shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Happy Birthday, Kalle!

with 10 comments

Da blättert man wie jeden abend beim Kaffee in der Zeitung und entdeckt ganz plötzlich unter „Vermischtes“ eine Geburtstagsanzeige für einen unserer Ahnherren: Karl Marx halt.

Scheint ’ne Anzeige von Mitgliedern und Abgeordneten der Linkspartei zu sein; die beiden Zitate, die sie da drucken ließen, die sind so schön, die kann ich nicht vorenthalten. Es gilt:

„Alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“

Und:

„An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“

Wie jetzt? Was jetzt? Wollte der nicht die Menschheit durch Staatswirtschaft knechten, erniedrigen und versklaven? Ja, wo laufen sie denn?

Gut, beide Zitate doch sehr sloganisiert, Werber würden’s lieben, aber was konkret das heißen könnte, dafür bloggen wir ja 😉 … und daß die Freiheit des Anderen die Bedingung meiner eigenen ist, nicht deren Hindernis oder einfach nur Grenze, das gehört ja ganz alltäglich proklamiert. Amen.

Advertisements

10 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Merci!

    lars

    5. Mai 2008 at 21:54

  2. Ich erinnere mich noch an das Entsetzen der Vorstände in einem südlichen Land, als wir den ArbeiterInnen ihres Betriebes die Konditionen ihrer KollegInnen in Deutschland auseinandersetzten. SO hatten sie sich diese internationale Dialogveranstaltung nicht vorgestellt 🙂

    chezweitausendeins

    5. Mai 2008 at 21:54

  3. Ich habe jetzt erst mal drei Wochen damit zu tuen, über den Satz „Bulgarische Arbeiter sind auch Europäer“ nachzudenken (da bin ich ausgestiegen, das hat mich gepackt und einem intellektuellen Sog anheimgegeben) und ansonsten ein Unternehmen dafür zu gründen, mich aus Papierkörben zu ernähren, weil die Würde des Menschen ja unantastbar ist …. vergebene Liebesmüh. Wer Raubmord aus Hunger begeht, tut das ja auch freiwillig.

    Wie sang Georgette hier eben so schön: „Der Kapitalismus, das ist nicht der Sieger, es noch viel schlimmer, der blieb einfach über – als Drache der übelsten Kategorie liegt er rum auf der Demokratie“ oder so ähnlich. Sinngemäß.

    Happy Birthday, Kalle! Heute gibt’s Leute, die andere dazu zwingen wollen, zum Mindestlohn zu arbeiten! Entknechtung heißt, sich das nicht bieten zu lassen! Nie mehr Erniedrigung und und stattdessen 80 Stunden für 1 Euro die Stunde zu arbeiten! Wer bietet mehr?

    Und Vampire Weekend singen jetzt hier „M79“ – das ist ja für mich schon ein Gegendiskurs …

    momorulez

    5. Mai 2008 at 21:55

  4. T. Albert, ich fürchte, du siehst wieder einmal alles falsch.

    Erstens. Marx war ein Massenmörder. Mindestens.

    Zweitens. Wer die Ausbeutung bulgarischer Arbeiter nicht unterstützt, oder sogar die Aktion der Hamburger Zöllner begrüßt, ist im Grunde genommen ein Nazi. Frag Rayson, der kennt sich damit aus.

    Drittens. Es geht ums Prinzip. Wer Inhumanität im Umgang mit bulgarischen Arbeitern geißelt, der sucht die billige moralische Empörung, ist also ein Pharisäer. Hat Jesus nicht vor den Pharisäern gewarnt? Wer hingegen in sein Blog fünfmal „Darfur“ schreibt, ohne auch nur einen Cent zu spenden, der ist edelmütig und gut. Das ist nicht billig, sondern preisgünstig.

    Viertens. Wahres Christentum gibt es nur dort, wo man den Sozialstaat abschaffen will! Hatte Jesus einen Sozialstaat? Es vollzieht den Geist von Jesus, wenn man staatliche Regelungen verlacht und die Ausbeutung und Verarschung bulgarischer Arbeiter befürwortet. Freie Verträge! Darum geht es. Immer.

    Fünftens. Mit der übergeschnappten konsequenten Ablehnung sozialer Prinzipien vervollkomnet sich das christlich-altkatholische Prinzip. Sobald du diesen Punkt verinnerlicht hast, dann darfst du dich auch „Liberaler“ nennen. Es darf dich an dieser Stelle keineswegs stören, dass die realen Verhältnisse dieser „selbstständigen“ bulgarischen Arbeiter übel waren. Es ist ein Tausch! Falls sie einen Arbeitsunfall erleiden, haben sie z.B. keine Krankenversicherung. Christ bist du! Also gönnst du den Bulgaren ihre Chancen!

    Sechstens. Es geht ums Prinzip! Pharisäer? Nein, das sind die anderen. Dieser Jesus meinte gewiss nicht inhumane Prinzipienreiter, sondern jene, welche in ihrer Sozialstaatsduselei die – unbedingt schrankenlosen Prinzipien freier Märkte aufweichen und damit zerstören. Vgl. Lukas 18:14

    Ich aber sage euch: Jeder, der die niedrigen Löhne bulgarischer Arbeiter herauf gesetzt wünscht, wird erniedrigt werden; wer aber deren Löhne weiter abgesenkt wünscht, der wird erhöht werden.

    Dazu passt vorzüglich Lukas18:15-17

    Sie brachten aber auch die Kindlein zum Ausbeuter, damit er sie zur Arbeit anrühren möchte Als die Jünger das sahen, schalten sie sie. Jesus aber rief seine Jünger zu sich und sprach: „Lasset die Kinder hart arbeiten und wehret es ihnen nicht! Denn solchen gehört das Reich im Himmel. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer freie Verträge und Kinderarbeit nicht annimmt, wie diese Kinder, wird nicht in das Himmelreich hineinkommen.“

    Amen.

    Dr. Dean

    5. Mai 2008 at 22:58

  5. Gut, also noch mal: We will be no more niggers, chicanos, itziks, gooks or proletarians, we will be human beings! We will be human beings, in this time, on this land, on this earth, by any means necessary! We will liberate our minds to become free people! We will be human beings, or the whole world will be smashed to the ground in our attempt to become it!
    Malcolm X/Eldridge Cleaver/Stokeley Carmichael.

    Und auch: Es verlangt uns, einander zu lieben, und deshalb sind wir Gegner des Privateigentums an Produktionsmitteln und Verächter des Gesetzes
    Elyseé Reclus

    Und ob sie mich erschlügen: Sich fügen heißt lügen.
    Erich Mühsam

    Was ist dieser Kerker? Was sind diese niedrigen Mauern? Nichts als brüchige Hindernisse gegenüber einer reißenden Strömung, einer Strömung, die alles entwurzelt. . Hinter dieser langen Nacht, dieser greisen, gebrechlichen Nacht, wird sichtbar der klare Morgen des Volkes, der Tagesanbruch des Erwachens.
    Said Soltanpur

    Ich bin eine Frau, für die es in ihrer pervertierten Sprache kein Wort gibt, eine Frau, die das Sturmgewehr erhoben hat gegen ihre religiös-blasphemische Welt. Der Iran, wie er ist, und der Imperialismus sind eins. Die USA, wie sie den Iran behandeln, und die Ayatollahs, wie sie die iranischen Frauen behandeln, sind das Gleiche: Der Feind. Es gibt nur einen Weg, mit ihnen umzugehen: Al Beykar, der Kampf. Biyi Azadi!
    Marziah Ahmadi Ozkoii

    Verbietet die Verbote!
    Bertrand Russell

    chezweitausendeins

    5. Mai 2008 at 23:04

  6. JA, Dean,
    ich hab das alles gar nicht kapiert.
    Ich kapier es auch nicht.
    Im übrigen befürchte ich, dass diese Wirtschaftsexperten tatsächlich Revolutionäre sind, und im Penny-Markt den Antrag auf sofortige Senkung der Preise für den teuren Gratis-Käse stellen. Es ist immer zu teuer, wenn jemand ausser den Experten für Freude bulgarischer Bauarbeiter selbst für seine Arbeit Lohn erhält. Worauf der auch nur Wert legt, wenn er nichts von Wirtschaft versteht. Wie ich. Ich versteh nix davon. Ich bin konterrevolutionär.
    Ihr Vorbild ist Robespierre, der die linken Richtungen mit Terror beseitigen wollte, worüber er seinerseits den Kopf verlor. Was nicht absurd war.
    So erscheint es mir.

    T. Albert

    6. Mai 2008 at 0:20

  7. @ Che

    Das von dir aufgeführte Potpourri an „radikalen Botschaften“ finde ich in diesem Zusammenhang unpassend, auch wenn ich es verstehen kann, dass die Auseinandersetzung mit dem anderen Blogufer Dich in diesem Fall in allerschönste Revolutionslaune bringt.

    Wenn Du mich fragst: Politischer Radikalismus ist nicht die Lösung, sondern das Problem.

    @ T. Albert

    Du verstehst es nur deshalb nicht, weil du nicht solch ein Christ bist. Du bist eben kein Jünger dieser Glaubens- und Erlösungslehre, also bleiben dir alle Himmelspforten der diversen Himmel verschlossen – und auch das erste Tor, das Tor des Verständnisses. Dort hinein gelangt man nur mit dem Schlüssel des rechten Glaubens.

    Der Umstand, dass Raysons Himmel tatsächlich nicht existiert, jedenfalls nicht für die konkret besprochenen bulgarischen Bauarbeiter – und der Zugang zum politischen Himmel Raysons nur durch den Glauben an eine Phantasterei möglich wird, macht es uns schwieriger, seinen Glaubenseifer zu verstehen.

    Aber so ist das nun einmal, – und weil er von seinen, geradezu zu einem System ausgearbeiteten, Betrachtungen so beseelt ist, fällt es ihm sehr schwer zu sagen: „Ich habe mich verrannt“.

    @ all

    Eigentlich wäre – in meinem Fall ohnehin – ein guter Zeitpunkt zur rhetorischen Abrüstung erreicht. Natürlich kann man mit den einseitigen und verstiegenen politischen Argumentationen von Rayson/SteffenH, die wir beklagen, am Ende genauso gut z.B. auch Kinderarbeit begründen und begrüßen. Als „Chance“ oder was auch immer…

    Nur sitzen wir, so wie ich es sehe, in fast der selben Falle wie Rayson. Er hat sich halt mit Haut und Haar (und mitunter: auch seinem ganzem Verstand) einer einseitigen politischen Betrachtungsweise verschrieben, einer Polit-Ideologie. Und nun verschlingt sie ihn.

    Aller Politik, und noch mehr, aller politischen Ideologie liegt die Gefahr inne, dass sie irgendwann einen Punkt erreicht, wo der Betroffene den Überblick verliert und nicht mehr erkennt, dass er gründlicher abwägen müsste.

    Das Nichtberücksichtigen ideologiefremder („feindlicher“) Gedanken, Interessen und Gesichtspunkte ist eben eine Grundgefahr des Politischen. Eine Falle. Im Fall von Rayson – vereinfacht gesagt – werden alle soziale Gesichtspunkte eleminiert, soweit diese gegen sein Ideal des „freien Vertrags“ verstoßen.

    Tja – und irgendwann wird es dann komplett absurd. Der Betreffende merkt es nicht einmal (vielleicht: gerade dann nicht), wenn er ansonsten einen guten Kopf hat.

    Dann will er weder das tatsächlich inhumane Tun eines Arbeitgebers wahr haben, und er will auch nicht wahr haben, dass es Fälle unerträglicher Ausbeutung gibt. Stattdessen gibt er (!) eine Moralpredigt, denen, die krasse Ausbeutung ablehnen, und verweist erstens auf die Bibel („(Lk 18, 9ff.“) sowie darauf, dass die Gegner seiner Anschauungen einen fremdenfeindlichen, schlimmer noch, nazistischen Ansatz („minderwertige Fremdlinge„) haben müssten.

    Und er meint das völlig Ernst.

    Er kann sich nicht vorstellen, wie absurd sein Vorwurf – auch an uns – ist, dass wir die Bulgaren wie Nazis als „minderwertige Fremdlinge“ betrachten würden, während er kaum zwei Dutzend Silben entfernt – reichlich selbstgerecht – auf die frohe Botschaft der Liebe und Gerechtigkeit im Lukas-Evangelium hinweist.

    Er kann sich nicht vorstellen, dass die Bulgaren, aus deren Interessen er zu argumentieren meint, in ihrer Zwangslage ausgenutzt wurden – und noch weniger kann er sich vorstellen, dass derartige Praktiken aus guten Gründen unterbunden werden. Freie Verträge! Denkt er.

    Wie „frei“ ist wohl ein Mensch, der in einem fremden Land für 2 Euro Stundenlohn 70 Stunden pro Woche schuftet?

    Aber wie gesagt: Er steckt in der gleichen Falle, die auch uns nahe ist: Ein zuviel an Weltanschauung und Parteilichkeit ist Gift für das Urteilsvermögen.

    (Die Diskussion darüber, ob niedrige Löhne bei uns – und auch unterhalb von Mindestlöhnen – für Migranten und Menschen aus armen Ländern (aber eben nicht: in diesem Fall!) eventuell auch eine echte Chance darstellen können, wäre vielleicht interessant gewesen. Auch, ob Mindestlöhne, wenn man diese hat, eher niedrig liegen sollten. Wann, ob und inwieweit damit Missbrauchsgefahren verbunden sind. Denn tatsächlich stellen sich diese Dinge aus Migrantenperspektive anders dar. Nur: Ist das die richtige Perspektive? Beziehungsweise: Wie stark ist das zu berücksichtigen und wie wägt man ab?)

    Dr. Dean

    6. Mai 2008 at 9:41

  8. Aha: Habe gerade gelernt, dass die Verbindung aus Anführungsstrichen und einer Klammer ) zu einem falschen Zwinkern führt.

    „)

    Dr. Dean

    6. Mai 2008 at 9:43

  9. […] Karl Marx […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s