfahrungen bin ich in den Neunzigern ja nicht mal mehr in manche berliner Randgebiete mehr gefahren; meine Studenten haben mich sogar gewarnt, die kannten das ja alles noch besser. Mein Bruder, der in Thüringen in einer berühmten deutschen Kleinstadt, die angeblich für deutsche Kultur steht, zu leben versuchte, war nach zwei Jahren ein Nervenbündel, das nur noch weg wollte, anstatt sich zu bewaffnen wie die Kommilitonen, die noch ihre NVA-Dienstpistolen besassen.

    Schröders These halte ich schlichtweg für falsch. Man müsste die Universitätsprofessoren einfach mal geraume Zeit ohne Auto in irgendeinem deutschen Arbeiter- respektive Arbeitslosenquartier leben lassen. Dort wird offensichtlich, was in ihren Vierteln gegen Bezahlung beauftragt oder per „Politik“ erledigt wird.

    Nebenher: ich erinnere mich noch an die ekelhaften Sprüche, mit denen 1980 von meinen „Kameraden“ bei der Bundeswehr ein Bataillonsoffizier, der aus Marokko war, bezeichnet wurde. Damals war ich neunzehn, und weiss seitdem, wie das ist, was mir später selbst begegnen sollte.

    Und eine Beobachtung des Vaters obiger Iranerin, der ein Sozialdemokrat war: wenn man als persischer Student in den fünfziger Jahren nach Westdeutschland kam , dann wurde man toll behandelt, anders als „die Ausländer“. Das lag am Ersatzkaiser deutscher Phantasien und Neurosen Reza Pahlevi und seinen Kaiserinnen, deren eine ja als Deutsche bestens in die neurotischen Traumstrukturen passte. Jetzt sagte er, wenn man aber als Flüchtling vor der pervertierten, gestohlenen Revolution nach einer Odyssee um die halbe Welt in den Achtzigern und Neunzigern kam, dann wurde der Iraner so mies rassistisch behandelt wie alle andern auch. (Linke waren übrigens oft nicht besser. Ich habe damals Freundschaften gecancelt, weil ich dieses Kulturgefasel nicht mehr ertragen konnte, auch nicht die endlosen Diskussionen wegen dieses widerlichen Films „Nicht ohne meine Tochter“, in den alle liefen, und dann wussten, was die dort unten essen, und wie sie mit ihren Kindern umgehen. Die „zivilen“ Diskussionen mit meinen linken Freunden und Kommilitonen über diesen Film, die „aufgeklärt“ sein sollten, waren nicht auszuhalten. Irgendwas am Generalverdacht würde schon dran sein.

    T. Albert

    21. April 2008 at 10:51

  23. Was meine persönliche Anschauung angeht: da bin ich ziemlich nah an T. Albert. Es gibt zwar einen erkennbaren Unterschied im „Rassismus West“ und „Rassismus Ost“, aber auch der Alltagsrassismus West macht sich an äußeren Merkmalen fest. Triebfeder dabei ist das, was gerne „Sozialneid“ genannt wird, und was ich fehlgeleitete Empörung über die eigene wirtschafliche Lage nennen würde: die Vorstellung, dass an der eigenen Misere „die Ausländer“ schuld seien. Rassismus in Deutschland heute ist der Antikapitalismus des „dummen Kerls“.

    MartinM

    21. April 2008 at 11:10


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