shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Theorie und Praxis: „Rational Choice“, auch ’ne Form von Planwirtschaft …

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„Eine herausragende Rolle hat jedoch die Entwicklung der Wirtschafts- und Finanztheorie seit Beginn der achtziger Jahre gespielt, die darauf gründet, dass die Akteure in der Wirtschaft rein rational handeln, ihre Erwartungen über die Zukunft streng rational bilden, und dass alle Märkte liquide und kontinuierlich sind. Diese Theorie übte einen wesentlichen Einfluss auf die makroökonomische Politik und Regulierung des Finanzsektors aus. In der Wirtschaftspolitik übernahm die Geldpolitik die Hauptrolle zur Inflations- und Konjunktursteuerung, während die Fiskalpolitik in den Hintergrund trat. Da die theoretische Begründung für die Regulierung des Finanzsektors in einem Umfeld, in dem sich rationale Akteure auf effizienten Märkten tummeln sollten, dünn war, schenkte man ihrer institutionellen und inhaltlichen Gestaltung geringe Aufmerksamkeit. Es wurde populär, zu sagen, dass die Märkte sich am besten selbst regulieren könnten.

Auf diesem intellektuellen Boden wurde im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts ein wahrhaft beeindruckendes Finanzgebäude errichtet. Finanzströme wurden stark internationalisiert und die neu entwickelte finanzielle Ingenieurkunst schien eine saubere Trennung finanzieller Risiken von den unterliegenden Transaktionen und eine gefahrlose Endlagerung der gefährlichen Stoffe zu erlauben. Die Trennung und Umarbeitung von Risiken schürte ein explosionsartiges Wachstum der Märkte für Finanzderivate während die Verbriefung von Bankkrediten eine internationale Finanzierung von Hypotheken- und Konsumentenkredite möglich machte.“

Was das nun allerdings mit „animalischen Kräften“ zu tun haben soll, das verstehe ich nicht. Zweckrationalität und verabsolutiertes Gewinnmaximierungsstreben gibt es doch bei den armen Viechern gerade nicht, oder?

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Written by momorulez

16. November 2008 um 19:59

7 Antworten

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  1. Wie, vergiss nicht die lustigen Diskussionen mit bissigen und abtibürokratischen ökonomistischen Biologisten. Da ging es doch immer um die wissenschaftliche Erkenntnis, dass die armen Viecher nur zweckrational und evolutionsgewinnmaximierend funktionierten.
    Wenn die Viecher kein Bewusstsein von etwas haben, dann die Naturökonomen auch nicht, oder?

    T. Albert

    16. November 2008 at 20:10

  2. Stimmt, „bissig“ ist ja schon mal ziemlich animalisch ,-) … habe heute mal wieder diese schöne These von Roland Barthes gelesen, daß Mythos als Natur mißgedeutete Geschichte sei …

    momorulez

    16. November 2008 at 20:54

  3. Mir fallen da spontan Schweinezyklen ein. ansonsten erinnern mich diese Marktradikalen an 150% Gläubige, die am 01. Januar 1000 auf Berge stiegen, weil sie fest mit der Sintflut rechneten.

    chezweitausendeins

    16. November 2008 at 22:07

  4. Wobei ich ja das massive Unwohlsein angesichts mancher Merkel-Zitate drüben durchaus teile … wobei’s eben auch wieder hausgemacht von denen selbst ist, daß aus der an sich ja gar nicht schlechten Idee der Parteiendemokratie eine politökonomische Institutionenherrschaft wurde.

    Wer so lange auf Politik einprügelt, alles im Weberschen Sinne Soziale, also Intersubjektive für nicht-existent oder politisch nicht relevant erachtet und eine Kategorie wie „Gesellschaft“ mit Thatcherschen, rhetorischen Mitteln gegeißelt wird, der muß sich ja nicht wundern, wenn Politik nur noch Wirtschaftsweisen hinterher dackelt und kaum noch jemand Vernünftiges da agieren will.

    Daß Interessenausgleich an die Stelle der altbackenen Vorstellungen vermeindlicher „wirtschaftlicher Effizienz“ treten würden, das wird dort ja auch schon wieder verhöhnt … als wäre Interessenausgleich nicht mal wieder bitter nötig, so lange der Kapitalismus nicht überwindbar ist.

    Daß wie üblich die Hartz IV-Abgesonderten, Prekären und Zeitarbeiter auf der Strecke bleiben werden, das interessiert ja aktuell auch wieder kein Schwein …. stattdessen erhält jetzt China mehr Macht in allen Wirtschaftsrunden, auch offiziell. Und das war und ist ja immer meine größte Angst, daß letztlich China hinten raus kommt … was dann doch den Kreis zu den Merkel-Zitaten schließt.

    momorulez

    16. November 2008 at 22:41

  5. Ich muss an Brechts Lieder aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise denken „So helft ihnen doch, sonst passiert Euch etwas, das Ihr nicht für möglich haltet“ und so. Denkbar ist auch immer noch, dass es richtig knallt.

    chezweitausendeins

    16. November 2008 at 22:50

  6. In der Novemberrevolution 1918 hat es doch ‚richtig geknallt‘, und am Ende war’s wieder nix. Wie dann denn jetzt?!

    Nörgler

    17. November 2008 at 13:01

  7. Kommt Zeit, kommt Rat, kommt…..

    che2001

    17. November 2008 at 14:11


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