shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Gewesene Linke: Die Autonome Antifa (M) 2.Teil

with 18 comments

Theoretisch orientierte die M sich wiederholt und schnell um. Vom nur kurze Zeit vertretenen Neuen Antiimperialismus schwenkte man um auf Antiimp-Linie, die wurde dann zu einem klassischen Marxismus-Leninismus eingedampft, der sich anfühlte wie bei der KPD der 20er Jahre. Später wurde jäh und unvermittelt zur Wertkritik von Robert Kurz und Krisis umgeschwenkt. Begründet wurden diese inhaltlichen Umorientierungen nie, die M nahm auch nicht an den gruppenübergreifenden Theoriediskussionen der übrigen Göttinger autonomen Szene teil. So blieb sie bei den für Teile des Spektrums außerordentlich wichtigen Sexismus- Rassismus- Eurozentrismus- und Selbstverständnisdiskussionen völlig außen vor. Während nach Hoyerswerda, Rostock und Mölln andere autonome Gruppen die Tatsache kritisierten, dass der Rassismus-Begriff der bisherigen Antifaarbeit in den Flüchtlingen zu beschützende Objekte sah, ebenso wie Kirchens und Wohlfahrts Flüchtlings wohlwollend bevormundeten und daraus die Konsequenz zogen, die Nähe der Flüchtlinge zu suchen und mit ihnen gemeinsam politische Praxis zu entwickeln ließ die M sich auf solche Niederungen des Alltags nie herab. So diskutierte sie eigentlich nie mit anderen Gruppen, sie verlautbarte. Da sie ja ohnehin sehr techno-discolike auftrat und ihre Ideologieschwenks von außen nicht nachvollziehbar waren, sprach unsereins von Theorieresampling.

Dabei muss allerdings gesagt werden, dass sie in den 1990ern die zahlenmäßig stärkste linke Gruppe in Göttingen war und ihr Konzept der bundesweiten Organisation (Antifa BO, von uns Antifa B0 genannt) anfangs auch funktionierte. Brachte es die durchschnittliche autonome Gruppe in Göttingen auf 10 oder 15 Mit- und ohne Glieder, so waren das bei der M in den besten Zeiten um die 50, das mobilisierbare Umfeld hingegen ging in die Tausende. Das dogmatische Auftreten und die Diskussionsverweigerung der M, aber auch persönliche Animositäten und schließlich unterschiedliche Verständnisweisen von Antifa-Arbeit führten zu einer Spaltung der autonomen Szene in Göttingen, und über Jahre fanden zu allen wichtigen Themen, die Leute auf die Straße bringen oftmals zwei getrennte Demos statt: Einmal die M und Umfeld, einmal die übrige autonome Szene, Bündnispartner wie DGB, Uniszene, Göttinger BürgerInnen gegen Rechts, VVN usw. hielten es mal mit den Einen und mal mit den Anderen, bis dann die M mehr und mehr in die Isolation hineingeriet. Der Tonfall, in dem da miteinander umgegangen wurde war nicht gerade freundlich. Eine Nordirland-Soligruppe aus dem Antiimp-Spektrum schrieb über Kritiker der M:“Selig sind die Bekloppten, denn sie brauchen keinen Hammer.“, und in Bremen wurde die neugegründete Ortsgruppe der AABO im Sielwallhaus als „der letzte Kegelverein“ und „Schießbudenfiguren, über die wir lachen können“ bezeichnet. Ob Pro Antifa-Bundesorganisation oder dagegen, man schenkte sich nichts. Stark ausgeprägt war in der linken Szene die Mythenbildung um die M, wie es auch generell einen Göttingen-Mythos gab. Ich kann mich erinnern, wie ich beim Vorbereitungstreff zu einer bundesweiten Demo durchs Megafon ansagte, wo sich der Göttinger Block versammelt, und aus der Menge dann respektvolles Geraune hörte und so Sprüche wie: „Die Göttinger sind da. Dann wird´s wohl hart abgehen!“, und es ist uns echt passiert, dass uns Autonome aus einer hessischen Kleinstadt fragten „wie schätzen denn die großen Meister die Lage ein?“. Zum Mythos gehörten auch interessante Gerüchteküchen (Anekdote: Genossin D. erzählt „wir saßen in gemütlicher Runde zusammen, und Che war gerade ein Gerücht kochen“ – aber nein, über die M kochte ich keine, das schafften die schon selber). Da gab es zum Bleistift die Geschichte mit den „Orden“. Schon etwas länger als die M existierte die Initiative K & K, was nicht Kaiser und König, sondern Kunst und Kampf hieß. Diese Gruppe, deren Mitglieder auch fast alle in der M waren, entwarf das Layout der M-Publikationen, machte eine Ausstellung über militaristische Heraldik mit Orden und Ehrenzeichen, denen sie sehr wenig überzeugend rote Sterne und linke Parteiabzeichen als angebliche Gegenkultur gegenüberstellte, veranstaltete Besuche in KZ-Gedenkstätten, einer ihrer Vertreter malte Bilder, die irgendwo zwischen Sozialistischem Realismus und naiver Malerei angesiedelt waren. Die Mitglieder der K & K trugen das Logo ihrer Initiative, ein affenähnliches Männlein, das in einer Hand eine Comedia-dell-Arte-Maske und in der anderen eine 9mm Mauser hielt als Anstecknadel. Diese Nadeln gab es in Gold, Silber und Bronze, und sehr schnell verbreitete sich das Gerücht, dies seien drei Klassen von Orden, an denen die M ihre Mitgliederhierarchie festmache.

Alle diese Konflikte wurden für die M bedeutungslos, als Razzien in Göttingen zutage förderten, dass gegen die Gruppe ein 129a)-Verfahren lief.

http://www.sooderso.net/subdomains/keinfriede/flugi94antifam01.shtml

http://www.antifakomitee.de/website/soli/rechtshilfe/129.htm

http://www.rote-hilfe.de/publikationen/die_rote_hilfe_zeitung/1996/2/wer_ist_die_autonome_antifa_m

Das Bekanntwerden der Ermittlungen führte sehr schnell zu einer allgemeinen Solidarisierungswelle. Hierbei fragten sich Viele in der Szene allerdings, wieso es gerade die M traf. Sonderlich militant war die Gruppe, trotz zur Schau getragenem Schwarzen Block nicht. In dem szeneöffentlichen Sich-Wundern schwang bei militanten Gruppen daher auch so eine Art uneingestandene Eitelkeit nach dem Motto „was haben die, was sie für den Staatsschutz interessant macht?“ mit. Tatsache ist allerdings, dass Gruppierungen wie das „Kommando Otto und Lotte Rotholz“, das versucht hatte, Karl Polaceks Haus niederzubrennen so anonym waren, dass Staatsschutzschnüffler schlechterdings außerstande waren, diese in den Szenezusammenhängen aufzuspüren, und wer sich hinter den zig autonomen Kleingruppen verbarg wussten auch nur die, die es ruhig wissen durften 😉

Die M war offiziell, die M war extrem in den Medien präsent, die M hatte es bis ins Fernsehen geschafft. Die M war auf dem Präsentierteller.

Wir hatten damals lebhafte Diskusionen, warum die Generalstaatsanwaltschaft gerade gegen die M ermittelte, un erwogen verschiedene szenarien, bei denen u.a. das Potenzial der Bundesweiten Organisation eine Rolle spielte. Ketzerich frage ich mich heute, ob seitens des Staatsschutzes da nicht einfach eine extrem staatsautoritäre Rechtsauffassung ausreichte, kombiniert mit ziemlich viel Blindfischigkeit. Möglicherweise reichte der Anblick von uniform vermummten und behelmten Schwarzen Blöcken über Jahre hinweg ja schon aus, immerhin wurde auch gegen die Göttinger Polizei ermittelt. Für die DiD-Hypothese (Deppen im Dienst) spricht das Vorgehen einige Jahre später, als nach einem Überfall auf Polaceks Haus Beamte des Niedersächsischen Landeskriminalamts offensichtlich Neonazis um Torsten Heise herum Fotos von „Göttinger Antifas“ zeigten, die von diesen als „TäterInnen“ identifiziert wurden. In einem Mammutprozess wegen versuchten Totschlags und Schweren Landfriedensbruchs wurde die Unschuld der Angeklagten erwiesen, aber auch die Kriterien, nach denen das LKA (mit einem der damals ermittelnden Beamten hatte ich meine eigenen einschlägigen Erfahrungen gemacht) so vorging: Die „Fahndungsliste “ mit „Göttinger Antifas“ war die KandidatInnenliste der GAL zum Studierendenparlament. Die Leute, die beim Staatsschutz als „Top-Autonome“ galten, waren die auf den vorderen Listenplätzen. Die Liste war nach alphabetischer Reihenfolge zusammengestellt ;-

Wie sich denken lässt, führten die Ermittlungen zu keiner Verurteilung und wurden schließlich eingestellt, aber sie schwächten die M entscheidend. Man war nun weniger mit der konkreten Antifa-Arbeit oder dem Aufbau der Bundesweiten Organisation beschäftigt als vielmehr mit Prozessarbeit und Solidarität mit sich selbst. Hinzu kam, dass die BO allmählich bröckelte. Eine der wichtigsten Bündnisparterinnen, die Gruppe fels (Für eine linke Strömung) Herausgeberin der lesenswerten Theoriezeitschrift Arranca! brach mit der BO und kritisierte die M öffentlich wegen ihres „sinnentleerten Militanzfetisches“. Der Zerfall der Antifa BO fiel mit einer persönlichen Erschöpfung der M-AktivistInnen zusammen, gegen die sich das Ermittlungsverfahren gerichtet hatte. Ende der 190er existierte die M zwar noch, aber sie war nun nur noch eine Antifa-Gruppe unter vielen. Der 11. September 2001 brachte für die Autonome Antifa (M) den Spaltpilz: Die nun einsetzenden Diskussionen über die Unterstützung der Antideutschen für die Bush-Kriege führten zu einer Fraktionierung innerhalb der Gruppe, die schließlich in drei Einzelgrüppchen auseinanderfiel, die sich nichts mehr zu sagen hatten. Am ehesten in der Tradition der alten Autonomen Antifa (M) steht hierbei die bis heute aktive redical M.

Advertisements

18 Antworten

Subscribe to comments with RSS.

  1. Immer wenn wir sagten: Schlimmer kann es nicht mehr werden, wurde es schlimmer. Wir sagten es, als auf die APO die K-Gruppen folgten, die vom Ehrgeiz beseelt waren, Adornos „Autoritäre Persönlichkeit“ in chemisch reiner Form darzustellen. Wir sagten es, als auf die K-Gruppen die Spontis folgten, die die Theorielosigkeit ins Prinzip erhoben. Wir sagten es, als die lila Latzhosen, die Selbsthäkelpullover und die biodynamischen Stillegruppen das Wort „Theorielosigkeit“ schon nicht mehr kannten. Wir sagten es, als das affirmative Linkssein in der Gründung einer Partei zu sich selbst kam.

    Anfang der 80er Jahre bricht meine eigenerlebte Kenntnis der linken Szene ab. Daher lese ich Ches Darstellungen so begierig. Was ich da lese, läßt mich die Entwicklung über 30 Jahre zusammenfassen als Fluch und Höllenfahrt des Praktizismus.

    Der Arbeiterbewegungsirrsinn hört und hört nicht auf. Die Kreativität im Erschaffen immer neuer Formen der politischen und intellektuellen Degenerierung scheint unerschöpflich.

    Nunmehr hat die Studententruppe der Linkspartei an über 30 Unis „Marx-Lesekreise“ gestartet. Das ist löblich, endlich mal etwas, das immerhin der Absichtserklärung nach eine vernünftige Idee ist. Aber das Vorhaben ist vorweg kontaminiert durch den alten Käse: „Den Kapitalismus überwinden“ wird als Ziel genannt, so als habe nicht 150 Jahre Kapitalismusüberwinderei nichts aber auch rein garnichts gerissen. Als Einwand kommt, vor 100 Jahren habe man auch Menschen auf dem Mond für unmöglich gehalten. Da konnte ich nur noch grinsen und sagen: „Eine interessante Analogie.“
    Der Kapitalismus sei in der gegenwärtigen Krise „geschwächt“, so höre ich. Ich habe dazu erklärt, dass die Lesekreise, wenn sie sich ranhalten, pünktlich zur nächsten Krise in zehn Jahren im dritten krisenerklärenden Band angelangt sein werden. Schaun wir mal.

    Nörgler

    16. November 2008 at 1:05

  2. Das ins Stammbuch der Gläubigen und Alltagsheuchler!

    Har.Har.Har.

    jolly rogers

    16. November 2008 at 1:11

  3. Jetzt mache ich mich hier einfach mal so richtig unbeliebt hier:

    Na, ein bißchen sehr protestantisch-praktisch ist das aber schon, immer auf die Buchstaben der heiligen Schrift zu verweisen, die man studieren solle, und die Ankunft des Messiahs ansonsten ins NIEMALS zu verweisen … und diese Göttinger Szene-Historie hat auch ein wenig was von rivalisierenden Jugend-Gangs …

    momorulez

    16. November 2008 at 10:41

  4. Im Grunde war der Zweite Weltkrieg ja auch nur eine große Klopperei zwischen den braunen und den roten resp. den gelben und den schwarz-weißen Jungs.

    che2001

    16. November 2008 at 11:49

  5. Da waren nur erheblich mehr Leute beteiligt, und die Wirkung war auch durchschlagskräftiger …

    momorulez

    16. November 2008 at 12:29

  6. @Nörgler: Du machst den Fehler, die Autonome Antifa (M) an dem Anspruch zu messen, einen Weg zur Überwindung des Kapitalismus oder eine Theorie zur Entwicklung eines solchen Weges aufzuzeigen. Ziel und Aufgabe einer Antifa ist es, Neonazis die Straße zu nehmen, dafür zu sorgen, dass Leute nicht von Neonazis zusammengehauen werden und eine Jugend(sub)kulturarbeit zu betreiben, die auf den Fluchtpunkt ausgerichtet ist, dass Jugendliche nicht zu Neonazis werden. Das hat die M sogar sehr respektabel hingekriegt, aber um einen furchtbaren Preis, den einer allgemeinen Regression des kritischen Bewusstseins.

    Hierzu muss ich mal etwas länger ausholen:

    Die Autonomen entstanden Anfang der Achtziger Jahre als eine Absetzbewegung zu den lila Latzhosen und der moralinsauren Oberlehrerlinken jener Jahre generell. Aus der Häuserkampf- und Anti-AKW-Bewegung, Absetzern aus dem Antiimp-Lager, denen klar wurde, dass die RAF eine katastrophale Sackgasse darstellte und Spontis, die den Wert der Theorie dann doch anerkannten und sich Theiorieimporte aus Italien, Frankreich und Großbritannien holten entstand eine eigenständige politische Kraft, die in den 1980ern den militanten Kern der westdeutschen Protest- und Alternativszene darstellte. Was den Kern des autonomen Spektrums angeht, so hatte der einen Theorieansatz, der durch italienischen Operaismus und englische marxistische Sozialhistorie geprägt war, durch Leute wie Tronti, Negri, Thompson, Mason und natürlich auch Poulantzas. Später hatten die deutschen Autonomen dann mit Leuten wie Detlef Hartmann, Karl Heinz Roth, Ahlrich Meyer, Angelika Ebbinghaus, Susanne Heim und Götz Aly (der das heute sicher nicht mehr wissen will) ihre eigenen TheoretikerInnen. Das kam zusammen mit politisierten Punks, Neuer Deutscher Welle, der Frauen- und Lesbenbewegung und von ihren Organisationen enttäuschten Jusos und Grünen. Schematisiert kann man auch sagen: Undogmatischer Marxismus plus Patriarchats- und Positivismuskritik in der Analyse, Anarchosyndikalismus in der Theorie des politischen Handelns, eine politische Praxis, die zwischen militanter Untersuchung,

    http://www.toppoint.de/~kapeka/opera2.html

    http://www.labournet.de/diskussion/geschichte/birke.html

    Bündnisdemos mit traditionellen Linken, und Haudraufaktionen bis zu Anschlägen eine sehr ambivalente Bandbreite hatte, dazu ein subkulturelles Kostüm zwischen Punk und Heavy Metal. Als die M auf den Plan trat, war die autonome Bwegung schon ein bißchen verstaubt und mit großen Selbstzweifeln und Richtungsdebatten beschäftigt. Die M „löste“ diese durch Nichtbefassung. Einerseits war sie jugendsubkulturell-trendmäßig auf dem allerhipsten Stand und sprach dadurch Jugendliche an, die für die klassische autonome Szene kaum noch erreichbar waren. Und andererseits wurde politische Theorie nicht kritisch und offen genutzt, sondern affirmativ als Weg zur Selbstvergewisserung und Selbstlegitimation, als Ideologie um den Gruppenerhalt willen. Als Ende der 90er aus dem M-Umfeld Leute begannen, an der „neuen historischen Theorie“ zu arbeiten, gestanden sie damit implizit ein, jahrelang die Möglichkeiten der Theorieaneignung verdödelt zu haben. Von daher war die M vor allem eins: das Vertun einer angesichts der mobilisatorischen Stärke großen Chance zugunsten linkssentimentaler Affirmation. Ein Genosse aus der Materialien-Redaktion nannte das mal „Die Regression darf keine Grenzen kennen, es lebe die Identifikation mit dem Aggressor!“. Und dabei wird die Autonome antifa (M) und selbst ihre Nachfolgeorganisation redical m von heutigen Linken schon wieder romantisierend verklärt, das reicht ja bis zu Lysis.

    che2001

    16. November 2008 at 12:35

  7. @ momorulez
    Nach christlicher Überzeugung – jetzt muß ich hier schon Pfaffen-Basics vermitteln – ist der Messias gerade nicht ins Niemals verwiesen, im Gegenteil: er war schon da, nämlich vor 2008 Jahren.
    Die Feststellung, dass er noch nicht da war und so bald auch nicht kommen wird, entspricht vielmehr der jüdischen Theologie, die mich ohnedies mehr überzeugt, da sie gleichzeitig realistischer und intellektuell pfiffiger ist.

    @ Che
    Aufgrund Deiner Fachkompetenz als Sektenbeauftragter kann ich auf Deinem Gebiet natürlich nie mithalten.

    Nörgler

    16. November 2008 at 14:23

  8. im Unterschied zum Salonmarxologen bin ich eben jemand, der einerseits Theorie betreibt, andererseits aber zumindest perspektivisch zur Praxis finden will. Dies nicht im Sinne des großen revolutionären Plans, sondern im Sinne alltäglicher Einmischungen. Dafür gibt es inzwischen ja sogar eine Eigenbezeichnung: Interventionistische Linke. Die Autonomen der frühen 90er Jahre waren teilweise auf einem interessanten Weg, weil sie sich selbst in Frage stellten. Das hat die M mit ihrem affirmativen Konzept zubetoniert und offene Diskurse auf ein K-Gruppen-mäßiges Weltbild retardiert.

    chezweitausendeins

    16. November 2008 at 14:56

  9. Und übrigens hat es in dem bunten Mikrokosmos linker Kleingruppen im Göttingen der 90er Jahre sogar eine Fraktion gegeben, die sich „Theorie und Praxis“ nannte.

    chezweitausendeins

    16. November 2008 at 15:07

  10. @Noergler:

    Wollte ja auch erst die Nummer mit der negativen Theologie auskramen, die oft im Bezug auf Adorno Erwähnung findet, dazu war ich heute morgen aber noch zu müde (und nein , ich bekomme nicht zwei Verwendungsweisen von „negativ“ durcheinander, und das, was da gemeint ist, mochte ich bei Adorno immer ganz gerne).

    Aber, jetzt mal im Ernst: Der Messiahs war schon da? 😉 …

    @Che:

    „Ziel und Aufgabe einer Antifa ist es, Neonazis die Straße zu nehmen, dafür zu sorgen, dass Leute nicht von Neonazis zusammengehauen werden und eine Jugend(sub)kulturarbeit zu betreiben, die auf den Fluchtpunkt ausgerichtet ist, dass Jugendliche nicht zu Neonazis werden.“

    Den Part fand und finde ich immer gut, und das ist nun gerade der, der auch mit Jugendbanden nix zu tun hat, sondern mit Notwehrrecht.

    Aber das mit der Neuen Deutschen Welle diskutieren wir doch lieber mal separat, das ist schon etwas komplizierter.

    momorulez

    16. November 2008 at 15:34

  11. „Aber, jetzt mal im Ernst: Der Messiahs war schon da?“
    Aber ja doch! Im Stalle geboren, daher auch der bekannte Satz: „Den Messias in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.“

    Nörgler

    16. November 2008 at 15:45

  12. 😀

    momorulez

    16. November 2008 at 15:58

  13. Da streiten sich aber zwei Sekten darum, ob nun Jesus oder Johannes der wahre Messias war, und an der Antwort auf diese Frage hängt im Irak aktuell, ob der beantworter weiterlebt.

    chezweitausendeins

    16. November 2008 at 16:11

  14. “ … ob der Beantworter weiterlebt.“ Ja, ja, diese Praxis, die will sich überall einmischen. Der schlankfüßige Salonmarxologe würde vor Ort aus der Affäre sich zu ziehen suchen, indem er antwortet: „Messias war noch gar nicht da! Ätsch-Bätsch!“
    Aber dann würde man ihm wohl einen schlanken Fuß mit der Axt machen.
    ______________

    @ Theorie / Praxis
    Vielleicht, so wenigstens meine Hoffnung, mag auch der strenge Praktiker einen Praxisbezug mir zugestehen, wenn ich aktuell versuche, jungen linken Menschen die – historisch schon oft beschrittenen und mit Marx vermeidbaren – fatalen Holzwege der Praxis per Studium der Marxschen Theorie aufzuzeigen.
    Es wird der Praxis jedenfalls nicht schaden, wenn der Jungpraktiker weiß, was bereits nicht funktioniert hat, und warum nicht.

    Nörgler

    16. November 2008 at 16:59

  15. Messias war schon da, muss aber seit 2008 Jahren auch wiederkommen.
    Da warten wir alle zusammen. Oder wir warten nicht. Zwischendurch gabs noch Shabbetaj Zvi, und Hussein wird auch wiederkommen.
    Er ist schon gekommen und wird wiederkommen, und im Apostolischen Glaubensbekenntnis heisst es drum: venturus est, er wird wiedergekommern sein. Aber eben im 2. Jahrhundert. Das wird ja immer falsch übersetzt mit „er wird kommen“.. Aber das impliziert ja keine Verpflichtung unsererseits und eben keine Rückbindung an die von den Propheten ausgesprochene Charakterisierung des Messias als demjenigen, der ewigen Frieden bringen wird, mithin die Auflösung der Widersprüche, mithin löst diese Übersetzung den Zusammenhang mit der Beschreibung des Entstehens von Bewusstsein und Emanzipation in der Schöpfungsgeschichte (Vertreibung aus dem Paradies) auf. Die falsche Übersetzung des Futur 2 zeigt die Lücke im Christentum an, durch die die Gewalt sich speisen kann. Wenn der Messias gekommen sein wird, dann wird alles sein wie vorher, nur anders, das referiert ja Adorno, glaubich, irgendwo. Dann werden nämlich die Löwen bei den Lämmern liegen.
    Ohjeiei, das wollte ich schon lange mal loswerden. Aber der Kapitalismus wirds schon richten in Armaggedon.

    T. Albert

    16. November 2008 at 17:03

  16. Da eint uns ja das gleiche Interesse, denn meine Serie „Gewesene Linke“ dient ja dem Zweck, die bereits begangenen Holzwege aufzuzeigen, um Wiederholungen zu vermeiden. Repetitiones non placent.

    chezweitausendeins

    16. November 2008 at 17:04

  17. @ Messias:
    Man beachte die Ankündigung Jesu, ‚es werden viele kommen in meinem Namen‘, was aber Schwindler sind. Ich dachte immer, da müssen wir erst ein paar abwarten (‚viele‘ sind für mich Minimum drei), und dann gucken wir sie uns ab dem Vierten an, ob da einer echt ist. Bislang dachte ich, es wäre noch keiner dagewesen, lese jetzt aber von diesem Zivi und Hussein. Waren das ernsthafte Anspruchsteller, so dass sie in die Zählung mit eingehen? Nicht, dass ich mit der Zählung – die aktuell bei mir noch auf Null steht – zu spät anfange, und dann den wahren Messias leugne, weil der kommt, dieweil mein Zähler, sagen wir mal auf „2“ steht, also „Schwindler“, tatsächlich aber ist es schon die Nummer 5 und der Echte!
    Nicht, dass wir’s versemmeln, bloß weil wir uns verzählt haben.

    Noergler

    16. November 2008 at 17:21

  18. Die Rückkehr des shiitischen Imam Mahdi, der übrigens das verfassungsmässige Oberhaupt der Islamischen Republik ist, wie die Heilige Dreifaltigkeit der Ursprung und Referenz aller Autorität in der Irischen Verfassung, ist an die Rückkehr Jesu gebunden und er wird die Bundeslade bei sich haben.

    Shabbetaj Zvi war ein selbstermächtigter Messias. Leider weiss ich aber über ihn so gut wie nichts, ausser dass er für einigen Wirbel im europäischen Judentum gesorgt hat. Gershom Scholem hat ein Buch über ihn geschrieben, hab ich aber nicht gelesen, soweit ich aber zu verstehen meine, geht es hier um einen starken mystischen Aspekt.

    „Messias“ hat ja auch nicht immer dieselbe Bedeutung, biblisch, also funktionsmässig.
    „Mahdi“ auch nicht, also, es gab ja auch den Mahdi von Sudan, Muhammad Ahmad, den Führer des „Mahdi-Aufstands“ 1881(?), oder wie war das?

    T. Albert

    16. November 2008 at 18:17


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s