shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Zum Klassenbewusstsein in Japan

with 5 comments

Gefunden bei Monoma:

„Nein zur Armut!“, schallte es aus dem Megafon. „Steht auf und verändert die Gesellschaft!“ Mit solchen Forderungen zogen kürzlich Tausende Japaner durch Tokio. Sie waren in diesem Jahr nicht allein: In mehr als 40 Städten gingen Menschen auf die Straße. Ihre Proteste richteten sich gegen die unsicheren Lebensverhältnisse im Land – und signalisierten ein neues Bewusstsein: Die sozialen Verlierer in Japan begehren auf und lassen sich nicht mehr länger als Versager abstempeln. „Ich bekomme kaum Arbeit und finde nur schwer eine Wohnung“, beschwerte sich eine junge Frau. „Man sagt mir oft, ich sei dafür selbst verantwortlich. Aber das stimmt einfach nicht.“(…)

Der 1929 verfasste Proletarier-Roman „Kanikosen“ über die Ausbeutung von Arbeitern auf einem Krabbenfänger-Schiff entwickelt sich zu einem Bestseller. Mehr als eine halbe Million Exemplare wurden in diesem Jahr verkauft, weil sich viele Leser nach Ansicht des Verlages in den sklavenartigen Arbeitsbedingungen jener Zeit wiedererkennen. In den Buchläden stapeln sich anti-kapitalistische Werke. Das erfolgreichste Buch des Jahres – „Gieriger Kapitalismus und die Selbstzerstörung der Wall Street“ von Hideki Mitani – wirft Japan vor, seine Unternehmenskultur auf dem Altar des angelsächsischen Kapitalismus geopfert zu haben. Im Dezember erscheint „Das Kapital“ von Karl Marx erstmals als Manga.

Die Kommunistische Partei Japans gewann in weniger als einem Jahr mehr als zehntausend neue Mitglieder.“(…)

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Written by chezweitausendeins

2. Dezember 2008 um 11:14

5 Antworten

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  1. … dafür werkeln einige der wüstesten Beschimpfer des Kapitalismus (die narzistisch-lenistische Regierung Venezuelas und Iran) fleissig an unserem Konjunkturprogramm.
    Venezuela und Iran halten sich offenbar nicht an vereinbarte Senkungen der Öl-Fördermengen im OPEC-Rahmen. Analysten sprechen bereits von einem Ölpreis von 30$.
    http://tinyurl.com/5zdb53
    http://tinyurl.com/5kncrw

    Lemmy Caution

    4. Dezember 2008 at 17:49

  2. Das Regime von Achmachdochdjihad würde ich allerdings nicht als Kapitalismus-kritisch bezeichnen. Im Iran herrscht eine klerikal-konservative Bourgeoisie, die das prowestliche Bürgertum der Schah-Zeit abgelöst hat und sich im Bündnis mit sozialrevolutionären, linksislamischen, radikal nationalistischen und kommunistischen Kräften in der iranischen Revolution aufgeschwungen hatte, wobei die früheren Bündnispartner liquidiert wurden – großenteils in Form direkter Vernichtung durch Hinrichtungen und Verheizen im Ersten Golfkrieg. Dieser Krieg hatte tatsächlich die Funktion der Vernichtung „überflüssiger Esser“. Z.B. wurden die Basij-Milizen, gebildet vor allem aus Jugendlichen aus den Elendsvierteln in „Menschenwellen“ oder als Motorrad-Kavallerie in die irakischen Minenfelder geschickt. Auf diese Weise beseitigte das Mullah-Regime einen großen Teil der sozialen Basis der Aufstände, die den Schah gestürzt hatten. Die Massenbasis der Iranischen Revolution hatten vor allem die „Mustasafin“, die „Barfüßigen“ gebildet, landlose Bauern, die in den Slums der Großstädte wie Teheran, Isfahan und Shiraz Elendsexistenzen führten. Frei nach dem Motto „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, er kann gehen“ wurden diese Menschen von den neuen Machthabern dezimiert. Von den ursprünglichen sozialen Impulsen der Iranischen Revolution blieb nichts übrig.

    che2001

    4. Dezember 2008 at 23:16

  3. Ich weiß nicht.
    Das Problem der Schwellenland/Entwicklungsland Armut seh ich gerade darin, dass sie ständig nachwächst.
    Im Grunde nehmen wir das als eine Malthus-Welt (wikipedia) wahr, ohne dass dies ausgesprochen wird.
    Hab ja ein großes Mißtrauen gegenüber solchen Theorien. Deren Konsumenten haben oft einfach zu wenig Wissen über diese Gesellschaften in den Meeren des Südens, so dass auf diese weiße Fläche alles mögliche gepinselt werden kann.
    Hab mal mit einem iranischen Türken zusammengearbeitet. Der meinte, seine Familie hätte nach der Revolution unter der Tendenz zum persischen Nationalismus gelitten.
    Zurück zu Japan: Ich denke, dass die früheren Kerne des technologischen Fortschritts durch verstärkten Druck von den nachrückenden Konkurrenten sozialstaatliche Elemente abwerfen. Ich find das problematischer als vor 1 Jahr, da wir somit wieder eine Klassengesellschaft einführen. Kenn das ein bischen aus Chile.
    Mit dem Abbau des Sozialstaats steigen Teile der Gesellschaft aus dem bestehenden Common Sense über die Spielregeln aus. Jedoch werden kommunistische Parteien in Industrieländern nie eine Mehrheit erhalten. Auch keine Partizipation. In Ost-Deutschland haben wir eine historische Sondersituation.
    Selbst in Chile sind die „richtig“ Linken nicht an der Regierung beteiligt. Die erhalten unter 10% und sind nicht in der Concertación. Gibt eine Möglichkeit, dass vor der Süd-Sommer 2009 Wahl die Christdemokraten (etwas linker als unsere) sich mit den Rechts-Parteien verbünden. Dann könnten die ganz-Linken Parteien in die Concertación aufgenommen werden. Einer solchen Koalition werden aber keine Erfolgschancen bei Wahlen eingeräumt. Und zwar auch wenn die Arbeitslosigkeit wieder auf 10% steigt und der Gini-Koeffizient etwas zunimmt.
    Hab jetzt eine deutsch-Iranerin mit Wirtschaftsinformatik-Diplom und Kopftuch als Junior-Kollegin. Arbeite mit der nicht direkt zusammen. Mein Mitbewohner aus der Eifel findet sie witzig. Nach Erzählungen versucht sie seit Jahren ihren Vater vom Islam zu überzeugen. Wie damals der K. in F., der als Abiturient versuchte, seinen straßenbauarbeitenden Vater vom Kommunismus zu überzeugen.

    Lemmy Caution

    5. Dezember 2008 at 13:08

  4. Gegen die malthusianische Wahrnehmung wenden sich ja gerade die Materialien für einen Neuen Antiimperialismus, die an westlicher Entwicklungspolitik kritisieren, dass sie von Malthus-Modellen ausgeht. Und meinen, zum Verständnis des Iran müsste man z.B. Ali Shariati kennen.

    Dr. Ali Shariati war ein iranischer Existentialist, Camus-Sartre- und Bergson-Schüler und zugleich einer der Vordenker der islamischen Revolution, die von ihm als aufgeklärt und sozialistisch gedacht war. Der schiitische Chiliasmus mit der Erwartung des Mahdi sollte in seinem Denken zur sozialen Revolution säkularisiert werden. Man könnte Shariati vielleicht als schiitischen Befreiungstheologen bezeichnen, aus dessen feingeistigem Gedankengut die Turbanträger mit der Brechstange geräubert haben. Shariatis Ideen waren eine Verbindung aus Existentialismus, dem Arabischen Sozialismus Nassers, den er über den Gedanken der Assabiyah, des Gesamtzusammenhalts aller Muslime über die nicht-arabische islamische Welt auf den gesamten muslimischen Orient ausdehnen wollte und der antikolonialen Dependenztheorie.Shariatis Entwurf sollte europäische Moderne, sozialistischen Antiimperialismus und eine progressive Auslegung des Islam miteinander verbinden. Das Perfide der Ideologie der Islamischen Republik Iran liegt darin, dass Bruchstücke der Shariati-Ideen mit völlig reaktionären klerikalen Sharia-Modellen verbunden wurden.

    che2001

    5. Dezember 2008 at 23:33

  5. Solche Theorie-Gebäude werden natürlich sowieso automatisch zu Steinbrüchen in der realen Politik.
    Ich fand mal den Gedanken Vargas Llosas gut, dass in der Kunst völlig ok ist, eine eigene abgeschlossene, perfekte Welt zu schaffen, dieser Versuch aber in der Politik immer in einen Unterdrückungsstaat endet. Inzwischen halte ich den pathologischen Charakter des sich selbst überfordernden Motors der Revolution (Fidel Castro, Hugo Chávez, Daniel Ortega) den interessanteren Blickwinkel.
    Die Steinbrüche…
    Lula da Silva ist vom ideologischen Standpunkt voll widersprüchlich. Er hat gute Zahlen in Sachen Mittelschichtsverbreiterung und Zustimmung. Zwischenzeitlich klingt er ähnlich wie Chávez, dann äußert er sich neoliberal und am nächsten Tag gibts ein neues Sozialprogramm mit richtig Geld.
    Jaime Bayly hat in seiner Show bezüglich des US-Wahlkampfes immer abwechselnd Mc Cain und Obama bewundert/gegen-gewettert. Er erklärte das damit, dass er ja auch in seiner sexuellen Orientierung bezüglich hetero/homo extrem verwirrt sei.

    Der liberale Götterhimmel mit Isaiah Berlin, Karl Popper und Mario Vargas Llosa war stark vom Schock über totalitäre Diktaturen geprägt (UdSSR, Rußland, Kuba). Da wird sich bedient, aber ich frag mich wie gut das noch in unseren heutigen Kontext paßt? Wer nimmt noch Staaten ernst, die sich selbst durch „Revolutions“pomp legitimieren.

    Chávez seine bolivarische wirkt auf mich oft wie Gullivers Reisen als Zeichentrickfilm. Irgendwie eine postmoderne Kopie einer sozialistischen Revolution.

    Hab einen Fall eines völlig verrückt spielenden Anreizsystem eines Unternehmens gegenüber einer chilenischen Freundin. Erst wird sie großartig belobigt für eine recht beträchtliche Umsatzsteigerung bei von denen zugegeben sinkenden Verkäufen der meisten Geschäfte. Ihre Eingabe nach einer Gehaltserhöhung ruht seit 10 Wochen und jetzt bekommt sie ein unrealistisches Ziel reingewürgt, das ihr 30% des Lohns kosten könnte.
    Hab zu persönlichen Gespräch mit einem der Belobiger als ersten Schritt geraten.
    Solche den Boden entziehenden Anreizsysteme (inklusive von billigen Management-BlaBla) nehmen vielleicht auch bei uns zu. Vermutlich brauchen wir eine stärkere Wahrnehmung der ILO. Meine utilitaristischen 2 cents…

    Lemmy Caution

    6. Dezember 2008 at 18:56


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