shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Der Wille zur Macht besteht fort, doch er bröckelt angesichts der Wirklichkeit ….

with 34 comments

„Daraus spricht die Enttäuschung des Ideologen, in Sinn nicht seinesgleichen zu finden, sondern einen differenzierenden Wissenschaftler, dessen Thesen zu widerlegen eine Mühe erforderte, die der Ideologe nicht auf sich nehmen will und stattdessen die Abkürzung über Argumente ad personam bevorzugt.“

Alles Ideologen, nur natürlich die neuerdings zur Systemtheorie übergetretenen Nicht-Ideologen von gegenüber nicht – wofür ja nicht zuletzt der so differenziert argumentierende, verlinkte Eintrag spricht.

Wobei Ideologiekritik übrigens auch von niemand anders als Marx in den Theoriemarkt eingeführt wurde. Aber schon bei dem, was „Ideologie“ sei, versagt ja die ach so selbstherrlich beschworene Analysefähigkeit derer drüben, wenn man sich immer nur an der je eigenen Theoriewixe ergötzt, dann wird man halt notwendig und mit jedem Satz selbsreferentiell.

Ideologie ist ja nicht einfach nur das Falsche, was immer und grundsätzlich nur die anderen sagen, nie man selbst, sondern gesellschaftliche Realität, die wirkt, und wie, das kann man z.B. bei Althusser und Stuart Hall nachlesen (ich mach das jetzt auch so: Ich deute an und verweise auf Namen, auf die Sache mit dem Ideologiebegriff, auf die komme ich aber demnächst mal wieder drauf zurück).

Dann werde ich mal , weiter im Reich des Guten mich wähnend und mich über Herrn Sinn ja nur ärgernd, weil der Antisemitismus-Vorwurf mich eigentlich zutiefst trifft, weil er natürlich völlig zu recht erhoben wird, mich dem Quatsch da drüben widmen, wo ich ja offenkundig gemeint bin, wenn ich auch deutlich beledigt bin, daß man auf einen gar nicht so schlechten Fehdehandschuh auf derart jämmerlichem Niveau kontert: Da steht nämlich wie üblich nix, rein gar nix, da drüben. Platter Feuilletonismus. Z.B. das hier:

„Wobei “System” jetzt nicht so platt zu denken wäre wie bei vielen Kommentaren, die man jetzt zu lesen bekommt, im Ergebnis bereits im Lied “Kreuzberger Nächte sind lang” vorweggenommen, sondern als Teilsystem “Banken und Finanzmarkt”, das in wesentlichen Teilen ganz anderen Bedingungen und Regulierungen unterliegt als der Rest der Wirtschaft, wie jeder am eigenen Leib erfahren wird, der morgen versucht, eine Bank zu gründen.“

Ja, was heißt denn dann System? Das wird wie üblich verschwiegen in einer Blase aus Arroganz und Geschwätz und Andeutungen. Ja, welche Regularien denn? Z.B. im Derivathandel? Geben Sie doch mal Butter bei die Fische, liebe, differenzierende Welt-Ökonomen da drüben.

Dabei bestätigt die einzige im Zitat enthaltene Aussage nix anderes, als das, was auf der Linken und hier im Blog schon immer gewußt wurde: Daß es Staat ist, der die Institutionen von Markt unter aktuellen Bedingungen ermöglicht – und umgekehrt. Daß je nach Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung auch die dazu passende Staatsform sich stets formierte, auch im Falle Russlands und der nachholenden Industrialisierung, weltweit von Raysons Ökonomenfreunden bewundert; ein wechselseitiges Bedingungsverhältnis kann freilich nicht jeder Weltökonom denken.

Indem man z.B. eine historische Perspektive einnimmt, anstatt Hayek und von Mises wie Geschichtsbücher zu lesen.  Was dazu führt, daß man „Staat“, was auch immer das ist, steht ja auch grundsätzlich nie da drüben, dann de facto als Möglichkeitsbedingung und Hindernis zugleich denkt, dessen reale Funktionsweise aber konsequent ausklammert.

Ohne z.B. den Gedanken der „Autpoesis“, der Selbsterzeugung von (Kommunikations-)Systemen, auch nur an-denken zu können, weil all die Österreicher dazu ja nix geschrieben haben und Weltökonom Hans-Werner Sinn  wohl auch nicht.

Das ist freilich bei ´Marx schon angelegt, dieser Gedanke, kann man z.B. in „Marx lesen“ von dem Marx-Verbesserer Robert Kurz nachlesen, auch für weltfremde Ökonomen eine recht softe Lektüre, bei der nicht schon beim ersten Gedanken, den man nicht versteht, dann „Jargon“ oder „Geschwafel“ als Abwehrreaktion erfolgt; und er macht dann Sinn, der Gedanke der Eigendynamik und Selbsterzeugung systemischer Prozesse, wenn man ihn in historischer Perspektive in Theorien der sozialen Differenzierung (sowas kennt man da drüben ja gar nicht) nach Klassen, Schichtungen, Perepherie und Zentrum integriert (das ist ja, wenn ich’s richtig verstanden habe, eine der Pointen der Handelstheorien des aktuellen Wirtschafts-Nobelpreisträgers, solche Formen der Differenzierung zu untersuchen und auf de facto Klassen-Modelle, auch wenn er’s anders nennt, zu beziehen), aber eben tatsächlich auch in jene der sozialen Teilsysteme analytisch auflöst, die da im wesentlichen sind Recht, Politik und Wirtschaft (ja, Wissenschaft, Medien usw. klammer ich mal aus, da gehen die anderen Systemlogiken mitten hindurch – ja, Rayson, Du warst es, der „Systemlogiken“ als „Jargon“ qualifizierte).

Wenn man gedanklich soweit mal ist, anstatt rumzupupen, dann wird der Blick auf die aktuelle Krisenlage schon interessanter. Dann, wenn man zur Ideologie, Diskursanalysen und Theorien der generalisierten Kommunikationsmedien zurückkehrt und schaut, wie die sich wechselseitig als Umwelt begreifenden Teil-Systeme in diesen Medien und Diskursform versuchen, als „Umwelt“ Begriffenes zu instrumentalisieren, um sich selbst zu erhalten und ggf. zu wachsen. Was dann zur ehrenwerten und immer wieder richtigen Kritik der instrumentellen Vernunft bzw. Zweckrationalität überleitet, das Feld der Kritischen Theorie, sei’s Adorno oder Habermas.

Dann sieht man auch recht deutlich, wie sowohl Herr Sinn als auch Herr Rayson einfach die Perspektive eines Teilsystems von „Wirtschaft“ einnehmen, das von Banken und „Staat“ gleichermaßen als potenzielle Verfügungsmasse  des je eigenen Gewinnstrebens und Systemerhalts betrachtet wird.

Das verweist zudem auf eine Interferenzzonen zwischen sozialen Teilsystemen wie z.B. der „Finanzwissenschaft“ und der „Finanzwirtschaft“ und „Zentralbanken“, anhand derer deutlich wird, wie unsinnig es ist, in der Staats/Markt-Dichotomie zu denken. Genau jene Sphäre ist es, aus der all die ach so oberschlauen Weltökonomen in der liberalen Blogosphäre ihr ach so profundes Wissen beziehen und Herr Sinn gleich mit: Ob Friedmann oder die klassischen Ordoliberalen, das waren durchgängig diese Leute, die als Philosophenkönige in platonischen Staaten sich erträumten, regierungsberatend, nur daß Leute wie Erhardt wohl noch irgendwie an Demokratie glaubten, vermute ich, Friedman mit seinen Attacken auf „kollektive Entscheidungen“ ja schon nicht mehr. Und mir schwant, wenn Interessenvertreter wie Steffen H. und Herr Sinn ’29 beschwören, daß sie sich schon überlegen, was sie denn tuen könnten, wenn Demokratie nicht mehr in ihrem Sinne agiert, genau das haben sie damals ja auch getan.

Womit der Ort der Argumentation bestimmt wäre: Es geht drüben um ein durchaus theoriekonformes, eigeninteressiertes, herrschaftswahrendes und selbstlegitimierendes Handeln, somit den reinen Willen zur Macht, aber mit Sicherheit nicht um „Wahrheit“.  Ein Wille zur Macht, der sich rechtfertigt mit der „Pferdeäpfel-Theorie“, also: Wenn man das Pferd, die eh schon Begüterten, nur ordentlich füttert, dann fällt für die Anderen schon der eine oder andere Apfel ab; und Rayson argumentiert im selben Paradigma und sowieso sehr ähnlich wie Peer Steinbrück, und es ist eher eine Frage des Stils, daß diese Ähnlichkeit noch niemandem aufgefallen ist.

Um so was wie „Wahrheit“ in’s Auge fassen zu können jenseits der Elementarsatzlehren müßte man schon einen Ort aufsuchen, der irgendwo jenseits der Teilsysteme situiert ist, und ob es den gibt, halte ich mittlerweile für äußerst zweifelhaft. Auch da hatte Marx wohl recht. Der war nämlich außerhalb, unterstützt vom erzeugten „Mehrwert“ der Arbeiter von Friedrich Engels.

Daß es sich um nix anderes als Selbsterhalt handelt, das belegt z.B. der folgende Passus:

„Sorry, Leute, der hier vertretene Liberalismus hat seine Mitte in der Überzeugung, dass staatliche Rahmensetzung wichtig und richtig ist (wir sind keine Ankaps, falls das noch keinem aufgefallen sein sollte), und daher kann es natürlich auch Defizite in dieser Richtung geben, wie sich gerade offensichtlich gezeigt hat.“

Wiederum und wie so oft steht da ja nur was über den Einfluß auf „staatliches Handeln“, nix über die tatsächliche Funktionsweise von Wirtschaft, geschweige denn darüber, was man mit „Staat“ sinnvoll meinen könnte  – worüber sich die Finanzmarktsakteure, die ich kenne, übrigens tot lachen. Die bereiten sich doch längst auf die nächste Blase in ihren virtuellen Märkten vor, quasseln über „antizyklisch“, werden mit Hilfe von Leuten wie Sinn und Rayson dafür die Rahmenbedingungen erhalten, und notfalls hilft ihnen der Staat. Und dann schreiben wieder alle in den liberalen Blogs „theoretisch hätte man die hängen lassen sollen, so wie Lehmann“, bauen ihre platonischen, idealen Welten, und ihr Klientel weidet sich derweil daran, daß sie natürlich immer schon wußten, wie man die eigenen Schäfchen in’s Trockene bringt …

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Written by momorulez

28. Oktober 2008 um 10:16

34 Antworten

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  1. Ganz groß, mein Lieber! Einer der analytisch gehaltvollsten Beiträge seit Langem, den ich nur unterstreichen kann.

    che2001

    28. Oktober 2008 at 10:37

  2. Ich war auch wirklich richtig beleidigt, daß man mir auf „eigenem Terrain“ nun mit „Kreuzberger Nächten“ kommt … da drüben liegt man wohl wirklich wund. Da kenne ich Rayson aber in besserer Form.

    Zudem das mit dem „System“-Begriff echt so eine Sache ist, den benutzen alle, und wenn überhaupt jemand weiß, was genau er da meint, dann kommt (wie bei Luhmann selbst ja auch) eine metaphorische Paraphrasierung von Leuten wie Maturana und Anspielungen an die Biologie.

    Und die Passagen in dem „Marx lesen!“, wo Kurz Marx als Vorläufer der Systemtheorie deutet, die fand ich immer am stärksten …

    MomoRulez

    28. Oktober 2008 at 11:05

  3. So ganz fürchterlich persönlich würde ich das nicht nehmen, aber ich bin ja generell viel seltener beleidigt als Du 😉

    Wenn ich das hier lese:

    „Sorry, Leute, der hier vertretene Liberalismus hat seine Mitte in der Überzeugung, dass staatliche Rahmensetzung wichtig und richtig ist (wir sind keine Ankaps, falls das noch keinem aufgefallen sein sollte), und daher kann es natürlich auch Defizite in dieser Richtung geben, wie sich gerade offensichtlich gezeigt hat.“ kommt mir das ja wirklich ordoliberal vor, nur wenn sie konkret werden sind die Bloggies genau das nicht.

    che2001

    28. Oktober 2008 at 11:59

  4. Viel toller finde ich ja „daraus spricht die Enttäuschung des Ideologen, in Sinn nicht seinesgleichen zu finden“ 😀 – diese Unterstellung irgendwelcher Gefühlslagen, aus denen heraus man nun agieren würde, hatte Steffen H. ja gestern auch probiert, die ist, als würde man liebeskummergeplagten Feministinnen ’ne gescheitertete Beziehung diskutieren.

    Und dann diese Empörung über „ad personam“ – wenn man auf Personen als Personen nicht reagiert, dann ist man schlicht ein Soziopath.

    Zudem eine die „Kreuzberger Nächte“ zitierende und Anderen die Rolle der Ideologen zuschiebende Argumentation unter Zuhilfenahme der Unterstellung irgendwelcher Enttäuschungen ja nicht deshalb nicht ad personam wird, daß man die Person, der man antwortet, nicht erwähnt … statt des zitierten Intros könnte man auch einfach „Du Arschloch mit Deiner ideologischen Verbrähmtheit, Sinn ist doch viel schlauer und objektiver als Du!“ schreiben, und man würde das gleiche sagen. Immer dieser bildungsbürgerliche Distinktionswille ….

    MomoRulez

    28. Oktober 2008 at 13:04

  5. Und Ideologe hat was mit Idiot zu tun, wahrscheinlich.
    Linke sind natürlich grundsätzlich Ideologen und Wirtschaftsprofs grundsätzlich objektiv, solange sie nicht Hickel heißen, dann tritt automatisch Satz 1 in Kraft. Um im Feminstinnenbild zu bleiben: Das ist noch viel schlimmer: Als würde man einer liebeskummergeplagten Feministin ihren Feminismus als rein emotionale Frustrationsreaktion zurechtdefinieren.

    che2001

    28. Oktober 2008 at 13:42

  6. […] Amüsante Backpfeifen für die zahnlosen Irrsinnigen gibt’s übrigens hier. […]

  7. @“das in wesentlichen Teilen ganz anderen Bedingungen und Regulierungen unterliegt als der Rest der Wirtschaft, wie jeder am eigenen Leib erfahren wird, der morgen versucht, eine Bank zu gründen.” —- Stimmt, der Rest der Wirtschaft ist weitaus regulierter als das internationale Kreditgeschäft. Zu den Sicherheiten und Verbindlichkeiten, die Voraussetzungen für das Derivatgeschäft waren dürfte niemand ein Spielcasino betreiben.

    che2001

    28. Oktober 2008 at 19:10

  8. Alleine schon die Vorstellung, man könnte mal eben so durch die Gegend spazieren und ’ne Bank gründen, freier Unternehmergeist, juchhuh!!!

    Um das zu machen, brauchste doch erst mal ’ne Bank, die Dir diesen Schritt ermöglicht … komischerweise hat das ja noch niemand für Hartz IV-Empfänger als Parole ausgegeben, „Gründet Banken!“.

    Da ist man ganz bescheiden bei der „Ich-AG“ geblieben, also Lohnsklaverei auf zeitarbeitsanaloger Basis.

    Daß auch nur irgendeinem von denen die Maschinenbau-Maschinen finanziert worden wären, das habe ich zumindest noch nicht gehört, das klappt wohl auch bei den dollsten Ideen diesbezüglich nicht – um mal Realfälle von Regulierung anzuführen.

    momorulez

    28. Oktober 2008 at 19:19

  9. Während inzwischen sogar die vollautomatische Freiheitströte „Sinn“ Regulierung fordert, so dass man sich fragt, ob der Papst noch katholisch ist, bestehen kümmerliche Reste von Unentwegten darauf, ihre Hl. Deregulierung könne doch unmöglich an dem Desaster beteiligt sein.

    Während der gewitzigte Herr Professor geschmeidig umswitcht, und vom einen Zimmerle seines Elfenbeinturms einfach ins nächste rennt, stampft die Laienspielschar trotzig mit den Beinchen auf den schwankenden Grund, wohl in der Hoffnung, die glaubensselige Zuversicht möge ihn befestigen.

    Nörgler

    28. Oktober 2008 at 19:38

  10. Naja, da wo Rayson vom „Sozialismus“ und Honecker spricht, spricht er nicht anders als sonst, nur dass Honecker bei ihm jetzt auch nicht mehr verantwortlich ist.
    Jetzt gibts halt nur noch System. Aber das entspricht doch – meine ich gerade zu bemerken – der Rede vom „Markt“, der nicht fehlen kann. Nicht? Immer das Selbe.

    T. Albert

    28. Oktober 2008 at 19:48

  11. Ach , Nörgler, aus Dir spricht doch nur die Enttäuschung des Ideologen, in Sinn nicht Deinesgleichen zu finden 😀 … das sind so Sätze, da gacker ich mich irgendwann in so eine Mischung aus Hysterie und Verzweiflung hinein: „Die Enttäuschung des Ideologen, in Sinn nicht seinesgleichen zu finden“. Frustration, das könnte ich mir noch zusammenreimen, aber ENTTÄUSCHUNG?

    Kennste den hier eigentlich schon?

    „Marx’s theory of the crises of capitalism is little more than a melodramatic description of the business cycle — standard fare in economic analysis. Every original contribution that Marx made to our understanding of capitalism is demonstrably false“

    Zitiert vom süßen Daniel drüben bei den FDOG … bei denen gerade ein Weltbild krachend zusammengebrochen ist, weil jemand darauf hinwies, daß ja nicht alle Juden reich und alle Nazis arm gewesen sind …

    momorulez

    28. Oktober 2008 at 19:51

  12. Ein paar Anmerkungen:

    Die Aussage, dass es der Staat ist der die Institution Markt unter aktuellen Bedingungen ermöglicht ist eine Tautologie. Streicht man das ‚aktuelle Bedingungen‘ ist es schlicht falsch, Märkte gab es im DDR-Untergrund, in Kowloon Walled City und gibt es in Somalia ohne das der Staat dafür eine Möglichkeitsbedingung wäre. Ein wechselseitiges Bedingungsverhältnis gibt es demnach nur um tautologischen Sinn, dass wir ohne Staat einen anderen Markt hätten, aber der Staat ist nicht Voraussetzung für Märkte überhaupt.

    Die Interferenzen zwischen sozialen Teilsystemen, widerlegen den Neoliberalismus in seiner politischen Gestallt: der Staat ist eben nicht fähig die pareto-optimalen Regulierungen zu setzten. Die Theorie wird davon jedoch nicht berührt: Wohlfahrtsökonomie lässt sich unabhängig von der positiven Ökonomie betreiben. Erste kann über die Trickle-Down-Theorie auch hinausgehen, was wohl noch nicht zu dir durchgedrungen ist (soviel zur intellektuellen Redlichkeit).

    Wenn Kurz Marx als Vorläufer der Systemtheorie deutet muss es ja stimmen, auch wenn man bei Prigogine Marxzitate vergeblich sucht.

    Fazit: Die Wir Linke sind so toll weil wir das richtige Bewustsein haben Sprüche hättest du dir sparen können.

    Michel

    28. Oktober 2008 at 19:55

  13. @T. Albert:

    Na, mittlerweile, unter Karstens charmantem Eintrag, wurde das Ganze ja dahingehend zu retten versucht, daß es darum ginge, individuelle Verantwortung statt kollektiver Schuldzuweisung zu konstatieren, das ist dann freilich doch die Hartz IV-Logik, zu viele Honecker-Rehabilitierung war dann wohl doch unheimlich … und passend zum Thema „’29“ kommt dann aber auch gleich R.A. um die Ecke und geißelt die „Quasselbude“ bzw. deren Protagonisten, die in den Landesbanken-Gremien saßen.

    Führer müssen her! Wirtschaftsführer! Die zeigen sich „dem System“ ja nachweislich zumeist gewachsen … oer stehen die Villen in Antibes mittlerweile leer?

    momorulez

    28. Oktober 2008 at 19:59

  14. MIchel
    Da steht aber „aktuelle Bedingungen“. Sonst würde es ja nicht da stehen.
    Das Beispiel vom somalischen „MArkt“ ist besonders prickelnd unter den aktuellen Bedingungen. Da sind wir doch froh, dass wir dort unter den aktuellen Bedingungen nur theoretischer Marktteilnehmer sind, nicht wahr?
    Bin begeistert. Noch begeisterter werde ich sein, wenn wir diese Bedingungen hier auch haben werden.

    T. Albert

    28. Oktober 2008 at 20:16

  15. @Michel:

    „Märkte gab es im DDR-Untergrund, in Kowloon Walled City und gibt es in Somalia ohne das der Staat dafür eine Möglichkeitsbedingung wäre.“

    Natürlich war er das – also, bezogen auf die DDR. In Staaten wie der DDR gab es verschiedene Märkte, und der „Schwarzmarkt“, also z.B. der mit Devisen, zog ja sogar die Gründung von eigenen Shops für diese nach sich, auch für DDR-Bürger, was schlicht dem Passus entspricht, daß die staatlichen Institutionen sich nach dem wirtschaftlichen Entwicklungsstand formen. Eine ganz klassisch-materialistische Position.

    Und was tauschte man denn so? Trabbi-Ersatzteile. Die ganze DDR funktionierte, wie in administrativen Systemen, derer es auch in „die freie Wirtschaft“ gibt, üblich, schlicht der Logik einer Doppelung von formellem und informellem System, wobei letzteres ersteres stützt, und das weiß das auch bzw. dessen Protagonisten.

    In Somalia kenne ich mich so gut nicht aus, vermute mal, daß irgendwelche Warlords da für institutionelle Ordnungen sorgen, also so ganz liberalen Vorbildern der Privatisierung folgend; kann jetzt aber ein ganz dummes Klischee sein, dem ich da aufsitze – also bzgl. der Warlords, meine ich 😉 ….

    Aber mal auf den Schwarzmarkt hier nach dem Kriege bezogen – soweit es um Lebensmittel ging, war das der Restbestand der institutionellen Vorkriegsordnung in der Landwirtschaft, soweit es Zigaretten als stückelbares Tauschäquivalent gab, und die sind eben auch nicht vom Himmel gefallen, die Zigaretten. Die kamen von der Siegermacht – den Befreiern.

    „dass wir ohne Staat einen anderen Markt hätten, aber der Staat ist nicht Voraussetzung für Märkte überhaupt.“

    Nein, aber für die, die in die Finanzkrise hineinspielen.

    Intervenierendes Argument wäre, daß manch Hedge-Fonds ja auch den Kaiman-Inseln oder so rumsitzt, formal-rechtlich, oder alle Reeder unter liberianischer Flagge segeln; aber wären diese nicht andockfähig an die staatlich-institutionellen Ordnungen wirtschaftlich gewichtiger Staaten, dann gäbe es das so auch nicht. Worauf ja unter anderem Helmut Schmidt zu verweisen müde nicht wird.

    „Die Interferenzen zwischen sozialen Teilsystemen, widerlegen den Neoliberalismus in seiner politischen Gestallt: der Staat ist eben nicht fähig die pareto-optimalen Regulierungen zu setzten.“

    Hä? Wie meinste denn das? Diese Interferenzzonen belegen, daß Wirtschaft und Staat eh so elendig ineinander verquickt sind, daß all die neoliberale Rhetorik keinen Sinn macht, ja. Und daß Markt ebensowenig „pareto-optimale Regularien“ hervorbringt, warum sollte ein auf Gewinnmaximierung setzendes System das auch tun? Wobei ich übrigens im Gegensatz zu Luhmann den „System“-Begriff als einen theoretisch-analytischen, nicht ontologischen begreife.

    Strafverschärfend kommt hinzu, daß in all diesem Gerede ja z.B. nicht thematisiert wird, ob es sich um demokratische oder sonstwie operierende, politische und rechtliche Systeme handelt im Falle von Staat. Sen hat meines Wissens nachgewiesen, daß es in wirklich demokratischen Staaten keine Hungersnöte gäbe, ist doch paretotechnisch gar nicht so übel, oder?

    „Wenn Kurz Marx als Vorläufer der Systemtheorie deutet muss es ja stimmen, auch wenn man bei Prigogine Marxzitate vergeblich sucht.“

    Wie meinen?

    „Fazit: Die Wir Linke sind so toll weil wir das richtige Bewustsein haben Sprüche hättest du dir sparen können.“

    Nö. Wir haben nicht das „richtige Bewußtsein“, noch lange nicht, sondern teilweise, aber auch nur teilweise, die bessere Theorietradtion 😉 … weil sie komplexer ansetzt und ein Habermas z.B. sich auch mit seinem „Theorie-Feind“, der Systemtheorie, auseinandersetzte und diese in seine Ansätze zu integrieren vermochte (ich warte jetzt auf Widerspruch aus den eigene Reihen 😉 ).

    Ich vermute, weil die Anknüpfungsmöglichkeit an Marx ihm ebenso in’s Auge sprang, schade, daß er das dann später wieder hat bleiben lassen in seiner Rechtsphiloophie …

    momorulez

    28. Oktober 2008 at 20:27

  16. […] Oktober 28, 2008 Als ersten Beitrag in dieser Kategorie sei mir dieses Zitat erlaubt: Nörgler, am Oktober 28th, 2008 um 19:38 […]

  17. Immer wieder schön, diese abstrakten, bloß bekenntnishaften Marx-Bashings. Den Daniel könnte man fragen, da er doch offensichtlich ein profunder Kenner der Marxschen Theorie ist, was denn so alles bei Marx nicht stimmt, insbesondere, wieso seine Analyse der 1850er Krise im 3. Band falsch ist.
    Meine Rede seit den 1970ern: Die Gemeinsamkeit der Marx-Fans der K-Gruppen und der Marx-Gegner ist die inhaltsfreie Erregungsleistung. Sie haben das, worüber sie eifern, nicht gelesen. Das ist alles. Lektüreersatz sind dann Zitate von Leuten, die es auch nicht gelesen haben.
    Dass darüber sich bereits Statler (!) mokiert – nicht einmal das gibt ihnen zu denken.

    Nörgler

    28. Oktober 2008 at 21:26

  18. […] fällt mir das ein? Weil mein Beitrag hier zu einer heftigen Reaktion drüben geführt hat von einem, der eben dachte, es ginge um ihn oder um etwas, was er vorher […]

  19. @“… komischerweise hat das ja noch niemand für Hartz IV-Empfänger als Parole ausgegeben, “Gründet Banken!”.“ — Da würde „überfallt Banken!“ ja zunächst mal auch viel näher liegen, komisch, dass darauf noch niemand gekommen ist.

    che2001

    28. Oktober 2008 at 22:02

  20. […] Aha. Ha.Ha. Der autobahnbedröhnte Gnom hat offenbar Wahnvorstellungen… […]

  21. Statler ist ja auch ein Guter 😉 …

    Sie kennen ja auch offensichtlich keine richtigen Geschichtsbücher, sondern nur ihre „liberalen Klassiker“, und lesen diese dann als Historienwissen, siehe oben im Eintrag. Dafür ist der süße Daniel nur ein Symptom.

    Habe eben mal wieder in „meinem Berding“ über den modernen Antisemitismus und die verschiedenen Ausprägungen in der Parteienlandschaft so ’29 bis ’33 gelesen.

    Gut, das Buch ist von 1988, Che wird wissen, welche neueren Forschungen es gibt, damals hat meine Geschichts-Prüferin vom „Institut für die Geschichte der deutschen Juden“ es als besten Überblick empfohlen.

    In der Tat haben die Nazis Wort-Reihungen von „barbarischen Bolschewisten und geldgierigen Kapitalisten“ zustande gebracht, aber das eben nur, weil da zuerst und über allem anderen der antisemitische Rassewahn und die Über-Erhöhung des Deutschtums zur „Herrenrasse“ thronte und dann Juden ganz generell und in allen Belangen, vornehmlich auch im Falle des „Völkerbundes“ (na, wer wettert heute gegen die UNO? Struktureller Antisemitismus?,) als „parasitär“ im allerdirektesten Wortsinne gegeißelt wurden (man kann das wörtlich ja gar nicht zitieren, was da so geschrieben wurde), da ist die spezifisch-„antikapitalistische“ Ausrichtung, soweit systematisch überhaupt vorhanden, nix anderes als ein Spezialfall eines widerlichen Rassismus, der als eine Art Erlösungsbewegung auftrat , und diese Erlösung war der Führer, nicht der Staat.

    Die DNVP hatte ab 1920 dezidiert antisemitische Elemente in ihrem Programm, na, und wer da so agierte, das ist ja auch bekannt. Das alleine ist ja schon so haarsträubend an dieser Sinn-Freiheit: Daß die ganzen Wurzeln im Kaiserreich das geflissentlich ignoriert werden.

    Die DVP, die sich in der Tradition der Nationalliberalen sah und in etwa das Klientel bediente, mit dem wir uns hier immer kabbeln, bekannte sich kurz vor der Machtergreifung offen zum Antisemitismus, nachdem ihnen nach dem Tod Stresemanns die Wähler abhanden kamen, vorher haben sie schlicht gar keine Stellung bezogen.

    Zuvor waren sie aber wie ja fast das ganze Bürgertum, teilweise bis heute, eben der Ansicht, daß der Antisemitismus ja eine Marginalie sei angesichts der kommunistischen Gefahr.

    Die linksliberale DDP bekämpfte den Antisemitismus, hatte aber irgendwann kaum noch Wähler.

    Das Zentrum hielt sich bedeckt bis solidarisch mit den Juden.

    Vereinzelt zündelten Kommunisten ganz außerordentlich derbe, bekamen dann aber ordentlich Ärger mit ihrer Partei. Die den Antisemitismus ähnlich wie die Sozialdemokraten folgendermaßen deuteten:

    „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands zählte zu den entschiedensten Gegnern des Antisemitismus. An der schon im Kaiserreich eingenommenen Haltung änderte sich wenig. Nach wie vor sah die Sozialdemokratie den Antisemitismus als eine Ideologie an, die die wegen der sozialen Verhältnisse im bürgerlichen und bäuerlichen Mittelstand weite Verbreitung fand, ehemals dem Interesse der Herrschenden gedient hatte und nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches die Funktion erfüllte, den reaktionären Kräften in ihrem Kampf gegen die Weimarer Republik eine Massenbasis zu verschaffen. (…) Die Sozialdemokratie war Anfang der dreißiger Jahre die einzige einflußreiche politische Partei, auf die sich die jüdische Minderheit verlassen konnte.“

    Helmut Berding, Der moderne Antisemitismus, Frankfurt/M. 1988, S. 218-219

    Na ja, und wer gegen das „Ermächtigungsgesetz“ stimmte, das wissen wir ja auch. Also wir hier, die wir das ja alles in Grundzügen wissen, weil wir nicht nur von Mieses und Hayek lesen.

    Viel häufiger als mit „Finanzjudentum“ wurden Berding zufolge Juden mit dem Bolschewismus identifziert, was auch und unter anderem an den Protagonisten der Münchener Räterepublik lag und den vielen jüdischen Linksintellektuellen.

    Interessant auch der folgende Passus zur Entwicklung der NSDAP:

    „In der Phase des Übergangs zur Massenpartei und bei den Wählkampfen der Jahre 1930 bis 1932 lag der propagandistische Akzent (…) auf der Bekämpfung von Marxismus und Parteiendemokratie.“

    Ebd., S. 206

    Muß man ja nicht noch kommentieren. Wie gesagt: PARTEIENDEMOKRATIE, lieber R.A.

    Mit der Marx-Lektüre machen die das genau so wie mit der Realgeschichte: Man steigt nicht hinab in die Werke, liest noch nicht mal sowas wie den Kurz, nein, man beschränkt sich wiederum auf die Kritiken in den je eigenen Klassikern, die zumeist unter dem akuten Eindruck des Stalinismus entstanden sind.

    Und dabei kommt dann sowas bei raus: Man lese das „liberale Schwergewicht“ Robert Nef (mit dem durfte ich ja auch mal streiten, jenseits eines eng gesteckten Begriffssystems kann der gar nicht kommunizieren):

    „Das gab es alles in Dreissigerjahren auch schon: Rote und braune Fäuste, der Schulterschluss der Antiliberalen und antibürgerliches Gegröl von links und rechts. Es ist schwierig, darüber anders als satirisch zu schreiben.“

    http://www.schweizermonatshefte.ch/blog/2008/10/24/der-populiusmus-gegen-bosse-bonzen-und-banken/

    Den letzten Satz will er wohl auf sich selbst angewandt wissen, „Schulterschluß“, ich lach mich tot, die haben sich wechselseitig verprügelt und gemeuchelt, jo@chim bejubelt genau das Zitat dann wider besseren Wissens – der Fall war, daß ausgerechnet Katholiken halbwegs resistent waren (Zentrum), ansonsten Kommunisten und Sozialdemokraten, und das bürgerliche Lager, abgesehen von den Linksliberalen, eben mit den Nazis und deren Antisemtismus kollaborierte, um die Linken zu verhindern.

    Was sich jetzt eher an die allgemeine Leserschaft richtet, unsereins hat ja sowas noch in der Schule gelernt 😉 …

    Noch’n Punkt, uns bekannt, aber im Sinn-Kontext noch mal erwähnt: Die NSDAP war ursprünglich eine Mittelstandsvereinigung und rekrutierte seine Anhänger aus dem Kleinbürgertum, das sich in seiner Existenz bedroht fühlte. Das war der Klempner von McCain.

    In Hamburg kann man das ganz gut anhand der Stadtviertel nachvollziehen: Während in St. Georg, wo eher Handwerksbetriebe und ähnliches angesiedelt waren, die Nazis ziemlich erfolgreich waren, bekamen sie in Hammerbrook, reines Arbeiterviertel, keinen Fuß auf den Boden.

    In Altona ähnlich, der „Altonaer Blutsonntag“ ist ja dem einen oder anderen auch bekannt, da folgten schließlich die ersten offiziellen Hinrichtung im 3. Reich drauf, und es waren keine Liberalen, die es erwischte … daß der Nationalsozialismus zutiefst anti-liberal ist, ist natürlich auch der Fall dann, wenn man diesen nicht auf Wirtschaftsliberalismus verkürzt. Die Bürgerrechte und die Demokratie haben jedoch die Sozialdemokraten verteidigt …

    Bemerkenswerterweise wurden die genannten „Arbeiterviertel“, Ausnahme: Barmbek-Nord, nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut – und da, wo einst die Kommunisten in „Altona Altstadt“ hausten, sind heute groooooooße Straßen und häßliche Hochhäuser aus den 50ern, 60ern mit gaaaaanz viel Park drumherum.

    So, war jetzt ein eigener Eintrag, hatte gerade gelesen 😉 ….

    momorulez

    28. Oktober 2008 at 22:58

  22. @Che:

    Jetzt folgst du aber ein wenig der Annahme, daß Wirtschaft immer das ist, womit Arbeitnehmer nur über Vertragsbeziehungen in Kontakt kommen, ansonsten gehören die da gar nicht mit rein, ihre Interessen auch nicht, und Arbeitslose schon gar nicht, die sind das Außen ….

    momorulez

    28. Oktober 2008 at 23:00

  23. @Momorulez, schon klar, aber deswegen muss ich doch nicht die Interessenlagen „der Wirtschaft“ übernehmen, und falls Verelendung kommen und die zu Konsequenzen führen wird, dann sollten sich doch die hohen Herren doch nicht allzu sicher sein, dass die zu kurz gekommenen nicht über „in Erwägung, ohne Euch reichts für uns schon“ und „Bürger, macht Euch keine Sorgen, plündern tun wir morgen“ nachdenken werden. In Brasilien reicht die Verspätung eines Zugs voller Tagelöhner aus, dass die einen Bahnhof auseinandernehmen. Zum Standpunkt bürgerlicher Kriese fällt mir übrigens eine Parole aus den 30ern ein, ohne die die französische Kapitulation 1940 nicht erklärbar wäre: „Plustot Hitler que Léon Blum.“

    che2001

    28. Oktober 2008 at 23:27

  24. Das war doch jetzt auch nur’n Spruch, weil ich den halben Tag damit beschäftigt war, über diese Luhmann-These zu grübeln, daß das System „Bewußtsein“ nicht Teil der sozialen Systeme sei – „der Mensch“ also nicht Teil der Kommunikationssysteme.

    Was mich als ollem, sprachphilosophisch gedrillten Heini ja wurmt, aber irgendwie fiel mir das dann auf, was ich oben geschrieben habe, und ich mußte es eigentlich nur loswerden 😉 … hätte auch einfach „ja!“ schreiben können.

    momorulez

    28. Oktober 2008 at 23:31

  25. Und ich als oller, bewegungslinker, historisch-arbeiterbewegungsmäßig draufer Altaktivist denke dann immer zunächst an die nächstmögliche Eskalation. Da ist mir im Zweifelsfall P.P.Zahl näher als Niklas Luhmann, und Bloch (also der Franzose, nicht der Deutsche) geläufiger als Hab-Er-Maß. Und, um mit Klaus Hoffmann zu sprechen, „das geht mich immer noch an, was gewesen ist, treibt mich, hält mich im Bann“.

    che2001

    28. Oktober 2008 at 23:55

  26. Zum Bestandstück der Salonmarxologischen Lehre gehört die These, dass der Kapitalismus dereinst global durchführt, was er bislang nur regional erzeugt: den Rücksturz in die Steinzeit, allerdings mit dem Unterschied, dass die erste Steinzeit ein Aufbruch war, die zweite aber nur ein Abbruch ist.

    Somalia-Michel, dessen Marktbegeisterung auch dann ungebrochen sein wird,

    „Ach Michel, es ist alles so schrecklich hier!“
    „Aber schau, Spatzl, eins, ja, eins haben wir noch: das Aller-Allerwichtigste, etwas, das uns niemand nehmen kann.“
    „Ach Michel, Du hast so recht – Wir haben uns!“
    „Ähm, Spatzl, ja … das auch …“

    darf vorbereitend schon mal überlegen, auf welcher Seite der Gleichung „1 Steinaxt = 2 Frauen wert“ die Äquivalentform, und auf welcher die relative Wertform steht.

    Noergler

    29. Oktober 2008 at 0:46

  27. Es ist ja sehr einfach: der Historien-Stuss, den Herr Nef wieder ablässt, ist nix weiter als Entschuldungsdiskurs, und nur darum wird dem so gerne von all den prinzipiell Unschuldigen Beifall geklatscht und nur darum setzt sich dieser Schulterschluss-Blödsinn und das rechte Rinks-Lechts-Geschwätz gerade so fest.
    Irgendwann wird aber bei den Verdrehungen ganz offiziell und im Kapitalismus rauskommen, dass die europäischen Juden sich selbst entleibt hätten, und niemand sonst dabei gewesen sei. Amoklaufende Psyche.

    T. Albert

    29. Oktober 2008 at 1:16

  28. @“Zum Bestandstück der Salonmarxologischen Lehre gehört die These, dass der Kapitalismus dereinst global durchführt, was er bislang nur regional erzeugt: den Rücksturz in die Steinzeit“ — Das ist nur die Rückkehr zur ursprünglichen Akkumulation, nachdem die Überakkumulation implodiert ist. Ein neuer Aufbruch ist durchaus möglich, aber vorher muss kräftig vernichtet werden – schöpferische Zerstörung. Interessant ist zu schauen, ob und wo da eine Perspektive für soziale Kämpfe ist.

    che2001

    29. Oktober 2008 at 8:08

  29. Yo, danke. Das möcht hier wohl rechtes (linkes 😉 ) sein.

    @ che: naja eben. Alles abreißen, alle Hotels, und zurück auf „Start“ – allerdings im gegensatz zu „Monopoly“ ohne dass jeder zu beginn 30.000 bekommt…

    Diese Krise wird den Kap. nicht schwächen. Die werden mit uns Schlitten fahren vom feinsten…

    hartmut

    29. Oktober 2008 at 11:54

  30. Die ursprüngliche Akkumulation war jeweils eine Angelegenheit brutalstmöglicher Verfahrensweisen durch die gewaltsame Expropriation der Bauern, ihrer mit Feuer und Schwert durchgeführten Trennung von ihrer Revenuequelle, um Arbeitskräfte für die Fabriken zu generieren; das ganze übrigens – libertäre Staatskritiker aufgepaßt! – auf der Grundlage von Gesetzen, die der keine Gewaltorgie scheuende Staat erließ und durchsetzte.
    Man sieht, dass damals wie heute der „aktivierende Staat“ (Hartz 4-Jargon) es nicht verdient hat, von gewisser Seite immer so beschimpft zu werden.

    In der Versteinzeitlichung sehe ich eher eine Dystopie, in der entweder Eiweißverbindungen auf diesem Planeten überhaupt nicht mehr vorkommen, oder allenfalls noch einige Horden verseuchter Zombies durch die Gifthöllen kriechen.

    Nörgler

    29. Oktober 2008 at 12:40

  31. Denn in Wirklichkeit sehnt sich der Mensch nicht nur nach Strumpfenband und Zwicker, in Wirklichkeit sehnt sich der Mensch ja noch viel zurücker.
    Wenn in Physik und in Chemie wir schön fleißig und nicht dumm sind, ist´s möglich, dass bald schon wir im Paläozoikum sind. Ach wär das schön, das wäre sie, die absolute Nostalgie.

    che2001

    29. Oktober 2008 at 13:06

  32. @momorulez, am Oktober 28th, 2008 um 22:58

    Es ist ja schon interessant, dass genau auf sowas schlicht und einfach nicht reagiert wird, egal wo man das anbringt.
    Auch Rayson stellt sich nur wieder auf seine übliche eingebildete Meta-Ebene, von der aus er einmal mehr alle anderen mit Godwin^s Law und ähnlichem misst und entschärft, zwischendurch kommt dann aber in einer Antwort auf Statler, dass Marx ein Antisemit gewesen sei. Herr Sinn hat halt Unfug gesprochen.

    @MIchel

    Na, und jetzt?Jetzt sagste wieder nichts.

    Ich will dir auch nochmal was sagen: Ich glaube ja, dass die Somalis die Vorteile ihres Zustandes, in dem sie sich Dank der Kriegsherren aller Länder und ihrer mit denen verbundenen lokalen Warlords befinden, nicht richtig bewusst sind. Die können diese Vorteile gar nicht schätzen, hat man den Eindruck. Auch im Dreissigjährigen Krieg gabs ja einen Markt bei brutalstmöglicher Entstaatlichung, da sollen die sich dort mal nicht so anstellen und die „Islamischen Gerichte“ gut finden, was ja glücklicherweise auch schon vorbei ist. ich vermute mal, dass es den freien somalischen Markt seit den italienischen Kolonialherrenmenschen gibt.
    Aber ich verstehe das alles, glaubich, immer weniger.

    T. Albert

    29. Oktober 2008 at 14:00

  33. @ momo: Es ist mir schon fast zu blöd, aber hier deine Antwort: Drogen gab es in der DDR wohl nicht. Warlords sind Mangels Monopol kein Staat. Zigaretten sind wegen fehlendem Annahmezwang nur bedingt mit staatlichen Währungen zu vergleichen.
    Extra für dich: auch in der in Steinzeit gab es Märkte. Jetzt bin ich mal gespannt wo, du den Staat herzauberst.
    Auch Häuser- und Kreditmärkte wurden schon bei Halbnormaden angetroffen.

    Hier wiedersprichst du dir:
    „Diese Interferenzzonen belegen, daß Wirtschaft und Staat eh so elendig ineinander verquickt sind, daß all die neoliberale Rhetorik keinen Sinn macht, ja. Und daß Markt ebensowenig “pareto-optimale Regularien” hervorbringt, warum sollte ein auf Gewinnmaximierung setzendes System das auch tun.“

    Wenn staatliche Eingriffe keine Verbesserung bewirken können, ist das Marktergebnis bereits optimal und mehr vertrete ich auch nicht.

    „Strafverschärfend kommt hinzu, daß in all diesem Gerede ja z.B. nicht thematisiert wird, ob es sich um demokratische oder sonstwie operierende, politische und rechtliche Systeme handelt im Falle von Staat.“

    Auf der Ebene der einzelnen Regulierung, das ist nun mal der Gegenstand neoliberaler Wohlfahrtsökonomie, spielt deren zustande kommen keine Rolle. Hier setzt die libertäre Kritik ja auch an.

    Ich :“Wenn Kurz Marx als Vorläufer der Systemtheorie deutet muss es ja stimmen, auch wenn man bei Prigogine Marxzitate vergeblich sucht.”

    Du: „Wie meinen?“

    Ne, die Pointe verrate ich jetzt nicht.

    @ Nörgler: Meines Wissens fehlt in der Marxistischen Krisentheorie die Elemente die eine richtige Katastrophentheorie ausmachen. Durch Überakkumulation wird zwar ein Punkt bestimmt der die Produktion begrenzt, dieser kann (in der Marxistischen Theorie) auch langfristig sinken, Marx erklärt aber nicht, wie die Produktion diesen Punkt kurzfristig übersteigen kann.

    Wo führte der Kapitalismus eigentlich mal zu einem Rückfall in die Steinzeit?
    Somalia-Michel soll wohl an Kongo-Müller anspielen, naja was erwartet man von Linken auch anderes als die Unterstellungen, man fräße kleine Kinder.

    @ T. Albert: Stell dir vor es gibt Menschen die haben noch ein anderes Leben als Blogen.
    Damit du nicht dumm stirbst: dem Ancap geht es bei der Abschaffung es Staates weniger darum, dass der Name Staat das damit Bezeichnete das Böse anhext (das würde ein organisches Staatsverständnis vorrausetzten), sondern um die vom Staat ausgehenden Zwänge und Rechtsverletzungen. Wenn der Staat durch andere Gewaltgebilde ersetzt wird, ist aus der Sicht des Ancaps keine Verbesserung erreicht.

    Michel

    30. Oktober 2008 at 19:44


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