shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Selbstbild, Stigmata und Selbst-Vermarktung

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„Einfach einmal selbstkritisch hinterfragen, weshalb man denn eigentlich gegen den “bösen Kapitalismus” ist. Anschliessend dann die infantile Furcht vor der “Selbstvermarktung” in sich bekämpfen und nach erfolgreicher Selbsttherapie dann etwas vernünftiges lernen, sich ein nettes Frauchen anlachen und in einem gut bezahlten Job Karriere machen und endlich Frieden mit der Aussenwelt schliessen, die gar nicht so böse ist, wie zuvor geglaubt.“

Wahrscheinlich fehlt mir einfach nur die Lust auf’s Frauchen – wieso nur habe ich immer, wenn ich auf den Seiten der Reaktion lese, das Gefühl, es mit Eltern aus den 70er Jahren zu tun zu haben, die ihren Söhnen zuriefen, sie sollten sich gefälligst erst mal die Haare schneiden lassen, bevor sie das Maul aufmachten?

Hatte das dazu passende Erlebnis letzten Freitag ausgerechnet beim so großartigen Spiel gegen Ahlen am Millerntor (danke hiermit noch mal an die Mannschaft des FC St. Pauli!).

Die Ahlener Spieler applaudierten noch uns Publikum, hat sie wohl beeindruckt, wie laut wir waren alle miteinander, und einer mit einem blondierten Schweinsteiger-Iro kam noch auf die Haupttribüne zu und plauderte mit dort Sitzenden.

Und dann steht sie da, diese dürre, ganz außerordentlich schlecht frisierte Post-Öko-Frau in Block 11 und brüllt voller Selbstgefälligkeit „Schneid Du Dir erst mal die Haare!“ Aaaaaaaaaaargh, da bin ich richtig ausgerastet und habe dieses repressive Miststück quer über den Block aber sowas von angebrüllt, daß ich mich im Nachhinein richtig über mich selbst wunderte: „Laß Du Dir doch erstmal die Haare schneiden!“ und schimpfte wie ein Rohrspatz. Bekam mich erst mal gar nicht mehr ein.

Gut, war auch der Alkohol, war auch das Abtauchen in dieses tolle Buch von Simon Reynolds über Postpunk und die heroischen zeiten, als Werber noch keine Chance hatten, ihren Dreck zur Kunst zu erklären – aber nicht nur das: Da steht man in DEM Postpunk-Stadion nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen Welt,  und solche verblödeten Weiber rufen Sprüche aus wie Nazi-Väter in den 70ern – und das dann auch noch bezüglich eines nicht genehmen Haarschnitts.

Keine Ahnung, vielleicht tragen sowas ja auch ganz schlimme Jungs und ich hab’s nicht mitgekriegt, ich kenne da eher die Sprüche „Ey, sieht ja voll schwul aus!“ bei sowas.

Nun kann man Frisurendiskussionen auch oberflächlich finden, aber wenn die Linke schon nicht die Revolution hervorgebracht hat, dann doch wenigstens zeitweise eine ansatzweise mögliche Diversifizierung von Lebensstilen und Mentalitäten, die dann Ausdruck fanden in dieser Abfolge jugendkultureller Styling-Formen. Haben sich Kettcar auf ihrem letzten Album äußerst prägnat drüber lustig gemacht, „Das ist Graceland, Baby, keiner wird erwachsen“, aber der „Berufsjugendliche“ geisterte auch schon durch das Geschwätz von ’82, trotzdem: Das war mehr als ein Oberflächenphänomen und auch mehr als „Wohlstandverwahrlosung“, wie mancher das gerne hätte, der ja de facto gegen Arbeitslager auch nix einzuwenden hätte.

Daß dann Lebensstil-Totalitaristen wie Emmett Grogan um die Ecke kriechen und selbstverliebt ihre jämmerliche Scheißwelt altväterlich zum Way of Life erheben wollen, das treibt mir schon wieder die Zornesröte in’s Gesicht: Wahrscheinlich war’s ja gewollt, daß er jene Kritik im vom Che zitierten Text einfach nur bestätigt.

Genau darum geht’s ja in dem Text: Wenn Verhalten bis in’s Detail normiert wird und Subjektivität extern geformt wird, ist Selbstbestimmung und Mündigkeit längst in die Utopie gerutscht. Und genau das ist aktuell der Fall.

Allein schon „infantile Furcht vor der Selbstvermarktung“, so spricht die Regression, die Adorno in den „Studien zum autoritären Charakter“ beschrieben hat: Daß sich das geknechtete Selbst auch noch einen drauf runterholt, die nur scheinbar freiweillige Selbst-Unterwerfung als ganz besonders erwachsen zu begreifen.  „Infantile Furcht vor der Selbstvermarktung“, ha, seit 15 Jahren betreibe ich täglich 8-14 Stunden  „Selbst-Vermarktung“, durchaus „erfolgreich“, und nur in sehr gewachsenen Beziehungen in meinem Berufsleben ist das meistens nicht mehr nötig. Da greift dann plötzlich Solidarität, und das fühlt sich sehr, sehr gut an – ansonsten muß ich ja manchmal sogar beim Bierchen mit Ring2 nach dem Spiel vor der Domschänke aufpassen, mich nicht aus Versehen selbst dann noch selbst zu vermarkten mit meiner Aktualitätsberichterstattung.

Ich tu’s konstant, und abends auf dem Sofa oder beim Bloggen leide ich dann darunter, weil es so nicht gut ist. Weil’s permanente Hochspannung ist, ein dauerndes auf-der-Hut-sein, diese „Selbstvermarktung“. Weil sie dazu erzieht, sich zu verstecken, zu lügen und geballte Emotionen auf das Heimspiel alle zwei Wochen zu vertagen.

Gibt diese herrliche Anweisung für Drehbuchschreiber „Männer reden über Status, Frauen über Beziehungen“, und Leute wie Steffen H. naturalisieren das dann, damit keiner merkt, wie’s dazu kommt.

Dazu haben ja nicht nur Östro 430 einst so treffend gesungen „Die merken nicht, die merken nicht, daß sie selber stinken, vor lauter Selbstzufriedenheit, die wägen sich in Sicherheit“.

Aber fragen wir doch einfach mal Hauptschüler, wie die das sehen, die Sache mit der „Selbstvermarktung“, dem „Frauchen“ (!!! gab mal den Kampf gegen das Wörtchen „Fräulein“, und das völlig zu recht!) und der Karriere im so gut bezahlten Job:

„Knigge befragte nun rund 900 Hauptschüler in Berlin, wie die Gesellschaft sie wahrnimmt. Ihre Antwort lässt kräftig schlucken: Dumm, faul, unsozial. So, glauben sie selbst, urteilen andere über sie. „Hirnamputiert und nicht in der Lage, irgendwas zustande zu bringen.“ So bringt es einer der befragten Schüler auf den Punkt. „Eigentlich reicht die Skala negativer Beurteilungen, wie sie in meiner Befragung vorgegeben waren, gar nicht aus“, hat Knigge beobachtet. „Sie hätte nach Einschätzung der Hauptschüler noch viel weiter gehen können.“

Und lesen dann wieder in den Kommentaren nebenan:

„Ist auch eine tolle Sache, weil man natürlich kein saufendes, randalierendes Stück Schlägerscheiße ist, sondern ein echter Held des proletarischen Widerstands. Was man daran erkennen kann, daß man arbeitende Leute für Idioten oder Kapitalistenknechte hält, die man durch Saufen, Prügeln und Randalieren von ihren Ketten namens Arbeit, Wohlstand und Sonntagsruhe befreien muß. Der natürliche Feind des proletarischen Widerstands ist dementsprechend auch nicht ganz zufällig der vom proletarischen Widerstand als Proll verachtete Proletarier. Denn der hat meistens keinen Bock, daß ihm saufende, prügelnde Randalierer das Auto abfackeln oder auf ähnliche “kreative” und “kämpferische” Weise ihren proletarischen Widerstand leisten.“

Und jetzt wieder die Hauptschüler:

„Knigges Studie haut damit in die gleiche Kerbe wie die Untersuchung der US-Psychologen Claude Steele und Joshua Aronson. Diese hatten in den 90er Jahren die Bedrohung durch Stereotype am Beispiel junger Afroamerikaner nachgewiesen: Obwohl erfolgreiche Studenten an der renommierten Stanford University, sanken ihre Leistungen bei einem Test, nachdem sie zuvor Auskunft über ihre ethnische Herkunft erteilt hatten. Ein ähnlicher Effekt zeigte sich auch bei naturwissenschaftlichen Prüfungen von Frauen, die zuvor ihr Geschlecht angaben. „Gerade das Stereotyp, das über die eigene Gruppe besteht und das man eben nicht bestätigen möchte, wird wirksam“, so Knigge. Auch bei den von ihm untersuchten Hauptschülern zeigte sich: Unabhängig von ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit wird das Stigma vom schlechten Schüler zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Das gilt auch für die Bereitschaft, auf eine höhere Schulform zu wechseln: Da das Image des Hauptschülers besonders dann auf ihm lastet, wenn er sich in der Minderheit fühlt, reizt ein Wechsel an Realschule und Gymnasium nur wenig: Jeder weiß ja hier, woher der oder die Neue kommt. Am stärksten leiden die Hauptschüler unter dem Klischee, sie seien unsozial, gar aggressiv: „Damit wird ihnen ja auch ihre Menschlichkeit aberkannt und das empfinden sie als besonders bedrohlich“, sagt Knigge.“

Aber die hat der große Califax ja gar nicht gemeint, sondern punkige Autonome und so, menschliche Probleme also, die schon Ministerpräsident Börner mit der Dachlatte lösen wollte.

Und da behauptet noch irgendwer, links sei von gestern?

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Written by momorulez

18. November 2008 um 20:21

24 Antworten

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  1. „Daß dann Lebensstil-Totalitaristen wie Emmett Grogan um die Ecke kriechen und selbstverliebt ihre jämmerliche Scheißwelt altväterlich zum Way of Life erheben wollen, …“
    Schöner kann man es nicht sagen.

    Die angedrehte Marktbegeisterung ist vielmehr ihrerseits Angstabwehr, deren kontinuierliches Umschlagen ins Schrille zeigt, wie unvollständig selbst hartgesottenen Affirmatoren die Verdrängung länger noch gelingt.
    Die dunkle Ahnung, die verhaßten Linken könnten hier und da vielleicht doch recht haben, verbündet sich mit dem uneingestandenen eigenen Unbehagen. Gegen diesen Doppelangriff auf die Konsonanz, an welcher das schwache Ich allein halt findet, wird innerpsychisch mobilisiert. Die Resultate des Abwehrreflexes sind dann in Deinem Zitatenteil zu besichtigen.

    Nörgler

    18. November 2008 at 21:30

  2. Horkdornos Elemente des Antisemitismus lassen grüßen. Der Judenhass, der den Kleinbürger beim Anblick von Bettlern befiel war aus ähnlichem Holz geschnitzt. Die Abhandlungen über die Idiosynkrasie stimmen halt immer noch. Interessant finde ich übrigens Netbitchs Brückenschlag von Hartmann/Geppert zu Butler. Und „Hass spricht“ gilt hier ja auch ohnehin.

    che2001

    18. November 2008 at 22:16

  3. *distanzier*

    karstenduerotin

    18. November 2008 at 22:33

  4. Ja, jetzt nicht auf Dich bezogen, aber was die letzten Kommentatoren außerhalb der BLOG-Mannschaft angeht sehe ich das allerdings wirklich so.

    che2001

    18. November 2008 at 22:37

  5. Ich war ja auch zutiefst beeindruckt als ich obiges dort drüben las.Ist ja nicht das erste Mal, sowas aus der Ecke. Ist ja schon ängstlich in seiner Statusunsicherheit, läuft dann irgendwann auf „Sozialismus der dummen Kerls“ , wie Bebel Antisemitismus nannte, raus.
    Die Kollegen können sich je mal mit meiner Mutter unterhalten.Die erklärt ihnen schon, wie bürgerlich geht. Mannmannmann.

    T. Albert

    18. November 2008 at 22:41

  6. Ich bin übrigens von Hartmann und Geppert (bzw. ja eigentlich Detlef und Gerald, wir sind per Du) schon wieder schwer begeistert: „Erfolgte die Stabilisierung des Selbst im sozialdemokratischen Zeitalter vielfach durch konsumtive Attribute, die aufgrund der Ausbeutung einer zerstreuten Millionenzahl von Weltmarktarbeiterinnen erschwinglich war, so mindern nun andere, noch billigere Räusche die Scham des Herabgesetztseins und das Gefühl der Entwertung. Unterhaltung, Konsum, Porno und Halbwissen werden zu einem Elixier vermengt, wie es uns täglich aus dem Fernsehen und aus den Portalen entgegenschwallt. Kommunikation erfolgt im Takt der Billigtarife, nach bestimmten, vonNetz und Telefonie gepräögten Abläufen. Der Einzelne erfindet sich episodisch neu, sehr wohl in der Ahnung, dass die Bausteine seines Selbst außerhalb vorfabriziert werden. Eine Welt genormter Individualisten und medial geformter Lebensstile ersetzt die postnazistische Forderung nach Konformität. Heute weicht jeder genüsslich von der Norm ab. Das Biedere, Langweilige, Komplizierte wird argwöhnisch beäöugt. Gleichwohl sind dem spaßigen treiben staatlich enge Grenzen gesetzt, wie jüngst die Rostock-people knüppeldich zu spüren bekamen. Bei ernsthaft renitenter Individualität besteht Terrorismusgefahr! Aus all diesen Facetten wird ein unternehmerisches Selbst formiert, mit allen individuellen Freiheiten ausgestattet, und nur der einzigen Drohung ausgesetzt, im kreativen Rattenrennen nicht schlapp machen zu dürfen. That´s the mystery!“

    che2001

    18. November 2008 at 22:50

  7. Die Frau ist ja gnadenlos. Aber irgendwo hat sie Recht:

    http://netbitch1.twoday.net/stories/5330606

    che2001

    18. November 2008 at 23:24

  8. Noch ein interessantes Zitat, Che. Vermutlich bin ich sogar semantisch fähig, das zu begreifen.

    karstenduerotin

    18. November 2008 at 23:53

  9. 😉

    Gute Nacht!

    che2001

    18. November 2008 at 23:58

  10. Das Zitat finde ich jetzt aber ein wenig billig/kulturkritisch … das ist doch zudem der Punkt, den nun wirklich noch kein Schwein nachweisen konnte: Daß es die Formung durch’s Mediale wirklich gibt. Sowas schreiebn immer Leute, die zu viel ffern gucken und im Netz unterwehgs sind dann glauben, sie sagten was über Realitäten. Natürlich hat jeder ’n Handy oder hat es zu haben, und natürlich macht das was mit einem, daß man nicht mehr Briefe schreibt, sondern sms, aber man kann’s nun auch wirklich übertreiben, da glweich ’nen neuen Menschen wie ein Karnickel aus dem Hut zaubern zu wollen.

    Zudem:

    „Unterhaltung, Konsum, Porno und Halbwissen werden zu einem Elixier vermengt, wie es uns täglich aus dem Fernsehen und aus den Portalen entgegenschwallt.“

    Das ist ungefähr das gleiche ist wie das, was Califax oben schreibt: Alles doofe Prolls halt.

    „Der Einzelne erfindet sich episodisch neu“

    Ja, zum Glück!

    „Eine Welt genormter Individualisten und medial geformter Lebensstile ersetzt die postnazistische Forderung nach Konformität. Heute weicht jeder genüsslich von der Norm ab. Das Biedere, Langweilige, Komplizierte wird argwöhnisch beäöugt.“

    Das halte ich schlicht für falsch. Sowas glaubt man nur in bestimmten Milieus – mal ab vom Komplizierten. Das ist nun echt der Weltschmerz biederer Alt-Linker mit Hang zum Cognac oder gutem Rotwein, und im Grunde genommen ist der gesamte Passus zutiefst konservativ. Furchtbar. Was hat denn das mit „links“ zu tun?

    momorulez

    19. November 2008 at 10:25

  11. @“Was hat denn das mit “links” zu tun?“ —- Alles. Ich würde ernsthaft behaupten, dass dieses Werk ähnlich epochal ist wie die Dialektik der Aufklärung, allerdings dabei, ohne eine Antwort bieten zu können, durchaus auf die Frage nach einer möglichen politischen Praxis bezogen. Na klar, auch das Kapitel über die Kulturindustrie bei Horkdorno, erst recht die Negative Dialektik und Neil Postmans „Wir amüsieren uns zu Tode“ lässt sich, wenn man es aus einem entsprechenden Blickwinkel liest, auf „Alles doofe Prolls“ eindampfen. Sind die Scheuklapen groß genug geht das prima.
    Es geht in dem ganzen Buch darum, wie einerseits der Kapitalismus sich unter tätiger, aber nicht aus freien Stücken erfolgender Mittätigkeit der von ihm abhängigen Menschen neu konstituiert und welche sozial-kulturindustriellen Prozesse dabei zum Tragen kommen. Und andererseits darum, wie linke Positionen, linke Lebenswirklichkeit, linke Praxis neu gedacht werden können. Dabei spielt durchaus eine Rolle, inwieweit die starke Mediatisierung unserer heutigen Gesellschaft, die Orientierung auf Performance und Selbstvermarktung und die Bedeutung des Internets einerseits neue Formen der Gegenaufklärung, der Rückführung des Menschen in die Unmündigkeit hervorbringt und andererseits aber auch neue Freiheitspotenziale ermöglicht. Zu den genormten Lebensstilen usw: Schau Dich mal in Welten wie den Xing Themenforen, Second Life oder StudiVZ um. Aber Hallo, ich war in solchen Cyberwelten jahrelang unterwegs und kann alles, was Geppert und Hartmann dazu schreiben nur voll bestätigen.

    Möglicherweise ist meine Zitatauswahl unglücklich, dann sind Geppert und Hartman besser als ich. Vielleicht mal selber lesen….

    che2001

    19. November 2008 at 10:45

  12. @“Sowas schreieben immer Leute, die zu viel Fern gucken und im Netz unterwegs sind dann glauben, sie sagten was über Realitäten.“ — Also, in diesem Fall sind das Leute, die seit den Brotpreisrevolten der frühen Achtziger bei allen möglichen sozialen Verwerfungen zum Ort des Geschehens reisen, mit Zeitzeugen sprechen, sich Elendsviertel von innen anschauen, Flüchtlings- und Obdachlosenarbeit machen und das dabei empirisch Vorgefundene mit einer Verbindung aus poststrukturalistischer, kritischer, Entwicklungs- und marxscher Theorie abgleichen.

    che2001

    19. November 2008 at 10:52

  13. „Alles. Ich würde ernsthaft behaupten, dass dieses Werk ähnlich epochal ist wie die Dialektik der Aufklärung,“

    Da ist ja auch gerade in den kulturkritischen Passagen vieles einfach nur konservative Kulturkritik, und so hat Horkheimer dann ja auch agiert unter Adenauer. Dann verabschiede ich mich hiermit von der Linken, wenn Konservatismus plötzlich als links gilt.

    „Sind die Scheuklapen groß genug geht das prima.“

    Na, das ist ja ein Argument. gebe ich mal ein zu eins zurück: Sind sie groß genug, dann kann man auch so einen selbstgefälligen Mist verzapfen wie die zitierte Passage.

    „Schau Dich mal in Welten wie den Xing Themenforen, Second Life oder StudiVZ um.“

    Ja, das meine ich ja mit „bestimmtes Milieu“.

    Und dann sollten sie vielleicht lieber über Elendsviertel schreiben, wenn sie sich da besser auskennen – dem Rest Deiner Zusammenfassung stimme ich ja gerne zu, aber das Zitat oben ist keinen Deut besser als das, was die B.L.O.G.-Kommentatoren schreiben.

    momorulez

    19. November 2008 at 11:18

  14. Und dann sollten sie vielleicht lieber über Elendsviertel schreiben, wenn sie sich da besser auskennen —– Tun sie doch:

    http://www.materialien.org/planet/index.html

    http://www.materialien.org/agrar/index.html

    che2001

    19. November 2008 at 11:32

  15. Na, um so besser, dann reden wir doch lieber darüber als über „Kulturkritik light im Gefolge der Dialektik der Aufklärung“. Sonst können wir ja auch gleich über Feuilletonisten wie Benjamin Barber reden …

    momorulez

    19. November 2008 at 12:18

  16. Wir sollten bei anderer Gelegenheit darüber und über Slumbildung und Pauperisierung im Allgemeinen reden. So Adorno-light finde ich deren Kulturkritik aber wirklich nicht, es ist im Zweifelsfall wirklich meine Unfähigkeit, sie rüberzubringen. Die haben auch mehr mit Benjamin Walter als mit Benjamin Barber, den ich aber gar nicht kenne zu tun. Und ich verstehe öfter auch Deine Echauffierung über angebliche Konservatismen nicht, die ich so gar nicht sehe. Da kommen dann nicht nur unterschiedliche Sichtweisen, sondern auch unterschiedliche Reaktionen auf Reizbegriffe oder Formulierungsweisen zusammen.

    che2001

    19. November 2008 at 23:00

  17. Ich habe ja nur die Angst, dass erfolgreich eine andere Form von „Reaktion“ als Links verkauft wird: Die Verwaltung (ob nun als Controlling oder Finanzminister daherkommend) und ihre Schergen in Buchhaltungen, Gewerkschaften und Behörden.

    ring2

    20. November 2008 at 12:11

  18. @Che:

    „Und ich verstehe öfter auch Deine Echauffierung über angebliche Konservatismen nicht, die ich so gar nicht sehe.“

    Das sind erstens keine „angeblichen“ Konservatismen, sondern faktische, und zum anderen die Frage, ob man an der Sozialstruktur oder dem Lebensstil anknüpft … mit „Reizbegriff“ hat das auch nicht so viel zu tun.

    @Ring2:

    Ja, d’accord, wobei das mit den Gewerkschaften echt ’ne komplexere Frage ist.

    MomoRules

    20. November 2008 at 12:45

  19. Zwischen Sozialstruktur und Lebensstil lässt sich in diesem Fall aber gar nicht trennen. Beispiel: Wenn deregulierte Arbeitsverhältnisse und ein zunehmendes Messen von Leistung an Performance immer mehr Menschen dazu zwingen, sich permanent selbst zu „verkaufen“ und Verhaltensweisen, die früher primär auf Schauspieler und Freie Handelsvertreter beschränkt waren zunehmend allen Arbeitsmarktteilnehmern abverlangt werden und sich beobachten lässt, dass dieses Verhalten in Facebook, Xing, StudiVZ usw. etc. pp. trainiert wird, dann ist das zunächst einmal eine Beobachtung. Die ist als solche nicht konservativ, zumal die Autoren nicht empfehlen, zu Verhaltensweisen einer früheren Phase zurückzukehren. Sie sehen den Fluchtpunkt eher in einer Synthese aus Internet-Rezeptionsweisen von Europa/USA mit denen aus Diktaturen, Entwicklungs- und Schwellenländern und vermuten in einer solchen Synthese emanzipatorisches Potenzial. Festzustellen, dass das Trash-Comedy-Fernsehen von Sat1 und RTL niveauloser ist als vergleichbare Programme der Öffentlich-Rechtlichen und dass diese wiederum in den 70ern mal ein Level hatten, das sich heute nur bei Formatsendern wie ARTE findet oder dass Ballerspiel- und Pornohomepages problematisch sind ist für sich genommen auch nicht kulturkonservativ. Das werden erst Folgerungen, die daraus gezogen werden.

    che2001

    20. November 2008 at 14:24

  20. Natürlich hängt beides zusammen, hierzulande zunehmend wieder mehr und enger, aber wenn irgendwelche altlinken Honoratioren mit vielen Aktions-Orden an der Brust jetzt den Bildungsbürgerdünkel derer mit dem Muff unter den Talaren tradieren und Volkserziehung betreiben wollen, dann bekomme ich trotzdem schlechte Laune.

    „Festzustellen, dass das Trash-Comedy-Fernsehen von Sat1 und RTL niveauloser ist als vergleichbare Programme der Öffentlich-Rechtlichen und dass diese wiederum in den 70ern mal ein Level hatten, das sich heute nur bei Formatsendern wie ARTE findet oder dass Ballerspiel- und Pornohomepages problematisch sind ist für sich genommen auch nicht kulturkonservativ.“

    Doch, so, wie Du es fomulierst, ist es das. Genau so wurde gegen Negermusik, die Beatles, Janis Joplin und den Punk gewettert.

    MomoRules

    20. November 2008 at 14:58

  21. @altlinke Honoratioren, Volkserziehung: Weißt Du, bei Deiner Diktion denke ich manchmal, Du hast einfach ein persönliches Problem damit, dass manche Leute politisch sehr aktiv sind oder gewesen sind und Du nicht und konstruierst Dir
    daraus irgendeine Art von imaginärer Hierarchie. Am Ende muss ich wohl Deutschland sucht den Superstar und Ehssan Dariani toll finden, weil es einmal eine popfeindliche Bürgerpresse und Untegang-des-Abendlandes-Hetze gab.

    che2001

    20. November 2008 at 15:36

  22. „Weißt Du, bei Deiner Diktion denke ich manchmal, Du hast einfach ein persönliches Problem damit, dass manche Leute politisch sehr aktiv sind oder gewesen sind und Du nicht und konstruierst Dir
    daraus irgendeine Art von imaginärer Hierarchie.“

    Ach komm, Schätzchen, jetzt mal mal halblang. Nur weil Du Dich in Deiner subkulturspezifischen, ästhetischen Welt so behaglich eingerichtet hast und Dich aus irgendeiner Identifkation heraus mit mir unbekannten Hanseln mal angepißt fühlst , ist das nun kein Grund, hier in meine Richtung persönlich zu werden. Eine so sonnenklare Projektion habe ich ja selten gelesen.

    Ich habe in der Tat einen in vielerei Hinsicht anderen Politikbegriff als Du, ja, und habe da auch keinerlei Legitimationsproblem, was meine bisherige Lebensleistung betrifft.

    Und Typen, die so einen Kram schreiben wie das Zitat oben, konnten mir in der Tat immer schon gestohlen bleiben, ganz egal, wie heroisch sie ansonsten sonstwo kämpften, was ich ja super finde. Das sind in dieser einen Hinsicht und nur in der immer die selben fiesen Spießer mit Hornbrille. Da konstruiere ich auch keine Hierarchie, was für eine Hierarchie?, das sind in einer bestimmten Hinsicht eingebildete, bildungsbürgerliche Säcke, wie’s die in allen Szenen gibt.

    Wenn Du so komplett verbretterst bist, alte Straßenkämpfer-Wunden leckend, da raus zu lesen, ich hätte FÜR sowas wie DSDS plädiert, macht das tatsächlich auch gar keinen Sinn, über sowas überhaupt mit Dir zu reden. Leck Du mal weiter, ich mach derweil weiter meine Art von Politik.

    momorulez

    20. November 2008 at 19:19

  23. Dann sage ich mal privat was dazu, es muss nicht alles in den Kommentaren breitgetreten werden. Demnächst per mail.

    che2001

    20. November 2008 at 22:25


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