shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Der eindimensionale Mensch

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„Ich finde es psychologisch sehr bedenklich, wenn sich Menschen in eine Begriffswelt abseits der allgemein anerkannten Regeln der Kommunikation flüchten.“

Kafka, der eskapistische Drecksack. Diese verfickten Atomphysiker, kein Schwein versteht die, und all die Soziolekte und Szene-Jargons – wenn man so durch die Börse spaziert und dieses eklige Buisness-Sprech der Befrackten dort hört, sollt man sich erst mal pastoral vor ihnen aufbauen, Bedenken tragen und dann mitteles sozialer Kontrolle normalisieren …

Stefanolix sinniert drüben ressentimentgesättigt über den Begriff „Eigenverantwortung“ angesichts eines Schildes in einem Bus, auf dem steht: „Jeder Fahrgast ist verpflichtet, sich einen festen Halt zu verschaffen“ und langt dann kräftig daneben, indem er sich vorstellt, was wohl welche politischen Lager dazu sagen könnten.

Mein erster Impuls wäre: „Dieser konservative Kontrollwahn mittels alberner Imperative in öffentlichen Verkehrsmitteln, damit wollen die doch nur davon ablenken, daß sie die Sozialtickets abgeschafft haben“, und der zweite Impuls, den Grund für diese Regel zu hinterfragen: Das ist ja entweder analog gedacht zu diesen Forderungen, daß Skater und Skifahrer mehr in Krankenkassen einzahlen sollten, weil sie sich selbst gefährdeten, oder daß solche Risiken durch die Versicherungen nicht abgedeckt zu sein haben. Die Pflicht also, sich um sich selbst zu sorgen.

Das ist dann sozusagen eine Vorstufe zur liberalen Verwendung des Wortes „Eigenverantwortung“: Chancen soll man haben, je mehr Eigentum, desto mehr Chancen, und Risiken gefälligst selbst abfedern. Und wer das nicht kann, ist Opfer. Na, die meisten plädieren dann ja doch zähneknirschend für Grundsicherungsmodelle.

Die andere Lesart ist interessanter, weil sie meiner Ansicht nach eine Schnittmenge zwischen konservativ und links anzeigt, letzteres allerdings seit dem Erfolg all der Jugendkulturen mit Abstrichen, und eine akzentverschobene liberale Lesart sogar auch zuläßt: Man solle sich festhalten, um nicht auf andere draufzufallen oder diese zu stören, und da geht es dann um Rücksichtnahme. Das wäre ja das eigentliche konservative Votum: Würde man den Kids von Anfang an zeigen, wo der Hammer hängt, dann bräuchte man solche Schilder später gar nicht.

Trotzdem gilt natürlich, daß es, sobald andere sich anmaßen, das als Vorschrift irgendwo hinzuhängen, Trotz entsteht, der überflüssig ist – und in Sachen Rücksicht nur sich selbst Regulierendes moralisch angemessen scheint.

Die liberale Lesart könnte somit übertragen heißen: Wer – so sehen die das – „auf Kosten Anderer“ seinen Lebensunterhalt bestreitet, ist rücksichtslos.

Und das liest man so eben gerade nicht bei unseren kleinen Egomanen. Weil sie – Stefanolix‘ Text ist dafür ein Paradebeispiel – zwischen Ethik, Moral, Politik und Recht gar nicht unterscheiden, das macht diese Denke so eindimensional und führt permanent in Paradoxien: Ein ethischer Begriff – Eigenverantwortung, bei Heidegger heißt das Selbstsorge – wird 1 zu 1 in’s politische Feld transferiert, und Moral – das Verhalten Anderen gegenüber – bleibt so auf der Strecke.

Dieses mit Erziehungsberechtigung ausgestattete „sei eigenverantwortlich!“ will direkt individuelles Verhalten REGULIEREN mittels politischer und rechtlicher Sanktionen (wozu auch Entzuig von Mitteln, also auch der von liberaler seite geforderte Privatiserungswahn, gehört).

Und das soll dann frei sein? Liest sich eher wie „Sei spontan!“.

Der Unterschied zu linkem Denken besteht meiner Ansicht nach darin, daß

1.) innerhalb dessen nach dem Grund einer Regel gefragt wird und nicht irgendein formales, aber nichtssagendes, ethisches Postulat wie „Eigenverantwortung“ proklamiert wird, das ist man nämlich sowieso, rein existentiell, und da gehört der Begriff auch hin, nicht in einen politischen Kurzschluß befördert

2.) es um Möglichkeitsbedingungen für individuelle Entfaltungsspielräume geht und nicht um Imperative beim linken Denken.

Insofern sind die Benimmregeln tatsächlich reine Dekoration, um von der RücksichtsLOSIGKEIT einer kapitalistischen Gesellschaft abzulenken, und das Sozialticket ist relevanter, nicht das, was Stefanolix da Linken in den Mund legt.

Was die eigentliche Differenz ist: Konservativ setzt Verhaltensregeln absolut, ohne sie jenseits der Tradition begründen zu können. Liberales Denken kennt die Kategorie des konkreten Anderen gar nicht, unterscheidet nicht zwischen Recht, Moral, Politik und Ethik und den formalen Bedingungen von alledem, begreift Intersubjektivität nicht und entdifferenziert alles bis hin zur puren Formelhaftigkeit des Vertragsverhältnisses.

Während linkes Denken eher Umstände, Möglichkeitsbedingungen und das Miteinander thematisiert. Und da gibt’s noch viel zu tun …

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Written by momorulez

2. September 2008 um 9:04

Veröffentlicht in Ökonomie, die Moral

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18 Antworten

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  1. Um gleich am Ende zu beginnen: im liberalen Denken gibt es ganz genauso viel zu tun, deshalb bloggen wir ja;-)

    Um mich gegen den allfälligen Verdacht zu wehren: ich will nichts normieren und ich kann nichts normieren! Aber es gibt doch eine gesellschaftliche Anwendung der Sprache, es gibt eine gelebte Kommunikation. Darauf bezog ich mich. Und ich versuche ja gern, die andere Seite mit ihren Umdeutungen wie »Arbeitsmarkt ist eine Art Sklavenhandel« zu verstehen, aber ich sehe an derlei Sprüchen keine konstruktive Seite.

    Um zum Anfang Deines Artikels zurückzuspringen: Wissenschaftler und Schriftsteller waren mit dieser Aussage überhaupt nicht gemeint und das konnte ich in diesem Kontext voraussetzen. Natürlich haben Wissenschaftler und Schriftsteller eine eigene (Fach)sprache. Sie versteifen sich aber nicht darauf, allgemein verwendete Begriffe wie

    – »Eigenverantwortung« in »Entsolidarisierung«,
    – »Anreiz« in »Zwang«,
    – »Angestellte« in »Ausgebeutete« oder
    – »Arbeitsmarkt« in »Menschenmarkt«

    in ihrer Bedeutung umzubiegen. Wer sich einige Zeit lang jedes Beschäftigungsverhältnis in Ausbeutung umdeutet, der wird natürlich immer weniger dazu geneigt sein, jemals wieder ein solches Beschäftigungsverhältnis zu beginnen. Lediglich das wollte ich mit meinem Kommentar ausdrücken.

    Einige Linke aus dem Umfeld dieses Blogs sind (soweit ich gehört habe) erfolgreich im Beruf und würden mit derlei Vokabular nie in ein Gespräch mit der Personalabteilung oder in eine Gehaltsverhandlung gehen;-)

    Ich habe mir nie angemaßt, mit meinem kleinen Artikel die Eigenverantwortung von allen Seiten her zu betrachten. Es mag sich ja eine weitere Diskussion entwickeln …

    stefanolix

    2. September 2008 at 9:51

  2. @Stefanolix:

    „ich will nichts normieren und ich kann nichts normieren!“

    Yes, you can! Sowas wie soziale Kontrolle gibt’s halt., und dazu trägt jeder gewissermaßen automatisch bei, ob er will oder nicht.

    Der Spruch mit den Schriftstellern verwies zum einen auf die Vielfalt von Sprachformen, die „ihr“ meiner Ansicht auch nur ungenügend berücksichtigt auch hinsichtlich jener Rollen, die auch Fachsprachen, Sprachformen im höheren Managemnet etc. spielen.

    Du bekommst z.B. bestimmte Jobs mit Sicherheit nicht, wenn Du bestimmte Sprachformen nicht beherrscht, und Du kannst oft nix dafür, ob Du sie beherrscht oder nicht. Doofes Beispiel: Wer sächselt, hat’s echt schwer in meiner Branche. Wir schämen uns dann und stellen nicht ein.

    Und das hängt schon auch mit dem Thema „Eigenverantwortung“ zusammen.

    Meine These ist ja eher, daß man in ganz grundsätzlicher Hinsicht das sowieso immer schon ist, eigenverantwortlich, daß freilich die konkrete Entfaltung desseen denn eben auch im Rahmen von Prägungen, Umständen etc. sich vollzieht.

    Aber los wird man die nicht, die Eigenverantwortung, wenn man sich nicht selbst bescheißenn will, da bin ich ganz beim frühen Sartre. Das ist nur kein Argument gegen widrige Umstände, und als politischer Imperativ ist’s auch paradox.

    War zudem ein Hinweis darauf, daß ihr z.B. auch die Rolle der Ätshetik grob unterschätzt, was ja an sich nix macht bei irgendeinem Blog-Eintrag, aber sehr viel hinsichtlich der gesellschaftlichen Wirkung eurer Diskurse.

    „- »Eigenverantwortung« in »Entsolidarisierung«,
    – »Anreiz« in »Zwang«,
    – »Angestellte« in »Ausgebeutete« oder
    – »Arbeitsmarkt« in »Menschenmarkt« “

    Na, habe ich ja oben auch geschrieben: Es wird nicht die existentielle Eigenverantwortung in Entsolidarisierung verdeht.

    Das ist die Sache mit den Sozialtickets: Politik regelt demokratisch geteilte Belange, mal ganz schlapp formuliert.

    Nun wird zunehmend der Bereich, in dem diese noch wirkt, eingeschränkt unter der Überschrift „Eigenverantwortung“, und natürlich ist das Entsolidarisierung, wenn Du angesichts von Leuten, die keine medizinische Versorgung erhalten, dann „Ätschbätsch, geht mich doch nix an!“ ausrufen würdest.

    Weil auch in der Ansicht bin, daß Dich daß das über den Umweg des Sozialstaatsprinzips als Bürger dieses Staates sehr wohl was angeht, ebenso die hohe Abschieberate bei Flüchtlingen usw.

    De facto ist dieses „Eigenverantwortung“-Gerufe Ausdruck totaler Verantwortungslosigkeit, weil es eben Bereiche gibt, die man nicht nur individuell, sondern hinsichtlich der eigenen, in Bürgerrechten fußenden Rolle als Wähler, Parteimitglied etc.eben auch mit verantwortet.

    „Anreiz“: Natürlich ist nicht jeder Anreiz Zwang, aber nachdem ich gerade mal meine ersten Briefe von der Arbeitsagentur erhalten habe, gespickt mit Sanktionsdrohungen, isses ja eher verwirrend, das dann noch als „Anreiz“ zu behaupten.

    Und das ist dieses immergleiche Problem, daß ökonomisch-theoretische Begrifflichkeiten von Leuten wie Schröder in Kontexte befördert wurden, wo die gar nix zu suchen haben. Wieder wird im Grunde genommen eine eigenständige, politische Ebene bestritten, und das ist Ideologie.

    „Euch“ kann man das wirklich nur dann reinwürgen, wenn ihr konkrete politische Forderungen erhebt. Da ihr aber eher für „weniger Politik“ ganz generell eintretet, ist dann dann zwar anti-demokratisch, aber konsistenter als diese Formen der Sozialtechnologie.

    „»Angestellte« in »Ausgebeutete« oder“

    Das ist nun mal de facto so, wenn man Marx‘ Analysen für richtig hält, und gerade nach Jahren des Umgangs mit Budgets kann ich ihm da nur beipflichten.

    Gibt da aber auch im Kapitalismus Spielräume des „mehr“ oder „weniger“. Und ob Du’s glaubst oder nicht: Habe das meinen Chefs sehr massiv – auch in diesem Vokabular – um die Ohren gehauen und jetzt ja meine Konsequenzen daraus gezogen.

    „Arbeitsmarkt“ und Menschenmarkt“ spielt wohl auf Begriffe wie „Humankapital“ an und ist eine Kritik eines verdinglichenden Verhältnisses zum Anderen.

    Was dann ja zur eigentlichen Pointe meines Eintrages überleitet 😉 …

    momorulez

    2. September 2008 at 10:34

  3. Ich beginne mal mit dem Anreiz: Dass die Arbeitsagentur gleichzeitig Sanktionsdrohungen aussendet und Anreize verwaltet, spricht per se nicht gegen Anreize. Ich finde schon, dass man das sauber trennen sollte. Der Anreiz zur Arbeitsaufnahme, um den es in unserer Diskussion über das Thema Anreize speziell ging, enthält keine Drohung, sondern bietet eine Chance.

    Der Ausbeutung im Marx’schen Sinne kann sich jede(r) entziehen, indem er sich eine andere Form der Erwerbsarbeit aussucht. Ausbeutung ist aber in unserer Umgangssprache etwas ganz anderes und wenn Du auf der Marx’schen Definition bestehst, dann werden Dich sehr viele Menschen nicht verstehen 😉

    Auf dem Arbeitsmarkt geht es doch nicht um ein »verdinglichendes Verhältnisses zum Anderen«, dort geht es um Angebot und Nachfrage von Leistungen. Die Leistung wird »verdinglicht«, nicht der Anbieter. Aber das sollte doch Konsens sein?

    »Humankapital« ist ein Wort, das in den Fachbüchern und Hörsälen bleiben sollte, denn es ist öffentlich nicht vermittelbar. Aber »Arbeitsmarkt« und »Anreiz« sind meiner Meinung nach neutral.

    Zur Eigenverantwortung später, ich muss noch eine Arbeit fertigstellen.

    Ich kenne Deine Konsequenzen nicht, wünsche Dir aber unabhängig von unseren harten Diskursen wirklich beruflichen Erfolg — in welcher Organisationsform auch immer. Deine Leistung möge sich lohnen 😉

    stefanolix

    2. September 2008 at 11:32

  4. „Dass die Arbeitsagentur gleichzeitig Sanktionsdrohungen aussendet und Anreize verwaltet, spricht per se nicht gegen Anreize.“

    Doch, natürlich werden Leute dadurch zu etwas gezwungen, was sie nicht wollen – z.B. eine unterbezahlte und u.U. scheußliche Arbeit anzunehmen. Und dieser quasi-ethische Diskurs legitimiert das dann.

    Das ist ja der Punkt, wo das inkonsistent wird: Ich finde es zwar falsch, alles auf Teufel komm raus zu privatisieren und plädiere für ein bedingungssloses Grundeinkommen. Ich stimme dem somit nicht zu, daß man auf die Sozialsysteme doch lieber verzichten solle und stattdessen jeder eben selbst vorsorgt, halte das aber für noch irgendwie im Rahmen eines bestimmten Begriffssystems konsequent.

    Inkonsequent wird es, wenn man die staatliche Gängelung dann „Eigenverantwortung“ tauft. Das ist nämlich dann ausnahmsweise mal ein Punkt, wo bestimmte, nicht alle, Kriterien aus den totalitarismutheoretischen Ansätzen greifen und übrigens auch eine massive Kritik am Etatismus.

    „Der Ausbeutung im Marx’schen Sinne kann sich jede(r) entziehen, indem er sich eine andere Form der Erwerbsarbeit aussucht.“

    Nein, genau die Erfahrung mache ich ja auch gerade: Wenn Du nicht gerade geerbt hast, begibst Du Dich zunächst von einer Abhängigkeit in die nächste.

    Schilder doch mal Fälle, wo das anders ist – die mir bekannten Branchen und Beschäftigungszustände laufen immer auf Ausbeutung hinaus, am schlimmsten in „frei gesetzten“ Fällen wie der Ich-AG, also in den ungesicherten Verhältnissen.

    „Leistung wird »verdinglicht«, nicht der Anbieter.“

    Das ist wohl von Fall zu Fall verschieden – je stärker jedoch Finanzinvestoreninteressen und totalsierte Gewinnmaximierung greifen, je größer die Institution, desto „entmenschlichter“ der Umgang mit Personen, so zumindest meine Erfahrung. Habe sogar ein gewisses Faible für konservativ-patriarchale Familenunternehmen, weil die oft „menschlicher“ sind als größere Einheiten.

    „Deine Leistung möge sich lohnen“

    Hoffe ich ja auch.

    Aber zum einen war der weitestgehende Verzicht auf private Belange der Preis dafür, diesen Schritt jetzt ggf. gehen zu können.

    Und des weiteren gerät man immer an den Punkt, daß Leistung durch die Besitzrechte Anderer sozusagen gestochen wird, wenn man selbst den Unternehmer-Weg beschreiten möchte …

    momorulez

    2. September 2008 at 12:01

  5. Da ich in einem Blog nicht mehr kommentiere, in dem auch so einer wie Steffen H. schreibt, noch mal zwei Anmerkungen zur Diskussion drüben hier an diesem Ort:

    „Es wundert mich übrigens gerade bei einem Linken, dass er die Verantwortung gegenüber dem »Kollektiv« überhaupt nicht erwähnt;-)“

    Das ist doch genau das, was ich drüben mit dem „Dogmatismus, der sich spaltet, um in sich eine Stütze zu finden“ meinte: Es ist völlig absurd und zudem eine liberale Erfindung, linkes Denkes grundsätzlich mit „Kollektivismus“ und „Kollektiv“ zu identifzieren.

    Selbst ein „Klassenbewußtsein“ ist eben noch mal was anderes als das Durkheimsche „Kollektivbewußtsein“, und auch sonst muß man schon die Geschichte verschiedener linker Ansätze hineinsteigen, um zu gucken, welche Kategorien da jeweils verwendet werden.

    Allein schon wegen dieser selbstbeweihräuchernden, werthaltigen Opposition „Individuum versus KollektiV“, die GAR NIX aussagt und eher in den Kontext der Kritik an der Massengesellschaft in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gehört, ist so vieles so grundfalsch, was „ihr“ schreibt, und diese ganzen lechts-rings-Behauptung speisen sich aus diesem Grundirrtum.

    Dabei ist das Thema historisch gewichtig und spannend: Zentraler Topos der rechten Kritik an Weimar war z.B. die Oppostiionsbildung „Gesellschaft“ versus „Gemeinschaft“, und dieser von euch ständig projizierte Gemeinschaftsbegriff führt dann zu all den unsinnigen Gleichsetzungen, die „ihr“ ständig vornehmt. Der hat nur so, wie „ihr“ das tut, überhaupt keine reale, historische Referenz.

    Es gab in der DDR Verwednungsweisen von „Kollektiven“, aber auch die hatten doch einen spezifischen Geahlt? Zudem ich auch weiter bestreite, daß diese ein linkes Projekt war.

    Und, dann noch zum Kommentar von F. Alfonzo:

    Nicht-Ausbeutung ist die Utopie der klassenlosen Gesellschaft, also dem Gemeinschaftseigentum an Produktionsmitteln, das erst ab einem bestimmten Grad der Produktivkraftentwicklung möglich „wird“ – und daß diese Utopie per Revolution installierbar wäre, daran glaubt ja nun aktuell wirklich kein Schwein mehr. Deshalb oben der Hinweis auf ein Mehr oder Weniger an Ausbeutung. Und ich pädiere für ein Weniger.

    momorulez

    2. September 2008 at 12:22

  6. Bessere Beispiele im Rahmen der Marktwirtschaft? Neben dem gut geführten Familienunternehmen [Achtung: auch Ausbeutung nach Marx!] würde ich die Genossenschaft, die GbR mit Gleichgesinnten oder die Arbeitsgemeinschaft (mehrerer Selbständiger) nennen. Deinen letzten Absatz verstehe ich nicht ganz, es gibt doch viele Arten des Unternehmertums.

    Wir haben im Prinzip eine bedingungslose Grundsicherung: wenn der Betroffene nämlich nicht arbeiten kann oder wenn er es ausdauernd genug plausibel macht. Ich habe in einem meiner letzten beiden Beiträge kommentiert, dass ich die Sanktionen zum großen Teil abschaffen würde. Wer auf Anreize nicht freiwillig reagiert, dem kann ich nicht helfen. Zwingen kann ihn auch die Arbeitsagentur nicht. Die Grundversorgung soll aber dann wirklich nur die Grundbedürfnisse absichern.

    Ich habe nie für die Abschaffung der Sozialsysteme plädiert. Ich plädiere nur dafür, sie auf das Notwendige zu beschränken und auf keinen Fall auszuweiten.

    Die Leute werden durch den Anreiz gerade nicht gezwungen. Ich meine mit »Anreiz« gerade nicht »Friss oder stirb!«.

    stefanolix

    2. September 2008 at 12:32

  7. PS: Momorules, Dein Ironiedetektor ist kaputt. Wenn ich schon einen ironischen Smiley hinter den Satz setze, dann nimm ihn bitte nicht ernster, als es unbedingt sein muss 😉

    Und Deine moralische Rigorosität in allen Ehren, aber ich habe in der letzten Woche oft bei Che kommentiert und bin jetzt auch mal wieder hier: ich finde, man sollte es nicht an Personen festmachen. Und nein, deshalb nenne ich jetzt auch keine Namen für meine Gegenargumentation.

    stefanolix

    2. September 2008 at 12:38

  8. Erinnert mich jetzt an die Diskussion über die böse Künstlersozialkasse bei den Antibürokraten, wo die lautesten Kritiker einfach nicht reingekommen waren. Also, um mal auf der Ebene zu bleiben, wenn sich ein Sicherungssystem anbietet, dann freut sich auch der grösste Anti-Etatist.

    Dass man sich einfach einen andere Erwerbsarbeit ( finde leider die richtige Stelle mit dem richtiogen Wort gerade nicht wieder ) aussuchen könne, um Ausbeutung zu entgehen – naja, ich bin ja im allgemeinen mein Leben lang davon verschont gewesen, aber wenn ich mir die meisten Menschen, die ich kenne, in Erinnerung rufe, dann ist das schlicht anders; niemand konnte sich eben mal einen anderen Erwerb aussuchen, ob angestellt oder selbstständig.
    Also, das läuft nun schon etwas anders, und jeder weiss das.
    Und jeder ist allenfalls bemüht, nicht irgendwohin abzurutschen, wenn er eine mittlere Eben erreicht hat.

    Schröders böses Gesetz gegen „Scheinselbstständige“ war ein Gesetz gegen Scheinselbstständigkeit, nachdem viele, z.B. am sich als entlassen wiederfanden und zu Konditionen Selbstständiger ihre Arbeit als Ein-Mann-Betriebe weitermachen mussten; es war ja nun nicht so, dass die plötzlich mehr Geld bekommen hätten. Ich habe das miterlebt, ich habe auch miterlebt, wie Handwerker mittels echter, einseitiger Vertragsfreiheit in Grund und Boden gestampft wurden, bis ihre Arbeit unbezahlt blieb und sie pleite gingen mitsamt ihren Angestellten. (Hatte erst gestern wieder ein Gespräch darüber mit einer Architektin aus Deutschland, die keinen Bock mehr auf sowas hat. )
    Das ist keine lustige Sache mit der sogenannten Vertragsfreiheit, wenn man sie nicht bezahlen kann, die Vertragsfreiheit von oben nach unten. Und dass man dann sich mal eben eine andere Arbeit suchen könnte, ist ein Vorschlag aus einer anderen Welt. Und was das mit Eigenverantwortlichkeit als Forderung und Vorschlag zu tun hat, frage ich mich schon lange, seit ich das immer höre, wenn ich den TV anmache. Das geht ja nun davon aus, dass die Leute nicht eigenverantwortlich handeln würden, und das ist – mit Verlaub – eine schlichte Missachtung von Lebensumständen und Biographien, sowie menschlicher Beziehungen und Intentionen.
    Wer handelt denn nicht eigenverantwortlich?
    Wenn meine türkischen Studentinnen für 400 Euro als Schuhverkäuferinnen arbeiten um sich ihr Studium und ihre Zimmer sowie 700 Euro Studiengebühren zu finanzieren, dann ist das stinknormale wahrgenommene Eigenverantwortlichkeit, was denn sonst? Es ist wohl eher anders bei denen aus „gutem Hause“, die das alles nicht nötig haben in ihrer Absicherung, wie das bei mir bspw. der Fall war. Aus den „guten Häusern“ kommen dann die Reden von „Eigenverantwortung“, aber keine Rede von Brüderlichkeit, die bei Sartre, dem Philosophen der permanenten Eigenverantwortung eben aus der Verantwortung erwächst, wo ja der Andere als Bezugspunkt immer mitgedacht wird.
    Ehrlich gesagt, ist mir das alles völlig unverständlich, weil ich nur Leute kenne, die eigenverantwortlich denken und handeln, und zwar unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Ebene und Funktion; ich kenne auch ein paar, die in Bezug auf Andere nicht unbedingt verantwortlich handeln.

    T. Albert

    2. September 2008 at 13:07

  9. @Stefanolix:

    „Neben dem gut geführten Familienunternehmen [Achtung: auch Ausbeutung nach Marx!] würde ich die Genossenschaft, die GbR mit Gleichgesinnten oder die Arbeitsgemeinschaft (mehrerer Selbständiger) nennen“

    Genossenschaft akzeptiere ich vollauf. Aber schon bei einer GbR kommt’s ja dann eher darauf an, für wen Du arbeitest im Rahmen derer, ebenso bei den Arbeitsgemeinschaften Gleichgesinnter. Im mir bekannten Feld werden gerade kleine GbR-Autorenbüros ganz besonders gerne ausgebeutet.

    „Wir haben im Prinzip eine bedingungslose Grundsicherung: wenn der Betroffene nämlich nicht arbeiten kann oder wenn er es ausdauernd genug plausibel macht.“

    Na, da nennst Du die Bedingungen ja gleich mit … das ist schon Zwangsarbeit mit der Alternative, ansonsten zu verhungern, obdachlos zu werden etc.. Nicht, weil Du das fordern würdest: Das ist so.

    „Wer auf Anreize nicht freiwillig reagiert, dem kann ich nicht helfen.“

    Das ist ja genau das Paradoxon …

    „ich finde, man sollte es nicht an Personen festmachen.“

    Ich sach’s ja: Ihr habt Probleme mit dem konkreten Anderen 😉 …

    Nee, ich habe ja Dein Engagement beim Che auch als Handreichung verstanden, und so auch – trotz Opponierens – mein Verlinken im Gegenzug verstanden.

    Aber bei Steffen ist bei mir einfach Schluß – wegen der Sachen, die er schreibt.

    Und welchen letzten Absatz hattest Du nicht verstanden?

    momorulez

    2. September 2008 at 13:45

  10. Aha, jetzt verwendest Du »ausgebeutet« schon wieder ganz anders. Auftragnehmer können und müssen eben solche Aufträge annehmen, dass sie auch davon leben können. Oder effizienter arbeiten.

    Wie kommst Du darauf, dass ich hier irgend etwas in die Nähe der Zwangsarbeit rücken würde? Deine Alternative stimmt einfach: wer nicht arbeiten kann, für wen es keine Arbeit gibt oder wer sich ausdauernd genug als arbeitsunfähig darstellt, der kann de facto nicht gezwungen werden.

    Welcher Dir bekannte Liberale zieht denn die Alternative »Zwangsarbeit oder Verhungernlassen« für Arbeitssuchende auch nur in Erwägung? Die liberale Partei (zu der ich nicht gehöre) hat ja sogar ein Grundsicherungskonzept in der Schublade. Liberale Konzepte sind so eng gefasst, dass die Gundbedürfnisse gedeckt werden.

    Ich sehe es nicht so schwarz wie T. Albert, aber ich sehe die Probleme mit den nicht bezahlten Rechnungen natürlich auch. Nur: deswegen kann ich nicht die ganze Wirtschaft in Frage stellen. Die ganz überwiegende Anzahl der Rechnungen wird bezahlt. Zu der Sozialkassen-Diskussion und zum Rest Deines Artikels später mehr.

    Ich habe mir mein Studium nach einer ganz kurzen BAFöG-Phase selbst finanziert und das BAFöG-Geld sofort mit der ersten Aufforderung (mit 18% Rabatt) zurückgezahlt. Nein, ich habe keine Schuhe verkauft, sondern am Anfang noch auf dem Bau gearbeitet, später programmiert, Rechner administriert und als studentische Hilfskraft Seminare gehalten. Über meine Eigenverantwortung kann ich also Rechenschaft ablegen. Warum soll man nicht in einer bestimmten Phase seines Lebens viel Energie in einen guten Abschluss investieren?

    @Momorules: Diesen Absatz

    Und des weiteren gerät man immer an den Punkt, daß Leistung durch die Besitzrechte Anderer sozusagen gestochen wird, wenn man selbst den Unternehmer-Weg beschreiten möchte…

    meinte ich. Ich ahne, aber ich verstehe nicht. Es geht sicher um Nutzungsrechte?

    stefanolix

    2. September 2008 at 15:00

  11. „Aha, jetzt verwendest Du »ausgebeutet« schon wieder ganz anders. Auftragnehmer können und müssen eben solche Aufträge annehmen, dass sie auch davon leben können. Oder effizienter arbeiten.“

    Nein, das ist schon die gleiche Verwendung. Da, wo Kapital strebt, sich mittels der Arbeitskraft anderer zu mehren und sich die Gewinne selbst einsteckt, wird ausgebeutet.

    Habe aber ja längst zugestanden, daß es unter aktuellen Bedingungen eher um ein Mehr oder Weniger geht.

    „Wie kommst Du darauf, dass ich hier irgend etwas in die Nähe der Zwangsarbeit rücken würde?“

    Na, die reale Praxis der Agenturen läuft darauf hinaus, und mir schien, Du fändest diese akzeptabel?

    Ich finde, man sollte auch Arbeitsfähige nicht zwingen dürfen.

    „Welcher Dir bekannte Liberale zieht denn die Alternative »Zwangsarbeit oder Verhungernlassen« für Arbeitssuchende auch nur in Erwägung?“

    Ehrlich gesagt nur Du in Deinem Kommentar oben.

    Ansonsten wird man so konkret ja gar nicht im „liberalen Lager“, sondern schreibt lieber über „Eigenverantwortung“, „Nicht-Finazierbarkeit“, alles möglichst abstrakt, und denunziert so um die Ecke die Nicht-Arbeitenden, um sich solche konkreten Gestaltungsfragen gar nicht stellen zu müssen.

    „Die liberale Partei (zu der ich nicht gehöre) hat ja sogar ein Grundsicherungskonzept in der Schublade“

    Ja, das hatte ich sogar im ursprünglichen Eintrag geschrieben, daß zähneknirschend zumeist ein Grundsicherungskonzept dann doch befürwortet wird. Zähneknirschend, weil es viel angenehmer ist. ständig Dritten zu unterstellen, sie würden nur auf der faulen Haut rumliegen wollen und die Linken hätten ja eh was gegen „Eigenverantwortung“.

    „Nur: deswegen kann ich nicht die ganze Wirtschaft in Frage stellen.“

    Nein, aber was man schon infrage stellen muß, daß ist die Legitmation dieser de facto ja Machtungleichverteilung durch ein kritikloses Hinnehmen all dessen, was so in „die Wirtschaft“ passiert.

    Ich habe tatsächlich priveligiert erst von meines Vaters Geld, dann vom Waisengeld studiert, das war sogar recht üppig, mir das Examensdreivierteljahr aber auch komplett selbst finanziert.

    Und immer nebenher gejobbt., um nicht den Kontakt zu so Realitäten wie Spastiker eincremen und Wohnungen putzen zu verlieren. Fand ich wichtig neben dem Schwerpunkt „Moralphilosophie“. Finanziell ging’s mir dadurch tatsächlich sehr gut.

    „Warum soll man nicht in einer bestimmten Phase seines Lebens viel Energie in einen guten Abschluss investieren?“

    Das machen doch eh die meisten. Das war ja eigentlich T. Alberts These: Warum immer Eigenverantwortung fordern, wo doch die meisten eh schon ganz außerordentlich eigenverantwortlich agieren?

    Zu dem Absatz: Wenn Du in einem recht „kapitalintensiven“ Bereich wie dem meinen Dich selbstständig machen willst und aufgrund von chronischer Unterbezahlung keine relevanten Rücklagen hast, bist Du halt auf Geldgeber angewiesen.

    Und da kann ich noch so leistungsbereit sein – und ja auch wirklich sehr viel geleistet haben in den letzten 15 Jahren -, noch so gute, kontinuierliche und stabile Kunden- und Geschäftsbeziehungen und Know How haben und in bestimmten Hinsicht auch einen sehr guten Ruf – letztlich diktieren sie Dir doch die Bedingungen, oder versuchen es zumindest, ganz außerordentlich machtbewußt.

    Daran kann das alles aktuell noch scheitern, weil ich auch nicht vom Angestellten in’s de facto Feudalverhältnis schlittern will, und da fragt man sich dann doch, was die eigene Leiistung eigentlich wert ist, im buchstäblichen Sinne … weil man ja noch so dolle Buisnesspläne verfassen kann, natürlich sitzen die am längeren Hebel, und das kann man denen noch nicht mal vorwerfen.

    Zum Glück ist einer von den beiden auch extremst fair, auch das gibt es 😉 …

    momorulez

    2. September 2008 at 15:24

  12. Wie, stefanolix,
    meine Eltern und ich haben dir dein BAFÖG und 18% Rabatt finanziert? Jetzt bin ich auch langsam gegen Steuern, hihii!!

    Ich und meine Geschwister haben gar nicht erst BAFÖG bekommen, und zwar zu Recht nicht. Unsere zu viel verdienenden bürgerlichen und sozialistischen Eltern waren aber der Meinung, dass es sehr wohl darum ging, den Kindern anderer Leute per BAFÖG und ähnlichem Ausgleich aus Steueraufkommen ihre Studien zu ermöglichen, um ihnen grössere Möglichkeiten zur Selbstverantwortung und Selbstverwirklichung verfügbar werden zu lassen.
    Darum gings ja.

    Und die Studentinnen Schuhverkäuferinnen handeln ja nun in höchstem Grade selbstverantwortlich, werden aber dafür beschimpft, wenn sie beim Schuheverkaufen ihre beknackten Credit Points nicht rechtzeitig schaffen und mit einem durchreglementierten Studium kujoniert, das angeblich auch deswegen so gestrafft wurde, damit mehr Studenten weniger arbeiten müssten; was ja alles Quatsch ist.

    Zum Schwarzsehen: neenee, das tu ich nicht. Ich sehe einfach Realitäten und bin einigermassen froh, dass ich damit zur Zeit relativ wenig zu tun habe.

    T. Albert

    2. September 2008 at 16:40

  13. Wow, an dieser Stelle mal ein Kompliment @stefanolix wegen seiner Ausdauer. Mir ist schon beim lesen ganz schwummerig geworden.

    Die Passage von T.Albert „nachdem viele, z.B. sich als entlassen wiederfanden und zu Konditionen Selbstständiger ihre Arbeit als Ein-Mann-Betriebe weitermachen mussten“ – kommt mir aber auch bekannt vor. Das „müssen“ ist ja das fomatierende.

    Übrigens denke ich schon, um mal zum Beispiel zurückzukommen, dass es sich bei dem Schild „festhalten bitte“ um Eigenverantwortung handelt, nämlich um die des Justiziars der Verkehrbetriebe. Der wird nämlich entlassen, wenn einer stürzt und man ihn nicht vorher an seine „Eigenverantwortung“ erinnert hat, sich festzuhalten.

    Der große Unterschied zu dieser Diskussion ist nur, dass (fast) alle Menschen in diesem Zusammenhang dieselben Voraussetzungen mitbringen: sie haben einen Arm.

    ring2

    2. September 2008 at 17:46

  14. @ momorulez: „Weil sie [die bösen Liberalen] zwischen Ethik, Moral, Politik und Recht gar nicht unterscheiden, das macht diese Denke so eindimensional und führt permanent in Paradoxien“

    Nette Rhetorik hat nur wenig mit dem Liberalismus zu tun. Die Identität von Politik und Recht ist das Postulat des Rechtspositivismus, der von Liberalen gerade abgelehnt wird. Linke neigen schon eher dazu, insbesondere zu der demokratischen Variante. Liberale trennen auch zwischen Moral und Recht, da nur letzteres allgemeine Verbindlichkeit einfordern kann, es sind Linke Politiker die die Transferierung des Moralischen in das Recht fordern. Ein Kategoriefehler zwischen Ethik und Moral hat keine besonderen Implikationen, der Vorwurf ist also nicht geeignet um den politischen Gegner zu diffamieren. Über moralisches Handeln in der Politik machen sich Liberale und erst recht Libertäre auch keine Illusionen.
    Das Linke eher zu der von dir postulierten Eindimensionalität neigen geht auf Marx zurück, für den Ethik und Recht nur Überbau waren und sich aus den Produktionsverhältnissen ableiten. Für ihn konnte Politik Recht und Moral bestimmen, was einen moralischen Nihilismus darstellt.

    @ stefanolix: Warum lässt du soetwas durchgehen?

    Michel

    2. September 2008 at 20:46

  15. ja,stefanolix, warum?

    Michel, das mit dem Überbau find ich toll.

    T. Albert

    2. September 2008 at 21:10

  16. Viel toller finde ich das mit der Diffamierung und der Rhetorik, weil ja auch das typisch für viele Netz-Liberale ist: Diffamieren tuen ja immer nur die anderen, Argumentation gibt’s da grundsätzlich nicht aufg Seiten des politischen gegners.

    @Also, Michel:

    -Jene Vordenker jener Liberalen, um die es mir hier geht, weisen in der Tat Politik zurück mit dem „Argument“, es handele sich um „kollektive Entscheidungen“, wobei da weder reale Entscheidungsprozesse noch der Begriff des „Kollektiven“ irgendeine sinnvolle Klärung erfahren.

    Recht wird zumeist apodiktisch in willkürlichen Naturrechts-Konstruktionen gesetzt, ohne daß diese ihrerseits eine Begründung zu erfahren.

    Insofern kann man hinsichtlich der gemeinten Vordenker zwar von einer dezidiert antidemokratischen Differenzierung zwischen Recht und Politik sprechen, in den Diskussionen im Netz verschwindet diese in der Regel völlig.

    – Natürlich ist die Gesetzgebung an politische Prozesse gekoppelt, so ist das nun mal im Parlamentarismus.

    – „Liberale trennen auch zwischen Moral und Recht,“ – das ist so generell ja Humbug.

    Kant hat das gemacht, und ansonsten ist hinsichtlich dessen, was hier so unter „liberal“ gehandelt wird, mir keinerlei moralische Konzeption bekannt, die nicht entweder diffus „Verantwortungsethik“ proklamiert und dann eher im Neocon-Lager landet, oder aber unter Rekurs auf den Utilitarismus argumentiert, der mit Moral nix zu tuen hat, weil er funktional begründet.

    Insofern würde ich eher mal die Hypothese aufstellen, daß der Liberalismus ziemlich unmoralisch ist und wenn, dann diese ggf. unter „privat“ verbucht, , und genau darauf zielt ja Deine Behauptung, die Linken würden eine Transferierung der Moral in’s Recht einfordern.

    Ja, in der Tat, die Grundrechtsparagraphen sind moralisch begründete, insofern unterstützt Du hier freundlicherweise die oft aufgestellte These, daß es sich bei vielen Spielarten des Liberalismus um verfassungsfeindliches Denken handelt. Was ja eigentlich absurd ist, weil unser Rechtssystem ein auf dem Liberalismus aufbauendes ist.

    Ansonsten begreife ich persönlich Recht dann, wenn es über die Grundrechte hinaus geht, als funktionale Ergänzung zur Moral und halte es da eher mit Habermas als mit Apel, insofern aber auch ganz dezidiert mit der Bürgerrechtslinie des Liberalismus, die ja ziemlich untergetaucht ist, die meine obige Kritik freilich nicht treffen würde.

    „Ein Kategoriefehler zwischen Ethik und Moral hat keine besonderen Implikationen, der Vorwurf ist also nicht geeignet um den politischen Gegner zu diffamieren“

    Mal abgesehen von der Unterstellung des Diffamieren -Wollens: Bei Stefanolix‘ Eintrag ist genau dieser „Kategorienfehler“ (ist ja gar keiner, sind Diskurs-Typen, ein Kategorienfehler ist es, wenn man glaubt, der Mannschaftsgeist liefe auf dem Fussballplatz mit rum, um den seligen Ryle zu bemühen) der zentrale, und das ist ja genau der Knackpunkt des gouvernemental auftretenden neoliberalismus: Daß er ethische Formen – z.B. „Sei eigenverantwortlich“ – als funktionale und quasi-moralische Postulate politisch ineins absolut setzt. Wenn man normalisiert genug ist, dann fehlt einem in der regel da die sensibilität, um die Brisanz dieses Themas zu begreifen. Alleine schon, wie Du das hier verniedlichst, dieses Thema, ist ja symptomatisch.

    Als sei es nicht historisch gerade das große Verdienst des Liberalismus gewesen, daß man beides doch lieber auseinander halten sollte; seit Kant, der da eine Sonderstellung einnimmt, ist das meiner Ansicht nach eigentlich auch unabweisbar.

    Genau das war ja die Crux in der „Kommunitarismus-Debatte“, und die US-Liberals haben da eine sehr gute Figur gemacht. Die werden aber ja hier großmäulig als „Sozialdemokraten“ abgetan, ein weiterer Punkt, wo heutige Liberale ihre Tradition mal eben so versenken.

    Zu Marx: Das muß ich noch mal nachlesen, ob das so stimmt, was Du schreibst. Jkann aber sehr wohl sein, genau dieser Punkt hat auch einst zum Bruch mit einem Mit-Blogger geführt. Nehme ja unsere Ahnherren nicht einfach so widerspruchsfrei hin.

    MKan darf dabei aber nicht ignorieren, daß Marx zwischen normativ und deskriptiv nicht wirklich unterscheidet, und das hat er mit dem von ihm kritisierten Liberalismus gemein. Als wiederum, ausdrücklich noch einmal gesagt, jener Spielart, die er kritsierte und die bei den B.L.O.G.s ja noch mal trivialsiert eben auch ind er erscheinung tritt.

    Daß es ansonsten viele Positionen auch innerhalb der liberalen Sphäre gibt, genau so wie auf der Linken, das ist mir schon klar.

    momorulez

    2. September 2008 at 21:43

  17. Ich muss Euch um Verständnis bitten: Arbeit und Familie haben mich am Rest des Tages voll gefordert und morgen werde ich auch sehr viel tun müssen. Es ist nichts vergessen, aber ich brauche jetzt mal 20 Stunden Auszeit vom Bloggen.

    stefanolix

    2. September 2008 at 22:01

  18. Bis dennne!

    momorulez

    2. September 2008 at 22:11


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