shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Die wirklich großen Fragen trägt der Mensch am Fuß

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Fragen, die die Welt bewegen. Heute: Die taz:

„Woran liegt es nur, dass die Reliquien des geschmacklosesten Jahrzehnts plötzlich wieder tragbar sind? Ist es Ratlosigkeit?“

An der These der Ratlosigkeit mag etwas dran sein – beim Durchlesen des Feuilletons der ZEIT gestern abend befiel mich auch so ein Gefühl. Da wird die Neuro-Ästhetik dementer Hirnforscher wortreich kritisiert, als wäre das nötig, dumm wie die ist – und Diedrich Diedrichsen verbreitet Irrelevantes über die Tom Waits-Coverversionen von Scarlett Johansson. Der chronisch neben dem Thema daher besserwissende Hanno Rauterberg regt sich über den Weltausstellungs-Pavillion in Shanghai auf, als ginge es um den Untergang des Abendlandes und einen Wettlauf der Kulturnationen. Der hat ja die Tendenz zum Spenglern. Während ein sehr fotogener, englischer Dramatiker auch nicht anders kann, als sich als Zwerg vor den unerreichten Monumenten Tschechow und Beckett zu fühlen – eine ganze DIE ZEIT-Seite lang. Und der Interviewer, der Tschechow in’s Gespräch bringt, hat diesen noch nicht mal im Ansatz begriffen. Behauptet er doch, dessen Gedanke sei, daß in ferner Zukunft, in 200, 300 Jahren, der Mensch dann gut würde, üppig lebte und glücklich guckte.

Das läßt mein Freund Anton tatsächlich seine Figuren sagen, er tut’s jedoch, um deren Passivität im Hier und Jetzt zu zelebrieren und auch zu zeigen, nicht zu kommentieren, daß gerade solche Eigentümlichkeiten wie die Utopisierung den Menschen als solchen erst liebenswert machen. Weil man nur lieben kann, worüber man auch lachen kann. Und weil dieses seltsame Geschöpf zum Knuddeln ist, wenn es Unsinn redet und dabei z.B. niedlich lächelt, einfach, um Kontakt zu halten nach langen Sommertagen, Beisammensein ausfüllend, ist doch egal, was man da quatscht, wenn man abends in den Salons russischer Landgüter zusammen sitzt – nicht jedoch liebenswert ist, wenn das Geschöpf Mensch zum Feuilletonisten mutiert Unsinn schreibt.

Schön war’s, ganz im Gegensatz dazu mal wieder einen längeren Text von Fritz J. Raddatz zu lesen, ganz anders als Franziska Seybold kann der nämlich schreiben. Der bürstet positiv verschroben Sprache gegen den Strich und zeigt sich so seinem Gegenstand, der Literatur, gewachsen.

Frau Seybold hingegen merkt gar nicht, daß viel schlimmer als das Tennis-Socken-Revival, gegen das ich gar nix habe, ich mag die Dinger, ist, daß sie stilistisch in eben jener Jauche schwimmt, die sie so wortreich kommentiert: 80er-Jahre-Zeitgeist-Suppe halt. Polyluxig. Auch noch ganz dümmlich mit Bourdieu versetzt, ja doch, man MUSS das attackieren: Scheint Berlin-Mitte vor allem dadurch determiniert, die Banalität von Leuten wie Stuckrad-Barre in Endlosigkeit fortzuschreiben ist. Der war zwar eher in den 90ern erfolgreich, weil er Oasis-Song-Titel über Kapitel schrub und so das, was am Flaggenrausch der WM nervte, vorwegnahm – dieses ekle „Deutschland, Pop-Nation“. Was, Polke zum Trotze, niemals wahr werden wird, das sieht man doch schon an den Entwürfen zum Weltausstellungs-Pavillion in Shanghai!

Schuld sind daran jedoch nicht die Socken der 80er, sondern deren „Journalismus“, der so zäh weiter fließt durch die Schwarzwaldklinikhaftigkeit der Gazetten, die sich hip geben. Am schlimmsten aktuell in der Spex. Buaaaah.

Wäre ich jetzt Franziska Seybold, dann würde ich mit einem Satz wie dem folgenden enden:

„Man darf gespannt sein.“

Das ist so eine Konstruktion wie „Bleibt zu hoffen, daß.“ Oder „Warten wir’s ab, ob.“ Wie ich das hasse. Bringt denen eigentlich niemand mehr was bei?

Raddatz hingegen endet so:

„Zum Ende hin wird der Ballon – um Pynchons Eingangs- und Schlussbild zu paraphrasieren – faltig, schlaff und schleifend; die Halteseile scheuern durch.“

Na, der Kontrast, der ist wohl offenkundig. Jenseits der Beliebigkeit hinein in die Bildhaftigkeit, spezifisch am Gegenstand orientiert: Leute, lest lieber die alten Granden, anstatt euch in „man darf gespannt sein!“ zu ergehen. Dann seid ihr auch nicht mehr ratlos, wenn ihr die Tennis-Socke überstreift …

PS:Den letzten Satz von Rauterberg stelle ich einfach mal zur Diskussion: „Das Abenteuer Architektur überlässt sie fröhlich anderen Staaten.“ Na, wie ist der?

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Written by momorulez

16. Mai 2008 um 8:32

24 Antworten

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  1. Ganz Grosser Satz! Ich hätte auch noch fröhlich ein paar Abenteuer zu überlassen. Die Staaten muss ich mir noch aussuchen. Muss es Architektur sein? Wir werden sehen!

    T. Albert

    16. Mai 2008 at 9:30

  2. ( Sag mal: Als sozusagen „fachfremder“ Malereispezialist, findest Du, wir sollten uns wieder stärker auf Cezanne rückbeziehen? Bzw. ihn wieder mehr als Ausgangspunkt für neue Entwicklungen JETZT betrachten, versuchend, so viel wie möglich dessen , was bisher auf ihm als Grundlage passiert ist, zu ignorieren, soweit möglich. Das interessiert mich. Bezügl. Tschechow und Dramatik scheinst Du das ja gerade so zu sehen.)

    T. Albert

    16. Mai 2008 at 10:53

  3. Ja, ich sehe das tatsächlich so.

    All die schwarzen Quadrate, Kandinskys, Pollocks und Newmanns waren ja konsequent und genau richtig als „zudendemalen“ dessen, was Cézanne einst begonnen hat (und eigentlich ja die vor der Linse, Giotto und so, auch schon) – aber das ist eben auch zuendegedacht. Yves Klein und Marco Rothko, das ist ja nun auch schon ’ne Weile her, und diese ganzen Polkes, Gerhard Richters und so, die will ich ja gar nicht infrage stellen, aber die brechen ja nicht wirklich irgendwas.

    Verglichen mit der Dramatik kann man ja, glaube ich, auch nicht direkt an Beckett anknüpfen, ohne zu stagnieren.

    Und da ist dieser ganzen Formenreichtum der frühen Moderne, glaube ich, unter aktuellen Bedingungen sowohl „kritischer“ als auch anknüpfungsfähiger, sach ich als Laie mal ganz großkotzig 😉 …

    Damit meine ich durchaus auch Van Gogh und Picasso, z.B. auch den frühen, die „blaue Periode“ z.B., wenn man das, was daran tatsächlich ein wenig „sozialkitschig“ ist, mal außen vor läßt. Deine Frau macht ja aktuell auch eigentlich so Sachen in die Richtung.

    Meese z.B. kann ich immer gar nicht schlecht finden, und der macht ja das, was ich im anderen Thread geschrieben habe – frühe Moderne mit Pop verknüpfen (wobei ich manche „Schmiereien“ des späten Picasso, diese wundervollen Geschichten, durchaus noch im Paradigma der frühen Moderne sehe). Daniel Richter auch. Peter Doig auch, aber so hübsch sich das anguckt, so sehr driffet das dann doch in so einen kruden Exotismus und auch Effekt-Verstecken, z.B. in diesen „Freitag der 13.“-Bildern, ab. Wenn Daniel Richter sich hingegen auf Evard Munch bezieht, dann finde ich das ungeheuer zeitgemäß. Und Tschechow ist die beste Film- und TV-Kritik, die ich je gelesen habe, dabei gab’s das alles da noch gar nicht.

    Das ist auch tatsächlich, so sehr der Rauch ja mit Pop, Werbung und diesem Kladderaradatsch spielt, der genau richige, visuelle Gegendiskurs zu dieser Selbstvergötzung, die der ja im Bild selbst betreibt. Und auch zu dieser de facto-Selbstaufgabe von Leuten wie dem Hirst.

    momorulez

    16. Mai 2008 at 11:12

  4. @Momo
    Mist, jetzt wollte ich doch heute ein Loblied auf Bourdieu schreiben und da hängst Du die Latte schon wieder so hoch?

    Kann mir einer von euch beiden erklären, worin der Zusammenhang von Tchechov und Cezanne besteht?

    lars

    16. Mai 2008 at 13:30

  5. […] Kommentare lars zu Die wirklich großen Fragen tr…momorulez zu Die wirklich großen Fragen tr…T. Albert zu Die wirklich großen Fragen […]

  6. @Lars:

    Puhh, das ist echt ein Referat, eigentlich …. vielleicht Stichworte: Auflösung der Zentralperspektive – keine Hauptfigur im Drama; Autonomie von Farbe und Form – eine Eigenständigwerden der Dialoge und Figur gegenüber der Handlung, der Geschichte, dem Thema; keine Dramatisierung gilt eigentlich für beide Fälle, Cézanne hat hell/dunkel (wie ja auch schon die Impressionisten im Ansatz, aber dadurch, daß eigentlich Licht deren medium ist, steckt das da noch mit drin, z.B. in dieser Abfolge der Lichteinfälle in Monets Darstellung dieser Kirche in Rouen) durch Farbe ersetzt, erzeugt also z.B. Tiefe durch den Kontrast von warmen und kalten Farben, Tschechow durch Figurenkonstellationen, deren Konflikte nicht die Funktion haben, jetzt auf irgendeinen Kulminationspunkt zuzusteuern.

    Wenn Du Dir also diese Rembrantschen Obskur-Licht-hell-Dunkel-Dramatisierungen vorstellst bzw. anguckst und dann an z.B. Shakespeare (möglichst nicht gerade den Hamlet, so, wie der überliefert ist, ist der eigentlich schon modern, so wurde er aber ja auch nicht gespielt) und dessen Handlungsaufbau denkst, Dir dann danach ein Bild von Cézanne anschaust und Dir das Theater dazu vorstellst, dann hast du ’nen Tschechow.

    Beide haben auch thematisert, was man SIEHT bzw. hört, anstatt eine Geschichte als Hintergrund sich vorzustellen, wie’s z.B. beim klassischen Historiengemälde, Floß der Medusa z.B., geschieht.

    Kann man so weit treiben, daß man den Tschechowschen Notizblock als eine Art Plein Air-Malerei begreift, was auch die Quasi-Alltäglichkeit der Gegenstände betrifft. Das alles ist der Anbeginn einer Autonomie des Materials – bei Cézanne Farbe und Form, bei Tschechow Dialog und Figur.

    Schwierig wird’s dann, wenn man die Art der Stilisierung betrachtet – bei Cézanne wie bei Tschechow geht’s um eine „Harmonie parallel zur Natur“, nur daß es bei Tschechow weder Kugel noch Kegel noch Zylinder gibt. Aber sowas wie „Prototypen“ kann man da auch festellen. Er ist aber wie Cézanne auch kein Naturalist, gibt ja diesen herrlichen Satz, daß ständig eingeblendetes, reales Hundegebell auf der Theaterbühne, wie Stanislawski das praktizierte, so sei, als würde man einem gemalten Portrait eine echte Nase ankleben.

    Beide Methodiken brechen aber mit all den Inszenierungs- und Dramatisierungsmustern, die massenmdeial allgegenwärtig sind. Das macht sie aktuell so wichtig. Annähernd jede Einstellung beim Fernseh-Interview folgt dem altmeisterlichen Portrait, z.B.

    momorulez

    16. Mai 2008 at 15:03

  7. Das klärt doch schonmal einiges und macht den Gedankengang nachvollziehbar. Vielen Dank!

    lars

    16. Mai 2008 at 15:20

  8. Huiiuiiui.

    Von Tschechow habich ja keine Ahnung, aber ich finde das alles bei Proust wieder. „Combray“ ist für mich wie das BUch zum Cezanne-Bild, auch darin , wie der Blick die Konstruktion des Bildes herstellt, mit all diesen kleinen Verschiebungen, Blicke im Blick , Mikroblicke, wo dann die Zeit wieder real wird, bloss nicht im naturalistischen Sinne, sondern im realistischen. Ist bei Beckett öhnlich, in den Romanen, wo sich ja die Figur schon fast durchs Sehen und ihrfe Reaktion auf den eigenen Blick und das Sprechen eben darüber selbst erschafft.: Molloy wenigstens. Godard: Ausser Atem, da gibts das auch, diesen Augenaufschlag, der einem das Sehen erstmal klarmacht. Andererseits ist der Alte-Meister-Fake der TV-Einstellungen nun wirklich der Sieg des Blickes, der sich unter keinen Umständen selbst reflektieren soll, da können technische Entwicklungen so weit sein wie sie wollen, deswaegen war Nam Jun Paik eben superwichtig. Und manchmal hat man ja das Gefühl, dass es ohne ein gewisses Mass an zerstörerischem Gestus gar nicht geht, um sich wirklich antagonistisch verhalten zu können. Es bleibt ja die Geste des Aussenstehenden. Und sie bleibt gewissermassen funktionslose Kritik, selbst wenn man jemandem wie Paik mal gestattet, irgendwas 1:1 im Tv zu machen. Hat schon bei Fontana und Snow nicht geklappt, das blieb alles Esoterik.

    T. Albert

    16. Mai 2008 at 16:06

  9. das wäre ja alles auch noch mit Ches Weltbürgerkrieg zusammenzudenken..Der gelenkte, enteignete zielgerichtete, funktionelle Blick. Reine Reaktion.
    http://che2001.blogger.de/stories/1117082/#1126996

    T. Albert

    16. Mai 2008 at 16:14

  10. Nam Jun Paik – den kenne ich peinlicherweise schon wieder gar nicht …. und mit Ches Text hat das in der Tat alles sehr viel zu tun!

    momorulez

    16. Mai 2008 at 17:24

  11. Der Artikel über Martin Suter in der ZEIT diese Woche ist aber recht gut. Du solltest ruhig auch mal den Wirtschaftsteil lesen. 😉

    statler

    16. Mai 2008 at 18:47

  12. So weit war ich gestern noch nicht gekommen 😉 – kommt noch! Bin aber ja schon eher der Typ, der sich vom Feuilleton aus zum Rest der Zeitung begibt, ich geb’s ja zu.

    momorulez

    16. Mai 2008 at 19:14

  13. Ja, Combray ist sicherlich dieselbe Richtung. Aber es steht insofern in Spannung zu Tschechov, wenn Momo das mit der Figurenkonstellation richtig sieht – denn bei Proust ist es ja immer noch ein Icherzähler, der verzweifelt versucht, seinem Leben eine(!) Geschichte zu geben. Andererseits führt mich wieder sein memopire involontaire zurück zu Benjamins Aura (als Blickstruktur) und auch zu Bourdieus kozeption der doppelten Geschichte. die als objektive im Körper ihre Spuren hinterlässt und als subjektive von eben diesem Körper angeignet und realisiert werden muss.

    lars

    16. Mai 2008 at 20:13

  14. „denn bei Proust ist es ja immer noch ein Icherzähler, der verzweifelt versucht, seinem Leben eine(!) Geschichte zu geben.“

    Tschechow gibt seinen Figuren aber auch diesen subjektiven Blick, deshalb reden die ja ständig aneinander vorbei …

    momorulez

    17. Mai 2008 at 8:31

  15. Ist „das Subjekt“ die Zentralperpektive?

    momorulez

    17. Mai 2008 at 8:43

  16. Naja, nicht unbedingt eine Zentralperspektive, aber es wird eben nicht aus den Perspektiven der anderen geschildert, aber doch werden immer wieder die Haltungen, Denkweisen, Ambitionen und Beurteilungen der anderen Figuren durch den Icherzähler hindurch sichtbar. Es ist ein Springen zwischen einer individuellen Narration, die gleichzeitig immer wieder anhebt, das Geschehen um sich herum inklusive sich selbst zu objektivieren, aber es findet dann doch eben keine Zentralperspektive oder so ein Totalblick von oben statt, insofern gibt es wohl doch auch Paralellen zu Tschechow, den ich mir jetzt in der Buchhandlung abholen gehe, wenn schon nicht MP, dann wenigsten den 😉

    lars

    17. Mai 2008 at 14:42

  17. Den Proust fasse ich ganz anders auf. Wieso Zentralperspektive? Doch eben nicht, der Ich-Erzähler lässt doch seinen Blick ständig wandern, das lässt ja die Zentralpersp. nicht zu. Und die Verzweiflung, mit der er seinem Leben eine Geschichte zu geben versucht, hmm, ist das wichtig? Der erzählt ja das was er sieht beinahe in Realzeit, das Leben ist doch die Geschichte. Bin ich wieder zu schlicht?

    T. Albert

    17. Mai 2008 at 19:58

  18. Naja. Der Romanzyklus heißt nicht umsonst „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Ich bin zwar irgendwo im dritten Band stecken gebleiben, aber bei mir machte sich doch der Eindruck breit, dass es nicht bloß eine Echtzeiterzählung ist, sondern eine Achäologie des eigenen Lebens. Und dieses Wandern des Blicks und der Perspektiven ist ja sowas wie eine kaleidoskopische Praxis, sich selbst aus ganz vielen einzelnen Blickwinkeln zu betrachten und deswegen spielen dann auch die Perspektiven der anderen Akteure eine Rolle, weil ihr Blick auf ein gemeinsames Objekt (z.B. ein Buch, diese Opernsängerin, auch einzelne Personen etc.) die Art und weise beeinflussen, wie der Erzähler selbst auf das Objekt blickt und wie sich dieser Blick mit der Zeit verändert, je nachdem. mit welcher Person er sich gerade verbunden sieht. Aber das genau meinte ich, dass da letztlch kein endgültzoges Bild daraus entsteht, sondern eher dieser Fluß an Bildern, die den Erzähler mal von innen, mal von außen betrachtet und sich eben nicht für eine Haltung entscheidet.

    lars

    17. Mai 2008 at 20:34

  19. Echtzeiterzählung – damit meine ich ja nur manche Beschreibungen.
    Sonst genau, was Du sagst. Wir reden vom Selben. Kaleidoskopische Praxis, das find ich gut, das sagt, was ich meine – Fluss an Bilden- das ist ja eben was anderes als Zentralperspektive, bei der ja der Kopf ncht bewegt wird. Das mit der HAltung versteh ich deswegen nicht, weil ja genau das für mich die Haltung ist, die kaleisdoskopische Praxis ( macht ja der analytische Kubismus i. d. MAlerei auch), das ist ja das Aufregende.

    T. Albert

    17. Mai 2008 at 21:16

  20. Streich die Haltung wenn Du willst. Ich meine nur, dass er sich nicht auf einen letzten, festen Standpunkt zurückzieht oder auf einen endgültigen Neigungswinkel des Kopfes.

    lars

    17. Mai 2008 at 21:24

  21. @T. Albert:

    „Der erzählt ja das was er sieht beinahe in Realzeit, das Leben ist doch die Geschichte.“

    Das meine ich doch die ganze Zeit. Deshlab ist ja Sujekt keine Struktur dann, wenn man es als reale Person versteht.

    @lars:

    „Und dieses Wandern des Blicks und der Perspektiven ist ja sowas wie eine kaleidoskopische Praxis, sich selbst aus ganz vielen einzelnen Blickwinkeln zu betrachten und deswegen spielen dann auch die Perspektiven der anderen Akteure eine Rolle, weil ihr Blick auf ein gemeinsames Objekt (z.B. ein Buch, diese Opernsängerin, auch einzelne Personen etc.) die Art und weise beeinflussen, wie der Erzähler selbst auf das Objekt blickt und wie sich dieser Blick mit der Zeit verändert, je nachdem. mit welcher Person er sich gerade verbunden sieht.“

    Und wo ist da die Struktur und die Archäologie?

    „Aber das genau meinte ich, dass da letztlch kein endgültzoges Bild daraus entsteht, sondern eher dieser Fluß an Bildern, die den Erzähler mal von innen, mal von außen betrachtet und sich eben nicht für eine Haltung entscheidet.“

    Ja, eben!

    momorulez

    17. Mai 2008 at 22:03

  22. Aber Struktruren sind dich nicht zeitlos! Das ganze Buch ist der Versuch, eben diese Struktur ausfindig zu machen . Der Witz dabei sit doch, dass sich das Obejkt ja nicht auflöst, auch wenn das Bild davon sich verändert.

    Die Archäologie bezieht sich auf die Erzählform, dieser Versuch trotz allem der Vergangenheit einen Sinn zu geben. Eben der Archäologe, der ein Fundstück hochhebt, es abpinselt, von allen Sieten betrachtet, sich ausmalt,. in welchen anderenzusammenhängen es stand, wie die anderen Blicke darauf gefallen haben könnten.

    lars

    17. Mai 2008 at 22:57

  23. „Das ganze Buch“

    Welches?

    „dass sich das Obejkt ja nicht auflöst, auch wenn das Bild davon sich verändert.“

    Da ist ja der Unterschied zwischen Für-Sich, Für-Andere und An-Sich-Sein, sartrisch gesprochen. Natürlich ändern sich Personen und auch Tiere je nachdem, wie man mit ihnen umgeht. Und selbst die Rose, wenn ich sie zurückschneide und sie dann um so schöner blüht. Das ist doch die Kultur/Natur-Differenz. Um jetzt ökologische Fragen auch mit anzureißen, natürlich löst sich Natur und Klima nicht auf, aber es wandelt sich.

    momorulez

    18. Mai 2008 at 8:52

  24. Na die 7 Bücher von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“
    Ich sag mal so: Proust versucht, durch die verschiedenen Perspektiven auf das Objekt, das Objekt-für den-Leser plastischer zu gstalten als eben nur eine Perspektive auszuwählen, von der aus erzählt wird. Weil er eben diesen Fluß an Bildern erzeugt, eröffnet es sowas wie die betrahtung der Veränderung, der das jeweilige Objekt ausgesetzt ist, wie man zu ihm in Beziehung treten kann und wie nicht.

    lars

    18. Mai 2008 at 9:37


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