shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

„No Future!“

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„Die aber geläufige und bindende Übersetzung von „No Future“ in der Alltags-Sozio-Folklore der 80er Jahre war: Ende der Utopie. Punk war der Bruch mit der – und nennen wir sie beim allgemeinen Namen: sozialistischen – Utopie. Alle seinen frühen Formulierungen, sofern sie nicht zynisch oder rechtsradikal waren, bemühten sich zu beschreiben, wie man (radikal) links bleiben könne, ohne sich etwas vorzumachen. Deswegen haben wir alle, die damals jung waren, auch nie die Verrenkungen all derjenigen verstanden, die erst 1989 vom Sozialismus als konkreter Hoffnung Abschied nahmen: weder den Neuigkeitswert noch die panische Hektik, mit der so viele 68er unbedingt auf die andere Seite wollten und meinten, mit der konkreten Utopie auch die Kritik aufgeben zu müssen.“

Diedrich Diederichsen, Eigenblutdoping, Köln 2008, S. 163

Paßt ja zur allgemeinen Diskussionslage hier im Blog derzeit.

Liest sich recht spannend, das Buch, ist entstanden aus Vorträgen hier im Hamburger Kunstverein, und Hamburg  inspieriert bekanntlich. Habe gerade erst eineinhalb Kapitel gelesen; der Versuch, im Durchgang durch die 70er „Glamour“ und „Camp“ als vom Werk zum Star verschobene Äquivalente zum „Erhabenen“ und „Schönen“ in Kants „Kritik der Urteilskraft“ zu deuten, den finde ich zwar beim ersten Lesen nicht allzu überzeugend, aber wenigstens versucht und wagt da noch wer was im Denken – und viele gedankliche Einsprengsel sind sehr erhellend.

Das Kapitel über die 80er (bin noch mittendrin) ist aber diagnostisches Gold wert, immerhin war er da mittemang und hat ja selbst vieles von dem geprägt, was er beschreibt. Zu diesem Buch kommt bestimmt später an diesem Ort noch mal mehr.

(… seltsam, jetzt bin ich 42 und fange an, mich mit Diederichsen zu versöhnen ….)

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Written by momorulez

17. September 2008 um 19:49

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4 Antworten

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  1. Jaja, das Alter 😉

    Ich fand den ja schon immer gut.

    che2001

    17. September 2008 at 22:05

  2. Würde ich jetzt anfangen zu schreiben, wieso das bei mir nicht der Fall war, während ich Juta Koether, Clarara Drechsler oder Olaf Dante Marx eigentlich immer toll fand, käme da sowas wie eine Autobiographie bei raus …

    momorulez

    18. September 2008 at 8:42

  3. Diese Leute kenne ich gar nicht. Richtig gut finde ich aber auch Günter Jacob und Christel Dormagen.

    che2001

    18. September 2008 at 9:52

  4. Das waren allesamt Spex-Autoren (und zum Frau Koethe´r ist, glaube ich, auch bildende Künstlerin) – und der Marx hat dann irgendwann zur Tempo rübergemacht.

    Wie Du bereits ahnst, kenne ich die anderen beiden dafür nicht …

    momorulez

    18. September 2008 at 10:21


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