shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Für MomoRulez / von der Kunst

with 19 comments

Seltsam, wie sich Diskussionen entwickeln können. Definitiv nicht rational, was immer auch das Wort nun bedeuten soll (ich weiß es immer weniger).

Ich frage mich die ganze Zeit, ob es an der eigenen Erfahrungsarmut liegt, die – worin auch immer begründet – mich an einer autonome Erfahrung des Subjekts jenseits von Gesellschaft grundsätzlich zweifeln lässt. Tatsache ist aber, dass die einzigen ästhetischen Erfahrungen, die nicht zugleich etwas zwingendes haben, für mich die Literatur darstellt. Sprechen und Schreiben ist halt doch das einzige, was ich einigermaßen beherrsche (und selbst da funkt mir die Tastatur und meine eigene Ungeduld immer dazwischen). ich habe es ja mit der Musik versucht, auch mit dem Malen, immer musste ich mich aber durch Stadien der Unlust und des Zwangs kämpfen, um voran zu kommen. So dass ich es irgendwann gelassen habe, von einer sporadischen Wiederaufnahme der Malerei mal abgesehen, aber auch da überfällt mich die klassische Leere der Leinwand, eine Unfähigkeit, eine Konzeption des Bildes überhaupt vorzulegen, die wenigen Bilder, die ich als geglückt erachte, sind wirklich spontan und nicht methodisch enstanden. – Ich wußte vorher nicht einmal, was da auf der Leinwand passieren soll. Bei der Musik ist es noch komplizierter, fußt sie zwar einerseits nicht auf Gedanken, sondern auf Tonabfolgen und Harmonien, bricht aber andererseits die technische Berrschung des Instruments die Möglichkeiten, sich Ausdruck zu verschaffen. In meiner Schulzeit war Musik zudem ein zentarles Mittel der Kommunikation mit Freunden, viel wichtiger als die ästhetische Qualität der gemeinsamen Musik. Und ab dem Zeitpunkt, wo man möglicherweise zwar gemeinsam Zeit hatte, aber radikal verschiedene Vorstellungen von der Musik, die zu machen sei, wurde es kompliziert oder zur Sackgasse.

Das einschneidende Erlebnis, dass sich brachial auf meine eigenen ästhetischen Handlungen auswirkte, war ein Hochwasser, das für ca. 8 Wochen (noch dazu während meiner Abiturzeit) das alltägliche Leben in einen Ausnahmezustand verwandelte. Irgendwie machte es deutlich, wie fragil und gleichzeitig mächtig diese alltäglichen Strukturen sind, und wie sehr mein eigenes Wohergehen von bestimmbaren Strukuren abhängt. Danach habe ich für gut 3 Jahre keinen Pinsel mehr in die Hand genommen. Und die Band hatte sich auch aufgelöst. Was blieb, waren die Wörter. Und dann kam die Soziologie, die für mich ja gerade ein Befreiungsschlag war. Gerade in Form der Bücher von Bourdieu. Das erste soziologische Buch, dass ich systematisch von vorne nach hinten gelesen hatte, war „Die feinen Unterschiede“, habe da außer der groben Skizze wenig verstanden, und als besonders unverständlich blieb mir das Nachwort in Erinnerung. Das war eine Auseinandersetzung mit Kant und Derrida über das ästhetische Urteil, meine ich. Habe es hinterher nie wieder gelesen, obwohl es ja jetzt förmlich danach schreit.

Ein anderes Beispiel, dass mir in den Sinn kommt, ist das kürzlich von mir beklagte Fehlen signifikanter Anderer im akademischen Mittelbau. Wenn so etwas wie eine subjektive Entfaltung für mich möglidh ist, dann benötige ich da eine dauerhafte Struktur in Form von Gesprächspartnern, die mitverfolgen, was ich mache. Mitverfolgen zu können, was die anderen machen. Eines der ganz großen Erlebnisse in meinem Studium war für mich ja die Erfahrung, gemeinsam mit anderen lernen zu können, eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln. Und das passiert hier mitunter ja auch.

Diese These, dass es neben dem Wissen auch eine Schulung des Blicks bedarf, die hast Du mir schmerzlich bewusst gemacht, wofür ich Dir wirklich dankbar bin. Die Körperthese, die ergab sich so aus verschiedenen Quellen, u.a. das Gespräch mit T.Albert in Wuppertal, Gramsci, aber eben auch die Literatur und wenn irgend etwas Körperliches, dann wohl das Wandern und Trekken. Ich zelte gerne, aber ungern allein.

Dieser Thread hieß zunächst „Die Macht der Wörter“ und dann „Ästhetik und Zwang“. Beides traf es nicht, sondern umgekehrt ging es ja darum, herauszufinden, ob die Denkbewegung, die für mich gerade wichtig ist, nämlich das Verhältnis von körperlicher/leiblicher Praxis und theoretischer Praxis hier im Blog resonanzfähig ist, und keinesfalls darum, mich an Dir abzuarbeiten. Dass diese Diskussion nun diesen schärferen Ton entwickelte, ist mir ja doch arg.

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Written by lars

18. Mai 2008 um 0:40

Veröffentlicht in [kleine Form]

19 Antworten

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  1. Ach, komm , zwischendurch mal schärferer Ton gehört doch auch dazu 😉 … meine ich ganz ernst, ist ja keine Form der Zurückweisung, sondern der Auseinandersetzung. Und die machen oft, aber nicht immer, einiges klarer und sind auch ’ne Form von Kontakt.

    Mir entgleitet jedoch zunehmend, worüber wir uns überhaupt streiten.

    Ich behaupte doch gar keine autonome Erfahrung des Subjekts jenseits von Gesellschaft oder gar Flutkatastrophen, wenn sie einen denn erwischen, lediglich die Möglichkeit eine kreativen Umgangs mit diesen Prägungen durch sinnliche Praxis als Basis jeglicher Subjektivität. Und welche Medien/Materialien man da sich sucht, das ist ja dann auch individuell, habe gerade wieder sehr viel Freude am Arrangieren meiner Balkonpflanzen, z.B.. Oder mit den Kindern spielen. Oder Kochen. Oder Blogeinträge schreiben.

    Natürlich nicht gerade dann, wenn man ertrinkt, aber das ist ja für mich die eigentliche Message von Marx: Wer hungert, friert und 14 Stunden täglich für Hungerlöhne arbeitet, kommt eben nicht dazu, diese Möglichkeit zu leben.

    Ich halte auch sehr, sehr, sehr viel von Bourdieu, gar keine Frage. Aber gerade der ästhetische Eigensinn, der ja nicht als Autonomie verstanden sein muß, geht nicht auf in seiner sozialen Funktion, auch wenn er diese zweifelsohne auch hat.

    „Wenn so etwas wie eine subjektive Entfaltung für mich möglidh ist, dann benötige ich da eine dauerhafte Struktur in Form von Gesprächspartnern, die mitverfolgen, was ich mache. Mitverfolgen zu können, was die anderen machen.“

    Ja. Ja, unbedingt.

    Wobei ich als Struktur jetzt – übertrieben formuliert – weniger konstante Beziehungen, sondern eher jeden, wirklich jeden Sonntag Mittag essen mit Mutti verstehe. Was ja bei entsprechender Mutti auch schön sein kann, aber darin geht ja Subjektivität, Erleben und Erfahrung nicht auf.

    „nämlich das Verhältnis von körperlicher/leiblicher Praxis und theoretischer Praxis hier im Blog resonanzfähig“

    Ja, ist sie doch. Bin doch prompt darauf eingegenagen, und meine These ist, daß man auf die Foucaultsche Prägung der Körper eben wie die Phänomenologen zu antworten hat, wenn man kreativ sein will.

    So erwähne ich also Merleau-Ponty, und Dich ärgert das. Warum eigentlich?

    Zum Musizieren noch: Ging mir auch stark um die Rezeption in diesem Fall – ist eben eine kontemplative Praktik, die Subjektivität bannen und ausfüllen kann wie wenig anderes auf der Welt.

    Daß man z.B. erst Instrumente beherrschen lernt, so eine Struktur gewinnt, wie man auch Sprache, schreiben, eventuell auch zeichnen lernt, ja, klar.

    Aber man kann dann was draus machen. Charly Parker geht ja nicht auf in Harmonien, Dissonanzen und Technik, der macht was draus. Und hört man ihn an, macht man mit, läßt sich ein und Strukturen hinter sich. Mehr will ja gar nicht sagen.

    momorulez

    18. Mai 2008 at 8:19

  2. Ja. Weil ich das auch nicht mehr weiß, schrieb ich das.

    Zum schärferen Ton: Sagen wir so: ich weiß wo meine Grenzen liegen und ich ungefähr eine Ahnung habe, wo bei uns die grundlegenden Differenzen liegen, von denen wir uns gegenseitig nicht überzeugen können, scheue ich durchaus den schärferen Ton.

    Den Satz mit dem Mißverständnis habe ich gestern nacht dann wohl wieder gelöscht, sehe ich gerade. Was mich gestört hatte, dass da einfach nur der Verweis kam, mit dem Hinweis, dass man damit Solipsismus und Privatsprachen umschiffen könne.

    Verstehe erst jetzt, nach dem 10. Mal lesen, dass Du das Problem von „Soilpsismus“ und „Privatsprache“ als Negativ der Solidarität meintest. Und ich las das eher als Verweise auf blinde Flecken im Text.

    Naja, dass mir die Phänomenologen häufig quer kommen, das liegt auch daran, dass es fütr mich gerade auch darun geht, die phänomenologische Soziologie hinter mir zu lassen. Die ist ja ungelaublich stark in der Mikrosoziologie udn alndet dann irgendwann bei einem Wust an Dokumetationen irgendwelcher Kulturen oder kleiner Praktiken… was ja ganz schön sien kann zum lesen, aber nicht das Ziel sein kann. Dabei habe ich ja auch einen Mikroblick auf Strukturen (die gar nicht so standardisiert sein müssen, wie Du das beschreibstum wirksam zu sein; bin selber wahrscheinlich hochgradig „strukturiert“, ohne gleichzeitig irgendwelche Routinen dafür zu entwickeln, was für mich ja die Strukturen etwas entdramatisiert). Umgekehrt ist für mich das Problem des Subjekts immer auch eine Frage der Ideologie gewesen, viel stärker als eines der Entfaltung. Die Grundlage ist da für mich stärker Althusser als Adorno.

    ad Musik: Aber meine These ist ja, dass man das gar nicht mehr „einfach so“ hören kann. Ich habe z.B. zur Klassik so gut wie gar keinen Zugang, ödet mich zumeist tierisch an. Aber mit neuen Musik kann ich einiges anfangen, weil ich kein Problem mit Dissonanzen habe und sich die Aufmerksamkeit gerade auf die Architektur des jeweiligen Stückes richten kann. Dann bin ich wieder beim Lesen und bei der Struktur. Beim Jazz waren es auch viel stärker solche 70er-Jahre-Fusion-Geschichten, nicht die Solo-Trompete vom Miles oder das Sax von Coltrane, sondern diese 2 Drummer-3 Klavierspieler-2 Bassisten-Gitarre + Percussion + Bläser-Platten, die eine Kontemplation ja gerade nicht ermöglichen, sondern eine Auseinandersetzung. Vermutlich finde ich deswegen auch Benjamin’s Choc-These so super. Weil es nicht um Kontemplation, sondern um Konfrontation mit dem Material geht.

    lars

    18. Mai 2008 at 9:30

  3. Was ist nun diese Rationalität?

    Dann Dein Beispiel vom Hochwasser , ja das ist doch superwichtig! Natürlich ist das ein starker Einfluss aufs eigene ästhetische Handeln. Ich hab nur anhand der Bordieu-Zitate den EIndruck, dass gerade ihn eben das nicht sonderlich interessiert. Die Rationalität ist doch auch situativ, nicht?, die ist doch elastisch.

    Gestern starb jemand von uns, in der Familie, das ist jetzt auch eine plastische Einwirkung auf meine Subjektivität.

    Oder dies ironische Beispiel. das K. König von Rauschenberg auch erzählt:
    Die drei alten Herren in Rollstühlen Chuck Close, Maler, Merce Cunningham, Tänzer, Robert Rauschenberg, Maler, treffen sich an irgendeinem Anlass in einem Museum wieder und veranstalten ein Rollstuhlrennen im Museum.
    Rausschenberg schneidet Close den Weg ab, damit Cunningham, der Tänzer, gewinnen kann.

    Keine Ahnung, was ich damit sagen will. Aber ich finde alle drei als Künstler grossartig, und irgendwie steckt in der Anekdote der Grund dafür.
    Eben hat Rauschenberg in einem Film gesagt, dass man keine Vorstellung haben darf, wenn man anfängt etwas zu tun, weil sonst nix rauskommen wird.
    Das kann Bordieu jetzt als anti-rational verwerfen, aber, herrjeh, dann sind wir echt an einer Sprachgrenze- ich komme da dann vielleicht nicht drüber, bloss Bordieu spricht entschhieden lauter. James Bishop, ein Maler, den ich auch sehr gern habe , ein abstrakter Cezanne-Nachfolger, sagte mal: „Künstler sollte man weder sehen noch hören.“ Und es handelt sich nicht nur um Demut angesichts derWelt, sondern eben auch um Methoden, ihren Erscheinungen entgegen zu gehen.

    T. Albert

    18. Mai 2008 at 12:48

  4. Für mich trifft diese Beschreibung,die Unterscheidung zwischen Dispostion und Position, zwischen objektiver und subjektiver Geschichte, Einverleibung von Strukturen und der Suche nach dem Ausbruch aus diesen, genau diese Probleme. Der Bourdieu ist ja kein Rationalist im Sinne des Positivismus, sondern es geht ja durchaus auch um die Frage, wie man diese unterschiedlichen Rationalitäten adäquat beschrieben kann. Insofern ist es schon ein Versuch der Versprachlichung nichtsprachlicher Prozesse.

    lars

    18. Mai 2008 at 13:05

  5. Na, jetzt freu ich mich auf den Mittwoch bei Euch! Ich hab ja keine Vorstellung.

    ( Cobra-Schriften hab ich gar nicht hier, glaube ich, ausser einem Interview auf englisch mit Benjamin Constant, dem Maler, der New Babylon entworffen hat. Bring ich mal mit. Da gibts auch den tollen Begriff „Activist Drawing“ – das find ich eine gute Bezeichnung für eine Haltung, die Zeichnen als diskursives Prinzip analog dem Sprachlichen begreift.)

    T. Albert

    18. Mai 2008 at 13:17

  6. Ich habe ja auch keine Vorstellung – aber eine Menge Fragen!

    Bei uns in der Bib gibt es ein paar Ausstellungskataloge und die beiden Bücher:

    Ludo von Halem: CoBrA – the colour of freedom
    Jean-Clarence Lambert: Cobra – eine freie Kunst. Keine Ahnung was da jeweils drin ist.

    lars

    18. Mai 2008 at 13:41

  7. @lars:

    Das mit dem Privatsprachen- und Solipsismus-Dingens im anderen Thread bezog sich lediglich darauf, daß die Phänomenologie Merleau-Pontys, Sartres usw. normalweise seit dem Linguistic Turn mit genau diesen Argumenten abgewatscht wurde, that’s all.

    „Verstehe erst jetzt, nach dem 10. Mal lesen, dass Du das Problem von “Soilpsismus” und “Privatsprache” als Negativ der Solidarität meintest.“

    Nö. Nur das eben Geschriebene.

    Ansonsten:

    „ich weiß wo meine Grenzen liegen und ich ungefähr eine Ahnung habe, wo bei uns die grundlegenden Differenzen liegen, von denen wir uns gegenseitig nicht überzeugen können“

    Meine Grenzen liegen bei solchen passiv-agressiven Vagheiten. Habe kein Problem mit Zoff, aber mit sowas habe ich große.

    Ich bleib dann mal kontemplativ und steige hiermit aus aus der Diskussion.

    momorulez

    18. Mai 2008 at 13:54

  8. @Momo: Ich versuch trotzdem eine Antwort.

    @Privatsprachen: Ja meinst Du denn ich kenn diese Diskussionen? Mein philosophisches Halbwissen ist doch zum größten Teil Sekundärliteratur. Sartre war übrigens für mich das Argument gegen Solipsismus. Also wieder ein Mißverständnis.

    @passiv-agressive Vagheiten: Das Kerndifferenz scheint wirklich die Einschätzung des Subjekts zu sein, von dem ioch wiederum den Eindruck habe,. dass wir da auf keinen gemeinsamen Zweig kommen. Irgendwo habe ich doch heute schon geschrieben, dass es für mcih eher dem bereich der Ideologie zuzuschlagen sei als dem Ort der Freiheit. Aus genau dem Grund, weil die Differenz zwischen Gesellschaft und Subjekt Teil dieser Zwangsstrukturen selbst ist. Und in mehreren Threads haben wir das Problem ja schon angesprochen, ohne es grundsätzlich zu lösen. Und ich denke mal, dass wir das auch nicht lösen können, bei Deiner Verwurzelung in der analytischen und moralphilosophischen Philosophie, und meiner Verwurzelung im Poststrukturalismus und im Soziologismus. Nun habe ich gleichzeitig aber eine weniger kohärente Position als Du, kann sie auch (aus Gründen des Fachwissens und des Alters) weniger gut verteidigen. Auf jeden Kant oder Schnädelbach kann ich nur sagen: Ja, das muss ich halt jetzt so hinnehmen, dass die gezeigt haben, dass dieses oder jenes Argument nicht funktioniert. Und selbst wenn ich dem zwanglosen Zwang des besseren Arguments nachgebe, weiß ich, dass es haarscharf an für mich zentralen Punkten vorbei geht: allen voran an der Widersprüchlichkeit der eigenen Erfahrung. Deswegen mache ich auch die Leiblichkeit so stark, und auch die Notion, dass wir niemals ganz Herr unserer eigenen Lage sind. Worin Du mir sicher wieder zustimmen würdest.
    Wo wir uns dann wieder (bzgl. unserer Subjektkonzepte) unterscheiden, ist dann vermutlich, welche Schlüsse daraus zu ziehen seien. Ob es darum geht, Herr der Lage zu werden, oder ob die Tatsache, dass man überhaupt Herr einer Lage werden müsse, nicht das eigentliche Probelm ist.

    lars

    18. Mai 2008 at 14:33

  9. @Lars:

    „Ja meinst Du denn ich kenn diese Diskussionen?“

    Ja, meinst Du denn, ich kenne die, auf die Du Dich beziehst allesamt? Che war am Telefon auch gerade genervt, daß wir hier zu viel voraussetzen würden, aber ich für meinen Teil sehe das gar nicht ein, jetzt so wie in meinem anderen Job ständig potenzielles Vorwissen oder auch nicht der Rezipienten zu durchdenken.Ich blogge ja hier zum Spaß.

    Und meine – habe ja gar keine so richtige – „Subjekt-Konzeption“ ist ja eine, die in der Tat in Auseinandersetzung mit den Poststrukturalisten sich formte, kohärent ist die aber auch nicht, egal, die ist in vielerlei Hinsicht einfach schon eine Revision dessen, was ich einst mal vertrat, was ich teilweise bei Dir wiederfinde, teilweise auch nicht.

    Wobei das schon ganz konkrete Erfahrungen waren, die mich zu dieser Konzeption brachten, keine Kant-Lektüren – ganz weit vorne die, daß man man als Effekt von Machstrukturen oder sonstigen gesellschaftlichen Gegebenheiten weder leben können kann noch daß man’s tut oder jemals getan hätte.

    Man schlägt sich ganztägig mit ihnen herum, es gibt aber so eine Art, sich selbst in die Entremdung, in der man parteiell immer schon lebt, noch zusätzlich hineinzutheoretisieren, die ich mir irgendwann abgewöhnte, die ich Dir aber ganz ausdrücklich nicht unterstellen möchte, das wäre dann nämlich Projektion, und Unterschied um’s Ganze ist schon die Instituion, in der Du arbeitest und jene, in der ich’s tue. Bringt halt auch unterschiedliche Machtkonstellationen mit sich.

    Werde diese freiwillige Selbstreduktion auf’s Effekt-Sein jedoch auf theoretischer Ebene (!!!), nicht persönlicher, auch weiterhin angreifen.

    Knackpunkt für mich war damals eine unglückliche Liebesgeschichte und dann eine Gestaltherapie, ist jetzt so 14, 15 Jahre her, das hat mich – rein subjektiv – vor Foucault usw. gerettet.

    Und dann las ich – zu Examenszwecken – „Selbstbewußsein und Selbstbestimmung“ von Tugendhat und fand all das da wieder. Hinterher. War nur noch niemandem aufgefallen, daß da drin steckte. Und so entstand meine Magisterarbeit aus Erfahrung, die ich in Lektüre wiederfand.

    Und zum Glück habe ich seitdem Balkonpflanzen, Fussball, Malerei, ’nen Hund und immer wieder neu Musik und auch bewegte Bilder, die das, was damals die Zäsur in der Abkehr von Foucault usw. war, im Nachhinein fortschrieben.

    Soweit meine Erfahrung, und ich hoffe, alle anderen machen möglichste völlig andere Erfahrungen, und dann kann man sich in Ruhe drüber austauschen und akzeptieren, daß wechselseitige Vorverständnisse eben unterschiedlich sind, zum Glück, sonst wäre das Leben ja ggf. langweilig.

    momorulez

    18. Mai 2008 at 15:02

  10. Wäre ja der letzte, der jemanden Erfahrungen absprechen würde. Vollste Zustimmung.

    lars

    18. Mai 2008 at 15:38

  11. Balkonpflanzen kriegen wir ja nich hin. Obwohl zu zweit und mit zwei Balkonen mitten in der Stadt.

    T. Albert

    18. Mai 2008 at 15:43

  12. Hätte ja an diesem Wochenende meine Chilipflanzen pikieren sollen, stattdessen argumentiere ich micht um Kopf- und Kragen. Sind allerdings auch nur eine Fensterbankzüchtung.

    lars

    18. Mai 2008 at 16:06

  13. Habe gestern gerade die „Heidi Klum Rose“ in den Rosentopf gepflanzt 😉 – darf man das überhaupt schreiben, oder wird man dann abgemahnt? Die hier meine ich:

    http://www.rosen-tantau.com/cgi-local/shop/shop_main.cgi?func=start&wkid=74799710577

    Manchmal bin ich halt sowas von schwul – ’ne Heidi-Klum-Rose, das ist schon wahre Tuntenkultur!

    Aber auch nur, weil mir L.D. Braithwaite und Scarborough Fair (wollte mal wieder ein paar unbekannte Namen einstreuen 😀 ) über den Winter auch eingegangen sind. Und farblich völlig unpassend wohnen jetzt mittendrin die Gebrüder Grimm:

    http://www.kordes-rosen.com/deutsch/
    (da muß man die Märchenrosen anklicken).

    Was ziemlich aufregend neben Petunien in magentaviolett aussieht. Und neben der New Dawn, die ich da ganz größenwahnsinnig hingepflanzt habe, aber wenn die das da nicht mag, dann darf die in einen ‚Garten.

    Mußte ja auch üben und scheiter ständig, siehe oben, aber diese Geschöpfe da draußen, die haben wirklich einen enormen Effekt gehabt, kein Scheiß. Sowas wie „Naturzyklen“ (soweit man bei Heidi-Klum-Rosen davon reden kann 😉 ) bekommt man als Stadbewohner ja sonst nur hinsichtlich des Wetters mit und hinsichtlich des eigenen Alterns und sonst eher nebenbei, wenn einem mal ’ne Azalee auffällt oder daß die Bäume grüne werden.

    Angefangen hatte es mit einem Oleander … kann ich echt empfehlen. Durchhalten. Macht glücklich.

    momorulez

    18. Mai 2008 at 16:27

  14. Lieutenant Braithwaite und MIss Scarborough Fair waren auf DEINEM Balkon?

    T. Albert

    18. Mai 2008 at 16:33

  15. quite baroque, würde ich sagen. Nachdem meine Chilipflanzen letztes Jahr an einem stürmischen Tag kollektiven Selbstmord begangen haben und sich fünf Stockwerke nach unten stürzten, bin ich vorsichtig geworden. In diesem Jahr gibt es erstmal nur zwei Sorten, und die werden rechtzeitig angeschnallt.

    lars

    18. Mai 2008 at 16:33

  16. @T. Albert:

    Jau – L.D. Braithwaite ist aber, glaube ich, der Schwiegervater von David Austin. War der Lieutenant?

    Und „Scarborough Fair“ heißt die süße, kleine, rosane, ein hinreißendes Geschöpf, wegen des Simon & Garfunkel-Songs, glaube ich …

    Kann man hier finden:

    http://www.davidaustinroses.com/german/

    @Lars:

    Du hast islamistische Chilis gezüchtet????
    ( … böser Wirtz, ja …)

    momorulez

    18. Mai 2008 at 17:13

  17. Könnte man so sagen. Allerdings gab es keine anderen Opfer, wenn man mal von den zerschlagenen Behältern ansieht. Und noch wichtiger, wer waren die Schnecken, die über Nacht die heruntergefallenen Pfalnzen ratzeputzekahl fraßen (ich bin nachts nachhause gekommen und konnte erst am nächsten Morgen nach ihnen suchen gehen…)? Ich hielte sie ja eher für depressiv. Vielleicht war es aber auch der Erlkönig, der sie nach unten lockte, die zarten Pflänzchen…

    lars

    18. Mai 2008 at 17:18

  18. „ich bin nachts nachhause gekommen und konnte erst am nächsten Morgen nach ihnen suchen gehen“

    Na, dann weißt Du wahrscheinlich nur nicht, über welche aufrechten Christenmenschen (die dann einfach die Reste zum Weihrauch machen eingesammelt haben) diese Migranten-Chilis, von den Linken in’s Land geholt, da herfallen wollten – mit deutscher Brunnenkresse oder Radieschen wäre das nicht passiert!

    momorulez

    18. Mai 2008 at 17:26

  19. Von wegen Migranten Naja, so ein paar angeknabberte, verschleimte Früchtchen habe ich ja schon noch vorgefunden. Waren diese Schnecken gar „Multukultis“, die die Chilis zuerst in ihren Mägen versteckt, und dann an anderen Orten wieder frei gelassen haben, diese Verräter? Die fallen ja heutzutage über alle Kulturpflanzen her, saugen den alten Radieschen den Saft aus und zerstören die lange gehegten und bewahrten Schätze der Kleingartenkultur. Diese Kulturentwurzler!

    lars

    18. Mai 2008 at 17:39


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