shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Verblüffendes aus der Kommentarsektion

with 18 comments

„Wenn J. Butler z.B. in großen Umfang den psychoanalytischen Scharlatan Lacan anführt, dann ist das keine Beweistechnik, sondern einfach Willkür. Man könnte an Stelle von Lacan auch eine komplett entgegen gerichtete Schule der Psychoanalyse anführen (und zwar: völlig willkürlich) – und käme dann zu anderen Ergebnissen.“

Wenn man sich also auf eine andere Schule der Psychoanalyse beruft, kommt man zu anderen Ergebnissen. Wieder was gelernt vor Arbeitsbeginn.

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Written by momorulez

4. August 2008 um 9:11

Veröffentlicht in Rand-Notizen

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18 Antworten

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  1. Gegen den Vorwurf, Butler sei Lacanianerin, ist einzuwenden, dass sich ihr Konzept der Performativität gerade gegen die abstrakte Maschine bei Lacan wendet. In ihrer Auseinandersetzung mit Ernesto Laclau und Slavoj Zizek ist das ganz gut nachzulesen (Contingency, Hegemony and Universality: Contemporary Dialogues On The Left). Die Abarbeitung an Lacan ist daher wohl eher der historischen Konstellation geschuldet als einer Lacan-Schülerschaft. Und aus Psyche der Macht sind mir eher die Auseinandersetzung mit Louis Althusser, mit Foucaults Körpertheorie in Überwachen und Strafen resp. Nietzsches Genealogie der Moral sowie mit Freuds Konzepten Trauer und Melancholie in Erinnerung geblieben. Auch wenn Butler dem Lacanianismus wohlwollend gegenüber steht, so müssen dessen Anhänger (Laclau, Zizek und in „Psyche der Macht“: Mladen Dolar) immer wieder heftige Kritik von Seiten Butlers einstecken.

    lars

    4. August 2008 at 11:22

  2. Ich sinniere eh immer noch über die Überprüfbarkeit von Scharlantanerie im Falle der Pychoanalyse … andere Frage: Hast Du Dich mit dem Jacques Ranciére schon mal eingehender beschäftigt?

    momorulez

    4. August 2008 at 13:54

  3. Nee, immer nur dran vorbei geschliddert. Ist auch so einer, von dem ich immer denke: „Wenn Du mal wieder mehr Luft hast, dann holst Du Dir endlich mal ein Buch von dem…“

    Die Scharlatanerie der Psychoanalyse. Die kannste gar nicht überprüfen, weil immer dann, wenn Du meinst, Du hättest Sie überführt, sagt sie Dir: Ja, verdräng mich nur, sublimier mich in wissenschaftliche Negationswut, beiß Dich neurotisch an mir fest, regredier in deduktionisch-falsifikatorische Phasen… Aber an das wirklich wichtige, kommst Du eh nicht dran. In den zentralen Momenten schlage ich zurück.

    Und schon Benjamin wusste: die entscheidenden Schläge werden mit der linken Hand geführt 😉

    Ich sinniere gerade über die Frage, was es bedeutet, eine Autorin der Unwissenschaftlichkeit zu bezichtigen, um hinterher zu fragen, warum man denn ein solches Problem mit der Zuordnung Wissenschaft/Nicht-Wissenschaft habe.

    lars

    4. August 2008 at 14:08

  4. Habe mit vorhin mal dieses Merve-Bändchen von Rancière mit Vortrag und Interview zu „Ist Kunst widerständig?“ zugelegt, mal gucken, was dran und drin ist …

    Und als erklärter Psychoanalyse-Hasser würde ich sie ja sogar jederzeit vehement gegen all diese „Reproduktion von Ergebnissen“ und die beschworene „Überprüfbarkeit“ in Schutz nehmen – Überprüfbarkeit kann da ja nur Analytiker und Analysanten zugänglich sein, wenn man all die „Wo Es war, soll ich werden“-Varianten ernst nimmt.

    Das ist ja nun mal ’ne handfeste Explikation von Freiheit, und wenn Freiheit in der Reproduktion von experimentellen Ergebnissen überprüfbar sein können soll, was ist sie denn dann?

    Kein Wunder, daß diese ganze Neuro-Heinis sie immer nicht finden, die Freiheit – wenn man die 1. Person bzw. die Teilnehmerperspektive methodisch elemimiert, dann kann man sich ja auch dumm und dämlich suchen.

    Zudem ja noch grotesker als das mit „unwissenschaftlich“ das Verständnis von Literatur ist, das sich da zeigt. Als literarische Texte wären die von Frau Butler einfach erschütternd schlecht …

    momorulez

    4. August 2008 at 15:57

  5. Eben. eben.

    Und in den Documenta-Magazinen war doch auch noch ein Interview mit Rancière zur Demokratie.

    lars

    4. August 2008 at 16:48

  6. Ja, das fand ich damals auch ganz beeindruckend, da lief der mir auch erstmals über den Weg …

    momorulez

    4. August 2008 at 16:53

  7. Als tendenzieller Psychoanalyse-Politökonomie-Verbinder (nicht Freudomarxist im engen Sinne) würde ich schon sagen, dass die Psychoanalyse durchaus ihren Wert hat, aber genau da, wo sie nicht empirisch überprüfbar sein will oder mit Wahrheitsmonopol auftritt, also eher in ihren Randbereichen, etwa zwischen Fromm, Adler, Reich und Jung (den ich pur allerdings andererseits für gefährlich halte), und unter Auslassung ihrer frauenfeindlichen und homophoben Komponenten.

    che2001

    4. August 2008 at 17:59

  8. Und genau da wirkt ja auch Butlers Lacan-Kritik als Korrektiv.

    che2001

    4. August 2008 at 18:00

  9. Ihr wirrköpfigen Besserwisser!

    Die beiden entscheidende Worte (Tipp: Wer lesen kann, ist im Vorteil!) lauten: „keine Beweistechnik„.

    Es ging – ihr erinnert euch womöglich? – in dem Kontext darum (für euch aber offenkundig zu hoch), mit welchen Methodiken und Verfahren sozialwissenschaftliche Aussagen überprüft werden können.

    Ihr seid mir im Moment echt zu doof.

    (Hey! Schon wieder zwei Worte – und kursiv geschrieben! Was das wohl zu bedeuten hat?)

    EOD

    Dr. Dean

    5. August 2008 at 7:18

  10. Intersubjektive Rekonstruierbarkeit ist alles was Du bekommst. Allein schein, weil sich die gleichen sozialwissenschaftliche Daten nicht zwei mal erheben lassen. Das macht die Differenz etwa zur Untersuchung von chemischen Reaktionen aus. Objektivität, Validität und Reliabilität sind doch zuallererst auch nicht mehr als Wissenschaftskonventionen und daher abhängig von genau solchen Rekonstruktions- und Interpretationsprozessen.

    Und dann sind wir mitten drin in dem, was Weber verstehende Soziologie nannte. Und eben auch in den Machtprozessen und Genderspielen, um die sich Foucault und Butler kümmern.

    lars

    5. August 2008 at 16:29

  11. Selbst in der empirischen Sozialforschung, also dem „härtesten“, faktenbezogendsten Teil der Sozialwisssenschaften, sind Panelanalysen oder Small-Ends-Untersuchungen die Methoden der Wahl, weil sich eben Beweisführungen wie in der Chemie oder Ingenieurwissenschaft nicht finden. Ohne dass überhaupt ihrem Inhalt und Anspruch nach kritische Wissenschaft stattfindet, sind schon reine Wahrscheinlichkeitsstatistiken, die durch zumeist nicht kontrollierbare Zufallskoeffizienten beeeinflusst werden, das Maximum an erreichbarer Empirie. Es stellt sich sogar die Frage, ob soziale Prozesse überhaupt empirisch erfassbar sind. Wenn aber Machstrukturen und soziale Gefälle analysiert werden, ist man sehr schnell dabei, nach Funktionen von Sprache als Machtinstrument oder der Monopolisierung von Wissen zu fragen.

    che2001

    5. August 2008 at 21:01

  12. Als nicht studierter (aber an Soziologie interessierter) Mensch ist ja für mich gerade mal wieder die Grenze des Verstehens überschritten. Aber ich kann dann immer wieder nachvollziehen, warum die Natur- und Wirtschaftswissenschaftler so leicht dazu neigen, die gesamte Sozialwissenschaft als Gelaber zu bezeichnen, das nicht wissenschaftlich vorgeht und das hinter mehreren Schleiern von unsinnigem Bla-Bla verkleidet.

    Und ich kann in solchen Momenten nachvollziehen, warum Wissenschaften, deren topos nun einmal viel komplizierter sind, Schwierigkeiten haben, sich dem Durchschnittsmenschen oder Naturwissenschaftler zu erklären. 🙂

    freiburgerthesen

    5. August 2008 at 23:18

  13. @freiburgerthesen

    Bei mir ist das nicht anders, wenn sich zwei Physiker unterhalten. Und ich hab schon ein ausgeprägtes Interesse für das, was „die so machen“ … Deren Gegenstände, Methoden, Theorien sind m.E. nicht unkomplizierter.

    Allerdings wird die Physik in der Öffentlichkeit sicherlich besser wahrgenommen. Und deswegen sind wohl auch die Vorbehalte, die es in den Naturwissenschaften anderen Fächern gegenüber gibt, in der Öffentlichkeit wohl auch eher präsent, als die Kritik, die es in anderen Fächern den Naturwissenschaften gegenüber so gibt.

    Die Wahrnehmung dieser Fächer in der Öffentlichkeit ist
    Insofern ist es – denke ich – ganz normal, dass bei einem Gesrpäch, das zwei Menschen über etwas führen,

    christianK

    6. August 2008 at 7:42

  14. Oh. Der letzte Absatz gehört nicht dazu …

    christianK

    6. August 2008 at 7:42

  15. @freiburgerthesen:

    „Aber ich kann dann immer wieder nachvollziehen, warum die Natur- und Wirtschaftswissenschaftler so leicht dazu neigen, die gesamte Sozialwissenschaft als Gelaber zu bezeichnen, das nicht wissenschaftlich vorgeht und das hinter mehreren Schleiern von unsinnigem Bla-Bla verkleidet.“

    Wieso? Weil Du zu faul bist, Deinen Kopf anzustrengen? Und wo ist da „Gelaber“, wo „blabla“?

    Wäre übrigens mal interessant, die These des strukturellen Antisemtismus darauf zu beziehen, da macht das nämlich viel mehr Sinn … nein, nicht in Deinem Fall, aber angesichts von dem ganzen anderen Müll, der so im Netz kursiert.

    Du kämest nie auf die Idee, zu unverständlichen Texten der Quantenphysik dergleichen zu behaupten … das ist immer die Überheblichkeit der Doofen, in Rheinland und Ruhrpott besonders häufig anzutreffen, die reflexive Wissenschaft als Gelaber abtut, um fröhlich weiter in ihren Ressentiments zu suhlen.

    Grönemeyer macht dann daraus Songs, zu denen die Schalke-Arena mitgröhlt (ja, ich weiß, der VFL) … uind irgendwelche Idioten nachts auf der Reeperbahn geben dann den „schwulen Studenten“ ein paar vor’s Maul.

    @Christian K.:

    Danke, hatte Deinen Kommentar noch gar nicht gelesen, als ich genau das Physik-Beispiel auch anführte …

    momorulez

    6. August 2008 at 8:17

  16. „Weil Du zu faul bist, Deinen Kopf anzustrengen?“

    Geistige Insuffizienz, dankbare Erklärung jederzeit selbst für versöhnliche Bekundungen des Nachvollziehenkönnens. Und der Bogen zum Schwulenklatschen war auch wieder sehr kunstvoll, wenn auch nicht leicht verständlich. 😉

    David

    6. August 2008 at 10:09

  17. Es geht gar nicht um’s Schwulenklatschen beim „schwulen Studenten“ – das ist ein Typus, der in bestimmten, insbesondere Hip Hop-affizierten Kreisen als „geht gar nicht“ gilt. Weibisch, vergeistigt und kein Arsch in der Hose, sozusagen. Diese ganzen Tocotronic-Typen.

    Und natürlich isses Denkfaulheit, irgendwas als „Gelaber“ abzutuen …

    momorulez

    6. August 2008 at 10:19

  18. „Validität und Reliabilität sind doch zuallererst auch nicht mehr als Wissenschaftskonventionen und daher abhängig von genau solchen Rekonstruktions- und Interpretationsprozessen.“

    Das wuerde ich so nicht sagen, ‚Konvention‘ wuerde bedeuten, dass bestimmte Techniken ausserhalb bewusster Setzung, eben als ‚mitgenommene Konvention‘ auftreten. Das ist aber nicht der Fall, ‚Validitaet‘ und ‚Reliabilitaet‘ sind Termini, die innerhalb der angewandten Wahrscheinlichkeitstheorie DEFINIERT sind, es ist sehr missverstaendlich, hier von blosser Konvention zu reden. Axiomatik innerhalb der reinen Mathematik oder der theoretischen Physik ist auch keine KONVENTION, sondern eine Setzung, eine Definition. Nach dieser Setzung ist der umgangssprachliche Begriff seiner Alltagsbedeutung enthoben, das missversteht man hier und da und wundert sich dann, warum die Statistiker von ‚Reliabilitaet‘ reden, wo evtl. fuer den aussenstehenden gaenzlich unsinnige Ergebnisse stehen.

    Andreas

    13. August 2008 at 21:28


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