shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Na, hallelujah!

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„Überträgt man die Planungen für die «Stossgruppe Bayern» auf den Norden und legt die Erkenntnisse aus Übungsunterlagen des Warschaupakts zugrunde, die die ostdeutsche Armee vor ihrer Auflösung nicht mehr vernichten konnte, so dürften die Annahmen über die Stossgruppen 1 bis 3 der Realität ziemlich nahe kommen. Danach waren für den Zielraum Schleswig-Holstein 62, für Ostniedersachsen 115 und für den Zielraum Nordkassel 175 Nuklearwaffeneinsätze vorgesehen. Diese Zahlen stammen ausschliesslich aus Übungen, die in den achtziger Jahren durchgeführt wurden. Damit ist zugleich festgestellt, dass sich die tatsächliche Kriegsplanung nach 1964 nicht wesentlich veränderte.

 

Ist ja durchaus beeindruckend, was die NZZ da berichtet und was Martin treffsicher kommentiert. Mich überrascht, daß das als überraschend aufbereitet wird: Das ist nicht weit weg von dem, was man sich damals so vorstellte. Da trat dann noch hinzu, daß man davon ausging, die USA würde billigend in Kauf nehmen, daß der „Blockgegensatz“ auf mitteleuropäischem Boden ausgetragen werden könnte, nicht anders als die Sowjetunion eben auch. Es gab keine Orientierung an Leuten wie Breschnew damals unter den Friedensbewegten, den fand man schauerlich. Entsprechend wollte man, dem österreichischen und schweizer Vorbild folgend, eine neutrale Zone inmittens Europas, sozusagen als geographischer Puffer zwischen den Blöcken.

Argument – oder Vision – von Friedensbewegten wie mir war ja gerade: Leute, laßt solche Planspiele doch einfach sein, macht Mitteleuropa zur atomwaffenfreien Zone. Ob das nun illusionär war oder nicht, das sei mal dahingestellt. Zumindest gab es einen klaren Schulterschluß zwischen DDR-Opposition („Schwerter zu Pflugscharen“), für die spätere Bügerrechtsbewegung ja eine Art Vorstufe, und westlichen Friedensbewegten – während Kalte Krieger wie Franz-Josef Strauss noch Milliardenkredite verteilten.

Klar war auch immer, daß die Sowjetunion davon ausging, daß sie sich in Verteidigungsposition gegenüber der NATO befände, die berühmte „Interpunktion von Ereignisfolgen“, der ich keineswegs beipflichten würde, aber wenn’s solche Perspektiven gibt, so sind die ja relevant.

Daß die USA die Atomwaffen auch einzusetzen bereit waren, das hatten sie in Hiroshima und Nagasaki ja nun mal eindrucksvoll unter Beweis gestellt, das Wettrüsten und der „Kalte Krieg“ kamen nun mal erst darauf folgend. Und allen retrospektiven Unkenrufen zum Trotze hat man ja gegen SS 20 und Pershings gleichermaßen demonstriert, wer anderes behauptet, geht retrospektiv Leuten wie Franz-Josef Strauß auf den Leim, was ja erstaunlich häufig passiert.

 

Was sich mir deshalb überhaupt nicht erschließt, ist dieses peinliche Triumphgeheul drüben beim A-Team (ich meine das in der Kommentarsektion, wenn Jo@chim glaubt, Kalte Krieger feiern zu müssen, sei ihm das ja unbenommen). Kann ja jeder im Nachhinein finden, daß der NATO-Doppelbeschluß richtig war, der Text bei der NZZ liefert dafür nun aber gerade keine Gründe.

 

„Mehr noch. Zwischen 1975 und 1988 häuften sich die Forderungen der sowjetischen Militärführung, einer technologischen Überlegenheit des Westens militärisch zuvorzukommen.“

 

Ließe sich daraus  nicht eher ableiten, daß die  fortgesetzte Aufrüstung des Westens (und des Ostens) die Kriegsgefahr drastisch erhöht hat?

Zudem es mich arg wundern würde, wenn ähnliche Präventivschlags-Szenarien von der NATO nicht auch durchgespielt worden wären. Es ist ja kein Zufall, daß „Präventivkriege“ zeitweise von den USA forciert wieder schwer en vogue waren.

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Written by momorulez

16. September 2008 um 11:08

19 Antworten

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  1. „Zumindest gab es einen klaren Schulterschluß zwischen DDR-Opposition (”Schwerter zu Pflugscharen”), für die spätere Bügerrechtsbewegung ja eine Art Vorstufe, und westlichen Friedensbewegten – während Kalte Krieger wie Franz-Josef Strauss noch Milliardenkredite verteilten.
    (…)
    Es gab keine Orientierung an Leuten wie Breschnew damals unter den Friedensbewegten, den fand man schauerlich.
    (…)
    Und allen retrospektiven Unkenrufen zum Trotze hat man ja gegen SS 20 und Pershings gleichermaßen demonstriert, wer anderes behauptet, geht retrospektiv Leuten wie Franz-Josef Strauß auf den Leim, was ja erstaunlich häufig passiert.“

    Danke!
    Ich bin diese Diskreditierungen auch leid. Ich weiss immer noch sehr, sehr genau wofür und wogegegen ich im Bonner Hofgarten demonstriert habe. Mit Willy Brandt und Petra Kelly. Den Kriegsdienst habe ich auch nicht FÜR Herrn Breschnew verweigert, sondern GEGEN ihn; langsam kann man Lust kriegen, einigen Leuten Beleidigungsklagen anzuhängen.

    T. Albert

    16. September 2008 at 11:46

  2. Selbst die ollen DKLer, die ich in meinem Blog erwähnte, fanden, soweit ich es überblicken konnte, den „Betonschädel“ nicht sonderlich attraktiv – weshalb sie es tunlichst vermieden, ihn auch nur zu erwähnen.

    MartinM

    16. September 2008 at 12:27

  3. Ergänzung;: Der „olle Betonschädel“ war Breschnew, fallweise könnte auch Erich Honecker gemeint gewesen sein.

    MartinM

    16. September 2008 at 12:31

  4. Ja, Honecker und all die andern Idioten waren mitgemeint. Das war doch klar wie Klossbrühe; und die Hälfte der Zeit meiner zeimlich langen Verweigerungsverhandlung ging dafür drauf, dass den Kollegen, die mich begutachteten haarfein parallel zu Breschnew und Honecker diskutierten unter ständigen Hinweisen, dass man mit mir als verweigerndem Soldaten drüben aber anders umspringen würde, nämlich so, wie es sich eigentlich gehörte. Spassig wars nicht unbedingt.

    T. Albert

    16. September 2008 at 12:44

  5. Und unsereins wurde von anderen Linken als von Nationalrevolutionären unterwandert bzw. beeinflusst verdächtigt, wenn man sich 1984 für einen gesamtdeutschen Neutralismus aussprach, und in der Mechtersheimer-Ecke vermutet. Nicht nur das DKP-Spektrum, auch der KB und selbst Antifa-Gruppen konnten es gar nicht ab, wenn man über Alternativen zur Blockkonfrontation laut nachdachte. Schade, dass ich den Autoaufkleber „Keine fremden Truppen in Deutschland! Keine deutschen Truppen im Ausland!“ nicht mehr habe. Ansonsten gilt auch heute noch: „Raus aus der NATO! Rein ins Vergnügen!“

    che2001

    16. September 2008 at 12:49

  6. Und die paar Spartaken, die ich so kannte, meinten mit „Betonköpfen“ meist den Inner Circle der DKP-Parteikader. Die waren ja auch nur in dem Sinne Pro-DDR, wie andere Linke prokubanisch waren: Man zog außen- und friedenspolitisch am gleichen Strang. Die gleichen Verhältnisse in eigenen Land haben wollte man dann doch nicht.

    che2001

    16. September 2008 at 12:58

  7. […] zu suchen, aber mir fallen einfach keine ein. Dass die damals unterlegene Seite heute von “peinlichem Triumphgeheul” spricht, ist zwar irgendwie verständlich, kommt aber angesichts der Fakten nicht besser […]

  8. Dass du immer recht hattest bis heute, ist ja auch nix neues mehr.
    Ja, und so „Linke“ wie Freund Joachim, die sind uns ja auch damals auf die Nerven gegangen, wie hier oben schon ersichtlich. Ich kannte solche gar nicht persönlich, bis auf die 3, 4 K-Gruppler in der 12. Klasse, als ich 15 war.
    Das war 1974.

    T. Albert

    16. September 2008 at 21:10

  9. ich meine natürl. rayson

    T. Albert

    16. September 2008 at 21:10

  10. […] kommt bei Momorulez zwar eine berechtigte Verteidigung gegenüber der Unterstellung, Linke und Friedensbewegte seien […]

  11. NUB ist jetzt auch retrospektiv den Kalten Kriegern beigetreten. Manche denken halt so wie kleine Jungs, die dann a priori immer für die Bayern sind.

    Ist Dir auch schon dieser staatsanwaltlich-inqusitorische Tonfall und diese manische Intellektuellenfeindlichkeit aufgefallen? Da geht’s um Weltbildpflege.

    Das sind genau die Typen, die johlend dabei standen, als Giordano Bruno verbrannt wurde.

    momorulez

    16. September 2008 at 22:10

  12. „Ist Dir auch schon dieser staatsanwaltlich-inqusitorische Tonfall und diese manische Intellektuellenfeindlichkeit aufgefallen? Da geht’s um Weltbildpflege.“

    Ach, das fällt mir doch schon die ganze Zeit auf. Ich habe auch den Eindruck, dass man mir im Nachhinein den KAlten Krieg als tolle Sache verkaufen will, weil auch der Westen dran beteiligt war.

    Und demnächst erzählen sie uns, dass Adenauer sofort nach Berlin kam, als Brandt im Osten die Mauer bauen liess, und die Kasseler beim Besuch Willi Stophs „Willi, Willi“ riefen.

    T. Albert

    17. September 2008 at 0:36

  13. Zum „peinlichen Triumphgeheul“ habe ich dem Jo@chim ins Stammbuch geschrieben:

    Was leistest Du eigentlich Abbitte? Dein Bekenntnis, Dich von der fünften Kolonne Moskaus zum trojanischen Esel Washingtons gewandelt zu haben, also vom Filzstiefel- zum Lackstiefellecker, nötigt mir einstweilen keine Ehrerbietung ab! Vom Saulus zum Saulus – was soll daran so großartig sein? Die ehemaligen Linksirrläufer, die sich heute zum BRD-, EU-, und NATO-Tollfindekartell zusammengeschlossen haben, sind ohnehin Legion.

    Die Kriegstreiber auf beiden Seiten der Elbe hatten Unrecht, denn beide bedroh(t)en MICH! Und mir geht nichts über mich!!!

    Als ehemaliger Patriot und heutiger Anarchist war ich zumindest nie Vasall einer fremden Regierung!!!

    DDH

    19. September 2008 at 12:34

  14. Dieses Statement kann ich durchaus unterstützen. „Null Bock auf Euer Leben!“, „Unter dem Pflaster liegt der Strand!“ und „Feuer und Flamme für JEDEN Staat!“, das waren die Parolen, mit denen wir 1982 Häuser besetzten und gegen AKWs, NATO-Nachrüstung und Abschiebungen kämpften (und dabei übrigens mit Leuten in Kontakt standen, die nachts in der DDR ein Ulbricht-Denkmal mit Seilen vom Sockel zogen und den Kopf mit einem Hammer zetrümmerten). Wir standen den Mächtigen in Ost und West stets äkquidistant gegenüber, und daran hat sich überhaupt nicht geändert. Aber wir sind Staatsfanatiker, Anhänger starker Männer, standen damals auf der falschen Seite usw. jaha. Da scheint für einige Leute der Kalte Krieg ja nie aufgehört zu haben, so sehr sind sie in seiner Logik befangen.

    che2001

    19. September 2008 at 12:59

  15. Wieso, der hat doch recht. Diese Sorte Linker hat eben wirklich nur gegen Perhings im Bonner Hofgarten gestanden, die WAREN 5. Kolonne von wasweissichwem, BreschnewHodschaHoneckerKimilsungundTschuenlai. Und von dort isser konvertiert, wo sie nicht mehr da sind.
    Was mich ärgert, ist, dass ich neben diesen Schwachköpfen stand und Willy Brandt, dem Friedenspisser, wie sie ihn nannten, zugehört habe, und sie mir jetzt dei Ernsthaftigkeit der Sache abstreiten wollen. Die dachten aber auch damals, links wäre das, was sie dafür hielten, und befehlen wollen sie das jetzt immer noch, wie damals auch.

    T. Albert

    19. September 2008 at 13:52

  16. Ja natürlich hat DDH in diesem Punkt Recht, das ist doch mein Reden. Ich meinte die j@chims dieser Welt und erst recht die mutmaßlich studentische Fankurve.

    che2001

    19. September 2008 at 14:22

  17. Das muss man zumindest der Marxistischen Gruppe (MG) zugutehalten, die waren zwar zwanghaft, aber nur den Buchstaben der Kritik der politischen Ökonomie verpflichtet, keiner Partei und keinem Staat. Ich habe auch zu denen gehört, die „Berufsvernote-Willy“ gerufen haben, aber aus unserem Lager (ich persönlich hab mich das nicht getraut, bewunderte es aber) kamen auch die Zwillenschüsse auf die NVA-Grenzsoldaten an der Berliner Mauer oder das Hiniengehen in eine Naziveranstaltung mit Vierkanteichenhölzern in der Hand und den Worten: „So, Ihr Nazischweine, jetzt gibts Senge!“.

    che2001

    19. September 2008 at 14:36

  18. @Che

    Oh, ich bin wieder mal so ungenau heute nach sehr kurzer NAcht in einer Art Jugendherberge in der sehr spannenden Stadt La- Chaux-de Fonds, wo Le Corbusier herkam, nach einer sehr spannenden und anstrengenden Aufführung unseres verzweifelten Tanztheaterstücks in einem baugeschichtlich sehr intereessanten dortigen Theater.

    Also: ich meinte mit „Der hat doch recht“ den Herrn Jo@chim, der sich selbst meint.
    Ich widersprach nicht Dir.

    Ich bins so leid, von diesen Leuten für ihren eigenen Mist in Haftung genommen zu werden. Wie sie diese Diskussion führen, ist allerdings schon interessant, diese Komplizenmentalität die da erzeugt wird, und deretwegen ich mit denen nicht mehr reden kann. Nein, ich hatte mit dem Mist, von dem sie sich konvertierend als Saulus zu Saulus distanzieren, wie DDH sagt, nichts zu tun, auch mit ihnen selbst nichts und gar nichts. Ich staune allerdings, wie erfolgreich sie sind, wenn ich Zeitung lese und Radio höre.

    T. Albert

    19. September 2008 at 14:42

  19. Wer ein schwaches Ich hat, braucht halt eine starke Macht, an die er sich anlehnt, egal, wer das gerade ist. Die Macht weiß das zu würdigen. Und so ist einer der fanatischsten Political-Correctness-Tribunalisten, die ich mal kannte heute bei der NASA, ein anderer arroganter Oberantifator entwickelt heute Stealth-Bomber, das ist ja ungefähr so, als ob frühere RAFler dem Geiselgeberverband beitreten würden.

    Für unsereins galt hingegen immer: Wir stehen stets mit dem Rücken zur Wand. Dies gibt uns einen gewissen Halt.

    che2001

    19. September 2008 at 14:58


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