shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Na ja, der Markt funktioniert ja immer, nur die Ergebnisse passen halt nicht jedem …

with 55 comments

„Islands Regierung hat am Dienstag die komplette Kontrolle über das Bankengewerbe übernommen und will damit auch einen drohenden Staatsbankrott abwenden. Vor der Verabschiedung eines Eilgesetzes in der vorvergangenen Nacht sagte Ministerpräsident Geir Haarde vor dem Parlament in Reykjavik, Island stehe vor der „reellen Gefahr“, so in die globale Finanzkrise hineingezogen zu werden, dass am Ende der Staatsbankrott stehe.“

Besonders schön die Vergleiche von „Markt“ mit dem „komplexen System“ „Darm“ anderswo: Manches Land wird dann halt ausgeschissen, hähähä. Und Staat ist sowas wie ein „künstlicher Darmausgang“, höhöhö.

Nicht genug LC2 oder wie diese Darmflora-Joghurt-Varianten so heißen in’s System geschaufelt, wa? „So oder so ist das Leben, so oder so ist es gut. So wie das Meer ist das Leben, ewige Ebbe und Flut.“ „Es hat alles einen Anfang, es hört alles einmal auf, und das, was dazwischen kommt, ist der Lebenslauf“ (Hildegard Knef) , hähähä. „So ist nun mal  das Leben, es kommt so, wie es kommt, den einen trifft es eben, der andere bleibt verschont“ (Marianne Rosenberg), höhöhö. So Gott will. „Liebeskummer ist wie Beton, kommt ganz drauf an, was man draus macht“ (Geogette Dee). „Ob es so oder so oder anders kommt, so wie es kommt, so ist es recht, es kommt sowieso nie so, wie man es gerne möcht“ (Lena Valaitis), ja, liebe Isländer, so ist das, so verkündet es die Volkswirtschaftslehre, da könnt ihr noch so oft den Hegel vom Kopf auf die Füße stellen!  Und den alten Kneipen Witz „und wenn er gar nicht kommt?“, den erspare ich jezt dem Leser.

Survival of the fittest halt. Muß irgendwas mit den Genen von Männern zu tuen haben, was da gerade passiert. Die sind halt die Elemente des Systems. Und Männer grillen ja lieber, anstatt labbrigen Joghurt zu fressen. Aber wenigstens ist das bessere, männliche Orientierungssystem da im Landesinnern von Island Gold wert, wenn man demnächst wieder Gräser und Flechten fressen muß, hähäha … aber vielleicht etabliert sich ja auch ’ne Zigaretten-Währung.

Konstitutiv für Systeme ist ja meines Wissens die System-Umwelt-Differenz: In Abgrenzung zu dieser konstituiert es sich erst und will dann beherrschen. So hat der Habermas dem Luhmann ja auch immer in’s Stammbuch geschrieben, daß das doch nur eine Reformulierung der Subjekt-Objekt-Relation sei, dieses Systemtheorie-Gedöhns, also vorgestellt am Modell eines über Objekte verfügenden Subjekts – ja, vielleicht isses ja so?

Dieser Eindruck, daß „Markt“ „Mensch“ als Verfügungs- und Verwertungsmasse begreift, den Gedanken hat ja der olle Marx schon früh über’s Gefühl hinausgetrieben und in Theorie überführt, aber Menschen verdaut der Markt-Darm als End-Darm ja nun gerade nicht, sondern eher politische Systeme und kleinere, wirtschaftliche Einheiten, denen er seine Reglements dann aufdrängt in „schöpferischer Zerstörung“, wow, ein Künstlerenddarmmarkt  – Menschen scheidet er unverdaut als unverdaulich wieder aus, und die können dann sehen, wo sie bleiben.

So sitzt dann Homo Symbolicon angesichts dieser archaischen Systemgewalt auf dem Rand der kosmischen Closchüssel, kotzt und und sucht entweder Schuldige – der Staat, die Manager, der Kapitalismus selbst – oder begreifft Markt analog zur mechanistischen Natur, ganz, als sei die gar nicht schön, aber erhaben  – und seltsam ist doch eigentlich nur, daß noch niemand diesem Mechanismus „Markt“ Bewußtsein zuzusprechen sich wagt …  ja, Benjamin-Debatte eröffnet …

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Written by momorulez

7. Oktober 2008 um 10:14

Veröffentlicht in Aufklärung?, Ökonomie, Links?

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55 Antworten

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  1. ^^ Sehr fein. Hab ja auch ein bisschen mit dem Kopf gewackelt, als sich da der Darm anschlängelte.

    christianK

    7. Oktober 2008 at 10:22

  2. In Frankreich ißt man ja sowas sogar, igitt …. vor jedem Schüleraustausch die Panik, „les tripes normandes“ essen zu müssen 😦 …

    momorulez

    7. Oktober 2008 at 10:25

  3. Wann schreit jemand: Island, sozialistische Diktatur! – Chavez! – Kuba in Europa! – Islamd schafft Meinungsfreiheit ab! – Island verstaatlicht Banken, um vom sozialistischen Staatsbankrott abzulenken! – nazionaler Sozialismus der Island-Staazis!

    T. Albert

    7. Oktober 2008 at 10:38

  4. Ich hätte ja auch noch eine Frage:

    Wenn im organischen Naturkapitalismus alles einfach so läuft, wie es in der Natur halt so läuft, warum darf ich dann nicht, wo es um mein natürliches Überleben geht, jemandem einfach mal auf die Schnauze hauen? Warum eigentlich nicht?

    T. Albert

    7. Oktober 2008 at 10:45

  5. Ich überlege mir, ob wir an der Schwelle zum Neokeynesianismus, zum zweiten New Deal stehen und am Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen.

    Das hier könnte man vielleicht noch mal lesen und mit heutigen Verhältnissen abgleichen:

    Barry Eichengreen, Golden Fetters: The Gold Standard and the Great Depression, Oxford University Press, 1992. ,

    ansonsten las ich die Auguren ja schon in den letzten Jahren (was das mit Benjamin zu tun hat, erschließt sich mir allerdings nicht)

    http://www.inkultura-online.de/todd.htm

    http://www.socialnet.de/rezensionen/3249.php

    http://somluswelt.wordpress.com/2008/10/01/uberblick-behalten/

    che2001

    7. Oktober 2008 at 10:46

  6. @momorulez
    Wenn Du Salami magst, dann ja auch. Und ist eigentlich erstaunlich, wie geschmacksneutral die Salami-„Verpackung“ ist.

    @T. Albert
    Wahrscheinlich darfst Du nicht einfach so jemandem eine runter hauen, weil es irgedwann Leute gab, die die bloße Affirmation des Bestehenden fad fanden und sich dachten jetzt überlegen wir uns mal, ob wir das nicht auch so gestalten könnten, dass …

    christianK

    7. Oktober 2008 at 11:03

  7. @T.Albert: Chavez in Island?

    Es ist noch viel besser: Die Russen KAUFEN Island!

    🙂

    jolly rogers

    7. Oktober 2008 at 11:34

  8. Sagt mal, habt Ihr irgendwas genommen?

    che2001

    7. Oktober 2008 at 11:53

  9. @momo

    Manchmal muß man Liberalen ihre Aussagen dadurch verdeutlichen, daß man die Begriffsebene wechselt. Das Beispiel Darm war ja auch ursprünglich als leichter Spott gedacht, obwohl die Analogie gar nicht mal so schlecht ist.

    Libero

    7. Oktober 2008 at 14:58

  10. Kann sein, dass mir das unsägliche Existenzgründungsseminar, das ich grad besuchen muss, meine letzten Gehirnzellen gemeuchelt hat, aber was such ich denn da in der Liste oben?

    somluswelt

    7. Oktober 2008 at 15:25

  11. Ich habe mir erlaubt, die Debatte bei Dir mit ein paar Literaturlinks zum Thema Finanzkrise zu verlinken, weil ich das passend fand.

    che2001

    7. Oktober 2008 at 15:29

  12. @Che

    Wieso haben denn jetzt wir was komisches genommen?

    Guck mal auf den Titel der „Weltwoche“. Die haben jetzt noch mehr intus als sowieso schon. Da steht:

    DIE PLÖTZLICHE RÜCKKEHR DER PLANWIRTSCHAFT

    Dann gibts einen Artikel, der heisst:

    TSUNAMI-WELLE GEGEN DIE FREIHEIT
    Im Gefolge der Finanzkrise melden sich Marktskeptiker und Regulierungsideologen zu Wort. Die dramatische Börsenwoche nährt staatliche Allmachtsfantasien. Die Missverständnisse sind ernorm. mehr…

    http://www.weltwoche.ch/?CategoryID=2

    Prosit! Beachte das durchgeknallte Titelbild.

    T. Albert

    7. Oktober 2008 at 15:48

  13. @Somlu: wenn der Staat sogar schon zum Besuch von Existenzgründungs-Seminaren zwingt, dann geht das jetzt aber wirklich zu weit;-)

    stefanolix

    7. Oktober 2008 at 16:08

  14. Na, Island war doch aber schon mal im März wegen des rapiden Wertverfall der Krone ziemlich hart getroffen – damals schon wegen der Immobilien- und Hypothekengeschäfte in den USA

    http://blog.snaefell.de/2008/03/19/schwarzer-montag-fuer-die-islaendische-krone

    Allerdings war es bei gerade mal drei größeren Banken – Kaupthing, Glitnir und Landsbanki -mit dem Wettbewerb sowieso nicht so weit her.

    Und was das mit Benjamin zu tun hat? Kapitalismus als Religion; die Aura des Marktes; Verkauf geliehener Papiere = Ausfall des Originals und Reproduktion von Kopien.

    lars

    7. Oktober 2008 at 16:24

  15. Und ich hätte noch eine Frage:

    Was bedeutet eigentlich „Vertrauen“?

    Die Banken vertrauen einander nicht mehr, und deswegen leihen einander kein Geld mehr.

    Das ist ja interessant.

    Der Anleger soll ins System vertrauen, sein Geld nicht vom Konto abheben, damit das System nicht zusammenbricht.

    Ach.

    Die Banken würden also aus ihrem gegenseitigen MIsstrauen das System auch den Bach abgehen lassen, hauptsache, sie müssen einander kein Vertrauen schenken?

    Na, da fragen wir doch mal den Arzt.

    —-Und weil die Banken einander keinesfalls vertrauen wollen, – natürlich, ich weiss, mit Grund nicht, kein Gangster traut dem andern, dafür sind sie ja Gangster – , darum muss der Staat eingreifen?
    Der Staat sozusagen als Statthalter des Vertrauens, das die Banken einander mit Grund nicht gewähren?
    Der soll all diesen Treulosen vertrauen?

    T. Albert

    7. Oktober 2008 at 16:49

  16. stefanolix, ich habe das konkrete Seminar bewertet und nicht die Tatsache an sich, dass es diese Seminare gibt. Das konkrete Seminar ist so unterirdisch, eine echte Frechheit.

    somluswelt

    7. Oktober 2008 at 16:50

  17. @Somlu: schon klar, aber offensichtlich kommst Du ja nicht ‚raus aus dem Seminar bzw. kannst nicht frei wählen, welches Du besuchen willst.

    @Lars: »Kapitalismus als Religion« war neulich schon in der Version des Nörglers eine Zumutung, obwohl sein Rant beinahe schopenhauersche Qualität hatte. Könnten wir aus Respekt vor wirklich religiösen Menschen davon absehen? Kapitalismus wird mit Religion in Verbindung gebracht, wenn Sekten oder Sondergemeinschaften ihn als solche deklarieren. Aber wir sind uns hoffentlich einig, dass er davon zu keiner Religion wird.

    stefanolix

    7. Oktober 2008 at 17:02

  18. „Könnten wir aus Respekt vor wirklich religiösen Menschen davon absehen?“

    Nö, nix da 😉 … der Text von Benjamin ist zudem einfach großartig, und aus resepktvor Dir, Stefanolix,haue ich jetzt mal nicht all die Kalauer raus, die sich bei Übertragung der Denkfigur so anböten 😉 …

    momorulez

    7. Oktober 2008 at 17:05

  19. stefanolix, das mit dem „frei wählen“ ist das Problem, eigentlich sieht der Gesetzgeber ja eine freie Wahl vor, nur in Köln handhabt man das anders…

    Der Kapitalismus ist keine Religion?

    somluswelt

    7. Oktober 2008 at 17:13

  20. Vielleicht ist der Kapitalismus auch einfach nur eine Kollektivneurose. Aber dazu kann Religion ja werden.

    stefanolix, bedenke, dass es Theologien gibt, die sagen, dass es im Sinne der Propheten darum geht, auch die Religion selbst als Hindernis im Verhältnis zur reinen Wirklichkeit zur überwinden.
    Mancher Gläubige verstehts auch so.

    T. Albert

    7. Oktober 2008 at 17:27

  21. @T. Albert:

    natürlich, ich weiss, mit Grund nicht, kein Gangster traut dem andern, dafür sind sie ja Gangster

    Nee, nicht Gangster. Bankster.

    Karsten

    7. Oktober 2008 at 18:17

  22. @Stefanolix: Bin leider gegen organisierten Glauben (=Religion) immer etwas skeptisch. Wollte eigentlich gestern noch zu Rabelais den zentralen Satz aus Benjamins Fragment raussuchen: „Der Kapitalismus ist vermutlich der erste Fall, eines nicht entsühnenden , sondern verschuldenden Kultus.

    Aber Du hast recht in dem Sinn, dass Benjamin im Kapitalismus eine sehr spezifische Religion sieht, diesen nämlich als Kultreligion begreift. Damit geht er über eine Konzeption individueller Religiösität hinaus, die Du vermutlich meinst, wenn Du von „wirklich religiösen Menschen“ schreibst.

    lars

    7. Oktober 2008 at 19:12

  23. Ich hatte die oben gelegten Links vorher nicht gelesen, das ist ja wie ganz schlechtes Zeug. Bin selber momentan eher Robert-Kurz-mäßig drauf, und jetzt an Benjamin oder Rabelais zu denken wäre mir viel zu Meta. Gehört doch alles eher in den Bereich „Tendenzieller Fall der Profitrate“.

    che2001

    7. Oktober 2008 at 21:50

  24. Stefanolix sagt da sowas von Rant und bringt mich mit Ayn Rant in Verbindung. Da fühle ich mich jetzt wirklich mißverstanden.

    Nörgler

    8. Oktober 2008 at 0:26

  25. „Bin selber momentan eher Robert-Kurz-mäßig drauf“ – Waaas?! Nur wo Salonmarxologe draufsteht ist auch der Nörgler drin. Kurz aber ist ein Marxverbesserer und -ergänzer. Er glaubt, schlauer als Marx zu sein, genau wie Dean.
    Folget dem Schriftgetreuen! Schwöret ab den falschen Propheten, welche die Schrift verwässern in eitlem Tun!

    Nörgler

    8. Oktober 2008 at 0:49

  26. Werter Nörgler: wenn ich »Rant« schreibe, dann meine ich nicht »Rand«;-)

    stefanolix

    8. Oktober 2008 at 5:11

  27. Nein, Nörgler, in so gerechter Sprache meinte ich das mit „Kurz-mäßig“ nicht, habe dem Robert ja selber oft vorgeworfen, zu kurz zu denken. Ich schrob das eher in dem Sinne, dass mir die Beiträge in diesem Thread zu metaphorisch und zu weit weg von der konkreten Krise sind.

    che2001

    8. Oktober 2008 at 7:25

  28. Noch ein PS zur Religion: Ich erkenne natürlich, wenn ich in der Minderheit bin und hier ist das ja eindeutig der Fall. Mit jeder Aussage zu meiner Person und zu meinen persönlichen Wertvorstellungen würde ich mich in späteren Diskussionen angreifbar machen (wobei ich ausdrücklich nicht die Inhaber dieses Blogs, sondern unflätige und unappetitliche Gestalten vom Typ »Nixxon« & Nachfolger meine).

    Gleichzeitig habe ich überhaupt keinen Grund, eine der bestehenden Religionsgemeinschaften zu verteidigen. Wenn Macht und Glaube nicht getrennt werden, ist der Missbrauch programmiert und wird über kurz oder lang immer auftreten. Die vielen Auswüchse der Religion sind mir sehr gut bekannt und darüber muss man mit mir nicht diskutieren.

    Wenn ich also gegen die These »Kapitalismus ist auch nur eine Religion« bin, dann zuerst aus Anstand gegenüber Gläubigen. Darüber hinaus finde ich es nicht sachgerecht. Es ist eine leicht durchschaubare Diskussionsstrategie: ziehe die Ansichten deines Gegners auf eine vermeintlich niedrige Ebene und mache sie damit lächerlich.

    Aber wäre es nicht möglich, dass die Ebene »Religion« nur vermeintlich niedriger ist als die Ebene »Kapitalismus«? Könnten »Religion« und »Kapitalismus« sogar zu ganz unterschiedlichen Systemen gehören? Diese Fragen darf man auch stellen, wenn man in der Minderheit ist;-)

    stefanolix

    8. Oktober 2008 at 7:46

  29. T.Albert, danke für den Banksta!

    che2001

    8. Oktober 2008 at 7:47

  30. @stefanolix
    Es lässt sich da bzgl. der Religionsthemaktik auch eine Zwischenposition einnehmen. Ich kann – denke ich zumindest – ganz gut nachvollziehen, was Du mit „Anstand gegenüber den Gläubigen“ meinst und wieso der wünschenswert ist/sein kann.

    Gleichzeitig ist es aber nicht so, dass jeder Vergleich, jede Parallelführung von Religion und Kapitalismus immer schon eine „leicht durchschaubare Diskussionsstrategie“ ist, die die Ansichten des „Gegners auf eine vermeintlich niedrigere Ebene“ zieht. So ein Vergleich kann schon auch Ausdruck eines differenzierten Denkens sein, fern jeder Polemik. Es geht dann dementsprechend auch nicht um wertende Abstufungen verschiedener Ebenen.
    Hinzu kommt noch etwas: Kritik und Vergleich von Religion, ist nur doch bedingt etwas, dass den Gläubigen trifft, sofern es sich bei Religion um die Institutionalisierung des Glaubens handelt. Wenn der Glauben und seine „Gegenstände“ – aus Sicht des Gläubigen – verglichen und damit vielleicht profanisiert werden, dann erst wird es persönlich und meines Erachtens bedenklich.

    christianK

    8. Oktober 2008 at 8:17

  31. Wenn man die großen Weltreligionen einem Leistungsvergleich unterzieht schneidet das Christentum hinsichtlich der Diesseitsqualität ja nicht so gut ab.

    che2001

    8. Oktober 2008 at 8:34

  32. @Che:

    „Ich schrob das eher in dem Sinne, dass mir die Beiträge in diesem Thread zu metaphorisch und zu weit weg von der konkreten Krise sind.“

    Na, dann werde Du doch mal konkret, Du Schlaumeier. Wenn die Finanzkrise nicht was mit „Glauben“ zu tun hat, dann weiß ich nicht, was Konkretion bedeutet.

    @Stefanolix:

    „Wenn Macht und Glaube nicht getrennt werden, ist der Missbrauch programmiert und wird über kurz oder lang immer auftreten.“

    Gab es denn je ’ne historische Phase, wo das getrennt war?

    „dann zuerst aus Anstand gegenüber Gläubigen. Darüber hinaus finde ich es nicht sachgerecht. Es ist eine leicht durchschaubare Diskussionsstrategie: ziehe die Ansichten deines Gegners auf eine vermeintlich niedrige Ebene und mache sie damit lächerlich.“

    Dazu muß man allerdings sehr glaubens-skeptisch sein.

    Ich finde das ziemlich sachgerecht, soweit es die Automatismen des Marktes betrifft, die schon alles richten werden auch dann, wenn es weh tut.

    Und natürlich kann man die ganzen Rituale und Kulte rund um das ganze „Geldgeschäft“ auch als Kulte beschreiben, womit allerdings in der Tat nicht gesagt ist, ob es auch welche sind 😉 …

    @Christian K.:

    „Wenn der Glauben und seine “Gegenstände” – aus Sicht des Gläubigen – verglichen und damit vielleicht profanisiert werden, dann erst wird es persönlich und meines Erachtens bedenklich.“

    Das ist ja sympathisch protestantisch, aber dann wäre ja die halbe Aufklärung auch bedenklich gewesen …

    momorulez

    8. Oktober 2008 at 9:15

  33. War sie das nicht?
    Muß jetzt mal eine Weile dem Satz „Aufklärung ist unbedenklich“ nachsinnen.

    David

    8. Oktober 2008 at 9:43

  34. Schon der Mythos ist Aufklärung, und Aufklärung schlägt in Mythologie zurück! (.. booh, ey, ist das META, voll META, ey …)

    momorulez

    8. Oktober 2008 at 9:49

  35. @momorulez: Bei Somlu bin ich bereits konkret geworden, meine oben gestellte Frage war auch eher konkret gemeint, auch die verlinkten Bücher würde ich nicht unkonkret nennen. Ansonsten würde mich interessieren, wie die unmittelbaren Konsequenzen der Krise für die normalen Sparer aussehen (in Europa sicher mit weniger gravierenden Konsequenzen als in den USA), was den US-Rentnern passiert, deren Renten in Fonds angelegt sind, also ob die jetzt alle Sozialfälle werden oder mit 75 noch einmal anfangen müssen, sich ihren Lebensunterhalt mit prekärer Arbeit zu verdienen, wie hier die weitere Entwicklung eingeschätzt wird, z.B., ob mit der Wirtschaft Irlands das Gleiche passiert wie mit der irischen. Weiterhin, damit komme ich auf meine Ausgangsfrage zurück, finde ich es spannend zu sehen, wie die weitere Entwicklung verläuft. Die Ähnlichkeiten mit dem Schwarzen Freitag sind ja groß genug, insofern stellt sich wirklich die Frage, ob der neoliberale Kapitalismus am Ende ist und ob ein neuer Keynesianismus kommt. Diesen Thread hier finde ich in dem Zusammenhang auch spannend:

    http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1236916

    Das sind jedenfalls alles Fragen, die für mich vordergründig eher auf der Hand liegen als eine Walter-Benjamin-Debatte zu führen oder eine Metapher nach der nächsten zu produzieren. Wobei die eigentliche Frage ja lauten müsste: Wie verhält sich die Linke zu der Krise, und ist die politisch nicht sogar eine Chance? Wenn das, was das aktuelle Gesicht des Kapitalismus ausgemacht hat weltweit zusammengebrochen ist, müsste man da als Gegner des Kapitalismus nicht Morgenluft wittern?

    Oder im Gegenteil, droht ein neues rechtsautoritäres Regime?

    che2001

    8. Oktober 2008 at 9:59

  36. Klar, man kann jetzt auch z.B. Baudrillards „Der symbolische Tausch und der Tod“ bestätigt sehen, und natürlich ist ein kollektiver Irrglaube oder meinethalben auch Wahn vor die Wand gefahren, aber um den gescheit analysieren zu können müsste man für meinen Geschmack sich noch mehr mit der Krise selbst befassen. Ist auch nicht als entweder-oder, sondern eher sowohl-als-auch gemeint, wo mir die eine Hälfte fehlt. Das, Momorulez, ist kein Grund, um zu hyperventilieren.

    che2001

    8. Oktober 2008 at 10:07

  37. Die „Dialektik der Aufklärung“, David, besagt nicht, dass man hinter die Aufklärung zurück soll, vielleicht hast Du da etwas mißverstanden.

    Nörgler

    8. Oktober 2008 at 10:27

  38. „Das sind jedenfalls alles Fragen, die für mich vordergründig eher auf der Hand liegen als eine Walter-Benjamin-Debatte zu führen oder eine Metapher nach der nächsten zu produzieren.“

    Das magst Du ja noch aus irgendwelchen autonomen Foren in Deiner Jugend in den 80ern gewöhnt sein, anderen vorzuschreiben, worüber sie zu reden, zu denken und zu schreiben haben, mir ist das aber echt zu blöd, wenn hier jetzt rumgenubbelt wird, dann könnte ich ja auch mit Boche bloggen …

    „Das, Momorulez, ist kein Grund, um zu hyperventilieren.“

    Solltest mich mal erleben, wenn ich wirklich hyperventiliere,und ich brauche auch nicht Deine Expertisen, um Gründe für meine jeweligen Verfassungen zu finden …

    MomoRulez

    8. Oktober 2008 at 10:28

  39. Wo, Nörgler, habe ich dergleichen denn behauptet? Du hast da doch hoffentlich nichts mißverstanden?

    David

    8. Oktober 2008 at 10:49

  40. Das ist ja sympathisch protestantisch,

    Das ist allerdings ein Volltreffer: Bei mir ist diese Sicht tatsächlich entstanden, weil ein guter Freund im Grunde eine Evangelikaler ist – und wir da beide ganz schön ringen mussten, um trotz dieser krassen Diskrepanz in der „Weltanschauung“ eine gemeinsame Gesprächsgrundlage aufrecht erhalten zu können …

    aber dann wäre ja die halbe Aufklärung auch bedenklich gewesen …

    Jein. Im Grunde ist Kritik an Religion und Glauben ja völlig in Ordnung. Worum es mir geht, ist letztlich ja einfach nur, dass man sich Gläubigen gegenüber auf ähnliche Weise anständig verhalten kann, wie das auch bei einem politischen Opponenten, etc. geht. Gerade gegenüber Gläubigen geht dieser gewöhnliche Anstand oft zu Gunsten einer Polemik verloren … (prominentestes Beispiel ist sicherlich Richard Dawkins – ganz unabhängig davon, dass seine Argumentation völlig daneben ist) Und ich vermute mal, dass stefanolix auf etwas ähnliches abzielte.

    christianK

    8. Oktober 2008 at 10:50

  41. „Worum es mir geht, ist letztlich ja einfach nur, dass man sich Gläubigen gegenüber auf ähnliche Weise anständig verhalten kann, wie das auch bei einem politischen Opponenten, etc. geht.“

    Ja, aber das kann man ja auch Kapitalismusgläubigen gegenüber tun, ist ja eine harte Prüfung für die gerade …

    MomoRulez

    8. Oktober 2008 at 11:27

  42. Ja, aber das kann man ja auch Kapitalismusgläubigen gegenüber tun, ist ja eine harte Prüfung für die gerade …

    Da habe ich ja nie was anderes behauptet ^^

    christianK

    8. Oktober 2008 at 11:32

  43. @Momorulez: Keinesfalls habe ich vor, anderen vorzuschreiben,. worüber sie reden, sondern ich habe das Bedürfnis, über andere Dinge zu diskutieren, als hier bisher diskutiert wurde, was habe ich ja aufgezeigt. Gut, dazu kann ich auch einen eigenen Thread aufmachen. Mir allerdings jedesmal mit moralischer Vorwurfshaltung und eine vermeintliche Hierarchie aufbauend meine Vergangenheit um die Ohren zu hauen, wenn ich mich kritisch zu Äußerungen von Dir verhalte ist ebensowenig hilfreich wie auf Kritik ständig mit Beleidgtsein zu reagieren. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Krise dringend analysiert gehört, in der Hinsicht ziehe ich mir dann auch den Schuh von Monoma an. Die Dialektik der Aufklärung wurde veröffentlicht, als die Stalin´schen Säuberungen, der Zweite Weltkrieg und die Shoa bekannt und auch ihre Auswirkungen bekannt waren, als eine Meta-Erklärung dafür, wie so etwas Grauenhaftes möglich war. Ich habe nicht den Eindruck, dass Ausmaß, Ursachen und sämtliche Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise im gleichen Umfang bekannt wären und jetzt die Großanalyse im Stil der DDA geschrieben werden kann. Aber vielleicht bin ich ja auch Klein Doofi mit Plüschohren, und alle Übrigen wissen schon alles, was es um diese Krise zu wissen gibt.

    che2001

    8. Oktober 2008 at 11:38

  44. Naja, also, wenn das jetzt alles auf den Benjamin-Text bezogen gesehen werden soll, dann ist auch klar, dass Benjamin nicht „die Religionen“ kritisiert, auch nicht ihre Gläubigen, sondern den Kapitalismus ALS Religion, nachdem die Transzendenz Gottes, der mitnichten tot sei, „gefallen“ sei. Da kommt dann eine Religion ohne Gott und auch ohne Theologie raus.

    „“Gottes Transzendenz ist gefallen. Aber er ist nicht tot, er ist ins Menschenschicksal einbezogen. Dieser Durchgang des Planeten Mensch durch das Haus der Verzweiflung in der absoluten Einsamkeit seiner Bahn ist das Ethos, das Nietzsche bestimmt. Dieser Mensch ist der Übermensch, der erste, der die kapitalistische Religion erkennend zu erfüllen beginnt“.“

    Also, da kann ich als Gläubiger bestens mit leben, wie ja überhaupt gerade mit Benjamin, und kulturgeschichtliche Reflexion sollte doch nun gestattet sein, das berührt ja die Transzendenz Gottes nun gar nicht, nur die Vorstellungen und (religiösen) Beschreibungsversuche davon. Die passiert ja auch innerhalb der Religionen, aber ich bin immer wieder erstaunt, dass wir darüber wieder als etwas hermetisch scheinendem reden. Ich kannte auch Leute, die den Benjamin als Theologen verstanden, was ihnen nicht in den Kram passte. Naja.

    Ansonsten bin ich ja sehr bei Che, mit interessiert eigentlich auch mehr, was nun passieren wird, was mit unserer Kohle passieren wird, die die Bankstas zur Verfügung haben, und was politisch daraus resultieren wird; das ist nämlich eine Frage der Praxis, wie wir uns dazu verhalten. Wenn der ganze Schlammassel immer wieder mit der Weltwirtschaftskrise positiv verglichen wird, und nebenbei, doch mittendrin das Grundgesetz zugunsten von BW-Einsätzen im Innern geändert werden soll, dann bekomme ich schon das Denken.

    T. Albert

    8. Oktober 2008 at 11:56

  45. ….ging hauptsächlich an stefanolix

    Klein Doofi mit Plüschohren hat recht, finde ich.

    T. Albert

    8. Oktober 2008 at 12:00

  46. @Che:

    „Mir allerdings jedesmal mit moralischer Vorwurfshaltung und eine vermeintliche Hierarchie aufbauend meine Vergangenheit um die Ohren zu hauen, wenn ich mich kritisch zu Äußerungen von Dir verhalte ist ebensowenig hilfreich wie auf Kritik ständig mit Beleidgtsein zu reagieren.“

    Diese Vergangenheit bringst Du doch bei jedem zweiten Statement in’s Spiel, dann wunder Dich mal nicht, wenn man sich drauf bezieht.

    Und in der Tat betrachte ich die Themen, über die ich gerade bloggen will, als nix, was jetzt als Gegenstand der Kritik infrage käme. Wieso auch?

    Weil , wenn mich Benjamin gerade interessiert, das überhaupt nicht ausschließt, hier auch konkrete Expertisen zu den Finazmarktsgeschichten zu diskutieren, mache ich ja übrigens seit Wochen hier.

    Und beledigt bin ich abgesehen davon auch, wann es mir in den Kram paßt.

    MomoRulez

    8. Oktober 2008 at 12:14

  47. „Und in der Tat betrachte ich die Themen, über die ich gerade bloggen will, als nix, was jetzt als Gegenstand der Kritik infrage käme. Wieso auch?“

    Naja, wieso denn nicht?

    David

    8. Oktober 2008 at 12:28

  48. Weil ich dann das Bloggen bleiben lassen würde, diesbezüglich einschränken muß ich mich schon in meinem anderen Leben …

    MomoRulez

    8. Oktober 2008 at 12:40

  49. OK, gutes Argument.

    David

    8. Oktober 2008 at 12:45

  50. @Diese Vergangenheit bringst Du doch bei jedem zweiten Statement in’s Spiel, dann wunder Dich mal nicht, wenn man sich drauf bezieht. —- Meine Gegenwart ist halt ziemlich irrelevant, langweilig und banane, von den Bergtouren und gelegentlichen Aktionen, die an besagte Vergangenheit anknüpfen abgesehen.

    @Und beledigt bin ich abgesehen davon auch, wann es mir in den Kram paßt. —- Dies aber mit besonderer Sorgfalt und Liebe zum Detail 😉

    che2001

    8. Oktober 2008 at 13:08

  51. […] via Tags: Banksta, […]

    Banksta — ring2*

    8. Oktober 2008 at 13:18

  52. Trackback: Wir werden syndiziert

    http://netbitch1.twoday.net/stories/5242509/

    che2001

    8. Oktober 2008 at 13:51

  53. […] am 8, Oktober 2008 Drüben bei shifting reality gibt es eine Diskussion in den Kommentaren zu diesem Beitrag, wo auch die Frage nach einer Analyse der aktuellen Krise gestellt […]

  54. Syndizierung sogar mit Nörgler-Content!

    Nörgler

    8. Oktober 2008 at 15:47

  55. […] die Finanzmärkte Menschen und Banken verdauen, Kredite im Dickdarm festhängen, dann hilft nur noch Humor. … und die Erkenntnis – frei nach Philippe Djian Charles Bukowsky […]

    Bärenarsch — ring2*

    8. Oktober 2008 at 16:53


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