shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

HEYY YAAA YIPPIIYEAH HAMBUUURG HAMBUURG SANKT PAULIII – oder mein kleiner Beitrag zu einem großen Sieg …

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Quelle: Block 10

Daß es zunächst mal gar nicht gut aussah, das war der Beitrag von P.A. zum gestrigen Spiel.

Kaum, daß er die Hauttribüne betrat, fiel auch schon das 1:0 für Aue. Daß er erst so spät kam, das lag an den absurden Anpfiffzeiten- Freitag, 18 h ist einfach eine Frechheit und nur durch das 17.30 h an einem Dienstag, also z.B. nächste Woche gegen die Region, noch zu toppen.

So lagen wir also zurück, nicht nur wegen P.A., sondern auch wegen dieser temporären Fahrlässigkeit aus Überheblichkeit, die unsere Mannschaft gegen vermeindlich „Schwächere“ immer heimsucht. Den Auern gegenüber war das wirklich keine angemessene Haltung: Die haben nicht nur den Dribbelkönig Curri, sensationell, der Mann, sondern auch ansonsten in der ersten Halbzeit richtig gut gespielt. Sympathische Mannschaft.

Also mußte ich ran. „Na, vielleicht bringt’s ja was“ sach ich zu P.A. und schlurfe zum Bierstand – wie zu erwarten war: Kaum, daß ich rückkehrend mit 4 Bier in der Hand die Haupptribüne betrete, fällt auch der Ausgleich.

Na also. Gegen das ziemlich dämliche 1:2 konnte ich auch nix ausrichten, P.A. war allerdings dieses mal unschuldig, Pliquettund Morena weniger – und dieses traumhafte Abschiedstor von Charles kurz vor der Halbzeit, na, das haben wir so als St. Pauli-Kollektiv uns einfach verdient.

Skorpione wie Charles können ja so viel Glück, wie wir das zumindest zeitweise am Millerntor erleben und erfühlen dürfen, einfach nicht ertragen, die brauchen Krisen, Düsternis und fiese Dialekte um sich rum, um sich lebendig zu fühlen. Das kannte er ja schon vom HSV, und das braucht er nun noch ’ne Nummer unspektakulärer, Tristesse pur, damit’s noch mehr weh tut – und im Schmerz findet man sich halt dann selbst. Kenne ich auch noch aus dem Alter. Deshalb zieht es ihn jetzt in jene Gegend, in deren geographischem Umfeld Intrigen in FDP-Ortsvereinen die einzigen Highlights eines ansonsten durchreguliert-beschaulichen Daseins darstellen und allenfalls manche Landrätin noch für ein wenig Glamour und Stil sorgt. Na, viel Glück trotzdem.

P.A. raune ich noch in der Halbzeit zu „Komm, das gibt noch ein 5:2“, gut, knapp daneben, aber so ganz falsch lag ich ja nicht.

Aber damit das auch wahr wurde, mußte ich halt wieder ran. „Na, gut, vielleicht klappt’s ja noch mal“ – also raus zum Bier holen, und in der Tat: Stehe so an einer dieser neuen, mobilen Zapfsäulen, ganz plötzlich wird es richtig laut, und der geliebte „Song 2“ fräst sich in die jubelnden und Schals schwenkenden Tentakel meines Innenohres oder was auch immer da drinnen so los ist.

Klar, der Schnitzler war’s, seitdem der hier mitliest, trifft er ja wieder. Da störten mich noch nicht mal die Sprüche von diesem Herren in den besten Jahren, der seine Blondine kurz darauf von der Biersäule abholte und erst mal ausführlich berichtete, daß ihm beim Pinkeln ja eh die Hälfte in die Hose gegangen sei und er sowieso beim Strullen unter lauter Männern immer nicht richtig könne, weil er ja Angst habe, daß die alle schwul seien. Na ja, der in Neurosen eingelegte Humor auf St. Pauli kennt halt auch seine Tiefpunkte, so stelle ich mir den in Franken auch vor … vor allem, weil Typen wie der auch auf den Toiletten einschlägiger Etablissements nicht unbedingt so richtig Riesenchancen hätten. Aber vielleicht meinte er ja das, diese tiefsitzende Angst vor Zurückweisung halt …

Daß Bruns dann sogar ganz ohne daß ich schon wieder Bier holen gehen mußte gleich mit seiner ersten Ballberührung die Vorlage für’s 4:2 gab, das war schon doll. Das war so richtig doll. Aber sowas von doll. Hallelujah: 12 Tore in den letzten 3 Heimspielen, die Quote ist schon enorm. Und dann noch on top die 3 in Wiesbaden … das bißchen Augsburg kann da die Laune nicht trüben.

Und als dann nach dem Spiel klar war, daß wir rechnerisch für den Rest des Saisonverlaufs unabsteigbar sind, weil die Region in Mainz gepatzt hat, das war ein Gefühl im Stadion, also, da von Magie zu reden, vom Zauber, das ist gar nicht übertrieben…

Drum:

HEYY YAAA YIPPIIYEAH HAMBUUURG HAMBUURG SANKT PAULIII!

Gehen wollte keiner. Aber alle ganz gospelig Wechselgesänge mit der Mannschaft anstimmen. Weil man in solchen Momenten weiß, was Liebe ist … ach, überlasse ich doch einfach Erik das letzte Wort:

„Die Sonne kam durch und ganz Sankt Pauli sang. Wie junge Hunde drehten sich unsere Jungs da auf dem Rasen im Kreis, es war eine Freude ihnen zuzuwinken. (…) Eine Wucht.“

PS: Wer schon immer mal wissen wollte, wie ich aussehe, kann ja auf dem obigen Foto mal suchen 😉 …

PPS: Liebe Südtribünenstehplatzchorsänger, ich werde erst dann auf eure Aufforderung hin aufstehen, wenn ihr euch im Gegenzug hinsetzt!

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Written by momorulez

3. Mai 2008 um 15:26

26 Antworten

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  1. Der Langhaarige vorm Eingang zur Nr. 11, richtig?

    😉

    statler

    3. Mai 2008 at 15:36

  2. Nee, knapp daneben 😉 -der sieht auch eher aus wie mein zukünftiger (hoffentlich!!!) Investor 😀 … so mit 17 hatte ich die Haare aber auch mal fast so lang!

    momorulez

    3. Mai 2008 at 15:39

  3. Was habt Ihr denn für komische Hemden an? Ich kann die weisse Graphik drauf nicht erkennen. Was ist das? (Ich mein, ich bin hier schön weit weg von Eurer Folklore. 🙂 )

    T. Albert

    3. Mai 2008 at 15:41

  4. Meinste die Frage ernst?

    Den hier:

    http://www.fcstpauli-shop.de/product_info.php?products_id=5

    Altes Relikt aus Hafenstraßenzeiten, als wir wurden, was wir sind ….

    momorulez

    3. Mai 2008 at 15:46

  5. achso.

    was heisst, meinste das ernst? ich kann doch nicht immer alles präsent haben.

    aber an der domschänke bin ich schon vorbeigegangen, 2004, glaub ich.

    T. Albert

    3. Mai 2008 at 15:58

  6. Hab dich gleich erkannt auf dem Foto. War ja aber auch kein großes Kunststück, ich stand ja daneben.
    Jetzt kenne ich auch dein Blog. 😉
    Das ham‘ wir doch prima hingekriegt gestern, oder?

    Markus

    3. Mai 2008 at 16:22

  7. […] gibt es auch hier. Gefunden hab ich die Fotos ber den ebenso Berichtenden momorulez, der auf shifting reality seinen Beitrag zum Sieg schildert und nach dem Spiel mit uns auf den Klassenerhalt angestoen […]

  8. Ist ja recht bekannt, dies Totenkopf-Logo, auch überregional. In Berlin gibt’s , glaube ich, auch ’nen St. Pauli-Shop, ganz fussballunabhängig, weil die Klamotten halt klasse sind 😉 . Und in der Fan-Kneipe da bei euch beim Theater der Künste oder wie das heißt, da am alten Exzerzierplatz, wo wir auch Bier schlürften, da hängt auch ’ne St. Pauli-Flagge!

    Und ist ja nicht gerade die schönste Häuserzeile der Hansestadt da oben, aber tatsächlich super-zentral – halt direkt gegenüber vom Heiligengeistfeld und somit auch dem Stadion, und die Wahrscheinlichkeit, daß man auf dem Weg auf die Reeperbahn da dran vorbeikommt, die ist schon recht hoch. Und die Kneipe selbst ist auch wirklich sehr charmant 😉 … mit Che und Blogmama waren wir auch schon mal da!

    momorulez

    3. Mai 2008 at 17:19

  9. @Markus:

    Aber pssst, nicht verraten, wer ich bin 😉 …

    Ja, lief super! Bin noch ganz selig!

    momorulez

    3. Mai 2008 at 17:21

  10. momo

    du meinst hier in zürich das theater der künste? wo hängt denn die flagge?
    aber irgendwo hab ich kürzlich hier eine gesehen, stimmt. überhaupt irgendwas mit st. pauli. bloss wo?

    T. Albert

    3. Mai 2008 at 18:15

  11. Ja, das meine ich. Da gibt es am Kopfende von einem dieser langgestreckten Gebäude eine Fankneipe, ich glaube vom FC Zürich, wo so allerlei an den Wänden rumhängt, da war ich mit Loellie. Und da hing dann neben diesem Che-Elvis-Mix- Plakat auch ’ne St. Pauli-Fahne, was mich natürlich sehr freute.

    momorulez

    3. Mai 2008 at 18:27

  12. Ja. Stimmt! Jetzt hab ichs wieder. Mit Krücken komm ich gerade nicht so richtig rum.

    ( So Basler haben ja gestern beim Spiel gegen Zürich das Spielfeld und Stadionmobiliar, auf dem Menschen sassen, mit so Brandbömbchen angezündet. Wird sowas üblich ?)

    T. Albert

    3. Mai 2008 at 18:35

  13. Es soll zumindest gerade wieder zunehmen, meine ich gehört zu haben …

    momorulez

    3. Mai 2008 at 18:41

  14. Was haste denn eigentlich gemacht, daß Du rumkrücken mußt?

    momorulez

    3. Mai 2008 at 18:41

  15. Naja, also, ich hab versucht meinen Zug noch zu kriegen, damit ich schneller wieder bei meiner Frau wäre. Als ich dann bei ihr war, hat sie mich schnurstracks zur Notärztin geschleppt. Hab nen schönen Bänderriss.

    T. Albert

    3. Mai 2008 at 18:46

  16. Bemitleide mich nur nicht, es tut so schon genug weh. Und ich bin so sauer.

    T. Albert

    3. Mai 2008 at 18:47

  17. Okay, ich verschweige min Mitgefühl… ’nem Kollegen von mir ist das mal passiert, als er eine Audienz bei unserem hochherrschaftlichen Chef hatte, ihm der Fuß einschlief, er es nicht merkte und dann trotzdem aufstand … fiiiiese Sache das …

    momorulez

    3. Mai 2008 at 18:51

  18. Saublöd. Ich mein, vorm Chef. Ich kam ja auch von der Arbeit. Und als ich in der Unterführung fiel, da fiel ich so mit dem Blick geradeaus, dass ich im Fall genau sah, wie diese zwei ansprechenden Mädels auf mich zukamen, und als ich dann vor ihnen lag, weil ich nicht mehr gehen konnte, fragt die eine mich in Erinnerung an Höflichkeit und Hilfsbereitschaft älteren, auf dem Bauch rutschenden Männern gegenüber: „Gehts?“
    Aber ich dachte „Scheisse“. Das hab ich dann auch so gesagt, aber da waren sie schon wieder weg.

    T. Albert

    3. Mai 2008 at 19:07

  19. Hmm, gerade eine nette Geschichte auf FM4 über den FC St. Pauli gehört: Ihr habt wohl vor einiger Zeit mal ein Turnier veranstaltet, bei dem auch die Exil-Nationalmannschaft Tibets mitgespielt hat. Einer der Tibeter hat im Interview erzählt, die chinesische Botschaft hätte Euch daraufhin eine Million geboten dafür, daß die Tibeter wieder ausgeladen werden. Wurden sie aber nicht. Respekt, Respekt!

    statler

    3. Mai 2008 at 19:25

  20. @Statler:

    An das Turnier erinnere ich mich dunkel, aber die Geschichte mit der Million kannte ich nicht …. aber passen tut das schon.

    Das faszinierende an diesem Verein ist ja diese Gemengelage: Klar, ohne Kommerz etc. geht’s auch bei uns nicht, hat natürlich auch Eventcharakter und all das, was beim Fussball auch nerven kann, Pokerroom-Aktionen etc., die finden bei uns auch statt – dann ist aber auch eine emotionale Intensität im Spiel, die schon ungewöhnlich ist. Und das Vereinsleben ist außerordentlich rege und lebendig und vieles wird auch höchskontrovers diskutiert – aber Ideale, auch politische, spielen bei alledem tatsächlich immer eine Rolle.

    @T. Albert:

    Immerhin kannst Du aus so einer Scheiß-Erfahrung noch Brutalo-Slapstick-Story machen 😉 …

    momorulez

    3. Mai 2008 at 19:43

  21. Naja, jetzt bin ich schon so oft auf die Schnauze gefallen, da relativieren die einzelnen Ereignisse einander. Und dann sind das ja auch immer, wie soll ich sagen, „plastische Ereignisse“ 🙂 und das interessiert unsereinen natürlich schon. Ich hätte da manche kleine geile Filmidee, da würde ich dann Kluge und Michael Snow vermengen. Alles Ästhetik. Ethik war, als bei einem anderen plastischen Erlebnis der Feuerwehr-Kommandant mir, nachdem ich glücklich geflüchtet war, erklärte, dass ich das physikalisch alles falsch gemacht hätte, er mich mithin glücklich schätzte, überhaupt überlebt zu haben. Ha, und hinter mir loderten die Flammen in Schönheit.

    T. Albert

    3. Mai 2008 at 20:03

  22. Das kliest sich allerdings abenteuerlich 😉 … let’s do it! Die Umsetzung der Filmideen, meine ich!

    momorulez

    4. Mai 2008 at 11:52

  23. Hier wird wohl gerade was geboren 😉

    ring2

    5. Mai 2008 at 13:34

  24. […] Mal, wenn die Spieler des magischen FC nach einem Spiel an uns und den anderen Feiernden – oder Trauernden – vorbeiziehen, frage ich mich, ob einer von denen denn auch auf dem Kiez wohnt, […]

  25. @Statler: „Einer der Tibeter hat im Interview erzählt, die chinesische Botschaft hätte Euch daraufhin eine Million geboten dafür, daß die Tibeter wieder ausgeladen werden. Wurden sie aber nicht. Respekt, Respekt!“ — Das eben meint die berühmte Parole: „Wer hat uns verraten – Sozialdemokraten! Wer verrät uns schneller? Grüne und ALer! Wer verrät uns nie? St. Pauli!“

    che2001

    7. Mai 2008 at 15:49

  26. […] TB&E, Jekylla, @Alfetta und Text&Blog. Nicht zu vergessen, die schönen Artikel von Momo bei shiftingreality und den Pantoffelpunk. Über den Kiezkicker bin ich dann zum Fanclub Netpirates […]


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