shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

„Rational Choice,“ Subjektphilosophie und „Verantwortungsethik“ als struktureller Antisemitismus?

with 9 comments

Ja, ja, klar. Hartz IV-Empfänger gängelt man per Proklamation von „Eigenverantwortung“, und bei Managern treten ganz plötzlich „objektive Gründe“ auf den Plan, und sie können dann für nix was.

Daß nun gerade einer, den all die Hetzer gegen Mittel- und Erwerbslose immer im Munde führen, sich über die Suche nach „Sündenböcken“ beklagt und dabei in’s begriffliche Fettnapf latscht, das wundert wenig – zudem er auch noch ein klassisches, antisemitisches Muster reproduziert, das ja nicht dadurch besser wird, daß man es mit umgekehrtem Vorzeichen versieht.

Weiß ja jeder, wen ich meine; das ganze ist jedoch noch weit über den konkreten Fall hinaus interessant, weil es auf eine maßgebliche Differenz zwischen linken und liberalen Theorieansätzen verweist. Mal ein liberales Beispiel:


„Individualismus[4]

Methodologischer Individualismus: Wirtschaftswissenschaft muss aus dem Handeln von Individuen heraus erklärt werden (nicht zu verwechseln mit ideologischem oder politischem Individualismus).

Subjektivismus[4]

Methodologischer Subjektivismus: Wirtschaftswissenschaft basiert auf der Untersuchung der Handlungen von realen Individuen und deren subjektivem Wissen beziehungsweise Unwissen und ihrer subjektiven Bedürfnisse.“

Nun die Zettelsche Sinn-Verteidigung:

„In diesem Zusammenhang wies Sinn darauf hin, daß es damals wie heute die Tendenz gab und gibt, nicht objektive Ursachen für die Krise zu sehen, sondern sie Personen als den vermeintlich Schuldigen zuzuschreiben.“

Hör ich Marx da trapsen? Wenn ja, dann ja zu recht.

Seltsam ist’s dennoch, daß all die Sinns dieser Welt wenig Probleme hatten, Gewerkschaftlern bei vermeindlich unzulässigen Lohnforderungen die Schuld zuzuschieben, ist das Antisemtismus? All dem „arbeitsscheuen Gesindel“ noch Schlimmeres zurufen, während dieses „unsere Volkswirtschaft“ zu Grabe schaufelt; interessant zudem, welche antisemtischen Stereotype heutzutage in Erinnerung verbleiben, von der „verjudeten Sozialdemokratie“ beispielsweise liest man heutzutage ja eher wenig.

Darüber hinausgehend jedoch bemerkenswert, wie ansonsten proklamierten Handlungstheorien ganz plötzlich in die Tonne wandern, wenn’s um die leninistische Avantgarde „Manager“ geht ….

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Written by momorulez

27. Oktober 2008 um 10:29

Veröffentlicht in Ökonomie

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9 Antworten

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  1. Trostloser als als Sinn&Co hat noch niemand zu kaschieren versucht, dass er im Interesse bestimmter Leute und nur in deren Interesse handelt. Ein mittelalterlicher Vasall war in der Hinsicht zumindest ehrlich.

    che2001

    27. Oktober 2008 at 13:48

  2. Ich sollte jetzt mal zur Verteidigung der Handlungstheorie schreiten. Die widerspricht nämlich grundlegend dem methodologischen Individualismus.

    lars

    27. Oktober 2008 at 16:10

  3. „Die widerspricht nämlich grundlegend dem methodologischen Individualismus.“

    Ja, eben! Wobei es freilich nicht DIE Handlungstheorie gibt ..

    MomoRulez

    27. Oktober 2008 at 17:00

  4. Das zudem.

    lars

    27. Oktober 2008 at 17:43

  5. Methodologischer Individualismus in der makroökonomischen Theorie ist doch Firlefanz.

    che2001

    27. Oktober 2008 at 18:49

  6. War aber lange Zeit recht trendy unter Mit- und Gegendiskutanten und stand recht unvermittelt allgemeinen ökonomischen „Gesetzen“ gegenüber, die analog zu Naturgesetzen gedacht waren. Und nun proklamiert Herr Sinn „anonyme Systemfehler“, wie überhaupt erstaunlich die begrifflichen Anleihen bei der Systemtheorie seit geraumer Zeit sind. Wurde mir hier ja jahrlelang als Geschwafel um die Ohren gehauen. Mal ganz zu schweigen von dem, was der normale Hartz IV-Empfänger so zu hören bekam.

    momorulez

    27. Oktober 2008 at 19:29

  7. Naja, wenns um sie selber geht, ist alles anonym. War immer so.
    Aber jetzt verwahrlosen sie völlig mit ihrer Inanspruchnahme des Statusses der Opfer des Massenmordes.

    Es ist ja schlicht historisch falsch. Als wäre die Weltwirstschaftskrise der Grund und Auslöser für nazifaschistischen Judenhass gewesen.
    Grosser Himmel.

    T. Albert

    27. Oktober 2008 at 19:59

  8. Der Feundeskreis Reichsführer SS ist nur ein Beispiel für „Sündenböcke“ .

    Quelle:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Freundeskreis_Reichsf%C3%BChrer-SS

    Die Mitglieder sind alphabetisch nach Nachnamen sortiert. Die Nennung der Funktionen ist nicht abschließend.

    1. Hermann Behrends, Dr. jur., SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei und SS-Sturmbannführer der Reserve der Waffen-SS, Höherer SS- und Polizeiführer in Serbien und Montenegro sowie Stabsführer der Volksdeutschen Mittelstelle [4][5][6]
    2. Rudolf Bingel, Siemens-Halske [4][5]
    3. Gottfried Graf von Bismarck-Schönhausen, Regierungspräsident in Stettin und später in Potsdam [4][5]
    4. Karl Blessing, Unilever, später Bundesbankchef [4][5]
    5. Wilhelm Börger, Arbeitsministerium [4][5]
    6. Heinrich Bütefisch, I.G. Farben [4][5]
    7. Kurt Dellmann, SS-Obersturmführer [5]
    8. Friedrich Karl Dermietzel, Stellvertreter des Reichsarztes SS und Polizei, SS-Brigadeführer [4][5][7]
    9. Hans Fischböck, Reichskommissar im Vierjahresplan [4][5]
    10. Friedrich Flick, Mitteldeutsche Stahlwerke [4][5]
    11. Rudolph Firle, Norddeutscher Lloyd [8]
    12. Herbert Ludwig Wilhelm Göring, Wirtschaftsministerium, Vetter von Hermann Göring [4][5]
    13. Karl Ritter von Halt, Deutsche Bank [4][5]
    14. Franz Hayler, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium [4][5]
    15. Ewald Hecker, Ilseder Hütte [4]
    16. Emil Helfferich, Aufsichtsratsvorsitzender der Hapag, Direktor der DAPG [4][5][8][9]
    17. Otto Heuer, Generaldirektor der Schütte AG [10]
    18. Erich Hilgenfeldt, Leiter der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt [4][5]
    19. Richard Kaselowsky, August Oetker, Bielefeld [4][5][8]
    20. Hans Kehrl, SS-Oberführer [7]
    21. Wilhelm Keppler, ab 1938 Staatssekretär im Außenministerium [4][5][8]
    22. Fritz Kiehn, Papierfabrikant und SS-Obersturmbannführer [11]
    23. Wilhelm Kleinmann, Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium [5]
    24. Fritz Kranefuss, Brabag, Himmlers Adjutant [4][5]
    25. Carl Vincent Krogmann, Erster Bürgermeister von Hamburg [4][5]
    26. Karl Lindemann, Direktor der Dresdner Bank, Deutsche Reichsbank, DAPG[9] Norddeutscher Lloyd, Melchers&Co., Bremen [4][5][8]
    27. Reinhold Freiherr von Lüdinghausen, Direktor der Dresdner Bank [7]
    28. Emil Heinrich Meyer, Vorstand der Dresdner Bank [4][5]
    29. Werner Naumann, Staatssekretär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda [4][5]
    30. Otto Ohlendorf, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium [4][5]
    31. Alfred Olscher, Reichskreditgesellschaft [4][5]
    32. Oswald Pohl, Leiter des Wirtschaftsamtes der SS [4][5]
    33. Karl Rasche, Mitglied im Vorstand der Dresdner Bank [4][5]
    34. Herbert Reichenberger, SS-Untersturmführer [7]
    35. Friedrich Reinhart, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank [4][5]
    36. Hellmut Röhnert, Rheinmetall-Borsig [12]
    37. Erwin Rösener, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, Mitglied des Reichstages [5][13]
    38. August Rosterg, Kali-Konzern Wintershall AG [4][5]
    39. Ernst Schäfer, SS-Standartenführer des SS-Amtes Ahnenerbe [4][5]
    40. Walter Schieber, Leiter des Rüstungslieferungsamtes im Rüstungsministerium [5]
    41. Heinrich Schmidt, Wintershall Kali-Konzern [4][5]
    42. Kurt Schmitt, früher Wirtschaftsminister, Vorstandsvors. der Allianz AG [5]
    43. Kurt Freiherr von Schröder, Bankier, J. H. Stein Bank [4][5]
    44. Wolfram Sievers, Leiter des Amtes Ahnenerbe [4][5]
    45. Otto Steinbrinck, Gewerkschaft Preußen [4][5]
    46. Albert Vögler, Vereinigte Stahlwerke AG [4][5] – seine Mitgliedschaft wird mit gewichtigen Gründen bezweifelt.[14]
    47. Wilhelm Voss, Hermann-Göring-Werke [4][5]
    48. Hermann Waldhecker, Direktor der Reichsbank [4][5]
    49. Hans Walz, Boschwerke [4][5]
    50. Franz Heinrich Witthoefft, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Commerz- und Privatbank [5][15]
    51. Karl Wolff, persönlicher Adjutant Himmlers [4][5]
    52. Walther Wüst, Professor für Indogermanistik, SS-Oberführer, Amtschef der SS-Forschungs- und Lehranstalt „Das Ahnenerbe“ [5]

    T. Albert

    27. Oktober 2008 at 20:25

  9. Das ist wirklich eine illustre Liste. Stützen der Gesellschaft halt.

    che2001

    27. Oktober 2008 at 22:50


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