shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Umsonst und draußen? Nix da!

with 5 comments

Das mit den Urheberrechten ist ja nicht nur im Netz so eine Sache: Zunehmend Usus ist, z.B. bei Dreharbeiten „on location“ auch Motiv-Rechte erwerben zu müssen.

Wovon freilich der  Architekt oderwerauchimmer da schöpferisch im Vorfeld zuschlug in der Regel gar nix hat, meines Wissens, sondern der Eigentümer, Pächter etc. – man korrigiere mich, mir jedoch scheint das eigentlich seltsam zu sein, sind diese doch lediglich Inhaber der Nutzungs-, nicht jedoch der Urheberrechte. Weil Urheberrechte zumindest in Deutschland idealerweise unveräußerbar sind, soweit ich informiert bin  – was jedoch in der Tat kein Schwein interessiert, z.B. werden in der Blogosphäre die widerrechtlich veröffentlichten Fotos eher von Agenturen, die die Nutzungsrechte erworben haben (oder vertreten?), aufgespürt, und selten nur vom Fotografen selbst. Ist das dann Interessenvertretung oder das Abschöpfen von Mehrwert, wenn Gelder eingetrieben werden? Und ist das Abbilden von irgendeinem Haus das Nutzen dieses Hauses?

Im Falle des „Rechts am eigenen Bild“, also dem von mir z.B., geht’s auch trotz coolem Frisurenstyling nicht um Urheber- , sondern um Persönlichkeitsrechte. Aber hat mein Friseur da nicht eigentlich auch ein Mitspracherecht? Und der Jeans-Designer? Und wieso der und nicht der arme Chinese, der sich die Finger blutig stach, als er sie nähte?

Und wie isses eigentlich – bekommt ein Bühnenbildner in einem Theater pro Zuschauer ’ne Beteiligung oder irgendeine fixe Summe vorweg, die dann alle Nutzungsrechte abgilt? Und wieso gibt es in meiner Branche im Falle kreativer Leistungen diese Unterscheidung zwischen Dienstleistungs – und Werkvertrag, die bis hin zur steuerlichen Veranschlagung – weisungsgebunden oder eigentätig – ganz unterschiedliche Folgen nach sich zieht? Ist der Tischler, der mir die Küche werkelt, Inhaber des Urheberrechts an dieser?

Ja, ich bringe absichtlich alles durcheinander, weil das ja alles sowohl hochphilosphische als auch rechtliche als auch knallhart ökonomische Fragen sind. Und weil das folgende ja faktisch völlig richtig ist:

„Urheber und ausübende Künstler leben von der Verwertung ihrer künstlerischen Arbeiten. Ihre Kreativität bildet die Grundlage für ihren Lebensunterhalt und sie gehören zu den wichtigen Inhaltslieferanten der Informations- und Wissensgesellschaft. Das Urheber- und Leistungsschutzrecht bietet für Künstler und für die Unternehmen der Kulturwirtschaft, insbesondere Verleger und Produzenten, einen wesentlichen Rechtsrahmen für eine wirtschaftliche Ausübung ihrer Tätigkeit. Künstlerische Arbeiten haben neben dem wichtigen ideellen auch einen ökonomischen Wert. Diesen Wert kreativer Leistungen zu schützen, muss auch im digitalen Zeitalter das wesentliche Anliegen des Urheber- und Leistungsschutzrechts bleiben.“

Weil es aber eben auch an den meisten mir bekannten Praktiken vorbei geht: Da, wo jenseits des Kunstmarktes urheberrechtliche Fragen eine Rolle spielen, sind es zumeist größere Institutionen, die abschöpfen, und selten nur die wirklichen Urheber. Auch im Falle des Kunstmarktes langen ja Galeristen, Auktionäre und so zu.

Nun ist nur richtig, so lange es Eigentum gibt, die Urheber auch zu stützen – mir schwant nur, daß da wieder alle möglichen von profitieren, nur der eigentätige Künstler am allerwenigsten. Weil das eben so ist im Kapitalismus …  und Märkte sind zunächst mal rechtsförmig. Deshalb ist diese Unterscheidung Staat versus Markt ja so dumm.

Advertisements

Written by momorulez

28. April 2008 um 8:07

5 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Im Allgemeinen kriegste halt den Auftrag nicht, wenn du die Rechte an deiner Arbeit nicht automatisch abtrittst.

    Noch allgemeiner interessiert sich kein Schwein für deine Rechte, selbst wenn du sie ausdrücklich mit deinen AGB dem Auftraggeber oder Verwerter erklärt hast; es wird mit deiner Arbeit gemacht, was sie für richtig halten, das wird ja auch niciht vorher angekündigt. Dabei spielt überhaupt keine Rolle, ob Auftraggeber staatlich oder privat sind.
    Wer in der Produktion arbeitet, der macht was falsch, sag ich meinen Studenten immer. MITTLERWEILE. Es geht ganz explizit darum, sich gestalterische Arbeit anzueignen, anstatt sie zu bezahlen, ganz explizit.

    T. Albert

    28. April 2008 at 9:09

  2. Die ersten beiden Absätze kenne ich haargenau so, trete ja auch die Nutzungsrechte an meinen „Werken“ per Arbeitsvertrag ab – und die nächst“stärkere“ Institution gibt jeweils die Bedingungen vor. Wobei in meinem Feld ja das arbeitsteilige noch viel ausgeprägter gilt, „Autor“ bin aber zumeist ich (wenn ich nicht gerade Leitung spiele), obwohl das durchgängig Teamwork ist.

    Den letzten Absatz habe ich nicht verstanden.

    momorulez

    28. April 2008 at 11:46

  3. Ja, ist unklar: Man sollte eben nicht in der Produktion, sondern in der Verwertung arbeiten. Dort kann man Geld verdienen, mit der gestalterischen Produktion anderer. Wir sind nix weiter als Arbeiter, denen ihr Produkt nicht gehört.

    talbert

    28. April 2008 at 12:16

  4. Der Staat als kapitalistischer Gehilfe:

    Im modischen Irrglauben daran, dass das simple Streben nach Profit, und zwar durch Durchsetzung einer eigentumsähnlichen Rechtsposition, dem komplizierten Gemeinwohl wohl gleich käme oder dieses gar übertreffe, neigt unserer Gesellschaft – auch: unser Staat – dazu, die Schöpfung und Vorrangstellung künstlicher Rechtspositionen auf dem Umweg des Urheberrechts für grundsätzlich plausibel und unterstützenswert zu halten.

    Ich halte das für eine Deformation.

    Man könnte auch von einem kapitalistisch geprägten Zeitsgeist im Recht sprechen – die teils schon absurde Ausweitung der Geltungsbereiche des Urheberrecht dient nicht den Urhebern, ist aber, wie auch in anderen Bereichen des bürgerlichen Rechts ein Anagramm der Ansprüche der kapitalistischen Klasse, bzw. dient vorwiegend privilegierten Gesellschaftsschichten, die damit ihren gesellschaftlichen und ökonomischen Vorrang mit den Mittel des Rechts absichern und ausbauen.

    Ein derartig deformiertes Urheberrecht dient der Privilegiensicherung – der Staat wird zum Gehilfen der gesellschaftlich Stärkeren, während er gleichzeitig erklärt, er würde damit die Position von Urhebern verbessern.

    @ Momorulez

    Üblicherweise kommt man mit der Panoramafreiheit bei Filmproduktionen u.ä. nicht weit. Das hat meines Wissens aber weniger mit Bildrechten zu tun als z.B. mit dem Hausrecht. Eine Drehgenehmigung dient einem Interessenausgleich und, jedenfalls im theoretischen Ideal, einer Vereinfachung der Beziehungen der Beteiligten.

    Dass dabei einige Leute überschnappen und ein (eigentlich…) wild herbeigefaseltes „Urheberrecht am Motiv“ behaupten, um damit ihre Ansprüche auszuweiten, könnte man in der Rubrik „netter Versuch“ verbuchen, wenn es nicht zugleich wachsende Tendenzen in der sogenannten Rechtsprechung gäbe, derartige Motivrechte bzw. Derivate davon den Grunstücksinhabern (ähem: und nur diesen…) zuzubilligen.

    (Exkurs: Ärgerlich ist in diesem Zusammenhang, dass die Rechtverwerter mit dem Mittel der Korruption und Beauftragung einen erheblichen Teil derjenigen Juristen als Manipulationsinstanz nutzen, welche in juristischen Fachmagazinen Beiträge u.a. zur Praxis des Urheberrechts liefern. Diese Beiträge, welche tatsächlich Einfluss auf die Urteilspraxis von Richtern ausüben, sind im Regelfall einseitig, und selektieren z.B. nur jene Urteile und Urteilsbegründungen, welche die Ausweitung von Urheberrechtsansprüchen begründen. Auf diese Weise wird die Rechtsentwicklung dem kapitalistischen Prinzip unterworfen. Einer Gruppe, die ausreichend wohlhabend wie mächtig ist, gelingt es auf diese Weise, die Rechtsentwicklung zu prägen. Wie gesagt: Ein Ärgernis.

    Zynisch gesprochen könnte man derartige Manipulation als natürliche Ausdrucksform einer vorrangig kapitalistisch geprägten „offenen Gesellschaft“ bezeichnen)

    @ T. Albert

    Ich denke es steckt hier auch ein wild gewordener Geist der Angebotsökonmik in derartigen Verhältnissen, wobei – interessanterweise – nicht etwa die Kreativen als als Produktive bzw. Anbieter gelten, sondern jene, die ihre ökonomische Machtposition dazu nutzen, um sich das jeweilige geistige Eigentum anzueignen.

    Der Angebotsökonom bzw. der von derlei Ideen geprägte legislative Gestalter verkennt dabei die tatsächlichen Machtverhältnisse und meint – völlig im Irrtum – dass eine Stärkung bzw. Verschärfung des Urheberrechts automatisch den kreativen Urhebern zugute kommen müsse. Tatsächlich wird damit lediglich die ökonomische Machtposition von Nicht-Urhebern ausgebaut, und dies geht dann sogar zu Lasten der direkten Urheber.

    (Es ist mein altes Reden, von dem ich nicht ablassen kann: Die Anwendung von Ideenlehren solcher Ökonomen wie Hayek & Co, welche die Wirkungen sozialer und ökonomischer Macht im Wesentlichen verkennen, wird die realen gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse nicht verbessern.

    Die stumpfsinnige Idealsetzung marktwirtschaftlicher Prinzipien fern der realen Machtverältnisse, sowie ein untauglicher Freiheitsbegriff, der in ignorantester Weise von einer angeblich bei allen Vertragspartnern in gleichem Maß gegebenen „Freiheit“ ausgeht: All dies führt auf dem Umwege der rechtlichen Rahmensetzung und der gesellschtlichen Gestaltung nicht etwa zu einem Zuwachs an Freiheit, sondern im Gegenteil zu einem Zuwachs an Macht – in den Händen weniger. *seufz* )

    Dr. Dean

    28. April 2008 at 12:39

  5. Hinweis: Die Smileys sind WordPress-Unfällle.

    Dr. Dean

    28. April 2008 at 12:40


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s