shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archive for August 2008

„Eine öffentliche Meinung gibt es nur dort, wo Ideen fehlen“ (Oscar Wilde)

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Written by momorulez

30. August 2008 at 17:31

Wohl wahr: Die Effekte wirtschaftsliberaler Sozialtechnologie

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„Manches wird von Hochschulen und Unternehmen der Jugend vorgeworfen, mangelnde Bildung, Disziplin, Durchhaltevermögen, aber niemals: Aufsässigkeit. Und wie auch? Die Praktikanten und Berufsanfänger akzeptieren bis zur Charakterlosigkeit jede Bedingung, jede eingespielte Dummheit, jede ethisch bedenkliche Praxis. Sie blicken aus Rehaugen, die sich nur manchmal melancholisch verschleiern, auf die raue Welt der Wirtschaft und Politik und scheinen den Schwur getan zu haben, so schnell wie möglich zum Haifisch zu werden, um auch dort zu überleben, wo es von Feinden wimmelt. Denn dass die Welt böse ist, die Berufswelt zumal, das halten sie für gewiss; man hat es ihnen oft genug gesagt. Die gesellschaftliche Großdebatte um Globalisierung und verschärfte Konkurrenz, um Standort und Wettbewerbsfähigkeit ist tief bis in die Psyche vorgedrungen, man könnte auch sagen, sie ist dort eingeschlagen wie ein Meteor und hat einen Krater hinterlassen, in dem alles Leichte und Hoffnungsvolle, alle Fantasie und alles Aufbegehren verschwunden sind.

(…)

Früher, gewiss noch vor zwanzig Jahren, hätte ein Jugendlicher schon das Ältliche gescheut, das dem Begriff anhaftet, das Magenkranke, von Konkursen und verzweifelten Bilanzfälschungen Bedrohte, aber heute leuchtet daraus wohl die letzte verbliebene Utopie: auch einmal selbst Chef sein, an der Spitze jener Hackordnung stehen, die für das Leben gehalten wird.

Wer oder was, um Himmels willen, hat den jungen Leuten das darwinistische Weltbild aufgeredet? Das Überleben der Stärksten allein? Hat sich etwas, was als ökonomisches Marktprinzip Sinn ergibt, zur Universalmetapher aufgeschwungen und alles Gnädig-Humane auf den Schrotthaufen der Illusionen befördert? Denn die jungen Leute glauben ja nicht, dass die Welt gut ist, wie sie ist. Nichts wäre falscher, als ihnen nachzusagen, sie seien unkritisch. Sie glauben aber auch nicht, dass sich die Welt zum Besseren verändern ließe, den privaten Raum vielleicht ausgenommen.“

 

 

Die Doppelmoral des Westens

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Im Augenblick ist überall zu hören, dass das scharfe Vorgehen Russlands völkerrechtswidrig und überhaupt nicht zu akzeptieren sei, und ganz besonders Frau Merkel lehnt sich dabei weit aus dem Fenster. Aber was ist eigentlich geschehen? Vor etwa 20 Jahren hatte Georgien sich mit Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker aus der Sowjetunion verabschiedet. Die nicht-georgischen Minderheiten im Land, besonders die Süd-Osseten, Abchasen und Russen wurden seither benachteiligt, so wurden etwa um 2000 massenhaft Russen in Georgien aus ihren Jobs entlassen, um Stellen für arbeitslose Georgier zu schaffen. Das Programm der NPD „deutsche Arbeit für Deutsche“, in Georgien ist Vergleichbares praktizierte Politik. Nachdem Georgien bislang 9 Kriege gegen seine nationalen Minderheiten geführt hat, griff bei den letzten Massakern der georgischen Armee an Südosseten Russland ein und erkannte in der Folge die Unabhängigkeitserklärungen von Süd-Ossetien und Abchasien an, die demselben Selbstbestimmungsrecht der Völker folgen wie die seinerzeitige Unabhängigkeitserklärung Georgiens. Das wird nun etwa von Bush und Merkel als Bruch des Völkerrechts betrachtet, da die territoriale Integrität Georgiens nicht angegriffen werden dürfe. Ach ja? Die Menschenrechte der Nicht-Georgier im bisherigen Georgien interessieren wohl ebensowenig wie die frühere territoriale Integrität Jugoslawiens, für die zur Durchsetzung der Selbstbestimmung der Kosovaren die NATO weit größere Zerstörungen durchgeführt hat als die russischen Streitkräfte jetzt.

Written by chezweitausendeins

27. August 2008 at 22:53

Lügt das Wall Street Journal?

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In der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftswoche wird auf einen Artikel im Wall Street Journal Bezug genommen, demzufolge die Analyse des russischen Truppenaufmarschs gegen Georgien ergäbe, dass die russische Armee mangelhaft gerüstet sei. Die noch in den 1970ern gefertigten T72-Panzer, die dort bisher zum Einsatz gekommen sind, verfügten über keinerlei Schutzvorrichtung gegen moderne Panzerabwehrraketen.
Daher sei davon auszugehen, dass demnächst Milliardenbeträge zur Verstärkung der Panzerungen ausgegeben würden, die hinsichtlich der zivilen Wirtschaftsentwicklung in Russland fehlen würden und deshalb negative Auswirkungen auf die russische Konjunktur erwarten ließen.
Nun besitzen einerseits die T72-Panzer hochfeste sog. Cobham-Panzerungen aus Mehrschichtmaterial, die seit den 1970ern nachgerüstet wurden, andererseits sah ich auf den Fernsehbildern zu besagtem Konflikt vor allem hochmoderne T80 und T90-Panzer, die vor Reaktivpanzerungen (externe Sprengladungen, die aufprallende Geschosse durch entgegengesetzte Explosionen neutralisieren) strotzen. Solche Panzer sind nur noch mit schwerer Artillerie oder speziellen Kampfhubschraubern oder Jagdbombern zu bekämpfen.

Die für jeden sichtbaren Fernsehbilder stehen also in völligem Gegensatz zur Aussage des Wall Street Journal, einer an und für sich hochseriösen Zeitschrift. Was hat das zu sagen? Peinlicher Redaktionsfehler oder bewusste Meinungsmache, wenn ja, zu welchem Zweck?

Written by chezweitausendeins

27. August 2008 at 22:23

In nuce: DGB=Mindestlohn=Hitler=DAF, oder wie der Schwachsinn sonst geht

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Mal zur Klarstellung für einige liberale und rechte Geschichtsphantasten. 

Die deutschen Gewerkschaften wurden am 2. Mai 1933 von den Nazis gewaltsam zerstört, was der Logik der Nazis nur entsprach. Es spricht für die Gewerkschaften. Dafür wurde die DAF gegründet. 

Hier steht das Nötige. 

Quelle:      http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/organisationen/daf/index.html

Deutsche Arbeitsfront (DAF)

Wenige Tage nach der Zerschlagung der Gewerkschaften wurde am 10. Mai 1933 die Deutsche Arbeitsfront (DAF) gegründet. Durch die „freiwillige, aber erwünschte“ Einheitsmitgliedschaft und die von ihr organisierten Aktivitäten ermöglichte es die DAF dem NS-Regime, die arbeitende Bevölkerung sowohl im Beruf als auch in der Freizeit zu kontrollieren und zu indoktrinieren.

Die DAF sollte als neue einheitliche Organisation „durch Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgemeinschaft, die dem Klassenkampfgedanken abgeschworen hat“ die Interessen „aller schaffenden Deutschen“ wahrnehmen. Diese Zwangsgemeinschaft von Arbeitnehmern und Arbeitgebern war mit 25 Millionen Mitgliedern im Jahr 1942 die größte Massenorganisation im Deutschen Reich. Ihr Reichsleiter Robert Ley versuchte mit einer Bürokratie von 44.000 hauptamtlichen und 1,3 Millionen ehrenamtlichen Mitarbeitern in nahezu alle Bereiche der nationalsozialistischen Wirtschafts- und Sozialpolitik einzudringen.

Die DAF war rechtlich ein der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) angeschlossener Verband, der gemäß dem Führerprinzip in Bezirke, Gaue, Kreise, Ortsgruppen, Betriebs-Gemeinschaften, Zellen und Blöcke hierarchisiert war. Unterhalb der Reichsleitung der DAF waren zehn Ämter für die unterschiedlichsten sozialpolitischen Belange und Aufgaben eingerichtet. Mit diesen Behörden gelang es der DAF, ihre Kompetenzforderungen zu untermauern, indem sie staatliche Behörden und Unternehmensleitungen mit ihren Maßstäben unter Druck setzte. In diesem Sinne handelte auch das „Amt für Berufserziehung und Betriebsführung“, das die Tätigkeit des Deutschen Instituts für technische Arbeitsschulung fortsetzte und eng mit dem Arbeitswissenschaftlichen Institut der DAF zusammenarbeitete. Daneben gab es das „Amt für soziale Selbstverantwortung“, das den Leistungskampf der deutschen Betriebe durchführte und damit an der Kürung von nationalsozialistischen Musterbetrieben beteiligt war. Es organisierte außerdem den Reichsberufswettbewerb. Das „Amt für Schönheit der Arbeit“ hatte dafür zu sorgen, daß die Arbeitsstätten pfleglich behandelt wurden und sozialhygienisch einwandfrei blieben.

Mit ihren Aktivitäten unterstützte die DAF den Gedanken der Volksgemeinschaft, wobei sie insbesondere auf die Integration der Arbeiterschaft abzielte. So sollte die Einführung von Werkpausenkonzerten den Arbeitern das Gefühl vermitteln, daß sie kein kulturelles Schattendasein führten. Die im November 1933 gegründete DAF-Organisation Kraft durch Freude (KdF) organisierte Freizeitaktivitäten und erreichte damit, daß der Zugang zu bisher bürgerlichen Privilegien wie dem Luxus des Reisens nun auch für Arbeiter erschwinglich wurde. Selbst die Anschaffung eines Autos rückte durch das Projekt des mit Anleihen finanzierten Volkswagens (VW), des sogenannten KdF-Wagens, in den Bereich des Möglichen. Auf den zum 1. Mai, dem „Tag der nationalen Arbeit“, stattfindenden Massenveranstaltungen wirkte die DAF bei der propagandistischen Selbstdarstellung des Regimes als „volksgemeinschaftlicher Arbeiterstaat“ mit.

Unbedeutend blieb die Rolle der DAF in Tarif- und Arbeitsvertragsfragen. Sie hatte nur beratende Funktion; die Tarifautonomie der Arbeitnehmer und Arbeitgeber war mit dem am 19. April 1933 erlassenen Gesetz über die Einsetzung von Treuhändern der Arbeit durch staatliche Zwangsregelung ersetzt worden.

Die DAF finanzierte sich mit dem beschlagnahmten Vermögen der Gewerkschaften, mit den vom Lohn abgezogenen Zwangsbeiträgen, die 1939 etwa 539 Millionen Reichsmark betrugen, und mit Gewinnen aus Wirtschaftsunternehmen, die der DAF gehörten oder an denen sie beteiligt war. Dazu gehörten Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaften, Bauunternehmen, Versicherungsgesellschaften, Banken, Verlags- und Druckereiunternehmen, Werften und das VW-Automobilwerk in Wolfsburg. Außerdem gehörte dazu das Gemeinschaftswerk der DAF, in dem 1939 rund 500 gewerbliche Betriebe aller Art und circa 14.000 Verkaufsstellen der früheren Konsumvereine zu einer Verkaufsorganisation zusammengeschlossen waren. Dies machte die DAF zu einem wichtigen Faktor des deutschen Wirtschaftslebens, der wesentlich bei der Umstellung der deutschen Wirtschaft auf die Kriegsproduktion im Rahmen des Vierjahresplans half.

(kw)

Written by talbert

27. August 2008 at 13:48

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

Whole Lotta Love: I’m a man

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Na, dann setze ich doch mal meinen Grundkurs in „den anderen Revolutionen“ für meinen autonomen Mitblogger fort 😉 :

„Die New Yorker Disco-DJs der ersten Stunde waren jung, schwul, langhaarig, und ihre Name endeten stets mit einem o. Sie legten fünfmal pro Woche nicht unter acht Stunden auf, jagten in der übrigen Zeit fieberhaft nach Platten und schliefen praktisch nie – auch dies eine (chemische) Wissenschaft, die sie zur Vollendung trieben, für die sie aber auch einen hohen Preis zahlten. Im Film begegnet man dem späten Steve D’Aquisto und Francis Grasso – Letzterer ein schlimmes Wrack, der um 69 in einem Club namens „The Sanctuary“ experimentelle Ideen und Zustände hatte wie: den Acapella-artigen Part von Led Zeppelins „Whole Lotta Love“ über das Percussionintro von Chicagos „I’m A Man“ zu mixen. In meiner Welt entspricht das ungefähr der Erfindung der Glühbirne.“

„Das freie Ausleben schwuler Sexualität wurde im Sanctuary gefeiert. Und diese hocherotische, hemmungslose Feier wurde zur Grundlange für Disco. Das sehnsüchtige Stöhnen der Donna Summer Jahre später war nur ein blasser Abklatsch der ungezügelten Sexualparktik in den ersten Disco-Clubs. Das Sanctuary funktionierte als erster Hort schwuler Militanz, denn bei den Tänzern in der Kriche hatte sich ein starkes Gefühl von Zusammengehörigkeit, gmeinsamer Stärke und Macht formiert. Als die Polizei immer öfter Razzien veranstaltete, schlug dieses Gefühl der Gemeinsamkeit um in Rebellion. Auf die Aufforderung Grossos, den Club für die Razzia zuverlassen, schrien die euphorisierten Massen: „Fuck you! Let the cops carry us out!“

Aber nicht wegen der vielen Drogen oder der blasphemischen Orgien wurde das Sanctuary schließlich geschlossen, sondern wegen Hunderten von Männern, die vor der Kirche warteten, miteinander flirteten, lachten, schrien oder – nach Angaben von Zeugen – in Hauseingängen Oralverkehr hatten. Im April 1972 ließ die Stadt das Santuary schließen.“

Ulf Poschardt, DJCulture, Reinbek bei Hamburg 1997, S. 112

Achtung, der Sound bei der zweiten Verlinkung ist äußerst grenzwertig, aber man bekommt eine Ahnung, wenn man in diese längst vergangenen Pionier-Zeiten hinein hört …

Written by momorulez

26. August 2008 at 20:31

Veröffentlicht in Pop, Von Sternen und Sternbildern

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Man soll ja …

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… nicht zu Themen bloggen, von denen man so gar keine Ahnung hat.

Bei anderen Themen habe ich ja zumeist wenigstens welche in homöopathischen Dosen (bevor jemand rumhöhnt: IN HOMÖOPATHISCHEN DOSEN!) – bei allem rund um den „Kaukasus-Krieg“ habe ich bisher jedoch lieber die Klappe gehalten, eher vermutend denn wissend, daß da keine Seite irgendwelche besonderen Sympathien verdient hat – wobei ich mit „Seite“ kein einziges der Opfer meine, denen Emphatie bei Kriegshandlungen grundsätzlich gilt, sondern die politisch Agierenden.

Nun gibt es ja die These von Foucault, Politik sei die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln, und in diesem Fall scheint sich das ja zu bewahrheiten.

Der Grund des Eintrages knüpft da eher an: Eine ganz ehrlich gemeinte Frage! Hat Genscher das damals im Falle Sloweniens und Kroatiens nicht auch gemacht, also die Anerkennung derer als unabhängige Staaten zu einem Zeitpunkt, als das völkerrechtlich alles andere als unumstritten war?

Written by momorulez

26. August 2008 at 15:12