shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

„Gottseidank nicht England“: Wie wir wurden, was wir sind

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„Man war Teil einer Bewegung – die vielleicht erstmal von außen gar nicht wahr genommen wurde – aber es war eine echte Bewegung und man war stolz wie sonst was. Klaus Maeck spricht im Film vom „Zusammenbruch“. Genau so habe ich das auch empfunden, als unser Ding von der Industrie überrannt wurde. Das war wie ein verlorener Krieg. Das war das Grauen. Viele – ich auch übrigens – waren dann die ganzen 80er hindurch komplett orientierungslos. Oder sind es teilweise immer noch. Das sind teilweise Dramen.

Nun bin ich, Anfang der 70er geboren, erstmals mit der deutschen Musik in faszinierende Berührung geraten, als die Neue Deutsche Welle aufkam. Ich habe Nena, Trio und Extrabreit nicht als kommerzielle Popstars angesehen, sondern als Heil bringende deutsche Revolutionäre. Überhaupt: Viele Angehörige meiner Generation sieht genau diese Musikbands der frühen 80er Jahre als eben das an, was die Punkpioniere der 70er für sich selbst in Anspruch nehmen und Bands wie Nena absprechen. Wie geht das zusammen?

Tja, das ist eben der Grund warum ich das Buch geschrieben habe. Weil es zwar für den Einzelnen so gewesen sein mag, dass solche Leute als Revolutionäre erschienen. Aber sie waren es halt ganz einfach nicht. Kein bißchen. Sie wurden nur so verkauft. Dass das nie erkannt oder einfach wieder vergessen wurde, lag aber natürlich nicht nur an den Medien und der Industrie. Das lag an besagter Depression, aber auch an diesem elitären Denken von Leuten wie Peter Hein, Gabi Delgado oder Blixa Bargeld.“

Puh. Stehe noch akut unter Existenzschock. Habe das Buch gerade mal wieder gelesen.

Gibt solche Erfahrungen, die einen immer wieder, immer wieder neu einholen, weil ihnen Paradigmatisches innewohnt. Weil sie ihre Aktualität nicht verlieren. Und dieser Epochenbruch in den späten 70ern, frühen 80ern ist einfach so eine Erfahrung, die sich auf Nostalgie nicht reduzieren läßt.

Es ist kein Zufall, daß gerade um die Jahrtausendwende, als kurz darauf auch diese so großartige „Verschwende Deine Jugend“ erschien, dieser Bruch bei so vielen wieder in’s Gedächtnis schwappte, und das ja nicht nur, allerdings auch wegen des Buches selbst.

Es war die Zeit, als Techno sich längst tot gelaufen hatte und Hip Hop auch nicht mehr so recht wußte, was er sein sollte oder wollte. Als man allmählich vom Schock neoliberaler Propaganda sich erholte und wieder Widerworte fand – was heißt „man“ , vielleicht ist dieser Teil wirklich reine Autobiographie, dieses Gefühl ohnmächtiger Wut fast 10 Jahre lang, das die richtigen Worte nicht mehr finden konnte. Das zwar Sätze produzierte wie „Clement ist Feind, klar“, aber darüber hinaus nicht anders sich zu helfen wußte, als zumindest teilweise einfach widerwillig mitzuspielen. Obwohl man doch wußte, daß es falsch ist, da auch noch für’s gute Gewissen anderer Leute zu sorgen. Hört ja gerade erst auf, diese biographische Phase.

Habe ungefähr zum Zeitpunkt, als Jürgen Teipel für sein Buch all die Gespräche führte, mit einem Teil der Protagonisten auch lange Interviews geführt – Gudrun Gut, Blixa Bargeld, Moritz R., die Toten Hosen. Mit Carmen Knoebel und Klaus Maeck führte ich teils lange und sehr beeindruckende Recherche-Vorgespräche.

Zeitgleich jedoch sprach ich auch mit den „Bösen“: Kai Hawaii, Anette Humpe, Wolfgang Niedecken, Klaus Hoffmann, Konstantin Wecker, Ina Deter. Das Interview mit Nena mußte jemand anders für mich übernehmen, die hatte schon mal eines mit mir abgebrochen, da bin ich bis heute stolz drauf. Die hatte ich schon damals in den frühen 80ern gehasst.

Extrabreit, Trio oder Ideal allerdings nicht, bis heute nicht. Also jene „kommerziellen Rocker“, die so wortreich in „Verschwende Deine Jugend“ an die Wand gestellt werden.  Kann auch Hoffmann oder Wecker bis heute nicht hassen, ganz im Gegenteil, ich liebe sie, und der Niedecken war einfach suppernett. Auch wenn ich es im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen kann, damals bis nach Fallingbostel gefahren zu sein, um mir ein BAP-Konzert anzuschauen.

Dennoch: Hatte ja was von desorganisiertem Geschmacks-Stalinismus, dieser Indie-Purismus einst, der solche Leute schlachtete. Als seien die die Bösen gewesen. Nur daß er im Gegensatz zu Die Grünen nie den Hauch einer Chance hatte, an die Macht zu kommen – und das im Gegensatz zu denen schon programmatisch nie gewollt hätte.

Als ich die Interviews bearbeitete, flogen gerade Bomben auf den Kosovo; kurz zuvor war Lafontaine von allen SPD-Ämtern zurückgetreten. Es war grotesk, sich mit der Friedensbewegung zu beschäftigen, während ausgerechnet unter Joschka Fischer dann Deutschland in den Krieg zog.

Und liest man jetzt, wiederum, 10 Jahre später, in zwei Tagen es geradezu aufsaugend „Verschwende Deine Jugend“ wieder, die Agitation gegen die „Hippies“ erscheint ja fast prophetisch angesichts dieses Total-Desasters „Rotgrün“ und nummehr sogar „Schwarzgrün“ hier in Hamburg. Damals, als Bomben auf den Kosovo flogen, habe ich das noch als Verrat an mir persönlich erlebt, daß sie flogen, schäme mich ja bis heute nicht dafür, daß ich da einst mitmarschierte.

Und bin trotzdem bis heute ambivalent eingestellt in der Frage, ob wirklich „Mittagspause“ da die adäquate Antwort war. Und all diese großartigen Menschen, die ich befragte, die führten kruisoerweise zu was ganz anderem: Daß ich ich dann im Klaus Hoffmann Konzert saß, er „Der Boxer“ anstimmte, diese Zeile „Das geht mich immer noch an, was gewesen ist hält mich, zieht mich in Bann“ – und ich eher diese Wurzeln wieder annahm, das war ja viel schwieriger damals und ist bis heute, als von Östro 430 zu erzählen.

Daß vor meinem geistigen Aufge das hellbraun gestrichene Zimmer mit dem Ikea-Regal aufschien und ich heilfroh war, es gehabt zu haben. War ja irgendwann komplett uncool, und ich war auf einmal ganz stolz, so uncool gewesen zu sein.

Das ist der eingangs beschworene Existenzschock. Genau diese Ambivalenz. Den hatte ich damals nach Interview mit Blixa Bargeld auch. Da waren bestimmt 10 Leute im Raum um uns herum, und es war mucksmäuschenstill. Das hatte eine Intensität, von der ich mich Wochen nicht erholt habe, dabei galt er zu jenem Zeitpunkt schon als total ausgelaugt und durch. Von wegen. Er war ungewöhnlich sanft, obgleich alle ihn für einen Journalistenfresser hielten, melancholisch, man spürte Trauer und Erschöpfung, dennoch: Da drang eine Konsequenz und Kompromißlosigkeit auf mich ein, daß ich mir schon vorkam wie einer der Wirtschaftswunder-Väter mit ihrem Diktum „Keine Experimente, nur nicht auffallen, und wer’s tut, bekommt auf die Schnauze“, und das sogar völlig zu recht.

Um diese frühen Zeiten des Punk in Düsseldorf, Berlin und Hamburg miterlebt zu haben war ich einfach ein paar Jahre zu jung; und wahrscheinlich wäre ich auch so erst mal Öko geworden. Hatte trotzdem Sampler mit dem KFC und solchen, meine Östro 430- und Hans-A-Plast-Platten, die von Fehlfarben und D.A.F.natürlich auch, wie schon häufiger hier erwähnt; geht mir ja auch gar nicht um meine Plattensammlung von einst, sondern um diese seltsame Dreieck, das damals „Jugendkultur“ ausmachte und das mir immer noch so brandaktuell erscheint, so brandaktuell, daß ich manchmal das Gefühl habe, „die ’68er“ werden bis heute nur deshalb so intensiv immer weiter bearbeitet, weil dieser Bruch damals nie aufgearbeitet wurde: Da waren eben einerseits „die Bewegten“, Ökos und Friedenskämpfer, dann anderseits der ja fast ein Jahrzehnt immer weiter zusammenbrechende Punk- und Post-Punk-Indie-Underground, aber eben auch diese Möglichkeit des Pop, in den zumindest ich mich später flüchtete. Ja, flüchtete, der mir dennoch bis heute auch was Gutes zu enthalten scheint, und zumindest Ideal sind für mich da bis heute nicht minder paradigmatisch als dieses erste Fehlfarben-Album, auch wenn Herr Teipel mir dafür wahrscheinlich ’ne Bierdose an den Kopf schmeißen wollen würde oder ’nen  Bass über die Rübe ziehen.

Und all das stand Kohl und den Poppern, später Yuppies, den Börners und Dreggers und Lambsdorffs und Mode-Wavern gegenüber, die alle nur Seiten der gleichen Medaille waren. Und dann gab’s da, kurz darauf, noch sowas:

„Die 70er Jahre neigten sich dem Ende zu, in London rebellierten die Punks, in Hamburg die Popper. Das Jahrzehnt der Sozialdemokratie entartete in öffentlichen Gesamtschuleinrichtungen, Millionen Pädagogik-Studenten und -innen, J.J.-Cale-Musik, Schlaffheit. Jeder aufrechte Bürger wünschte den Sozialdemokraten den Tod, die das Land skandinavisiert hatten, verholländert, verdämmert. Der Schwung der frühen Jahre war dahin, geblieben war eine Haschisch-Mentalität: Alles nich‘ so verbissen sehn. Als ich eines Tages miterlebte, wie zwei Polizisten sich an einem Sit-In beteiligten, für irgendwas, gegen irgendwas, Größenordnung vierte Novellierung der Rentenansprüche im Zweiten Hochschulrahmengesetz, und sich dabei Strohhalme in die über den Uniformkragen wuchernden Haare steckten, trat ich spontan in die CDU ein. So resümiert es der Ich-Erzähler in Mai, Juni, Juli . Freilich trat dieser auch schnell wieder aus der CDU aus – oder war es Lottmann selbst?“

Puh. Auch darin besteht der Existenzschoc: Daß dieses zelebrierte Antihippietum zwar einerseits so heroisch, so großartig, so konsequent war. Daß es aber umgekehrt den Boden bereitet hat für Schröder, für liberale Blogs und all diesen ganzen Quatsch, der „gegen links“ sich generiert und allerlei Ästhtisierung dagegen setzte. Daß er unfreiwillig zur Tempo führte, zu Stuckrad Barre und Poschardt und Bushido und Mercedes Bunz. Und die Goldenen Zitronen letztlich als einsame Rufer in der Wüste zurück ließ … weil er Salonmarxologen zum Verstummen bringen wollte.

Na, aber wenigstens habe ich jetzt meine mittels Private Equity Fonds finanzierten Tage so gut wie hinter mir und fange einfach mal neu und noch mal richtig an. Man soll sich ja nicht aufgeben und selbst historisieren, nur weil man gerade „Verschwende Deine Jugend“ gelesen hat … aus der Zeit ist trotz Jute-Tasche und Strick-Pullover einst so viel in mir konserviert, daß ich gestern einen Heulkrampf bekam, als ich das hier hörte. Und dann ist ja noch alles gut.

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Written by momorulez

2. November 2008 um 12:13

60 Antworten

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  1. Keine inhaltliche, sondern nur formale Kritik: Es ist unheimlich schwer, diesen Post zu lesen, da er teilweise auf Schriftgröße „x-small“ gestellt ist. Es wäre gut, momo, wenn du beim Copy&Paste die Schriftformatierung rausnähmst bzw. nicht mit einer Textverarbeitung, sondern einem ganz normalen Texteditor schriebst.

    Frank

    2. November 2008 at 13:28

  2. Die Kleinschrift habe ich gar nicht gelesen, das kriegt mein Auge nicht hin. Wer sind Peter Hein, Delgado und Mercedes Bunz? Muss man die kennen?

    chezweitausendeins

    2. November 2008 at 15:14

  3. Es scheint generell bei politischen und kulturellen Subkulturen und Zeitgeistströmungen die Tendenz zur Selbstverabsolutierung zu geben. Viele 68er nehmen alles, was nach ihnen kam nicht mehr ernst. Und auch Leute, die wie ich 82er sind kommen aus dem Staunen nicht heraus, wenn ich ihnen vom Lebensgefühl radikaler Linker in den 90ern erzähle oder bestreiten sogar, dass es das zu dieser Zeit noch gab – denn nachdem sie selber aus der linken Szene ausgestiegen sind, nahmen sie einfach nicht zur kenntnis, dass es da weiterging und machten ihren persönlichen Bruch vor ihrem inneren Auge quasi zu einem historischen Ereignis. Während ich bei der Lektüre von Generation X das Gefühl hatte, da würde eine ganz andere als meine Generation beschrieben und ich mit dem Ganzen wenig anfangen konnte.

    chezweitausendeins

    2. November 2008 at 15:29

  4. @Che: Oh, da muss ich als 1989er aufpassen. Danke für den Hinweis;-)

    stefanolix

    2. November 2008 at 15:39

  5. Und um das weiterzuführen: Momentan organisieren Jugendliche gerade einen bundesweiten Schulstreik mit einem sehr sinnvollen Forderungskatalog, um eine bessere Unterrichtsversorgung hinzukriegen. Wir haben zwar „Hurra, hurra, die Schule brennt“ gesungen, aber DAS haben wir nicht hingekriegt. Diese SchülerInnen lassen nicht mehr alles mit sich machen. Vielleicht erwächst daraus ja auch eine neue politische Strömung – 67 hatte es auch mit Forderungen nach einer Bildungsreform angefangen.

    P.S.: Ich bin also doch nicht der Szeneopi, der sich nur mit „früher war mehr Lametta“ beschäftigt 🙂

    chezweitausendeins

    2. November 2008 at 16:27

  6. @Frank:

    Wußte nicht, wie man die Formatierung rausnimmt … und irgendwie paßte es auch zum Thema, diesen Layout-Wirrwarr da so zu belassen, rein formal.

    @Che:

    Ja, Peter Hein und Gabi Delgado MUSS man kennen, imn der Tat, Mercedes Bunz nicht …

    „Die Kleinschrift habe ich gar nicht gelesen, das kriegt mein Auge nicht hin.“

    Ja, das kennt man ja nicht anders von Dir 😉 ….

    „Es scheint generell bei politischen und kulturellen Subkulturen und Zeitgeistströmungen die Tendenz zur Selbstverabsolutierung zu geben.“

    Nur, daß dieser Kommentar auf die verlinkte Szene angewandt nicht hinhaut, das war tatsächlich ein Epochenbruch, man muß ja nun nicht immer gleich projizieren 😉 – wenn auch nicht ein so gewaltiger wie die ’89er von Stefanolix.

    Wobei es ja diese Punk-Cassetten-Szene mit Feeling B. und so im Osten auch gab, und die war was ganz ähnliches …

    MomoRules

    2. November 2008 at 17:25

  7. Ich kenne nur Dr. Delgado, das war in den 70ern eine Fernsehserie um einen Forschungstaucher, die ich damals mit Begeisterung sah – so die anspruchsvollere Variante von „Flipper“, quasi 😉

    Das einzige Mal, dass ich von Mercedes Bunz las, war bei einem Kommentar von Dr. Dean, der einen Zusammenhang zwischen dieser mir unbekannten Dame, Genderforschung, Butler und Postmoderne herstellte.

    Und jetzt weiß ich immer noch nicht, wer Gabi Delgado und Pter Hein sind….

    @Nur, daß dieser Kommentar auf die verlinkte Szene angewandt nicht hinhaut, das war tatsächlich ein Epochenbruch, man muß ja nun nicht immer gleich projizieren 😉 – wenn auch nicht ein so gewaltiger wie die ‘89er von Stefanolix.—- Was soll mir das jetzt sagen? Dann war 68 kein Epochenbruch? Würde ich aber massivst bestreiten. Und 77/78 (Punk-Revolution, Deutscher Herbst, Crest-Malville, Gründung der Grünen Listen, Tunix-Kongress, Revolution im Iran, Sturz Pol Pots) soll weniger Umbruch gewesen sein als die frühen 80er mit NDW, internationaler New Wave, erstem Rap, Häuserkampf, Festnahme der zweiten und Attentatsoffensive der dritten RAF-Generation, Libanonm- und Falkland-Krieg, Anerkennung Israels durch die Al Fatah, Wahlsiege von Kohl, Tchatcher und Mitterand?

    chezweitausendeins

    2. November 2008 at 17:35

  8. Ahhh! DAF und Fehlfarben!!!! Nehme alles zurück und behaupte das Geigentiel. Ich war so sehr darauf fixiert, dass das irgendwelche Autoren oder Kritiker sein müssten, dass ich an das Nächstliegende gar nicht dachte. Was macht nun diese Bunz? Autofahren?

    chezweitausendeins

    2. November 2008 at 17:37

  9. http://www.mercedes-bunz.de/about

    Ich persönlich erachte allerdings den von Lady Bitch Ray propagierten „Votzen-Workout“ für ungemein subversiv.

    Nörgler

    2. November 2008 at 18:09

  10. Ja, aber was macht die inhaltlich, was für Standpunkte vertritt die?

    chezweitausendeins

    2. November 2008 at 18:15

  11. Keine Ahnung. Da müßte ich selber erstmal in ihrem Blog lesen.
    Bei Lady Bitch Ray wüßte ich es: Sie vertritt den „Vagina Style“.

    Nörgler

    2. November 2008 at 19:02

  12. „Gottseidank nicht England“: Schaut euch an, was aus Julie Burchill wurde und sagt noch hundertmal den Threadtitel auf.

    jolly rogers

    2. November 2008 at 19:03

  13. Ich habe mal ein bißchen rumgelesen. Digitale Boheme ist das Tollste, Internet verändert Gesellschaft ganz supi; offenbar eine Web2.0-Affirmationsgöre. MomoRules hat schon recht damit, wo er sie einsortiert. Bei Don wurde sie auch mal abgebürstet, fällt mir gerade ein.

    Nörgler

    2. November 2008 at 19:43

  14. @Che:

    Na, uff, dann bin ich ja beruhigt 😉 – nachdem ich meinen „1:0 gegen Nürnberg“-Bierrausch halbwegs ausgeschlafen habe. Weil:

    „Dann war 68 kein Epochenbruch? Würde ich aber massivst bestreiten. Und 77/78 (Punk-Revolution, Deutscher Herbst,“

    … genau darum geht’s ja. Also: Der frühe Punk in Deutschland, worauf er reagierte, z.B. den „Deutschen Herbst“, und was draus wurde, z.B. D.A.F., und was ja zumindest in Sachen Outfit, Habitus und im Falle von „Slime“ dann auch irgendwie auch auf Musik der Autonomen in Göttingen wirkte, wobei die „Avantgarde“ Slime schon irgendwie als Trivialisierung wahrgenommen hätte, zum Teil jedenfalls.

    „Verschwende Deine Jugend“ besteht nur aus Interviews mit Protagonisten der frühen Jahre aus diversen Bands, auch ein paar Label- und Vertriebsmacher und Journalisten waren dabei, auch Markus Oehlen, Bruder von Albert (Oehlen, nicht T. Albert), bei „Mittagspause“ dabei und eben auch Maler.

    Finde ich ein unglaublich starkes Buch, „Oral History“, wie’s besser nicht komponiert sein kann, die auch die Schattenseiten, für mich beim Lesen echt gruselige Gewalt-Exzesse und ein ziemlich krudes Spiel mit Nazi-Symbolen, anfänglich sogar ein richtig widerliches, mit beleuchtet wie auch den psychischen Absturz einiger Protagonisten äußerst ergreifend thematisiert. Leute wie Campino steckten da mittendrin mit „ZK“, der kriegt aber zum Schluß völlig zu recht sein Fett ab.

    Was dann draus wurde, war halt die „Neue Deutsche Welle“, auch die schreckliche bis Ixi und Fräulein Mencke, war halt eine dieser Phasen, in denen im Westen der Markt besorgte, was im Osten die SED vollbrachte, nur daß trotz „Punkerkartei“ eher keiner im Knast landete, anders als bei den frühen Punks in der DDR, so bis ’85.

    Das hat in Mentalität und Ästhetik schon ganz gewaltig gewirkt und war zugleich eine gigantische Desillusionierung, die nie wieder aufgefangen wurde. Und es war dolle.

    @Nörgler + Che.

    Mercedes Bunz hat mal <’nen „linken Neoliberalismus“ gefordert 😀 – und ist eine Prinnt-Kollegin, weiß gar nicht, wo die jetztist, früher war sie, glaube ich bei De:bug. Und nachdem ich mittlerweile, glaube ich, verstanden habe, warum Nörgler damals auf manches so allergisch reagierte, was ich schrub: Sie wäre da noch mehr ein gefundenes Fressen 😉 …. ich kann da eine gewisse Nähe zu „diksursiven Formen“ und Denken bei mir manchmal nicht bestreiten, sehe aber trotzdem erhebliche Differenzen. Und ich kann immer nicht anders, als sie symptomatisch lesen, wenn ich da überhaupt mal lese.

    @Jolly:

    Der Titel heißt doch nur so wegen des Fehlfarben-Stücks und meines damit einhergehenden Heulkrampfes, Mönsch – wer ist Julie Burchill?

    momorulez

    2. November 2008 at 20:04

  15. Mercedes Brunz im Bug habe ich ja öfter zu lesen versucht. Aber ich habe das dann aufgegeben, weil ich das alles irgendwann schlicht nicht verstanden habe, diese Feierei prekärer Lebensverhältnisse mit Laptop als Avantgarde und Boheme. Diese ganzen Ästheten haben die Ideologie der persönlichen Zwangsbescheidenheit mitvorbereitet.

    T. Albert

    2. November 2008 at 20:23

  16. Warst Du da nicht überhaupt in Düsseldorf, als der Ratinger Hof seine heroischen Zeiten erlebte, T.Albert?

    momorulez

    2. November 2008 at 20:39

  17. @MR: Niemand. Mehr. 😉

    jolly rogers

    2. November 2008 at 20:44

  18. Momorulez, mach doch ma einen beitrag mit der schönen headline „this is england“. konzept: ein abgleich mit den clash-lyrics von ’83 und den heutigen zuständen in d. wäre doch recht spannend und eine weitere nummer in der reihe „wir haben’s schon immer gewusst“.

    jolly rogers

    2. November 2008 at 20:47

  19. Ja, indeed … wobei „The Clash“ da ja auch gar nicht gut wegkommen in „Verschwende Deine Jugend“ … when they knock at your frontdoor „Macht auf, verdammte dieser Erde!“ …

    momorulez

    2. November 2008 at 20:51

  20. @Ratinger Hof

    Nee, ich kam damals aus dem Ruhrgebiet, wenn ich mal im Ratinger Hof eins trinken wollte. Also, wir kamen dann immer so als Grüppchen schüchterner Jungs und manchmal auch mit Mädels und versuchten jemanden zu erkennen. Wir hatten unglaublichen Respekt vor diesen düsseldorfer Künstlern, also, den älteren, da haben wir uns kaum zu sprechen getraut.Die waren ja das Zentrum, wir Peripherie. Westberlin war ja auch peripher, bis auf die Moritzplatz-Leute. Die haben wir im „Wolkenkratzer“ angeguckt.

    T. Albert

    2. November 2008 at 23:14

  21. was haste mir denn jetzt für ein bildchen angehängt? kann man da noch ne blaue jacke drunterbasteln? hihi.

    T. Albert

    3. November 2008 at 8:55

  22. Ich war das nicht! Das muß Ring2 gewesen sein! Ist aber ganz lustig, finde ich 😀 ….

    Und ich war da ja auch nie im Ratinger Hof, aber dafür zwei mal im Relaxx 😉 …

    momorulez

    3. November 2008 at 9:55

  23. 🙂 das ist eine Funktion bei wordpress.com. Das vergibt Besuchern einen Avatar, wenn sie keinen eigenen anlegen. Sieht doch suess aus.

    ring2

    3. November 2008 at 10:53

  24. Soso!

    🙂

    che2001

    3. November 2008 at 10:56

  25. @che sieht Dir doch auch ein wenig ähnlich. Woher weiss wordpress das nur? :)))))

    ring2

    3. November 2008 at 11:27

  26. Pssscht, jetzt weiß doch jeder, wie ich wirklich aussehe 🙂

    che2001

    3. November 2008 at 11:48

  27. Haschisch-Mentalität. :->

    T. Albert

    3. November 2008 at 12:48

  28. Eher Hai-schisch-Mentalität 😉 …

    momorulez

    3. November 2008 at 13:51

  29. 🙂 Haha. Wer sagts denn. Lauter gutaussehende, sympathische Herren in den besten Jahren hier. Hatte ich mir aber eh schon gedacht …

    cut

    3. November 2008 at 15:16

  30. Klar. Jezz er. Brillenstern, verkoflerter,gänsesehender. Hähä.
    Wer hat mich da links zur plattgeklopften Sau gemacht? Also, das is unglaublich. Mies.

    T. Albert

    3. November 2008 at 15:24

  31. Digitale Boheme!

    T. Albert

    3. November 2008 at 15:26

  32. Wir Bunzen jetzt auch und wohnen in Berlin-Mitte?

    che2001

    3. November 2008 at 15:36

  33. Wahrscheinlich brunzt Ihr überall. (Also, ich ja nicht mehr. Ich bin da raus.)

    T. Albert

    3. November 2008 at 15:55

  34. Wohnt sie denn in Mitte? Hab sie nie getroffen. Aber mit mir hat ja schon aus Altersgründen im Schwarz-Sauer keine geredet. ICH musste meinen MIlchkaffee immer traurig vor mich hinglotzend alleine trinken, und Computer hattich auch nich; war doch viel zu teuer.

    T. Albert

    3. November 2008 at 16:01

  35. Nein, aber die sogenannte „neue digitale Boheme“ wohnt in Mitte und hält sich in Cafés in der Kastanienallee, genannt Castingallee auf.

    che2001

    3. November 2008 at 16:12

  36. Axso, Du meinst die ganze gesamte neue Digi-Boheme.
    Ja, die hockte den ganzen Tag dort rum. Rechts vom Schwarz-Sauer liessen die sich casten, damit sie wenigstens n bisschen Kohle kriegten. Wenn ich abends mein Feierabendradeberger trank, dann sassen die immer noch im Schwarz-Sauer, und am am nächsten Mittag wieder. Aber ich habe damals dort einen Aertikel von Peter Glotz gelesen, der vom digitalen Kapitalismus handelte, und dort erklärte er, dass das eben so wäre. Nur die Religion würde den Kontemplierenden fehlen, aber das würde sich legen.

    T. Albert

    3. November 2008 at 16:24

  37. lars

    3. November 2008 at 16:44

  38. Das liest sich wie eine Mischung aus NE-Ideologie und Cyberpunk.

    che2001

    3. November 2008 at 16:53

  39. Ja, trifft es ziemlich gut. In meinem Vortrag für den Soziologentag schrieb ich:

    „Die Argumentation lautet kurz gefasst, dass alte Konzepte der Linke wie Vollbeschäftigung oder Armutsbekämpfung längst nicht mehr in das links-rechts-Schema passten, dass es durch die Globalisierung, Vernetzung und Digitalisierung auch reale Fortschritte gebe und man schon längst mitten drin sei: Man könne dem Neoliberalismus gar nicht entkommen, weswegen es einer linken Aneignung des Neoliberalismus bedürfe. Sie zitiert Marx, kritisiert Kurt Beck und legt eine Exegese der Foucault-Intepretation der Ordoliberalen vor. Fragt man nun danach, wie in diesen Ansätzen die Kultur der Digitalen Bohème organisiert und repräsentiert wird, und was das mit links zu tun hat, so lautet die Antwort von Mercedes Bunz:

    „Links, ich lade das jetzt mal kurz groß auf, denn das ist mir wichtig, bedeutet viel mehr jede Menge Ideale, die irgendwo herumpurzeln, Ideale wie: Veränderung, Widerstand, Utopie, Kritik, Gerechtigkeit, Freiheit, Klugheit, Revolution und vielleicht sogar, warum nicht, Wahrheit.“

    Damit nähern sich die Vorstellungen aber auch wieder sehr dem modernistischen Verständnis derjenigen, die sich gerade nicht vermarkten lassen wollten, die die Ökonomisierung der Blogosphäre im Namen der Revolution, der Kritik, der Gerechtigkeit und des Widerstands kritisierten. Zwischen diesen beiden Polen findet sich die hegemoniale Repräsentation der Blogosphäre wieder. Das Changieren zwischen diesen Polen und die Anschlussfähigkeit des Vokabulars ist damit sowohl konfliktiv als auch kohärierend.“

    lars

    3. November 2008 at 17:07

  40. @Lars „Das Changieren zwischen diesen Polen und die Anschlussfähigkeit des Vokabulars ist damit sowohl konfliktiv als auch kohärierend.” – du meinst mich!

    ring2

    3. November 2008 at 18:23

  41. @ T. Albert – „Diese ganzen Ästheten haben die Ideologie der persönlichen Zwangsbescheidenheit mitvorbereitet.“ – indeed und weil sie sich in Wahrheit gar nicht bescheiden.

    „arte povera“ ist eben nur so lange lustig, wie man unter 40 (bitte beliebiges Alter einsetzen) ist. Gesund, genügsam und sexy.

    ring2

    3. November 2008 at 22:58

  42. @momo Mercedes Bunz ist derzeit Online Chefredakteurin beim Tagesspiegel in Berlin. Und Leserin vom Eigenblutdoping ist sie auch: http://www.mercedes-bunz.de/archives/799

    😉

    ring2

    3. November 2008 at 23:04

  43. […] kommentiert T. Albert drüben bei shifting reality. […]

    Bunzen — ring2*

    3. November 2008 at 23:10

  44. Was ich in der Hinsicht besonders eklig erlebt habe sind prekäre Hand-in-den-Mund-Jobber mit Geschäftsmodellen wie Ein-Personen-PR-Agenturen oder Interimsassistenz (das sind SekretärInnen, die nur als Mutterschutz, Urlaubs- oder Krankheitsvertretung arbeiten und dabei formell Selbstständige sind), die darüber ablästern, wie absolut vorgestrig und uncool, einfach unästhetisch Gewerkschaftler seien und wie toll frei ihre eigene freiberufliche Existenz. Das sind Leute, die ihren eigenen materiellen Interessen auch noch voll ins Gesicht schlagen und das als Coolness abfeiern.

    che2001

    3. November 2008 at 23:23

  45. „die ihren eigenen materiellen Interessen auch noch voll ins Gesicht schlagen“ – nun, wir gefallenen Mädchen (und das meine ich in keinster Weise zynisch) müssen zusehen, wo wir bleiben. Und wenn dann in einer Gegend, sagen wir Berlin, das Angebot an Teilzeitlern (meist Frauen) so groß, die gesamtwirtschaftliche Kraft aber so klein ist.

    Ja dann regelt man das so. Besser als gar nichts. Immerhin hat man noch anderes zu tun (Kinder, Schulden). Ach, und welcher Gewerkschaftler kümmert sich um dich, wenn Du eben nicht mehr im Unternehmen bist? Haben Gewerkschaften je eine Nicht-Vertragsverlängerung einer Teilzeit-Sachbearbeiterin verhindert? Nee Che, das kannst Du nur den Gewerkschaften selbst ankreiden. Die klammern sich an die Voll-Sozialpflichtigen Tariflinge, mit einer fehlenden Fantasie und Strategie, dass die Menschen, die nu einen Job brauchen einfach nicht auf die Idee kommen, sich an Gewerkschaften zu wenden.

    Das allerdings zum Ideal zu erheben, und das selbst abschneiden von tariflichen Strukturen – da gebe ich Dir recht. Das ist mindestens genauso doof.

    ring2

    4. November 2008 at 8:31

  46. Es geht mir hierbei aber um das zum Ideal erheben, genauer: Das Abfeiern als einen coolen Lebensstil. Wie die Werbeagenturleute, die stolz darauf sind, um 6 von der Arbeit nach Hause zu kommen. Um 6 Uhr morgens.

    che2001

    4. November 2008 at 9:31

  47. @Ring2:

    „Eigenblutdoping“ lesen gehört ja sozusagen zur Job-Description 😉 – und würde der Diederichsen da nicht über den „linken Neoliberalismus“ witzeln, hätte ich das tatsächlich auch wieder vergessen. Zudem er sich auch die Selbst-Ausbeutung des „Künstler-Unternehmers“ da ziemlich lustig macht ….. komisches Buch trotzdem. Ist mir zu dialektisch.

    „Nee Che, das kannst Du nur den Gewerkschaften selbst ankreiden.“

    Nee, Ring2, das sind Szenen wie unsere, die bewirkt haben, daß Gewerkschaften da keine Rolle mehr spielen. Erinnere mich bestens an Vorträge von Simone A., an die Du Dich auch erinnerst, als wir zu Hochzeiten der New Economy die Betriebsratsgründung forcierten (hähä, anzizyklisch denken 😉 )und sie entgegnete, das sei doch „peinlich“, das würde in Zeiten gehören, als es noch Bergwerke gab.

    Glaubste, Gewerkschaften hätten Dir Betreuungsangebote zu verschaffen? Bist Du überhaupt in einer? Das ist das Total-Versagen einer ganzen Generation, sich da nicht organisiert zu haben und z.B. aktiv mit dafür zu sorgen, daß die ganzen prekären Beschäftigungsverhältnisse Absicherung erfahren. Und daß nicht alle diskutieren, wie man Sparer schützt und der Commerzbank 8, 2 Milliarden in den Arsch bläst, dafür, daß sich deren Vorstände dann mit 500.000 im Jahr bescheiden, sondern wie man denn jene stützt, die nie was sparen konnten – und das betrifft bei Leuten mit Kindern in Großstädten ja sogar Gehaltsgruppen, die gemeinhein als „Besserverdienenr“ gelten.

    @Che:

    Nur weil Du ’n alter, fauler Sack bist, brauchste ja hier nicht gegen Leute agitieren, die noch ordentlich arbeiten bis 6 Uhr morgens 😉 ….

    momorulez

    4. November 2008 at 9:53

  48. Ich bin nebenbei gesagt aktiver Gewerkschaftler, und wir haben auch eine Vertretung für Freiberufliche.

    che2001

    4. November 2008 at 10:46

  49. Ich streiche das „nur“, dann machen unsere beiden Antworten Sinn.

    „Das ist das Total-Versagen einer ganzen Generation, sich da nicht organisiert zu haben und z.B. aktiv mit dafür zu sorgen, daß die ganzen prekären Beschäftigungsverhältnisse Absicherung erfahren.“

    ja, das meine ich ja auch. Das verstärkt sich aber noch, wenn Gewerkschaften – ja ich bin in einer 😉 – sich auf die Erhaltung und Schadensbegrenzung konzentrieren, anstatt aktiv an einem Wandel mitzuarbeiten. Das sieht man in der Verlagsbranche ganz deutlich – und da habe ich ein wenig Einblick.

    Natürlich müssen sich Gewerkschaften ihrer Chance bewusst werden, dass sie die einzige gesellschaftliche Kraft sind, die über das Arbeitsverhältnis hinaus an der Gestaltung der Globalisierung teilnehmen können. Das hieße dann in der Konsequenz auch, sich um Betreuungsmöglichkeiten zu kümmern, wenn Menschen mit Kindern und zwei 400-EUR Jobs daherkommen!

    ring2

    4. November 2008 at 11:04

  50. Dann sind wir uns ja alle einig 😉 – und so blöd sich das anhört: Zur aktiven Gewerkschaftsarbeit hätte ich tatsächlich in den letzten Jahren keine Zeit gehabt, obgleich ich ja auch Mitglied bin. Habe allerdings als leitender Angestellter immer so intensiv mit dem Betriebsrat kollaboriert, daß immer alle dachten, ich wäre da auch mit drin 😉 …

    momorulez

    4. November 2008 at 11:27

  51. Wiesehr wir uns alle ähneln und wie vertraut dieses Terrain ist, merke ich gerade mal wieder bei der Betrachtung, in was für aus meiner Sicht völlig abseitigen „Haltet-den-Kommie“ Szenarien man sich gerade ein paar Blogs weiter so austobt, insbesondere ein Herr, der mir meine eigenen Lebenserfahrungen aberkennen will und ansonsten Deutschland den Deutschen denkt, aber wahrscheinlich immer noch irgendwie „liberal“ sich definiert. Brrrrrr!

    che2001

    4. November 2008 at 11:52

  52. Gibt es eigentlich in den USA Gewerkschaften über das Hafenarbeiter-Klischee hinaus? Weiß ich wirklich nicht und ist ja gerade Wahltag 😉

    ring2

    4. November 2008 at 11:55

  53. @Che:

    Der Tread, wo Du mir den Link schicktest? Ich kann das ja alles nicht mehr lesen …

    @ring2:

    Kennste nicht noch „Die Faust im Nacken“?

    Ich glaube, die waren in den New Deal einst intensiv eingebunden, sind dann aber analog zu England baden gegangen in den 70er/80er Jahren. Und hatten nie so eine breite Basis wie hier oder in England. Und der Niedergang liegt ja immer auch an der De-Industrialsierung, und in Detroit und so formieren sich ja durchaus neue soziale Bewegungen, die u.U. zu gewerkschaftsähnlichen Gebilden führen könnten, aber eben für die ja noch ’ne Ecke prekäreren Ex-Automobilindustriearbeiter.

    Alle Aussagen in diesem Kommentar ohne Gewähr 😉 …

    momorulez

    4. November 2008 at 12:03

  54. @Momorulez: Jau!
    Mich macht es echt fertig, so was zu lesen wie D.Sado. Dr. Buffo ist ja wenigstens noch lustig 😉

    che2001

    4. November 2008 at 12:19

  55. Ich habe mir ja als Junger ein Künstlerleben mit allem drum und dran bewusst selbst ausgesucht. Irgendwann in den Neunzigern hab ich dann gesehen, dass diese Art materiell irgendwie durchzukommen, weil man aus beruflichen und denkerischen Gründen weiss, dass man mehr Verzicht üben muss als Leute mit vernünftigen Berufen – unserer Eltern hatten ja auch recht – dass das zum Modell erklärt wurde. Da waren , das habe ich dann während Zusammenarbeit an Projekten gemerkt, jede Menge Unternehmensberater und Personalberater in den Agenturen dran beteiligt. Iregendwann habe ich mich dagegen zu wehren begonnen, aber bisher hats nix genützt. Im Gegenteil, Die Kreativitätsideologie, die ständig verkündet wird, das „Flow“-Geschwätz in den MArketingbüros, dieses Wir-fördern-junge-Leute-gratis, das hat neben den grossen Entlassungswellen in der Industrie zum heutigen entsolidarisierten Zustand zwischen den Menschen geführt. Zum Kotzen.
    Jetzt ist jeder ein kreativer Frfeier Mitarbeiter, der immer weniger verdient, seine Sozialkosten nicht mehr bezahlen kann, ohne Krankenkasse lebt und natürlich an Kinder gar nicht denken kann. Mit MItte 40 sind die meisten irgendwie verschwunden und machen nichts mehr. JA, und dann sind sie auch noch stolz darauf, weil man sie sich selbst als Künstler verkauft. Ich kenne das aus den Architekturbüros seit Ende der Achtziger, und mittlerweile kenne ich viel zu viele, nicht ein und aus wissen in dieser Welt voller Künstler.

    T. Albert

    4. November 2008 at 12:48

  56. „das hat neben den grossen Entlassungswellen in der Industrie zum heutigen entsolidarisierten Zustand zwischen den Menschen geführt. Zum Kotzen.“

    Ja, weil im schlimmsten Fall auch noch alle in Konkurrenz zueinander stehen.

    Und weil das zudem, weil man ja wieder „gebucht“ werden will so als Stricher, zu einer teils erschreckenden Unterwürfigkeit den Besitzenden gegenüber führt.

    Wobei’s umgekehrt in den Karawanen so rund um die „Projekte“, in die ich so involviert bin, auch ganz ausgeprägte Binnensolidaritäten gibt. Und da hoffe ich ja immer drauf, daß daraus auch lockere, organisatorische Strukturen werden könnten.

    Genau dagegen jedoch ist wiederum die ganze Bankenhilfe gerichtet. Ist ja schön, der Commerzbank 8,2 Milliarden rüberzuschieben, damit die auch weiter die Kreditlinien für Mittelständler gewähren kann. Was ja völlig in Ordnung und super ist.

    Nur daß dazu in der Regel die ganzen Freien und Prelären, die ganzen Grafiker mit ihren Mac-rechnern in Mini-Büros, die ganzen „Freien“, die Frau Bunz Texte anbieten, nun gerade nicht gehören. Die wanderen dann halt interimsweise immer mal in Hartz IV hinein, anstatt mit dollen Kreditlinien von der bank ausgestattet zu werden (wobei, so hört man, Werbe-Cutter z.B, da weniger Probleme haben als so der normale Freelancer).

    Und das ist ja alles nun gerade nicht die „Ökonomie der Nische“, die sie mal proklamiert hat, die Frau Bunz. Das hat zentral zu werden: Formen der Selbstorganistion von all diesen „Ich-AGs“.

    Wir gründet man eigentlich ’ne Krankenkasse?

    momorulez

    4. November 2008 at 13:10

  57. @“Wir gründet man eigentlich ‘ne Krankenkasse?“ — Da lese man mal E.P.Thompson „The Working of the English Working Class“, speziell die Beiträge zum Thema moral economy. Die ersten Krankenversicherungen waren ja u.a. aus Genossenschaftsbeiträgen ihrer Mitglieder plus Lottoeinnahmen (Lotto wurde ursprünglich von Gewerkschaften veranstaltet) finanzierte Knappschaftskassen.

    che2001

    4. November 2008 at 13:40

  58. Statt Mercedes Bunz lohnt es sich wohl eher, Karl Heinz Roth zu lesen.

    che2001

    4. November 2008 at 13:40

  59. „Und weil das zudem, weil man ja wieder “gebucht” werden will so als Stricher, zu einer teils erschreckenden Unterwürfigkeit den Besitzenden gegenüber führt.“

    Ja, der eine Stricher empfindets, der andere ist schon umerzogen.

    Die Binnensolidaritäten kenn ich natürlich auch, aber momentan haben die eben materiell keine Auswirkungen.

    Wie eine Krankenkasse zu gründen wäre, ist eine gute Frage, sowas wäre ein Ansatzpunkt.
    Überhaupt finde ich, der Operaismo sollte der wirtschaftsliberalen Scheisse mittels stillem Aufbau eigener Strukturen eine Nase drehen, wieder. Das digitale Proletariat könnte Genossenschaften bilden.

    Ja, Roth.

    T. Albert

    4. November 2008 at 14:23

  60. […] Bunz lese ich da auch und weiß inzwischen besser, was T. Albert meint, wenn er ihre Texte bei aller Mühe einfach nicht versteht. “Bunzen” hat er das da […]


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