shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Die „Doppelzüngigkeit der Staatsgläubigen“?

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Na, da fällt man ja doch vom Glauben ab – nicht von jenem an „den Staat“, weil der da gar nicht die Rolle spielt, die ihm zugewiesen wird -, daß einem solchen ja ganz spannenden Text nun ausgerechnet unsere Negative Freiheit-Apologeten aus dem liberalen Lager zujubeln.

Ganz, als hätten nicht gerade sie mit ihren verqueren Quantifizierungs- und „Platz da, hier komm ich und sonst niemand!“-Ideologien den Grundstein für jegliche Form der Entsolidarisierung gelegt. Vielleicht einfach flächendeckend die 35-Stunden-Woche einführen, dann hätte zumindest auch ich Zeit für ehrenamtliches Engagement. Haben trotzdem gerade versucht, einen Verein zu gründen, und sind bisher – tatsächlich – am Finanzamt gescheitert. Das meldet sich einfach nicht zurück.

Sowas wie Volxküchen und selbstorganiserte Veranstaltungszentren kenne ich so auch vor allem aus vermeindlich „staatsgläubigen“, linken Kreisen, ebenso wie die Grillfeste einst bei den SPD-Kumpels meines Vaters, der sich als Bürgermeister – ehrenamtlich plus Aufwandsentschädigung von 600 DM in den 70ern – persönlich um die Belange von Einwaderern aus Ghana und den Masuren kümmerte. Das hat ihn unter anderem seine Ehe gekostet.

Ja, damals wurden Kaninchenzüchtervereine, Lebenshilfe und Arbeiterwohlfahrt total uncool, das stimmt schon, aber das waren doch die Westerwelle-Vorläufer, die da mit ihren später in „Generation Golf“ zusammengefaßten Pamphleten dafür sorgten, daß sowas „out“ und stattdessen die Cocktail-Party und der V.I.P.-Bereich in Discotheken schwer angesagt wurde. Während Frau Thatcher unter großem Jubel die Gewerkschaften zerschlug.

Meine Schwester hat noch ’nen Dritte-Welt-Laden in der Schule organsiert, aber wat wurde sich über die „Ökos“ ereifert. Habe trotzdem, links durchideologisiert, wie ich immer schon war, meine Jugend unter anderem als Jugendgruppenleiter in der evangelischen Kriche, in einer „Selbstorganisation der Kriegsgegner“ sowie bei einer selbstorganisierten Stadtzeitung verbracht, wähend die ganzen Möchtegern-Yuppies sich bereits über „Sozialromantik“ echauffierten. Che wird noch ungleich mehr zu diesem Thema beitragen können.

Die freiwillige Feuerwehr macht sich in RTL2 – Privatfernsehen! – Reportagen auch nur dann sexy aus, wenn sie prollt, pöbelt und säuft vor laufender Kamera, und ansonsten bestätigen sich eher meine Vorurteile über die Strandburg-Eigenheim-Mentalität im Hamburger Speckgürtel, wenn ich bei Jan Filter lese.

Inmitten der Stadt wird nämlich z.B. sowas wie die Hamburger Tafel organisiert, was z.B. für Mindestrentner das nackte Überleben sichert, wie eine MDR-Reportage – staatliches Fernsehen – mir neulich drastisch vor Augen führte. Was alleine rund um den FC St. Pauli so los ist, das ist Ehrenamt in Reinkultur, und das, weil sich da klassisch soziademokratische mit autonomen Mentalitäten bündeln. Daß die Freiwillige Feuerwehr unter dem FDP-Klientel in den Walddörfern und an der Elbchaussee besonderer Popularität erfreuen würde, das ist mir auch nicht bekannt. Die haben sich allerdings mal sehr engagiert, als es darum ging, daß ein Asylbewerberheim ihnen den Elbblick versperren könnte – während das Pik As hier gleich um die Ecke wenig Reibung erzeugt.

Was alleine Benny, mit dem ich mich gleich treffe, auf die Beine gestellt hat im VIVA con Agua-Rahmen, das soll mal auch nur einer dieser pseudoliberalen Schwätzer nachmachen, während sie den Mindestlohn für bengalische Bettler verhindern wollen.

Gerade Mittwoch abend in einem Konzert gewesen bei traditionell linken Freunden, die seit über 20 Jahren ermöglichen, daß Bands jenseits des überteuerten Konzertmarktes trotzdem eine Bühne finden. Und das inmitten eines mittlerweile umzingelten Filetstücks des Hamburger Immobilienmarktes, das ist wie ein Biotop inmitten stärkerer, kommerzieller Gegner. Gerade ist einem Hotelbau mal wieder ein Freilichtkino zum Opfer gefallen.

Mein ebenso weit links stehender Schwager, gelernter Ergo-Therapeut, bastelt und spielt unendgeltlich im Dorfgemeinschaftshaus bei Göttingen nachmittagelang mit den dortigen Heranwachsenden, auch, damit diese nicht Nazis werden. Aber wahrscheinlich kauft das Dorfgemeinschaftshaus irgendwann ein Investor und macht daraus ein schickes Ausflugslokal für Göttinger FDP-Mitglieder ….

PS: Ich gehe auch zu einem verhältnismäßig teueren Frisör (26 Euro), gebe dort relativ viel Trinkgeld für die Azubis (4 Euro, ist allerdings vielleicht wirklich zu wenig) und kaufe „Bioland“-Milch bei Edeka. Ja, ich kann’s mir aktuell auch leisten, Herr Filter. Hätte ich Kinder, ginge das schon nicht mehr.
Mit dem totalisiert nutzenmaximierenden Individuum unserer liberalen Gegenüber hat ein solches Verhalten allerdings in der Tat einen Scheißdreck zu tun.

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Written by momorulez

1. August 2008 um 8:57

52 Antworten

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  1. Wie ich schon bei Jan drüben gesagt habe, halte ich seine Erklärung für das schrumpfende bürgerschaftliche Engagement für zu monokausal. Ich nehme an, dass zwei Faktoren eine Rolle spielen. Zum einen die zunehmende Kommerzialisierung unseres täglichen Leben

    freiburgerthesen

    1. August 2008 at 10:19

  2. Huch, fehlt da was? Ich halte es ja für multikausal, ansonsten aber plausibel, für bestimmte staatliche Aufgaben auch Steuern zu bezahlen. Umgekehrt glaube ich aber tatsächlich, daß z.B. dieser berühmte „3. Sektor“ in den USA z.B. wirklich ausgeprägter ist, weil Staat weniger mitmischt. Da kann sich nur ein Boche schlecht auf die Fahne schreiben, und in der Tat wurden hier auch aus reinen Hipness-Gründen ganz coole Strukturen zerdeppert …

    momorulez

    1. August 2008 at 10:23

  3. Wie ich schon bei Jan drüben gesagt habe, halte ich seine Erklärung für das schrumpfende bürgerschaftliche Engagement für zu monokausal. Ich nehme an, dass zwei Faktoren eine Rolle spielen. Zum einen die zunehmende Kommerzialisierung unseres täglichen Lebens, die dazu führt, dass für viele Leute eine Leistung ohne Gegenleistung (bevorzugt monetärer Art) gar nicht mehr vorstellbar ist, zum anderen aber der TEAM-Effekt (Toll, Ein Anderer Macht’s), der in vielen Bereichen eben auch mit dem Staat zu tun hat, der sich zu viele Aufgaben aufbürdet, die man auch in privatem Engagement lösen könnte.
    Das wird aber wohl nicht durch Menschen wie die ausgelöst, die Du in Deinem Artikel erwähnst, sondern eher durch Politiker, die ständig und überall den Eindruck erwecken wollen, sie kümmerten sich.

    Aber nebenbei gesagt, kenne ich auch genug Leute, die sich über die niedrigen Löhne beklagen – trotzdem aber alle Produkte so preiswert wie möglich einkaufen, mit dem Hinweis, dass sie sonst ihren Lebensstandard reduzieren müssten. Gleichzeitig fordern sie aber, der Staat solle etwas unternehmen, um die Löhne zu erhöhen. Nur sie darf es nicht kosten. Diesen Vorwurf solltest Du vielleicht mal nicht persönlich nehmen oder nach Parteizugehörigkeiten abarbeiten, sondern lieber in der weitgehend unpolitischen Bevölkerung überprüfen.

    freiburgerthesen

    1. August 2008 at 10:24

  4. Da fehlte der Großteil des Kommentars. Hatte vergessen, mein Touchpad abzuschalten, das entwickelt immer ein Eigenleben… 😉

    freiburgerthesen

    1. August 2008 at 10:26

  5. Ich sags ja, ich komme bei diesen ganzen Diskussionen nicht mehr mit. Die leben alle in irgendeiner anderen Welt
    Und in der scheint es ehrenamtliche und freiwillige unbezahlte Arbeit nicht zu geben.

    T. Albert

    1. August 2008 at 10:30

  6. „trotzdem aber alle Produkte so preiswert wie möglich einkaufen, mit dem Hinweis, dass sie sonst ihren Lebensstandard reduzieren müssten. Gleichzeitig fordern sie aber, der Staat solle etwas unternehmen, um die Löhne zu erhöhen. Nur sie darf es nicht kosten.“

    Hat aber auch zwei Seiten. Viele könnten sich mehr schlicht nicht leisten.

    Umgekehrt habe ich aber auch gerade gelesen – ist allerdings ’ne Addidas-Selbstauskunft -, daß ein Sportschuh von deren Qualität, würde er hier hergestellt, 500 Euro kosten würde.

    Und da komme ich dann zumindest in’s Grübeln, ob nicht zwei Polo-Shirts in meinem Schrank, dafür aber „fairer“ produziert als dieser Made in China-Kram, auch reichen würden. Würde den Chinesen allerdings auch nicht helfen. Aber dafür gäbe es vielleicht wieder Schuster.

    momorulez

    1. August 2008 at 11:58

  7. Ich habe in dem Artikel „verschiwiegen“, dass es auch leuchtende Ausnahmen von den von mir geschilderten Verhaltensweisen geben mag – mir sind persönlich allerdings auch ganz ehrlich keine bekannt. Und solche Artikel entstehen in der Regel aufgrund persönlicher Erfahrungen.

    Das auch bürokratische Hürden soziales Engagement behindern können, habe ich angesprochen. Bin ich in diesem Artikel nicht weiter drauf eingegangen aber halte ich trotzdem für einen Missstand.

    Für mich sind Links sein und staatsgläubig sein nicht zwangsläufig das selbe, erlebe aber, dass in der Realität fast immer beides gleichzeitig an den Tag gelegt wird.

    Ich glaube es bringt wenig, zusammenzuzählen wie intensiv und wie effizient sich Linke engagieren und dass dann gegen den Rest aufzurechnen. Darum gings mir jedenfalls nicht. Wenn sich wer engagiert ist das Klasse. Aber die meisten, die in meiner Umgebung von mangelnder Solidarität reden und überall soziale Ungerechtigkeiten wittern, verhalten sich eben ganz anders, als sie reden. Tun gar nichts, obwohl sie sich das leisten könnten.

    Ich gehöre nicht zur „Generation Golf“, glaube ich jedenfalls und ich komme auch nicht aus einer übermäßig wohlhabenden Familie. Dass ich im Hamburger Speckgürtel wohne hat damit zu tun, dass meine Urgroßeltern hier vor dem Krieg irgendwann mal hergezoge sind und die Familie seitdem eben hier wohnt.

    Ich habe auch gar keine Probleme damit, wenn sich jemand nun partout nicht engagieren will. Aber dann soll er bitteschön nicht nach dem Staat rufen, der dann irgendwelche sozialen Ungerechtigkeiten lösen soll.

    Um diese Doppelmoral geht es mir und die ist vorhanden.

    Zur angeblichen „Strandburg-Mentalität“: Ich weiß nicht, wie das andernorts aussieht aber bei uns wird immerhin versucht, Neubürger zu integrieren. Es sollte kein Vorwurf sein, dass viele neu zugezogene zuerst nicht drüber nachdenken, dass Feuerwehren bei uns quasi private Veranstaltungen sind und sich dann über horrende Rechnungen wundern, wenn sie sie wegen eines überlaufenden Gullideckels rufen (die ist nicht aus Bösartigkeit horrend hoch, sondern weil bei jedem Mist Vollalarm gegeben wird und man statt einer kleinen Fachfirma mit 2 Leuten plötzlich 20-30 Feuerwehrleute bei sich rumstehen hat, die dafür zwar kein Geld nehmen, die Stadt aber sehr wohl).

    Da man sich aufgrund regelmäßiger Veranstaltungen mit jedem Neubürger (der sich nicht verkriecht) öfter im Jahr trifft, haut das bei uns recht gut hin, dass auch Menschen von anderswo sich schnell wohl fühlen – jedenfalls wenn sie die ihrerseits bestehenden Vorurteile überbrückt kriegen. Ich räume aber ein, dass das anderswo anders aussehen mag.

    Es ging mir auch nicht darum, mit irgendwelchen Vorurteilen um mich zu werfen. Mir ist erstmal scheißegal, aus welchen Motiven jemand irgendwas tut. Bei uns gibts nur schlicht so gut wie keine engagierten Linken – kann ich nix zu. Was in und um St. Pauli los ist, finde ich gut und richtig (wenn nicht grade für die Rote Hilfe oder irgendwelche zwielichtigen Revolutionäre in anderen Ländern gesammelt wird, was ich auch schon erlebt habe).

    Ich weiß auch nicht, ob die Elbchaussee eine freiwillige Feuerwehr hat. Wir haben im Ort mindestens zwei Menschen, die man als „reich“ bezeichnen muss. Beide sind selbstverständlich in der Feuerwehr (nicht aktiv, aber zahlend – was ja auch in Ordnung ist).

    Ich finde es schade, dass mein Artikel scheinbar (jedenfalls hier) einseitiger rüberkommt, als er gemeint war. Es ist doch zum Beispiel bekannt, dass auch genug Menschen mit richtig Kohle bei Aldi kaufen gehen. Das sind dann aber die gleichen, die die sich Samstag bei der Pool-/Grillparty über die Armut in Deutschland echauffieren und wie schlecht es den Milchbauern geht und so weiter und so fort. Auch solche Leute betrachten sich mitunter als Links aber das Selbstverständnis tatenloser Nörgler ist mir herzlich egal. ich finde nur falsch, dass IMMER erst der Staat gerufen wird und viel zu wenige (etliche Ausnahmen hast du genannt, ich könnte aus meinem Umfeld auch einige weitere nennen) sich selber Gedanken machen.

    Immerhin hast du mich mit deinem Hinweis auf diese VIVA-con-Aqua-Sache doch etwas neugierig gemacht. War mir bisher zwar nicht weiter bekannt, kam mir aber trotzdem bekannt vor, weil ein Musikfestival, dass ich kommendes Wochenende besuchen werde mit denen kooperiert.

    Zu deinem PS: Soll ich das so verstehen, das du dir mit Frisörmindestlohn und per Gesetz hochgeregelten Milchpreisen Kinder nicht leisten könntest?

    Jan

    1. August 2008 at 12:29

  8. „Aber nebenbei gesagt, kenne ich auch genug Leute, die sich über die niedrigen Löhne beklagen – trotzdem aber alle Produkte so preiswert wie möglich einkaufen, mit dem Hinweis, dass sie sonst ihren Lebensstandard reduzieren müssten. Gleichzeitig fordern sie aber, der Staat solle etwas unternehmen, um die Löhne zu erhöhen. Nur sie darf es nicht kosten.“

    momorulez‘ Einwand habe ich zwar auch, aber sonst sehe ich das auch so. Wenn ich aus der Schweiz nach Deutschland komme, und ich fahre immer mit der Bahn, d. h. von Stadtzentrum zu Stadtzentrum, dann sieht Deutschland mittlerweile in Teilen ziemlich schlimm aus und viele Menschen auch. Mittlerweile, weil das vor 10 Jahren noch nicht so war, als die geiler-Geiz-Ideologie noch nicht so gegriffen hatte.

    Wenn in der Schweiz Steuersenkungen und die Senkiung der Lebensmittelpreise von Bundesräten eingefordert wird und staatlicherseits durchgesetzt werden sollen, dann verheisst das auch nichts Gutes bezügl. der Löhne, Renten-und Sozialsysteme.

    T. Albert

    1. August 2008 at 12:35

  9. @Jan:

    Danke für die ausführliche Antwort!

    Was mich ja antrieb, war auch unter anderem, daß in einschlägig bekannten liberalen Blogs Deine Ausführungen als Bestätigung eigener Positionen aufgenommen wurde, was ich für absurd halte.

    Weil es meiner Ansicht nach schon viel mit dem „neoliberalen Zeitgeist“ zu tuen hat, der ja mittlerweile abgeflaut ist, daß – tatsächlich oft auch in linken Mileus, aber auch in konservativen, sowas wie katholische Caritas schätze ich sehr – solidarische Binnenstrukturen auf regionalem Niveau zugrundegingen, und auf großstädtischer Ebene hat das auch viel mit der Privatisierung und dem Rückzug der Gemeinden/Bezirke aus dem öffentlichen Raum zu tun. Die Unterordnung von soldarischen Strukturen unter Investoreninteressen, sozusagen, und zur Kompensation gibt es dann aufgeplusterte Mega-Events.

    Im Rahmen dieses sich linkspolitisch verstehenden Blogs ist es mir zudem immer sehr wichtig, daß diese Indentifikation von links mit Staat sich zumindest mit meinen Erfahrungen nicht deckt, bin selbst in einer ganz außerordentlich ausgeprägten Staatsskepsis sozialisiert. Und gerade diese regionalen Binnensolidaritäten waren für mich immer unverzichtbarer Kern aller linken Projekte.

    Daß es auch diese linken Schwätzer und wohlhabenden Aldi-Einkäufer gibt, das sei ja voll zugestanden, Dein Text war mir sehr sympathisch, weil wir das grundsätzliche Anliegen im Grunde genommen teilen.

    Und wie’s nun genau in Winsen ausschaut, das weiß ich ja gar nicht … fühle mich nur immer erstaunlich fremd in diesen Städten, wenn ich da mal bin, irgendwie kontrolliert, kann aber ’ne indiviudelle Macke sein. Glaube aber voll und ganz, daß gerade in solchen Städten auch viel Offenheit herrscht.

    „Soll ich das so verstehen, das du dir mit Frisörmindestlohn und per Gesetz hochgeregelten Milchpreisen Kinder nicht leisten könntest?“

    Müßte ich mal durchrechnen, könnte aber tatsächlich sein.

    Für mich leitet das aber dann eher zur Einkommensverteilung im Unternehmen über, bei dem ich noch arbeite: Wenn ich die Relation der Vorstands- und Geschäftsführer-Gehälter zu meinem betrachte (bin sowas wie ein leitender Angestellter), dann gibt es dafür rein gar keine Legitimation mehr. Und da anzusetzen, das finde ich schon richtig.

    Bin deshalb jetzt aber auch dabei, mich selbstständig zu machen, hoffentlich klappt es. Und hoffentlich gelingt es mir dann, anders zu agieren … und daß ich Dich für Viva con Agua interessiert habe, das freut mich!!!

    momorulez

    1. August 2008 at 12:52

  10. @momorulez/T.Albert:
    Nun muss ich natürlich zugeben, dass ich auch hauptsächlich nach dem Preis einkaufe; da unterscheide ich mich kaum von denen, die ich kritisiere. Allerdings sehe ich das Hauptproblem sowieso in der Konkurrenz durch Billigstlöhne in Staaten, in denen von Sozialsystemen, Arbeitsschutz und Gewerkschaften noch nie etwas zu hören war. Das ist meiner Ansicht nach der Ort, wo anzusetzen wäre; alle anderen Maßnahmen werden entweder völlig verpuffen oder lediglich ein kleiner Tropfen auf einem großen, glühenden Stein sein.
    Und man darf auch nicht übersehen, dass es nur ein kleiner Schritt ist von „Kauft nur regional hergestellte Lebensmittel“ zu „Deutsche, kauft nur bei Deutschen“.

    freiburgerthesen

    1. August 2008 at 14:21

  11. „Und man darf auch nicht übersehen, dass es nur ein kleiner Schritt ist von “Kauft nur regional hergestellte Lebensmittel” zu “Deutsche, kauft nur bei Deutschen”.“

    Nö. Zum einen hieße das auch, daß mir dänische Produkte näher sind als bayrische – Dir eben solche aus Holland und Belgien näher als jene aus Dresden. Problematisch wird’s allerdings, wenn’s um die Öffnung des europäischen Marktes für afrikanische Produkte z.B. geht, aber da hat vielleicht auch lieber mal die Stärkung der dortigen Binnenstruktur Vorrang, damit die nicht weiter dort mit hochsubventionierten Hühnerersatzteilen überschwemmt werden.

    Zu anderen gibt’s dafür ja noch andere Gründe wie z.B. weniger Transportierei und somit weniger Rohstoffverbrauch und Umweltbelastung.

    Was dann allerdings beim Krabbenpulen in Algerien ad absurdum geführt wird. Auch, wenn – wie in meinem Fall – Gemüse aus aus den Marsch- und Vierlande kommend deklariert wird (die kennt Jan auch 😉 ), ich es gezielt kaufe, und dann isses doch aus Holland oder Spanien. Weiß auch nicht, ob das alles nur Gerüchte sind, oder ob’s stimmt.

    Zum anderen finde ich tatsächlich – siehe oben -, daß die Kritik der „Wegwerfgesellschaft“, die früher mal gab, auch nicht nur doof ist, aber irgendwie vom Tisch. Vielleicht – mal in’s konservative Horn stoßend – ist ja sowas wie die Wertschätzung von Dingen und der Arbeitskraft, die drinsteckt, auch mal wieder ’n Trend wert.

    Und wären die Leute nicht in ihrer Freizeit ständig am Schnäppchenjagen, dann hätten sie auch wieder Zeit für ehrenamtliche Arbeit 😉 …

    momorulez

    1. August 2008 at 14:56

  12. Und wären die Leute nicht in ihrer Freizeit ständig am Schnäppchenjagen, dann hätten sie auch wieder Zeit für ehrenamtliche Arbeit

    Der ist ja schon wieder so blöd, dass er gut ist. 🙂

    Zu den regional hergestellten Lebensmitteln hier eine Leseempfehlung (kein Link), die meine Befürchtungen illustrieren soll:

    worldwideweb————npd-flensburg.de/index.php?de=1&pfad=23&id=30

    Für die mit ihrer „Raumorientierten Volkswirtschaft“ ist das eine Traumvorlage.

    freiburgerthesen

    1. August 2008 at 16:01

  13. Jedenfalls sollte es eigentlich kein Link sein. 😦

    freiburgerthesen

    1. August 2008 at 16:06

  14. Das korrigier ich auch prompt, auf sowat linken wir ja allesamt nicht …

    momorulez

    1. August 2008 at 16:10

  15. Ich finde das ja eher erstaunlich, daß die sich so weit auf diese Felder – buchstäblich – begeben, die Braunen.

    Aber kann denn das ein Gegenargument sein, das die sowas irgendwo abschreiben?

    Das mit der EU-Diktatur könnte ja ebenso gut in manch liberalem Blog stehen, und über legitimatorische Defizite im Fall der EU kann man sich ja auch ohne diese drastische Wortwahl sich aufregen auch dann, wenn die’s auch tuen. Oder?

    momorulez

    1. August 2008 at 16:20

  16. Danke für die Korrektur. Ich halte diese politische Richtung zwar unter Beobachtung (was auch heißt, dass ich relativ oft ihre Webseiten besuche), aber Werbung machen möchte ich für die Herrschaften dann doch nicht.

    Dass „die Braunen“ sich dorthin begeben, halte ich nicht für so erstaunlich. Man darf nicht vergessen, dass es sich bei deren politischen Ideen nicht etwa nur um das stammelnde Gefasel von Irren handelt, sondern dass schon ein geschlossenes und durchdachtes ideologisches System dahintersteht. Insofern halte ich „abschreiben“ auch für falsch, ebenso, wie bei den sozialen Forderungen der Rechtsextremen: All das passt völlig in ihre Ideologie, das brauchen sie nicht abschreiben. Sie stellen eben nur die Teile ihres Denkens in den Vordergrund, die gerade „en vogue“ sind.

    Ökologie und der Schutz der Natur (des Bodens aus „Blut und Boden“ gehörten durchaus auch zur Nazi-Ideologie. Und das „regionale Wirtschaften“ sowie die Globalisierungskritik in ihren radikaleren Formen passen sehr gut zu nationalsozialistischen Autarkievorstellungen. Insofern ist das kein „kopieren“, sondern nur eine Verschiebung des Fokus in der Außendarstellung.

    Im Gegenteil, es nur stumpf als „kopieren“ abzutun, hilft den rechten Ideologen sogar, weil sie den Jugendlichen, die sie beeindrucken wollen, leicht nachweisen können, dass diese Themen von Anfang an Teil der Nazi-Ideologie waren; schnell ist der Spieß umgekehrt, und die Linken kopieren nur alte Wahrheiten der Faschisten.

    Der Grund für mich, das überhaupt anzusprechen, sind einige Öko-Bewegte, deren Argumentation für regionales Wirtschaften auch und vor allem darauf beruht, dass man sich ja nicht von den bösen Chinesen (oder wem auch immer) die Arbeitsplätze und von den bösen Konzernen aus Amerika die Natur kaputt machen lassen wolle. Oft wird hier noch eine Verschwörung eingefügt, und schon klingt es mehr rechts als links…

    freiburgerthesen

    1. August 2008 at 17:02

  17. @ momorulez

    Genau genommen wohne ich sogar in der Marsch, wo deine Sachen her kommen. Sofern drauf steht, dass das von hier ist, würd ich doch mal sagen, dass man das auch glauben kann. Immerhin isses ein gewaltiges Obstanbaugebiet. Was es in unseren Aldiläden gibt, das kommt meistens von hier. Das weiß ich ziemlich genau, weil mein Bruder zeitweise den LKW fährt, der das Obst dahin bringt.

    Was man auf den Wochenmärkten bei den Bauern so kaufen kann ist dagegen häufig vom Hamburger Großmarkt und darum zwar oft auch aus der Gegend, aber eben nicht zwangsläufig. Da sollte man im Zweifel lieber nachfragen, wenn einem dass wichtig ist (bei Aldi natürlich auch, auch da ist es nie sicher, Lieferungen können ja aus vielfältigen Gründen auch mal von anderswo kommen).

    Jan

    1. August 2008 at 17:16

  18. Oh, ich sollte noch nachtragen:

    Natürlich ist die Tatsache, dass auch die Nazis bestimmte Forderungen erheben, kein Argument gegen diese Forderungen. Sondern lediglich für Vorsicht in der Art und Weise, wie sie formuliert und in welcher Schärfe sie propagiert werden. Und vor allem für die Wahl der Argumente, die man für sie verwendet.

    Wobei ich annehme, dass die regionalen Lebensmittel mit steigenden Energiepreisen ohnehin auch preislich wieder attraktiv werden könnten.

    freiburgerthesen

    1. August 2008 at 17:58

  19. @ Jan

    Aber die meisten, die in meiner Umgebung von mangelnder Solidarität reden und überall soziale Ungerechtigkeiten wittern, verhalten sich eben ganz anders, als sie reden. Tun gar nichts, obwohl sie sich das leisten könnten.

    Aber die meisten, die in meiner Umgebung Solidarität lachhaft finden und das Reden über soziale Ungerechtigkeiten ablehnen, tun selber gar nichts, obwohl sie sich das leisten könnten.

    Ich denke, dass die Bereitschaft zum Ehrenamt zunächst ein typisches Mittelschicht-Phänomen ist, und falls man an diesem Punkt zwischen unterschiedlichen politischen Lagern trennen wollte (ähem: macht das Sinn?), dann wird man schnell herausfinden, dass rechtsbürgerliche Yuppies in Sachen Ehremamt zumeist sehr zurückhaltend agieren, und falls überhaupt, dann eher, um sich über dusslige und in Ehrenämtern tätige „Gutmenschen“ aufzuregen.

    Momorulez Hinweis darauf, dass sich bei linken politischen Aktivisten ziemlich viel ehrenamtliche Tätigkeit findet, kann ich bestätigen, sogar auch dann, wenn es sich nicht um typische Mittelschichtsvertreter handelt.

    Es gibt da tatsächlich so etwas wie ein „soziales Gewissen“ und ein Gefühl, Schwächeren gegenüber verpflichtet zu sein. Bei Rechtsbürgerlichen geht die Tendenz m.E. eher in Richtung von Kunst und Galeriekrams, auch zur Gewinnung eines sozialen Distinktionsgewinns.

    Ich denke, aber, dass dieses Hauen auf den politischen Standort eher daneben ist. Bei denen, die ehrenamtlich tätig sind, findet man i.d.R. das ganze Spektrum an politischen Überzeugungen in der Bevölerung.

    In Sozialprojekten dominieren allerdings linke Haltungen, wobei nach meinen Erfahrungen die im Ehrenamt gewonnenen Erfahrungen nicht einmal selten zu einem politischen Bewusstseinswandel geführt haben.

    Ich bin mir also nicht so sonderlich sicher, ob es strategisch klug ist von rechtslibertären und rechtsbürgerlichen Bloggern, allzu lange und allzu intensiv über Ehrenämter mit sozialer Zielrichtung zu sprechen.

    Der Schuss könnte nach hinten los gehen. So schön und scheinplausibel es sich auch anhören mag, die ideologische Behauptung, dass „weniger Staat“* automatisch in „mehr Ehrenamt“ münden würde.

    Da könnte man z.B. mal nach Chile und Somalia schauen, ob das stimmt. Unter Pinochet wurde auch ein guter Teil der Zivilgesellschaft zerschlagen. Oder prüfen, ob es während des „sozialistischen“ New Deal in den USA deutlich weniger Ehrenamt gab.

    Die Antwort wird hier nicht so ausfallen, wie Rechts- bzw. Marktlibertäre hoffen. So einfach ist es dann wohl doch nicht.

    Es könnte sogar so sein, dass ein breiter gesellschaftlicher Wohlstand eine gute Voraussetzung für das Ehrenamt darstellt.

    * Nebenfrage: Was soll das eigentlich genau sein, „weniger Staat„? Neuseeland wird seit sehr vielen Jahren links regiert, hat eine niedrige Staatsquote, und die Bürger sind zufrieden. So in etwa, diese Richtung? Oder besser wie Großbritannien, das allerdings sogar eine höhere Staatsquote als Deutschland hat? Wie jetzt genau? Während der neoliberalen Phase in Neuseeland stagnierte die Wirtschaft (alles in allem, im Vergleich zu anderen OECD-Staaten), Sozialstrukturen wurden massiv zerschlagen, und auch die ehrenamtliche Tätigkeit ging stark zurück. Die linken Regierungen danach brachten Neuseeland wieder zum Blühen, übrigens auch in Sachen Ehrenamt.

    Wie sind da nochmal die Zusammenhänge?

    Weniger Staat = ganz viel supi-dupi Ehrenamt?

    Ich fürchte, diese These taugt nicht viel.

    Dr. Dean

    1. August 2008 at 18:33

  20. @ Dr. Dean

    Zunächst zur Nebenfrage: Ohne das jetzt tiefergehend analysiert zu haben bin ich für Neuseeland. Ob ne Regierung sich als Links, Rechts oder sonstwas betrachtet ist mir herzlich egal, solange das Ergebnis stimmt und mit einem Links, dass nicht zur bedingungsloser Staatsgläubigkeit führt, kann ich mich ausgesprochen gut identifizieren.

    Aber der Kern meines Artikels war nicht das Ehrenamt. Und es ist mir auch ziemlich egal, ob soziales Engagement die Menschen links werden lässt oder nicht.

    Mir ging und geht es einzig und allein um die Sorte Menschen, die sich hinstellen und soziale Schieflagen aller Art beklagen, denen aber nichts einfällt als nach dem Staat zu rufen. Nicht mehr und nicht weniger.

    Jan

    1. August 2008 at 18:43

  21. Mir ging und geht es einzig und allein um die Sorte Menschen, die sich hinstellen und soziale Schieflagen aller Art beklagen, denen aber nichts einfällt als nach dem Staat zu rufen.

    Okay, Jan, es ging dir nur um einen intelligenten Ansatz fürs Linken-Bashing. Verstanden.

    Und was ist dann mit den Menschen, die sogar noch dafür zu abgestumpft sind, um überhaupt noch über Ungerechtigkeiten, soziale Schieflagen und mangelnde Solidarität zu sprechen?

    ==> Ist es bei denen dann also okay – im Gegensatz zu linksorientierten Bürgern – wenn diese sich für nichts engagieren?

    Jan, du stehst ja mit deinen Argumentationen nicht allein da, außerdem hat dein Artikel in der rechtslibertären Blogoshäre für ein ordentliches Hallo gesorgt, aber ich glaube euer „Liberalismus“ hat es sich verdient, dass er ab und an nur in Anführungsstrichen geschrieben wird. Ich finde es sogar etwas unappetitlich, ausgerechnet das Thema Ehrenamt zum Linken-Bashing zu nutzen.

    Und ehrlich: Ich finde deinen Artikel zwar geschicht, aber in seiner Grundhaltung und seinem Inhalt nach, nun: doch etwas arm an Substanz.

    Sorry. Next time better.

    Dr. Dean

    1. August 2008 at 19:10

  22. @Momorules: Für mich staatsgläubigen Linken sah das so aus, dass wir Straßenfeste mit Bierausschank, Felafel- und Dönerständen und Bücherverkauf veranstalteten, um den Erlös, was die Kuriere, zu denen ich nicht gehörte anging, an den staatlichen Organen vorbei in der Unterwäsche versteckt nach Kurdistan zu schmuggeln, um davon zerbombte Schulen und Brücken wiederaufzubauen. Sozusagen Ehrenamt auf die harte Tour, sogar jobschaffend. Den Staat haben wir eigentlich immer nur als feindliche Macht wahrgenommen. Aber wir schreien ja dauernd nach ihm, jaja…

    che2001

    1. August 2008 at 20:31

  23. @Dr. Dean

    Man kann wohl kaum erwarten, dass Menschen, die sowieso nichts merken, sich irgendwie engagieren.

    Und Doppelmoral kann ich solchen Leuten auch schwer vorwerfen.

    Hat sich jemals n Linker für deutsche Milchbauern stark gemacht? Nicht das ich wüsste. Ich denke nicht, dass es beim sich aufregen und trotzdem nichts tun außer fordern die tragende Rolle spielt, zu welcher politischen Richtung man sich nun grade zählt.

    Was gehen mich denn irgendwelche politischen Szenen an, wenn ich ein ganz allgemeines Problem darstelle? Die, die ich gemeint habe, mögen sich ja vielleicht als politisch Links betrachten aber das tun schätzungsweise so ungefähr 60-70% aller Deutschen. Aber sind sies deswegen automatisch? Eben.

    Ist es nicht vollkommen nebensächlich, ob sich Leute, die sich wie ichs beschrieben habe verhalten als Links oder Rehts oder neue oder alte Mitte, oben oder unten betrachten?

    Jan

    1. August 2008 at 21:48

  24. @Hat sich jemals n Linker für deutsche Milchbauern stark gemacht?

    Es geht auch nicht um deutsche Milchbauern, sondern um diejenigen in den jeweiligen Regionen, und es geht darum, dass Milchbauern unabhängig von ihrer Nationalität angemessen bezahlt werden. Das ist alles und hat mit „deutsch“ eben nichts zu tun.
    Wenn sich in den fünfziger, sechziger , siebziger Jahren jemand für bessere Produktionsbedingungen, bspw. qua gemeinsamen Maschinenpools oder genossenschaftlicher Strukturen, inder Landwirtschaft stark gemacht hat,dann galt das als Kolchosen-Kommunismus und wurde entsprechend denunziert, ungeachtet entsprechender Erfolge in Italien und Frankreich zum Beispiel.
    In den Siebzigern war das ein Dauerthema in den verschiedensten Disziplinen, das habe ich zu Hause mitbekommen, wenn Raumplaner, Architekten, Kommunalpolitiker, Sozialwissenschaftler, Landschaftsplaner, Ökonomen Lösungen für die prekäre Situation der Eifelbauern suchten.

    Die alternative Landwirtschaftsbewegung kenne ich eigentlich auch als linke Veranstaltung, ihre zweifellos vorhandenen rechten Bestandteile sind mir nicht begegnet, obwohl wir von denen natürlich wussten. Mich haben die bis heute der Sache gegenüber misstrauisch sein lassen, mittlerweile revidiere ich mich da.

    @rechte Globalisierungskritik
    „Globalisierungskritik“ von rechts gibt es übrigens gar nicht. Das find ich immer lustig; wenn jemand schreit „heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt“, dann meint er eben nicht nur Deutschland mit seinen Gewaltphantasien, sondern ist ein deutscher Globalisierer der ganzen Welt, wie ja nun zur Genüge schon bewiesen wurde.
    Ich erinnere mich an Diskussionen über den europäischen Einigungsprozess, in denen diese Idee mit dem Argument abgelehnt wurde, dass Hitler ja der erste Einiger Europas bereits gewesen sei, und dass wir darum bereits wüssten, was die Aufgabe von Souveränität bedeute.
    Von rechts her wurde ja eben dies ins positive gewendet, nicht „zu Unrecht“ gewissermassen, schliesslich sah sich Herr Hitler als Einiger Europas.
    Als ich 1990 einige Zeit in London war, wurde der europäische Einigungsprozess angesichts der deutschen Vereinigung von vielen Leuten, die ich getroffen habe, genau deswegen so kritisch gesehen, entsprechend auch die Vereinigung, für die sie nicht allzu viel übrig hatten, nicht wegen der Sache selbst, sondern weil sie fürchteten, dass ein „deutsches“ Europa dabei rauskäme.
    Die gingen damals davon aus, dass Gesamtdeutschland eine ungeheure wirtschaftliche Dynamik entfesseln würde, der kein anderes westeuropäisches Land gewachsen sein würde.
    Komisch, das scheint man heute gar nicht mehr zu verstehen.
    Die Rechten aber schon. Und deswegen sind sie keine Globalisierungskritiker.

    T. Albert

    2. August 2008 at 1:23

  25. @Jan:

    Das mit den Vier- und Marschlanden (die liebe ich übrigens sehr, ganz im Gegensatz zum oben Geschreibenen, wobei ich da in der Regel nur bis Ochsenwerder vordringe) beruhigt.

    Und spätestens seit den 70ern und der Gründung der einst ja mal linken Grünen ist doch Landwirtschaft Riesen-Thema auf der Linken, einer meiner linken Lieblingsblogger hatte ganz viele wundervolle Kühe. Die Kalbsgeburten zu Weihnachten, das war z.B. ein traumhafter Text, und „kuhl“ ist seitdem eines meiner Lieblingsworte.

    Auch die Globalisierungsdebatte dreht sich ja neben Arbeitsbedingungen in Chinas Fabriken immer auch um faire Preise für Kaffe etc., insofern geht’s nicht primär um deutsche Milchbauern, aber eben auch um die.

    Und genau da kommt ja dein eigentliches Argument zum Tragen: Gibt ja Fair Trade und all diese Geschichten, die von liberaler Seite ja auch als Untergang der Weltwirtschaft beschrieben werden, und ob man da dann bereit ist, dafür auch mehr zu bezahlen, das ist ja dann die relevante Frage.

    @freiburgerthesen:

    Na, zwischen „Blut und Boden“ und ökologischen Ideen gibt’s dann ja doch noch erhebliche Differenzen, obwohl’s stimmt, daß bereits zu Zeiten der Gründung der Grünen es auch rechte Stränge in der Öko-Bewegung gab, die später dann auch mit Eso-Müll fusionierten.

    Und auch sonst ist relativ wenig genuin „Nazi-Denken“, das ist ja von Anbeginn an zusammgeklaubt, eine widerliche Sauce aus pseudowissenschaftlichen Ungleichheitstheorien, striktest autoritären Vorstellungen, Herrschaft der „Starken“ über die „Schwachen“, und zwischen Arbeitsdiensten, die den Maschssee ausheben, und dem Sozialstaat gemäßigt linker Vorstellungen bestehen Differnezen um’s Ganze, ebenso zwischen einem Führer-Staat und verschiedenen Formen demokratischer Legitimation.

    Historisch gehört auch ein aggressiver Imperialismus, „Volk braucht Raum“, mit dazu, auf dessen Basis dieses Autarkie-Gerede überhaupt entstehen konnte – daß man eben die „Kornkammern des Ostens“, wo die slawischen Untermenschen (die klauenden Polen) leben, in’s Konzept gleich mit einbezieht

    Ich glaube, Du bist da schon etwas gehirngewaschen durch rechtsliberale Mythologie 😉 … . und natürlich ist das immer auch Tarnung, was die da auf ihre Seiten setzen, nicht Ausdruck irgendeiner Ideologie, die im Kern immer ein rassistisches „Deutsche zuerst!“ bedeutet. Der Rest ist Schafspelz.

    momorulez

    2. August 2008 at 8:40

  26. Das hat nun so langsam nix mehr damit zu tun, was ich eigentlich geschrieben habe.

    Mir ging es nicht um irgendwelche alternativen Landwirtschaftsmodelle, nichtmal ansatzweise. Ich kenn mich damit auch viel zu wenig aus, um mich da auf irgendwelche Diskussionen einzulassen.

    Es ist aber auch kein „starkmachen für deutsche Milchbauern“, irgendwelche anderen Strukturen toll zu finden oder gar sie aktiv zu unterstützen. Ich hatte ein ganz einfaches Beispiel genannt, dass nun wirklich nichts mit links oder rechts zu tun hat:

    Wer behauptet, er wäre bereit, mehr Geld für seine Milch zu zahlen, wenn dass den Bauern zugute käme, der darf das tun, tut es aber nicht. Also warum nicht? Und wieso will er stattdessen jeden anderen, inklusive der Menschen, die sich dann womöglich weniger Milch kaufen können zwingen, mehr Geld auszugeben?

    Im Grunde genommen habe ich ein Plädoyer für ein Modell für Fairtrade-Milch abgegeben. Das wäre doch, im Gegensatz zu allem, was irgendwelche Milchgipfel von oben herab verordnen können (und wohl auch werden), für alle Beteiligten das fairste.

    Jan

    2. August 2008 at 17:15

  27. „Das hat nun so langsam nix mehr damit zu tun, was ich eigentlich geschrieben habe.“

    Das gehört sich doch so in Blog-Diskussionen 😉 …

    „Im Grunde genommen habe ich ein Plädoyer für ein Modell für Fairtrade-Milch abgegeben. Das wäre doch, im Gegensatz zu allem, was irgendwelche Milchgipfel von oben herab verordnen können (und wohl auch werden), für alle Beteiligten das fairste.“

    Ja, in der Hinsicht würden wir Dir hier, glaube ich, auch alle zustimmen.

    momorulez

    2. August 2008 at 17:25

  28. Ist ja auch in Ordnung wenn die Diskussion weitergeführt wird. Aber wenn mir vorgehalten wird, es ginge gar nicht um deutsche Milchbauern, dann muss ich ja drauf hinweisen, dass es mir in dem Moment sehr wohl um genau die ging und halt nicht um irgendwelche Globalisierungszusammenhänge.

    Ich habe ein wenig den Eindruck gewonnen, dass zwangsläufig davon ausgegangen wird, dass ich gegen alles, was vielleicht nicht in meinem Artikel drin stand irgendwas habe (inklusive „linkes“ Engagement für was auch immer).

    Das fänd ich ungerecht, weil ich in der Beziehung eigentlich wenig Berührungsängste kenne, derartige politische Kategorisierungen unbrauchbar finde und mich stets bemühe, jegliche Vorurteile, so ich sie denn habe, für mich zu behalten oder sie wenigstens aus meinem Denken zu verbannen.

    Denn ohne hier jemanden erschrecken zu wollen: Mit meinem Eintritt in die FDP habe ich mein Gehirn nicht bei Guido Westerwelle abgegeben. Und mein Herz schon gar nicht.

    Jan

    2. August 2008 at 18:07

  29. Jan

    ich hab Dir das doch nicht vorgehalten, dass es Dir um deutsche Milchbauern ginge.

    Ach, heute geht sowieso alles durcheinander.

    Vorher kam von den „freiburgerthesen“ wieder diese gerade so übliche Sache wie nahe Linke bei „Deutsche kauft nur bei Deutschen “ seien, und dass Rechte „Globalisierungskritik“ so wie Linke üben würden, dann kommst Du damit, dass sich Linke nicht für deutsche Milchbauern eingesetzt hätten bislang:aber doch, und wie! – also, ich muss für mich zugeben, dass ich in letzter Zeit vermehrt aggressiv auf sowas reagiere.

    Was jetzt an Euch beiden eigentlich nicht liegt.

    T. Albert

    2. August 2008 at 18:28

  30. @Jan:

    Das, was T. Albert schreibt, ist ja mitterweile tatsächlich Grund für richtige Kommunikationsprobleme, auf die Du zurecht verweist: Wenn man seit 2 Jahren von irgendwelchen liberalen Blogs mit lechts=rinks-Vorwürfen bombardiert wird, absurden Geschichtsklitterungen hinsichtlich der Historie linker Bewegungen und eben auch diesem Mythos der linken Staatsgläubigkeit, dann entstehen ganz merkwürdige Bezugspunkte und sowas wie Wahrnehmungsfilter, und das ist ja wirklich außerordentlich doof.

    Passiert halt manchmal, wenn einem Hohngelächter von anderen, nicht Dir, FDP-Mitgliedern entgengeschleudert wird, wenn man sich auf Gerhardt Baum oder Frau Leutheuser-Schnarrenberger beruft, weil man dann ja schon sowas wie’n Sozialfaschist und Etatist sowieso ist … wofür Du ja tatsächlich rein gar nix kannst, und FDP-Ortsvereine in den Marschlanden auch nicht …

    momorulez

    2. August 2008 at 19:06

  31. @Linke und Rechte:
    Nein, nein, es ging mir nicht darum, nachzuweisen, wie ähnlich sich linke und rechte Personen und Ideologien sind. Schnittmengen sind sicher manchmal da, aber nur punktuell und wenn, dann nur im praktischen Handeln, nicht aber in der dahinterstehenden Ideologie (wie z.B. die Tatsache, dass Hitler auch Vegetarier war).
    Ich gehe davon aus, dass etwa 70% der Bevölkerung weder links noch rechts noch sonstwie politisch orientiert sind. Denen sind ideologische Fragen vollkommen egal, es geht ihnen nur darum, dass die Politik dafür sorgt, dass es ihnen gut geht (oder ihnen ermöglicht, selbst dafür zu sorgen). Und für die macht es keinen großen Unterschied, aus welcher Gedankenwelt heraus bestimmte Forderungen kommen – sie finden sie entweder gut oder nicht gut. Und stimmen dementsprechend demjenigen, der sie ausspricht, entweder zu oder tun das nicht.
    Und daher muss man auch aufpassen, welche Argumente und welche Thesen man benutzt, um eigene Forderungen zu untermauern. Das kann man sehr gut bei Lafontaine sehen, der sich bei einer Ansprache gegen das Lohndumping durch Arbeiter einsetzen wollte, die auch aufgrund fehlender sozialer Absicherung so preiswert arbeiten können – und dann in der Rhetorik effektiv vor einer Überfremdung durch die gefährlichen Ausländer warnte, was wieder der extremen Rechten in die Hände spielt.
    Ebenso ist auch beim Thema regionalen Wirtschaftens die Gefahr immer groß, sich durch gefährliche Argumente Zustimmung zu holen; manchmal sogar, ohne dass man es zunächst so richtig merkt.
    Und ihr könnt die extreme Rechte gern weiter für einen Haufen Idioten mit übereinfacher Weltsicht halten, die sich nur Themen bei der Linken klauen und selbst nicht über „Deutschland den Deutschen“ hinaus denken können. Ich tue das nicht, denn ich sehe auch die Attraktivität ihrer Thesen und Denkgebäude auf durchaus denkende Menschen.

    freiburgerthesen

    3. August 2008 at 11:01

  32. Wobei diese Attraktivität bei mir selbst nicht gegeben ist, weil ich die Ansichten und die Denke für falsch halte. Aber eben für falsch (und gefährlich!), nicht für dämlich, uninformiert oder ahnungslos.

    freiburgerthesen

    3. August 2008 at 11:09

  33. Also, ich glaube, Du solltest hier mal einiges im Blog nachlesen.

    T.. Albert

    3. August 2008 at 11:41

  34. Zum Beispiel was? Ich lese immer gern, also ernst gemeinte Frage.

    freiburgerthesen

    3. August 2008 at 11:45

  35. Ich finde das auch irgendwie verdreht. Sonst überläßt man ja manche Themen den Rechten recht exklusiv, und genau das ist echt ein Problem im Osten – und, bezogen auf den anderen Thread, auch ein gigantisches Versagen der SPD.Kann man doch nirgends besser nachvollziehen als hier in hamburg, wo die einstigen Quartiere der Hafenarbeiter dann auf einmal alle Schill gewählt haben, weil Voscherau sich von SPD-Politik verabschiedet hat.

    Jetzt immer, bevor ich sage, in’s NPD-Programm gucken, welche Gefahr da gerade lauert, das ist doch Unsinn. Und bei Lafontaine war das ja auch kein Unfall, sondern sehr übles Klakül.

    Ich halte die auch überhaupt nicht für blöd, nur daß die ja gar nicht im selben Sinne Positionen vertreten wie unsereins, sondern sich in bestimmten Strategien auch schon erschöpfen in allen Fällen, die über rassistische Deutschtümelei hinausgehen.

    momorulez

    3. August 2008 at 11:50

  36. Mich macht das immer fassungsloser: ist jetzt regionales Wirtschaften eine Erfindung der nazistischen „Globalisierungskritiker“? Und KMU sind alle Rechte?
    Und das „Europa der Regionen“ , ob es das nun schon gibt oder nicht, haben die auch erfunden?

    T.. Albert

    3. August 2008 at 12:41

  37. Also, T.Albert, mit Dir zu diskutieren, macht leider wenig Sinn. Aus dieser Melange aus missverstehen wollen und für verrückt erklären verabschiede ich mich dann mal. War nett, mit Euch geplaudert zu haben.

    freiburgerthesen

    3. August 2008 at 18:53

  38. Eine kleine (womöglich falsche) Beobachtung dazu: Je ideologischer ein Politikblog ist, umso schneller kommt es zu Verstimmungen. Das betrifft sogar diejenigen (und das finde ich erstaunlich), denen die Freiheit des Individuums sehr wichtig ist.

    @ t.albert

    Dein Hinweis „Du solltest hier mal einiges im Blog nachlesen.“ wirkt schon etwas herablassend. So führt man m.E. keinen guten Dialog.

    Dr. Dean

    3. August 2008 at 22:25

  39. Dr. Dean, der Meister des Dialogs 😀 …. – wir können Dir ja hier vielleicht ein Tool zum Verteilen von Zensuren einrichten.

    Ich finde ja die Reaktion der Freiburger Thesen etwas beleidigt und humorlos, da sie mir aber grundsätzlich sympathiscvh sind, geht das schon in Ordnung.

    momorulez

    4. August 2008 at 8:20

  40. @freiburgerthesen und Dr Dean

    Naja. Ich habe überhaupt niemanden für verrückt erklärt, meine Lieben, sondern habe mir, was natürlich niemand wissen kann, mir den Kurzurlaub mit diesen Definitionsfragen versaut. Ich will auch überhaupt niemanden missverstehen, das versteht Ihr scheinbar nicht.
    Ich habe das meinerseits alles ernst gemeint und keine Antwort bekommen. Schade.
    Ich reagier auf die Worte, die ich sehe. Vielleicht nicht immer richtig, aber das hat ja auch seinen Grund.
    Hier läuft parallel schon wieder irgendwo eine sogenannte Diskussion, in der wir zu Faschisten, halt Ökofaschisten umdefiniert werden sollen, gleichzeitig zu Antidemokraten, weil wir oder ich nicht Herrn Clements Ansichten sind. Es tut mir sehr leid, aber nach den ganzen Rinks-Lechts-G’schichten, wo sichj etliche Ex-Linke an ihrer ach so spannenden Vergangenheit abarbeiten, reagiere ich jetzt allergisch auf das Ganze. Mittlerweile hat sich nach drei,, vier Jahren so eine Sprache verfestigt, die ich auch schon in der Kneipe hören kann, die historisch dermassen verdreht ist, dass ich manchmal nicht rauskriege, wovon die Rede ist, ausser: was Linke sagen, das sagen die Rechten auch und alle sind Faschisten, aber Demokratie ist scheisse, nur wir und „der Markt“ haben recht.
    So, und ich kann nicht mehr ernsthaft diskutieren, wenn ich mit jedem Schritt dabei durch diese Sauce waten muss, in der jede über Sachfragen nicht mehr pragmatisch geredet werden kann, weil sie in der Sauce untergehen.

    Ich meinerseits finde mittlerweile einfach Dialoge nicht mehr gut, in denen schnell eine angebliche Nähe Rechter zu meinen oder unseren Positionen diskutiert wird, ich weiss überhaupt nicht, wo das her kommt.
    Allerdings schliesse ich daraus wieder, dass offenbar Willy Brandt und Schumacher die obersten Faschistenhäuptlinge in der nachnazistischen BRD waren.

    Das ging jetzt an Euch, obwohl Ihr ja nun nicht so wirklich die richtigen Adressaten seid, die die das alles versauen, die reden ja hier nicht mehr mit.
    Und ich auch erstmal nicht mehr über sogenannte Politik.

    T. Albert

    7. August 2008 at 20:05

  41. @T.Albert:
    Dann steige ich doch noch mal ein. momorulez meint, meine Reaktion sei etwas beleidigt gewesen. Das kann durchaus sein, und wenn, dann tut es mir leid.

    Worauf hätte ich denn antworten sollen? In meinem Kommentar vor Deinem, über den ich mich geärgert habe, habe ich doch schon geschrieben, dass ich im Prinzip keine inhaltliche Nähe zwischen Links und Rechts sehe – sondern dass man nur von unterschiedlichen Polen aus kommend gelegentlich ähnliche Forderungen stellt. Das ist ja bei anderen Kombinationen politischer Ausrichtung nicht anders – dass die Nazis öfter mal den Begriff „Leistungsgesellschaft“ ebenso verwenden wie Konservative und Liberale, hat schon seinen Grund. Und auf der Seite müssen auch diese aufpassen, mit welchen Argumenten sie herangehen und vor allem, welchen Argumenten sie zustimmen. Ebenso bei prinzipieller Kritik am Sozialstaat und der Demokratie, die bei den Braunen ja ähnlich klingt wie bei Liberalen und Libertären; auch hier existiert aber keine Identität der Ideologien.

    Übrigens ist, wenn ich das im Nachlesen richtig sehe, die „angebliche Nähe Rechter“ zu irgendwelchen Positionen zunächst im Hinblick auf Konservative und Liberale diskutiert worden, im Umfeld des Rebellmarktes. Vielleicht war dieses Rinks-Lechts-Ding dann eine Retourkutsche, das kann ich nicht beurteilen.

    Aber in der Kneipe habe ich dieses „Rinks-Lechts-Demokratie-ist-Scheiße“ ehrlich gesagt noch nie gehört. Öfter höre ich dort Leute, die sagen, sie seien SPD-Anhänger, aber bei jeder Gelegenheit eine lustige Tirade gegen Ausländer und Asylbetrüger loslassen. Oder CDU-Anhänger, die sich beklagen, dass die Globalisierung unseren Sozialstaat und den kleinen Mann kaputt macht. Oder neue Linkspartei-Wähler, die sich in einem Atemzug über beides beklagen. Sonderlich viel liberales oder libertäres kann ich da nur sehr selten vernehmen – und die FDP hat gerade hier in der Gegend (für sie) tolle Ergebnisse.

    Also noch mal langsam und in einem Versuch, niemanden versehentlich zu diffamieren:

    Es gibt sowohl linke als auch liberale Forderungen, bei denen es nationalkonservativen und rechtsradikalen Kräften gelungen ist, eine überzeugende Verbindung dieser Forderungen zu ihrer Ideologie herzustellen. Und das gelegentlich noch mit Argumenten, die ohnehin großen Widerhall in der Bevölkerung finden, weil sie dem Alltagswissen und dem Kneipengespräch entsprechen. Bei diesen Forderungen empfehle ich ein sehr bewusstes Argumentieren, durch das man sich von den Rechten absetzt und die Argumente vermeidet oder zurückweist, die die Forderung zum Punkt für die falsche Seite machen würden.

    freiburgerthesen

    8. August 2008 at 8:57

  42. @freiburgerthesen:

    „Vielleicht war dieses Rinks-Lechts-Ding dann eine Retourkutsche, das kann ich nicht beurteilen.“

    Das kann nicht Blog-Konflikt-immanent betrachten.

    Glaube eher, daß das zum einen ja sowas wie ’ne liberale Tradition ist, weil man da immer fein raus ist. Da speist sich das aber eher aus der Kulturkritk des späten Kaiserreiches und der zwanziger Jahre, die sich auch bei Adorno findet, also der Erfahrung einer „Massengesellschaft“, der sich das Indiviuum dann hilflos gegenüber stehen sieht, insofern aus dieser meiner Ansicht nach wenig hilreichen „Kollektiv – Indiviuum“-Opposition, die noch bei Friedman ja konstitutiv ist für sein Denken. Das ist so die „alt-liberale“ Position, glaube ich.

    Zum anderen ist das aber auch ’ne übergreifende Strategie zur Diffamierung linker Politik jüngeren Datums, von der ich auch nicht weiß, wer sie streut (abgesehen von den Antideutschen) – gibt ja ’ne neue Generation von Blogs, auch hier bei wordpress, die diesen ganzen Quatsch vom genuin linken Antisemitismus usw. gierig gefressen haben und als so eine Art Steigerung von Boche wirklich endgültig in den historischen Unsinn abdriften.

    Da finden sich dann Sätze wie „Linke Positionen sind die der Sklavenhalter, die einen Sklaven suchen“, und insofern sind dann auf einmal der russische Zarismus oder die Produktionsbedingungen der US-Südstaaten im 19. Jahrhundert linke Projekte.

    Weil komplett ignoriert wird, unter welche historischen Bedingungen sich linkes Denken einst formierte. Das ist eine ganz billige Deligitimerungsstrategioe der Interessen der Schwachen in einer Gesellschaft und sonst nix.

    Und sowas denken sich diese ganzen leidenschaftlichen Jüngelchen, die endlich das Böse gefunden haben, gegen das sie opponieren können, nicht selbst aus.

    momorulez

    8. August 2008 at 9:16

  43. Da möchte ich dann aber wirklich nicht dazugehören.

    freiburgerthesen

    8. August 2008 at 9:30

  44. Nee, Du machst das ja auch nicht – wobei ich „rote Propaganda“ im Fall der FR schon auch harsch finde 😉 …

    Das ist ja nur der Hintergrund, vor dem T. Albert sehr harsch reagiert. Daß es Dich dann trifft, ist ungerecht, aber das schreibt er ja selbst.

    momorulez

    8. August 2008 at 10:05

  45. wobei ich “rote Propaganda” im Fall der FR schon auch harsch finde 😉 …

    – das hab ich mich schon gar nicht mehr zu schreiben getraut.

    T. Albert

    8. August 2008 at 10:24

  46. „Rot“ im Sinne von sozialdemokratisch, nicht kommunistisch, wohlgemerkt. Ist ja mittlerweile nicht mehr so, aber wenn eine Zeitung einer Partei gehört, hat die politische Berichterstattung da dann doch ein G’schmäckle. Und die politische Grundhaltung der FR ist doch ziemlich eindeutig nicht konservativ, oder? 🙂

    freiburgerthesen

    8. August 2008 at 12:03

  47. Und ungerecht ist sowieso die ganze Welt. Damit muss ich schon seit meiner Geburt leben. 😉

    freiburgerthesen

    8. August 2008 at 12:04

  48. Na, aber inwiefern es sich dann um „Propaganda“ handelt, das ist ja doch noch mal ’ne andere Frage … zudem die Distanz zur SPD sehr demonstrativ bewahrt wurde. Habe die FR seit 15 Jahren abonniert, und als „rote Propaganda“ kann man die gar nicht lesen …

    momorulez

    8. August 2008 at 13:31

  49. Da muss ich zugeben, dass ich die FR nur sehr selten gelesen habe. Ich suchte vor allem auf die schnelle nach einem Beispiel, im Nachhinein habe ich auch sehr bedauert, da die BILD und die FR in einem Atemzug genannt zu haben – was ja allein von der journalistischen Qualität her schon fies war.

    Da der Artikel aber keine große Resonanz gefunden hat, habe ich mich dann nicht weiter damit beschäftigt. Ruhig kritisieren, ich bin nicht immer so dünnhäutig wie weiter oben in dieser Kommentarspalte. 🙂

    freiburgerthesen

    8. August 2008 at 14:17

  50. „Da muss ich zugeben, dass ich die FR nur sehr selten gelesen habe“

    Deshalb biste ja auch in der FDP 😉 …

    momorulez

    8. August 2008 at 14:28

  51. Wenn ich überregionale Zeitungen lese, dann meist die „Zeit“. Gelegentlich mal die „taz“. Erklärt das die FDP? 😉

    freiburgerthesen

    8. August 2008 at 15:37

  52. Ja, druchaus. Die taz ist ja nicht sonderlich informativ, und DIE ZEIT hat jahrelang neoliberale Lobby-Arbeit geleistet. Die habe ich ja auch im Abo.

    Bei der FR habe ich vor dieser ökonomisch wohl notwendigen Verpoppung im jüngster Zeit wirklich eine wesentlich breiter angelegte Berichterstattung vorgefunden, z.B. nicht nur dieses Eingedresche auf alles Gewerkschaftliche, sondern auch mal was im Wortlaut – usw. Die haben für mich schon ’ne Informationslücke gefüllt.

    momorulez

    8. August 2008 at 16:47


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