shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archive for September 2008

Der Zackenbarsch, der Zackenbarsch …

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… na, einen Reim kann sich ja jeder selbst drauf machen.

Bemerkenswerter Dialog im Thread des St. Pauli-Forums zu den „Vorkommnissen“ (laut Rostocker Funktionären ja „Nebensächlichkeiten“) in Rostock am Freitag:

 

Jeky: „Aber die Wechselgesänge „Wir haben einen Haßgegner..das sind die schwulen Hamburger“ mit reger Beteiligung, bin ich da auch empfindlich, Deiner Ansicht nach?“

Zackenbarsch: „Das ist eine (für mich) blöde Frage, auf die ich dir keine Antwort geben kann, die uns beide befriedigt. Natürlich bist du nicht zu empfindlich, und ich und viele andere singen sowas nicht mit (sehr viele tun es natürlich). Aber, und jetzt versteh mich bitte, bitte nicht falsch: Mir ist es momentan lieber, die Leute singen etwas, dass in Idiotenkreisen hoffähig als ‚reguläres‘ Schimpfwort ist, als offensichtlich nazistische oder antisemitische Scheisse.“

 

Womit Schwulenhaß als „in Idiotenkreisen reguläres Schimpfwort“ der nazistischen Scheiße sozusagen entronnen ist. Uff, Glück gehabt!

Beat Wyss und der „ewige Hitlerjunge“: Hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder

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Blöd für manche, daß der Titel „Der ewige Jude“ schon vergeben ist. Anspielungsreich das Ausweichmanöver: So ist ein „Essays“, abgedruckt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Monopol“ zum Thema Joseph Beuys, überschrieben mit „Der ewige Hitlerjunge“. Als sei das nicht schon schlimm genug, kündigt eine Schrift auf dem Titelblatt den Text mit den folgenden Worten an: „Mythos Beuys: Wieso die künstlerische Heilsfigur ein Wiedergänger der dreißiger Jahre war“.

Nun ist’s vielleicht wirklich überinterpretiert, in’s „Wiedergänger“-Motiv den Mythos von Ahasver hinzudeuteln, aber in welche Richtung dieses „Essays“ weist, wird dennoch deutlich: Ganz auf der Linie von Zettel, Grass-Bashern und Götz Aly wird versucht, jegliche sinnvolle Analyse des „3. Reiches“ zu unterbinden, indem man es in ’68 und die Bewegten hineinprojiziert. Und umgekehrt.

Habe ein wenig über Herrn Wyss gegooglet, scheint ja über ein gewisses Renomée zu verfügen, der Mann; liest man den Text, so fragt man sich doch, warum denn eigentlich. Bei ihm mutieren die dreißiger Jahre, als Kommunisten umgebracht, Erich Mühsam massakriert und Carl von Ossietzky eingekerkert, Bücher verbrannt und Juden zunächst mal „nur“ enteignet und aus allen öffentlichen Ämtern verbannt und boykottiert wurden, als unter Zuarbeit von Carl Schmitt Rassengesetze erlassen wurden, zu einer anthroposophisch untermauerten Feier von Wandervogel und Jugendbewegung mit sozialrevolutionärem Anspruch und „antiautoritärem“ Charakter.

Da reibt man sich erstaunt die Augen, der entsprechende Passus sei gleich noch mal zitiert, enthält er doch noch ’ne dolle, dialektische Wende; und natürlich gibt es Linien, die von Wandervogel und Jugendbewegung in’s „3. Reich“ wiesen, natürlich verstand es sich auch als sozialrevolutionär, und natürlich finden sich bei Steiner und der historischen Anthroposophie allerlei völkische Akzente.

Es wäre auch erstaunlich, wenn bei Beuys nix hängengeblieben wäre von alledem, 1933 war er zwölf Jahre alt, hat also prägende Jahre als Pimpf erlebt. Der Artikel weiß auch zu zitieren, wie Beuys selbst in einer Veröffentlichung von 1973 von dieser Zeit berichtete:

„Man muss ja zugeben, dass – etwa im Gegensatz zu heute – damals die Situation für jugendliche in gewisser Weise ideal war, um sich auszuleben. Es kann keine Rede davon sein, daß wir manipuliert worden sind; gut, man stand in Reih und Glied und trug die Uniform, aber ansonsten fühlten wir uns unabhängig.“

Das „Essays“ fügt an’s Zitat, „Beuys schwamm wie in Fisch im Wasser des braunen Zeitgeistes“. Weil er sich ja , im Zitat erkenntlich, ausgiebig für antisemitische Hetze, „Volk braucht Raum“-Ideologie und Hingabe an den Führer erwärmte, auch retrospektiv.

Ich kenne diese Geschichten von der HJ als eine Art spaßige Pfadfinderlager noch von meinem Vater, Jahrgang 1927; der hat sie mir eher erzählt, um zu demonstrieren, daß natürlich über solch ein Jugendabenteuer-Surrounding  auch ihm die Nazi-Überzeugungen vermittelt wurden. Und dies wiederum berichtete er, um den heute noch gültigen und bis hin zu Knopp verbreiteten Mythos, die Deutschen seien Hitlers Opfer gewesen, zurückzuweisen: Nö, die haben halt kräftig mitgemischt, und es hat ihnen grauenhafter Weise sogar Spaß gemacht. Würde meinerseits das Beuys-Zitat genau so auch lesen, „nee, wir waren nicht manipuliert, wir fanden das auch noch gut“ – für Wyss ist dies Schwärmerei.

Aber zurück zum antiautoritären Charakter des Nazi-Regimes:

„Im Künstlerhabitus verinnerlichte Beuys Ideen und Symbole, die er als Hitlerjunge eingeimpft bekommen hatte: An erster Stelle stand die antiautoritäre NS-Jugendpolitik, die es darauf anlegte, die Kinder als verwegene Phalanx des Systems und Aufpasser gegen die Eltern und Lehrer einzustezen. Denn die Jugend unter dem Hitler-Regime war bildbarer und kontrollierbarer als die Elterngeneration; indoktriniert von Schulen und Vereinen, kannte sie nichts anderes als die Ideologie des 3. Reiches. Die Jugend wurde geradezu angehalten, sich gegen die Autorität der alten liberalen, aber auch religiösen Eltern respektlos, zugleich aber der Neuordnung autoritär verpflichtet zu zeigen. Diese Doppelstragie funktionierte bei den Achtundsechzigern  nicht anders: Sie waren aufsässig gegen das „faschistische“ Bürgertum“, hörig den kommunistischen Ideologien. Sie waren beherrscht vom antiautoritären Autoritarismus. Beuys hat die Zangenoperation in’s Kunstsystem übertragen.“

Beat Wyss, Der ewige Hitlerjunge, in: Monopol Nr. 10/2008, S. 81-82

Da haben wir sie wieder, die konservative Zangenoperation: Ganz wie im Heimatfilm brach wie aus dem Nichts über sittliche Kirchen und vorbildlich liberales Bürgertum ’33 wie auch ’68 die Aufsässigkeit der wilden Horden.

Der antiautoritäre Geist von Hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder“ kehrte ja auch wieder als Slogan aus Gammler-Mündern, und die Entgegnung liberaler Atoritäten formulierte dann Freddy Quinn in „Wir“. Brandschatzend zogen die Nazis durch die Kirchen und Villen des nicht-jüdischen gehobenen Bürgertums und ließen derweil Sozialdemokraten und kommunistische Sozialrevolutionäre in Ruhe, die ja auch Liberales und Klerikales so gar nicht teilen wollten. Die Vereine und Schulen erfolgten derweil in jugendlicher Selbstorgansiation, ganz die linken Ideale von später vorwegnehmend, dort die vorbildich demokratische Elterngeneration von Weimar im Zaume haltend.

Es soll ja gar nicht bestritten werden, daß es sowas wie einen „autoritären Antiautoritarismus“ gegeben hat unter 68ern. Das hat nur mit dem „3. Reich“ nix zu tun.

So geht’s dann auch fröhlich weiter im Text: Das clowneske Schamanentum von Beuys bezieht Beat Wyss auch auf Beckett, aber auch das ist eigentlich nazistisch, weil er ja sowas wie ’ne Uniform trug, der Beuys.

Wie ja eh der Nationalsozialismus als Höhepunkt des Schamanentums zu rezipieren ist, wo Beuys den Künstler-Schamanen tatsächlich gab. An nordischen Mythen hat er sich auch vergriffen, weil das auch und immer schon nur und ausschließlich Nazis waren, die diese kommentierten – und der „dritte Weg“ zwischen „Kommunismus und Kapitalismus“, den Beuys „predigte“, war ein „Gemeinplatz völkischer Nationrevolutionäre im Klima der Lebensreform“, da hatte Ludwig Erhardt seine „sozialen Marktwirtschaft“ dann wohl auch her. Wie die Suche nach dem „3. Weg“ wiederum zum Hörigsein den kommunistischen Ideologien gegenüber paßt, das erläutert Herr Wyss nicht.

Beuys Vorstellung von Politik als „sozialer Plastik“ sei „patriachal bis in’s Mark“; inwiefern, das wird nicht weiter begründet, stattdessen geht Herr Wyss direkt über zur „Honigpumppe am Arbeitsplatz“ und der Beuysschen „Materialsemantik“, die „wenig demokratische Transparenz“ verrate.

Ich kenne die Kunst von Beuys tatsächlich nur flüchtig, aber hallo, was ist denn das für eine Vorstellung von Kunst, daß sie gewissermaßen der Logik des Grundgestzes folgen solle?

Beuys gilt natürlich gemeinhein als einer von jenen, die die Differenz von Kunst und Leben aufheben wollten, vieleicht hat Herr Wyss sogar in allem recht, aber wieso schreibt er über solche Fragen dann gerade nicht???

Es macht einen ganz irre, wie man ohne jeglichen Beleg, ohne jegliche Erläuterung da Versatzstücke aneinander gereiht liest, die etwas anderes als Denunziation gar nicht bezwecken können wollen.

Beuys habe eine Stiftung gegründet, die dann als „brauner Rand“ in den frühen Grünen aufgegangen sei -kann ja sein, aber so mal eben unbelegt dahingeworfen, was erklärt das? Er habe immer an einer Theorie des „Völkskörpers“ und der „organischen Gesellschaft“ festgehalten, gestützt wird diese Aussage lediglich durch die Interpretation der Honigpumpe, die zumindest mir recht eigenwillig, weil angelesen erscheint: Womit jenseits der reinen Biographie, daß Beuys eben noch zur HJ-und Kriegsgeneration gehörte und diese Erfahrungen in seinem Werk auch verarbeitet hat, der einzig markante Bezug zu Nazi-Ideologien hergestellt wäre, „Volkskörper“ und „organische Gesellschaft“.

Doch das federt Wyss durch die Bezüge auf Rudolf Steiner wiederum ab, von dem Beuys beeinflußt war. Welcher ja durchaus mit dem Zeitgeist der 30er Jahre in Verbindung gebracht werden kann, aber reicht das für den „ewigen Hitlerjungen“?

Das kann man allenfalls behaupten, wenn diese Jugenderlebnisse von Freiheit und Spaß selbst, die Beuys ja in der HJ erlebt zu haben glaubte, dann auch schon alles sind – und dann hätte der Text genau so gut „der ewige Pfadfinder“ und „der ewgie Jugendsportler“ heißen könne. Eine Gleichsetzung von Pfadfindern und HJ ist das keineswegs – daß man diese aber analog erlebt haben kann, das ist ja unabweislich und macht gerade ihren Schrecken aus.

Kann’s sein, daß Herr Wyss sich nicht vielmehr nach einer Renaissance des Autoritären sehnt? Liest man die Pointe des Textes, so will es so scheinen:

„Noch heute wird wird an an der Botschaft von Beuys fleißig weitergehäkelt: Vom Heer der Kunsterzieherinnen und Kunsterzieher, die aus Kunst ein Kinderland machen wollen. Beim Fördern von Kreativität möchte man nicht auf die gemütliche Wärme verzichten, die beim gemeinsamen Basteln aufkommt.“

Beat Wyss, Der ewige Hitlerjunge, Monopol 10/2008, S. 83

Ach ja, seufz, Herr Wyss, wären Kunst und Kindheit doch wieder hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder ….

PS: Eine Reaktion in DIE WELT sei nicht vorenthalten:

„Als „niederträchtig und abstrus“ bezeichnet der ehemalige Beuys-Sekretär Heiner Bastian solche Vorwürfe. „Ich fühle mich selbst betroffen. Für mich war das Studium des grauenhaften Naziregimes eine der furchtbarsten Erfahrungen. Ich habe in vielen Gesprächen mit Joseph Beuys, dessen Freund ich sein durfte, dieses Grauen geteilt. Können Sie sich ein Werk wie die ,Auschwitz-Vitrine‘, eines der traurigsten und erschütterndsten, zugleich klarsten Kunstwerke, welches sich direkt auf den Zivilisationsverlust des Naziregimes bezieht, von einem Künstler vorstellten, wie er von Beat Wyss charakterisiert wurde?“, schreibt er in einem offenen Brief an die „Monopol“-Redaktion.“

Written by momorulez

28. September 2008 at 18:25

Ja, ja, die Wilden ….

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„Zivilisation ist der Fortschritt hin zu einer Gesellschaft der Zurückgezogenheit. Des Wilden gesamte Existenz ist öffentlich, geregelt durch seine Stammesgesetze. Zivilisation ist die Entwicklung hin zur Befreiung des Menschen von seinen Mitmenschen.“
Ayn Rand
Gerade gefunden beim A-Team. Unglaublich. Wie können die nur so dem demoskopischen demographischen Niedergang zivilisierter Völker das Wort reden?

Written by momorulez

27. September 2008 at 11:50

Des einen Gier, des anderen Neid

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„Wo kommt das ganze Geld denn her, das permanent auf der Jagd nach der höchsten Rendite ist? Die Gier ist ja nicht plötzlich entstanden. Gier gab es schon immer. Aber sie hat im Finanzkapitalismus plötzlich die Chance bekommen, sich auszutoben.

Das viele Geld kommt zum einen von jenen, die die Profiteure der großen weltweiten Umverteilung von unten nach oben sind, seit Ronald Reagan und Maggie Thatcher begannen, die Nachkriegsordnung der globalen Wirtschaft zurückzudrehen. Zum anderen kommt das Geld von den Menschen, die privat für ihr Alter vorsorgen müssen. Pensionsfonds füttern mit dem Geld der kleinen Leute die Töpfe der spekulativen Hedgefonds, weil mehr Rendite immer besser ist.

(….)
Weil aber der Finanzkapitalismus zweistellige Renditen abwarf, haben immer mehr Firmen aufgehört zu investieren und Wachstum samt Jobs zu schaffen.“

Robert von Heusinger in der gestrigen FR

Written by momorulez

27. September 2008 at 9:22

Veröffentlicht in Ökonomie

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Die Avantgarde des libertären Sezessionsrechts

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Ein Aufstand der Anständigen gegen linke Zwangssysteme und deren Propagandisten fand gestern wieder in Rostock statt. Seltsam nur, daß zuvor so Lubhudeleien ausgesungen wurden, über „schwule Hamburger“ soll es Chöre gegeben haben. Früher hieß es noch ganz aufrecht „Deutsche, wehrt euch, geht nicht zu St. Pauli“, und dann diesen neuen, sanften Töne – wie kommt’s?

Written by momorulez

27. September 2008 at 9:08

Die konservative Gefahr

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Ich sach ma‘: Eine der in der Tat großen Gefahren der aktuellen Bankenkrise ist, daß europäische Konservative dadurch Aufwind erhalten – also jene, die inegalitäre Verhältnisse als Garant von Stabilität und implizit gottgegeben verkaufen wollen. War am jüngst verlinkten IUF-Artikel schon überdeutlich – der eigentlich Tenor war ja „Häuslebauer sollten sich ihr Haus schon leisten können“ (nicht etwa: „Leistung muß sich wieder lohnen“, das ist ja in Zeiten des Lohndumpings eher out) – was unter gegeben Umständen wohl richtig ist – und: „falsch ist es, wenn der Staat den Häuslebau für alle proklamiert“.

Conluciso dieser ganzen zerplatzenden Blase der Finanzmarkts-Virtualität ist zudem: Kein Geld an jene, die nicht schon genug haben. Also: Die USA haben auf der Ebene der Bonitätsprüfungen versagt, und ein Leben nur auf Pump geht halt schief. Scheint ja auch zum Zusammenbruch dieser Sparkasse aktuell geführt zu haben, was dem Ganzen ja eine neue Qualität verleiht, daß es diesmal keine Investmentbank ist.

Einer meiner aktuellen Investoren – Immobilienerbe – verwies neulich darauf, daß bei deutschen Banken aktuell Usus sei, keine Gründungen zu fördern, die nicht mit 60% Eigenkapitaldecke ausgestattet seien.  Ähnlich die Höhe der Bürgschaften für Vorschüsse, die meine Kunden so verlangen, die dann selbst noch mal Kohle kosten und die im Falle von Existenzgründungen in meinem Metier für die meisten Gründungswilligen schlicht nicht zu überspringende Hürden aufstellen: Wer nicht bürgen kann, bekommt keinen Auftrag.

Kurz: Wer nix hat, kriegt nix. Das garantiert volkswirtschaftliche Sicherheit – oder so.

Auch der von den USA potenziell ausgehende Trend zur Staatsintervention in „die Wirtschaft“ hinein ist hierzulande immer einer mit genuin konservativem Einschlag: Das ganze deutsche Staatsmodell ist von Bismarck bis Adenauer/Erhradt  immer schon die Kompensation „liberalen“ Geistes durch konservative Caritas gewesen, um der Linken das Wasser abzugraben. Die 70er Jahre sind wohl die einzige Phase, wo dies nicht der Fall war. US-Neocons und und deutsche Konservative unterschieden sich ja deutlich hinsichtlich der Tradition, auf die sie sich jeweils berufen; hier isses wohl eher der hierarchische, religiös unterfütterte Ständestaat mit Eliten und Honoratioren und „großen Familien“ und Neo Rauch, dort der Cowboy-Pionier, der sich nicht reinquatschen lassen will und sein Zuhause eher in der christlichen Gemeinde als im Staat findet.

Ich glaube, das ist der Hintergrund, vor dem man den folgenden Artikel in der taz lesen muß:

„In Hamburg fiel die KSA zuletzt am 31. August bei der Vorstellung des neuen autobiografischen Buches „Die Box“ von Günter Grass auf. Als Grass im Thalia Theaters zum Lesepult ging, entrollten die rechten Aktivisten Transparente, auf denen stand: „ungebeten.de grüßt die moralische Instanz Günter Grass“.

Lautstark forderte der rechte Verleger Götz Kubitschek im Saal ein Ende der „Nebelkerzenprosa“ und betonte, Grass hätte die Versöhnung der Generationen zerstört. In einem Comic, das Rechte verteilten, unterstellen sie Grass, das Wort „Tätervolk“ mitentwickelt zu haben, auch um den Deutschen ein „Schuldkomplex“ einzureden. Als „Ansprechpartner“ diente dabei Menzel.“

Und wer Menzel, wer die Konservativ-Subversive Aktion ist, kann man ja im Verlinkten nachlesen …

Written by momorulez

26. September 2008 at 9:12

Kaffee-Yunkies, aufgepaßt!

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Written by momorulez

25. September 2008 at 20:31

Awoopbabaloobap …

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„Nach aktueller Darstellung der BVB-Freunde („Diese Information kommt von höchster Stelle in Hoffenheim“) sei Dietmar Hopp mittlerweile „auf Fan-Jagd, anders kann man es nicht sagen“. So würden „seine Anwälte das Internet nach möglichen Beleidigungen und herablassenden Äußerungen gegen seine Person … durchforsten“. Daher sollten in besagtem Forum „sofort alle Avatare, Signaturen und eigene Beiträge löschen, die beleidigend gegen Hopp sind“ – zudem „bereits Anwälte … im Forum“ diesbezüglich aktiv gewesen wären.“ (via savlog)

Ich finde zwar auch, daß unsere Mannschaft in der letzten Saison dem Herrn Hopp die deutlich bessere Antwort gegeben hat (was ein Spiel! Ach, das Leben kann sich so dermaßen lohnen ….) als die der Dortmunder Mannen an diesem Wochenende, dieses Plakat mit der Zielscheibe auf’s Konterfei projiziert fand ich unter aller Sau und menschenverachtend – dennoch: Mit was würden unsere tapferen Kämpfer für die Meinungsfreiheit den Herrn Hopp denn wohl vergleichen, wo sie doch sonst um keinen Vergleich verlegen sind?

Written by momorulez

25. September 2008 at 20:13

Veröffentlicht in Fussball

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Wie wir sind, Teil 3

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Indirekt hat ja ein Gaga-Beitrag (insofern ist jeder zu etwas Nutze, und sei es nur als anregendes Beispiel aus der Negation heraus) mich dazu inspiriert, mal zu schreiben, wie ich „uns“ sehe.

Wir Linken sind Anhänger der absolut unbegrenzten Freiheit, wenn sie durch Miteinander und die materielle Unterfütterung der Möglichkeit ihrer Wahrnehmung bedingt ist. Unser Ideal ist die persönliche Freiheit eines jeden Menschen, egal ob reich oder arm, egal welcher Hautfarbe oder sexuellen Orientierung, ein Maximum an Glück zu erreichen, ohne durch das Primat des Mangels oder die Vorrechte Reicherer eingeschränkt zu werden. Denn was wir Linken wollen, ist nichts als die Einlösung proletarischer Partizipations- und darüberhinaus Selbstbestimmungsansprüche jetzt, hier und sofort. Freiheit für Alle bedeutet Freiheit von Fremdbestimmung, ob diese nun national, ethnisch oder durch Eigentumsverhältnisse bestimmt ist. Was wir wollen, ist die Aufhebung aller Ansprüche aller Schichten, Gruppen und Menschen, die meinen, das Schicksal Anderer bestimmen zu dürfen. Oder ganz einfach: Weg, wer kommandieren will!

We will be no more Niggers, Chicanos, Gooks, Redskins or Proletarians, we will be Human Beings. We will be Human Beings or the whole world will be smashed to the ground in our attempt to become it!
Fuego y bandera por qualcuir Estado!

Unternehmer versagen nicht! Privatisiert Währungen!

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„(…) noch immer dominiert in Medienberichten der Trugschluss, die so genannte „Finanz-“ oder „Finanzmarktkrise“ sei Folge unternehmerischen Versagens.“ (via A-Team)

Der verlinkte Text hätte ausnahmsweise mal eine intensivere Diskussion verdient statt fortwährenden Genubbels; dazu fehlt mir aufgrund grippalen Angeschlagenseins wie auch der allgemeinen Lebenssituation aktuell die Kondition. Deswegen halte ich mich mal ganz an Davids Diktum „Die Ahnung ist der ärgste Feind des Wissens“ und haue raus, was mir beim Lesen so durch den Kopf schoß:

Da stehen schon annähernd all jene Faktoren drin, die mir in den letzten Tagen und Wochen in den Gazetten von FR über FAZ bis zur Süddeutschen so über wen Weg liefen. Als lediglich interessierter Laie kann ich das nicht wirklich beurteilen.

Die Bewertung des IUF freilich erfolgt – nicht überraschend – konträr zu woanders Gelesenem; dort fand zumeist die These sich, daß die „Politik des billigen Geldes“ gerade eine Lehre aus der „großen Depression“ um 1930 herum sei. Auch der folgende Passus:

„Schließlich haben umfangreiche Regulierungen zur Finanzkrise beigetragen. Der Bankensektor zählt zu den am stärksten regulierten Branchen in nahezu allen entwickelten Volkswirtschaften.“

fand sich nicht bestätigt; eher wurde dargestellt, daß das zwar bei „normalen Banken“ in den USA der Fall sei, bei den betroffenen Investmentbanken nun aber gerade nicht, und daß genau dies einer der Gründe für den Zusammenbruch sei und deren Stunde nun ein für allemal geschlagen habe, was zugleich das Zerplatzen neoliberaler Träume sei (z.B. dem Prinzip, alles handelbar zu machen, so auch die ganzen „Derivate“, also Kreditabsicherungen – ob die jüngst in London verbotenen „Leerkäufe“ auch sowas sind, kann mir ja vielleicht jemand erläutern). Daß zudem die deutschen Banken es bisher nicht so massiv erwischt habe, weil solche reinen Investmentbanken hier gar nicht existierten, sondern ein breiter gefächertes Geschäft der Fall sei – und dies auch einer der Gründe dafür sei, daß der Kauf der Postbank durch die Deutsche Bank (war’s die?) das zuletzt vernachlässigte Privatkundengeschäft wieder aufbauen solle.

Indirekt betsätigt das der Text sogar:

„Ihre Markt beherrschende Stellung hatten die Giganten durch staatlich garantierte geringere Risikoprämien, eine gefährlich geringe Kapitalquote, massenhaft öffentliche Aufträge und Steuerprivilegien erreicht.“

Insofern ist das Verlinkte im Grunde genommen gar kein Appell gegen Regulierung, sondern gegen falsche, das zieht sich durch, seltsam, daß dann der Schluß so konträr zum Geschriebenen erfolgt.

Auch sonst erscheint das ein wenig wie ein invertierter, historischer Materialismus, was wohl vor allem daran liegt, daß der Liberalismus die ältere Theorie ist: Das Geschehen auf den Märkten erscheint wie in blinder Effekt staatlicher Gefüge, nicht etwa umgekehrt dieser als der Produktivkrafentwicklung sich anpassend.

Das erscheint mir nicht nur unplausibel, das ist auch sehr seltsam, daß die ganzen Wiwis, die so viel von „Markt“ reden, im Grunde genommen diesen gar nicht beschreiben, siehe das Zitat eingangs – stattdessen schreiben sie eigentlich nur über den Staat und dessen Effekte. Unternehmerisches Handeln taucht ja nur und ausschließlich darauf bezogen auf in dieser Art von Analyse; und „rational choice“ ist ja auch ein ideologisccher Witz, wenn sie so durch die beschriebenen Parameter determiniert würde.

Das fiel mir schon bei der eher widerwillig vollzogenen Friedmann-Lektüre auf – der schreibt viel über Moral, viel über die Differenz zwischen „kollektivem“ und „individuellem“ Handeln, viel über richtige Formen der Beratung von Regierungen durch die Wirtschaftswissenschaften – aber eigentlich nix über das, was ich in meiner Feld-, Wald- und Wiesendenke unter „Wirtschaft“ verstehen würde. Abgesehen von der Rolle der Banken, in der Tat.

Kann es sein, daß die in dieser Tradtion stehenden Wissenschaftler ihre ganzen Modelle eher aus ihrer Legitimation durch das Beraten von Politikern gewinnen und gar nicht aus aus einer adäquaten Bestimmung des Gegenstandes – daß sie also tatsächlich gar nicht über Wirtschaft, sondern nur und ausschließlich über Politik schreiben? Daß über totalisierende Abstraktionen wie „Angebot“, „Nachfrage“ und „gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht“ hinaus diese Jungs von Wirtschaft eigentlich keine Ahnung haben? Ja, ich spitze das tatsächlich so zu, damit mir jemand widerspricht.

Das, was Praktiker Rayson neulich geschrieben hat, was mir ganz plausibel schien, unterschied sich ja nicht umsonst eklatant von solchen Plädyers wie dem Verlinkten … wie wär’s denn mit einer materialen Theorie des Marktes?

Written by momorulez

24. September 2008 at 21:53

Veröffentlicht in Ökonomie, Staat=Markt?

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