shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Sperma ist ekelhaft!

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Na, da kann man ja mal wieder verfolgen, wie heutzutage Bevölkerungsbestandteile sortiert werden: Plötzlich ist die Konfession wieder Trumpf.  Keine Angabe dazu, um was für Schulformen es sich handelt, oder zur Schichtzugehörigkeit, zu politischen Präferenzen, Lieblingspopstar, Berufsgruppen der Eltern oder sonst irgendeinem relevanten Merkmal – nö, die Welt besteht jetzt aus der Kreuztabelle: Mann/Frau und evangelisch/katholisch/muslimisch/atheistisch.

„Mittel zum Erkenntnisgewinn war eine Meinungsumfrage unter 968 Schülern des Schulzentrums und der benachbarten Gesamtschule Ost. Dabei zeigte sich, dass 40 Prozent der muslimischen, 23 Prozent der katholischen und zwölf Prozent der evangelischen Jugendlichen Homosexualität immer noch für eine Krankheit halten. Bei den Nichtgläubigen waren es knapp elf Prozent.

Zumindest unmoralisch ist Homosexualität für 62 Prozent der befragten Muslime, 39 Prozent der Katholiken, 26 Prozent der Protestanten und immerhin 20 Prozent der Nichtgläubigen.

Noch höher stieg der Wert bei der Frage, ob Homo-Küsse in der Öffentlichkeit „ekelhaft“ seien. „Ja“, fanden 85 Prozent der Muslime und immer noch 46 Prozent der Nichtgläubigen. (…) Auffällig ist, dass Jungen und Migranten etwa doppelt so homofeindlich sind wie Mädchen beziehungsweise „Ur-Deutsche“.

Was sich dann aus dem „Migrationshintergrund“ offenkundig kausal ergibt, und wieso der bei Mädchen nicht die gleiche Rolle spielt wie bei Jungs, das erfährt keine weitere Kommentierung – dafür werden zum Schluß wieder die „schwulen Pinguine“ gezückt.

Dabei gibt’s bestimmt auch schwule Vogelspinnen. Und sich achtbeinig umarmen, wie sich das wohl anfühlt? Na, auf jeden Fall pelzig.  Und intensiv. Aber die könnte man ja eklig finden. Pinguine kommen da irgendwie „schwuler“ rüber … schon wie die trippeln, hähähä. Ach, Damon, rette mich!

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Written by momorulez

20. November 2008 um 20:46

Veröffentlicht in Disco

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7 Antworten

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  1. „Was sich dann aus dem “Migrationshintergrund” offenkundig kausal ergibt, und wieso der bei Mädchen nicht die gleiche Rolle spielt wie bei Jungs, das erfährt keine weitere Kommentierung “

    Darf ich es versuchen? Wenn ich einer konservativen bis extremen Familie „mit Migrationshintergrund“ entstammen würde, wäre ich als Mädchen vermutlich eher daran interessiert, diesem „Mindset“ zu entfliehen. Denn dann hätte das neue Mindset für mich eine erhebliche Befreiung zu bieten, und ich würde auch von engagierten Damen in meiner Umgebung (nicht zuletzt den Lehrerinnen) darin unterstützt. Als Junge hingegen wäre ich schon von jüngsten Jahren „einer diese Typen“ gewesen, und eine Flucht aus dem ursprünglichen Mindset hätte für mich nur den Weg ins Opferdasein bedeutet. Dann doch lieber der Scheißtürke, der aufs Maul haut.
    Alles sehr klischeehaft, aber es geht ja um Statistiken, da machen Klischees manchmal Sinn.

    Umgekehrt wäre eine liberale Migrantenfamilie einem Mädchen sicher eine große Stütze auf seinem Weg in seine durchaus Schwule akzeptierende, moderne Weltsicht. Der Junge hingegen könnte sich entscheiden zwischen den deutschen Jungs, die ihn als „den Türken“ sehen, und den konservativeren Migranten, die ihn nur akzeptieren, wenn er Schwule eklig findet.
    Nenn mich blöd, aber ich finde das recht verständlich… es hat mit Gruppenzwang zu tun.

    Wenn ich mit meinem Verlobten über unsere Situation spreche, erwähne ich immer wieder, dass ich sooo froh bin, dass der Gruppenzwang im (zwar katholischen, aber dennoch eher toleranten) ländlichen Rheinland jetzt für uns spielt. Noch vor 20 Jahren hätte wegen der Nachbarn keiner zugeben können, dass er unser Leben okay findet – heute kann wegen der Nachbarn keiner mehr so richtig vom Leder lassen. Ähnlich ist es wohl in migrantischen Kreisen, oder?

    Karsten

    21. November 2008 at 0:01

  2. Puuh, das ist mir jetzt als Thema zu kompliziert, um mitten in der Nacht noch drauf zu antworten – das verschiebe mal auf morgen, weil ich glaube, daß nicht die „konservativen, vormodernen“ Lebenszusammenhänge in „Migrantenfamlien“ die „Pointe“ sind, sondern die Relation zur deutschen Mehrheitsgesellschaft, die ja noch lange nicht nicht mehr homphob ist, trotz Deiner so ganz anderen Erfahrungen in Deinem Umfeld.

    Wäret ihr drei muskelbepackte Bauarbeiter, die da zusammen leben, und einer davon wäre schwarz, ein anderer tuntig, dann würde ja u.U. anders reagiert.

    Ich glaube, das liegt eher an Männer-Bildern, die sich aus dem hiesigen Gesellschaftsgefüge ergeben, meines Wissens wird das Spiel ja in der Türkei auch ganz anders gespielt, als es bei der hiesigen Homophobie so scheinen mag … sind ja noch lange nicht jenseits des Patriarchats angekommen.

    MomoRules

    21. November 2008 at 0:25

  3. „Dann doch lieber der Scheißtürke, der aufs Maul haut.“

    Ja, ich glaube, da ist was dran. Leute mit entsprechend Kapital können ihre patriarchalen Machtbedürfnisse eben anders ausleben, indem sie z.B. bei den B.L.O.G.s bloggen 😉 …. pardon. Und „Macht“ wird in den meisten Kulturen phallisch gedacht. Deshalb ist sich-ficken-lassen eben Ohnmacht, und das wollen Männer nicht sein, während Frauen nicht anders dürfen. Und das ist in Deutschland nicht anders als in der Türkei, nur daß sich Macht hier eben über andere, phallische Institutionen verkörpert sieht wie Banken und Behörden und schicke Autos.

    Und religiöse Fundamentalismen sind immer schon eine Reaktion auf Modernisierung, keine Vormoderne, das noch mal am Rande.

    Interessant wäre ja zudem, wie’s zu den jeweils restlichen Prozensätzen kommt – ist ja immer noch die Mehrheit, die „Homosexaulität“ nicht als Krankheit ansieht. Und eine Umfrage hier im Walddörfer-Gymnasium die gleichen Ergebnisse hätte.

    momorulez

    21. November 2008 at 10:16

  4. Pinguine schwul? Sind das nicht nachgemachte argentinische Oberkellner und ergo Erzmachos?

    che2001

    21. November 2008 at 12:49

  5. Wenn schon Ethnizität, Religion und Sexualmoral zusammengebracht werden, was ja von Vornherein ein Diskurs des Diskriminieren durch Etikettieren Wollens ist (da lohnt sich Lysis zu lesen), dann verweise ich mal auf Japan: Kaum Diskriminierung von Homosexualität, hohe gesellschaftliche Akzeptanz von BDSM, so wenig sexuelle Tabus wie in keiner westlichen Gesellschaft, Shintoismus und Buddhismus als Religionen. Im internationalen Leistungsvergleich hinsichtlich sexueller Libertinage macht Deutschland keine gute Figur. Und aus sinojapanischer Sicht sind ja das muslimische Anatolien und Westeuropa beides Bestandteile des Westens.

    che2001

    21. November 2008 at 13:15

  6. Das liegt wahrscheinlich daran, das mit Japan, daß man dort gelegentliche Neigung verspürt, sich ab und zu mal neu zu erfinden, während der deutsche Linksspießer lieber in der heterosexuellen Missionarsstellung verharrt, weil alles andere ja Selbstbestimmung widerspräche und ungefähr so widernatürlich wäre wie die glitzernde New-Wave-Disco-Welt der frühen 80er …. ….

    momorulez

    22. November 2008 at 9:30

  7. Das irgendetwas natürlich oder widernatürlich sei in einer kulturell geprägten Welt ist ja an sich schon irrsinniger Tinnef. Die japanische Gesellschaft ist in mancher Beziehung viel freier und in anderer Hinsicht viel repressiver als die westeuropäische. Hat sich schließlich unter völlig anderen Voraussetzungen entwickelt. Die enge Verknüpfung von Sexualität, Moral und Selbsbestrafung scheint mir etwas spezifisch christlich-jüdisch-islamisches zu sein, das im fernöstlichen Denken überhaupt nicht angelegt ist.

    chezweitausendeins

    22. November 2008 at 17:05


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