shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Widerliche Sozialisten: Nobelpreis für Frau Betancourt

with 33 comments

Ich mache es ganz kurz und bringe der Einfachheit halber den ganzen Artikel der „Unita“.

Die „Unita“, die noch von Antonio Gramsci stesso gegründete Zeitung des PCI, den es nicht mehr gibt, schlägt Ingrid Betancourt, für den Friedensnobelpreis vor.

(Frau Betancourt ist übrigens eine Grüne, die gegen kolumbianische Korruption angehen wollte; mit den FARC-Leuten hat auch sie schon mal verhandelt.)

So widerlich sind Sozialisten.

http://www.antibuerokratieteam.net/2008/07/03/hugo-zeigt-sportsgeist/#comments

NEL TUO ARCHIVIODiritti Umani

L’Unità: Nobel per la pace a Ingrid Betancourt

 colombia ingrid betancourt
Per sei anni e quattro mesi alle 5 di ogni mattina la madre di Ingrid Betancourt ha parlato per mezz’ora alla figlia attraverso una radio diversa da ogni altra, che accoglie le voci di padri, mogli e dei prigionieri delle Farc. Raccontano piccole cose della vita normale. Gli amici che salutano. Come va la scuola. Notizie tristi quando non è possibile tacere, ma Ingrid non ha saputo dalla madre che il padre era morto poco dopo il sequestro. Yolanda Pulecio de Betancourt aveva supplicato le Farc di liberarla per il funerale. Silenzio. Qualche capo Farc deve averla informata chissà come, chissà quando.

Poi un giorno Yolanda Pulecio de Betancourt racconta alla figlia la novità. «Un giornale italiano ti ha proposto per il Nobel. All’appello dell’Unità, giornale fondato da Antonio Gramsci, rispondono migliaia di persone. Non solo dall’Italia: Spagna, Europa perfino dall’Amazzonia. Forse la tua vita sta cambiando… ».

Per una giusta causa è nato un comitato promotore bipartisan alla Camera dei Deputati. Primo firmatario Fabio Evangelisti, Italia dei valori: «È il primo mattone e un progetto ambizioso, su cui vogliamo coinvolgere la politica, l’associazionismo e i cittadini». Molte decine le firme raccolte tra i parlamentari, in testa Pd e Idv, seguiti dai colleghi del Pdl, Udc e Lega.

Intanto la regione Toscana sta per annunciare un comitato di premi Nobel per concretizzare la proposta dell’Unità. Perché il Nobel per la Pace non è una medaglia alla vanità ma un viatico per chi non si arrende al tornaconto. Proposta che raccoglie la reazione di protagonisti consapevoli che la distrazione di tutti può spegnere le voci non distratte. Sarebbe viva senza il Nobel per la Pace Aung San Suu Ky, prigioniera nella sua casa in Birmania, anima della democrazia che non si è spenta e spaventa i militari consolando la speranza alla gente? E Rigoberta Menchu e Perez Esquivel? Ogni giorno centinaia di lettori e non lettori firmano l’appello. E ora che Ingrid Betancourt è stata liberata ancora di più.

Per aderire all’appello: nobelperingrid@unita.it

Unter dem Link kann man sich dem Apell der Unita anschliessen.
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Written by talbert

10. Juli 2008 um 0:30

Veröffentlicht in Faschismus und Antifaschismus

33 Antworten

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  1. Betancourt hatte bislang eine deutlich sozialistische Ader, vergleichbar mit den französischen Grünen, und noch stärker ausgeprägt war dieser Zug in Bolivien. Ihre geistigen Ziehväter (u.a. Pablo Neruda) standen auch eher für Kommunismus, in einer freiheitlichen Form freilich.

    Warum begeistern sich FDP-Parteigänger für Betancourt? Es ist eine seltsame Vorstetllung zu glauben, dass die Befreiung von Betancourt vor allem eine Niederlage von Chavez sei.

    Wäre meine Katze heute nicht so vorzüglich gelaunt, würde ich den FDP-Bloggern schlichte Dummheit unterstellen.

    united4katzenblogs

    10. Juli 2008 at 19:41

  2. Hauptsache, die Feindbildpflege funktioniert. Mail mir übrigens bitte mal Deine aktuelle Adresse, ich habe sie verlegt. Du kriegst ja von mir noch etwas für Leute mit Geld 😉

    che2001

    11. Juli 2008 at 14:43

  3. Hast Mail!

    – Feindbildpflege: ich wundere mich immer über diese ausschliesslich „deutschen“ Standpunkte, von denen aus gepflegt wird.

    T. Albert

    11. Juli 2008 at 16:14

  4. Das ist ähnlich wie mit den Antideutschen, die einem geflügelten Wort von Dr. Dean zufolge sehr gut in einen wilhelminischen Flottenverein hineingepasst hätten.

    che2001

    11. Juli 2008 at 18:07

  5. @T. Albert: Was meinst Du hier mit „deutsch“? Verstehe ich gerade nicht.

    David

    11. Juli 2008 at 18:14

  6. @David
    Die deutschen Feindbildpfleger haben i. A. wenig Ahnung davon, wie woanders gedacht wird, selten ihrem Feindbild entsprechend, das sich aus deutschen Realitäten und Vorstellungen davon ableitet, mehr aus den Vorstellungen.
    Ich finds ja manchmal richtig peinlich.

    T. Albert

    11. Juli 2008 at 22:51

  7. Ganz besonders schlecht wird mir regelmäßig, wenn ich bezogen auf Südamerika etwas von „linkem Antisemitismus“ lese. Da zimmert dummdeutsch sich ganz tolle Weltbilder zurecht. Aber wahrscheinlich ist es einfach so, dass es in Südamerika so robust zugeht, weil der Kontinent von der Form her ja schon an ein Revolverholster erinnert 😉

    che2001

    12. Juli 2008 at 14:32

  8. T.Albert, es ist etwas auf dem Weg für Dich, Du Mann mit Geld 🙂

    che2001

    12. Juli 2008 at 15:38

  9. Ganz besonders schlecht wird mir regelmäßig, wenn ich bezogen auf Südamerika etwas von “linkem Antisemitismus” lese. Da zimmert dummdeutsch sich ganz tolle Weltbilder zurecht.

    Nicht nur dummdeutsch zimmert … dummamarikaner auch:
    http://www.commentarymagazine.com/viewarticle.cfm/hugo-ch-vez-s-jewish-problem-11455

    sorry, ist vom neokonservativen Klassenfeind. 😉

    fpk

    30. Juli 2008 at 17:10

  10. Na ja, diese ganze Neger und Indios sind ja alles nur Antisemiten, kann man ja bei Herrn Herziger heute auch lesen … so wat wie Black Power zu Zeiten der „Rassentrennung“ kann ja nur aus strukturellem Antisemitismus erwachsen sein.

    momorulez

    30. Juli 2008 at 17:19

  11. @fpk

    Stellst Du jetzt Deine innere Weltordnung wieder her?

    Wir sind allesamt so, wie im commentarymagazine behauptet. Völlig klar.
    Wie italienische (Post- ) Kommunisten, deren Zeitung den Friedensnobelpreis für I. Betancourt fordert und dafür eine überregionale Initiative begründet hat.
    Völlig klar.

    T. Albert

    30. Juli 2008 at 17:32

  12. @momo
    hast du überhaupt in den Artikel reingeschaut?

    sind Aussagen wie diese von Cahvez irgenwie misszuverstehen?

    The world has enough for everybody, but it happened that some minorities—the descendants of those who crucified Christ, the descendants of those who ejected Bolívar from here and who crucified him in their own way in Santa Marta, over in Colombia—took possession of the riches of the world. A minority appropriated the world’s gold, the silver, the minerals, the waters, the good lands, the oil, and has concentrated the riches in a few hands.

    @T. Albert
    wie kommst du darauf, mir sei meine „innere Weltordnung“ in die Brüche gegangen?

    nur kurz angemerkt: zur Thematik Sozialisten schlagen Betancourt für Nobelpreis vor hatte ich mich gar nicht geäußert.

    fpk

    30. Juli 2008 at 18:14

  13. @fpk:

    Nö, ich mußte einfach nur gerade das mit dem Herrn Herziger loswerden, und da kam mir der Anlaß gerade recht 😉 … und ansonsten kann ich mich nicht daran erinnern, mich irgendwann in welcher Form auch immer für Herrn Chavez engagiert zu haben. Ich bin da in Südamerika auch nicht soooo firm, meine persönlichen Sympathien liegen in mancherlei Hinsicht eher bei der Dame in Chile und ein klein wenig bei dem Herrn aus Brasilien, aber auch das wirklich nur beim Zeitungs-Querlesen, und da lasse ich mich gerne zurechtweisen, falls das dummes Zeug ist.

    momorulez

    30. Juli 2008 at 18:18

  14. @nur kurz angemerkt: zur Thematik Sozialisten schlagen Betancourt für Nobelpreis vor hatte ich mich gar nicht geäußert.

    Eben.
    Dafür kommst Du hier mit diesem Artikel über Chavez. Wen meint er denn Deiner Meinung nach in dem nicht allzu neuen Zitat.

    T. Albert

    30. Juli 2008 at 18:19

  15. …..und wie momorulez sagt: hat sich hier jemand für Chavez geäussert?

    T. Albert

    30. Juli 2008 at 18:34

  16. @ fdp fpk

    Erstens. Chavez ist leicht misszuverstehen. Er versteht sich ja sogar selber regelmäßig miss bzw. verbessert seine eigenen Anmerkungen, und zwar nicht selten so sehr, bis von der ursprünglichen Substanz kaum noch etwas übrig ist.

    Zweitens. Ich bin überzeugt davon, dass dieses meinungsstarke US-Magazin entweder auf eine Fehlübersetzung reingefallen ist oder selbst eine erstellte. So stereotyp seine Ansichten z.B. zu den internationalen Finanzmärkten auch sind, Chavez ist (bislang) nicht mit systematisch judenfeindlichen Anmerkungen aufgefallen.

    (Aber ehrlich: eigentlich ist mir dieses Chavez ziemlich gründlich egal. Der Mann ist so eine Art südamerikanischer La Fontaine. So sehr aufregend ist das nicht. Oder?)

    Drittens. Kennt man einige Reden von Chavez, dann weiß man zumindestens den zweiten Teil seiner Rede gut einzuordnen, denn es ist eines seiner Standardthemen. Und sicherlich nicht falsch: Er redet davon, dass der Reichtum in der Welt nur wenigen zugute kommt.

    Viertens. Chavez hat einen gewissen Hang zur Polemik, und zwar auch dann, wenn ihn diese eine Zeit lang wie ein Knallkopf aussehen lässt.

    Ich glaube nicht, dass man damit eine gute Vorstellung von seiner Politik erhält. Ich habe mir mal ein paar Originalquellen angeschaut und – mit meinen bescheidenen Möglichkeiten – ein paar seiner Texte grob übersetzt . Für mich ist Chavez wie:

    La Fontaine.

    Die größte Sorge, die ich bei diesem Mann habe, die besteht darin, dass er einen Einmarsch in die USA beabsichtigen könnte (z.B. nach einer durchzechten Nacht und zuviel Restalkohol im heiißen Blut).

    Ich hoffe, sollte dieser Fall eintreten, dass sich die USA dann einigermaßen verteidigen können.

    😉

    Dr. Dean

    30. Juli 2008 at 18:44

  17. Da fällt mir ein, dass ich mir selbst sofort widersprechen muss (ich bin in diesem Moment also fast wie Chavez):

    Die Wirtschaftspolitik von Chavez ist nicht (!) völlig uninteressant.

    Spannend sind z.B. die Initiativen im Bereich Urheberrecht. Ich denke, da könnte sich z.B. unsere Regierung einiges abgucken. Unter Chavez gelang es, die Arbeitslosigkeit zu halbieren. Das ist nicht einfach mit „Öl“ zu erklären.

    Das Modell, mit der stillgelegte Fabriken zu 50 % von den Arbeitern und zu 50% vom Staat übernommen werden, scheint z.B. überraschend gut zu funktionieren.

    (Google-Suchbegriff: cogestión)

    Eine wirkliche Meinung habe ich dazu allerdings noch nicht. Regelrecht witzig finde ich (jedenfalls im Moment), wie seine Regierung z.B. private Banken mit Verstaatlichungsdrohungen gefügig macht, wenn es darum geht, bestimmte Formen von Verbraucherschutz und Kundeninteressen durchzusetzen.

    So richtig reinrassig „sozialistisch“ ist das allerdings auch nicht, und ich schätze, diese vielen verdummten Chavez-Kritiker in den USA haben nicht einmal im Ansatz eine Idee darüber, worin der genaue Unterschied besteht. Der sogenannte „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ setzt überraschend stark auf Privatinitiative und Privatbesitz.

    Schlimmer noch: Sie wollen darüber nicht Bescheid wissen. Für sie ist nur interessant, ein möglichst bedrohliches und absurdes Bild eines sozialistischen Dikatotors aufzubauen.

    Tja. Und deren geistig schwerfälligen pseudo“liberalen“ deutschen Bloggerfreunde machen da ganz eifrig mit. Null Information, aber 100 % Propaganda. In diesen Kontext passt die Antisemitismus-Kampagne gegen Chavez.

    Dr. Dean

    30. Juli 2008 at 19:07

  18. @ momo u. T. Albert

    schaut mal in meinen ersten kommentar. ich hab auf eine Aussage von che2001 reagiert, die linken Antisemitismus in Südam. als Hirgespinste abtut. Kann man das Zitat anders verstehen, als als antisemitisch?

    @Dr. Dean

    der Unterscheid zw. OL und HC ist, dass HC ein bisschen mehr Öl und einen Putschversuch merh hinter sich hat. Ansonsten stimm ich dir zu, beides große Populisten .

    Cheers! 🙂

    fpk

    30. Juli 2008 at 19:13

  19. Is ja wieder ne witzige Diskussion hier.

    Klar wird auch wieder: das Kapital ist natürlich jüdisch. Steht zwar nicht im Zitat, aber auf deutsch denken wir das schon eine Weile, gell?

    Nee, ich wäre da erstmal nicht drauf gekommen. Beim zweiten Lesen schon, weil ich als Sozialist Antisemit bin; das definiert uns schliesslich mindestens seit 68. Mich stört nur, dass Christus vom Römischen Staat gekreuzigt wurde. Wüsste nicht, von wem sonst.

    T. Albert

    30. Juli 2008 at 20:28

  20. Das Bizarre an dem angeblich antisemitischen „Chavez-Zitat“ besteht darin, dass der Autor (eine andere Quelle gibt es dafür nicht), Travis Pantin, sogar sicher ist, dass eine antisemitische Deutung des Zitats falsch wäre:

    Chávez often speaks of Jesus Christ as the first true socialist, whose agenda he, like Bolívar before him, is fulfilling. In so doing he draws upon another Latin American trope, this one of more recent vintage. The “liberation theology” that emerged in Catholic circles in Brazil in the 1960’s provided a theological justification for radical social change; proponents of this quasi-Leninist doctrine use the phrase “Christ killers” to refer to the capitalists who allegedly block the fulfillment of their revolutionary vision. In this sense, Chávez’s Christmas 2004 speech, adroitly weaving together the teachings of liberation theology with local political history (…)

    Von, ähem, Informationsangeboten wie „Free Republick“ und „Daniel Pipes“ wurde allerdings diese Erklärung fortgelassen, um umso lauter vom angeblichen „Antisemitismus“ des Chavez zu reden.

    fpk, was lernen wir daraus?

    Dr. Dean

    30. Juli 2008 at 21:51

  21. ja, ich bin den quatsch langsam leid. anfangs wars ja irgendwie witzig, vor einigen jahren, als diese bedeutungs-umstellerei anfing. aber mittlerweile haben die immer unschuldig gewesenen und unschuldig sein werdenden derartig die geschichte verdreht, dass sie demnächst annuliert sein wird und das bekannte personal ihr mit völlig neuen rollen wieder entsteigen wird. trotzdem kommen die mir aus kindheit und jugend in westdeutschland und der schweiz merkwürdig bekannt vor: ich kannte in den sechzigern und siebzigern unter all den antikommunistischen, antisozialistischen, antiliberalen erwachsenen meiner umgebung fast nur antisemiten. ihre kinder und enkel schaffen es gerade, ihre antisemitische „leidenschaft“, wie sartre das nennt, ihren gegnern zuzuschreiben. jetzt sieht die welt ganz anders aus.

    T. Albert

    30. Juli 2008 at 23:01

  22. @ T. Albert

    Klar wird auch wieder: das Kapital ist natürlich jüdisch. Steht zwar nicht im Zitat, aber auf deutsch denken wir das schon eine Weile, gell?

    Ok. Nochmal ganz langsam zum mitschreiben. Das Zitat lautet: „The world has enough for everybody, but it happened that some minorities—the descendants of those who crucified Christ (…) took possession of the riches of the world.“

    Es geht also um einige Minderheiten, darunter eine, die Jesus gekreuzigt hat, und deren Nachfahren dann alle Besitztümer der Welt an sich gerissen hat.

    Wer könnte da wohl gemeint sein?

    Tip: die Templer sind nicht gemeint.

    Nochn Tip: Die katholische Kirche hat jahrhundertelang von den Juden als Christusmödrdern geredet und eine gängige antisemtische Verschwörungstheorie, die auch im christischen Antisemitismus fußt, besagt, dass die Juden über das Kapital/die Banken die Welt regieren.

    @ Dr. Dean

    Es mag ja sein, dass Christusmörder in der Befreiungstheologie Südamerikas zuerst für alle bösen Kapitalisten stand. Liegt es aber nicht vielleicht nahe, dass diese Bezeichung, weil ja von katholischen Priestern kommend, auch direkt aus dem christlischen Antisemitisums kommt? Nur son Gedanke.

    fpk

    31. Juli 2008 at 0:22

  23. Sorry, Dr. Dean, was lernen wir daraus? Keine Ahnung was du daraus lernst. Mir kommts so vor, als seien hier einige auf dem linken Auge blind. Nach dem Motto, was nicht sein darf, kann nicht sein.

    Nix für ungut.

    fpk

    31. Juli 2008 at 0:24

  24. @fpk:

    „Mir kommts so vor, als seien hier einige auf dem linken Auge blind. Nach dem Motto, was nicht sein darf, kann nicht sein.“

    Immer diese Copy & Paste-Versatzstücke. Wie lebt’s sich denn so damit, fpk?

    @T. Albert:

    „aber mittlerweile haben die immer unschuldig gewesenen und unschuldig sein werdenden derartig die geschichte verdreht, dass sie demnächst annuliert sein wird und das bekannte personal ihr mit völlig neuen rollen wieder entsteigen wird“

    ja 😦 …

    momorulez

    31. Juli 2008 at 8:22

  25. @momo

    Bestens. Danke der Nachfrage. 🙂

    fpk

    31. Juli 2008 at 10:15

  26. OK, dann zitiere ich mich mal selber:

    Der Antisemitismus in Südamerika
    Eine kurze Randbemerkung zum lateinamerikanischen Antisemitismus: die dortigen Gesellschaften sind teilweise von einem ausgeprägten Antisemitismus durchdrungen, der noch aus der Zeit der Konquistadoren stammt. Immerhin war die Spanische Inquisition das größte antisemitische Mordprogramm vor der Shoah. Antisemitische Denkstrukturen, die es im heutigen Spanien in dieser Form nicht mehr gibt, sind dort quasi konserviert worden, zumal die dortige missionierende Geistlichkeit geschlossen aus Dominikanern, Franziskanern und Jesuiten bestand.In Lateinamerika spricht man auch ein Spanisch, das dem Spanisch des 18. Jahrhunderts entspricht, alle Begriffe für Dinge, die nach 1800 erfunden worden, sind Lehnwörter aus dem US-Englisch. Ebenso sind Judenemanzipation und religiöse Liberalisierung Dinge, die an Lateinamerika vorbeigegangen sind, während der Antisemitismus der Nazis in Ländern wie Argentinien, Paraguay, Uruguay und Bolivien durch NS-Exilanten dort den katholischen Antijudaismus sozusagen „aufgefrischt“ und radikalisiert hat. Neben einer in breiten Volksschichten verankerten Judophobie und einem faschistischen Antisemitismus der politischen Rechten sind aber auch in der südamerikanischen Linken antisemitische Elemente vorhanden. Hier vermischen sich zwei Dinge: Einmal sieht der klassische Antiimperialismus die USA und Israel als zwei besonders aggressive imperialistische Vormächte an, Israel wegen des Besatzungsregimes in Palästina und der Frontstellung gegen die ursprünglich marxistische palästinensische Linke. Der Staat Israel gilt den Antiimps als Implantat US-amerikanischer Interessen in der arabischen Welt. Diese Wahrnehmung Israels ist verkürzt, blendet die Existenznotwendigkeit Israels aufgrund der Shoah aus, verknüpft, was eigentlich gar nicht antiimperialistisch und internationalistisch ist (Imperialismus ist ein Entwicklungsstadium des Kapitalismus und keine Frage von „Der Feind meines Feindes“ oder so) einen antiimperialistischen Anspruch mit der Weltsicht des arabischen Nationalismus, kurz, es ist ein Vulgär-Antiimperialismus, der antizionistisch ist, aber nicht antisemitisch im Sinne einer Rassentheorie oder von undifferenziertem Judenhass. Dazu kommt etwas völlig Anderes: In den US-Großstädten beschränkten sich in den 1920er und 1930 Jahren die großen, ethnisch bestimmten Gangstersyndikate nicht nur auf die italienische Cosa Nostra, sondern es gab weitere nach nationalen oder religiösen Merkmalen zusammengesetzte Mafiaverbände, vor allem eine irische und eine jüdische Mafia. Unter dem Batista-Regime auf Kuba lebten verschiedene Mafiafürsten, vom FBI geduldet, im kubanischen Exil. In dieser Zeit war Kuba das Bordell der USA. Einer der größten Zuhälter und Casinobesitzer dieser Zeit war der König der jüdischen Mafia, Meyer-Lanski, der zugleich als Finanzberater des Präsidenten fungierte. Der Kasmpf von Castro und Guevara richtete sich gleichzeitig gegen das faschistoide Regime und gegen die US-Mafia. Für den aktionsorientierten südamerikanischen Durchschnittslinken, der nicht unbedingt Marx gelesen hat, kommen diese beiden unterschiedlichen Ausgangspunkte zu Klischees zusammen, die Juden mit Mafia und US-Imperialismus gleichsetzen.

    Das ist ein anderer Antisemitismus als der religiös begründete Antijudaismus der Katholiken und der Rassismus der Rechten, aber es sollte nicht geleugnet werden, dass es ihn gibt. Ich finde es wichtig, dieses falsche Denken durch Aufklärung zu bekämpfen. Daraus abzuleiten, dass alle politischen Bewegungen, die mit diesem falschen Denken in Berührung kommen, in Bausch und Bogen zu bekämpfen seien, würde allerdings Solidarität mit in den Massen verankerten politischen Bewegungen in vielen lateinamerikanischen Ländern unmöglich machen. Deswegen muss man den Widerspruch schon aushalten, linke Volksbewegungen in Lateinamerika zu unterstützen und zugleich antisemitische Elemente, die sich dort immer wieder manifestieren, zu bekämpfen. Solidarität muss es aushalten können,kritisch zu sein und Widersprüche nicht immer lösen zu können.ommt

    Dazu kommt: In den 1970er und 80er Jahren leistete Israels Auslandsgeheimdienst Mossad Regimen wie der Somoza und DÁubuisson-Diktatur ganz konkret Folterhilfe, der Hubschrauberkrieg des guatemaltekischen Regimes gegen die Maya erfolgte mit israelischer Unterstützung. Zeitweise bildeten Israel, der südafrikanische Apartheidstaat und Pinochet-Chile so eine Art informellen Block der (aus UN-Sicht) Paria-Staaten, die sich gegenseitig Militär- und Geheimdiensthilfe gewährten. Das ist heute Geschichte, hat mit der aktuellen israelischen Poilitik nichts mehr zu tun, führt aber dazu, dass im Bewusstsein lateinamerikanischer, besonders mittelamerikanischer Linker Israel ein Feindstaat ist, der die Folterer und Peiniger im eigenen Land unterstützt hat, ganz ohne antisemitische Ideen im Hinterkopf.

    Schließlich die Chavez-Rede, die ich mit meinem Eingangskommentar gar nicht gemeint hatte: Das war eine Weihnachtsrede, in der Chavez einen Zusammenhang zwischen dem Kreuzestod Christi und dem Opfer Bolivars für ein sozial gerechteres Südamerika hergestellt hatte. Es ist mir nicht bekannt, dass die Oligarchen Lateinamerikas in der Spätphase der spanischen Kolonialherrschaft Juden gewesen wären (ihre allerjüdischste Majestät Isabella? Torquemada und die jüdische Inquisition?). Vielmehr griff Chavez damit die Mächtigen in der Welt generell an. Dass dies (s.O.) auf eine antisemitisch-antizionistische Matrix teilweise aufsetzt, ist eine andere Sache.

    che2001

    31. Juli 2008 at 10:16

  27. @fpk:

    Das ist schön! Das ist ja unser eigentliches Anliegen: Das alle Menschen gleichermaßen die Möglichkeit zum Glücklichsein ergreifen können, wenn sie wollen, aber nicht müssen – und das bei völligem Verzicht auf eine konkrete Vorstellung des Glücklichseins. So haben wir ganz im Pfadfinder-Geiste ja mal wieder ’ne gute Tat vollbracht 😉 …

    MomoRules

    31. Juli 2008 at 10:19

  28. @Che:

    Danke für die umfassende Aufklärung!

    MomoRules

    31. Juli 2008 at 10:23

  29. @ Che

    Auch meinerseits danke für die Aufklärung. Das linke Auge ist ja doch nicht so blind wie befürchtet, auch wenn ich trotzdem den Gang zum Optiker empfehlen würde. Eine gewisse Sehschäche scheint mir doch vorhanden.

    Vielleicht liegts an der Übersetzung und meinen nicht vorhandenen Spanischkenntnissen. Aber wenn da von einigen (sic!) Minoritäten die Rede ist, von einer, deren Vorfahren Jesus gekreuzigt haben und von einer anderen, die Bolivar auf dem Gewissen hat und ihn auf ihre ganz eigene Art und Weise gekreuzigt hat (merke, hier wird nochmal zwischen den Minoritäten unterschieden), dann brauchts doch einiges an dialektischen Verrenkungen, oder eben eine gewisse Sehschwäche (oder am besten beides), um hier nur die Oligarchen Lateinamerikas in der Spätphase der spanischen Kolonialherrschaft gemeint zu sehen.

    … but it happened that some minorities—the descendants of those who crucified Christ, the descendants of those who ejected Bolívar from here and who crucified him in their own way in Santa Marta, over in Colombia—took possession of the riches of the world. …

    Oder man kann einfach kein Englisch.

    Cheers!

    fpk

    31. Juli 2008 at 12:31

  30. Wer „kreuzigte“ denn Bolivar im 19.Jahrhundert? Die nachkolonialen Oligarchen Lateinamerikas oder die Juden?

    Wie gesagt, mir ist hingesichtlich des „Antisemitismus“-Vorwurfes, der sowohl von antideutschen Linken als auch Neoliberalen mit eher Neocon-Ausrichtung gegen südamerikanische Linke vorgebracht wird Chavez ziemlich egal. Um dessen Weihnachtsrede ging es mir nicht. Aber bitte, zu dem Thema:

    http://www.fair.org/index.php?page=2805

    che2001

    31. Juli 2008 at 12:55

  31. Der Artikel ist ein schönes Beispiel der Verrenkungen, die es bedarf, um hier keinen Antisemitismus zu sehen.

    Wer sind denn in der katholischen Tradition die Nachfahren derjenigen, die Jesus gekreuzigt haben? Und nochmal, erst spricht von Minoritäten. Plural.

    Aber seis drum.

    fpk

    31. Juli 2008 at 13:56

  32. Was Du Verrenkungen nennst, würde ich als Differenziertheit bezeichnen. Darum ging es mir aber gar nicht, sondern darum, dass bestimmte Kreise, oben genannt, die Wut südamerikanischer Campesinos auf die Großgrundbesitzer als „strukturellen Antisemitismus“ bezeichnen, die Israel-Skepsis bis -Ablehnung einer Generation lateinamerikanischer Linker, die israelische Spezialisten als Berater und Ausbilder südamerikanischer Henkersknechte erlebt haben für Antisemitismus halten und daraus dann einen allgemeinen Antisemitismus-Vorwurf gegen die lateinamerikanische Linke zimmern, bequem in Deutschland sitzend und nicht mit einem Hauch Begriff von lateinamerikanischer Wirklichkeit.

    Den Komplex habe ich oben geschildert, lies das vielleicht mal ohne Einbeziehung der Chavez-Rede.

    che2001

    31. Juli 2008 at 15:15

  33. was soll das immer, „deren Vorfahren Christus gekreuzigt haben“?

    Christus wurde von den Römischen MAchthabern, Besatzern, Kolonialherren, Oligarchen verurteilt und ermordet. Das steht so in meinem Neuen Testament.
    Was die eine „kath. Tradition“ angeht: ihrer gab es immer viele. Beispielsweise sagte Ignatius von Loyola mal, es wäre ihm eine Ehre, wenn er zum Volk Christi gehören würde – als Antwort auf diese Tradition.

    Auch Bolivar wurde nicht von Juden ermordet.

    Wenn das Wort „Minoritäten“ benutzt wird, muss ich automatisch „Juden“ denken?

    Jetzt will ich Dir mal was sagen: ich kenne immer noch Leute und „ihre Nachfahren“, die als Juden im Konzentrationslager ermordet werden sollten, ich kenne Nachfahren von Leuten, die als Juden und Kommunisten, „jüdische Bolschewisten“, ermordet werden sollten; ich kenne immer noch alte Leute, die danach in die Frankreich in die kommunistische Partei eingetreten sind, weil sie das als die naheliegendste Möglichkeit sich fürderhin zu schützen sahen; ich kenne Leute,deren Eltern in den zwanziger und dreissiger Jahren katholisch oder protestantisch wurden; es gab manche Leute, die in die DDR gegangen sind, nachdem sie den Massenmord überlebt hatten; ich kenne Leute, die darum familienweise in der KPF geblieben sind, obwohl sie mit deren Haltung zu vielem nicht einverstanden sein konnten, ich erinner mich daran, wie wichtig es für eine Freundin war, als vor zwei, drei Jahren Jaques Chirac eine Mitschuld und Mitverantwortung von Franzosen zum ersten Mal eingestand. Sarkozy hatte auch bei Linken, die als Juden gelten u. a. deswegen manche gute Karte, weil er der „Nachfahre von Minoritäten“ ist.

    So, und dann gibts die Bücher von Peter Weiss.

    Man kann über dieses Wort „Antisemit“ nicht mehr vernünftig diskutieren, seit sich alle möglichen Antisemiten seiner bemächtigt haben. Wahrscheinlich wird demnächst irgendjemand auch Reich-Ranicki zum Antisemiten erklären, weil er historisch-biographisch folgerichtig mal Kommunist war oder weil er
    irgendwann nicht mehr mit jedem reden mochte.

    ICh frage mich wirklich langsam, wie sehr das alles noch durchknallen soll.
    Dabei wäre es sehr einfach, wie ich mittlerweile kapiert habe: man unterlässt einfach jede Kapitalismuskritik oder auch schon marktradikale Politik, wie die alte Arbeiterpartei SPD sie betreibt. Dann kann man jeden Mist verzapfen, aber niemand nennt dich Antisemit.

    T. Albert

    31. Juli 2008 at 15:28


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