shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Unternehmer versagen nicht! Privatisiert Währungen!

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„(…) noch immer dominiert in Medienberichten der Trugschluss, die so genannte „Finanz-“ oder „Finanzmarktkrise“ sei Folge unternehmerischen Versagens.“ (via A-Team)

Der verlinkte Text hätte ausnahmsweise mal eine intensivere Diskussion verdient statt fortwährenden Genubbels; dazu fehlt mir aufgrund grippalen Angeschlagenseins wie auch der allgemeinen Lebenssituation aktuell die Kondition. Deswegen halte ich mich mal ganz an Davids Diktum „Die Ahnung ist der ärgste Feind des Wissens“ und haue raus, was mir beim Lesen so durch den Kopf schoß:

Da stehen schon annähernd all jene Faktoren drin, die mir in den letzten Tagen und Wochen in den Gazetten von FR über FAZ bis zur Süddeutschen so über wen Weg liefen. Als lediglich interessierter Laie kann ich das nicht wirklich beurteilen.

Die Bewertung des IUF freilich erfolgt – nicht überraschend – konträr zu woanders Gelesenem; dort fand zumeist die These sich, daß die „Politik des billigen Geldes“ gerade eine Lehre aus der „großen Depression“ um 1930 herum sei. Auch der folgende Passus:

„Schließlich haben umfangreiche Regulierungen zur Finanzkrise beigetragen. Der Bankensektor zählt zu den am stärksten regulierten Branchen in nahezu allen entwickelten Volkswirtschaften.“

fand sich nicht bestätigt; eher wurde dargestellt, daß das zwar bei „normalen Banken“ in den USA der Fall sei, bei den betroffenen Investmentbanken nun aber gerade nicht, und daß genau dies einer der Gründe für den Zusammenbruch sei und deren Stunde nun ein für allemal geschlagen habe, was zugleich das Zerplatzen neoliberaler Träume sei (z.B. dem Prinzip, alles handelbar zu machen, so auch die ganzen „Derivate“, also Kreditabsicherungen – ob die jüngst in London verbotenen „Leerkäufe“ auch sowas sind, kann mir ja vielleicht jemand erläutern). Daß zudem die deutschen Banken es bisher nicht so massiv erwischt habe, weil solche reinen Investmentbanken hier gar nicht existierten, sondern ein breiter gefächertes Geschäft der Fall sei – und dies auch einer der Gründe dafür sei, daß der Kauf der Postbank durch die Deutsche Bank (war’s die?) das zuletzt vernachlässigte Privatkundengeschäft wieder aufbauen solle.

Indirekt betsätigt das der Text sogar:

„Ihre Markt beherrschende Stellung hatten die Giganten durch staatlich garantierte geringere Risikoprämien, eine gefährlich geringe Kapitalquote, massenhaft öffentliche Aufträge und Steuerprivilegien erreicht.“

Insofern ist das Verlinkte im Grunde genommen gar kein Appell gegen Regulierung, sondern gegen falsche, das zieht sich durch, seltsam, daß dann der Schluß so konträr zum Geschriebenen erfolgt.

Auch sonst erscheint das ein wenig wie ein invertierter, historischer Materialismus, was wohl vor allem daran liegt, daß der Liberalismus die ältere Theorie ist: Das Geschehen auf den Märkten erscheint wie in blinder Effekt staatlicher Gefüge, nicht etwa umgekehrt dieser als der Produktivkrafentwicklung sich anpassend.

Das erscheint mir nicht nur unplausibel, das ist auch sehr seltsam, daß die ganzen Wiwis, die so viel von „Markt“ reden, im Grunde genommen diesen gar nicht beschreiben, siehe das Zitat eingangs – stattdessen schreiben sie eigentlich nur über den Staat und dessen Effekte. Unternehmerisches Handeln taucht ja nur und ausschließlich darauf bezogen auf in dieser Art von Analyse; und „rational choice“ ist ja auch ein ideologisccher Witz, wenn sie so durch die beschriebenen Parameter determiniert würde.

Das fiel mir schon bei der eher widerwillig vollzogenen Friedmann-Lektüre auf – der schreibt viel über Moral, viel über die Differenz zwischen „kollektivem“ und „individuellem“ Handeln, viel über richtige Formen der Beratung von Regierungen durch die Wirtschaftswissenschaften – aber eigentlich nix über das, was ich in meiner Feld-, Wald- und Wiesendenke unter „Wirtschaft“ verstehen würde. Abgesehen von der Rolle der Banken, in der Tat.

Kann es sein, daß die in dieser Tradtion stehenden Wissenschaftler ihre ganzen Modelle eher aus ihrer Legitimation durch das Beraten von Politikern gewinnen und gar nicht aus aus einer adäquaten Bestimmung des Gegenstandes – daß sie also tatsächlich gar nicht über Wirtschaft, sondern nur und ausschließlich über Politik schreiben? Daß über totalisierende Abstraktionen wie „Angebot“, „Nachfrage“ und „gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht“ hinaus diese Jungs von Wirtschaft eigentlich keine Ahnung haben? Ja, ich spitze das tatsächlich so zu, damit mir jemand widerspricht.

Das, was Praktiker Rayson neulich geschrieben hat, was mir ganz plausibel schien, unterschied sich ja nicht umsonst eklatant von solchen Plädyers wie dem Verlinkten … wie wär’s denn mit einer materialen Theorie des Marktes?

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Written by momorulez

24. September 2008 um 21:53

Veröffentlicht in Ökonomie, Staat=Markt?

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37 Antworten

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  1. Daß über totalisierende Abstraktionen wie “Angebot”, “Nachfrage” und “gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht” hinaus diese Jungs von Wirtschaft eigentlich keine Ahnung haben? Ja, ich spitze das tatsächlich so zu, damit mir jemand widerspricht.

    Das sehe ich auch. Da für die Netzliberalen Hayek, Mises, Friedman oder Rothbard denken und sie nie im Leben es wagen würden, diese Heroen des Geistes und deren Statthalter auf Erden durch bohrendes Nachfragen zu prüfen, wird sich daran auch nichts ändern.

    Man kann nun wirklich nicht sagen, dass einer der genannten Herren Marktteilnehmer jenseits des sehr speziellen Marktes der Universitäten und Institute waren. Sie hatten ihre Sinekure. Was das sich behaupten auf dem Markt bedeutet, wussten sie nicht. Wer Mises liest, speziell die Passagen über die Arbeitsfreude, muß sich über soviel Naivität und Weltfremdheit wundern. Geht mir bei Hayek und auch bei Röpke mitunter nicht anders.

    Der Markt ist ein sich selbst organisierendes, sich selbst regulierendes und auch noch sich selbst heilendes System. Das ist sogar richtig und eigentlich keine umwerfende Erkenntnis. Die belebte Welt ist voll mit solchen sich selbst regulierenden Systemen. Jeder Mensch besteht aus vielen solcher Systeme.

    Das Eigenartige am Markt scheint zu sein, dass er mit Störgrößen nicht umgehen kann, ja sogar frei davon sein soll, jedenfalls dann, wenn es staatliche Störgrößen sind. Störgrößen sind für die sich selbst regulierenden Systeme im Menschen eigentlich die Regel und nicht etwa die Ausnahme.

    Der Mensch mit Hirn als Marktteilnehmer bringt das nicht zustande? Eigenartig.

    Das Funktionieren eines sich selbst regulierenden Systemes trotz Fehlsignale und Störsignale scheint nicht die Stärke des Marktes zu sein. Das ein zu starkes Störsignal ein sich selbst regelndes System in seiner Funktion beeinträchtigt, ist unbestritten, aber selbst dann versucht das Regelsystem sich zu behaupten. Manchmal ist der Gegenreaktion gegen die Störgröße so massiv, dass wie bei dem Vogelgrippenvirus der Menschen nicht an den Viren, sondern an der Gegenreaktion des Regelsystem stirbt.

    Bei dem Regelsystem Markt gewinnt man den Eindruck, die staatlichen Störgröße sind die wichtigsten Regelelemente des Marktes. Das ist befremdend

    Wie erreicht den ein Regelsystem wie der Markt diese faszinierende Eigenschaften, das sich selbst regeln und das sich selbst heilen?

    Offensichtlich durch die Regelelemente, also die Marktteilnehmer. Ihr Verhalten ist es, durch den der Markt selbst regelnd und selbst heilend kann. Das setzt natürlich voraus, dass die Mehrheit der Markteilnehmer/Regelelemente sich markterhaltend verhalten, damit er eben sich selbst regelnd, sich selbst heilend bleibt.

    Anscheinend produziert ist in der Welt der real existierenden Liberalen nur der Staat durch seine Randbedingungen Störgrößen.

    Es ist anscheinend völlig ausgeschlossen, dass die Marktteilnehmer selbst nicht mehr markterhaltende Regelelemente sind und zu Störgrößen des Regelsystemes Marktes werden. Obwohl dieser Fall in den sich selbst reguliernden Regelsystemen der Natur sehr wohl auftritt. Man denke an Krebszellen, die einen Tumor bilden, zum Beispiel einen Tumor der das Verhalten einer endokrinen Drüse verändert.

    Libero

    25. September 2008 at 8:48

  2. Na, dann haben mich ja aus Deiner Perspektive meine Ahnungen schon mal nicht allzu sehr getrogen 😉 …

    „Es ist anscheinend völlig ausgeschlossen, dass die Marktteilnehmer selbst nicht mehr markterhaltende Regelelemente sind und zu Störgrößen des Regelsystemes Marktes werden.“

    Das hat mich beim verlinkten Text auch geradezu verstört, daß der so argumentiert.

    Wobei handelnde Individuen und systemische Prozesse zusammenzudenken, das ist ja auch in meinen Fächern von einst – Soziologie und Philosophie, im Grunde genommen aber auch der Sozialgeschichte – echt ’ne harte Nuss.

    Hat eigentlich mal jemand die Heideggerscge Kehre und das Heideggersche Seinsdenken sytematisch auf die wirtschaftliberalen Doktrinen bezogen? Mir scheint es da doch Zusammenhänge zu geben ….

    momorulez

    25. September 2008 at 9:02

  3. @momorulez

    Der Staat produziert tatsächlich massive Störgrößen. Was mich nicht nur bei der Argumentation des IuF wundert, ist die Mutation dieser Störgröße. Aus einer massiven Störgröße wird anscheinend ein alles dominierende Regelelement des Marktes, dass die eigentlichen Regelelemente, die Marktteilnehmer, so versklavt, das sie nicht mehr fähig sind, markterhaltend zu wirken, so dass der Markt eben nicht mehr sich selbst regulierend und sich selbst heilend ist.

    In der Wahrnehmung des IuF ist auch kein Platz für das Umschlagen von Vertrauen in Misstrauen. Anscheinend entledigen sich die menschlichen Markteilnehmer der Versklavung durch die zum Regelelement gewordenen massiven staatlichen Störgröße, ohne das sie ihre markterhaltende Fähigkeit zurückgewinnen. Sie sind nicht in der Lage, zur Selbstregulierung und Selbstheilung des Marktes beizutragen. Vor allem sind sie nicht in der Lage, anderen zu vertrauen und das ihnen andere vertrauen. Das bei dermassen massiven Misstrauen der Wechselkurs Vertrauen/fiat money gigantisch ist, ist logisch.

    Sich als Menschen zusammensetzenden Regelsysteme wie Unternehmen oder der Markt sehe ich als quasilebend an, als eine Art Vielmensch, ohne das die Marktteilnehmer ihre Individualität aufgeben. Das ist der Idealfall, der scheint aber nicht immer gegeben zu sein. Sowohl in Zeiten des überkochenden Boomes wie der Krise scheinen Menschen blind zu vertrauen ebenso wie sie blind misstrauen und damit ihr eigenes Urteilsvermögen, letztendlich ihre Individualität zugunsten des Marktes aufzugeben.

    Libero

    25. September 2008 at 9:23

  4. . Neu ist zum Beispiel, dass Schulden immer kurzfristiger finanziert werden. Investmentbanken finanzieren etwa ein Viertel ihrer Bilanz mit sogenannten „Overnight Repos“. Das heißt, ein Viertel der Bilanz muss jeden Abend neu finanziert werden. Wenn etwas schief geht, geht es wirklich schnell und es gibt keine Zeit für Außenstehende, die Details der Bücher einer Bank zu bewerten.
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-inside/wir-brauchen-eine-neue-finanzarchitektur;2047260;2

    Das war bei Lehman Brothers auch das Verhängnis. Tut mir leid, wer so vorgeht, hat einen ganz gewaltigen Haschmisch in der Birne.

    Libero

    25. September 2008 at 9:52

  5. Oops, das liest aber echt wie der Wille zum Harakiri …

    momorulez

    25. September 2008 at 9:59

  6. Kurzfristig verfügbares Geld wird längerfristig vergeben. Das ist Seppuku, sehe ich auch so.

    Libero

    25. September 2008 at 10:12

  7. Investmentbanker sind wie Extremsportler. Sie lieben das Risiko – auch das unkontrollierte. In einer normalen Bank ist das Leben zwar sicherer, aber sicher auch langweiliger.
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/das-milliarden-missverstaendnis;2047274;4

    Ich sag es ja. Wiwis. Wenn die Risiko suchen, warum sind Sie dann nicht in die industrielle Forschung gegangen? Das ist Risiko, das ist der Druck des Marktes. Für ganze Kerle eben, nichts für Hayeks. Oder in Inbetriebnahme von Referenzanlagen, so wie es mein Vater gemacht hat. Man weiss nie, ob sich die Anlage so verhält und so wirtschaftlich ist, wie es die Konstrukteure dachten. Das ist echtes Risiko.
    Wenn ich da an die Einführung des QSL.-Verfahrens für Blei denke. Das war ein Spaß. Volles Risiko, voller Spaß, weil sich das Verfahren nach dem Scale-up als ziemlich bockig erwies. Dann der Druck der Unternehmensleitungen. Vom feinsten. Aber eben was für Kerle, nicht für Hayeks

    Libero

    25. September 2008 at 11:08

  8. „Das ist Risiko, das ist der Druck des Marktes“

    Das ist ja das Absurde an dem IUF-Brief: Daß sie behaupten, die Risiken seien allesamt staatlich generiert … als sei das nicht gerade Kennzeichen aller Märkte, daß ein Geschäft eben auch schief gehen kann, man Miese machen kann, die Bank trotz voller Auftragsbücher den Kredit kündigen kann, die Kunden ausbleiben und was eben sonst noch so dazu gehört …

    Das „billige Geld“ allein ist schuld, daß die Leute sich Häuser kaufen, die sie sich „eigentlich“ nicht leisten können. Und daß natürlich nur wegen dieser „staatssozialistischen“ Vorstellung, es sollten doch möglichst viele Leute Wohneigentum erwerben ….

    Die Leute mit ihren 15 Kreditkarten, die sich auf Pump dann ein dem westlichen „Persuit of Happiness“ gemäßen Konsum hingeben, sind da nur Opfer …

    momorulez

    25. September 2008 at 11:14

  9. LHD, das ist volles Risiko!

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 11:16

  10. LHD?

    momorulez

    25. September 2008 at 11:18

  11. Large Hadron Collider.

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 12:05

  12. Was is’n das?

    momorulez

    25. September 2008 at 12:08

  13. Large Hadron Collider

    Der Superman der Teilchenbeschleuniger

    Libero

    25. September 2008 at 12:17

  14. Jetzt staune ich aber wirklich. Das ging doch jahrelang durch die Wissenschaftspresse und wochenlang durch die normalen Medien!

    Die größte Maschine der Welt, ein Teilchenbeschleuniger an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz, an dem über ein Jahrzehnt gebaut und in den 3 Milliarden Euro investiert wurden. Dort sollen Hadronen bis nahe der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und künstliche Schwarze Löcher erzeugt werden (eine Minderheit von Physikern warnte davor, dass hiermit die Erde vernichtet werden könnte). Das Ding sollte vor ein paar Wochen in Betrieb gehen, steht aber aufgrund eines technischen Fehlers (kein Strom) mindestens ein Jahr still.

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 12:19

  15. Also bitte Che, er fliegt doch nicht mit. Schon gar nicht nahe Lichtgeschwindigkeit

    Libero

    25. September 2008 at 12:26

  16. Ich wär gern mitgeflogen. Jenseits der Relativität, so sagt man, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein….

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 12:42

  17. @Che:

    Sorry, aber zum Teil verbreitest du da gerade gefährliches Halbwissen (und davon gibt’s derzeit schon genug):

    Dort sollen Hadronen bis nahe der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und künstliche Schwarze Löcher erzeugt werden (eine Minderheit von Physikern warnte davor, dass hiermit die Erde vernichtet werden könnte).

    Es sollen nicht „künstliche schwarze Löcher“ erzeugt werden, man will Teilchen mit naher Lichtgeschwindigkeit kollidieren um zu sehen was geschieht.

    Dabei könnten kleine Schwarze Löcher (MBHs = Miniature Black Holes) entstehen, aber nur wenn sich die String Theorie als korrekt erweist. Konsens ist derzeit, dass die Energie die im LHC aufgewendet wird zu gering ist um diese MBHs tatsächlich entstehen zu lassen und dass pontetiell entstehende MBHs instabil wären und wegen der (hypothetischen, aber das sind die MBHs ja auch) Hawking-Strahlung fast augenblicklich in sich selbst kollabieren würden.

    Das Ding sollte vor ein paar Wochen in Betrieb gehen, steht aber aufgrund eines technischen Fehlers (kein Strom) mindestens ein Jahr still.

    Das Ding ist sogar schon in Betrieb gewesen, das erste Teilchen hat einen Testlauf absolviert, allerdings sollte erst Ende des Monats, bzw. Anfang nächsten Monats mit dem Kollidieren begonnen werden. Es ist auch nicht so, dass der Strom fehlte, man hat stattdessen Probleme mit der elektrischen Verbindung zwischen zwei der supraleitenden Magneten, die die Teilchen „lenken“ festgestellt. Im Frühjahr 2009 wird der LHC wohl wieder in Betrieb gehen, es dauert nur ewig ihn von der und dann wieder auf die Betriebstemparatur von -271° C zu bringen.

    Björn

    25. September 2008 at 12:57

  18. Deine Neigung zum liberalen Paradies ist unter dem Einfluß der jo@chimischen Mystik entstanden.

    Libero

    25. September 2008 at 13:04

  19. Von solcher spirituellen Lehre fühle ich mich eigentümlich frei.

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 13:37

  20. @Che:

    „Jetzt staune ich aber wirklich. Das ging doch jahrelang durch die Wissenschaftspresse und wochenlang durch die normalen Medien!“

    Na, ich konnte mir halt den Namen nicht merken …

    momorulez

    25. September 2008 at 14:13

  21. @Björn, danke für die Korrekturen!
    @Momorulez, das geht mir natürlich auch öfter so, wenn Andere Abkürzungen verwenden. Ich erinnere mich noch, wie ich bei „DsdS“ auf diesem Blog wie der Ochs vorm Berge stand und nur „Häh?“ dachte.

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 14:31

  22. Nur bei „FJS“ weiß unsere Generation immer gleich, wer gemeint ist 😉 … aber kennt noch jemand NKOTB oder CitA?

    momorulez

    25. September 2008 at 14:36

  23. Ich nicht. Au ja, lasst uns Abkürzungen raten!

    chezweitausendeins

    25. September 2008 at 14:41

  24. Dass die Gottheit Prüfungen über die Gläubigen verhängt, um die Stärke des Glaubens einer Bewährungsprobe zu unterziehen, ist seit Hiob nicht neu. Inhalt dieser Prüfungen ist stets die Festigkeit in den Glaubenssätzen, welche amalgamartig mit der Gottheit verschmolzen sind.

    Nicht jeder Dödel – den es qua Prüfung doch auszusondern gilt –, aber jeder mit Inbrunst und wahr Glaubende wird aus der ihn bis an die Grenze der Seinspreisgabe niederdrückenden Tortur gestärkt hervorgehen.

    Es war jedoch bislang von keiner Gottheit, auch nicht von dem strengen und strafenden Gott des Alten Testaments bekannt, dass er selbst die Glaubensstärksten – und insbesondere diese! – in aporetische Verzweiflung stürzt, indem er als Objekt der Anbetung die Glaubensinhalte durch eigenes göttliches Handeln höchstselbst empirisch falsifiziert.

    Was in einem solchen Fall das gläubige Herz zerreißt, ist mit kognitiver Dissonanz noch unzureichend beschrieben. Denn die Gottheit unternimmt nichts weniger, als dem Gläubigen hohnlachend zu erklären, sein gesamter Glaube sei ein Spitzenscheiß, nur Hirnmüll und weniger wert als ein Testat von Price Waterhouse.

    Neben Massenentleibungen haben die Gläubigen jetzt nicht mehr viele Möglichkeiten. Sie könnten vom Glauben abfallen, was jedoch kaum vorkommen wird, da es sich um zutiefst anlehnungsbedürftige Menschen handelt, die selbst dann, wenn ihr Gott sie geringer achtet als einen dreckigen Putzlappen, ihm noch hündisch huldigen.

    Doch der Widerspruch, der ihnen Seele und Gemüt spaltet, ist nicht aufzuheben. Darum verfallen sie dem Wahnsinn: eine sie der Realität enthebende Notreaktion der Psyche. In dieser neuen, ganz eigenen Wirklichkeit, welche ihnen immerhin das physische Überleben ermöglicht, wenngleich auch nur als trostloses Vegetieren im Dämmerzustand, murmeln sie sogar erfahrenes Fachpersonal interpretatorisch überfordernde Sätze wie: „Schließlich haben umfangreiche Regulierungen zur Finanzkrise beigetragen“, oder „Paulsons Maßnahmen sind keine Finanzdiktatur, sondern beweisen den amerikanischen Pragmatismus.“

    Dem jungen Menschen, welcher die hirnschädigenden Folgen solch religiösen Wahnes sich vor Augen führt, wird es gelingen, aus diesen grauenvollen Geschehnissen für sich die rechte Lehre zu ziehen, und, indem er vom Studium nachklassischer Wirtschaftstheorien sich fern hält, ein Leben in Sauberkeit, Anstand und geistiger Gesundheit führen.

    Nörgler

    25. September 2008 at 16:28

  25. […] Der beste hierzu geschriebene Kommentar findet sich auf shifting reality (Auszug):[…] Neben Massenentleibungen haben die Gläubigen jetzt nicht mehr viele Möglichkeiten. Sie könn… […]

  26. Das möchte ich dann doch noch nachschieben:

    „eher wurde dargestellt, daß das zwar bei “normalen Banken” in den USA der Fall sei, bei den betroffenen Investmentbanken nun aber gerade nicht, und daß genau dies einer der Gründe für den Zusammenbruch sei und deren Stunde nun ein für allemal geschlagen habe, was zugleich das Zerplatzen neoliberaler Träume sei (z.B. dem Prinzip, alles handelbar zu machen, so auch die ganzen “Derivate”, also Kreditabsicherungen“

    1) Auf Finanzmärkten wird mit Finanzmitteln gearbeitet. Alleiniger Herausgeber von Geld ist der Staat, der Preis wird von ihm festgesetzt. Da auf der Angebotsseite immer ein staatliches Monopol vorliegt, kann man durchaus behaupten, daß der Staat ohnehin schon massiv in diesen Markt eingreift.

    2) Auch Investmentbanken unterliegen der Bankenaufsicht, keine Ahnung, wie manche darauf kommen, daß der Staat bei denen eine Ausnahme mache. In den Basler Akkorden werden den Banken genaue Mindesteigenkapitalanforderungen vorgegeben, es gibt kaum einen anderen Markt, in dem die Regulierung soweit ginge, daß den Marktteilnehmern ihre Unternehmensfinanzierung vorgeschrieben würde.

    „weil solche reinen Investmentbanken hier gar nicht existierten, sondern ein breiter gefächertes Geschäft der Fall sei“

    Die duale Struktur inden USA mit den Geschäftsbanken auf der einen und den Investmentbanken auf der anderen Seite ist übrigens auch das Ergebnis staatlichen Handelns, ein entsprechendes Gesetz (Glass-Steagal Act ???) schrieb diese Trennung bis in die 90er so vor.

    Ums mal zusammenzufassen:

    Wir reden hier über einen Markt:
    -in dem der Staat der einzige Anbieter ist und den Preis aus politischen Erwägungen heraus festsetzt,
    -in dem die Finanzierung der Marktteilnehmer gesetztlich vorgeschrieben wird und
    -in dem die Struktur der Marktteilnehmer ebenfalls durch die Regierung festgeschrieben wurde –

    Regulierung ist schlecht zu operationalisieren, aber für mich hört sich das nach einem bereits stark regulierten Markt an.

    NB: Das Prinzip, daß nahezu alles handelbar ist, ist kein „neoliberaler Traum“, sondern seit ca. 500 Jahren Realität – in den heutigen Niederlanden z. B. gab es im 17. Jahrhundert einen regen Handel mit Tulpenzwiebeln an der Börse. Letztlich stellen diese Derivate auf nur Risikoübernahmeerklärungen für den Fall der Fälle dar, auch das ist keine neue Sache, Versicherungen gibt es m.W. mindestens seit Christi Geburt, seit dem frühen 18. Jahrhundert sogar einen geregelten Markt dafür (Lloyd’s of London).

    „ob die jüngst in London verbotenen “Leerkäufe” auch sowas sind, kann mir ja vielleicht jemand erläutern“

    Gern: Nein. Leerverkäufe sind nur der Verkauf einer Ware, die man selber noch nicht besitzt. In weiten Branchen seit Jahrhunderten üblich, sei es im Groß- und Außenhandel, im Anlagenbau, etc. etc. etc.

    „Insofern ist das Verlinkte im Grunde genommen gar kein Appell gegen Regulierung, sondern gegen falsche,…“

    Das macht den Unterschied zwischen Liberalen und Libertären aus. Ich nehme an, daß auch das IUF sich nicht gegen staatliche Eingriffe wehren wird, solange diese ordnungspolitisch sauber erfolgen.

    Zu alledem, was danach noch kommt, lässt sich sagen: Ja, die Hauptaufgabe der VWL ist Politikberatung. Das, was Du in Deiner „Feld-, Wald und Wiesendenke“ unter „Wirtschaft“ verstehst, ist die BWL. Dazu passt auch ins Bild, daß der von Dir angeführte Rayson m.W. BWLer ist.

    PS:

    „dort fand zumeist die These sich, daß die “Politik des billigen Geldes” gerade eine Lehre aus der “großen Depression” um 1930 herum sei“

    Das habe ich so zwar nirgendwo gelesen, aber bei dem allgemeinen Niveau der deutschen Wirtschaftsberichterstattung würde es mich nicht wundern. Die Lehre aus der großen Depression der 30er hieß gemeinhin Keynesianismus, und da spielt das Zinsniveau eine gewisse Rolle, je nach Befund der Volkswirtschaft. Eine „Politik des billigen Geldes“ hat aber auch Keynes nie gefordert, dafür war der Mann dann doch zu intelligent. Wenn, dann kommt dergleichen von irgendwelchen Adepten, die sich mangels eigener Argumentationskraft auf ihn berufen, da er sich nicht mehr wehren kann – was über die Jahre dazu beigetragen, seinen Ruf gerade in DE kräftig nach unten zu ziehen…

    jopa

    28. September 2008 at 20:09

  27. @jopa

    Willst du meinen Beruf gegen mich verwenden?

    Rayson

    28. September 2008 at 22:09

  28. @Jopa:

    Danke für die ausführliche Antwort!

    „Da auf der Angebotsseite immer ein staatliches Monopol vorliegt, kann man durchaus behaupten, daß der Staat ohnehin schon massiv in diesen Markt eingreift.“

    Ob man das nun als „Eingriff“ oder als „Möglichkeitsbedingung“ begreift, das ist ja dann doch die Frage.

    Man kann jetzt das Diskursethik-Prinzip der „kontrafaktischen Antizipation“ auch deskriptiven Fragen vorschalten, aber macht das denn Sinn?

    „Auch Investmentbanken unterliegen der Bankenaufsicht, keine Ahnung, wie manche darauf kommen, daß der Staat bei denen eine Ausnahme mache.“

    Nach allem, was ich so las, ist dies jedoch in den USA eine andere Behörde gewesen, die anderen und weit weniger Regularien folgte als die Bankenaufsicht. ich glaube, es waren die für Wertpapiere Zuständigen.

    „Die duale Struktur inden USA mit den Geschäftsbanken auf der einen und den Investmentbanken auf der anderen Seite ist übrigens auch das Ergebnis staatlichen Handelns, ein entsprechendes Gesetz (Glass-Steagal Act ???) schrieb diese Trennung bis in die 90er so vor.“

    Ja, das ist mir bekannt, deshalb halte ich anderen Diskussionen es auch in der Regel für Unsinn, Staat und Markt künstlich in Opposition zueinander zu bringen, weil es eigentlich immer auch staatliche Rahmen sind, die Märkte erst konstituieren. Ist natürlich praktischer, notfalls immer behaupten zu können, der Staat und die Regulierung sei schuld; ergebnisoffen ist das nicht und kann deshalb auch nicht wahr sein.

    „in den heutigen Niederlanden z. B. gab es im 17. Jahrhundert einen regen Handel mit Tulpenzwiebeln an der Börse“

    Daß es immer dieses Beispiel ist, was von Kunstmarkthype-Büchern bis zu anderen Kommentatoren gebracht wird, scheint mir eher auf einen Mangel an Empirie bei diesen Themen zu verweisen.

    Aber Du hattest ja noch ein anderes Beispiel parat 😉 … konkret hatte ich die These aus einem Kommentar von Herrn von Heusinger in der FR. Behaupte mich ja gar nich als Experte.

    „Gern: Nein. Leerverkäufe sind nur der Verkauf einer Ware, die man selber noch nicht besitzt. In weiten Branchen seit Jahrhunderten üblich, sei es im Groß- und Außenhandel, im Anlagenbau, etc. etc. etc.“

    Und warum wurden die dann verboten? Sind die nicht das Vehikel, daran zu verdienen, daß jemand anders pleite geht, flapsig gefragt?

    „Zu alledem, was danach noch kommt, lässt sich sagen: Ja, die Hauptaufgabe der VWL ist Politikberatung.“

    Das ist mir ja einfach immer noch nicht plausibel (übrigens auch nicht, daß VWL und BWL so unvermittelt nebeneinander rumstehen). Selbst Philosophie betreibe ich doch nicht im Sinne irgendwelcher Interessen oder hinsichtlich bestimmter Zwecksetzungen, sondern weil da was wahr ist oder auch nicht.

    Und zu der „Politik des billigen Geldes“: Das stand in der SZ, war online aber nicht verfügbar. Und wurde auch als Grund angeführt, daß die EZB die „billigen Gelder“ an die Banken gegeben hat, um die Liquidität zu gewährleisten, wenn ich’s richtig verstanden habe.

    Kann das sein daß das eher Schlüsse aus dem sind, was Friedman zu der „großen Depression“ geschreiben hat, statt Keynes?

    momorulez

    28. September 2008 at 22:25

  29. @Rayson:

    Nein, das wäre eine Art Selbsthaß, ich mache mehr oder weniger das gleiche… 😉

    Wenn meine Bemerkung mißverständlich ist, tut mir das leid. Sie war nur so gemeint, daß MRs eher betriebswirtschaftliches Verständnis der WiWi eine Sympathie für Deine Heransgehensweise an die Problematik nahe legt – die MR dann ja auch explizit äußert. OK?

    jopa

    28. September 2008 at 22:28

  30. @ MR:

    „Man kann jetzt das Diskursethik-Prinzip der “kontrafaktischen Antizipation” auch deskriptiven Fragen vorschalten, aber macht das denn Sinn?“

    Keine Ahnung. Kann man die Frage so formulieren, daß auch dumpfe BWLer sie um 23:31 ohne langes Grübeln verstehen? 🙂 Grundsätzlich sind rein ökonomisch aber auch mehrere parallel existierende privat begebene Währungen vorstellbar, insofern eher „Eingriff“ als „Möglichkeitsbedingung“. Meines Wissens ist auch für Investmentbanken in den USA die Bankenaufsicht zuständig, nicht nur die SEC. Bin aber für dergleichen wirklich kein Experte.

    Natürlich setzt der Staat die Rahmenbedingungen und macht manche Märkte erst möglich bzw. fördert sie. Das der Staat aber für die Konstituierung von Märkten unbedingt notwendig sei, glaube ich nicht. Dies ist auch gar nicht der Punkt, um den es in der IUF-Einladung ging, sondern vielmehr darum, ob die jetzige Krise mit mehr Regulierung zu bekämpfen sei – oder vielleicht eher mit besserer? Oder sogar mit weniger?

    Das Beispiel mit dem Tulpenzwiebelmarkt ist halt ein Klassiker, weil es so schön anschaulich ist. Es gibt dazu sicherlich auch einige Empirie, aber die jetzt langwierig herauszusuchen… Zu Herrn von Heusingers Artikeln sage ich an dieser Stelle nichts, über die habe ich mich ernsthaft schon zu häufig geärgert. Das lief dann meistens so ab, daß man anfing, einen längeren Kommentar zu schreiben, dan dann aber nie beendet hat, weil der Kommentar dann deutlich länger und vor allem komplizierter wurde als der Artikel selbst. Auf deutsch: Herr von Heusinger schreibt da teilweise einen Kappes zusammen, daß die Linde rauscht. Ich frage mich ernsthaft, wir der mit dem Mumpitz, den er da teilweise verzapft, durch’s Diplom gekommen sein will.

    „Und warum wurden die dann verboten? Sind die nicht das Vehikel, daran zu verdienen, daß jemand anders pleite geht, flapsig gefragt?“

    1) Angeblich verboten sind die nur bei Wertpapieren im organisierten Markt. Ich frage mich aber, wie man ein solches Verbot juristisch sauber formulieren und vor allem auch durchsetzen will, daher halte ich es eher für einen Einschüchterungsversuch.

    2) Man kann Leerverkäufe von Wertpapieren dazu nutzen, an einem fallenden Kurs eines Papieres zu verdienen, insolvent wird dabei aber normalerweise niemand. Sie werden aber wie bereits erwähnt auch außerhalb der Börse ganz normal genutzt, wenn ein Groß- / Außenhändler Waren veräußert, an denen er selbst noch kein Eigentum erworben hat, bei denen er aber davon ausgehen kann, daß er dies bis zum Zeitpunkt der Übergabe getan haben wird (etwa, weil er ein entsprechendes Gegengeschäft getätigt hat bzw. tätigen wird).

    BWL / VWL:

    Formulieren wir’s mal so: Der Volkswirt fragt sich, wie man Anreize so setzt, daß die Individuen sich so verhalten, daß die vorab gesetzten volkswirtschaftlichen Ziele erreicht werden, der Betriebswirt fragt sich, wie er unter den vom Volkswirt gesetzten Anreizen immer noch seine eigenen Ziele bestmöglich erreicht – so in etwa? 😉

    Friedman und billiges Geld: Kann ich mir nicht recht vorstellen. Friedman war grob gesagt der Anhänger einer konstant wachsenden Geldmenge, bestimmt nicht des „billigen Geldes“. Letzteres war / ist wie gesagt vor allem ein Steckenpferd der Vulgär- / Postkeynesianer aus dem Gewerkschaftsumfeld. Ich persönlich habe gar nichts gegen Herrn Keynes, aber das, was die da erzählen… Pfff.

    jopa

    28. September 2008 at 23:10

  31. „Auch Investmentbanken unterliegen der Bankenaufsicht, keine Ahnung, wie manche darauf kommen, daß der Staat bei denen eine Ausnahme mache.“

    Die US-Investmentbanken unterlagen keinerlei Aufsicht. Sie konnten unbehelligt machen, was sie wollten. Jopa dürfte der letzte Mensch auf Erden sein, der darüber nicht informiert ist..

    „In den Basler Akkorden werden den Banken genaue Mindesteigenkapitalanforderungen vorgegeben“. Aber schau Bub, doch nicht in den USA. Die haben für 1 Eigendollar mit 40 Fremddollaren gezockt. Basel II gilt nur innereuropäisch.

    Jopa möchte gerne ein Wirtschaftsversteher sein, ist aber nur ein Turnbeutelvergesser.

    Jopa sagt:

    „Wir reden hier über einen Markt:
    -in dem der Staat der einzige Anbieter ist und den Preis aus politischen Erwägungen heraus festsetzt,“
    leider falsch, da Jopa das Wort „Wechselkursparameter“ erst noch buchstabieren lernen muß. Wer und was bestimmt Wert und Preis einer Währung unter den Bedingungen der globalisiert integrierten Wirtschaft? Was ist der Unterschied von Wert und Preis einer Währung? Gibt es diesen Unterschied überhaupt? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
    Wenn nicht jopa, so kann doch gewiß Rayson diese Fragen beantworten.

    „-in dem die Finanzierung der Marktteilnehmer gesetztlich vorgeschrieben wird“
    Auch falsch. Den US-Investmentbanken wurden gar nichts mehr vorgeschrieben. Sie waren vollständig dereguliert.

    „-in dem die Struktur der Marktteilnehmer ebenfalls durch die Regierung festgeschrieben wurde“
    Welche Struktur welcher Marktteilnehmer wurde durch die Regierung in welcher Weise festgeschrieben? Der Sachstand geht ja nun dahin, das jegliche Festschreibungen aufgehoben waren.

    Ich fasse zusammen:
    – Jopa weiß nicht, was US-Investmentbanken sind.
    – Jopa weiß nicht, was Basel II ist.
    – Jopa kennt nicht die Deregulierungsgesetzgebung der Bush-Regierung.
    – Jopa ist mit Währungsthemen kaum vertraut.

    Du solltest, jopa, mit den Grundlageninformationen allererst Dich vertraut machen. Wirtschaftliches Grundlagenwissen auf dem Dich betreffenden Stand gewinnst Du zunächst über Tagesschau, Tagesthemen und die Anne Will-Diskussionsrunde.
    Danach sehen wir dann weiter.

    Noergler

    29. September 2008 at 0:36

  32. @ Noergler:

    Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, auf dergleichen überhaupt einzugehen.

    Nur mal so zum Beispiel:

    „Aber schau Bub, doch nicht in den USA. Die haben für 1 Eigendollar mit 40 Fremddollaren gezockt. Basel II gilt nur innereuropäisch.“

    Aber schau, Noergler, es gibt doch auch noch Basel I, und das gilt in den USA sehr wohl, schon seit Jahren. Deswegen schrieb ich auch nur allgemein vom Baseler Akkord, ohne Numerierung. Die Fortschreibung Basel II wird übrigend auch in den USA in den nächsten Jahren (2011?) maßgeblich. (NB: Ich habe beruflich auch schon Unternehmungen gesehehen, die mit negativen EK gearbeitet haben und immer noch existieren, das geht durchaus.)

    Lieber Noergler, einige Hinweise:

    1. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
    2. Wer selber bestenfalls über gesundes Halbwissen auf Basis Tagesschau, Tagesthemen und Anne Will (!!!) verfügt, sollte weniger die Klappe aufreißen.
    3. Wer einfach nur mal den Frust über seine erbärmliche Existenz herauslassen will, sollte das im Wald oder sonstwo tun, wo ihn keiner sieht; in Diskussionen muß man damit rechnen, daß man recht bald schlicht nicht mehr ernst genommen wird und keine Antworten mehr bekommt, so auch hier.

    MfG

    jopa

    29. September 2008 at 8:38

  33. Als die DDR in einer lautlosen Implosion sich in Richtung Nirwana verpisste, hatte ich für eine Nanosekunde die Hoffnung, die DKPisten kämen nun auch zur Einsicht.
    Da hatte ich die Kraft des Glaubens unterschätzt, eine Kraft, die auch in jopa wirkt. Dass er an das glaubt, was er als „Markt“ nicht versteht, und nicht an den „realen Sozialismus“ ist nur eine biographische Zufälligkeit. Unterschiedlich ist nur die Option; der Ideologisierungsgrad ist der gleiche.

    Ahnlehnungsbedürftige Menschen wie DKP-Mitglieder oder jopa erkennt man daran, dass sie resistent sind gegen empirische Falsifikationen. Selbst das simple Faktum, dass die Investmentbanken dereguliert waren bis zum Anschlag, wir von jopa verbissen verdrängt, wobei förmlich mit Händen zu greifen ist, dass er an den Käse, den er wild fuchtelnd vertritt, schon selber kaum noch glaubt. Sein „intelligibler Charakter“ (Kant) weiß längst, dass es damit aus ist, während der „empirische Charakter“ die furzwarme Stube liebgewonnener Ansichten nicht verlassen möchte.
    Mach mal das Fenster auf und laß den eisigen Wind der Marktwirklichkeit herein! Es wird Dir besser gehen, und nicht, wie Du befürchtest, schlechter.

    „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“, unbedingt. Ich mußte aber nicht erst die aktuellen Ausgaben von FAZ und Manager Magazin lesen, um zu wissen „dass eine ganze Klasse politischer Rhetorik nach Hause gehen kann“ (FAZ), wenngleich es nicht verwunderlich ist, dass in einer Population von 80 Millionen minimale Restbestände an religiösem Fundamentalismus unvermeidlich sind.

    Nörgler

    29. September 2008 at 9:29

  34. @Jopa:

    „Grundsätzlich sind rein ökonomisch aber auch mehrere parallel existierende privat begebene Währungen vorstellbar,“

    Wäre dann nicht die „Währungsblase“ jetzt ebenso geplatzt wie die „Immobilienblase“, vorher die „Internet-Blase“, einst die „Tulpenblase“?

    Zudem – genau darum ging’s mir ja bei der kontrafaktischen Antizipation – nun auch weniger die Frage ist, was man sich so alles vorstellen kann, sondern eben, was ist.

    Diese Markt-Idealisierungen sind wirklich strukturell analog zur Diskursethik von Habermas: Natürlich gibt es keine ideale Sprechsituation, aber wenn man richtig argumentieren will, dann sollte man mal annehmen, es sei eine, sonst argumentiert man nicht.

    Ob das bei normativen Fragen Sinn macht ist aber noch mal eine ganz andere als bei empirischen, und wo, wenn nicht vielleicht auf Schwarzmärkten in irgendwelchen Favellas oder in von Paramilitärs regierten Zonen gibt es denn „Privatwährungen“ im starken Sinne (also jetzt nicht das Spielgeld im Casino anführen)?

    „Meines Wissens ist auch für Investmentbanken in den USA die Bankenaufsicht zuständig, nicht nur die SEC“

    Habe jetzt extrem häufig Gegenteiliges gelesen …

    „Das der Staat aber für die Konstituierung von Märkten unbedingt notwendig sei, glaube ich nicht. “

    Na, ’ne Glaubensfrage ist das halt nicht …

    „Oder sogar mit weniger?“

    Das ist wohl angesichts der jüngsten Entwicklungen eben wirklich nicht mehr so ohne weiteres zu vertreten …

    „insolvent wird dabei aber normalerweise niemand“

    Meines Wissens wurden aber genau so die Immobilienmärkte zerschossen, und zum Bankenzusammnbruch hat das nach allem, was ich gelesen habe, auch beigetragen …

    „Der Volkswirt fragt sich, wie man Anreize so setzt, daß die Individuen sich so verhalten, daß die vorab gesetzten volkswirtschaftlichen Ziele erreicht werden“

    Das ist ja genau das Social-Engeneering, gegen das ich doch vehement was habe …

    momorulez

    29. September 2008 at 10:21

  35. @ MR:

    Zu den privaten Währungen: Da es keine nennenswerte private Währung auf diesem Planeten gibt, müssen alle Diskussionen in diesem Bereich auf Spekulation beruhen, was sie zugegebenermaßen wenig ergiebig macht. Ich kann auch verstehen, daß wegen der hohen Risiken kein Staat auf sein Währungsmonopol verzichten mag; dies heißt aber nichtautomatisch , daß selbiges unverzichtbar ist.

    Lassen wir die Frage der Regulierung der Investmentbanken mal außen vor. Sie ist ohnehin unerheblich, da nicht nur Investmentbanken in Schwierigkeiten geraten sind, sondern auch Versicherungen wie AIG oder Geschäftsbanken wie WaMu – und daß da keine Aufsicht bestünde, hat bisher noch niemand behauptet.

    Sagen wir es mal deutlicher: Der Staat ist für die Konstituierung von Märkten nicht unbedingt notwendig. Als Beispiel fällt mir z. B. die Seeschiffahrt ein, ein Markt, den es seit mind. rd. 4000 Jahren gibt, lange bevor es einen wie auch immer gestalteten staatlichen Rahmen für dieses Geschäft gab.

    „Das ist wohl angesichts der jüngsten Entwicklungen eben wirklich nicht mehr so ohne weiteres zu vertreten … “

    Das ist eben die große Frage, die das IUF ja nun stellt. Fakt ist: Die Finanzmärkte sind bereits einigermaßen reguliert (s.o.), dennoch kommt es offensichtlich zu erheblichen Fehlentwicklungen. Insofern sollte man schon darüber nachdenken, ob „more of the same“ wirklich eine Lösung ist, oder ob man nicht vielleicht anders / besser oder tatsächlich weniger reguliert. Insofern liegt hier auch keine Marktidealisierung vor, sondern eine nüchterne Überlegung. Ich persönlich bin auch nicht wirklich davon überzeugt, daß der Markt immer optimale Ergebnisse liefert. Ich bin aber ziemlich überzeugt davon, daß die Politik im Schnitt tendenziell schlechtere liefert, insbesondere, wenn die Debatte auf dem Niveau abläuft, wie bisher.

    „Meines Wissens wurden aber genau so die Immobilienmärkte zerschossen, und zum Bankenzusammnbruch hat das nach allem, was ich gelesen habe, auch beigetragen …“

    Nicht wirklich. Ein Leerverkauf im spekulativen Sinn lohnt sich nur dann, wenn man berechtigt annehmen kann, daß das Papier überbewertet ist und „Potential“ nach unten hat. Dann ist aber der Leerverkauf nur der Auslöser des Zusammenbruches, die Ursache desselben liegt dann zumeist tiefer. Etwa darin, daß da Bilanzrisiken schlummern, die bisher nicht breit bekannt und daher nicht eingepreist sind.

    „Das ist ja genau das Social-Engeneering, gegen das ich doch vehement was habe …“

    Sieh an, ein heimlicher Liberaler? Nein, aber im Ernst, letztlich bezweckt jede Form von Gesetzgebung eine Verhaltensänderung der Individuen. Wenn man also gegen „social engineering“ ist, dann kann man doch eigentlich nur keine oder möglichst wenig Gesetze verlangen, oder?

    jopa

    29. September 2008 at 11:30

  36. @fopa:

    „Sieh an, ein heimlicher Liberaler?“

    Mit dem Etikett „linksliberal“ hatte ich ja im Gegensatz zu meinen Mitbloggern hier nie Probleme … ach, und zum Rest: Ich verschiebe die Antwort mal auf weitere Lektüren.

    Das steht einfach zu quer zu dem, was ich so gelesen habe, z.B. auch im Falle des Kaputtschießens gesunder Banken durch irgendwelche Fonds, die enorme Kapitalmacht bündeln, aber auf irgendwelche Karibik-Inseln gemeldet sind (Quelle hier nun wieder: EIn Leitartikel von Helmut Schmidt in DIE ZEIT). Müßte jetzt aber im Grunde genommen an jedem Punkt erstmal recherchieren.

    Problematisch finde ich tatsächlich, und da hat der Noergler schon recht, wenn an entscheidenden Punkten auf Glaubenssätze wie den folgenden verwiesen wird:

    „Ich persönlich bin auch nicht wirklich davon überzeugt, daß der Markt immer optimale Ergebnisse liefert. Ich bin aber ziemlich überzeugt davon, daß die Politik im Schnitt tendenziell schlechtere liefert, insbesondere, wenn die Debatte auf dem Niveau abläuft, wie bisher.“

    Na, ob’s solche „Überzeugungen“ sind, die dann irgendwas besser machen? Ich bezweifel das mal …

    momorulez

    29. September 2008 at 11:39

  37. @ MR:

    Zum Thema „Kaputtschießen“ und Helmut Schmidt:

    Es ist schwer, wirklich gesunde Unternehmungen „kaputtzuschießen“, da müsste man schon eine Menge Geduld und vor allem Kapital aufwenden, die Frage ist, ob sich das dann noch rentiert. Wenn Unternehmungen zu Fall gebracht werden, waren sie meist zuvor schon nicht ganz gesund, aber es ist eine tolle Ausrede der versagt habenden Geschäftsführung, man sei das Opfer finsterer Machenschaften geworden – hört sich doch meilenweit besser an als „Wir haben’s verbockt.“, auch, wenn das meist ehrlicher gewesen wäre. Und da die wenigsten Bundesbürger jemals mit irgendwelchen höheren kaufmännischen Entscheidungen in Kontakt gekommen sind, wird so etwas natürlich gern geglaubt, es ist so schön einfach, irgendwelche bösen Mächte ganz weit weg für alles Unbill der Welt verantwortlich zu machen. Wo Helmut Schmidt seine Erkenntnisse her hat, wüsste ich aber auch gern. Steht das in dem Artikel drin?

    Diese „Überzeugung“ schwebt übrigens nicht rein in der Luft, sondern ruht auf einigem Erkenntnissen, wie zum Beispiel der, das die Marktteilnehmer im Gegensatz zu Politikern i. A. für das haften, was sie veranstalten. Die Tatsache, daß man eigenes Geld in die Sache gesteckt hat, dämpft die Neigung zum Amokläufen doch sehr. Wenn man genau hinschaut, stellt man fest, daß die übelsten privatwirtschaftlichen Exzesse genau da auftreten, wo die Haftung nicht mehr besteht, sei es bei den Vorständen großer AGs, die mehr oder weniger unkontrolliert agieren, oder im Finanzsektor, wo wie aktuell zu beobachten mal eben der Fiskus kommt, und (fast) alle de-facto-Pleitiers mit viel Geld rettet.

    Generell kann man zum Verhalten der Politik einiges sagen, was den Rahmen eines solchen Blogkommentars sprengen würde, weshalb ich ganz abstrakt und allgemein auf die Erkenntnisse der Public Choice Theory verweisen darf, falls Du mal seeeehr viel Langeweile hast. 😉

    Ansonsten wünsche ich einen angenehmen Abend und bedanke mich für die freundlichen „Unterhaltung“.

    jopa

    29. September 2008 at 18:40


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