shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Die Schrecken der Moderne(n)

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Gestern habe ich mir die – ich sag mal: mittelprächtige – Ausstellung „ENSOR – schrecken ohne ende“ im hier beheimateten nicht ganz unproblematischen Von-der-Heydt-Museum gesehen. Zu Ensor ließe sich ja auch viel sagen. Bekannt sind ja seine karnevalistischen BIlder mit Masken und Skeletten. (das wären ja zwei klassische topoi des Schreckens: die leere Maske und der Knochenschädel). Richtig gut fand ich aber seine Radierungen, die zumeist Massenszenen auf freiem Felde oder in Straßenschluchten zeigten. Die sind großartig. Wie auch seine Rochenbilder. Da sind die Formen von Hieronymus, aber auch eine Haltung, wie man sie bei Italo Calvino oder den Wimmelbildern der Kinderbücher finden kann. Die Ausstellung aber versucht das u.a. mit Gusatve Le Bon und seiner Massenpsychologie als Schrecken der Masse
zu kontextualisieren. Zitiert Cobra und die Gruppe „Les XX“, deren Mitglied Ensor war. Stellt ihn Dix, Scholz, Munch, Kollwitz, Ernst, Beckmann, Dali, Baselitz, Polke gegenüber, als bilde Ensor den Schnittpunkt aller Fluchtlinien der Moderne. Aber was sagt man denn, wenn man alle Kunst durch die Linse „Die Moderne produziere Schrecken ohne Ende“ zu lesen hat? Dass schließlich die Kontextualisierung beliebig sei, sofern es Moderne sei? Schlimmer noch: dass es dem Museum darum gehe, eigentlich nicht die Arbeit Ensors, sondern ihre eigenen Lagerbestände zu präsentieren? Mich lässt etrwas ratlos, dass ich selten so viel geschmunzelt und gelacht habe ob der ausgestellten Werke, was jedoch so gar nicht zum Ausstellungstitel zu passen scheint. Man kann ja mit gutem Grund Karneval unerträglich finden, wer ihn jedoch als Schrecken bezeichnet, nimmt die Perspektive des Souveräns ein, dem es um die eigene Ordnung bange geworden ist.

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Written by lars

1. Dezember 2008 um 13:42

5 Antworten

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  1. Eine Asgar-Jorn-Ausstellung würde ich mir gerne mal ansehen.

    che2001

    1. Dezember 2008 at 15:56

  2. Ich auch. Müsste auch gerade irgend ein stattfinden. Auch die Bilder von James Ensor sind großartig. Nur das museale Arrangement ist so doof… Zumal das Museum ja schon seit Jahren ob der Sammelpraxis des Namenspatrons während der NS-Zeit in der Kritik steht. Und wenn es dann mit einem so einem Diskursstrang „Schrecken+Masse=Moderne“ auftritt, und dann eine bunte Werkschau der eigenen Sammlung präsentiert, die ohne eben jenen Schrecken in diesem Umfang vermutlich nie zustande gekommen wäre, dann ist das hoch problematisch.

    lars

    1. Dezember 2008 at 16:56

  3. Das macht man so in letzter Zeit. Ich wünsche mir, dass es mit diesen Themenausstellungen bald wieder ein Ende hat.Die hat es zwar sehr spezifiziert richtigerweise immer gegeben, aber momentan wird meistens irgendwas zusammengekippt, um irgendwas damit zu behaupten, anstatt zu belegen.
    Eine monographische Ensor-Ausstellung wäre ja auch spannend, aber daran glauben die Kuratoren wohl nicht. Und ich glaube, dass viele von denen sich für Malerei gar nicht interessieren, sondern nur Bilder als Rohstoff für irgendwas, was man damit machen kann, irgendwelche Inszenierungen.

    T. Albert

    1. Dezember 2008 at 17:35

  4. vielleicht sind Sie ja zum Zyniker geworden?! Oder der teuflische Clown im Wissenschaftszirkus? Oder die teuflischen Clowns haben den Claim getextet? Verwirrung also? Verwirrung allerdings, wäre schon ein Fluchtpunkt der Moderne. Aber der Schrecken? Hauptsache, Sie haben dem Schrecken in den Fluchtpunkt gelacht – „schmunzeln statt runzeln!“ das gibt auch weniger Falten… der Schrecken in der Falte der Moderne, vielleicht?….Schluß jezzzzt!

    Daniel

    1. Dezember 2008 at 17:50

  5. @T.Albert: Ja, dass ist deren Konzept in den letzten 1 1/2 Jahren: Das Lager des Museums zeigen. Wäre ja auch nicht schlimm, wenn man sich nicht so vergriffen hätte und den Schrecken nicht so ideenlos auf Masse, Maske, Totenkopf reduziert hätten, dass dem Werk aber in keinster Weise gerecht wird.

    @Daniel: Ich bin verwirrt. Zynisch? Wie kommen Sie denn da drauf. Ensor ist doch alles andere als humorlos, man lacht ja mit ihm und das heißt ja nicht, dass er dem Schrecken der Moderne nicht gerecht würde. Der nimmt ja Deleuze und Bachtin vorweg. Nur ein Museum, dass dermaßen vom Schrecken der Moderne profitierte, sollte sich hüten, die anti-demokratische Karte der Massenkritik zu zücken.

    lars

    1. Dezember 2008 at 21:47


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