shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Vote for „mehr Demokratie“ – perhaps we find someone who can

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In der Wahlnacht von Amerika wuchs nicht nur die Hoffnung, dass die USA nach acht bleiernen Bush-Jahren ihren eigenen Idealen wieder näher kommen können, es wuchs auch die Sehnsucht nach einem deutschen Obama.

Den gab es bisher nur einmal. Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“ war das „Yes, we can“ der späten 60er- und frühen 70er-Jahre. Mehr Demokratie wagen wäre auch im Wahljahr 2009 ein gutes Programm. Leider fehlt der Mensch, dem man es glauben würde.

schreibt Claus Strunz im Hamburger Abendblatt heute – und ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass die hier mitlesen ;).

Der Strunz ist mir ja schon deswegen sympathisch, weil er der Gegenentwurf zum geleckten Dieckmann ist. Den Hamburgern kann ein wenig frischer Wind im Blatt nur gefallen. Im Tal der Ahnungslosen nimmt man jeden noch so kleinen Wandel als Revolution wahr, wie die Ernennung von Strunz zum Chefredakteur bspw. (er wird das wohl als Degradierung empfunden haben).

„Leider fehlt der Mensch, dem man es glauben würde“ ist ja allein deswegen fatal, weil nur noch 318 Tage verbleiben zur Bundestagswahl 2009. Und zu diesem Zeitpunkt hatte der Zirkus in den USA doch schon lange angefangen.

Mein bester Kandidat wäre in der Tat auch ein Grüner. Der Ströbele vielleicht oder Özdemir.

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Written by ring2

6. November 2008 um 8:45

Veröffentlicht in Regierung der Kultur

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20 Antworten

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  1. Das ist wieder etwas, was ich gestern Abend ähnlich diskutiert habe. Als bei „Hart aber Fair“ alle der Meinung waren, ein emotionaler, von einem Charismatiker geführter Wahlkampf mit begeisterten Wählern passe eben nicht in die deutsche Mentalität, da habe ich mich gefragt, ob die den Willy Brandt alle verschlafen haben. Ich habe ihn ja nicht mehr erlebt, aber musste sofort an das denken, was ich über seine aktive Zeit gehört und gelesen habe…

    Ströbele ist nicht sonderlich charismatisch. Özdemir würde zum Vergleich mit Obama gut passen, aber auch bei dem fehlt mir der Pep. Bei den Gelben wüsste ich aber auch keinen, und bei den Volksparteien noch viel weniger. Charisma haben in Deutschland doch nur Lafontaine und Gysi, und da kann ich keine Begeisterung aufbringen. 😦

    Karsten

    6. November 2008 at 9:33

  2. „von einem Charismatiker geführter Wahlkampf mit begeisterten Wählern passe eben nicht in die deutsche Mentalität“

    Ich bleibe dabei: Diese Aussagen sind eine Form von Rassismus. Das ist wie diese WDR-Dokus aus den 60ern, wo da die ganzen temperamentvollen Itaker den ach so deutschen, selbst den Holocaust kühl und rational planenden Deutschen natürlich vor lauter überbordender Gefühlsduselei am liebsten das Messer in den Bauch rammen wollen.

    Während SS und SA schon in Reih und Glied zu marschieren wußten, was immer auch eine Reaktion auf die ganze Kulturkritik der 20er, die die Massenkultur geißelte, Ortega y Gasset und so, war, diese ORGANISATION der Massen nach militärischem Vorbild.

    Das ist jetzt nicht Godwin’s Law, weil dieses ganze Gerede über das Charisma von Obama ja immer den Hitler-Vergleich mit sich schleppt. Den übrigens KEIN SCHWEIN formuliert hat, als Ratzinger die Weltjugendtage da gleich bei Dir um die Ecke zelebrierte. Und unpolitisch ist das auch nicht, was der treibt – der hat nur diese wundervollen Gospel-Geschichten nicht drauf und quassel stattdessen von „Vernunft“.

    momorulez

    6. November 2008 at 10:14

  3. Dabei haben die Itaker den Gleichschritt in Reih und Glied erfunden. Was gibt es Ordentlicheres und Disziplinierteres als eine römische Legion?

    Und die katholische Liturgie ist doch Gospel hoch drei, nur mit einer Ästhetik, die Dir und mir nicht behagt. Ich habe mal Prozessionen in Andalusien gesehen, da ging aber die wilde Luzie oder besser gesagt Carmen ab.

    che2001

    6. November 2008 at 14:47

  4. Charisma bei Weber habe ich ja immer so ein bißchen als „Herschaft durch Sonstiges“ verstanden, sofern eine einzelne Person daraus in ihrer Herrschaftsfunktion Bestätigung erfährt.
    Die genaue Definition in Wirtschaft und Gesellschaft lautete:

    „10. »Charisma« soll eine als außeralltäglich (ursprünglich, sowohl bei Propheten wie bei therapeutischen wie bei Rechts-Weisen wie bei Jagdführern wie bei Kriegshelden: als magisch bedingt) geltende Qualität einer Persönlichkeit heißen, um derentwillen sie als mit übernatürlichen oder übermenschlichen oder mindestens spezifisch außeralltäglichen, nicht jedem andern zugänglichen Kräften oder Eigenschaften [begabt] oder als gottgesandt oder als vorbildlich und deshalb als »Führer« gewertet wird. Wie die betreffende Qualität von irgendeinem ethischen, ästhetischen oder sonstigen Standpunkt aus »objektiv« richtig zu bewerten sein würde, ist natürlich dabei begrifflich völlig gleichgültig: darauf allein, wie sie tatsächlich von den charismatisch Beherrschten, den »Anhängern«, bewertet wird, kommt es an.
    [Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Tübingen, S. 140)]

    Da fällt dann magisches Denken ebenso drunter wie der Faschismus, autoriärer Habitus wie Prophetentum, das Tiara-Tragen genauso wie gute Rhetorik.

    lars

    6. November 2008 at 17:24

  5. Komisch, ich war immer der Überzeugung, Charisma sei etwas, das man spürt und das sich der Fassung in Worte widersetzt. Also gewissermaßen ausschließlich „magisch“ bedingt. Ich bin jedenfalls schon Leuten begegnet, die eine solch magische Qualität hatten.

    @MR:
    Rassismus? Vielleicht. Aber lehnst Du den Begriff einer volkstypischen Mentalität vollkommen ab?

    Karsten

    6. November 2008 at 18:38

  6. @Karsten:

    Das macht den Begriff m.E. auch so unhandlich. Gemeint ist ja jenes Bewerten der Anhänger als charismatisch. Aber richtige Kriterien kann Weber da nicht angeben, wodurch sich denn dieses Magische auszeichnen soll. Außeralltäglichkeit, na super. Aber für wen. Und dann hat ja Mauss ja ungefähr zur sleben Zeit gezeigt, dass Magie eine bestimmte Form der Welterklärung ist und damit durch und durch alltäglich sein kann. Und schon sind wir Chose.

    lars

    6. November 2008 at 18:58

  7. Ströbele ist ein ganz grosser Charismatiker. Das konnte man ja sehen. Oder Münte, dem auch Papstsein Spass machen würde. Ich bewundere alle. Ich fand unfair, dass die immer auf dem Steinmeier rumhauen mussten. Der kann ja auch nix dafür.

    Seit lars mit dieser Irrelevanz angefangen hat, kriege ich endgültig keinen ernsthaften Gedanken mehr zusammen. Wir lachen uns hier halbtot. Also, hier, die Frau und ich.

    T. Albert

    6. November 2008 at 19:12

  8. Papst ist doch auch ein toller Job. Der Einzige, bei dem man sich durch Ableben auch noch beruflich verbessert.

    che2001

    6. November 2008 at 19:26

  9. “ Der Einzige, bei dem man sich durch Ableben auch noch beruflich verbessert.“

    Che, woher weisst Du das?

    T. Albert

    6. November 2008 at 19:30

  10. @Karsten:

    „den begriff für volkstypische Mentalität“, da habe ich mit allen 3 Bausteinen ein Problem: Wenn’s denn ’n Begriff ist, dann interessiert es mich vor allem, in welchem Kontext der steht, und der lebensweltliche Zusammenhang ist das bei Begriffen selten. Wobei ich dann auch „Begriff“eher als sowas wie ein Konzept verstehe, und das hat immer jemand gemacht.

    „Volk“, na, ein Volk, ein Reich, ein Führer: Was is’n das? ’ne Nation? Und was ist das dann? Eine „Ethnie“? Ein „Stamm“ wie Bayern oder Schwaben? Mit letzerem kann ich noch irgendwas anfangen, und natürlich kann ich insbesondere über „die Franzosen“ lange reden schwingen, meistens betrifft das dann aber nur die Medien-Szenen in Paris, ein selten blödes Volk.

    Mit Rheinländern aus Oberhausen komme ich klar, mit denen aus Köln nicht usw. – das ist doch eher so eine Krücke, eigene Erfahrungen zu sortieren, aber kein reales Phänomen. Das ist was Anekdotisches, weil ich mich schon norddeutsch fühle, durch und durch, aber mit ’nem nordfriesischen Bauern mich so viel dann doch nicht verbindet.

    Haklig wird diese Herangehensweise, wenn man sich Basken oder Polen und deren Geschichte so anguckt, Polen gab’s ja zeitweise gar nicht mehr, so als Land, die Story der Basken kennen ja auch die meisten, dann interveniert da eine politisch-historische Dimension, die ich schon für relevant halte.

    Man kann auch z.B. nicht deutscher Staatsbürger sein, ohne sich irgendwie zu Hitler und dem Holocaust zu verhalten, glaube ich. Das hat aber mehr mit dem Andorra-Effekt zu tun, paradoxerweise, also von Anderen ALS Deutscher identizifiert zu werden, von mir aus auch von anderen Deutschen, als daß da irgendeine Mentalitäts-Wesens-Metaphysik am Wirken wäre.

    Gibt sowas wie regionale Üblichkeiten, das reicht von der Scham, auf offener Straße mit anderen Typen zu knutschen bis hin zum Karneval. Meistens sind das einfach internalisierte Formen sozialer Kontriolle, gerade der Karneval 😉 ….

    Oder aber am Millerntor, wo jeder Schmähgesang außer „Scheiß Hansa Rostock“, das ist ja eine Tatsache, zumindest harsch kritisiert wird. Da gibt es recht klare Regeln und wohl auch Mentalitäten, aber die sind ein Gemisch aus Post-Punk, Politik und altem, sozialdemokratischen Hafenarbeiter-Ethos, „gegen Bonzen und Schickis“, gemischt mit so einer Form trockenen Humors, der manchmal ’ne weniger vornehme Variante des „britischen Humors“ ist, und das ist dann der erste Punkt, wo so ein Begriff wie „Mentalität“ greift, glaube ich …. schichtspezifisches Ethos und Humor.

    „Charisma“ – ich glaube, das ist „Aura“ oder „Pop-Appeal“, und im Grunde genommen das Gegenteil von langweilig, „Ausstrahlung“ eben. Ein Franz-Josef Strauß war ja auch außerordentlich charismatisch, obwohl der nun weiß Gott nicht gut ausah, ein Wehner auch, ein Bono auch, und ein Lüpertz isses eigentlich nicht, deshalb macht der ja so viel Brimborium, ähnlich wie Madonna ja auch.

    momorulez

    6. November 2008 at 19:35

  11. Das, was Du da vom Millerntor schreibst findet sich in meiner geliebten alten Szene auch wieder. Da kommt dann noch eine gehörige Prise kurdischer Humor hinzu (das ist wie eine derbere Variante des jüdischen Witzes) und ein die politische Korrektheit der Linken veralbern (findet nur witzig, wer da selber dringesteckt hat). Da kommen schichtspezifischer Ethos und Humor mit einer Milieuzugehörigkeit zusammen, die man sich bewusst ausgesucht hat. „Say it loud, workingclass and proud!“

    Zu „den Franzosen“ fallen mir immer politisch linksdrehende Rotwein trinkende und Ratatouille essende Bonvivants an Lagerfeuern auf Campingplatzen ein, das ist für mich der Franzose als Solcher.

    che2001

    6. November 2008 at 19:49

  12. T.Albert: Von Otto Waalkes. Schwamm-drüber-Blues: „Der Song handelt davon, dass der Papst angeblich Selbstmord begangen hat, Warum nicht, wenn er sich beruflich verbessern kann.“ Hängt wohl damit zusammen, dass tote Päpste routinemäßig erst selig und dann heilig gesprochen werden.

    che2001

    6. November 2008 at 19:51

  13. Che,
    jetzt bin ich beruhigt. ICH DACHTE SCHON, DU HÄTTEST INFORMATIONEN AUS ERSTER HAND. VIELLEICHT VON ALEXANDER VI.

    T. Albert

    6. November 2008 at 20:29

  14. >“Zu “den Franzosen” fallen mir immer politisch linksdrehende Rotwein trinkende und Ratatouille essende Bonvivants an Lagerfeuern auf Campingplatzen ein, das ist für mich der Franzose als Solcher.“<

    Sauber. Soviel zum thema Stereotypen.

    jolly rogers

    6. November 2008 at 21:03

  15. Aber irrelevant!

    T. Albert

    6. November 2008 at 21:10

  16. Essen ist irrelevante?

    ring2

    6. November 2008 at 21:18

  17. Das mit den routiniert heiligen Päpsten stimmt aber nicht. In den letzten tausend Jahren (so etwa) sind nur fünf Päpste heiliggesprochen worden. Der letzte war Pius X. (1914 gestorben, 1954 kanonisiert).

    cut

    6. November 2008 at 23:23

  18. Am Angfang massenhaft. Das stimmt

    cut

    6. November 2008 at 23:26

  19. Ausserdem finde ich gerade enttäuschend, dass Che das von Otto weiss, und nicht von einem heiligen Papst selbst. Otte kann sich ja viel ausdenken.

    T. Albert

    6. November 2008 at 23:45

  20. Selig gesprochen, nicht heilig!

    che2001

    7. November 2008 at 8:17


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