shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Huuuuuuuuuuuu, love to love you, Baby!

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Na, da kommt ja mal was richtig Spannenendes im so oft gescholtenen, öffentlich-rechtlichen Fernsehen: ARTE begibt sich heute abend auf den Dancefloor und läßt erklingen, was, seitdem „Saturday Night Fever“ als mein erstes, selbst gekauftes Vinyl den Grundstein für mehrere Meter auf den Fußböden meiner WG-Zimmer legte, auch meinen Lebensrhytmus immer neu antrieb und antreibt: Disco. So gibt’s heute nicht nur die ewigen ABBA, die zu recht ewigen, sondern auch das folgende zu sehen:

Rock fucks – Disco sucks“: So enden die 70er. Rock-Fans attackieren leidenschaftlich den Disco-Sound. Er wird von ihnen als Plastik-Soul und Fließband-Musik abgestempelt. Doch ist es wirklich der Musik-Stil oder eher die Lebenseinstellung, welche mit der glitzernden Tanzmusik verbunden wird, die dem harten Rockliebhaber auf die Nerven geht? Disco gibt sich ungeniert als vordergründiges Entertainment, während Rockfans in ihrer Musik wahren Gehalt wittern. Gerade jene, die ursprünglich durch Folk sozialisiert sind, sehen im Drehen der Disco-Kugel die große Lüge, das Falsche, den reinen Kommerz, weil Disco nie Tiefsinn für sich reklamierte. Disco ist kalkulierte Weltflucht, Amüsement, Show und Glitter. Für den nach Authentizität strebenden Rocker sind die Manierismen des Disco ein Feindbild. In Lipgloss ertränkte und mit Föhnwellen „verunstaltete“ Vögel sind dessen Anhänger in den Augen der Rocker, solche, die in schicken Anzügen oder hautengem Satin zu Discofox im Gleichmaß klatschend die Tanzfläche bevölkern – für Headbanger und Luftgitarrenspieler ein Horrorszenario, weibisch, verkünstelt, affektiert. Den echten Kerlen ist das suspekt. Und so kommt zum Ende des Jahrzehnts, was kommen musste: der Clash zweier Musikstile. Am 12. Juli 1979 findet im Comiskey Park in Chicago die „Disco Demolition Night“ statt, initiiert von zwei Radio-DJs. Geplant ist zwischen zwei Baseball-Spielen Disco-Platten zu verbrennen. Doch während des Spiels fliegen schon Disco-Platten auf das Spielfeld. Es kommt zu Ausschreitungen, Feuer werden gelegt, das zweite Spiel kann nicht mehr angepfiffen werden. Chaos herrscht. Die „Disco-Sucks“-Kampagne ist eher eine weiße, machistische Reaktion gegen „Gay Liberation“ und „Black Pride“ und richtet sich nur bedingt gegen die Musik. Denn vor allem zu Beginn der Disco-Ära am Anfang der 70er Jahre findet Disco beim afroamerikanischen, puertoricanischen und homosexuellen Publikum in US-amerikanischen Großstädten Zuspruch.

Sei nur so ausführlich zitiert, weil hier zusammen geht, was heute massenmedial unterstützt als grundlegende Gegnerschaft bis hinein in’s ZDF-Hauptprogramm fast schon genüßlich zelebriert, manchmal auch nur wie selbstverständlich inszeniert wird: Formen der Black und Gay-Culture.

Da läuft dann ’ne nette Reportage über Kapstadt, ein sehr sympathischer Rastafari-Chaffeur nimmt die Filmenden noch mit in die Dancehall im Township, und der Off-Text verkündet fast beiläufig, daß die Rastas ja was gegen Schwule hätten. Ohne weiteren Kommentar.

Was ja zum Teil alles andere als falsch ist, immerhin werden manchen Acts aus Jamaica völlig zu Recht europäische Bühnen verwehrt, weil Mordaufrufe gegen Schwule die Grenzen des Freedom of Speech recht offenkundig überdehnen (übrigens auch Dank der Berufung auf’s alte Testament treibt die „Homophobie“, niedlicher Begriff in dem Zusammenhang, dort solch drastische Blüten, das gab’s nicht vor den Kolonisatoren auf Jamaica) – merkwürdig ist nur dieser oben zitierte Off-Text, der in dieser Form bei einem Beitrag über den Weltjugendtag mit päpstlicher Performance oder eine Vorstadt-Disco in Rom niemals geschrieben und gesprochen würde.

Ja, ist ja nicht lange her, daß quer durch die Blogs auf einmal eine Postmoderne-Diskussion enflammte, um sowas ging’s deren Protagonisten: Homophobie wird ganz praktisch ethnisiert, Ethnozentrismus halt, und das ist dann immer auch zugleich ein invertiert sexistischer Akt, weil natürlich auch all die Schwatten oder die nah dran am Schwarz ganz vorteilhaft exklusive Träger von Sexismus-Genen sind. Schreibt Steffen H. bestimmt bald was drüber.

Weil er zudem auf der Dichotomie Homo- und Heterosexualität aufbaut, wobei erstere nur als irgendwie abgeleitet vom Vaginal-Fick gedacht wird und Frauen so vortrefflich Objekt bleiben.

Ein drastisches Beispiel fand sich jüngts bei RTL2: Ein zum Gangsta umgeschulter Literaturstudent rappte dort fortwährend gegen schwule Jungs aus San Francisco, auch das so ganz unproblemtaisch stundenlang gezeigt, nicht weiter erwähneswert, so sind die halt, die Nigga in all ihren Varianten von türkisch über arabisch bis hin zu „afrikanisch“, und wer da mistpielen will, muß zuerst mal vergessen, daß all die weißgewaschenen Knackarsch-Gymnasiasten beim HSV auch fortwährend „Du Schwuchtel“ brüllen und „das ist mir zu schwul“ die Alltagssprache auf’s wesentliche des Deuschtums längst reduziert hat.

Nö, all das kein Thema bei RTL 2, aber um um bei den Türkischstämmigen aus Kreuzberg Street Credibility zu ernten, muß man in deren Augen schon drastisch Homos dissen – und daß das Ganze dann im Fick bei der Polonaise endet und nicht etwa dabei, sich z.B. einen blasen zu lassen oder dies wechselseitig zu tun oder an den Zehen zu lutschen oder sonstwas zu tuen, das alleine bestätigt doch alles, was Frau Butler schreibt:

„Entweder ihr seid alle Fans von „CrizzGo“ /

oder ihr seid schwule Jungs aus San Francisco /

ihr setzt euch ein für die Homo-Ehe /

habt Schwänze hintendrin bei der Polonäse.“

Zudem der Subtext ja immer bleibt: Die Kanacken machen den weißen Mann so primitiv. Eigentlich ist der ganz anders.

In der Tat hat gerade das Zeichen- und Rhythmen-System von Disco, aller Kommerzialisierung zum Trotze, da ein bis heute anarchisches Fanal dagegen gesetzt: Wenn man heute z.B. den Sänger von Hot Chocolate betrachtet, dann wirft der das alles um, „You sexy thing“ – während zugleich all diese Hip Hop-Heinis auf seinen Rythmen weiter rappen, wahrscheinlich, ohne es zu wissen. Muß man nur die Altvorderen des Sounds noch mal sich anhören, Kurtis Blow „the Breaks“ zum Beispiel, funky, hey, nicht reine Disco, aber gleiche Welt, da hat dieses gegeneinander Ausspielen der Subkulturen noch nicht gegriffen, rein musikalisch. Dazu MUSS man einfach mit dem Arsch wackeln.

Und wer wetterte schon in den Seventies gegen den Disco-Sound, siehe oben? Natürlich nicht nur Schwule hassende Rassisten-Trucker-Rocker aus der US-Provinz, nein, natürlich auch diese ganze „Natur- und Authentizität“-Fraktion auf der linken Seite, die ja bis heute viel ästhetisches Unheil anzurichten vermag (Grönemeyer! Juli! O Graus!) und dann gegen die „Zersetzung“ linken Denkens durch die Postmoderne polemisiert.

Das ist das Großartige schon am schlichten, oben ausführlich zitierten Pressetext: Viele vertraute Frontstellungen bringt der mal eben durcheinander, und deshalb kann’s als gewichtiges politisches Ziel nur eines geben: Eine neue Rocky Horror Picture Show muß erdacht werden. Mit einem schwarzen Frank N. Further, einem „türkischstämmigen“ Rocky und einem Meat Loaf im linken Demo-Outfit … oder so. Oder ganz anders. Vorschläge erbeten.

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Written by momorulez

19. August 2008 um 20:24

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

41 Antworten

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  1. Oh ja – und bitte bitte nicht von 40-jährigen Produzenten, ob schwul oder nicht, die verstopfen mit ihrem Verständnis der Pop-Kultur doch jede Kreativität.

    Gehe Donnerstag das dritte Mal in Mamma Mia und freue mich schon wie Bolle. Endlich bin ich wieder cool genug für Disco, Abba und Haven’t Stop Dancing Yet – wurde aber auch Zeit 😉

    ring2

    19. August 2008 at 23:33

  2. „Oh ja – und bitte bitte nicht von 40-jährigen Produzenten, ob schwul oder nicht, die verstopfen mit ihrem Verständnis der Pop-Kultur doch jede Kreativität.“

    Wie soll ich das denn jetzt bitte verstehen?????????

    MomoRules

    19. August 2008 at 23:58

  3. Wie soll ich das denn jetzt bitte verstehen?????????

    Da meine ich uns alle, Dich, mich, unsere ganze Generation. Wir sind eben in einer Phase, in der die letzte starke (zahlenmäßig) Generation sich anschickt keinen Platz zuzulassen. Wir erdrücken neue Deutungen mit ewigen (manchmal guten) Retrospektiven.

    ring2

    20. August 2008 at 15:59

  4. Ach, das ist doch nun echt völliger Quatsch. Ich habe das gleiche Recht auf Retro und Deutung wie jeder 20-jährige oder 85-jährige auch.

    Nachdem sich jahrezehntelang alles um die 68 bündelte, damit auch ja keiner mitbekommt, welche Brüche sich 77-83 vollzogen haben, ist’s vielmehr an der Zeit, daß wir gegen diese ganzen Marketing-Schleimer unserer eigenen Generation mal wieder um einiges lauter werden, damit die Kids nicht völlig verblöden.

    momorulez

    20. August 2008 at 16:24

  5. Also, ich habe damals Disco-Musik so richtig Scheiße gefunden (und mein ganzes Umfeld auch), und ich tue das auch heute noch. Ich würde aber nie nie nich auf die idee kommen, dass Hot Chocolate Disco wäre (das würde ich als Soul bezeichnen) oder Abba und The Sweet (das ist Pop) oder die Rocky Horror Picture Show (das ist Rock-Pop-Crossover). Disco-Musik zeichnet sich aus durch einen monotonen Basedrumbeat (schon so ähnlich wie Techno, nur längst nicht so schnell) und das Retortenhafte des Gesamtarrangements (Musik entsteht am Mischpult und wird nicht mehr selber komponiert, Music- oder Fullplayback, häufig sind die „Interpreten“ reine Poser, die weder singen noch spielen. Also, Disco-Musik, das waren neben Olivia Newton-John (die ich nicht schlecht fand, das war aber auch der Höhepunkt des Discosounds) so Bands wie Baccara, Silver Convention, Boney M oder Donna Summer und Carl Douglas.

    @“Und wer wetterte schon in den Seventies gegen den Disco-Sound, siehe oben? Natürlich nicht nur Schwule hassende Rassisten-Trucker-Rocker aus der US-Provinz, nein, natürlich auch diese ganze “Natur- und Authentizität”-Fraktion auf der linken Seite, die ja bis heute viel ästhetisches Unheil anzurichten vermag (Grönemeyer! Juli! O Graus!) und dann gegen die “Zersetzung” linken Denkens durch die Postmoderne polemisiert.“ — Da wetterten noch andere: Punks und Headbanger, die sich über den „Plastiksound“ lustig machten und Linksrocker wie TonSteineScherben, Swinging Mescalero, Slime oder Cochise, die im Einklang mit Diedrich Diederichsen die Discowelle als die Totalkommerzialisierung und gleichzeitig inhaltliche Entkernung (im Sinne von Entfernung des irgendwo immer noch vorhandenen rebellischen Kerns) der SexandDrugsandRock´nRoll-Popkultur kritisierten. In dieser Lesart war Disco die Vorform von Popper- und Yuppietum. Das war auch die Sichtweise von dem, was du als Natur- und Authentizitäts-Fraktion bezeichnest von Lindenberg bis Kunze und Hagen (exemplarisch: Ulla Meineckes Anti-Discolied „Ompf Schlompf Discomompf“).

    Was für Unheil hat Juli angerichtet? Wo ähneln die Gröhlemeier?

    che2001

    20. August 2008 at 19:15

  6. Na, zunächst mal war Olivia-Newton John durch den Beginn der Fiftie-Revivals, nämlich „Grease“, irgendwie mit hochgeschwappt, da hatte allenfalls noch „You’re the one that I want“ irgendwie ein ganz klein wenig mit Disco was zu tun, und musikalisch dolle war’s auch nicht, aber trotzdem ganz wundervoll 😉 … das ist aber auf irgendeiner Ebene ’ne Vorstufe zu Kohl gewesen, wie auch die Teds damals oder Shakin Stevens oder die Heinz-Erhardt-Filme in den Programmkinos.

    ABBA haben mit Glam und Disco und noch ganz anderen Geschichten gleichzeitig gespielt, aber „Lay all your love on me“ ist ’n Disco-Knaller, „Gimme a man after midnight“ auch, weil sich das nie rein musikologisch bestimmen läßt, sondern immer auch in einem kulturellen und ästhetischen Szenario situiert ist. Pop ist eh kein genre.

    Und Disco ist ganz klar aus Funk und Soul entstanden, da kann man nicht irgendwelche puristischen Grenzen ziehen. Zum Szenario gehören auch die Commodores und Kool and the Gang und Earth, Wind & Fire. Auch ’n George Clintion hat sich ja gestern ganz auf die Seite von Disco geschlagen.

    Sweet und irgendwie -irgendwie – auch Rocky Horror waren Glam, letztere auch mit anderen Versatzstücken, wobei die Glam-Ästhetik doch ziemlich fließend in Disco überging, die reine Outfit-Optik-Geschichte, und da hat die Rocky Horror im Grunde genommen radikalsiert, großartig, dieser Film. Ntürlich: Wersich entdecken will, kann damit nix anfangen. Wer mit Identitäten spielen und sich erfinden will allerdings eine ganze Menge …

    Vom Glam gab’s dann auch Abzweigungen zu manchem in Punk und Wave, über Bowie vermittelt zum Beispiel, aber hättest Du den Film gestern gesehen, dann wüßtest Du, wieso mir gerade diese Headbanger-Heinis auch retrospektiv noch schwer auf den Sack gehen.

    Der frühe Punk hat sich natürlich abgegrenzt, das sagt aber ja noch nix über die Qualität der damaligen Kritik aus, und die Sex Pistols waren genau so ein Produkt wie Donna Summer auch.

    Um sich konsequent der „Kommerzialisierung“ zu entziehen, muß man sich schon echt auf den Schönberg-, nicht den Punk-Standpunkt stellen, und die Neubauten haben sich auch lange wacker gehalten.

    Interessant wurde es mit D.A.F. und solchen Bands, die ja bestimmte Disco-Elemente aufgenommen haben, aber selbst bei Malaria konnte man sowas raushören, nicht umsonst ließ sich „Kaltes klares Wasser“ so gut remixen. Klar, da kam in Deutschland auch immer die elektronische Musik hinzu, Kraftwerk und so, als maßgeblicher Einfluß, aber auf Moroder hat sich völlig zu Recht noch Westbam berufen.

    Und so sehr ich Rio Reiser liebe: Ob nun gerade der der Maßstab für Disco-Kritik sein sollte? Und nicht umsonst hat der später mit Marianne Rosenberg rumgemacht, die ja ein paar echte Philly-Sound-Kracher rausgebracht hat, war ja fast späte Reue.

    Und diese ganzen anderen „Autoritäten“, die Du jenseits jeglicher Argumentation da oben aufzählst: Vielleicht haben die sich ja einfach geirrt, weil sie Körperlichkeit und bestimmte emotionale Dimensionen, bestimmte Freiheitsgefühle vor lauter linken Politphrasen, die man zu dreschen hatte, noch nicht mal im Ansatz verstanden haben?

    Bei Cochise-Konzerten war ich damals ja auch, fand ich super, und finde auch im Nachhinein Häuser besetzen den politischeren Akt als zu „How deep is your love“ zu schmusen, aber daraus dann ästhetische Dogmen abzuleiten, das hat mich schon immer fuchsig gemacht .- die BeeGees sind einfach musikalisch 10-100 Nummern größer als Slime, bei aller Sympathie für diese.

    Und Disco war als ästhetisches Szenario für Homos ein Befreiungsschlag, auch als Lebensform, und genau dagegen habe ich viele dieser linken Ästhetik-Spießigkeiten immer gerichtet gesehen und fühlte mich dann in der Tat nicht minder bedroht als von katholischen Priestern. Das war für mich auch das Ausklinken aus politischen Gruppen an der Uni viel später.

    Juli und Grönemeyer? Erstere sind sogar noch schlechter, weil Grönemeyer wenigstens einen ziemlich eigenen Umgang mit Sprache hat -aber dessen Gestus und Rangehen an Musik, boooah, da schüttelt’s mich und ich verstehe all die Ausfälle Statlers gegen die Sozialpädagogisierung.

    Juli ist so wie Udo Jürgens, und zwei gute Songs von dem sind mir allerdings auch bekannt.

    Dann doch lieber Tomte und Kettcar und so, die haben immer noch ’nen Schlenker drin, der nicht das einfach nur trivialisiert, woran ich glaube.

    Während ich mit offener und ehrlicher Trivialität wenig Probleme habe, wenn schon plakativ, dann richtig, aber doch nicht irgendein Niveau vorgaukeln, das gar nicht da ist.

    Was mich bis heute irre macht, ist im Grunde genommen auch dieses Eindreschen auf Disco aus Ecken, die gleich all das, wofür das stand, mit unterdrückten. Halte zum Beispiel „Saturday Night Fever“ immer noch für einen großartigen Film, und die Art, wie er an Sozialkritik rangeht, ziemlich gut.

    Disco hatte es nie nötig, auf andere Musiken einzuschlagen, während die Disco-Gegner unter rassistischen und homophoben Parolen Disco-Platten verbrannt haben. Hätte jetzt auch gereicht als Antwort, der letzte Absatz.

    Liebe ja auch das Post-Punk- und Folk-Szenerio, in dem ich irgendwie noch verortet bin. Es war für mich nur nie möglich, das als Kritik an donna Summer zu leben. Weil’s dann repressiv wird.

    momorulez

    20. August 2008 at 21:04

  7. @“Pop ist eh kein Genre“ — Nein, ist es nicht, aber eine Abgrenzung von Pop zu Rock einerseits und Schlager und Folk andererseits gibt es ja schon, auch wenn die schwammig bleibt. Ich gebe gerne zu, dass ich da schematischen Plattenladen-Kategorisierungen folge. Und dem, was Klein-Che so im Musikunterricht an der Schule lernte.

    @“Und diese ganzen anderen “Autoritäten”, die Du jenseits jeglicher Argumentation da oben aufzählst: Vielleicht haben die sich ja einfach geirrt, weil sie Körperlichkeit und bestimmte emotionale Dimensionen, bestimmte Freiheitsgefühle vor lauter linken Politphrasen, die man zu dreschen hatte, noch nicht mal im Ansatz verstanden haben?“ —- Erstmal sind das für mich keine Autoritäten, das erfindest Du, sondern nur Beispiele für Kritiken am Disco-Sound, die in Deiner „Entweder homophobe Redneck-Truckerrocker oder sozialpädogisierende Mainstreamlinke“ nicht vorkommen. Ich würde auch nicht sagen, dass die Flying Lesbians, pogende Punks oder bangende Metaller Körperlichkeit nicht im Ansatz verstanden hätten. Für mich drückte Discosound auch weniger Körperlichkeit als vor allem Konsumismus aus.

    @“Disco hatte es nie nötig, auf andere Musiken einzuschlagen, während die Disco-Gegner unter rassistischen und homophoben Parolen Disco-Platten verbrannt haben.“ — Nicht DIE Disco-Gegner, sondern bestimmte Disco-Gegner. Mit der Argumentation könnte man auch für die zeugen Jehovas sein, weil die Nazis diese verfolgten.

    @“Liebe ja auch das Post-Punk- und Folk-Szenerio, in dem ich irgendwie noch verortet bin. Es war für mich nur nie möglich, das als Kritik an donna Summer zu leben. Weil’s dann repressiv wird.“ — Wird es das zwingend? Extrapolierst Du da nicht Deine persönlichen Erfahrungen mit repressiver Kritik auf alle möglichen Kritiken, die es an Discosound geben kann?

    che2001

    20. August 2008 at 22:15

  8. „Nein, ist es nicht, aber eine Abgrenzung von Pop zu Rock einerseits und Schlager und Folk andererseits gibt es ja schon, auch wenn die schwammig bleibt.““nicht-kommerziell“ ausruft, und auch nicht durch das Faktum der Gegnerschaft.

    „Wird es das zwingend?“

    Ja, das ist zwingend.

    Das hat auch nix mit Deanschen Anwandlungen zu tuen … es gibt auch sowas wie ästhetische Objektivitäten, und die Allergien ge

    Na, dazu sind dann aber all die Pop-Rock-Fusionen zu dominant, und es gibt und gab ja auch Folk-Pop-Varianten, „Am Tag, als Conny Kramer starb“ zum Beispiel, was daran liegt, daß Pop ein Reflektions- und Synthesierungsprinzip ist, aber eben kein Genre.

    „Für mich drückte Discosound auch weniger Körperlichkeit als vor allem Konsumismus aus.“

    Ja, eben. Weil Du Disco wie einen Inhalt in einem Text liest. Das ist aber keine adäquate Herangehensweise an Musik.

    „Beispiele für Kritiken am Disco-Sound , die in Deiner XYZ nicht vorkommen“

    Ist das so? Hat nicht vielleicht doch Diedrichsen und viele andere auch im Grunde genommen mit Van Halen paktiert?

    „Nicht DIE Disco-Gegner, sondern bestimmte Disco-Gegner. Mit der Argumentation könnte man auch für die zeugen Jehovas sein, weil die Nazis diese verfolgten.“

    Na, wenn das Leben mal so einfach wäre, daß solche Vergleiche hinhauten – es geht um die Kriterien für Kritik, und die unterscheiden sich ja nicht mal eben dadurch, daß manch einer vorm Einkaufen gehen noch mal gen vieles aus der Disco-Ecke stehen da unter Rechtfertigungsdruck, nicht die Musik, die kritisiert wird …

    momorulez

    20. August 2008 at 22:34

  9. Fehlt Dir irgendetwas? Ich kann erahnen, was Du mir sagen willst, aber da müssten komplette Satzpassagen eingesetzt werden.

    che2001

    21. August 2008 at 8:20

  10. Na. hinter dem Allergie-Satz fehlt was, habe häufiger überarbeitet, dann bleiben manchmal oben Reste, weil man unten rumredigiert hat, und vor dem „nicht kommerziell“, aber der Rest ist doch recht klar …

    momorulez

    21. August 2008 at 8:31

  11. Außerdem, hey, jetzt auch noch Normailsierung, was Schreibweisen betrifft – immer dieses Diktat des vollständigen Satzes!

    Und natürlich, in klassischer Patholosgisierungs-Manier fehlt dann gleich mir was und nicht etwa nur den Sätzen 😉 …

    Zudem: Sowas ist gut, um Konzeptfische abzuwehren. Das ist so ähnlich wie mit den Diktiergerätschleifen!

    momorulez

    21. August 2008 at 8:56

  12. Ich habe mein Diktiergerät noch nie geschliffen, das ist vielleicht ein Fehler…

    che2001

    21. August 2008 at 9:25

  13. Nee, Du hast wahrscheinlich das sensationelle „Gedankenhaie“ von Steven Hall noch nicht gelesen 😉 …

    http://www.perlentaucher.de/buch/26641.html

    momorulez

    21. August 2008 at 9:40

  14. In der Tat habe ich das nicht. Buy the way, wie der Strassenhändler sagt: Kennst Du den Film „Stay“ von Marc Forster? Absolutes Muss…

    che2001

    21. August 2008 at 10:04

  15. Nee, bin ja eigentlich kein Cineast … aber den neuen Batman muß ich unbedingt gucken!

    momorulez

    21. August 2008 at 10:11

  16. Das hatte ich befürchtet 😉

    che2001

    21. August 2008 at 10:23

  17. Juchu, endlich wieder Pop-Themen bei sr 😉

    Der neue Batman ist auch so ein schlimmes Phänomen von Sequels, die vor den Anfang der Geschichte zurück sich begeben, um die Schar der Ü30-Fans – die Mehrheit der werberelevanten Menschen – mit bekanntem abzuholen.

    Gruselig diese Zombie-Auferstehungen. Von Indiana Jones bis Rambo.
    Einzige Ausnahme: Rocky, da hatte man den Mut sich mit dem Alter und dem Scheitern auseinanderzusetzen.

    Wo sind die neuen Rocky-Filme, ich kann sie nicht entdecken.
    Ist wirklich alles schon mal gemacht, oder fehlt der nachfolgenden Generation einfach der Druck sich durchzusetzen gegen den ollen Propfen, den wir unsere Generation nennen?

    ring2

    21. August 2008 at 16:44

  18. Na ja, Narnia wäre für mich ein Thema, aber Batman ganz sicher nicht. Ich habe so im Alter von 8-11 die Comics gelesen, dann war das Thema für mich durch. Den Trailern nach scheinen diese Batman-Filme aber auch furchtbarer Trash zu sein.

    che2001

    21. August 2008 at 18:12

  19. @Kritik an Donna Summer: Die speziell muss man überhaupt nicht kritisieren. War ja in Ordnung, was sie gemacht hat, und ist ja auch ne tolle Frau. herrjeh, die Empörung über ihr Gestöhne damals zeigt, wie prüde die angeblich sexuell ach so libertinären 70er sein konnten (einerseits. Andererseits hat natürlich auf anderen Ebenen ein grauslicher backlash stattgefunden). Hat aber auch ähnliche Züge wie die Empörung über den Mescalero-Nachruf, die ich aus heutiger Sicht so gar nicht nachvollziehen kann (und andererseits auch das wieder, kann ich mich doch an die Terrorhetze noch genau erinnern). Was ich an Discomusik so Scheiße finde, waren europäische Retortenbands, meist von Frank Farian oder Georgio Moroder (und ich glaube, auch damals schon Ralph Siegel) produziert, also wie gesagt Silver Convention, Baccara, Les Humphries Singers, Boney M usw. und die damit zusammenhängende Busserl-Schickeria und der Teil meiner Altersgenossen, die auf das Ganze (dann allerdings in erster Linie natürlich auch oder noch mehr Olivia und John und Donna) abfuhren, in silbernen Pseudoglamglitterjacken und Elvisscheitel herumrannten, definiiv apolitisch waren, sich ihr Weltbild von der Bravo zimmern ließen und sich „Teenie-Bopper“ nannten. Die Leute waren für mich damals ein Feindbild. Also nicht in dem Sinne, dass man denen was tun wollte, sondern dass man keineswegs so werden wollte wie die. Aber nicht weil „zu schwul“, sondern weil zu brav, zu angepasst.

    chezweitausendeins

    21. August 2008 at 18:36

  20. @Ring2:

    „oder fehlt der nachfolgenden Generation einfach der Druck sich durchzusetzen gegen den ollen Propfen, den wir unsere Generation nennen?“

    Sach mal, was hast Du denn gerade für ein Propfen-Problem? In meinem Umfeld kommen wir gerade erst an’s Ruder … und Du magst ja einer sein, würde ich so zwar nie behaupten, aber wenn Du das so siehst – ich bestimmt nicht 😀 ….

    @Che + Ring2:

    Batman ist großartig! Ein ganz wundervoller Mtyhos rund um die Nacht, unbewältigte Traumata, idiotische Neurosen und Zwangsverhalten, letztlich die Unmöglichkeit, sowas wie die Scheidung zwischen Gut und Böse aufrecht zu erhalten – und außerdem auch noch ziemlich sexy, die Comics zumindest.

    Habe gar nicht alle Verfilmungen gesehen, aber die mit Schwarzenegger als Ice-Man und die mit Val Kilmer, die fand ich schon sensationell. Und jede Menge schwule Untertöne gibt’s auch – wundervoll und viel erhellender als vieles, was so als credible gilt.

    Hat auch mit „Zombie“ wenig zu tuen, wobei’s auch sensationelle Zombie-Filme gibt …

    @Che:

    „die damit zusammenhängende Busserl-Schickeria und der Teil meiner Altersgenossen, die auf das Ganze abfuhren, in silbernen Pseudoglamglitterjacken und Elvisscheitel herumrannten, definiiv apolitisch waren“

    Na, das ist ja gerade, was mich nervt: Daß auf die Qualitäten von Musik über den Umweg der Szene-Zurodnung geschlossen wird und zudem immer die Aufforderung nach einer Politsierung des Ästhetischen mitschwingt, anstatt das Politische, das in der Musik selbst mitschwingt, vielleicht auf seine Wirkung hin zu befragen.

    Disco war nicht gut, weil’s Schwule und Schwarze gehört und auch produziert haben, sondern weil da was drinsteckt, was genau diesen Gruppen Lebensmöglichkeiten schafft. Womit ich jetzt nicht die Sloganhaftigkeit des „I a, what I am“ meine.

    Natürlich haben mich solche Leute auch genervt, das sagt aber über die Musik nix aus. In Beethoven-Konzerte gehen ja auch Arschlöcher. „Szenario“ heißt ja nicht Szene-Zugehörigkeit.

    Und Farian ist schon auch zwiespältig gewesen, weil der auch mit meiner Ansicht nach rassistischen Motiven gespielt hat. „Sunny“ ist trotzdem eine Super-Nummer, Baccara können einen Heiden-Spaß machen, und Moroder ist einer der wichtigsten Produzenten der Pop-Musikgeschichte. Wüßte jetzt auch gar nicht, was gegen „Fly, Robin, Fly“ einzuwenden wäre. Der hat ja auch die Highlighst von Frau Sommer, die ja auch mal ’ne homophobe Phase hatte, aufgenommen, z.B. das „Bad Girls“-Doppelalbum, ich glaube, das war er auch, ist einfach ein zeitloser Knaller, großartig.

    momorulez

    21. August 2008 at 19:47

  21. @“Na, das ist ja gerade, was mich nervt: Daß auf die Qualitäten von Musik über den Umweg der Szene-Zurodnung geschlossen wird und zudem immer die Aufforderung nach einer Politsierung des Ästhetischen mitschwingt, anstatt das Politische, das in der Musik selbst mitschwingt, vielleicht auf seine Wirkung hin zu befragen.“ —- Na ja, diese Mischpult-Remix-Musik mit der monotonen Basedrum und die reinen Playbacks, das war auch handwerklich nicht gerade gut. Beim frühen, originären Rap (etwa Grandmaster Flash oder Africa Bambaata) wurde das anders gelöst, weil es sich bereis wieder selbst persiflierte und z.B. das Roboterhafte des allerersten Breakdance auch als Metapher für Entfremdung und bereits wieder deren ironisierung aufgefasst wurde. Was mir damals sauer aufstieß (und ich vielleicht heute noch mal anders reflektieren müsste, es waren damals die Wahrnehmungen eines pubertären Jugendlichen) war so eine Schnittmenge aus handwerklich billiger Produktionsweise eines nicht unerheblichen Teils der Discomusik und der benannten Szene. Dass andererseits Gröhlemeier für eine damals weit verbreitete Form der singenden Sozialdemokratie mit konservativer Klampfmusik und teils ignoranter, teils elitärer Haltung gegenüber zeitgenössischem Pop und Rock steht (Klaus Lage, Wolf Maahn usw. haben halt nicht bis heute Erfolg gehabt) steht in anderer Weise auf dem gleichen Blatt.

    @“Disco war nicht gut, weil’s Schwule und Schwarze gehört und auch produziert haben, sondern weil da was drinsteckt, was genau diesen Gruppen Lebensmöglichkeiten schafft.“ — Was genau steckt da drin? Ich sehe es nicht.

    chezweitausendeins

    21. August 2008 at 21:20

  22. „Beim frühen, originären Rap“

    Was ist denn bitte originär? Das ist doch genau das mit dem Authentizitäts- und „Natürlichkeits“-Mythos, was mich tatsächlich irre macht.

    Und kein Grandmaster Flash ohne Disco, Baby.

    „Na ja, diese Mischpult-Remix-Musik mit der monotonen Basedrum und die reinen Playbacks, das war auch handwerklich nicht gerade gut.“

    Na, dafür mußt Du schon auch mit Mischpult und Basedrum umgehen können – was ist denn da Dein Kriterium für „handwerklich gut“? Und im Gegensatz dazu an den 3 Akkorden des Punk dann handwerklich toll?

    Kauf Dir mal irgendeinen x-beliebigen Philly-Sound-Sampler, da gehen Welten auf, das ist grandios …. Barry White: Auch musikalisch ist der in der Black Community als kolossal anerkannt, und es ist kein Zufall, daß er hierzulande auf Bums-Musik reduziert wird …

    „weil es sich bereis wieder selbst persiflierte“

    Also, wenn Baccara keine Selbst-Persiflage war, dann weiß ich auch nicht, was das ist, eine Selbstpersiflage.. Ebenso die Village People und die ganzen beknackten Glitter-Kostüme. Alles im postiven Sinne karnevalesk. Und dann haut Amii Stewart „Knock on wood“ raus, und selbst Grandmaster Flash können für die 3 Minuten einpacken … das allseits verhaßte, aber eben doch ziemlich wichtige „Rappers Delight“ basiert komplett auf Disco, und Kurtis Blow beruft sich auch ganz explizit da drauf, bis heute.

    „das Roboterhafte des allerersten Breakdance auch als Metapher für Entfremdung“

    Ja, das wurde ja auch nach Brecht-Seminaren im Flackerlicht der Ghetto-Mülltonnen erfunden..

    Das gab’s schon bei D.D. Jackson. Man kann auch Square-Dance roboterhaft finden.

    Diese Technikkritik der Uneigentlichkeit, also Entfremdung oder so, ist übrigens originär Heidegger.

    „handwerklich billiger“

    Was zum Teufel ist „handwrklich billig“? Der Gummitwist von Der Plan ist handwerklich billig, vergleicht man ihn Jean-Michel Jarre, aber er ist klar besser als diese süßliche Sauce.

    „Was genau steckt da drin? Ich sehe es nicht.“

    Das guckt man ja auch nicht an, das fühlt man.

    Nach Jahrzehnten des Versteckens wild rumvögeln. Es ist ja eine Hundsgemeinheit des Schicksals, daß genau diese Generation von AIDS am schwersten betroffen war. Sich fühlen. Seinen Körper und seine Begierde zu deer Musik genießen, anstatt sich dafür zu kasteien und zu schämen oder sich an protestantisch-weiße Normen zu assimilieren. seine Gefühle auch ausleben mit all ihrem Pathos, all ihrer Trivialität, und all ihrer Sehnsucht. Subjekt der eigenen Körperlichkeit sein, anstatt als Sklaven- oder Krankenkörper sich auch noch selbst wahrzunehmen. Muhammed Ali wollte nicht mehr Cassius Clay sein, weil er keinen Sklavennamen tragen wollte. Sich selbst erfinden, mit sich und anderen spielen, sich und andere genießen, Paradiesvogel sein dürfen.

    Der eigentlich naheliegende Einwand, das ist ja der, der zu den Prozessen gegen die Stern-Titel-Bilder führte, ist eher der, welche Rolle Frauen in der scharzen und schwulen Männerwelt spielten, und ob Disco nicht der Soundtrack zum Schulmädchenreport und einer Fetischisierung des Frauenkörpers wurde.

    Was in der Tat bei einem projekt von uns mal Riesen-Thema war: Während weiße Frauen BHs verbrannten, waren schwarze Frauen in den USA eher froh, wenn sie sich mal was anziehen durften und nicht als naturgemäß Prostituierte von ihren Pimps dem weißen Mann sich präsentieren mußten.

    Das ist dann immer die kritische Stoßrichtung, an der verdammt viel dran ist …. die aber nicht negieren kann, was ich hier sonst so geschrieben habe, das gehört in die Diskussion aber tatsächlich mit rein.

    momorulez

    21. August 2008 at 22:07

  23. Wir reden echt komplett aneinander vorbei…

    chezweitausendeins

    21. August 2008 at 22:36

  24. Na, das kann man da ja immer sagen 😉 …

    momorulez

    22. August 2008 at 8:42

  25. Ich will nochmal den Versuch machen, sämtliche Klarheiten zu beseitigen. Liest außer uns zweien wahrscheinlich eh kein Schwein, aber da ich nicht weiß, wer in meinem Telefon so alles mithört, bleibe ich beim öffentlichen Medium Blog.

    @““Beim frühen, originären Rap”

    Was ist denn bitte originär? Das ist doch genau das mit dem Authentizitäts- und “Natürlichkeits”-Mythos, was mich tatsächlich irre macht.“ —- Nicht zum ersten Mal scheinst Du anzunehmen, ich verträte einen Naturalismus- oder lárt-pour-lárt-Begriff oder etwas in der Art, darum geht´s mir aber nicht, jedenfalls nicht auf die Weise, auf die Du es zu verstehen scheinst. Wenn man Adorno, Benjamin, Postman und McLuhan gelsen hat kann man so etwas doch gar nicht mehr vertreten. Ich vertrete auch keine Dychotomie „Hie die freie Kunst, da der pöse Kommerz“. In einer Welt, in der Kunst und Information Warenform haben, kann es nur darum gehen, dies kritisch zu reflektieren, hie und da Nischen auszubauen, Kritik zu üben und vielleicht auch dadurch aufzuklären, dass man mit den Formen spielt (was der frühe Rap und Breakdance m.E. tat, was wiederum nicht heißt, dass der späte Rap das nicht tut, aber es hat dann schon wieder eine andere Gewichtung und anderen Charakter und soll hier nicht mein Thema sein). So ist dann auch eine Literatur wie der englische industrial sehr berechtigt, wo ganz bewusst ganze Passagen seriell geschrieben sind bzw. Satzbausteine aus Kitschromanen eingebaut sind, um Entfremdung und die Kommerzialisierung von Literatur zu metathematisieren, in Romanen, die eigentlich von anderen sozialen und kulturellen Themen handeln. Ähnliches gilt für den Ursprung der Mangas. Klammer zu.

    Originär meinte ich hier allerdings nicht in erster Linie bezogen auf das Verhältnis Kunst-Kommerz, sondern rein semantisch als ursprünglich: Der Rap, den es gab, als es Disco noch gab, und der noch nicht in den kulturellen Kontext des Hip Hop eingebunden war.

    @“Na, dafür mußt Du schon auch mit Mischpult und Basedrum umgehen können – was ist denn da Dein Kriterium für “handwerklich gut”?“ —- Was ich da so im Ohr habe, war stereo(haha)typ und fast immer eine Abwandlung des gleichen Drumbeats. Die 3 Akkorde des Punk waren auch nicht besser, aber es ist ein ziemlicher Unterschied, wenn Riesenstudios mit Riesenkapital dahinter Musik kompositorisch gesehen nach dem Motto „so lean wie irgend möglich“ durch remixen produzieren oder ein paar Jugendliche mit fast null Musikkenntnis auf der E-Gitarre improvisieren, weil sie drauf abfahren bzw. Rapper oder DJs das Remixing durch Hin- und Herspielen von Bändern oder Scratching von Platten reproduzieren. Im Übrigen bewegt sich die Argumentation auf der Grundlage von „Wer nicht selbst eine Untersuchung politischer oder sozialer Probleme gemacht hat, sollte über diese nicht diskutieren dürfen“ (Mao Zedong). Ist ja was toll demokratisches bei rausgekommen ;-

    @“Kauf Dir mal irgendeinen x-beliebigen Philly-Sound-Sampler, da gehen Welten auf, das ist grandios“ —- Da sind wir beim Kern. Wir verstehen unter dem Begriff Disco-Sound verschiedene Dinge. Ich würde ja sagen, Philly gehört zu den Wurzeln des Disco-Sounds, aber so, wie Reggae und Ska miteinander zu tun haben oder Punk und New Wave. Ich würde auch nie auf die Idee kommen, Glam-and-Glitter zur Discomusik zu rechnen. Das ist ein eigenes Genre, zu dem es auf der Insel auch eine eigene Subkultur gab, Leute, die sich selber Glam and Glitter nannten und aus denen später die Punk-Bewegung hervorging. Gab´s bei uns so meines Wissens nicht, sondern diese Musik hatte in Deutschland ein viel heterogenes Publikum.

    Also, das ganze Spektrum von Bowie, Sweety Glitter, T-Rex, Lou Reed bis hin zu Queen, Village People und Roxy Music würde ich nicht als Discomusik bezeichnen.

    @“das Roboterhafte des allerersten Breakdance auch als Metapher für Entfremdung”

    Ja, das wurde ja auch nach Brecht-Seminaren im Flackerlicht der Ghetto-Mülltonnen erfunden..

    Das gab’s schon bei D.D. Jackson. Man kann auch Square-Dance roboterhaft finden. “ —- Genau, die haben in der South Bronx ja auch Adorno mit Benjamin gegengelesen und Life-Konferenzen mit Niklas Luhmann geführt. Im Ernst, Du musst nur Fabrikarbeit, besonders im Akkord, life erlebt zu haben, um den Zusammenhang zu schnallen. Klar gab´s das bei D.D.Jackson. Klar kann man das auch von Square-Dance sagen. Nebenbei fand ich Flashdance nen schönen Film, würde dem auch eine soziale Aussage bescheinigen.

    @“Das guckt man ja auch nicht an, das fühlt man.

    Nach Jahrzehnten des Versteckens wild rumvögeln. Es ist ja eine Hundsgemeinheit des Schicksals, daß genau diese Generation von AIDS am schwersten betroffen war. Sich fühlen. Seinen Körper und seine Begierde zu deer Musik genießen, anstatt sich dafür zu kasteien und zu schämen oder sich an protestantisch-weiße Normen zu assimilieren. seine Gefühle auch ausleben mit all ihrem Pathos, all ihrer Trivialität, und all ihrer Sehnsucht. Subjekt der eigenen Körperlichkeit sein, anstatt als Sklaven- oder Krankenkörper sich auch noch selbst wahrzunehmen. Muhammed Ali wollte nicht mehr Cassius Clay sein, weil er keinen Sklavennamen tragen wollte. Sich selbst erfinden, mit sich und anderen spielen, sich und andere genießen, Paradiesvogel sein dürfen.“ —- Das verstehe ich sehr gut, war nämlich bei mir, weder schwul noch schwarz, nicht anders, sondern nur ein anderes Setting. Das hieß bei mir dann halt Doors, Iron Butterfly, White Snake, Cream, Deep Purple, Led Zeppelin, Uriah Heep, Blue Oyster Cult, Pink Floyd, Amon Düül, Three Mustafa Three, Tangerine Dream, Eloy, Patty Smith, Queen, Alice Cooper, Gianna Nannini und Pat Benatar, das menschliche Umfeld war ein Milieu, in dem sich Hippies, Punks, Ökos, Banger, Biker, Lesben und Schwule vorurteilslos zusammenfanden. Vielleicht sagt Dir als Göttingen-Kenner der Name Papiermühle Adelebsen noch was. Die Art Publikum.

    OK, ich versuche mal, meine Art Kritik anders auf den Punk zu bringen. Ich nehme mal einfach eine Lexikon-Definition von Disco-Musik:

    „der monotone 4/4 Beat, die schlichte Melodie und der belanglose Text werden mit gleichförmiger Hintergrundmusik (instrumental und Gesang) „zugekleistert“…. Disco-Musik spiegelt die passiv-affirmativen und konsumorientierten Tendenzen wider, die sich Ende der 70er Jahre gegen die gesellschaftskritische und oft aggressive Kultur der Rockmusik entwickelten.“ That´s it.

    che2001

    23. August 2008 at 15:37

  26. „um Entfremdung und die Kommerzialisierung von Literatur zu metathematisieren“

    Ja, genau darum geht’s mir ja, wenn ich „originär“ im Falle des Rap angreife. Wovon denn entfremdet? Und inwiefern ursprünglich?

    Genau das kann man ja nun gerade bei Formen des Rap – wie überhaupt in den meisten Fällen, wo irgendwelche Ursprünge behauptet werden – gar nicht behaupten, daß es sowas gäbe. Da kann man bei James Brown anfangen und sonstwo, Du wirst sowas nicht finden.

    Allergisch reagiere ich da deshalb, weil bei den ganzen Entfremdungs- und Ursprungstheoremen eigentlich immer eine versteckte Normativität mitschwingt.

    „Also, das ganze Spektrum von Bowie, Sweety Glitter, T-Rex, Lou Reed bis hin zu Queen, Village People und Roxy Music würde ich nicht als Discomusik bezeichnen.“

    Nein, Bowie und Reed und T-Rex haben lediglich dessen Ätshetik (Outfits etc.) nachhaltig beeinflußt, musikalisch sind die größtenteils was völlig anderes, habe ich oben doch auch schon geschrieben – und Queen thronen sowieso über allen anderen und sind dann eher noch mit verschiedenen Artrock-Geschichten verwandt. Aber Village People gehören schon außerordentlich eindeutig mit dazu, zu Disco.

    Man kann jetzt natürlich so lange an Disco rumdefinieren, daß Philly-Sound damit nix mehr zu tun hat, dann hat aber auch Moroder nix mehr damit zu tun, und da wird es dann sinnlos.

    Implizit folgst Du ein wenig der Prämisse, alles, was schwarz oder androgyn war, aus Disco rauszudefinieren, damit bestimmte Kritikmuster der städtschen Szenerien der späten 70er in Deutschland greifen können, und da wird es dann sachlich falsch.

    „Nebenbei fand ich Flashdance nen schönen Film, würde dem auch eine soziale Aussage bescheinigen.“

    Da sind wir uns zwischendurch mal einig 😉 … gilt auch für „Fame“ meiner Ansicht nach.

    „Das verstehe ich sehr gut, war nämlich bei mir, weder schwul noch schwarz, nicht anders, sondern nur ein anderes Setting.“

    Ja, und alles, was ich Dir zu vermitteln suche, ist, daß es da eben auch andere Möglichkeiten gab, die sich Deinen Wahrnehmungen chronisch entziehen, und das macht mich fuchsig.

    Weil das als Paradigma meiner Ansicht nach zu Linksspießertum führt. Und immer irgendeine Szene nachgeliefert wird (Papiermühle Adelebsen), gegen die irgendwelche arschwackelnden Puertoricaner in New York natürlich nicht weiter relevant waren, anstatt sich auf das Zusammspiel von Ästhetiken, Musik und sozialen Bewegungen wirklich einzulassen.

    Zudem es gerade in den späten 70ern auch die Weigerung gab, anzuerkennen, daß es die Black Music war, die unsere Körper befreit hat – und daß von linker Seite dann manchmal neue Formen der Dressur dem entgegen gestellt wurden. Weil da meiner Erfahrung nach von Vorurteilslosigkeit selten die Rede sein konnte.

    Sind ja einige Bands bei, mit denen ich auch sehr viel anfangen kann, Eloy oder Gianna Nanini gehören für mich nun nicht unbedingt dazu, egal. Hatte ich ja auch oben schon geschreiben: Nur weil man die „Mac Arthur’s Park“-Suite liebt, mußte man ja noch nie auf Eloy eindreschen. Umgekehrt war das faktisch immer schon anders.

    Und zum Lexikon-Zitat: Ja, genau das meine ich. Diese dümmliche Abwatschen in Unkenntnis des Gegenstands, der dann mit Van Halen-Fans bündelt, die Schwule klatschen gehen, weil die zusammen mit den Schwarzen ja eh nur arschwackelnde Konsumisten sind. Glaubst gar nicht, wie oft ich das zu hören bekommen habe.

    Tauchte ja nicht umsonst Anfang der 90er in der Kritik der Techno-Musik wieder auf: Wie die Wilden halt.

    Gleichförmig – Igitt.

    Belanglose Texte – Völker ohne Schriftkultur, zurückgeqworfen auf die reine Körperlichkeit.

    Fehlt eigentlich nur noch der der Vorworf der Vielgötterei ….

    momorulez

    23. August 2008 at 17:30

  27. @“Ja, und alles, was ich Dir zu vermitteln suche, ist, daß es da eben auch andere Möglichkeiten gab, die sich Deinen Wahrnehmungen chronisch entziehen, und das macht mich fuchsig.

    Weil das als Paradigma meiner Ansicht nach zu Linksspießertum führt. Und immer irgendeine Szene nachgeliefert wird (Papiermühle Adelebsen), gegen die irgendwelche arschwackelnden Puertoricaner in New York natürlich nicht weiter relevant waren, anstatt sich auf das Zusammspiel von Ästhetiken, Musik und sozialen Bewegungen wirklich einzulassen“ — Sorry, arschwackelnde Puertoricabner in New York habe ich nie erlebt, die papiermühlenszene schon, und da hat man sich sich auf das Zusammspiel von Ästhetiken, Musik und sozialen Bewegungen wirklich eingelassen, genau darum geht es ja. Puertoricaner gabs keiner, aber Jamaicaner, Kurden und Ghanaer.

    @“der dann mit Van Halen-Fans bündelt, die Schwule klatschen gehen, weil die zusammen mit den Schwarzen ja eh nur arschwackelnde Konsumisten sind. Glaubst gar nicht, wie oft ich das zu hören bekommen habe.“ — Wo steht da diese Bündelung? Abgesehen davon wusste ich tatsächlich nicht, dass es so etwas überhaupt gab, in meiner Umgebung sind Headbanger und Stachelschweine mit uns auf die Straße gegangen, um Naziskins zu jagen, die ihrerseits Migranten, Schwule, Lesben und Skater bedroht haben.

    che2001

    23. August 2008 at 17:48

  28. „Sorry, arschwackelnde Puertoricabner in New York habe ich nie erlebt,“

    Ist das jetzt ein Argument?

    Habe auch keine Frauenunterdrückung im 19. Jahrhundert erlebt, und ohne die hätte es trotzdem nicht diese Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft gegeben …

    „Wo steht da diese Bündelung?“

    Da es sich bei Disco um schwarz-schwule Musik handelt, diese aber mit dem Konsumismus-Argument angegriffen wird, ergibt sich das daraus.

    „Abgesehen davon wusste ich tatsächlich nicht, dass es so etwas überhaupt gab, in meiner Umgebung sind Headbanger und Stachelschweine mit uns auf die Straße gegangen,“

    Da ich mich ja ständig auf die oben verlinkte Dokumentation beziehe: Doch, gab es. Hättest Du mal gucken sollen 😉 …

    momorulez

    23. August 2008 at 18:00

  29. Ja klar, aber nicht, bevor ich Dein Eingangsposting gelesen habe, das meinte ich.

    che2001

    23. August 2008 at 18:05

  30. „Liest außer uns zweien wahrscheinlich eh kein Schwein,…“

    oh doch. ein paar fragmente zu dieser interessanten diskussion:

    „Da sind wir beim Kern. Wir verstehen unter dem Begriff Disco-Sound verschiedene Dinge.“

    also, für mich ist das folgende deutlich disco – und zwar sehr großartige disco (und um für ärger zu sorgen: auch sehr authentische 😉

    „OK, ich versuche mal, meine Art Kritik anders auf den Punk zu bringen. Ich nehme mal einfach eine Lexikon-Definition von Disco-Musik:

    “der monotone 4/4 Beat, die schlichte Melodie und der belanglose Text werden mit gleichförmiger Hintergrundmusik (instrumental und Gesang) “zugekleistert”…. Disco-Musik spiegelt die passiv-affirmativen und konsumorientierten Tendenzen wider, die sich Ende der 70er Jahre gegen die gesellschaftskritische und oft aggressive Kultur der Rockmusik entwickelten.” That´s it.“

    nö, zumal da vergessen wird, dass es auch immer darauf ankommt, wer was wo und unter welchen (sozialen) umständen hört – ein extrembeispiel wäre dafür der swing im „dritten reich“ im vergleich zur funktion des swings in den usa der 40er jahre, und das sehe ich beim hiphop strukturell ähnlich, der in seinen ursprüngen (incl. graffitis & breakdance) für die protagonisten in irgendwelchen us-ghettos eine ganz andere bedeutung hatte als für weiße mittelstands- und auch prekariatskinder aus hh-bergedorf oder frankfurt-bonames. selbst zum französischen hiphop aus den banlieus besteht hier immer noch ein gewaltiger unterschied, der imo auch hörbar ist.

    es gibt diese seichte, harmonie- und konsumsüchtige, in schlechtestem(!) sinne hedonistische sowie widersprüche zuklatschende seite von disco (heute eher bei schlechtem house) schon, aber das ist mit anderen musiken nicht anders gelaufen, sobald irgendwelche leute etwas verkaufbares gewittert haben. und deine definition oben, che, liest sich exakt wie das, was in den 90ern bezgl. techno zu hören war. dafür gilt meiner meinung dann das gleiche, was ich oben bezgl des kontextes geschrieben habe. und der ist bei näherer betrachtung eben u.u. ein ganz anderer, als es eine oberflächliche linke kritik wahrhaben will – vergleiche zb. deine definition mit dem ansatz eines carl craig, und die kritik erweist sich als zu kurz gegriffen.

    insgesamt finde ich mich bei der diskussion eher bei vielem vom momorules wieder, wobei ich gerade mit dem bei disco & house nix anfangen kann, was ich da als trash betrachte – baccara wäre nur ein beispiel, und in den 80ern gab´s in bestimmten regionen für derartiges den begriff schweinefunk.

    und ansonsten hätte der autonomen szene der späten 80er und frühen 90er jahre etwas mehr musikalische vielfalt jenseits von bad brains, slime und dead kennedys durchaus gutgetan – wenn ich von musik nicht berührt (egal in welcher art) werde, kann sie noch so gute politische botschaften mit sich tragen – an meinem gefühl ändert sich dabei nix, und das finde ich an dieser stelle – wie eigentlich allen kunstdiskussionen – das zentrale. wenn auch die entsprechenden gefühle natürlich nicht sakrosankt sind in dem sinne, dass ihre herkunft aus & wiederspiegelung von verschiedensten sozialen realitäten nicht reflektiert werden sollte.

    mo

    24. August 2008 at 12:53

  31. „es gibt diese seichte, harmonie- und konsumsüchtige, in schlechtestem(!) sinne hedonistische sowie widersprüche zuklatschende seite von disco (heute eher bei schlechtem house) schon, aber das ist mit anderen musiken nicht anders gelaufen, sobald irgendwelche leute etwas verkaufbares gewittert haben.“

    Jau, eben, vollste Zustimmung! Und die Musik von Dexter Wansel finde ich schon sehr cool (ganz im Gegensatz zu seinem Hund 😉 ).

    Und daß ich sogar auf Baccara-Konzerten (zu großes ort: Waren immer 3 Stücke bei irgendwelhen Parties) vor mich hin amüsierte, das ist dann ja wirklich der Camp-Aspekt.

    Und selbst in den 80ern gab’s ja dann irgendwann die High-Energy-Geschichten, und auh mit sowas wie Talyor Dayne kann ich bis heute viel anfangen.

    Aber der ganze Grütz von Self Control bis Sandra und Bohlen, das kann man ja noch nicht mal mehr als Camp empfinden.

    Spannend ist, wenn man sich heute manche der Euro-Trash-Sachen anhört. Das habe ich ja damals, Anfang der 90er, verabscheut, und das ist auch bis heute nicht gut geworden, aber manches macht erstaunlich viel Spaß – das aber auch nur in den richtigen Zuständen.

    momorulez

    24. August 2008 at 14:05

  32. Danke, Mo, für den Link zu diesem FranklinDisco!!! Das macht ja so richtig Spaß, auch wenn*s eher die späten Jahre sind!

    Z.B. dieser etwas schräge französische Ableger ist ja herrlich:

    Irgendwie dringt da ja trotz allem immer dieser typisch französische Schweinerock mit durch, toll!

    momorulez

    24. August 2008 at 14:20

  33. Meine Güte, wie oft ist denn dieser Anfang in den 90ern gesamplet worden? 1000fach, oder?:

    momorulez

    24. August 2008 at 14:29

  34. Und mach „Big Name“ hatte ja durchaus auch was zu bieten 😀 :

    Ist ja fast schon das Gegengift zur eigenen Lüge, großartig – man achte übrigens auf die Sequenz, wo sie aus dem Bild tanzt und der Regisseur nicht aufpaßt 😉 … und die VHS-Aussetzer sind auch recht „authentisch“!

    momorulez

    24. August 2008 at 15:00

  35. Dem Patrick Juvet kann ich ja noch was abgewinnen, den Dexter Wansel finde ich nichtssagend und zum Gähnen. Aber das wird jetzt wirklich zur individuellen Geschmacksfrage. Wenn Deine, Momorulez gegenüber der Meinigen sehr viel umfassendere Defintion von Discomusik zutrifft, wo hört dann eigentlich Disco auf? Sind dann etwa der frühe Michael Jackson, Prince oder die Pat Shop boys da auch noch zuzuordnen?

    Differenter Gedankensplitter: Als Boney M. noch aktuell waren, hatte mein Vater, der seine Jungendsozialisation noch als Jungvolkführer erhalten hatte und bis heute in einer sonderbaren Ambivalenz aus Betonung der Freiheit der Kunst und der demokratischen Errungenschaften einerseits und einer Verbindung aus kulturellem Antiamerkanismus und Homophobie pendelt diese Band sehr geliebt. Als ich ihm sagte, dass das eine reine Castinggruppe ist und die leute die Musik gar nicht selber machen, da meinte er, das sei ihm egal. Das seien so schöne und anmutige junge Menschen, denen man anmerke, das sie Spaß am Tanzen hätten, Brown girl in the ring sei z.B. auch einfach ein nettes Lied, und außerdem würdec er gut finden, das Schwarze heute in Deutschland als Musiker Karriere machen können, das sei nämlich aus seiner Lebenswahrnehmung heraus alles Andere als selbstverständlich. Auch einePerspektive.

    che2001

    24. August 2008 at 15:07

  36. My social suicide, Im a
    Dancin fool, Im a
    Dancin fool
    The beat goes on
    And Im so wrong …

    😉

    cut

    24. August 2008 at 15:55

  37. @Che:

    „Sind dann etwa der frühe Michael Jackson, Prince oder die Pat Shop boys da auch noch zuzuordnen?“

    Die bauen da teils ganz außerordentlich explizit drauf auf – wobei Disco halt immer irgendwie DJ-Musik ist, insofern sind die Pet Shop Boyz zum Teil schon eine direktere Fortsetzung als die anderen beiden, die eben Musiker-Musiker sind.

    Aber „Thriller“, den Song, höre ich schon als Fortsetzung von Disco, zum Beispiel. Und die Pet Shop Boys haben ja einige ganz eindeutige Denkmäler gebaut, ihre version von „Go West“ zum Beispiel, und diese so unglaubliche Version von „Where the streets have no name“. Bin ja auch immer schon bekennender Pet Shop Boys-Fan.

    Würde auch Disco auf die 70er bechränken, habe aber gerade noch mal die Kapitel in Poschardts „DJ-Culture“ (ja, jetzt isser sowas wie ein übles Aufstoßen in der Journaille geworden, aber das Buch ist gut), und der schreibt völlig zu recht, daß man eigentlich auch alles auf dem House-Sektor als Disco hören kann.

    Würde da aber doch unterscheiden, weil der historische Background ja entscheidend ist, und genau das isses ja, wieso ich bei Disco leuchtende Augen bekomme, bei Techno aber nicht.

    Zu Deinem Vater: Ja, ist ’ne Perspektive. Bin mir nur wirklich nicht sicher, ob man da bei Boney M. nicht doch auch sehr unangenheme, rassistische Unternöne identifizieren kann.

    „dass das eine reine Castinggruppe ist und die leute die Musik gar nicht selber machen, da meinte er, das sei ihm egal.“

    Ja, und? Schaupsieler schreiben ja auch die Drehbücher nicht selbst …. so ist das bei fortschreitender prouktivkarftentwicklung.

    @Cut:

    You make me feel mighty real 😉 (oder so).

    momorulez

    24. August 2008 at 17:32

  38. @“Bin ja auch immer schon bekennender Pet Shop Boys-Fan.“ — Na, da haben wir in diesem Thread ja wenigstens etwas gemeinsam 😉

    @““dass das eine reine Castinggruppe ist und die leute die Musik gar nicht selber machen, da meinte er, das sei ihm egal.”

    Ja, und? Schaupsieler schreiben ja auch die Drehbücher nicht selbst …. so ist das bei fortschreitender prouktivkarftentwicklung.“ — Das ist aber schon eine andere Nummer, wenn die Mit- und Ohneglieder der Band überhaupt erst angeworben werden, wenn die ersten Songs bereits aufgenommen sind und auch der Bandname längst steht, die Interpreten im Prinzip Angestellte des Machers sind und nur posen sollen. Für mich ist schon Singer/Songwritertum das Erstrebenswerte, und was hier ablief ist ja nun wirklich Kulturindustrie pur.

    che2001

    24. August 2008 at 17:48

  39. Pavarotti, die alte Songwriter-Größe 😉 …. nee, das halte ich für mythisch, und genau diese „Autoren“-Vorstellung stützt doch erst die Kulturindustrie.

    Deren Mechanismen wirst Du ja nicht dadurch los, daß Du das, was in ihr stattfindet, als Handwerk oder Ausdruck individuellen Genies deutest. Das widerspräche auch komplett den Produktionsweisen … und ist mir jetzt auch echt zu liberal 😀 …

    momorulez

    24. August 2008 at 18:05

  40. Übrigens gibt es kein Lied, in dessen Refrain „liberallalala“ vorkommt, echt ein Versäumnis…

    che2001

    24. August 2008 at 21:08

  41. @ Momorulez, 17:32: Als echter Zappatista denkt man beim Thema Disco doch sofort an Dancin fool. 🙂
    Eigentlich.

    cut

    24. August 2008 at 21:32


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