shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Urteil und Erfahrung

with one comment

„Unsere Erfahrungen verwandeln sich meist rasch in Urteile. Diese Urteile merken wir uns, aber wir meinen, es seien die Erfahrungen. Natürlich sind Urteile nicht so zuverlässig wie Erfahrungen. Es ist eine bestimmte Technik nötig, die Erfahrungen frisch zu erhalten, so daß man immerzu aus ihnen Urteile schöpfen kann.“

Bertolt Brecht

Beim gestrigen Spiel ist die Sache klar: Da sind Erfahrung und Urteil deckungsgleich – und, um beides wieder loszuwerden, wird es Zeit, daß schleunigst die nächste Saison anfängt. So bleibt doch ein sehr fader Nachgeschmack einer ansonsten mordsmäßig spannenden Saison – und alleine für die 4 Spiele gegen Hoffenheim, Freiburg, Mainz und Aue (nur wegen des Klassenerhaltes, den ich Aue ja auch von ganzem Herzen gegönnt hätte!) lohnt es sich, gelebt zu haben!

Gestern jedoch waren sie aber sowas von leer gelaufen, unsere Jungs, leidenschaftslos, emotionslos, torlos, das war schon eine Unverschämtheit. Die Aachener haben aus reiner Rücksicht auf uns da auf den Rängen nicht 8:0 oder so gewonnen, das war ja überdeutlich, wie sie gegen Ende extra keine Tore mehr schossen. Immerhin kommt ihr Ebbers jetzt auch zu uns, alter Punkrocker, wenn ich mich recht entsinne! Und die Aachener Fans hatten mit ihrer Gedenk-Choreographie die mit Abstand beste, die ich von Gästefans am Millerntor bisher gesehen habe, und allen Vorurteilen zum Trotze waren alle Allemania-Fans, die einem nach dem Spiel über den Weg liefen, auch wirklich nett! „Guck mal, ach nee, sieh mal da, Mann von der Allemannia“ wollte aber doch keiner mit mir anstimmen. Trotzdem: Selbst Bier holen und pinkeln gehen brachte gestern nix außer einem „Flitzer“, den ich so nicht sah.

Die Erfahrung vor Anpfiff jedoch erlaubt trotz alledem nur ein Urteil: Ach, schön isses bei uns. Ich habe ja nie mich einfach so über die Erfahrung, die jen bei den Fischer-Chören machten, mich lustig machend hinwegsetzen können, auch wenn das Geschmacksurteil diesbezüglich ziemlich eindeutig ausfiel. So dachte ich: Mönsch, geht ja um nix mehr, also ein lustiges Spiel und fröhliche Gesänge …. na, fröhlich wurde es erst wieder bei einer spaßigen Aufführung unseres Teams nach Abpfiff, da Buchstaben auf einem Shirt erst „Wir und ihr – ein tolles Team“ bildeten, und zu Hell Bells-Glockenschlägen fielen dann ein paar nacheinander um – übrig blieb weiß auf schwarz der Schriftzug „Millerntor“, ach, hätten sie doch auch so einfallsreich gespielt! Wenn sie nächste Woche in Mainz so spielen, dann hat das schon was von Wettbewerbsverzerrung.

Immerhin: Es gibt Zukunft! Die zwei 3-5-jährigen oder so im St. pauli-Trikot, die nach Abpfiff noch Elfmeterschießen übten und bei deren Treffern dann all das Jubelnwollen aus den noch im Stadion Verbliebenen hervorbrach, die haben unsere schlappe Trupe mal eben im Nachhinein in den Schatten gespielt. Wo unsere Mannen ja die ganzen 90 Minuten schon so dringend hinwollten.

Ansonsten Glückwunsch Köln, Glückwunsch Gladbach, aber ihr armen Schweine dürft dann eben nächstes Jahr nicht am Millerntor spielen. Na ja, vielleicht geht ja was im Pokal …. ansonsten hoffe ich mal sehr darauf, daß Oberhausen auch hinzustößt und sich diese doofen Hoppenheimer in’s Oberhaus begeben. Nicht, daß ich Mainz und Freiburg nicht von Herzen ALLES außer Siegen gegen uns gönnen würde – aber so nette Vereine behält man doch lieber in der eigenen Liga.

Jetzt bete ich nur noch, daß die DFL irgendwas ausheckt, Rostock direkt in Liga 3 zu befördern, vielleicht, um Kaiserslautern zu retten oder so – dann kann’s in der nächsten Saison ja eigentlich wieder ganz lustig werden.

Um halt die Erfahrung, die das gestrige Spiel bedeutete, dann in jedem neuen Kick zu revidieren und hier wieder dolle Urteile in Fließtext fällen zu können!

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Written by momorulez

12. Mai 2008 um 13:53

Eine Antwort

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  1. Die zwei Little Boys in Brown waren auch meine Freude -auch die einzige an diesem Spieltag- und auch den anderen Ausfuehrungen kann ich nur zustimmen.
    Wenn das am Sonntag genauso wird, befuerchte ich, leicht ungehalten zu werden….

    jekylla

    16. Mai 2008 at 6:12


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