shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

80

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Referenz

Der wäre ja heute 80 geworden. ich habe eher ein gespaltenes Verhältnis zu Andy Warhol. Rein musiksozialisatorisch waren „The Velvet Underground“ für mich ja ganz zentral. Die hatten historisch den Punk ja nicht nur vorbereitet, sondern biografisch eigentlich auch wieder vom Tisch gefegt. Vor dem Werk von Warhol hingegen stehe ich immer etwas sprachlos. Die Siebdruckverfahren, das Serielle der Bilder, das hat mich nie wirklich gepackt. Die Ikonen Liz Taylor, Mao oder die Monroe waren schlichtweg keine Ikonen für mich, und der Reiz der „Campbell Soup“-Dosen wurde ja schon frühzeitig durch die Museums-Shops zerstört. Das hat lustigerweise eine Reauratifizierung des Siebdrucks zur Folge. „Durchlauferhitzer des Glamours“, nennt die SZ den Warhol heute. Und „Drella“ war ja auch so ein Spitzname von ihm. Dieses Bild als Künstler-Unternehmer zwischen cooler Sau und schüchterner Prinzessin, ist ja auch nicht unproblematisch. Folgerichtig wurde er dann auch zum Abziehbildchen seiner selbst. Die Zitierfähigkeit in der Popkultur wäre an ihm wohl am deutlichsten sichtbar zu machen. Und seine Time Capsules waren schon auch irgendwie Vorläufer der Blogs, in ihrer zeitgebundenen Dokumentation des Subjektiven. Wahrhols Filme stattdessen fand ich irgendwie immer super. Weiß noch, dass ich als 17-jähriger einen seiner Filme auf Arte gesehen hatte, nachts um halb 3 (müsste „Sleep“ gewesen sein) Und bin selber immer wieder dabei eingeschlafen, weil sich das Bild nie änderte. Und „Blow Job“ da oben, das ist ja mehr als bloße Pornoästhetik. Eigentlich geradezu der Versuch, den Idealtypus des Oralsex darzustellen, ihn aber gleichzeitig zu invertieren. Diese ganze aktiv-passiv-Differenz des Sex wird auf den Kopf gestellt. Und ein Bild des schwulen Begehrens ließe sich sicherlich auch entziffern – nicht zuletzt, weil es so mythenumrankt ist, dieses Filmchen.

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Written by lars

6. August 2008 um 11:34

Veröffentlicht in Das Netz, Medien, Pop

11 Antworten

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  1. Lieber vorsichtig sein mit auf-die-Seite-holen von Warhol-Material, selbst wenn es offensichtlich nur eine Youtube-Verlinkung ist. Dessen Erbfolge-Foundation hat schon ganze Firmen in den Pleite getrieben, erzählt man sich. Vielleicht leiber nur verlinken?

    So als bildenden Künstler weiß ich auch immer nicht, ob ihn nun hasse oder nicht. Das ist einerseits eine Komplett-Entwertung von allem, was noch halbwegs versucht hat, irgendwie authentisch zu sein – umgekehrt war genau das dann ja auch Aussage, insofern habe ich das schon auch immer einen kritisch-postmodernen Bezug gesehen. Das ist schon alles sehr ambivalent mit der Pop-Art – und die grandiosen Velvet Underground haben für mich auch ästhetisch wenig mit dem zu tun, was Warhol so getrieben hat.

    Hatte heute morgen auch gedacht, was zu schreiben, aber der war so dermaßen prägend für alles, was nach ihm kam, daß ich mich nicht getraut habe …

    momorulez

    6. August 2008 at 11:43

  2. Okay, habe ich geändert. ich bin da wirklich auch hin und her gerissen.

    Die Velvets habe ich nur gebracht, weil ich mich mittels ihnen Wahrhol genähert habe. Über das Bananencover mit der ablösbaren Schale. Deswegen weiß ich nicht, ob es bei Wahrhol nicht schließlich doch auch um sowas wie eine Vermarktung des Authentischen geht. Dass die Musikindustrie bei der Wiederveröffentlichung des Albums es z.B. nicht schaffte, dieses Cover entsprechend wiederzugeben, dass ließ die LPs von damals ja zu exorbitant teuren Sammlerstücken aufsteigen. Eine „echte“ Platte von damals, ungeschält…

    lars

    6. August 2008 at 12:22

  3. Na, die Musik selbst ist aber doch sehr anders als die Marilyn, die Suppendose, der Autounfall oder auch die Filme … in der Musik von Velvet Underground gibt es Leid, Begehren, Zerissenheit ja nicht nur im Sinne einer Reproduktion der Reproduktion.

    Musikalisch ist Warhol vielleicht – zum Teil – ja eher mit Glam, Wave und Disco und später dann in den 80ern erst so richtig zu sich selbst gekommen.

    In den Filmen ist Warhol ja auch eher Voyeur, als daß er schwules Begehren in’s Bild setzen würde.

    Da sind sogar Bob Mizers nicht-künstlerische Wrestling-Filme näher dran an sowas, was man „schwules Begehren“ nennen könnte (was es so aber natürlich gar nicht gibt), oder dieser „Pink Narzissus“-Film, der irgendwie ja auch Pop Art ist, aber ganz als Warhol.

    Ich finde Warhol eigentlich auch nur richtig gut, wo das Distanzierte selbst weh tut …

    Ich muß noch mal diese Passagen in dem „Camp“-Aufsatz von Susan Sonntag zu Warhol raussuchen, die fand ich recht treffend …

    momorulez

    6. August 2008 at 13:48

  4. DIE WELT zum Thema:

    „Vor allem aber sind es seine künstlerischen Arbeitsweisen und Strategien, die wirken: der scheinbare Verzicht auf eine persönliche Handschrift bei Arbeiten, die aus einer „Fabrik“ kommen, und die Radikalbejahung der Oberflächen der Medien und Massenprodukte, die immer sowohl als Begeisterung wie auch als Verstörung lesbar war.
    Er porträtierte Mai Tse-tung und Toni Schumacher
    Andy Warhol zeigte Suppendosen und Liz Taylor mit der gleichen Ungerührtheit wie elektrische Stühle und Autounfallopfer, er porträtierte mit der gleichen Technik Mao Tse-tung und Toni Schumacher. Das war und ist skandalös, weil es Frivolität und Ernsthaftigkeit eins werden lässt. “

    http://www.welt.de/kultur/arti2284748/Nie_war_Andy_Warhol_so_wertvoll_wie_heute.html

    momorulez

    6. August 2008 at 14:04

  5. Mit der musikalischen Einschätzung bin ich ganz einverstanden.

    Zum Voyeur und schwules Begehren: Klar gibt es das nicht einfach „so“. Es ging mir dabei eher darum: „Mann als Objekt der Lust von Männern (Warhol als Filmer und diese Geschichte eben, dass es 5 Männer gewesen seien, die eben nicht zu sehen sind).

    Was Du zur Distanz und Schmerz geschrieben hast:: Als ich die Filme auf You tube durchsuchte, fiel mir zuerst „Kiss“ ein. Und beim Ansehen musste ich stets an dieses Video von Marina Abramovic und Ulay denken, in denen sie sich über mehrere Minuten mit nur einem Atemzug gegenseitig beatmen, bis sie nicht mehr können. das war ja auch gut 10 Jahre später…

    lars

    6. August 2008 at 14:14

  6. Kiss? Die Band? Das Video von Prince?

    momorulez

    6. August 2008 at 14:22

  7. Der Film von Warhol, Mensch:

    http://de.youtube.com/watch?v=Qnms-tLsNs4

    lars

    6. August 2008 at 14:28

  8. Von der Abramovic/Ulay-Performance habe ich leider kein Video im Netz gefunden, aber wenigstens diese Beschreibung:

    http://catalogue.montevideo.nl/art.php?id=737

    lars

    6. August 2008 at 14:30

  9. Die:

    … sind aber auch nicht schlecht 😉

    momorulez

    6. August 2008 at 14:30

  10. YES!

    Warum gibt es kein Smiley, dass einer Fledermaus den Kopf abbeißt oder Blut spuckt ??? 😉

    lars

    6. August 2008 at 14:32

  11. Gibt’s bestimmt!
    Im St. Pauli-Forum gibt’s z.B. auch viel mehr Smileys als hier!

    momorulez

    6. August 2008 at 14:36


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