shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Hinsetzen, Hinsetzen!

with 13 comments

Die Südtribüne hat gestern dann doch gänzlich versagt. Ganz im Gegensatz zur Mannschaft.

Gibt ja am Millerntor die eingeübte Praxis, daß Wechselgesänge zwischen den Tribünen das Stadion in Wallung versetzen. Wahnsinnig komisch finden die „in der Süd“ Stehenden es, irgendwann „Aufstehen!“ zu uns Haupttribünensitzern zu rufen. Das nervt jedes Mal, deshalb bleibe ich auch sitzen und wunder mich über die Schafe rundherum – lasse mir doch von einer Horde Kinder da drüben nicht meinen geschundenen Rücken manipulieren. Und auffordern zunächst mal zu gar nix. Es lebe die negative Freiheit (in diesem Fall).

Sahen andere gestern wohl auch so. „Südtribüne, Südtribüne – Hinsetzen, Hinsetzen!“, das war die adäquate Antwort von der Haupttribüne. Und, was passierte? Nix. Blieben alle stehen. Mit denen bin ich durch.

Aber nicht mit meinem FC St. Pauli! Gut, Oberhausen war schlicht etwas überfordert. Was schade ist, der Club ist ja außerordentlich sympathisch. Da inmitten dieser ganzen großen Vereine zu überleben mit dem Image als ewige graue Maus; von Liga 2 bis Liga 4 hinab in einem Rutsch und dann direkt wieder hinauf mit jungen Spielern aus der Region, das ist schon enorm – gerade in der letzten Saison, wo in der Regionalliga es so eng und brenzlich war wie selten zuvor. Und gestern gaben sie wohl auch alles, extrem engagiert – aber wie will man einem Filip Trojan in dieser Form standhalten?

Weiß gar nicht, wie man eine solche Kondition aufbauen können kann. Unermüdlich rotierte und wirbelte der Mann, unglaublich. Das war dann auch der Minus-Punkt moralisch, den die Oberhausener Spieler eingefahren haben: Daß sie den noch umgetreten haben in Halbzeit 2, das gehörte sich nicht. Hoffentlich nix Schlimmes.

Auch herausragend Kalla, den alle „Schnecke“ nennen, keine Ahnung, warum. Ewig nur in der Zweiten Mannschaft gespielt, und dann ständig letzter Mann über 90 Minuten, hat er super gemacht. Auch das lange Wegschlagen der Bälle, also ganz auf Nummer sicher gehen, ist allemal besser, als wenn die Unseren versuchen, nun einen auf brasilianisch zu machen – welche Bedeutung die Jugendarbeit von Fußballvereinen hat, sowas wird ja in allen gesellschaftlichen Debatten ignoriert angesichts dieses gleichgeschalteten Schein-Individualismus, der sich über „Vereinsmeierei“ immer schon lustig gemacht hat.

Knackpunkt in unserem Spiel ist ja immer so um Minute 25 herum. Wenn die Unseren dann nachlassen, dann geht’s meistens schief. Wenn sie jedoch weiter Druck machen, hat der Gegner selten eine Chance. So sprach ich gestern ungefähr bei Minute 26 „Jetzt könnte ich noch ein Tor gebrauchen“, eins war ja schon gefallen – und prompt zapppelte der Ball im Netz. Schön! Und sie haben nicht nachgelassen, den Sack sogar mal zugemacht (schon zwei Klischee-Formulierungen hintereinander, im Netz zappelnde Bälle sind ja auch allerorten zu lesen – aber Fußball lebt halt vom Ritual!) – mit so einem 3:0 in die Halbzeit gehen, das ist ja doch angenehm. Ganz offenkundig haben sie aus dem Osnabrück-Spiel gelernt.

Völlig neues Millerntor-Feeling also: Ganz entspannt Halbzeit 2 gucken. Alle grinsten wie die Honigkuchenpferde (dritte Klischee-Formulierung, hätte ich jetzt die Zeit, würde ich den ganzen Text jetzt damit vollpropfen), die Jungs auf dem Platz legten immer dann sofort nach, wenn’s doch noch mal kurz gefährlich wurde – und dann kam auch noch Hoilett und flitzte da über den Rasen wie ein Kugelblitz, großartig.

Satt und zufrieden, gar nicht euphorisch und doch ganz umd gar selig stand man dann vor der Domschänke, der bis auf weiteres wohl letzte Sommertag streichelte die Sinne – wie beschrieb der Tucholsky das noch? „Die Seele baumeln lassen“?

Danke, ihr Boys in brown, für dieses tolle Geburtstagsgeschenk!

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Written by momorulez

1. September 2008 um 8:39

Veröffentlicht in Fussball

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13 Antworten

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  1. Na dann schaun wir mal wie ihr euch nächste Woche schlagt.

    fpk/fck

    1. September 2008 at 9:52

  2. Auf’m Betzenberg? Bist Du Pfälzer?

    momorulez

    1. September 2008 at 10:08

  3. Das war ja meine Heimpremiere diese Saison und eine wunderschöne obendrein. Irgendwie tragisch nur, wie der Alex Ludwig da glücklos zwischen so viel Energie (Trojan) und gerichteter Konzentration (Kalla, Boll) herumirrte. Der Mann tat mir dann sooo leid, als er am Ende noch sein Tor verstolpert hat.

    ring2

    1. September 2008 at 11:45

  4. War aber auch echt nicht leicht, gestern neben Trojan zu glänzen … und das, obwohl Ludwig ja so schicke, grüne Schuhe trug 😉 …

    momorulez

    1. September 2008 at 11:59

  5. Ja, die sind mir auch aufgefallen. Sind die von Pokerroom.tv? 🙂

    ring2

    1. September 2008 at 12:22

  6. OleOle!

    fpk/fck

    1. September 2008 at 13:36

  7. […] um den bravourös fightenden Eger und die tolle Leistung von “Schnecke” Kalla (Motto: Lieber nach vorne mit dem Ball, da kann er hinten nichts anrichten) haben dann sogar einen […]

  8. Hören Sie mal, das „Kinder auf der Süd“ verbitte ich mir, ich reiche für lässig zwei Kinder, wenn nicht noch mehr! 😉

    Ich muss ja mal zur Ehrenrettung der Südtribüne sagen, dass die Haupttriüne schon etwas zähes Sitzfleisch hat, da versucht man es eben immer wieder mal.

    Ich war nun gestern zu meiner bitteren Verzweiflung nicht da, aber habe es mit größter Freude aus allen Ecken gehört. Und dass mein Herzblattspieler Trojan mal so richtig rausgekommen ist, freut mich immens. Ich glaub ja schon lange an den. Nachweislich 🙂

    Übrigens: AUFSTEEEEHN!!! 🙂

    jekylla

    1. September 2008 at 16:13

  9. Entschuldigen Sie die inflationäre Smilie-Verwendung, ich weiss auch nicht, was heute in mich gefahren ist 🙂

    jekylla

    1. September 2008 at 16:18

  10. hihi :X

    ring2

    1. September 2008 at 16:23

  11. „die Haupttriüne schon etwas zähes Sitzfleisch hat,“

    Sorry, aber ich sitze zum Teil zwischen Rentnern, daß die da nicht konstant rumhüpfen, das ist vielleicht so erstaunlich nicht.

    Zudem WIR IMMER NOCH SELBST ENTSCHEIDEN WANN WIR AUF SITZFLEISCH SETZEN UND WANN NICHT UND DA KEINERLEI BEWERTUNGEN ODER ANIMATIONSVERSUCHE VON SÜDTRIBÜNENBEWOHNERN BENÖTIGEN.

    Wir haben da unsere eigene Dramarturgie – wie die Südtribüne ja auch, und das ist ja auch völlig in Ordung so. Und reagieren viel stärker auf den Spielverlauf und überhaupt. Und sitzen infolge einer bewußten Entscheidung auf unserem Sitzfleisch.

    So, das mußte alles mal gesagt werden.

    Ich bleibe sowieso immer sitzen, wenn da geblökt wird. Bin doch nicht bei den Funkenmariechen oder Fischer-Chören oder so.

    momorulez

    1. September 2008 at 17:12

  12. Nun schreien Sie doch nicht gleich so *duck*, Aufregung ist schlecht für die Kranzgefäße, aber das lassen Sie sich mal lieber von den benachbarten Rentnern erklären 🙂

    Dass Sie mental viel stärker auf den Spielverlauf reagieren, will ich Ihnen ja gar nicht absprechen, das hat ja auch so was von vornehmer Zurückhaltung und deutet auf makellose Erziehung und Haltung in jeder Situation hin. Bewundernswert. Ich bin da ja eher der entfesselte Funkenmariechen-Typ, das gebe ich dann an dieser Stelle erstmals öffentlich zu.

    jekylla

    2. September 2008 at 21:41

  13. Na, wir sind ja auch entfesselt, manchmal nur punktuell, manchmal ganze Halbzeiten klang oder gar ganze Spiele lang, und manchmal eben auch in dieser Kommentar-Sektion 😉 … daß Sie da jetzt gar nix für können, das weiß ich doch, und ich gönne Ihnen ganz und gar die Daseinforms des Funkenmariechens! 😉

    momorulez

    2. September 2008 at 21:47


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