shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archive for September 2008

Lesebarsch

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… mir fiel keine andere Headline ein. Verzeih.

Heute hängt alles mit allem zusammen. Wenn hier eine Frau mit den Wimpern schlägt, bricht in Südamerika ein Kriegsturm aus. Das ist keine Chaostheorie, sondern die Auswirkung unseres real existierenden Kapitalismus, der weit hinter seinen Idealen geblieben ist. Dessen Vertreter die Freiheit einseitig in Anspruch nehmen wollen, gleichzeitig aber über staatliche Subventionen und Handelsabkommen – etwa durch die EU – nur eine Wohlstandsinsel schaffen können. Die armen Bewohner des Verliererkontinentes versuchen verzweifelt mit morschen Booten auf diese Insel zu kommen, im übertragenen und im wörtlichen Sinne.

und …

Firmen sind weder gut noch böse, sie sind profitorientiert und nicht sozial. Das ist ihre Natur. Aber aus realen Gewinnen realer Produkte wird ein perverses Glücksspiel gemacht. Losgelöst von “echten” Werten wird mit dem potentiellen Gewinn potentieller anderer Gewinne, die mit geliehenem Geld anderer Anleihen, dass verzinst wurde, spekuliert – vereinfacht gesagt. Dass damit die Raffgier asozialer Arschlöcher reale Massenentlassungen, Hungersnöte und Kriege auslösen können, dafür danke ich dir, Weltwirtschaftssystem.

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Written by ring2

30. September 2008 at 19:42

Veröffentlicht in Ökonomie

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Der Zackenbarsch, der Zackenbarsch …

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… na, einen Reim kann sich ja jeder selbst drauf machen.

Bemerkenswerter Dialog im Thread des St. Pauli-Forums zu den „Vorkommnissen“ (laut Rostocker Funktionären ja „Nebensächlichkeiten“) in Rostock am Freitag:

 

Jeky: „Aber die Wechselgesänge „Wir haben einen Haßgegner..das sind die schwulen Hamburger“ mit reger Beteiligung, bin ich da auch empfindlich, Deiner Ansicht nach?“

Zackenbarsch: „Das ist eine (für mich) blöde Frage, auf die ich dir keine Antwort geben kann, die uns beide befriedigt. Natürlich bist du nicht zu empfindlich, und ich und viele andere singen sowas nicht mit (sehr viele tun es natürlich). Aber, und jetzt versteh mich bitte, bitte nicht falsch: Mir ist es momentan lieber, die Leute singen etwas, dass in Idiotenkreisen hoffähig als ‚reguläres‘ Schimpfwort ist, als offensichtlich nazistische oder antisemitische Scheisse.“

 

Womit Schwulenhaß als „in Idiotenkreisen reguläres Schimpfwort“ der nazistischen Scheiße sozusagen entronnen ist. Uff, Glück gehabt!

Beat Wyss und der „ewige Hitlerjunge“: Hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder

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Blöd für manche, daß der Titel „Der ewige Jude“ schon vergeben ist. Anspielungsreich das Ausweichmanöver: So ist ein „Essays“, abgedruckt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Monopol“ zum Thema Joseph Beuys, überschrieben mit „Der ewige Hitlerjunge“. Als sei das nicht schon schlimm genug, kündigt eine Schrift auf dem Titelblatt den Text mit den folgenden Worten an: „Mythos Beuys: Wieso die künstlerische Heilsfigur ein Wiedergänger der dreißiger Jahre war“.

Nun ist’s vielleicht wirklich überinterpretiert, in’s „Wiedergänger“-Motiv den Mythos von Ahasver hinzudeuteln, aber in welche Richtung dieses „Essays“ weist, wird dennoch deutlich: Ganz auf der Linie von Zettel, Grass-Bashern und Götz Aly wird versucht, jegliche sinnvolle Analyse des „3. Reiches“ zu unterbinden, indem man es in ’68 und die Bewegten hineinprojiziert. Und umgekehrt.

Habe ein wenig über Herrn Wyss gegooglet, scheint ja über ein gewisses Renomée zu verfügen, der Mann; liest man den Text, so fragt man sich doch, warum denn eigentlich. Bei ihm mutieren die dreißiger Jahre, als Kommunisten umgebracht, Erich Mühsam massakriert und Carl von Ossietzky eingekerkert, Bücher verbrannt und Juden zunächst mal „nur“ enteignet und aus allen öffentlichen Ämtern verbannt und boykottiert wurden, als unter Zuarbeit von Carl Schmitt Rassengesetze erlassen wurden, zu einer anthroposophisch untermauerten Feier von Wandervogel und Jugendbewegung mit sozialrevolutionärem Anspruch und „antiautoritärem“ Charakter.

Da reibt man sich erstaunt die Augen, der entsprechende Passus sei gleich noch mal zitiert, enthält er doch noch ’ne dolle, dialektische Wende; und natürlich gibt es Linien, die von Wandervogel und Jugendbewegung in’s „3. Reich“ wiesen, natürlich verstand es sich auch als sozialrevolutionär, und natürlich finden sich bei Steiner und der historischen Anthroposophie allerlei völkische Akzente.

Es wäre auch erstaunlich, wenn bei Beuys nix hängengeblieben wäre von alledem, 1933 war er zwölf Jahre alt, hat also prägende Jahre als Pimpf erlebt. Der Artikel weiß auch zu zitieren, wie Beuys selbst in einer Veröffentlichung von 1973 von dieser Zeit berichtete:

„Man muss ja zugeben, dass – etwa im Gegensatz zu heute – damals die Situation für jugendliche in gewisser Weise ideal war, um sich auszuleben. Es kann keine Rede davon sein, daß wir manipuliert worden sind; gut, man stand in Reih und Glied und trug die Uniform, aber ansonsten fühlten wir uns unabhängig.“

Das „Essays“ fügt an’s Zitat, „Beuys schwamm wie in Fisch im Wasser des braunen Zeitgeistes“. Weil er sich ja , im Zitat erkenntlich, ausgiebig für antisemitische Hetze, „Volk braucht Raum“-Ideologie und Hingabe an den Führer erwärmte, auch retrospektiv.

Ich kenne diese Geschichten von der HJ als eine Art spaßige Pfadfinderlager noch von meinem Vater, Jahrgang 1927; der hat sie mir eher erzählt, um zu demonstrieren, daß natürlich über solch ein Jugendabenteuer-Surrounding  auch ihm die Nazi-Überzeugungen vermittelt wurden. Und dies wiederum berichtete er, um den heute noch gültigen und bis hin zu Knopp verbreiteten Mythos, die Deutschen seien Hitlers Opfer gewesen, zurückzuweisen: Nö, die haben halt kräftig mitgemischt, und es hat ihnen grauenhafter Weise sogar Spaß gemacht. Würde meinerseits das Beuys-Zitat genau so auch lesen, „nee, wir waren nicht manipuliert, wir fanden das auch noch gut“ – für Wyss ist dies Schwärmerei.

Aber zurück zum antiautoritären Charakter des Nazi-Regimes:

„Im Künstlerhabitus verinnerlichte Beuys Ideen und Symbole, die er als Hitlerjunge eingeimpft bekommen hatte: An erster Stelle stand die antiautoritäre NS-Jugendpolitik, die es darauf anlegte, die Kinder als verwegene Phalanx des Systems und Aufpasser gegen die Eltern und Lehrer einzustezen. Denn die Jugend unter dem Hitler-Regime war bildbarer und kontrollierbarer als die Elterngeneration; indoktriniert von Schulen und Vereinen, kannte sie nichts anderes als die Ideologie des 3. Reiches. Die Jugend wurde geradezu angehalten, sich gegen die Autorität der alten liberalen, aber auch religiösen Eltern respektlos, zugleich aber der Neuordnung autoritär verpflichtet zu zeigen. Diese Doppelstragie funktionierte bei den Achtundsechzigern  nicht anders: Sie waren aufsässig gegen das „faschistische“ Bürgertum“, hörig den kommunistischen Ideologien. Sie waren beherrscht vom antiautoritären Autoritarismus. Beuys hat die Zangenoperation in’s Kunstsystem übertragen.“

Beat Wyss, Der ewige Hitlerjunge, in: Monopol Nr. 10/2008, S. 81-82

Da haben wir sie wieder, die konservative Zangenoperation: Ganz wie im Heimatfilm brach wie aus dem Nichts über sittliche Kirchen und vorbildlich liberales Bürgertum ’33 wie auch ’68 die Aufsässigkeit der wilden Horden.

Der antiautoritäre Geist von Hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder“ kehrte ja auch wieder als Slogan aus Gammler-Mündern, und die Entgegnung liberaler Atoritäten formulierte dann Freddy Quinn in „Wir“. Brandschatzend zogen die Nazis durch die Kirchen und Villen des nicht-jüdischen gehobenen Bürgertums und ließen derweil Sozialdemokraten und kommunistische Sozialrevolutionäre in Ruhe, die ja auch Liberales und Klerikales so gar nicht teilen wollten. Die Vereine und Schulen erfolgten derweil in jugendlicher Selbstorgansiation, ganz die linken Ideale von später vorwegnehmend, dort die vorbildich demokratische Elterngeneration von Weimar im Zaume haltend.

Es soll ja gar nicht bestritten werden, daß es sowas wie einen „autoritären Antiautoritarismus“ gegeben hat unter 68ern. Das hat nur mit dem „3. Reich“ nix zu tun.

So geht’s dann auch fröhlich weiter im Text: Das clowneske Schamanentum von Beuys bezieht Beat Wyss auch auf Beckett, aber auch das ist eigentlich nazistisch, weil er ja sowas wie ’ne Uniform trug, der Beuys.

Wie ja eh der Nationalsozialismus als Höhepunkt des Schamanentums zu rezipieren ist, wo Beuys den Künstler-Schamanen tatsächlich gab. An nordischen Mythen hat er sich auch vergriffen, weil das auch und immer schon nur und ausschließlich Nazis waren, die diese kommentierten – und der „dritte Weg“ zwischen „Kommunismus und Kapitalismus“, den Beuys „predigte“, war ein „Gemeinplatz völkischer Nationrevolutionäre im Klima der Lebensreform“, da hatte Ludwig Erhardt seine „sozialen Marktwirtschaft“ dann wohl auch her. Wie die Suche nach dem „3. Weg“ wiederum zum Hörigsein den kommunistischen Ideologien gegenüber paßt, das erläutert Herr Wyss nicht.

Beuys Vorstellung von Politik als „sozialer Plastik“ sei „patriachal bis in’s Mark“; inwiefern, das wird nicht weiter begründet, stattdessen geht Herr Wyss direkt über zur „Honigpumppe am Arbeitsplatz“ und der Beuysschen „Materialsemantik“, die „wenig demokratische Transparenz“ verrate.

Ich kenne die Kunst von Beuys tatsächlich nur flüchtig, aber hallo, was ist denn das für eine Vorstellung von Kunst, daß sie gewissermaßen der Logik des Grundgestzes folgen solle?

Beuys gilt natürlich gemeinhein als einer von jenen, die die Differenz von Kunst und Leben aufheben wollten, vieleicht hat Herr Wyss sogar in allem recht, aber wieso schreibt er über solche Fragen dann gerade nicht???

Es macht einen ganz irre, wie man ohne jeglichen Beleg, ohne jegliche Erläuterung da Versatzstücke aneinander gereiht liest, die etwas anderes als Denunziation gar nicht bezwecken können wollen.

Beuys habe eine Stiftung gegründet, die dann als „brauner Rand“ in den frühen Grünen aufgegangen sei -kann ja sein, aber so mal eben unbelegt dahingeworfen, was erklärt das? Er habe immer an einer Theorie des „Völkskörpers“ und der „organischen Gesellschaft“ festgehalten, gestützt wird diese Aussage lediglich durch die Interpretation der Honigpumpe, die zumindest mir recht eigenwillig, weil angelesen erscheint: Womit jenseits der reinen Biographie, daß Beuys eben noch zur HJ-und Kriegsgeneration gehörte und diese Erfahrungen in seinem Werk auch verarbeitet hat, der einzig markante Bezug zu Nazi-Ideologien hergestellt wäre, „Volkskörper“ und „organische Gesellschaft“.

Doch das federt Wyss durch die Bezüge auf Rudolf Steiner wiederum ab, von dem Beuys beeinflußt war. Welcher ja durchaus mit dem Zeitgeist der 30er Jahre in Verbindung gebracht werden kann, aber reicht das für den „ewigen Hitlerjungen“?

Das kann man allenfalls behaupten, wenn diese Jugenderlebnisse von Freiheit und Spaß selbst, die Beuys ja in der HJ erlebt zu haben glaubte, dann auch schon alles sind – und dann hätte der Text genau so gut „der ewige Pfadfinder“ und „der ewgie Jugendsportler“ heißen könne. Eine Gleichsetzung von Pfadfindern und HJ ist das keineswegs – daß man diese aber analog erlebt haben kann, das ist ja unabweislich und macht gerade ihren Schrecken aus.

Kann’s sein, daß Herr Wyss sich nicht vielmehr nach einer Renaissance des Autoritären sehnt? Liest man die Pointe des Textes, so will es so scheinen:

„Noch heute wird wird an an der Botschaft von Beuys fleißig weitergehäkelt: Vom Heer der Kunsterzieherinnen und Kunsterzieher, die aus Kunst ein Kinderland machen wollen. Beim Fördern von Kreativität möchte man nicht auf die gemütliche Wärme verzichten, die beim gemeinsamen Basteln aufkommt.“

Beat Wyss, Der ewige Hitlerjunge, Monopol 10/2008, S. 83

Ach ja, seufz, Herr Wyss, wären Kunst und Kindheit doch wieder hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde und zäh wie Leder ….

PS: Eine Reaktion in DIE WELT sei nicht vorenthalten:

„Als „niederträchtig und abstrus“ bezeichnet der ehemalige Beuys-Sekretär Heiner Bastian solche Vorwürfe. „Ich fühle mich selbst betroffen. Für mich war das Studium des grauenhaften Naziregimes eine der furchtbarsten Erfahrungen. Ich habe in vielen Gesprächen mit Joseph Beuys, dessen Freund ich sein durfte, dieses Grauen geteilt. Können Sie sich ein Werk wie die ,Auschwitz-Vitrine‘, eines der traurigsten und erschütterndsten, zugleich klarsten Kunstwerke, welches sich direkt auf den Zivilisationsverlust des Naziregimes bezieht, von einem Künstler vorstellten, wie er von Beat Wyss charakterisiert wurde?“, schreibt er in einem offenen Brief an die „Monopol“-Redaktion.“

Written by momorulez

28. September 2008 at 18:25

Ja, ja, die Wilden ….

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„Zivilisation ist der Fortschritt hin zu einer Gesellschaft der Zurückgezogenheit. Des Wilden gesamte Existenz ist öffentlich, geregelt durch seine Stammesgesetze. Zivilisation ist die Entwicklung hin zur Befreiung des Menschen von seinen Mitmenschen.“
Ayn Rand
Gerade gefunden beim A-Team. Unglaublich. Wie können die nur so dem demoskopischen demographischen Niedergang zivilisierter Völker das Wort reden?

Written by momorulez

27. September 2008 at 11:50

Des einen Gier, des anderen Neid

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„Wo kommt das ganze Geld denn her, das permanent auf der Jagd nach der höchsten Rendite ist? Die Gier ist ja nicht plötzlich entstanden. Gier gab es schon immer. Aber sie hat im Finanzkapitalismus plötzlich die Chance bekommen, sich auszutoben.

Das viele Geld kommt zum einen von jenen, die die Profiteure der großen weltweiten Umverteilung von unten nach oben sind, seit Ronald Reagan und Maggie Thatcher begannen, die Nachkriegsordnung der globalen Wirtschaft zurückzudrehen. Zum anderen kommt das Geld von den Menschen, die privat für ihr Alter vorsorgen müssen. Pensionsfonds füttern mit dem Geld der kleinen Leute die Töpfe der spekulativen Hedgefonds, weil mehr Rendite immer besser ist.

(….)
Weil aber der Finanzkapitalismus zweistellige Renditen abwarf, haben immer mehr Firmen aufgehört zu investieren und Wachstum samt Jobs zu schaffen.“

Robert von Heusinger in der gestrigen FR

Written by momorulez

27. September 2008 at 9:22

Veröffentlicht in Ökonomie

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Die Avantgarde des libertären Sezessionsrechts

with 2 comments

Ein Aufstand der Anständigen gegen linke Zwangssysteme und deren Propagandisten fand gestern wieder in Rostock statt. Seltsam nur, daß zuvor so Lubhudeleien ausgesungen wurden, über „schwule Hamburger“ soll es Chöre gegeben haben. Früher hieß es noch ganz aufrecht „Deutsche, wehrt euch, geht nicht zu St. Pauli“, und dann diesen neuen, sanften Töne – wie kommt’s?

Written by momorulez

27. September 2008 at 9:08

Die konservative Gefahr

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Ich sach ma‘: Eine der in der Tat großen Gefahren der aktuellen Bankenkrise ist, daß europäische Konservative dadurch Aufwind erhalten – also jene, die inegalitäre Verhältnisse als Garant von Stabilität und implizit gottgegeben verkaufen wollen. War am jüngst verlinkten IUF-Artikel schon überdeutlich – der eigentlich Tenor war ja „Häuslebauer sollten sich ihr Haus schon leisten können“ (nicht etwa: „Leistung muß sich wieder lohnen“, das ist ja in Zeiten des Lohndumpings eher out) – was unter gegeben Umständen wohl richtig ist – und: „falsch ist es, wenn der Staat den Häuslebau für alle proklamiert“.

Conluciso dieser ganzen zerplatzenden Blase der Finanzmarkts-Virtualität ist zudem: Kein Geld an jene, die nicht schon genug haben. Also: Die USA haben auf der Ebene der Bonitätsprüfungen versagt, und ein Leben nur auf Pump geht halt schief. Scheint ja auch zum Zusammenbruch dieser Sparkasse aktuell geführt zu haben, was dem Ganzen ja eine neue Qualität verleiht, daß es diesmal keine Investmentbank ist.

Einer meiner aktuellen Investoren – Immobilienerbe – verwies neulich darauf, daß bei deutschen Banken aktuell Usus sei, keine Gründungen zu fördern, die nicht mit 60% Eigenkapitaldecke ausgestattet seien.  Ähnlich die Höhe der Bürgschaften für Vorschüsse, die meine Kunden so verlangen, die dann selbst noch mal Kohle kosten und die im Falle von Existenzgründungen in meinem Metier für die meisten Gründungswilligen schlicht nicht zu überspringende Hürden aufstellen: Wer nicht bürgen kann, bekommt keinen Auftrag.

Kurz: Wer nix hat, kriegt nix. Das garantiert volkswirtschaftliche Sicherheit – oder so.

Auch der von den USA potenziell ausgehende Trend zur Staatsintervention in „die Wirtschaft“ hinein ist hierzulande immer einer mit genuin konservativem Einschlag: Das ganze deutsche Staatsmodell ist von Bismarck bis Adenauer/Erhradt  immer schon die Kompensation „liberalen“ Geistes durch konservative Caritas gewesen, um der Linken das Wasser abzugraben. Die 70er Jahre sind wohl die einzige Phase, wo dies nicht der Fall war. US-Neocons und und deutsche Konservative unterschieden sich ja deutlich hinsichtlich der Tradition, auf die sie sich jeweils berufen; hier isses wohl eher der hierarchische, religiös unterfütterte Ständestaat mit Eliten und Honoratioren und „großen Familien“ und Neo Rauch, dort der Cowboy-Pionier, der sich nicht reinquatschen lassen will und sein Zuhause eher in der christlichen Gemeinde als im Staat findet.

Ich glaube, das ist der Hintergrund, vor dem man den folgenden Artikel in der taz lesen muß:

„In Hamburg fiel die KSA zuletzt am 31. August bei der Vorstellung des neuen autobiografischen Buches „Die Box“ von Günter Grass auf. Als Grass im Thalia Theaters zum Lesepult ging, entrollten die rechten Aktivisten Transparente, auf denen stand: „ungebeten.de grüßt die moralische Instanz Günter Grass“.

Lautstark forderte der rechte Verleger Götz Kubitschek im Saal ein Ende der „Nebelkerzenprosa“ und betonte, Grass hätte die Versöhnung der Generationen zerstört. In einem Comic, das Rechte verteilten, unterstellen sie Grass, das Wort „Tätervolk“ mitentwickelt zu haben, auch um den Deutschen ein „Schuldkomplex“ einzureden. Als „Ansprechpartner“ diente dabei Menzel.“

Und wer Menzel, wer die Konservativ-Subversive Aktion ist, kann man ja im Verlinkten nachlesen …

Written by momorulez

26. September 2008 at 9:12