shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Neue Minen

Es gibt auf SR verminte Areale. Butler ist eins, Erkenntnistheorie war ein zweites. Jetzt haben wir ein drittes: „Sich selbst neu erfinden“.

Die durch keine Besinnung mehr gebremsten Invektive gegen Che, die ihn aussehen lassen wie einen reaktionären Arsch, der auf der anderen Seite der Barrikade steht, sind intolerabel. Das muß aufhören. Auf der Stelle.

Momorulez kritische Zuckungen an den von Che begeistert zitierten Stellen sind auch meine. Die mehrfach von M. ablehnend zitierten Geppert-Passagen halte ich ebenfalls für problematisch, gelinde gesagt. Wie ein kritischer Geist wie Che den Geppert mit der „Dialektik der Aufklärung“ zu vergleichen vermag, aber bitte sehr, mein Herr; das kann doch wohl nicht wahr sein, denn zwischen Planeten, Staubkörnern und Galaxien möchte wir doch noch unterscheiden können.

Kommen wir nun zu „Sich selbst neu erfinden“. Das ist ein Topos, und als solcher ist er zu würdigen. Netbitch feiert, im Anschluß an Momorulez Lehre der Neuerfindung, den Topos als die schlechthinnige Essenz des Linksseins ab, was mir abermals einpaukt, warum ich kein Linker bin. Man ist ja geneigt, das für Koketterie meinerseits zu halten, sollte da aber nicht sich täuschen.

G-W-G‘ ist die Formel des Kapitals, worin es sich stets neu erfindet in der Produktion des akkumulierbaren relativen Mehrwerts, included der Treiber der materialen Innovation der auf Technik und Wissenschaft beruhenden Produktivkräfte, welche die Kapitalformel ihrerseits treiben. Es sollte darum dem Gedanken Raum gegeben werden, ob nicht die Sprache des sich selbst neu Erfindens nur ein blinder Reflex jener Formel selber ist.

Empirisch spricht dafür der von Che notierte Umstand der Verwendung des Selbsterfindungstopos durch institutionelle Stützkorsette des Bestehenden.

Wenn nun, wie gezeigt, logisch wie empirisch der Topos des sich selbst neu Erfindens aufgeht im Affirmativen, dann kann „Sich selbst neu erfinden“ nicht länger Gegenstand ernsthafter Erwägung einer Website sein, die sich „Shifting Reality“ nennt, es sei denn, die Shifts wiesen in den Abgrund, vorsätzlich.

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Written by Noergler

24. November 2008 um 4:49

Veröffentlicht in Nicht kategorisiert

36 Antworten

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  1. Ja, ja, wie ein autoritärer Lehrer hier Diskurspolizei zu spielen, das kann ja jeder … ebenso, alles und jedes auf irgendwelche Formeln zu reduzieren, die dem Kapital entlehnt sind. Das ist einfach genau die schlechte Ontologie, die ansonsten sich wortreich kritisiert findet.

    Frei nach dem Motto: Es lebe die Weltformel, auf die alles und jedes reduzierbar ist, und ich bin dagegen. Ist mir zu schlicht gestrickt.

    „Die durch keine Besinnung mehr gebremsten Invektive gegen Che, die ihn aussehen lassen wie einen reaktionären Arsch, der auf der anderen Seite der Barrikade steht, sind intolerabel. Das muß aufhören. Auf der Stelle.“

    Nix da. Wer Sachen zitiert, die reaktionären Ärschen Futter geben, der muß schon mit den Antworten leben. Alles andere wäre anti-aufklärerisch und erst recht Affirmation.

    Kannst mich aber gerne aus diesem Blog ausschließen, dann schreibe ich halt woanders. Nach dem letzten Disput bin ich mir ja auch nicht mehr so sicher, ob ich hier richtig bin, Deine Reaktion bestätigt mich darin, darüber intensiver nachzudenken.

    „Es sollte darum dem Gedanken Raum gegeben werden, ob nicht die Sprache des sich selbst neu Erfindens nur ein blinder Reflex jener Formel selber ist.“

    Ja, gerne, aber das ist ein ziemlich billiger Formalismus, weil eben davon abgesehen wird, WAS da jeweils erfunden wird und WIE derjenige das macht. Da gibt es zudem raffiniertere Weisen, das Subjekt zu verabschieden.

    „Empirisch spricht dafür der von Che notierte Umstand der Verwendung des Selbsterfindungstopos durch institutionelle Stützkorsette des Bestehenden.“

    Ich bleibe dabei: Wer vor diesen Topoi dann sitzt wie das Karnickel vor Schlange, DER betreibt Affirmation und unterwirft sich einfach nur. Weil er auf der Ebene der Kritik einfach nur das Vorgebene reproduziert und so am Laufen hält – bzw. dann noch irgendwelche Strickstrümpfe dagegen setzt. Insofern..

    „Wenn nun, wie gezeigt, logisch wie empirisch der Topos des sich selbst neu Erfindens aufgeht im Affirmativen,“

    Nein, was Du und Che im konkreten Fall, was ihr hier treibt, das ist allerreinste Affirmation, weil ihr beim Klassenfeind abschreibt und einfach das Vorzeichen ändert.

    Kann man ja eigentlich als „Keine Experimente!“ zusammenfassen.

    momorulez

    24. November 2008 at 8:33

  2. @“Nein, was Du und Che im konkreten Fall, was ihr hier treibt, das ist allerreinste Affirmation, weil ihr beim Klassenfeind abschreibt und einfach das Vorzeichen ändert.

    Kann man ja eigentlich als “Keine Experimente!” zusammenfassen.“ —- Was WIR hier treiben ist gar nichts, weil des Nörglers Formelbezug nicht meiner ist und Deine Interpretation der Textpassagen bei Hartmann und Geppert von meiner Wahrnehmung des Buches und der Autoren total abweicht. Detlef Hartmann kenne ich als Vertreter eines radikal sozialrevolutionären Denkens, auch als an Foucault orientierten Sloterdijk- und Schumpeter-Kritiker, dem ich nichts von dem, was Du in den zitierten Äußerungen wiederzufinden meinst unterstellen würde.

    che2001

    24. November 2008 at 8:59

  3. Und ansonsten bin ich für das ständige Experiment.

    che2001

    24. November 2008 at 8:59

  4. @Che:

    Ich meinte das tatsächlich nur auf das schon oft angegriffene Zitat sowie die Aversion gegen „sich selbst erfinden“ bezogen, daß ich das nicht deutlich genug gemacht habe, dafür entschuldige ich mich jetzt sogar mal – aber auch nur dafür.

    Alles andere muss möglich sein. So eine Scheinharmonie des wechselseitigen Schulterklopfens wie bei den Liberalen will ich hier nicht haben, so lange ich hier noch bin. Und wenn mir hier einen Einheitsfront von T.. Albert über Ring2 bis hin zu Dir und Norgler entgegen tritt, muß ich irgendwas Richtiges geschrieben haben 😉 … wunder Punkt halt. Bei mir wie bei euch. Bin aber in der Tat auch nicht WG-tauglich, das stimmt schon.

    Und Nörgler gestehe ich ja sogar zu, eine „Ontologie des falschen Zustandes“ zu betreiben statt schlechter Ontologie, nsofern relativeire ich das ein klein wenig, aber wer mir so kommt, mit dem wird gerauft, so ist das – noch – unter Männern.

    momorulez

    24. November 2008 at 9:07

  5. Ist ja dann auch OK so. Als jemand, der Hartmann und Geppert persönlich ein wenig und als Autoren sehr gut kennt möchte ich trotzdem noch einmal betonen, dass die sich dann halt höchst missverständlich ausgedrückt haben, aber auf keinen Fall das meinen können, was Du in dem Zitat liest. Das hat auch nichts mit Scheinharmonie zu tun, ich sehe es einfach so. Das ganze Hartmann´sche Oeuvre der letzten 30 Jahre würde sonst keinen Sinn ergeben.

    che2001

    24. November 2008 at 9:19

  6. „dass die sich dann halt höchst missverständlich ausgedrückt haben, aber auf keinen Fall das meinen können, was Du in dem Zitat liest.“

    Das mag ja sein, dann sollten sie’s vielleicht anders schreiben 😉 … und das sind ja schon auch Themen, die mich auch bei der „Dialektik der Aufklärung“ fuchsig gemacht haben. So sehr ich Adorno liebe, es ist nicht so, daß Jazz-Hörer nur marschieren wollen … und was für Standpunkt das ist, von dem aus totale Verblendungszusammhänge kritisierbar sind, das ist ja nichtsdestotrotz noch brandaktuell, diese Frage. Man kann dann wie der Noergler versuchen, einfach jede Beschreibung als kritisch zu verstehen, um jegliche Affirmation zu meiden, aber ich bin mir da wirklich nicht sicher, ob man dann nicht einfach nur verdoppelt …

    Und, noch eins drauf: In mancherlei Hinsicht sehe ich manche Anwendungen dieser Gouvernementalitäts-Kritiken als Depotenzierung dessen, was Foucault geschrieben hat, als ein ziemlich bequemes Zurückkehren zur „Repressionshypothese“. Der hat nicht umsonst über Macht, nicht über Herrschaft geschrieben, und für mich war das auch immer ein Appell: Macht ist produktiv, es gibt kein Außerhalb der Macht, es wird auch die allseligmachende Utopie nicht geben, also; Werden wir selbst produktiv und erfinden uns so neu, daß die aktuelle Macht uns nicht erwischen kann.

    Das würde dann die Noerglersche Fragestellung von oben aufgreifen: Ist „sich neu erfinden“ zu korrumpiert, wie auch T. Albert das sah, oder ist’s nicht über Umdeutungen genau das Mittel hierzu? Ich glaube ja imer noch letzteres …

    momorulez

    24. November 2008 at 9:42

  7. So, wie ich die DdA, bei aller Liebe zu ihrer Sprache und Metaphorik letztlich auch als Bruchsteinhalde für die eigene Theoriebaustelle betrachte handhabe ich es mit Hartmann und Geppert auch. Das wollen sie ja sogar selber – die Schriftenreihe heißt nicht umsonst „Materialien“.

    Den Standpunkt des allwissenden Betrachters einzunehmen kann immer nur eine Momentan-Perspektive und als solche nur eine Annäherung sein, an sich ist ja jeder in das Gesamtgeschehen einverwoben. Nur bist Du für meinen Geschmack in Deiner Kritik meiner an H. und G. anknüpfenden Positionen auch entschieden zu weit gegangen. Wenn ich etwas über eigene Erlebnisse mit real prekär lebenden gefühlten Yuppies oder sich seltsam verhaltenden Fahrradkurieren schreibe und darin Beobachtungen aus dem Buch wiederzufinden meine mir darauf gleich anhören zu müssen, ich würde diese Leute komplett entmündigen und Deine Gesamtkritik an den manipulativen Seiten der Psychoanalyse um die Ohren gehauen zu bedkommen ist das mit Feldhaubitzen auf Spatzen geschossen. Und ich finde es ehrlich gesagt auch ehrenrührig und beleidigend, derlei Dinge unterstellt zu bekommen. Das ging mir ähnlich wie mit dem Thema US-Hausbaudarlehen und Deiner Annahme, ich könnte meinen Standpunkt, sehr viele Leute könnten sich das Bauen doch von Vornherein nicht leisten und seien auf die falschen Banken und Makler hereingefallen als eine herrschaftliche Zurechtweisung von Unterschichtsangehörigen meine: Es kränkt mich und ich sehe es als einen Verlust von Grundvertrauen an, dass Du überhaupt annimmst, ich könnte in eine solche Richtung denken.

    che2001

    24. November 2008 at 10:02

  8. „Es kränkt mich und ich sehe es als einen Verlust von Grundvertrauen an, dass Du überhaupt annimmst, ich könnte in eine solche Richtung denken.“

    Das tut mir leid, kann ich aber auch nicht ändern.

    Ich bin dann mal weg hier.

    momorulez

    24. November 2008 at 10:32

  9. Bleib lieber hier!

    che2001

    24. November 2008 at 10:35

  10. Nee, das entwickelt hier gerade eine Dynamik, auf die ich tatsächlich keinen Bock habe. Sorry, ich bin raus.

    momorulez

    24. November 2008 at 10:37

  11. Du hast Mail.

    che2001

    24. November 2008 at 10:45

  12. Jungs, da wird der Klassenfeind sich aber die Hände reiben!

    xNWO

    24. November 2008 at 10:55

  13. Ich mach den Schriftzug oben mal wieder weiss – ich hatte ja keine Ahnung …

    … außerdem habe ich das hier nie als WG empfunden.

    ring2

    24. November 2008 at 12:38

  14. Ich fühle mich gerade lebhaft an meine Zeit in studentischen Politgruppen erinnert, wo es vorkam, dass Textinterpretationsfragen zu einer Gruppenauflösung führen konnten. Ich finde den ganzen Konflikt ebenso bedauerlich wie unnötig.

    che2001

    24. November 2008 at 14:22

  15. Merkst Du, Momo, dass die Einwände gegen Deine Kommentare bei ca. 10% der Härte liegen im Vergleich zu dem, was Du gegen Che sagtest? Dir ist seit 1 Woche nicht mehr aufgefallen, dass Du nicht seine Sätze infrage stellst (was ich hinsichtlich Geppert mir auch vorbehalte), sondern seine Person und deren Integrität. Du hast ihm zB gesagt, im Grunde erzähle er dasselbe wie die Liberalalas. Es hätte Dir selbst auffallen müssen, dass Du damit jedes Maß verloren hast. Und wenn dann andere Dir das sagen, weil es Dir leider selber nicht auffiel, dann sind die die Diskurspolizei, deren Auftritt Du selber erzwungen hast. Wenn derart Grenzen überschritten werden, dann kommt irgendwann die Polizei; die kann dann nicht mehr anders.
    Niemand hat hier mit Dir das getan, was Du mit Che gemacht hast: ad personam beleidigend zu werden, aber wenn das ausgesprochen wird, bist Du beleidigt. Du bist mit der Kettensäge hier durch und schreist Ach und Weh, wenn jemand das Hämmerchen nimmt und Dir damit auf die Finger – nicht auf den Kopf! – haut.
    Du sortiertst nur noch emotional und scheinst auch nicht mehr wahrzunehmen, dass ich Dir inhaltlich in fast allem recht gebe mit Ausnahme „neu erfinden“, weil ich den Spruch zu oft in üblen Zusammenhängen gehört habe. Das ist gesellschaftlich kontaminierte Sprache, deren Verteidigung mich an diese „Wir dürfen den Begriff der Heimat nicht den Rechten überlassen“-Sache erinnert. Schon richtig, aber wir dürfen ihn der Latrine überlassen, in den wir ihn runterspülen.
    Das sind doch aber lediglich Positionsunterschiede in Sachfragen, aus denen Du jedoch Existenzialismen zu machen scheinst.
    Niemand ist Dir an die intelligible Existenz gegangen, aber Du bist sehr wohl dem Che an dessen intelligible Existenz gegangen. Du haust mit der Axt rein, und wenn einer sagt, Du, Momo, das mit der Axt finde ich jetzt nicht so gut, dann reagierst Du, als habe der zur Axt gegriffen.
    Keiner hat hier irgendetwas gesagt oder getan, das Deinen Rückzug begründen würde. Das will niemand und auch ich fände das nicht nur ’schade‘, sondern schmerzlich. Deine Beiträge sind hier unverzichtbar.

    Nörgler

    24. November 2008 at 14:32

  16. @Noergler nu is ma gut.

    ring2

    24. November 2008 at 15:39

  17. Ich verstehe ja sogar sehr gut, wie Momorulez verschiedene Äußerungen von mir im Zusammenhang mit dem Hartmann/Geppert-Zitat verstanden hat, nämlich als Normalisierungsangriff, bzw. als Normsetzung auf Lebensstil und Verhalten bezogen. Nur habe ich das weder gemeint, noch hat ein solches Verhalten so allzuviel mit mir zu tun. Völlig frei ist davon sicher niemand, aber in diesem Fall sind geradezu serienweise Statements von mir in eine ganz bestimmte Richtung missverstanden worden, so scheint es.

    che2001

    24. November 2008 at 16:51

  18. Was der eine als Selbstausbeutung und Anpassung kritisiert hat, hat der andere als unvermeidbare Überlebensstrategie gerechtfertigt – ein unauflösbrer Widerspruch (sofern Hartz IV außen vor bleibt).

    Auf der nächsthöheren Ebene – der des (fehlenden) Klassenbewusstseins bzw. der der (fehlenden)
    Klasse, die Widerstand leisten, den gegebenen Zustand ändern könnte – wäre der Streit womöglich weniger unversöhnlich ausgefallen (in der Sache allerdings nicht weniger traurig, wenn nicht noch trauriger).

    xNWO

    24. November 2008 at 17:34

  19. Nein, der Konflikt war noch anders gelagert. Wir haben gerade miteinander telefoniert. Es muss nicht alles in den Kommentaren breitgetreten werden.

    chezweitausendeins

    24. November 2008 at 19:48

  20. Meine Herren,

    Ihr diskutiert hier auf einem ziemlich hohen Niveau (was Euch selbst bewusst ist) und deshalb seid Ihr sicher auch in der Lage, Konflikte aus der Welt zu schaffen.

    Also!

    jolly rogers

    24. November 2008 at 20:42

  21. @ xNWO: Der Klassenfeind, also ich, reibt sich nicht die Hände. Es war mal eine Schnittmenge zwischen Liberalen und Linken dem Individuum die Option zu geben sich neu zu erfinden. Dass das jetzt verabschiedet werden soll, ist aus liberaler Perspektive natürlich bedauerlich. Es mag aus Sicht der Linken problematisch sein, mit der Perspektive des sich-neu-erfindendes mit den dynamischen Aspekten des Kapitalismus konform zu gehen. Verzichtet ihr jedoch auf diese Perspektive befindet ihr euch in 100%iger Deckung mit den Schuster-bleib-bei-deinen-Leisten-Konservativen und den statischen Aspekten, bezweifle, dass euch das besser gefällt. Abgrenzung vom politischen Gegner oder von bestehenden Verhältnissen wird euch in dieser Frage keine Antwort geben.

    Michel

    24. November 2008 at 21:40

  22. „Dynamische Aspekte des Kapitalismus“.

    Hm.

    Merkwürdig, dass viele der vehementesten Verfechter dieser „Aspekte“ sich in Positionen befinden, in denen sie die Auswirkungen der Dynamik des Kapitalismus nicht zu befürchten brauchen.

    Du verstehst, Michel?

    jolly rogers

    24. November 2008 at 21:51

  23. @ jolly: Halte ich für ein Gerücht. Frag mal bei den B.l.o.g.ern, ob sie vor der Dynamik des Kapitalismus gefeilt sind. „big business“ ist jedenfalls den statischen Aspekten zuzurechnen.

    Michel

    24. November 2008 at 22:39

  24. das gefeilte big business agiert ja auch außerhalb des kapitalismus…

    jolly rogers

    24. November 2008 at 22:51

  25. Hier verschwimmen allmählich die Kategorien. Für die Freiheit, sich neu zu erfinden und für individuelle Emanzipation sind auf Shifting Reality alle. Die Crux ist, das Hartmann und Geppert diesen Begriff umgemünzt haben auf den Zwang des Sich-Selbst-Anpassens an die Erfordernisse eines deregulierten Arbeitsmarkts und, etwa am Beispiel von McKinsey, auf Management-Beratungs-Konzepte beziehen, die auf eine Selbsterziehung von Beschäftigten zum Denken in unternehmerischen Kategorien hinauslaufen. Ich betonte das Zwanghafte, das solchen Modellen innewohnt (nicht nur, aber m.E. als wesentliche Tendenz), Momorulez hingegen vertritt den Standpunkt, dass Hartmann und Geppert dabei den freiheitlichen Kern, den der Begriff des Sich-Selbst-Erfindens ausmacht aufgeben und damit im Grunde selber schon Identifikation mit dem Aggressor betreiben. Die ganze weitere Auseinandersetzung schwankte dann zwischen Bezugnahme auf das ursprüngliche Zitat und Beispielen von Anwendungen bzw. Auswirkungen im realen Leben, auch der Frage, ob die Perspektive, von der aus Hartmann und Geppert argumentieren, eine arrogante Ex-Cathedra-Sicht sei oder nicht.

    chezweitausendeins

    24. November 2008 at 23:03

  26. @ Che: Mir ist schon aufgefallen, dass es euch mehr um die lebensästhetische Bewertung des sich-neu-Erfindens geht. Aber auch den Konservativen geht es weniger darum Optionen durch gesetzliche Verbote zu unterbinden, sondern darum einen entsprechenden Konformitätsdruck aufzubauen. Wenn sich Momo überlegt eure Gruppe zu verlasen sehe ich einen solchen Druck am Werk, ohne jetz bei euren Ritualen im Detail durchzusteigen.

    Michel

    24. November 2008 at 23:12

  27. Halt! Aus Euren Debatten kann man als Mitleser viel ziehen, weil es bei Euch gerade nicht darum geht, sich einen bestehenden Grundsatz (oder auch eine Theologie) gegenseitig zu bestätigen, sondern sich auch auseinaderzusetzen. Das macht ja den wohltuenden Unterschied zwischen Euch und den BLOGs aus: Hier gibt’s Überraschendes und Neues, während es beim intellektuellen GF (Rayson) und dem krawalligen (Boche), immer nur ums Gleiche, langweilige Einerlei geht.

    Don’t stop!

    jolly rogers

    24. November 2008 at 23:24

  28. Ach herrjeh nein, das ist ein persönlicher Konflikt, der etwas mit dem Akzeptieren gegenseitiger Grenzen, grundsätzlichen Herangehensweisen u.a. zu tun hat, und das bleibt jetzt persönlich. Also: Nicht weiter öffentlich.

    chezweitausendeins

    24. November 2008 at 23:25

  29. @ Michel: Es war mal eine Schnittmenge zwischen Liberalen und Linken dem Individuum die Option zu geben sich neu zu erfinden. Dass das jetzt verabschiedet werden soll, ist aus liberaler Perspektive natürlich bedauerlich.

    Na, angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungsdynamik wird eine Verabschiedung aus der permanenten Selbsterfindung für Linke so wenig wie für Liberale möglich sein. Das muss aber nicht heißen, dass man sich zum Affen oder Arschloch machen lassen muss.

    Hartmann und Geppert bzw. Che und momorulez handeln die unvermeidliche Selbsterfindung auf der Ebene des Fahrradkuriers ab. Diese Selbsterfindung wird in ihrer lächerlich tragischen Dimension aber erst vollends deutlich, wenn sie (auch) vor dem Hintergrund der Selbsterfindung unserer Banker, Fondsmanager und Wertpapierhändler abgehandelt wird.

    Soll heißen: Es ist nur grotesk, die unvermeidliche Systemaffirmation bzw. den Individualismus so weit zu treiben, jedem Betrug und Selbstbetrug Tür und Tor zu öffnen.

    Gerade läuft eine Enteignungsaktion, die (jedenfalls an Volumen) alles bisher Dagewesene übertrifft. Die mag es durchaus nötig machen, sich auch in dem hier gemeinten Sinne wieder neu zu erfinden. Wir hätten aber nicht alle Tassen im Schrank, wollten wir uns darauf beschränken. Individualismus macht noch längst keine Gesellschaft.

    xNWO

    25. November 2008 at 8:37

  30. @jr:
    Um Niveau beurteilen zu können, müsste man erst mal selbst welches haben. Und wenn das bei Dir der Fall sein sollte, versteckst Du es durchaus erfolgreich.
    Was die Kritik an BLOG angeht: Für die heftigen internen Auseinandersetzungen inhaltlicher Natur bin ich ja da. Persönlicher werdende Uneinigkeiten tragen wir hingegen nicht in irgendwelchen Kommentarspalten aus, was auch damit zu tun hat, dass mehrere von uns ja mit ihrem eigenen Namen lesbar sind… eine Diskussion wie diese hier hätten die Realityshifter doch besser in privater Mail gehalten. Ich hätte mich auch nicht eingemischt, wenn Du das nicht gleich wieder für blöde Attacken genutzt hättest.
    Warum sind die Artikel zu den Trackbacks, die ich bei uns aus dem Spam fische, bei Dir eigentlich immer gleich verschwunden?

    Karsten

    25. November 2008 at 9:03

  31. […] Und jeder, der hier Identitätsdebatten führt oder sonst irgendwie da weiter macht, wo ich drüben mit guten Gründen aufgehört habe, wird sofort und ohne Ankündigung gelöscht. Beschlagwortet mit:sich neu erfinden « […]

  32. Leute, ich möchte diesen Thread jetzt zu machen. Es ist sinnlos, wenn Dritte, weitgehend ohne die tiefere Kenntnis der eigentlichen Problematik, eine Debatte weiterführen wollen, die Momorulez und ich miteinander nicht weiterführen konnten. Meinetwegen diskutiert irgendwo anders weiter. Bezugnahmen auf das Hartmann-Geppert-Buch oder auf Richard Sennett finde ich ja in Ordnung, aber nicht in einem Strang mit dem hier geschehenen Diskussions-GAU.

    che2001

    25. November 2008 at 11:09

  33. Che schrieb:

    Die Crux ist, das Hartmann und Geppert diesen Begriff umgemünzt haben auf den Zwang des Sich-Selbst-Anpassens an die Erfordernisse eines deregulierten Arbeitsmarkts und, etwa am Beispiel von McKinsey, auf Management-Beratungs-Konzepte beziehen, die auf eine Selbsterziehung von Beschäftigten zum Denken in unternehmerischen Kategorien hinauslaufen.

    Das Ummünzen des »Sich-selbst-neu-Erfindens« durch Deine beiden Genossen ist auch nur ein weiteres Ummünzen nach vielen anderen Fehlprägungen: PR-Agenten, QM-Manager, Werbefuzzis und »Johurnalisten« (nach Don Alphonso) haben dazu begetragen, dass vom »Sich-selbst-neu-Erfinden« nur noch eine leere Worthülse übriggeblieben ist.

    Arbeitnehmer sind ganz sicher schon seit der Zeit des »rheinischen Kapitalismus« so etwas wie Unternehmer für sich selbst und ihre Familie. Wirtschaftlich gesehen ist jede Familie ist im Grunde ein kleines Unternehmen. Und das meine ich jetzt nicht im Sinne des Gequatsches von der Hausfrau als Familienmanagerin, über das meine berufstätige Frau und ich als Freiberufler immer müde lächeln, wenn wir wieder mal gemeinsam Einkauf und Wäsche, Kinderbetreuung und Essenkochen für eine Woche geschafft haben.

    Was ist denn schlimm daran, dass ein Mensch Unternehmer in eigener Sache ist? Sind nicht auch viele Linke Unternehmer in eigener Sache? Ich meine, bei uns Liberalen erwartet man es ja nicht anders;-)

    stefanolix

    25. November 2008 at 13:10

  34. Sorry, ich hatte gesagt, dass ich diesen Thread an dieser Stelle zumachen wollte. Es hat seine Gründe!

    che2001

    25. November 2008 at 15:58

  35. Ebenfalls sorry: ich wollte die Diskussion eben deshalb von den persönlichen Dingen weglenken, weil Du meintest, Bezugnahmen auf das Buch seien in Ordnung. Kein Problem, wenn der Thread hier endet. Du kannst doch einfach die Kommentare schließen.

    stefanolix

    25. November 2008 at 16:20


Kommentare sind geschlossen.