shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Kann mir das mal jemand erklären?

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„Sie sind eifersüchtig auf uns, und auch noch faul“, schreit eine junge Frau aus Simbabwe. „Es sind die Zulus, sie gönnen uns nicht, dass wir schlau sind und uns in ihrem Land etwas aufbauen. Sie wollen alles auf dem silbernen Tablett.“ Ihren Namen will sie nicht nennen, aus Angst.“

Das liest sich ja wie die Statements von Leistungsträgern hierzulande in 5 oder 10 Jahren – glaubt man den aktuellen Armutsberichten, wird’s ja hier auch nicht mehr lange dauern, bis es nicht mehr nur einzelne Häuser sind, die abgefackelt werden.

Ansonsten scheinen sich da einige in Südafrika deutsche Tugenden angeeignet zu haben, mal eben ’nen Fernkurs in „Lerne  Hoyerswerda, Lichtenhagen, Solingen“  belegt zu haben. Ist wahrscheinlich die so lange währende Prägung durch’s burische Erbe, die in Südafrika zu solch Gewaltexzessen führt.

Und bei den Hass-Ausbrüchen in Deutschlands Osten trat ja tatsächlich auch hinzu, daß die es nicht fassen konnten, daß auf einemal lauter geschäftstüchtige Türken und Fernost-Asiaten ratzfatz ihre Läden aus dem Boden stampften, während die Ossis noch doof aus der Wäsche guckten, daß die berühmte semantische Wende von „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk“ dann so gar keine traute Harmonie in Wohlstand und freiem Konsumieren hervorbrachte, sozusagen als völkisches Geburtsrecht, nun wie die „Brüder und Schwestern“ im Westen zu leben, sondern zunächst mal eine Herrschaft der Banken über sie hereinbrach.

Ist natürlich völlig schief, der Vergleich, die DDR war ja kein Homeland, mir ist jedoch danach, das zwischendrin mal zu erwähnen.

Mein zur Hälfte afrikanischstämmiger, Düsseldorfer Kumpel hatte das prophezeit: Je näher die WM dort rücken würde, desto mehr Krawall würde es geben. Weil auch nach Ende der Apartheid die ökonomische Situation nix anderes ist als ein Tradieren derselben. Weil der Stadionbau die Absurdität der Verhältnisse nur offen lege, und weil diese ganzen CEOs, die sich jetzt Villen am Tafelberg zulegen (ich kenne da einen) de facto weiterlebten wie die Kolonialherren – so, wie wir ja auch von den Herrschaften an Alster und Elbchaussee kolonialisiert sind, das bisher aber nur noch nicht so heftig merken, weil’s ja noch ’nen Sozialstat gibt. Aber auch hier gelingt’s ja, irgendwas Externalisiertes dann zu Objekt mörderischer Wut zu stilisieren.

Ja! Ich fasel, ist doch klar: Verhältnisse wie jene dort im Land, wo die Geranien blühen, verstehe ich nicht wirklich, deshalb ja die Überschrift. Damals, in Ruanda, da hat die FR noch vorbildlich darüber berichtet, wie Kolonialgeschichte wirkt – ist aber aktuell im Vorfeld der EM zu unpopulär, sowas noch zu erklären. Zu didaktisch.

Klar scheint jedoch zu sein, daß allerorten schlicht die marxistsche Leitideologie der Klassensolidarität abhanden gekommen ist und stattdessen das „Konzept“ der Ethnisierung von sozialen Konflikten zur Freude der Herrschenden allerlei Scheußlichkeiten hervorbringt. Das ja auch die Apartheid ziemlich offenkundig stützte. Arme Welt.

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Written by momorulez

21. Mai 2008 um 8:34

17 Antworten

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  1. Habe mich gerade mit einer Kollegin in diesem Zusammenhang über den „Exkurs über den Fremden“ von Simmel unterhalten, der in der Figur derjenigen, die kommen, um zu bleiben, solche Gruppen wie „Arme“, „Händler“, „innere Feinde“ und auch die „Aufrührer“ und „Juden“ zusammenstellt. Dabei leigt die Gemeinsamkeit nicht einer ihnen gemeinsamen Eigenschaft, sondern in der selben Konstellation. Sie alle stehen als Beispiele für Mitglieder einer Gesellschaft, die als Teil der Gesellschaft einen Zustand der Ausgegrenztseins erfahren, der dann ideologisch kaschiert wird, also hier z.B. als Ethnisierung. Ohne das jetzt einfach so vertreten zu wollen, aber diese Konstruktion des Fremden, der dann als Ventil dient, ist ja erstmal kein doofer Gedanke.

    lars

    21. Mai 2008 at 11:40

  2. Also, mir fällt dazu ein, dass es schon einen ausgeprägten Zulu-Rassismus gab, bevor die Weißen nach Südafrika kamen (Zulus als Herrenvolk), und dass die Zulu-Größen in der Apartheid nicht gerade eine rühmliche Rolle spielten.

    che2001

    21. Mai 2008 at 20:56

  3. @lars
    das war ja sehr interessant gestern; ich muss über jede Menge Fragen immer weiter nachdenken. Da arbeitet einiges in mir.

    T.Albert

    22. Mai 2008 at 15:20

  4. @T.Albert

    Ja, das war sehr spannend. Ich habe da auch wahnsinnig viel mitgenommen. Mich beschäftigt vor allem diese Frage nach dem Funktionalen als kritische Kategorie.

    Und dann lese ich heute schon den ganzen Tag „Jacques Vingtras“ von Julles Valles, ein grandioser Romanzyklus über die Pariser Kommune, in dem auch die Frage nach der Arbeitsteilung ganz zentral ist. Ich hatte Dir gestern nur den Autor aufgeschrieben. Das trifft sich gut mit den Überlegungen zu Gramsci. Kannst Du mir nochmal dieses italienische Dorf nennen?

    lars

    22. Mai 2008 at 19:32

  5. das italienische dorf ist ein schweizerisches im tessin und heisst monte carasso; der architekt, von dem die rede ist, ist luigi snozzi.

    T.Albert

    22. Mai 2008 at 20:06

  6. Merci!

    lars

    23. Mai 2008 at 8:50

  7. Jedenfalls muss niemand weiß sein, um Rassist zu sein. Vom Herrenvolk-Selbstverständnis der Zulu bis zu den rassistischen Pogromen chinesischer Studenten in den Achtzigern (teilweise die Gleichen, die zur damaligen Bürgerrechtsbewegung gehörten) zieht sich das Thema Ethnisierung des Sozialen bzw. Externalisierung innerer Konflikte durch Sündenbockschaffung und Projektion von Feindbildern quer durch die Menschheitsgeschichte und rund um den Globus (man denke daran, was Griechen über Barbaren, Periöken und Heloten dachten). Insofern würde ich nicht sagen, dass sich in Südafrika einige Leute deutsche Tugenden angeeignet haben, sondern dass der deutsche Rassismus rund um Hoyerswerda etc. eben auch sich einem weltweit wirksamen Muster einordnet. Das lässt sich durchaus unmittelbar parallel zu Jugoslawien setzen, mit dem ganz entscheidenden Unterschied allerdings, dass in Deutschland keine herrschenden Kreise ein Interesse daran hatten, die rassistische Gewalt über einen längeren Zeitraum zu ihren Zwecken zu instrumentalisieren (und schon gar nicht, einen Staat zu zerstören). Für eine kurze Mobilisierungsphase (Abschaffung des einklagbaren Asylrechts, Projektion der Aggression im Osten auf einen Sündenbock und nicht auf westliche Eliten, z.B. Treuhand) hat die deutsche Staatsmacht ja selber mit der rassistischen Gewalt taktiert.

    che2001

    23. Mai 2008 at 9:28

  8. „Für eine kurze Mobilisierungsphase (Abschaffung des einklagbaren Asylrechts, Projektion der Aggression im Osten auf einen Sündenbock und nicht auf westliche Eliten, z.B. Treuhand) hat die deutsche Staatsmacht ja selber mit der rassistischen Gewalt taktiert.“

    Prinzipiell würde ich Dir da zustimmen. Allerdings scheinen sich die Unruhen auch gegen die Politik Mbekis und sein Taktieren mit Mugabe zu richten.

    lars

    23. Mai 2008 at 11:15

  9. Und genau da liegt der Anknüpfungspunkt an eine sozialrevolutionäre Stoßrichtung, den es ja auch bei „Riots von Rechts“ hierzulande immer gab. Ethnisierung des Sozialen bedeutet, dass eigentlich sozialkritische, am unmittelbaren Existenzrecht orientierte Revolten nationalistisch umgebogen werden. Die Proteste in Ostdeutschland nach der Wende hatten das Potenzial, in eine antiimperialistische, nichttraditionssozialistische Bewegung umzuschlagen, der Widerstand in Jugoslawien stand gesellschaftlich links des sozialistischen Staatsmodells, aber die weitere Entwicklung führte nach ganz rechts und in die völlige Barbarei. Eben das meint „Ethnisierung des Sozialen“.

    che2001

    23. Mai 2008 at 23:03

  10. Bei der „Ehnisierung des Sozialen“ stellt sich für mich die Frage, ob das immer gezielt herbeimanipuliert wird (wie es die „Tradionssozialisten“, wie Du sie nennst, annehmen) oder ob es auch „spontan“ – besser gesagt: ungeplant – entstehen können. Im Falle der Proteste in der „untergehenden DDR“ (der Phase zwischen der Grenzöffnung in Ungarn, als klar wurde, dass die DDR sich nicht mehr mit „herkömmlichen Mitteln“ stabilisieren konnte und der tatsächlichen Vereinigung am 3. Oktober 1990) gab es, wenn ich mich recht erinnere, zwar durchaus Manipulationen in Richtung „Ethnisierung“ (allerdings vom „Westen“ aus), aber die „semantische Wende“ von „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk“ und in der weiteren Folge zu einem aggressiven „Anspruchsnationalismus“ einiger (gar nicht so weniger) ehemaliger DDR-Bürger scheint sich doch weitgehend „aus sich heraus“ entwickelt zu haben. (Es sei denn, man bemüht Verschwörungstheorien.) Im Falle der DDR sehe ich es so, dass eine zentrale These der „unorthodoxen Sozialisten“, nämlich die Reform der DDR zu einem wirklich demokratischen. und voll souveränen sozialistischen Staat, sozusagen von der „Macht des Faktischen“ überrollt worden war – sie erschien auf einmal überholt, auch durch die allzu durchsichtigen Versuche einige „gewendeter“ DDR-Funktionäre, möglichst viel Macht für sich zu retten. Und einen „Plan B“ für eine antiimperialistische, nichttraditionssozialistische Bewegung scheint es nicht gegeben zu haben. (Da lasse ich mich gern korrigieren.) -Die Alternativen, die es nach dem 9.11. 1989 offensichtlich gab, waren „renovierte“ DDR oder „schnelle Vereinigung“. Das letztere Möglichkeit weitaus verlockender war, lag nicht nur an den Versprechungen Helmut Kohls.
    Die Wende von „Wir sind ein Volk“ zu „Arbeit (Sozialleistungen, Freiheitsrechte) zuerst für Deutsche“ scheint mir sozusagen „traditionsbedingt“ zu sein – schließlich konstruierte sich das „deutsche Nationalgefühl“
    seit den Anti-Napoleonischen Kriegen aus der Angst vor dem äußeren Feind heraus – und bisher hatte sich noch jeder deutsche Staat, einschließlich der Alt-BRD und der DDR, durch das Schüren der Angst vor einer äußeren Bedrohung stabilisiert. Es ist für mich nicht überraschend, dass, als nach der „Wende“ die „blühenden Landschaften“ ausblieben, sich die Überlegungen der meisten EX-DDR-Bürger nicht in Richtung „wie verändern wir das Wirtschaftssystem, was können wir an die politischen Verhältnissen ändern?“ gingen (und die der Ex-Alt-BRD-Bürger erst recht nicht), sondern dass die arroganten, rücksichtslosen „Wessis“ oder bzw. und die „frechen Ausländer“ an der Misere „Schuld“ wären.

    MartinM

    24. Mai 2008 at 12:08

  11. @“Bei der “Ehnisierung des Sozialen” stellt sich für mich die Frage, ob das immer gezielt herbeimanipuliert wird (wie es die “Tradionssozialisten”, wie Du sie nennst, annehmen) oder ob es auch “spontan” – besser gesagt: ungeplant – entstehen können.“ —- Die Frage, ob das gezielt herbeimanipuliert wurde, stellt sich m.E. gar nicht. Es ist die objektive Funktion einer Entwicklung. Die Annahme, hier sei etwas gezielt herbeimanipuliert worden, ist etwa so, wie einer Wirtschaftskrise oder z.B. der Evolution in der Natur eine Absicht bzw. strippenziehende Akteure unterstellen zu wollen. Das heißt nicht, dass es keine Manipulateure, keine Demagogen, keine Hetzer und Meinungsmacher gäbe. Aber soziale Prozesse sind ungeheuer komplexe Entwicklungen, die sich nicht mechanistisch erklären lassen. Wer etwa den Materialien für einen Neuen antiimperialismus ein verschwörungstheoretisches Weltbild unterstellt, hat lediglich selber die Komplexität der sozialhistorischen Paradigmen nicht begriffen, mit denen da gearbeitet wird.
    Das heißt nicht, es lohne nicht, gegen Rassismus und Vorurteil anzukämpfen. Aber solche Prozesse sind multifaktoriell. Auch der Nationalsozialismus erklärt sich sozialhistorisch, nicht aber aus den Personen der NS-Größen.

    @“Und einen “Plan B” für eine antiimperialistische, nichttraditionssozialistische Bewegung scheint es nicht gegeben zu haben. (Da lasse ich mich gern korrigieren.)“ —– Ich erinnere mich deutlichst daran, dass in der unmittelbaren Wendezeit die Hauppträger der Proteste in der DDR, nämlich die Gruppen Neues Forum, Demokratischer Aufbruch und Komitee für Grundrechte und Demokratie tunlichst vermieden, mit Wiedervereinigungsplänen in Zusammenhang gebracht zu werden. Eine demokratische, entbonzte und noch immer sozialistische (oder von der Wirtschaftsweise her „gemischte“) DDR war das Ziel. Ich kann mich auch lebhaft daran erinnern, wie im November und Dezember die Montagsdemonstrierer über ihre Aktionen redeten, nämlich im Jargon marxistischer Revolutionäre. Neben der „breiten“ Bürgerrechtsbewegung gab es in der DDR damals auch noch einen linken Flügel, Gruppen wie die Nelken oder die Junge Linke, die definitiv einen anderen Sozialismus wollten. Der Plan B, den es nicht gegeben hat war eigentlich der Plan A der DDR-Opposition. Ansonsten hing vieles von Zufäligkeiten und Zeitumständen ab, z.B. von der Tatsache, dass Gorbi der Wiedervereinigung zustimmte, weil er die Westgruppe der Roten Armee zur Aufstandsbekämpfung im Kaukasus brauchte.

    che2001

    25. Mai 2008 at 14:16

  12. Aber Che, zwar erinnere ich mich auch sehr gut an den Plan A der DDR-Oppostiton und ihre Sprache, bloss wird mir ständig erklärt, dass das alles gar nicht stimme. Das ist alles Quatsch!
    Und daran erinnere ich mich auch: Niemand hat die Absicht, das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland an Stelle einer Verfassung beizubehalten.
    Manchmal weiss man mittlerweile ja gar nicht mehr, wo man sich befindet.

    T. Albert

    25. Mai 2008 at 14:55

  13. Ich habe selbst ein Seminar zur Arbeit der Verfassungsgebenden Kommission und ihren Vorschlägen zur gesamtdeutschen Verfassung gehalten. Da war ich wohl ein übler Geschichtsfälscher, ich pöcher Purche!

    che2001

    25. Mai 2008 at 15:00

  14. Vielleicht erinnerst Du Dich falsch. Vielleicht warst Du das gar nicht.

    – Ich habe tatsächlich kürzlich mit jemandem, der nur wenige Jahre jünger ist als ich, darüber gesprochen, weil sich das so ergab: der wusste das nicht mehr, dass die gesamtdeutsche Verfassung überhaupt diskutiert wurde damals. Dem war das auch als historische Fragestellung überhaupt nicht präsent.

    T. Albert

    25. Mai 2008 at 15:18

  15. Vielleicht ist die Bundeszentrale für Politische Bildung, für die ich damals gearbeitet habe, ja auch kommunistisch unterwandert -)

    chezweitausendeins

    25. Mai 2008 at 15:31

  16. @kommunistische Unterwanderung: Na, das war dann wohl eher die Landeszentrale für politische Bidlung in Niedersachsen, die wurde deshalb ja auch folgerichtig 2004 aufgelöst. 😉

    lars

    26. Mai 2008 at 10:15


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