shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

„Diese Menschen haben die Lebensqualität eines Krebskranken“

with 9 comments

„Für mich ist das Wichtigste, dass wir so wenig Langzeitarbeitslose und so wenig Vollarbeitslose haben wie möglich. Man kann alles zerreden. Es ist schlimm, arm zu sein. Aber ungleich schlimmer ist, arm zu sein und keine Arbeit zu haben. Diese Menschen haben die Lebensqualität eines Krebskranken.“

Sagt Herr Lauterbach von der SPD, der Mann mit der Fliege, der so sympathisch kabarettesque redet in Interviews – die unmittelbaren Glücks- und Lebensqualitäts-Argumente in Analogie zu sonstigen „Pathologien“ zu formulieren, das ist das meiner Ansicht nach Schlimmste, was man im politischen Diskurs absondern kann.

Natürlich muß es in allen Diskussionen rund um Hartz IV, Arbeit- und Arbeitslosigkeit immer darum gehen, die Glücksmöglichkeiten jedes Einzelnen wie’s irgend geht zu maximieren, ja, in der Tat – eben im Sinne der Voraussetzung dafür, den je eigenen Entwurf des „guten Lebens“ im Rahmen der Gegebenheiten auch anvisieren zu können. Ja, das ist auch ein utopischer Gehalt, was jetzt aber daran nix ändert, daß kein anderes Kriterium besser formuliert, was „Selbsbestimmung“ hervorbringen kann.

Aber so, wie der Herr Lauterbach da argumentiert, ist ja noch Sachalin ein Wohlfahrtsprogramm – ja, liebe Liberale, gab noch die Zaren vor Lenin, könnt ihr ja mal nachlesen, findet sich auch im Netz was zu.

Nichtsdestotrotz lohnt sich die Lektüre, auch, weil jener Herr Lauterbach eine ganz sympathische Definition für „links“ mal eben nebenbei formuliert:

„Links ist, für die zu kämpfen, denen es am schlechtesten geht.“

Probleme entstehen halt dann, wenn die, für man kämpft, die Definition von „schlecht gehen“ einfach nicht teilen wollen …

Advertisements

Written by momorulez

23. September 2008 um 20:43

9 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. […] Was für eine Aussage! Es ist schlimm, arm zu sein. Aber ungleich schlimmer ist, arm zu sein und keine Arbeit zu haben. Die… […]

  2. weiss nicht, ob das analog zu pathologien gemeint, wenn ich weiterlese:

    “ Es gibt keinen Risikofaktor, der so häufig zu Bluthochdruck, Diabetes und sogar Krebs führt wie Arbeitslosigkeit. “

    ich denke, das ist so, konkret, gemeint.

    das gespräch ist interessant, weil die traurigerweise ja beide recht haben, lauterbach und schreiner, leider kommen beide nicht weg von dem wahnsinnigen begriff von arbeit, dem wir uns unterwerfen, und ohne den dieser hartz-4-mist nicht funktionabel wäre.
    das ist aber nicht nur das problem der sozialdemokratie, sondern aller, die sich arbeit nur als pflicht mit verordneter faulheit, wenn es nicht opportun ist, menschen arbeiten zu lassen, vorstellen.
    da ja keine böse absicht dahinter steckt, denke ich, das ist eine krise der imagination.

    T. Albert

    23. September 2008 at 21:25

  3. wobei es doch eigentlich ganz schön wäre für die Hartz-IV-Empfänger endlich eine Lebensqualität wie Krebskranke zu haben:
    -keine Schikane auf dem Amt
    -keine unangemeldeten Wohungsdurchsuchungen
    -keine öffentliche Hetze
    -keine Flut völlig abwegiger Politikerwünsche a la Zwangsarbeit im Sommerloch
    -keine Gossen-Dokus
    -endlich eine Perspektive!

    endZynismus

    ben

    23. September 2008 at 21:45

  4. Ich weiß jetzt immerhin, wem es in Herrn Lauterbachs Welt am schlechtesten gehen dürfte. Den Nichtrauchern.

    David

    23. September 2008 at 21:59

  5. @T. Albert:

    Ja, er geht auf die realen Gesundheitsschäden ein, aber in dem Passus ist das zumindest auch metaphorisch zu verstehen und legitimiert genau jenen widerlichen Zwang, den ben herausarbeitet. Anrecht auf Morphium hat er noch vergessen.

    Ich fand das auch hochinteressant, das Gespräch. Hatte aber das Gefühl – so als Gefühlslinker -, daß neben dem von Dir erwähnten seltsamen Vorstellungen von Arbeit alle beide im Grunde genommen den wirtschaftsliberalen Vorgaben brav folgen. Das ist ja durchgängig in deren Paradigma diskutiert, auch der Schreiner belibt komplett darauf bezogen, indem er Forderungen eben abwehrt.

    momorulez

    23. September 2008 at 22:00

  6. Es hilft nichts, ohne die Forderung nach dem Recht auf Faulheit kommen wir nicht weiter.

    chezweitausendeins

    23. September 2008 at 22:00

  7. David! Da bist Du ja wieder!

    momorulez

    23. September 2008 at 22:01

  8. „Es hilft nichts, ohne die Forderung nach dem Recht auf Faulheit kommen wir nicht weiter.“

    Ja, in der Tat!!!

    momorulez

    23. September 2008 at 22:01

  9. „…und legitimiert genau jenen widerlichen Zwang, den ben herausarbeitet. Anrecht auf Morphium hat er noch vergessen.

    …alle beide im Grunde genommen den wirtschaftsliberalen Vorgaben brav folgen. Das ist ja durchgängig in deren Paradigma diskutiert….“

    – ja, klar. das meine ich, da kommen die beide nicht raus und ich fürchte, dass wir da insgesamt wieder im 19. jhdt. angelangt sind. ich entsinne mich vage mancher diskussionen und praktischer versuche in zeiten, als die welt noch modern sein wollte.

    jetzt ist das FBI am relativ modernsten, wie ich gerade im radio ghört habe, das gegen die banken wegen betruges ermittelt.

    T. Albert

    24. September 2008 at 5:22


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s