shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Gold

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Es ist goldener Oktober und die Fäulnis legt eine große Süße über das Land. Die Luft riecht nach Veränderung (the times they are a-changing) und Vierzigjährige (auch Blogger) schwelgen in den Zeiten, als die Teilung noch rein war. Die Teilung in alt und neu, wobei neu „rotten“ war. Die Teilung in cool und lahm. (Flash is fast)

Es ist Sonntag und die „Generation Walkman“ liegt müde in ihren 4-Zimmer-Lofts, regeneriert den von der Nacht angeranzten Körper. Es ist doch kein Wunder, dass wir uns in dieser Situation wohlig der Zeit zuwenden, die schon so weit zurück liegt, dass ihre Musik bei „Oldie95“ läuft. Die Zeit in der Rebellen ihre eigene Stadt in Manhattan hatten, die Polizei immer nur in Massenkarambolagen sich selbst vom Highway schubste und via Bud Spencer noch alles Schlimme mit pussierlicher Gewalt zu lösen war.

Wann war das denn eigentlich zuende? Ich befürchte in dem Moment, wo diese Naiven suchten den Ernsten zu folgen, selbst Revolutionäre zu werden. Und das Schlimme, sie haben wirklich geglaubt, dass sie es könnten, diese Narren, die wir waren.

Die popkulturelle Idee von Veränderung, war keine erfolgreiche. Hasch für das Gewissen, nichts weiter. Da hilft es nun auch nicht, im Angesicht der Bankenkrise den Herrn Marx zum Pop-Idol zu machen.
(… und was macht eigentlich Tracy Chapman?)

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Written by ring2

12. Oktober 2008 um 11:24

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

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14 Antworten

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  1. „Die popkulturelle Idee von Veränderung, war keine erfolgreiche“

    Sowas kann man aber auch nur als satte Hete behaupten. Elvis, die Beatles und Dylan waren Lebenstile betreffend – also deren Dibversifizierung betreffend – „erfolgreicher“ als Rudi Dutschke.

    Was Pop nicht vermochte, bisher nicht vermochte, war freilich an den ökonomischen Grundlagen rütteln, wie auch, hat noch keiner geschafft, aber mit dem Finger drauf gezeigt hat er wenigstens seit Elvis und Warhol.

    Und manchmal glaube ich ja, daß dieses Wegsuppen des Musikmarktes vielleicht das Potenzial hat, Pop wieder „erfolgreicher“ zu machen … wenn man damit eh nicht mehr richtig Geld verdienen kann, entsteht ja vielleicht wieder was Gutes.

    PS: Keine Ahnung, was Tracy Chapmann jetzt so macht …

    momorulez

    12. Oktober 2008 at 12:12

  2. […] Oktober und die Fäulnis legt eine große Süße über das Land. Die Luft riecht nach Veränderung (the times they are a-changing) und gestern gab es auch noch Sonne […]

  3. Dass ein Ministerpräsident gehen mußte, als sich herausstellte, dass er ein Nazi-Justizmörder war, hat mit den Beatles jetzt aber nicht so viel zu tun, und dass quasi im Gegenzug Politiker nicht mehr wegen Schwulsein aus dem Amt gekickt werden können, auch nicht.

    Nörgler

    12. Oktober 2008 at 13:03

  4. Ersteres nicht, letzteres schon ….

    momorulez

    12. Oktober 2008 at 13:10

  5. Wären „Elvis, die Beatles und Dylan“ denn bei Live Aid überhaupt aufgetreten? Ich denke wir reden hier über die 80er (obwohl Dein Hinweis, daß die 1988 schon zuende waren hier ja passt)

    Dann konkretisiere ich:
    “Die popkulturelle Idee von Veränderung, war Ende der 80er Jahre schon keine erfolgreiche mehr”

    ring2

    12. Oktober 2008 at 13:31

  6. p.s. das „satt“ lasse ich gelten, das „hete“ nicht.
    (in diesem Zusammenhang jedenfalls nicht)

    ring2

    12. Oktober 2008 at 13:32

  7. “Die popkulturelle Idee von Veränderung, war Ende der 80er Jahre schon keine erfolgreiche mehr”

    Ja, okay 😉 – wobei WestBam das ja anders sah, so als Teil der „ersten Generation, die ein Stück vom Kuchen abbekam“ …

    momorulez

    12. Oktober 2008 at 14:27

  8. Westbam ist doch dann Neunziger, zumindest im ökonomisch erfolgreichen Sinne.

    Seine erste, auch in den Verkaufscharts erfolgreiche, Single war Celebration Generation im Jahre 1993, seinen größten Chart-Erfolg verzeichnete er mit den Members of Mayday und dem Titel Sonic Empire, der im Jahr 1997 auf Platz 1 in den deutschen Verkaufscharts stieg.
    http://de.wikipedia.org/wiki/WestBam

    … und in meiner Wahrnehmung ist techno ja das Wegschließen der Realität in den Tag und das Verlängern der Nacht um jeden Preis (Ecstacy) – und direkte Folge der Ohnmacht von End-80er-Popkultur.

    ring2

    12. Oktober 2008 at 14:57

  9. Aber bei Scooter hämmert und kracht es wenigstens richtig, während Frank Laufenberg in SWF 3 damals über „Stayin‘ alive“ sagte, die Bee Gees würden klingen „wie abgeschlaffte Temptations“. Das war imho der erste Disco-Sound-Song, der im SWR lief.

    Es war in den 70ern, da sagte ein Freund von mir angesichts gewisser Entwicklung in der Musik: Wenn es so weitergeht, dann kommt demnächst die Kapitalabstraktion direkt aus den Lautsprechern.
    „Disco“ war dann für uns die Erfüllung dieser Prognose.

    Ich weiß, dass viele das anders erlebt haben, anders sehen und empfinden, und ich will da keinen missionieren. Aber in meiner Generation war das nun mal die vorherrschende Meinung.

    Nörgler

    12. Oktober 2008 at 16:02

  10. @Ring2:

    Losgelegt hat der mit der „Macht der Nacht“, das war eher Mitte der 80er, aber der ist ja einer der Gründe, warum die 80er um ’88 herum vorbei waren. Und ich meine, daß er doch mit „Low Spirit“ ganz unabhängig von einzelnen Hits ganz gut Schotter gemacht?

    @Noergler:

    „die Bee Gees würden klingen “wie abgeschlaffte Temptations”.“

    Da kannste jetzt „Elvis“ Presley“ und „Chuck Berry“ einsetzen, und das gleiche wurde dann ’57 auch schon so formuliert. Aber die Neger waren ja immer schon näher an der Natur und deshalb irgendwie vitaler und potenter, somit weniger abgeschlafft – sorry, ging jetzt nicht gegen Dich, sondern gegen diese laufenbergschen Didakten.

    „Wenn es so weitergeht, dann kommt demnächst die Kapitalabstraktion direkt aus den Lautsprechern.
    “Disco” war dann für uns die Erfüllung dieser Prognose.“

    Wahrscheinlich konntet ihr einfach nicht tanzen 😀 … natürlich war RR wie Disco auch Kapitalabstraktion aus Lautsprechern, aber was wäre das denn nicht, was nicht zugleich bildungsbürgerliches Herrschaftswissen wäre?

    Gerade was Schönes bei Diederichsen dazu gelesen:

    „Das von Zappa 1967 karrikierte unsichtbare Bündnis zwischen den verblödeten, fernsehenden „Mom & Dead“ und den „phony Hippies“ in San Francisco schließt sich natürlich dann besonders eng zusammen, wenn die Star-Feindschaft der Gegenkultur nicht mehr Repression und antisexuelle Begrenztheit der Normalität bekämpft, sondern ihr Amoral, Exzess und mangelnde Authentizität vorwirft.“

    Eigenblutdoping, S. 129

    Scooter fand ich abgesehen davon immer sehr lustig, hätte sie mir aber nie anhören wollen.

    Die Techno-Utopisten haben das ja immer als Einmarsch der Ballermannisierung in ihr Kampffeld und Deppen-Technosierung ihrer ach so hehren Widerstandskultur erlebt, aber auch in der Hinsicht war Disco einfach ehrlicher, weil eben nicht und niemals authentisch … gab ja bei dieser ganze Postrukturalismus-Adaption im Techno-Diskurs immer diese paradoxen Authentifkationen – „kein Autor auf der Platte, super, Tod des Subjekts und des Starkults und des Posers mit der Rock-Giitarre, total demokratisch, der Tänzer ist der Star und der DJ kein Diktator „, und wer da dann nicht mitmachte, war eben unauthentischer Shouter wie HP.

    Techno hat es auch geschafft, „kommerziell“ als rein ästhetisches Kriterium fernab der Ökonomie zu installieren, und raus kamen dann, in andere musikalische Welten transferiert, so Etiketten wie „Alternative“.

    Während Disco einfach nur formulierte „Samstag nacht kann ich wenigstens mal entscheiden, wem ich mich unterwerfe, nämlich dem Rhythmus, also: „Do the Hustle“!“

    Mit Sicherheit kein revolutionärs Programm, aber wenigstens sexy …

    momorulez

    12. Oktober 2008 at 16:35

  11. wenn die Star-Feindschaft der Gegenkultur nicht mehr Repression und antisexuelle Begrenztheit der Normalität bekämpft, sondern ihr Amoral, Exzess und mangelnde Authentizität vorwirft.” — Ist das nicht in etwas das, was die ganzen Klampfen-Heinrichs der singenden Sozialdemokratie, also Lage, Maahn, Gröhlemeier usw. den Disco-New-Wave- und Rockstars vorgeworfen haben?

    chezweitausendeins

    12. Oktober 2008 at 18:22

  12. Ja. genau das. Wenn also aus dem Kampf gegen Normalisierung neue Normalisierungen erwachsen, die sich dann auch noch als „natürlich“ oder „authentisch“ oder „echt“ geben. Mein Lebensthema, dagegen anzurennen …

    momorulez

    12. Oktober 2008 at 18:24

  13. In der Realität ist das die Versteppung des Techno.
    Als ich noch 95 in Berlin einem Mädchen einen Vodka ausgeben wollte hat die, wie die anderen „iiih Alkohol“ geschrien.

    Als ich 2005 für einen Berliner Verlag die Techno-Feiern in der Dingensfabirk beobachtete, waren die alle breit vom Bier und aus Brandenburg.

    Hansa Rostock ist da nicht weit und “ neue Normalisierungen…, die sich dann auch noch als “natürlich” oder “authentisch” oder “echt” geben.“ konnte ich da auch sehen! Also in Berlin genauso, wie in Rostock!

    ring2

    12. Oktober 2008 at 22:13

  14. Deshalb sind wir St. Paulianer ja auch eigentlich nur ein Fake 😉 – aber pssst!

    Aus diesem Grunde kriege ich auch immer Pickel, wenn jemand von „ehrlichem Fussball“ spricht, würg.

    momorulez

    12. Oktober 2008 at 22:21


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