shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Griechisches Militär weigert sich, auf Demonstranten zu schießen

with 19 comments

Dem Vernehmen nach sind kürzlich deutsche und italienische Spezialisten nach Athen gereist, um die griechische Armee in der Aufstandsbekämpfung zu unterweisen, und es wurde Plastikmunition an die Streitkräfte ausgeteilt. Nun haben sich Soldaten aus 45 verschiedenen Kasernen öffentlich geweigert, einen Schießbefehl auf Zivilisten auszuführen. Meines Erachtens wird es immer deutlicher, dass es sich in Griechenland um einen durch die Kreditkrise ausgelösten, aber durch tiefgreifendere Mißstände in der griechischen Gesellschaft bedingten sozialen Aufstand handelt, der mit den Brotpreisrevolten in den 70er und 80er Jahren in verschiedenen Schwellenländern verglichen werden kann. Und auch die Lösung, die da von oben angedacht war sollte wohl genauso aussehen wie damals praktiziert. Nur scheint zum Glück die griechische Gesellschaft zu weit demokratisiert zu sein, als dass sich Aufstände wie in einer Duodezdiktatur einfach niederschießen lassen. Die soziale Frage wird wieder militant gestellt. Welcome back in history.

http://de.indymedia.org/2008/12/236701.shtml

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19 Antworten

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  1. ich habe heute nach ansicht des indymedia-postings den griechischen autor der derzeitigen entsprechenden berichte bei telepolis im forum gebeten, die ganze geschichte aus seiner sicht zu recherchieren. und ich nehme an, das hier ist seine antwort:

    http://www.heise.de/tp/foren/S-Kasernen-Plastikmunition/forum-149365/msg-16038166/read/

    die entscheidenden sätze für mich, zur ersten info:

    „Die Aussage dient daher eher als Vorinformation einer Gruppe vernetzter Soldaten, dass Sie im Ernstfall den Befehl verweigern werden.“

    und das ist ja schon mal nicht wenig.

    zur zweiten these, der herbeigeholten aufstandsbekämpfung:

    „Das ist arg übertrieben.“(…)

    das nehme ich mal zur kenntnis, denke aber, dass eine solche aktion momentan zumindest unter dem versuch der weitgehenden geheimhaltung laufen würde – immer vorausgesetzt, sie würde den rahmen der üblichen europäischen repressiven zusammenarbeit sprengen. ansonsten bleibt für den moment nur, möglichst breit nach entsprechenden indizien / beobachtungen zu fragen.

    mo

    20. Dezember 2008 at 20:50

  2. @Die Aussage dient daher eher als Vorinformation einer Gruppe vernetzter Soldaten, dass Sie im Ernstfall den Befehl verweigern werden — Ein Hauch von Nelkenrevolution!

    chezweitausendeins

    20. Dezember 2008 at 21:53

  3. Ich möchte dein Paraleluniversum ja nicht zu sehr durcheinenderbringen, aber 150 Chaoten, die die Polizei mit Molis bewerfen und anderer Leute Eigentum zerstören ein Volksaustand? Wo sind die Demonstrationen mit 100.000 Teilnehmern? Wo ist der Generalstreik?
    Sorry, aber die Revolution macht blau.

    fpk

    21. Dezember 2008 at 10:21

  4. Der Generalstreik war letzten Mittwoch.

    Hast Du nicht vergessen, an die 150 ein paar Nullen anzuhängen?

    http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/1677095/index.do

    By the way. Inzwischen scheint festzustehen, dass es sich bei der Polizuikugel nicht um einen Querschläger, sondern um gezielten Mord gehandelt hat.

    chezweitausendeins

    21. Dezember 2008 at 10:58

  5. Che, „gezielter Mord“ ist ein Pleonasmus.

    Sag mal, hat Du eigentlich eine Ahnung, warum in Griechenland exakt drei Familien politische Macht ausüben? Ich verstehe das nicht.

    (Und wie ist solch politisches Familien/Erbhof-Getue mit einer EU-Mitgliedschaft kompatibel – von wegen „Wertgemeinschaft“?)

    John Dean

    21. Dezember 2008 at 18:36

  6. In Asterix wurden die griechischen Machtverhältnisse schon in einem Satz beschrieben: „Alles Vettern“. Warum das so ist – nun, seit dem Bürgerkrieg konzentrierte sich die politische Macht in Klanstrukturen. Was außerhalb dieser Strukturen noch existierte, wurde unter der Obristen-Diktatur liquidiert. Die Besitz- und Machtverhältnisse in diesem Land sind neofeudal. Kein Witz- ich kenne eine Geschichte von einem deutschen Akademiker, der sich eine griechische Insel gekauft hat, auf der für ihn und seine Freunde ein paar Sexsklavinnen warten. Ganz legal, oder jedenfalls, ohne mit der Justiz Schwierigkeiten zu bekommen.

    che2001

    21. Dezember 2008 at 18:54

  7. Geil! Wieso erfahre ich das erst jetzt?!

    Nörgler

    22. Dezember 2008 at 12:04

  8. @ Che

    Bitte per Email den Namen und die Geo-Koordinaten der Insel zuschicken!

    (Liebe mitlesende Frauen, Schwule, liebe Parasexuelle u. ä.: Das war ein Witz – echt jezz. Ich kann eh´ keine Kombinationen aus Sex und Macht leiden.)

    John Dean

    22. Dezember 2008 at 14:28

  9. Also bitte, außerhalb dieser Kombination taugt doch beides nichts.

    Nörgler

    22. Dezember 2008 at 16:42

  10. Winzer beobachten, dass die Weinbaugrenze in D sich ständig nach Norden verschiebt. Bergsteiger berichten von ehedem sicheren, nunmehr gefährlichen Revieren wegen bröckeligem Gestein, da der Permafrost sich verabschiedet. Einheimische alte Gebirgler zeigen vor laufender Kamera, wo in ihrer Jugend die Eisgrenze verlief, und wo sie heute verläuft. Ihre Angaben werden lückenlos bestätigt durch bis zum Anfang der Fotografie zurückreichende Bilder. Biologen beobachten das Einwandern von Pflanzen und Tieren nach Süddeutschland, die es dort bislang nicht gab, darunter eine besonders garstige Superzecke.

    Wer da behauptet, Klimawandel gibt es nicht, der halluziniert auch „150 Chaoten“ und verpaßt flächendeckende Streiks. Ich empfehle: einfach mal ein bißchen Orientierung in der Realität suchen. 1x pro Woche „Tagesschau“ mag nicht viel sein, könnte jedoch dem Informations-Prekariat bereits aufhelfen.

    Nörgler

    22. Dezember 2008 at 17:03

  11. Das kann ich aus sehr drastischem eigenen Erleben bestätigen. 1999 bin ich erstmals den Santner-Klettersteig am Rosengarten gegangen. Dort war eine Eisrinne Man musste damals mit dem Eispickel oder Tomahawk ins Eis hineinhacken, um dort ein Sicherungs-Drahtseil herauszuziehen, an dem man sich dann einklinkte. 2003 ging ich die Route nochmal. Die Eisrinne existierte nicht mehr, man musste an dem Drahtseil hangeln. 1984 war ich auf dem Großglockner, das war damals ein komplett weißer Berg, auf den man komplett mit Steigeisen an den Füßen raufging. Als ich 2007 wieder auf den Glockner ging, war der Berg schwarz, und es musste geklettert werden. Die frühere Gletscherpiste zur Adlersruhe ist heute ein Klettersteig. Von der Großglockner-Hochalpenstraße führt heute auf den Pasterzengletscher eine Treppe an die 100m runter. Als meine Mutter 1939 die Hochalpenstraße bereiste, war der Gletscher unmittelbar neben der Fahrbahn. Auf Grönland wird zum ersten Mal seit Wikingertagen wieder Ackerbau betrieben, und es gibt inzwischen schwedische Weine.

    che2001

    22. Dezember 2008 at 18:58

  12. @Informations-Prekariat: das ist ja der Witz, dass meine Beiträge zum Thema Griechenland, die „drüben“ in der geistigen Sonderwirtschaftszone offensichtlich für extreme linksmilitante Propaganda gehalten werden fast alle ganz normale bürgerliche Zeitungen als Quellen haben.

    che2001

    22. Dezember 2008 at 19:09

  13. ich greife mal dein stichwort „island“ im beitrag auf – ein recht informativer artikel findet sich dazu hier:

    http://de.indymedia.org/2008/12/237194.shtml

    mo

    22. Dezember 2008 at 21:57

  14. ach, das sollte eigentlich unter „paradigmenwechsel“. naja, passt hier auch 🙂

    mo

    22. Dezember 2008 at 21:58

  15. Danke mal dafür, das ist ja wirklich hochinteressant!

    che2001

    22. Dezember 2008 at 22:36

  16. Also diese Krokodilstränen für Island kann ich nun beim wirklich, wirklich allerbesten Willen nicht mehr nachvollziehen. Die sind jahrelang durch ihre völlig lasche Banken-Gesetzgebung wirklich reich geworden und müssen nun halt die Zeche zahlen für ihr Pyramiden-Zocken.
    Solidarisiert ihr euch eigentlich dann auch mit der Schweiz wenn Genosse Steinbrück mit denen ein wenig hardball spielt von wg. Bankengesetzgebung?

    Lemmy Caution

    23. Dezember 2008 at 16:46

  17. Solidarität gilt immer den Zukurzgekommenen und Geprellten, den Kleinsparern und Kleinanlegern oder denen, die gar nichts haben (und auch nichts investiert hatten), aber mehr als alle Anderen unter den Folgen zu leiden haben. In Griechenland wurden Gelder verzockt, indem Krankenversicherungs- und Rentenbeiträge in Derivaten angelegt wurden und die Mönche des Berg Athos haben dem Staat Wasser, Luft und brachliegendes Land verkauft, das ihnen gar nicht gehört habe, und dafür wertvolle Büros, Grundstücke und Gebäude bekommen und bei diesem Deal 100 Millionen Euro Gewinn gemacht. Für die Working Poor, die sich Generation 700 Euro nennen bedeutet die durch diese Machenschaften ausgelöste Finanzkrise, dass sie eine Senkung des Mindesteinkommens auf 500 Euro befürchten müssen, bei gleich viel Arbeit. Mit denen bin ich solidarisch, doch nicht mit denen, die die Krise herbeigeführt haben!

    che2001

    23. Dezember 2008 at 16:57

  18. Mit Leuten, die völlig ungerechtfertigt ihr eh nicht so üppiges Einkommen gesenkt bekommen nur weil grad Krise ist, bin ich sehr ernsthaft auch solidarisch.

    doch nicht mit denen, die die Krise herbeigeführt haben!

    … in Island wirds vergleichsweise wenig Leute geben, die vorher nicht von dem Pyramidenzocken irgendwie profitiert haben.
    Laut cia world fact book
    2007
    >40.000 $ PPP (Deutschland ist bei glaub ich 34000.
    Gini von 25 (ähnlich wie Schweden, mißt Einkommensverteilung -> untersten 10% gegenüber obersten 10% (afaik) und einer Arbeitslosenrate von 1%.
    Deshalb würd ich dieses Island-Thema nicht zu hoch hängen.

    Lemmy Caution

    23. Dezember 2008 at 17:49

  19. OK, das ist natürlich eine völlig andere Dimension als Griechenland.

    che2001

    23. Dezember 2008 at 18:07


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