shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archive for Mai 2008

Seid Klemmschwestern! Oder was, Herr Neumann?

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Ich gebe ja zu, daß ich mich von diesen allerorten rumknutschenden und gelegentlich fast kopulierenden Heten in Parks, Medien und Fussgängerzonen auch oft belästigt fühle. Das ist aber rein geschmäcklerisch und sollte nun keine Doktrin nach sich ziehen, eine politische schon gar nicht.

Finde das trotzdem immer ein wenig ungelenk, ist ja erstaunlich, wie sehr Frauen zum pilchern neigen oder sich als drittklassige Vamps stilisieren.

Mögen tue ich allerdings diese Kegelclubs aus Hagen, die immer viel zu laut sind, aber in krakeelenden, Likörchen kippenden Frauenrunden Züge bevölkern und spätestens in Osnabrück allen vorbeirennenden Jünglingen sexistische Bemerkungen hinterhergröhlen. Was dann in nicht enden wollende, kreische und johlende Lachkrämpfe mündet. Umgekehrt, wenn Männer so sind, mag ich das nicht. Warum eigentlich?

Führt allerdings gerade in „Szene-Vierteln“ dazu, daß manche Kritisch-Distanzierte noch vor dem Kuß guckt wie ’ne Bewertungskomission von Männerverhalten. Und Hetero-Männer wissen ja in der Regel tatsächlich auch nicht so genau, wie man sich da so verhalten soll. Der machohafte Verführer ist immer besonders witzig, der ignorante Besitzergreifer eklig, und der noch Feminismusgeschockte, der sich immer nicht so richtig traut und jede Annäherung so vollzieht, als müsse er sich erst mal rechtfertigen vor sich und imaginierten Tribunalen, der ist genau so rührend wie der, der einen auf sinnlich macht. Oder gar diese ganzen Hip Hopper-Klone, die sich selbst offenkundig noch mehr verachten als das, was sie ja gar nicht wirklich zu begehren wagen – sie könnten sich ja dabei verlieren. Zwang zum Selbstzwang ist das wohl. Das macht aggressiv. Aber über all das wurde ja „Sex in the City“ ausgiebig gewitzelt, und das ist ja auch alles ganz niedlich. Heten sind rührend. Homos aber auch.

Denn da der Mensch als solcher im Slapstick erst zu sich selbst findet, sieht das bei manchen zu übertriebenem Pathos neigenden Homos in der Regel auch nicht weniger beknackt aus. Oder in Köln, wo immer diese Leute rumlaufen, die ein ganzes Arsenal von Symbolen für mögliche Praktiken an sich herumtragen, als seien sie ein Sonderangebot.

Was aber ja gar nix macht, bei Hunden ist das auch nicht hübscher, bei Hähnen albern und bei Wellensittichen ja auch irgendwie kitschig. Und man schaue sich erst mal See-Elefanten an … „Ö rösorotö Wölke Wötz“ …

Und da Spaß macht, was erst in Tragikomik Lust und Lustigkeit entfaltet: Leute, knutscht doch, wen ihr wollt, zeigt euch, und denkt dabei an alles, nur nicht an Frau von der Leyen oder Herrn Rüttgers!

Ausgerechnet der Kulturstaatsminister sieht das anders:


Elmgreen: Etwas merkwürdig ist allerdings, dass nun bei der Eröffnung der Kulturstaatsminister Bernd Neumann von der CDU sprechen wird – denn die Christdemokraten haben immer wieder gegen die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben votiert. Und sie haben 2003 im Bundestag auch gegen dieses Mahnmal, ein rot-grünes Projekt, gestimmt.“

(…)


Elmgreen: Wir wollten auf der Einladungskarte gern ein Standfoto aus dem Videoclip der küssenden Männer zeigen, der innerhalb der Denkmal-Stele zu sehen sein wird. Zumal dieses Foto, abgesehen von Skizzen und Modellen, bis dahin das einzige offizielle Bild vom Mahnmal war, das wir hatten. Aber zwei küssende Männer – das war zu viel für den Kulturstaatsminister. Einerseits beweist uns das, dass das Konzept des Mahnmals funktioniert. Andererseits ist die Verbannung dieses Bildes symptomatisch für den halbherzigen Umgang vieler Offizieller mit dem Homomahnmal. Unter den Nazis kam man für so einen Kuss schon ins KZ. Heute akzeptieren zwar viele Leute Homosexuelle, aber sie wollen sie nicht sehen. Deshalb zeigen wir ihnen diesen Kuss, der anscheinend immer noch einen bedrohlichen Aspekt hat – besonders für heterosexuelle Männer.“

Ohne Worte …

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Written by momorulez

28. Mai 2008 at 8:33

Trainer für Trainer

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Kürzlich führte ich im Bekanntenkreis ein Gespräch über Bewerbungen, und da berichtete ein alter Freund eine Story, die er vor Jahren erlebt hatte. Von Haus aus war er Sozialwissenschaftler und lebte als freier Dozent, der bei verschiedenen Bildungsträgern EDV-Seminare und  Kurse zur  politischen Bildung gab.  An der Sozialwissenschaftlichen Fakultät und dem Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft fand er zwei identische Aushänge, denen zufolge ein Ökonom oder Sozialwissenschaftler mit Berufserfahrung aus der Erwachsenenbildung als Trainer für Trainer gesucht wurde. Er bewarb sich also, wurde auch zum Vorstellungsgespräch eingeladen und erlebte sein blaues Wunder.

Es empfing ihn ein in eine Azzarro-Wolke gehüllter junger Mann von vielleicht 23 Jahren im Armani-Anzug, mit einem Pfund Pomade im Haar, fettem goldenen Siegelring und einer ebenso protzig wie billig aussehenden Uhr made in Singapore.

Sein Gegenüber erwiderte weder seinen Gruß, noch stellte er sich namentlich vor, sondern blätterte heftig schwitzend in der Bewerbungsmappe meines Freundes und fragte, ohne ihm ins Gesicht zu sehen: „Wieso haben Sie sich beworben, um bei uns als Trainer für Trainer zu arbeiten?“. Es klang wie „was willst Du Wichser hier?“. Um es kurz zu machen, unter Trainer für Trainer war nichts anderes zu verstehen als ein Coach für Motivationstrainer im Strukturvertrieb, eine Tätigkeit so halbwegs zwischen Drückerkolonne und Scientology. Und dafür werden Akademiker gesucht….

Written by chezweitausendeins

25. Mai 2008 at 15:18

12:30, ohne uns!

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Das Geld Menschenströme und ihr Verhalten steuern kann, es immer mehr tut, ist ja hier immer mal wieder Thema. Inzwischen, so die Hoffnung, hat es die DFL ein wenig übertrieben:

Fussball-Fans fühlen sich immer mehr als “nützliche Idioten”, deren Leben am Wochenende von Renditeüberlegungen in Asien geleitet wird. Die Sozialromantiker St. Pauli sind ein Fanprojekt, dass gegen die neuen Anstoßzeiten und ihre Gefahren eine Petition ins Leben gerufen haben.

• Nehmen Sie diese neuen, fanfeindlichen Anstoßzeiten vor allem am
Samstag und Sonntag zurück! Beginnen Sie an diesen Tagen keine Spiele
vor 15 Uhr.

• Werten Sie die 2. Bundesliga im öffentlichen
Interesse auf durch möglichst einheitliche Anstoßzeiten an maximal zwei
Tagen pro Spieltag.

• Verzichten Sie an Wochentagsspieltagen auf Anstoßzeiten vor 19.30 Uhr.

• Sorgen Sie durch frühzeitige und langfristige Terminierung der
Spieltage für Anreise-Planungssicherheit vor allem für die Auswärtsfans.

GEGEN DIE ZERSTÖRUNG DES KULTURGUTS FUSSBALL!

Links zum Thema:
DFL-Entscheidung über neue Anstoßzeiten 2009: “eine Katastrophe für den Fußball”
„Fussball-lebt“, ein Metablog zum Thema „Wem gehört der Fußball“

Written by ring2

23. Mai 2008 at 15:21

Veröffentlicht in Fussball, Ordnungsrufe

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Na sowas!

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Man vergleich mal hier und hier den Beat, dessen Sounds, na, den Rhythmus halt ….

Trotzdem wundervoller Trash, den Bohlen und Medlock da anrühren – ja, dafür lasse ich mich jetzt auch beschimpfen …

Written by momorulez

21. Mai 2008 at 11:30

Veröffentlicht in Pop, Rand-Notizen

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Kann mir das mal jemand erklären?

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„Sie sind eifersüchtig auf uns, und auch noch faul“, schreit eine junge Frau aus Simbabwe. „Es sind die Zulus, sie gönnen uns nicht, dass wir schlau sind und uns in ihrem Land etwas aufbauen. Sie wollen alles auf dem silbernen Tablett.“ Ihren Namen will sie nicht nennen, aus Angst.“

Das liest sich ja wie die Statements von Leistungsträgern hierzulande in 5 oder 10 Jahren – glaubt man den aktuellen Armutsberichten, wird’s ja hier auch nicht mehr lange dauern, bis es nicht mehr nur einzelne Häuser sind, die abgefackelt werden.

Ansonsten scheinen sich da einige in Südafrika deutsche Tugenden angeeignet zu haben, mal eben ’nen Fernkurs in „Lerne  Hoyerswerda, Lichtenhagen, Solingen“  belegt zu haben. Ist wahrscheinlich die so lange währende Prägung durch’s burische Erbe, die in Südafrika zu solch Gewaltexzessen führt.

Und bei den Hass-Ausbrüchen in Deutschlands Osten trat ja tatsächlich auch hinzu, daß die es nicht fassen konnten, daß auf einemal lauter geschäftstüchtige Türken und Fernost-Asiaten ratzfatz ihre Läden aus dem Boden stampften, während die Ossis noch doof aus der Wäsche guckten, daß die berühmte semantische Wende von „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk“ dann so gar keine traute Harmonie in Wohlstand und freiem Konsumieren hervorbrachte, sozusagen als völkisches Geburtsrecht, nun wie die „Brüder und Schwestern“ im Westen zu leben, sondern zunächst mal eine Herrschaft der Banken über sie hereinbrach.

Ist natürlich völlig schief, der Vergleich, die DDR war ja kein Homeland, mir ist jedoch danach, das zwischendrin mal zu erwähnen.

Mein zur Hälfte afrikanischstämmiger, Düsseldorfer Kumpel hatte das prophezeit: Je näher die WM dort rücken würde, desto mehr Krawall würde es geben. Weil auch nach Ende der Apartheid die ökonomische Situation nix anderes ist als ein Tradieren derselben. Weil der Stadionbau die Absurdität der Verhältnisse nur offen lege, und weil diese ganzen CEOs, die sich jetzt Villen am Tafelberg zulegen (ich kenne da einen) de facto weiterlebten wie die Kolonialherren – so, wie wir ja auch von den Herrschaften an Alster und Elbchaussee kolonialisiert sind, das bisher aber nur noch nicht so heftig merken, weil’s ja noch ’nen Sozialstat gibt. Aber auch hier gelingt’s ja, irgendwas Externalisiertes dann zu Objekt mörderischer Wut zu stilisieren.

Ja! Ich fasel, ist doch klar: Verhältnisse wie jene dort im Land, wo die Geranien blühen, verstehe ich nicht wirklich, deshalb ja die Überschrift. Damals, in Ruanda, da hat die FR noch vorbildlich darüber berichtet, wie Kolonialgeschichte wirkt – ist aber aktuell im Vorfeld der EM zu unpopulär, sowas noch zu erklären. Zu didaktisch.

Klar scheint jedoch zu sein, daß allerorten schlicht die marxistsche Leitideologie der Klassensolidarität abhanden gekommen ist und stattdessen das „Konzept“ der Ethnisierung von sozialen Konflikten zur Freude der Herrschenden allerlei Scheußlichkeiten hervorbringt. Das ja auch die Apartheid ziemlich offenkundig stützte. Arme Welt.

Written by momorulez

21. Mai 2008 at 8:34

Picassos Regieanweisungen

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„[Minutenlanges tiefes Schweigen, während dessen in der Öffnung des Souffleurkastens Kartoffeln im siedenden Öl einer Pfanne braten, die über einem großen Feuer ruht. Man sieht, hört und riecht sie. Allmählich erfüllt der Rauch den ganzen Saal bis zum Ersticken aller.]
DER VORGHANG FÄLLT.“

Pablo Picasso (1941/2000): Wie man Wünsche beim Schwanz packt. Ein Drama, Hamburg/Zürich: Arche.

Written by lars

19. Mai 2008 at 19:30

Sooo schön!

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Heute abend besuchte ich mit einer höchstgeschätzten Frau das Konzert von Klaus Hoffmann im Theater am Aegi. Richtig großartig war das, was er diesmal hinlegte, eine Mischung aus Altem und Neuem, Querschnitt einer über 35jährigen Geschichte als Chansonnier. Mit dem Hinweis, dass er Charles Aznavour als 80jährigen auf der Bühne erlebt hatte stimmte er das Publikum auf die nächsten 20 Jahre ein. Immer gerne – „Mein Weg ist mein Weg ist mein Weg ist mein ureigener Weg“ sang ich lauthals mit, es passt gerade so gut.

Written by chezweitausendeins

19. Mai 2008 at 0:11

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert