shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Do the Hustle!

with 30 comments

„In ihrer Gegenüberstellung von im guten Sinne träumend (sich der Verwertung als schlechtes Subjekt entziehend im Sinne Althussers) und im schlechten Sinne wach (ideologisiert und funktionsfähig) oder im schlechten Sinne träumend (unaufgeklärt dämmernd) und im guten Sinne wach (emanzipiert und in der Lage, sich die Welt anzueignen) enthält die Popmusik in ihrer zweiteiligen Form beide Deutungsmöglichkeiten, beide Perspektiven und schillert tatsächlich zwischen ihnen. Es gibt beide Rollenverteilungen, und sie können sich auch noch mal im einzelnen Song verschieben.“

Diedrich Diederichsen, Eigenblutdoping, Köln 2008, S. 251

Na, und jetzt mal im Ernst: Wer von meinen Co-Autoren hier würde es wagen, diesen Song als Klingelton seines Handies zu verwenden? Ja, ja, die Althussersche Anrufung als solche …

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Written by momorulez

24. September 2008 um 21:00

30 Antworten

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  1. Wie wär´s denn mit diesem Klingelton:http://de.youtube.com/watch?v=UwE8dlRnsio

    chezweitausendeins

    24. September 2008 at 22:35

  2. Wie wär´s denn mit diesem Klingelton:

    http://de.youtube.com/watch?v=UwE8dlRnsio

    chezweitausendeins

    24. September 2008 at 22:35

  3. Ach, Du weichst aus!

    momorulez

    24. September 2008 at 22:36

  4. Wie wär´s denn mit diesem Klingelton:

    http://de.youtube.com/watch?v=UwE8dlRnsio

    Ach ja, und das war früher unser Paertyfeger, der alle nochmal auf dieTanzfläche schickte:

    http://de.youtube.com/watch?v=JNsKTcTNrac&feature=related

    chezweitausendeins

    24. September 2008 at 22:46

  5. Darf ich den Klingelton auch ablehnen, weil ich den Song doof finde, oder einfach den Umstand affig, sich Songs als Klingelton zu nehmen?

    ring2

    25. September 2008 at 8:45

  6. „Darf ich den Klingelton auch ablehnen, weil ich den Song doof finde, oder einfach den Umstand affig, sich Songs als Klingelton zu nehmen?“

    Auf so eine Antwort hatte ich ja nun eher gehofft 😉 …

    Che, Ton Steine Scherben als Klingelton, sorry, das finde ich einfach nur hochgradig pervers.

    Und dann noch der Song, „Macht kaputt, was euch kaputt macht“: Da sehe ich doch sofort irgendwelche Hedge-Fonds-Manager vor mir, die gerade irgendwelche russischen Nutten gevögelt haben und nun im Brioni-Anzug da stehen und sich fragen, wie sie irgendeine Bank sturmreif schießen können. Dann klingelt das Handy, das sie an längst vergessene Jugendtage erinnert, und sie lachen kurz mal dreckig und kriegen noch ein ein wenig Rest-Integrität für 1 Euro 20 mitgeliefert … würde mit „No Future“ von den Sex Pistols auch funktionieren, die Geschichte.

    Mit Dalida oder The Hustle aber nicht 😉 …

    Im dem Diederichsen-Text geht’s ja lustigerweise um dieses Althusser-Beispiel, daß man Subjekt würde, wenn ein Polizist hinter einem ruft „He, Sie da!“, und man dreht sich um und reagiert dann drauf. Geht ja auch Frau Butler in „Hass spricht“ ausgiebig darauf ein.

    Das verbindet er mit „Totem-Sounds“, also szenespezifischen Soundgewittern, auf die man prompt reagiert, wenn man sich dazugehörig fühlt, und so macht man das, was sonst Polizisten tuen, auch noch freiwillig selbst, wenn man irgendwas in sein Handy lädt, was für „Identität“ steht – sich eben identifizierbar. Und bleibt stehen.

    momorulez

    25. September 2008 at 9:14

  7. Im Ernst, ich habe überhaupt keine Klingeltöne außer dem Standard Pipip, finde das Runterladen von Klingeltönen so überflüssig wie Schnupfen, hatte bisher gedacht, „Er war gerade 18 Jahr“ wäre von Senta Berger und finde sehr seltsam, worüber in diesem Thread schon wieder debattiert wird.

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 10:23

  8. Wieso, das sind die großen Themen!

    momorulez

    25. September 2008 at 10:40

  9. Für mich nicht.

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 10:46

  10. Na, wenn die Frage, wie sich unter Bedingungen des aktuellen Standes des Kapitalismus Identitätsmuster generieren und Subjektivierungsweisen formieren keine große Frage mehr ist, dann war das „Kulturindustrie“-Kapitel wohl für die Katz …

    momorulez

    25. September 2008 at 11:43

  11. Es kommt nur drauf an, wie und auf welcher Ebene man es angeht, und da war Adorno einfach besser als wir.

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 12:06

  12. Na, da das in den meisten Belangen gilt, können wir ja von nun an schweigen 😉 …

    momorulez

    25. September 2008 at 12:08

  13. Zur Eingangsfrage: Ich würde nie Musik als Klingelton verwenden und das Herunterladen von Klingeltönen als Solches als pubertäre Verhaltensweise einstufen. Was meinen sonstigen Musikgeschmack angeht habe ich den oben ja angedeutet 🙂

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 12:25

  14. Ich finde die Überlegung zwar schon gut, die Warenförmigkeit der Identität mit der Subjektivierungspolizei zu koppeln. Allerdings stelle ich mir die Frage, ob neben der Butler’schen „leidenschaftliche Verhaftung“ mit dem konsumierenden Selbst eben auch – und das ist in „Hass spricht“ ja auch mit angelegt – eine machtvolle Fremdzuschreibung durch Dritte stattfindet. Die Verletzung besteht ja nicht nur darin, dass das eigene Verhalten ungerechtfertigt niedergemacht wird, sondern dass man ja eben von anderen mit Schablonen identifiziert wird: Man ist dann eben „die Kampflesbe“, „der Schwatte“, „der Prolet“ etc.; dass also andere eine Definitionsmacht über mich gewinnen, während ich selbst damit beschäftigt bin, mich von den eigenen Anrufungen zu befreien.

    Che hat ja recht, dass er die Frage der Jugend anreißt, aber so einfach kann man das nicht als pubertär. Sicherlich hat Diedrichsen da Jugendkulturen und genauer die Clubkultur vor Augen. Und die operieren ja häufig mit Distinktionen zu anderen Gruppen. Kann man das so ohne weiteres auf den Einzelnen übertragen?

    Ist die Antwort auf das Problem der machtvollen Anrufung, jetzt von Dritten immer noch kategorisiert zu werden, aber eine Distanz zu sich selbst zu kultivieren? Oder anders gefragt: Wie kann man sich entsubjektivieren, ohne dabei von anderen wieder subjektiviert zu werden? Ich habe da im Moment echt auch keine Antwort.

    lars

    25. September 2008 at 13:42

  15. Da liegt zum Beispiel einer der schlimmsten Fallstricke des Antideutschtums. Die sind ja mal in den späten 80ern angetreten mit dem Anspruch, eine völlig von Identifizierungen mit anderem als dem eigenen Subjekt freie Lebenshaltung dem üblichen linken Folkklorismus entgegenzuhalten („Identitätärä“), und heraus kam über viele Wendungen eine Haltung, die sich selbst bedingungslos mit dem israelischen Militär (das solche Hilfe überhaupt nicht haben will) identifiziert und im Übrigen ein kalkuliertes Abfahren auf auch so genannte „Distinktionsgewinne“ als „aufgeklärte Lebenshaltung“ abfeiert.

    —- Ansonsten stellt sich ja tatsächlich die Frage nach einer fortschreitenden Verunreiferung der Menschen unter dem Einfluss der aktuellen, multimedialen Konsumindustrie. Heute schließen Leute ja schon Kreditverträge, wie andere sich Klingeltöne runterladen.

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 14:07

  16. @Lars:

    Diederichsen legt das im konkreten Text ’ne Ebene tiefer, indem er auf akustische Signal-Anrufungen abhebt. Und das halte ich für Identitätsfragen auch für wichtig: Was ist man denn noch, wenn den ganzen Tag Handys klingeln, Telefone klingeln, smssen aufploppen, e-mail-Signale plingen und einen nötigen, sich dazu zu verhalten?

    Auf der anderen Seite sind das zumindest in meinem Umfeld auch immer Signale: Hey, so bin ich!

    Habe ja meinerseits demonstrativ immer nur Klingel-Töne, die eh schon im Handy eingespreichert sind, weil diese ganzen Distinktions-Zeichensysteme mir ziemlich am Arsch vorbeigehen; in meinen verpoppten Umwelten kommt – z.B. von meinen Ex-Chefs – dann ein „Oh, das ist aber ein Old School-Klingelton“, und eine statusrelevante Zuschreibung ist erfolgt (da ich aber auch das alte Pappcover von TSS „Keine Macht für niemand!“ demonstrativ im Büro aufgestellt hatte und immer Arbeiterlieder summte, wenn ich am Finanzvorstand vorbeimarschierte und ständig in St. Pauli-Klamotten rumlaufe, hat das dann auch niemanden gewundert).

    „Wie kann man sich entsubjektivieren, ohne dabei von anderen wieder subjektiviert zu werden?“

    Ich glaube ja schon an sowas wie Guerilla-Strategien in solchen Zeichensystemen, übrigens auch bei den Produkten, die wir so erstellen. Ganz vermeiden läßt es sich nicht, aber man kann schon so spielerisch damit umgehen, daß Freiräume verbleiben.

    Und ’ne Hete Mitte 30 bis Mitte 40, die ausgerechnet Dalidas „Er war gerade 18 Jahr“ als Klingelton verwendet, das wäre so eine Strategie.

    Bei mir wäre das in bestimmten Zusammenhängen ziemlich öde und naheliegend, Tunten lieben halt ihre alten Diven mit den dunklen Stimmen; bei manchen Kunden könnte das hingegen die Auftragsvergabe gefährden, gar nicht wegen schwul, sondern wegen „18“.

    @Che:

    „Die sind ja mal in den späten 80ern angetreten mit dem Anspruch, eine völlig von Identifizierungen mit anderem als dem eigenen Subjekt freie Lebenshaltung dem üblichen linken Folkklorismus entgegenzuhalten (”Identitätärä”), und heraus kam über viele Wendungen eine Haltung, die sich selbst bedingungslos mit dem israelischen Militär (das solche Hilfe überhaupt nicht haben will) identifiziert und im Übrigen ein kalkuliertes Abfahren auf auch so genannte “Distinktionsgewinne” als “aufgeklärte Lebenshaltung” abfeiert.“

    Na, das ist ja nun aber keine notwendige Entwicklung.

    Zudem ich’s im obigen Zitat ganz charmant fand, daß Diedrichsen die postmoderne Logik des Sich-Entziehens und die klassisch-emanzipatorische Subjektwerdung im Sinnevon gewinnung der Mündigkeit ja zu vereinen sucht, und das eben hinsichtlich zweier Formen der Subjektivität.

    In dem Buch insgesamt nervt diese Dialektisierei, aber in dem Klingelton-Kapitel ist das schon ganz gut gelungen …

    „Ansonsten stellt sich ja tatsächlich die Frage nach einer fortschreitenden Verunreiferung der Menschen unter dem Einfluss der aktuellen, multimedialen Konsumindustrie.“

    Ja, und genau dazu tragen ja diese ganzen akustischen Signalverknüpfungen, die so viele Leute ganztägig bei der Stange halten zumindest in großstädtischen Milieus, nun wirklich nachhaltig bei. Finde das deshalb gar nicht trivial, das Thema.

    momorulez

    25. September 2008 at 14:35

  17. Trivial finde ich das Thema auch nicht, eher unseren Einstieg in die Diskussion, die jetzt erst an Fahrt aufnimmt.

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 15:10

  18. @Che: Naja, Du kannst jetzt aber nicht einfach so von den Aneingnungen auf die Theorie zurück schließen. Der Aust ist ja auch nicht für die Eichinger-Produktion verantwortlich zu machen, um mal ein aktuelles Beispiel zu bringen. Außerdem sagst Du doch selbst, dass es dafür vieler „Wendungen“ bedürfte, um zur Position des Antideutschtums zu kommen.

    Zur Unreife der Gesellschaft: Nö, da würde ich eher sagen, dass mir das zu adultozentrisch ist. Das kann man ja durchaus auch als Versuch verstehen, ein einigermaßen gutes Leben zu führen. Ansonsten gelangt man doch zur Haltung dieses Thießen mit seinem Minimalfall der Existenzsicherung.

    lars

    25. September 2008 at 15:11

  19. @Momo: Ich würde Guerilla-Strategien nicht ausschließen, fraglich ist nur, inwieweit sie auf der einen Seite nicht von der Kulturindustrie geschluckt werden können, und auf der anderen Seite überhaupt als subversiv wahrgenommen werden. Oder anders gefragt: wann ist denn eine Strategie subversiv? Das Kriterium dürfte doch lauten, dass man sich dann Räume erstreiten kann, die sich einer permanentem Kontrolle (durch sich selbst oder durch andere) entziehen.

    Aber was mich auch noch rumtreibt ist: Hat man es dann nicht mit einer „Verschiebung“ der Lust zu tun? Statt Lust am kulturellen Objekt ist es nun Lust an der Subversion?

    @akustische Signale: Ist’s denn ein Unterschied, ob ich Telefonmelodien oder Clubbesuche nehme?

    lars

    25. September 2008 at 15:23

  20. @Lars:

    „Das kann man ja durchaus auch als Versuch verstehen, ein einigermaßen gutes Leben zu führen“

    Na, das ist ja ein Argument, das sich grundsätzlich immer anführen läßt 😉 …

    momorulez

    25. September 2008 at 15:24

  21. @Lars:

    „Ich würde Guerilla-Strategien nicht ausschließen, fraglich ist nur, inwieweit sie auf der einen Seite nicht von der Kulturindustrie geschluckt werden können“

    Das werden sie in verflachter und dosierter Form eigentlich immer, aber das macht ja nix.

    „und auf der anderen Seite überhaupt als subversiv wahrgenommen werden“

    Ginge mir auch eher um individuelle Freiheit als um allumfassende Subversion, soweit es mein „Privatleben“ betrifft. Im Job wird es das nicht, aber genau deshalb funktioniert es oft 😉 —

    „Statt Lust am kulturellen Objekt ist es nun Lust an der Subversion?“

    Glaube gar nicht, daß sich das ausschließen muß – sowat wie „The Hustle“ finde ich ja toll und halte es unter aktuellen Bedingungen trotzdem für subversiv, ganz anders als ’79, da war’s nervtötend.

    „@akustische Signale: Ist’s denn ein Unterschied, ob ich Telefonmelodien oder Clubbesuche nehme?“

    Ich glaube, die Reaktionsweisen und die Situierung sind schon sehr unterschiedlich …

    momorulez

    25. September 2008 at 15:34

  22. @“Das ist ja ein Argument….“

    Na gut, vielleicht sollte ich mal andersrum sagen: Man muss die Leute auch in ihren Lebensentwürfen ernst nehmen. Und nicht immer sofort danach fragen: Ist das rational, wie die da ihr Leben leben? Fürchte halt einfach die Unterschichtsschelte, die dabei rauskommen könnte. Das Antwort auf die Frage nach der Komplizenschaft mit der Macht kann doch nicht heißen: Ihr konsumiert falsch, seid pubertär etc.! Das ist dann nicht weit weg von den Analysen, was denn so ein Hartz IV-Empfänger benötigt (nämlich keinen Kaffee, keinen Alkohol, keine Zigarretten, kein Kino, keine Süßigkeiten, kein Tee oder Saft usw.) Ich finde mich in dieser Kritik der Konsumgesellschaft, die den Konsumenten schilt, nicht aber die Produktionsweise, nicht wieder. Von daher ist es schon ein Unterschied, und die Frage für mich nicht geklärt, ob ich mir jetzt die Lust an einem Indierocker – dessen Rezipienten herkunftstypisch ja eher bürgerlich, weiß, männlich und eher gebildet sind / da wäre ich ja geradezu idealtypisch – versagen soll und dafür Musik, die zwar nicht meinen Geschmack trifft, aber diesen Typus subvertiert, in einem Handy klingeln lasse (das ich nicht habe ) oder ob ich im fröhlichen Summen von Friedhofsmelodien eine Lust an der Subversion habe, diese privat aber nie hören würde.

    So, jetzt muss ich aber nach hause…

    lars

    25. September 2008 at 17:22

  23. @Lars:

    „Fürchte halt einfach die Unterschichtsschelte, die dabei rauskommen könnte.“

    Den Unterschcihten selbst wird das eher schnurz sein, wenn Leute wie wir sie schelten – zudem die Leute, über die ich hier schreibe, gar nich unbedingt in Unterschichten aufzuspüren sind, eher in Mittelschichten, auch gehobenen.

    Und man kann ja sowas wie eine kritische Phänomenologie des Alltags betreiben, ohne deshalb Anderen gleich ihre Glücksentwürfe absprechen zu müssen, wenn das denn überhaupt welche sind.

    „Ich finde mich in dieser Kritik der Konsumgesellschaft, die den Konsumenten schilt, nicht aber die Produktionsweise, nicht wieder.“

    Wenn Du „denen“ jetzt aber die Produktionsweise und somit auch die Produkte selbst nimmst, wirste ganz gewaltig Ärger bekommen ….

    Im Grunde genommen ist das der Abschied von der Aufklärung, was Du hier gerade proklamierst, latent selbstkasteiend – und wenn Du solche Kriterien grundsätzlich abwehrst, haste auch keine Grund mehr dagegen vorzubringen, wenn Dritte Hartz IV-Empfängern den Kaffee streichen wollen.

    Und natürlich soll niemand sich die Lust an einem Indie-Rocker versagen, Blödsinn. Aber wenn reflexhaft Indie-Rock von einst bei jeder Diskussion, die sich in Richtung Popkultur bewegt, hervorgekramt wird, fühle ich mich verarscht, weil man mir nicht zuhört und somit de facto mich negiert.

    momorulez

    25. September 2008 at 19:43

  24. @“Und natürlich soll niemand sich die Lust an einem Indie-Rocker versagen, Blödsinn. Aber wenn reflexhaft Indie-Rock von einst bei jeder Diskussion, die sich in Richtung Popkultur bewegt, hervorgekramt wird, fühle ich mich verarscht, weil man mir nicht zuhört und somit de facto mich negiert.“ — Na, sei mal nicht zu empfindlich. Bei aller durchaus angebrachten Pop-Kritik und Bezugnahme auf positive Indie-Rock-Aspekte bist Du selber ja selber nicht gemeint, ebensowenig die Tatsache, dass emanzipative, proletarische, schwullesbische oder antirassistische Aspekte von Pop trotzdem bestehen bleiben.

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 22:13

  25. Na, da bin ich aber deswegen empfindlich, weil das jedes mal diesen Verlauf nimmt und dann bremst … ich halte halt die autonome Szene der 80er und frühen 90er nicht für das kulturelle Gipfelereignis der Menschheitsgeschichte, padonnez-moi, ohne Deine Erfahrungen damit in irgendeiner Form negativ konnotieren zu wollen oder gar in ihrem Reichtum infragestellen zu wollen. Und bei TSS als Klingelton bekomme ich halt ernsthaft sehr schlechte Laune.

    Bei solchen Themen suche ich ja rum in Gefilden, die für mich sowas wie klitzekleine Ansätze des wahren Lebens im Falschen sind, weil im Gegensatz zum reinen Marketing ich ja auch Produkte – mit tollen, anderen Leuten zusammen – gestalte, die nicht allzu weit weg sind von dem, was ich hier schreibe, allem Genubbel zum Trotze. Seltsamerweiser ist da in den 3 Jahren Bloggen sehr viel sogar aufeinander zugelaufen, obwohl am Anfang die Kontrasterfahrung dominant war.

    Hoffe also, diese seltsame Persönlichkeitsspaltung zwischen teils kommerzieller Praxis und dem, woran ich glaube, ein ganz kleines Stück aufheben zu können, oft auch deutlich über das kleine Stück hinaus.

    Was in zukünftigen Zeiten der hoffentlich gelingenden Selbstständigeit eher noch gewichtiger werden wird, wenn die bösen Börsen- und Fonds-Heinis nur noch 8% oder gar nix mehr halten an meinem Unternehmen und ich mit ’nem Kumpel die Mehrheit. Die bösen Ökonomen also weg sind und ich zeigen muß, daß es auch anders geht, ohne denen die Schuld zuschieben zu können … wenn ich Diederichsen zitiere oder ständig auf Disco mich beziehe, dann schwingt das mit. Dann sind das Felder, mit denen ich mich andernorts konkret auseinandersetze. Und bei denen bin ich immer empfindlich, ist doch klar, weil das ja mein Leben ist.

    momorulez

    25. September 2008 at 22:35

  26. @Momo: Verarscht fühlen solltest Du Dich auf keinen Fall. Es ging mir da eher um das Unbehagen am eigenen Geschmack, weil ich weiß, welch symbolisches Kapital eben im Indie auch steckt. Und weil ich musikalisch wohl immer noch am leidenschaftlichsten mit dieser Musik verhaftet bin, ist das für mich der Punkt, in dem sich diese Argumente kreuzen, gerade weil der Konsum dieser Musik auch Distinktion verspricht, der gleichzeitig Musikstil längst nicht mehr mit der Produktionsform „Independent Label“ deckungsgleich ist (sondern von den Majors produziert wird) und dann eben die Frage nach der Ideologie schon wichtig ist. Sollte eine Selbsthinterfragung sein, und kein Urteil über andere sein. Also was passiert, wenn ich die Argumentation auf meine eigene Praxis anwende? Kann natürlich immer noch sein, dass ich da was nicht richtig verstanden habe…

    Es geht mir auch nicht um die Abschaffung der Produkte, aber liegt denn der einzige praktikable Ausweg allein in der Aneignungsweise? Dann wäre aber doch Dein Unternehmen von vorneherein gescheitert – so wie ich Dich verstehe, willst Du doch die Dinge zuallererst auch anders gestalten, oder?

    „Im Grunde genommen ist das der Abschied von der Aufklärung, was Du hier gerade proklamierst, latent selbstkasteiend – und wenn Du solche Kriterien grundsätzlich abwehrst, haste auch keine Grund mehr dagegen vorzubringen, wenn Dritte Hartz IV-Empfängern den Kaffee streichen wollen.“

    Verstehe ich schlicht nicht. Was ist daran selbst kasteiend – was ja sein kann, ab und zu übermannt mich mein protestantisches Erbe, ohne das ich’s merke 😉 -, wenn ich mich frage, ob es wirklich an den Konsummustern liegt, oder bezog sich das auf etwas anderes? Wenn es um eine Konsumkritik geht, welche Kriterien wären angemessen? Warum ist es eine Abkehr von der Aufklärung? Wegen der fehlenden Kriterien an der Konsumkritik? Könnte ja auch Kriterien für eine Produktionskritik geben…

    lars

    26. September 2008 at 11:35

  27. @Lars:

    „Es geht mir auch nicht um die Abschaffung der Produkte, aber liegt denn der einzige praktikable Ausweg allein in der Aneignungsweise?“

    Ich glaube, es geht um das permanente Verschieben von Konnotationen, soweit es um Pop geht, und tatsächlich auch um das Überschreiten von Identitätsmustern.

    Diese Indie-Rock-Geschichten haben ja in vielerlei Hinsicht einfach nur das fortgesetzt, was vorher so im Bildungsbürgertum Gang und Gäbe war, nur daß man jetzt eben statt über Beethoven und Schönberg über irgendwelche gehypten Acts Bescheid wissen mußte.

    Was für mich dem emanzipatorischen Gehalt, den Pop aufgrund aufgrund seiner Zugänglichkeit und Körperlichkeit ja eigentlich hat (ja, das steht völlig quer zu Adorno, aber nicht zu Benjamin, glaube ich), aushebelt.

    „Es geht mir auch nicht um die Abschaffung der Produkte, aber liegt denn der einzige praktikable Ausweg allein in der Aneignungsweise?“

    Nien, Fiske halte ich trotz allem für etwas minderbemittelt, ganz anders als diese britische Schiene, wie hießen die denn noch?

    Das mit der Aneignungsweise oben war bezogen auf die Differenz ziwschen Allerreichbarkeit und All-Identifizierbarkeit per Klingelton und gezieltem in den Club gehen.

    „Dann wäre aber doch Dein Unternehmen von vorneherein gescheitert – so wie ich Dich verstehe, willst Du doch die Dinge zuallererst auch anders gestalten, oder?“

    Im letzten Jahr hatte ich kurioserweise ab irgendeinem Punkt viel mehr Gestaltungsfreiheit als je zuvor, und da würde ich gerne weitermachen.

    Habe ja kein Problem damit, „populär zu arbeiten“, wenn man nicht allzu verpilchert unterwegs ist, und das hat eigentlich ganz gut geklappt. Bin aktuell sehr stolz auf mich 😉 … und glaube insofern da auch nicht an’s Scheitern.

    Ende der Aufklärung wäre es für mich, wenn man mit dem Argument „Wieso, vielleicht macht denen das ja Spaß“ Kritik zu unterbinden versucht. Und selbskasteiend, weil Du als Soziologe Dich ein wenig auf’s Terrain der rein Affirmativen begeben hast.

    Wenn Fragen nach der Lebensqualität nicht mehr diskussionsfähig sind, weil sich ein Erziehungsanspruch dahinter verbergen könnte, kann man auch keine Lebensqualität für Hartz IV-Empfänger einfordern, sowas wollte ich gesagt haben.

    „Könnte ja auch Kriterien für eine Produktionskritik geben…“

    Ja, muß es sogar!

    momorulez

    26. September 2008 at 13:43

  28. da löst es sich ja fast schon in Wohlgefallen auf.

    lars

    29. September 2008 at 10:44

  29. Alle Menschen werden Brüder …

    momorulez

    29. September 2008 at 10:45

  30. …die Diskussion meine ich.

    lars

    29. September 2008 at 10:46


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