shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Tja, Herr Professor, noch nie das „Schwarze Quadrat“ gesehen?

with 9 comments

Lade gerade das neue Calexico-Album „Carried to Dust“ ein. Ja, brav gekauft, nicht illegal gedownloaded sonstwo oder imateriell bei i-tunes geordert – und warte immer noch darauf, daß der Herr Professor aus Chemnitz mal ausrechnet, was denn nun der adäquate Kurs für mich wäre. Und ob 5 CDs am Monatsanfang – die neuen von Calexico, The Verve und Joan Baez (ja, wer hätte das gedacht, das gibt’s was neues) sowie das Connor Oberst Solo-Album sowie eine wundervolle Compilation der großen 70er-Jahre-Hits der Bee Gees, was liebe ich dieses „Fanny – be tender“, und den „Saturday Night Fever“-Soundtrack halte ich für eines der größten Alben aller Zeiten – denn auch angemessen sind für mich. Verstehe nicht, wieso die Frage bei mir nicht erlaubt sein sollte.

Ja, klar, macht das natürlich alles der Markt mit seinen Preisbildungsprozessen und meine „Produktivität“, und damit das übherall wirkt und sich entfalten kann, half gelegentlich auch auch mal ’ne Weltmacht per Geheimdienst nach  – Victor Jara hätte gegen diese Weltdeutung opponiert, und das wurde ihm zur Verhängnis.

Schämte mich gerade dafür, daß ich gar nicht mehr genau wußte, wer Victor Jara war. „Victor Jara’s Hand“ heißt der erste Song auf dem neuen Calexico-Album – bei Wikipedia erfahre ich, daß er ein kommunistischer Sänger in Chile war. Dem Putsch Pinochets fiel er zum Opfer, und kurz, bevor sie ihn mit Maschinengewehren niedermetzelten, brachen sie ihm noch die Hände, daß er nie mehr Gitarre spielen könne. Der Legende nach schmetterte er dann ein Lied, „Venceremos“.

Na ja, aber die Gesetze der Wirtschaft gelten ja in jedem Gesellschafstssystem. Wer weiß, ob der sich mit seiner Mucke auf dem neuen Markt da unten überhaupt gehalten hätte nach dem Putsch.

Paßt trotzdem zu dem, was ich vor zwei Tagen in der FR las:

„Die Vorlesungen kulminieren in einer Anekdote; Frisch behandelt sie als Chiffre des gesellschaftspolitischen Teils seiner Poetik: Ein Schweizer auf Geschäftsreise in Leningrad bittet darum, in der Eremitage das „Schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch zu sehen, wissend, dass es im Keller den Augen des Volks entzogen ist. Als der Schweizer Geschäftsmann mit der russischen Museumsdame vor dem Bild steht, für ein paar Minuten nur, sind beide begeistert. Warum, schlägt der Schweizer vor, hänge man das Bild nicht neben die Gemälde des Sozialistischen Realismus, das Volk verstünde es doch eh nicht? „Die Dame lachte: Sie irren sich – das Volk könnte nicht verstehen, wozu dieses schwarze Quadrat, aber es würde sehen, dass es noch etwas anderes gibt als die Gesellschaft und den Staat.“

Woraus für Frisch emphatisch resultiert, die Kunst sei die „Gegen-Position zur Macht““

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Written by momorulez

6. September 2008 um 15:25

9 Antworten

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  1. Tja, ich hingegen habe noch nie von Calexico, The Verve oder diesem Oberst gehört, kenne aber seit Jahrzehnten Victor Jara 😉

    che2001

    7. September 2008 at 11:11

  2. The Verve kennst Du hundertprozentig – die „Bitter Sweet Symphony“ kennt ja eigentlich jeder:

    Und Richard Ashcorft, der Sänger, hat zwischendruch auch ganz schöne Solo-Sachen gemacht.

    Connor Oberst ist der Mann hinter Bright Eyes, einer der wichtigsten Acts der letzten Jahre. Großartig.

    Deren Album „Digital Ash in a digital urn“ ist ein Jahrhundertwerk:

    Calexico sind vor allem bekannt dafür, daß sie ccountryesk-folkiges mit mexikanischen Sounds kombiniert haben:

    Ganz wundervoll, und die Texte müßten Dir eigentlich auch sehr zusagen!

    momorulez

    7. September 2008 at 12:02

  3. Schon nicht schlecht, die neue Verve, aber früher – vor ‚Bittersweet Symphony‘ haben sie schöner gekracht, finde ich:

    statler

    7. September 2008 at 13:19

  4. Bittersweet Symphony kenne ich als Hintergrundsound aus dem Fitnessstudio, ohne dies bisher mit einem Songtitel oder Bandnamen verbunden zu haben (Statlers Link ist Klasse, schöner Song!), die anderen Bands und Titel sind mir sämtlich völlig unbekannt (Calexico gefällt mir). Ich muss dazu allerdings sagen, dass ich neu veröffentlichte Musik seit 1997 fast nur noch wahrnehme, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit im Radio gespielt wird.

    che2001

    7. September 2008 at 13:36

  5. @Statler:

    Habe ja gestern das neue Album, bei Kritikern ja eher belächelt, erstmals durchgehört, und das auch erst einmal – und einiges geht ja wieder ein wenig in diese Richtung wie das Verlinkte. So ein bißchen Schein-Psychedelic – wie gesagt, Kommenar nach nur einmal hören.

    Finde die Bittersweet-Symphony aber schon ’nen großen Wurf, trotz des Erfolges, den das Teil hatte. Bin aber auch echt ’n Pop-Ohr, eigentlich, wenn ich nicht gerade Folkiges oder Disco höre 😉 …

    @Che:

    „dass ich neu veröffentlichte Musik seit 1997 fast nur noch wahrnehme, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit im Radio gespielt wird.“

    Das ist aber schreklich! Finde Musik hören und immer wieder „neues“ entdecken soooooo immens wichtig, kann mir ein Leben ohne gar nicht vorstellen …

    momorulez

    7. September 2008 at 13:58

  6. Die letzten Jahre hatte ich dafür gar nicht die Zeit. Ich gehe ein paar mal im Jahr auf Festivals (Rock und Jazz) und bin immer dabei, wenn Klaus Hoffmann in Norddeutschland auftritt, aber abgesehen davon würde ich ja sagen, dass ich aus dem Feten- und Discoalter raus bin. Als ich zum Beispiel einmal schrub, dass ich Marius gut finde und du daraufhin über diesen fürchterlich ablästertest, konnte ich allein deshalb damit nichts anfangen, weil ich von dem nichts kenne, das nach 1990 kam, der ist für mich immer noch „Theo gegen den Rest der Welt“. Und von den Ärzten, Die Braut haut ins Auge, den Sternen, ein paar Rappern wie etwa Paris und den Lassie Singers abgesehen spielt sich Musik für mich im Wesentlichen zwischen 1967 und 1986 ab.

    che2001

    7. September 2008 at 15:00

  7. „dass ich aus dem Feten- und Discoalter raus bin“

    Na, das bin ja auch recht deutlich, aber das hindert ja nicht daran, gelegentlich mal ’nen Konzert zu besuchen oder ’ne CD einzuschmeißen … mein halber I-Pod ist voll mit den „New Noises“-CDs aus dem „Rolling Stone“, nur so als Tipp, die sind sehr, sehr gut gemacht …

    Und, ohne Scheiß: Für mich ist das ’ne durchaus politisch gehaltvolle Sache, das mit der Musik … daß Statler anders ist als die anderen, das zeigte sich schon immer an dem, was er über Musik schrub!

    momorulez

    7. September 2008 at 15:11

  8. @“gelegentlich mal ‘nen Konzert besuchen“ — Ich schrub ja, dass ich ein paar Mal im Jahr auf Jazz- und Rock-Festivals gehe (und ein Klassikkonzert jährlich), und das mit der politisch gehaltvollen Sache sehe ich auch so. Ich habe ja sogar ein Rock-Klassik-Funk-Jazz-Crossover-Konzert selber veranstaltet. Du weißt aber auch, in welcher soziokulturellen Diaspora ich in den letzten Jahren gelebt habe. Vielleicht wird das jetzt ja alles besser.

    che2001

    7. September 2008 at 15:19

  9. „Vielleicht wird das jetzt ja alles besser.“

    Wünsch ich Dir von Herzen!

    momorulez

    7. September 2008 at 15:49


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