shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Archive for Januar 2009

Der tägliche Wahn

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Das ist eine ganz absurde Geschichte, die sich in meinem erweiterten Bekanntenkreis zugetragen hat:

Eine mit summa cum laude promovierte Biologin bekommt partout keine Stelle. Mehrmals werden ihr ältere Bewerberinnen mit schlechteren Noten vorgezogen. Irgendwann erfährt sie auch warum: Weil sie in gebärfähigem Alter ist. Notgedrungen arbeitet sie als Verkäuferin in einer Bäckerei. Sie fühlt sich in dem Job wohl, ist ungeheuer beliebt bei den Kunden wegen ihrer freundlichen, aufmerksamen Art. Als der Chef aber erfährt, dass die Frau einen Doktortitel hat feuert er sie. Begründung: Gefährdung des Betriebsfriedens.

Die spinnen, die Germanen.

Written by chezweitausendeins

25. Januar 2009 at 18:11

Griechenland, Teil 1 1/2

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Wie es scheint hatte ich unrecht als ich kurz vor Weihnachten sagte, dass ganze sei vorbei sobald das neue Jahr anfängt.  http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,603346,00.html

Written by cassandrammviii

25. Januar 2009 at 6:04

Veröffentlicht in Justitia

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„Mist“

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Ich hatte ja Chilli das Schaf und Briegel für viel hausbesetzerischer gehalten als ihren knustigen Mitbewohner, aber:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,602934,00.html

Written by cassandrammviii

23. Januar 2009 at 12:36

Veröffentlicht in Links?

Gewesene Linke, heute: Die Phantom-Antifa

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Als Anfang der 1990er die hier ja schon behandelte Autonome Antifa (M) für sich beanspruchte, mit der von ihr vorangetriebenen Schaffung einer bundesweiten Antifa-Organisation die führende Kraft in der autonomen Linken in Westdeutschland zu sein, begab sich eine wundersame Kundgebung. Ein Sprecher der M betonte in martialischem Tonfall, seine Gruppe sei der wesentlichste Faktor in der autonomen Szene Niedersachsens im Allgemeinen und Göttingens im Besonderen. Als aus der Menge der Hinweis auf eine sehr aktive andere Antifa-Gruppe kam, die nicht zu der noch virtuellen bundesweiten Organisation gehörte, kam von ihm die süffisante Bemerkung, diese Gruppe sei ein Phantom: Es gäbe sie wohl, man sähe sie aber nie. Bei der nächsten größeren Antifa-Demo liefen dann haufenweise Leute mit, die T-Shirts trugen, auf denen das Phantom der Oper abgebildet wurde mit dem Spruch darunter: „Phantom-Antifa“. Köstlich!l

Wenn die Polizei klingelt…

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Ich las gerade das hier:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,601058,00.html

 

Nun übertragen wir das mal auf mich. Obwohl sie schon lange nicht mehr hier waren denken wir uns mal folgendes:

Die NPD demonstriert mal wieder Stärke/Präsens/für Deutschland und gegen alle anderen/wasauchimmer in unserer schönen Stadt. Ich dekoriere meine Fenster mit irgendetwas was die NPD stören könnte. Und nun stürmen die Herren und Damen von der Bereitschaftspolizei rein. Ein paar Stunden später kommt ein Kumpel vorbei und stellt sich auf den Balkon. Er wird von den Neonazis da unten, die immer noch dem angestautem Volkszorn freien Lauf geben, mit Krams beworfen. Statt nun runter zu gehen und ihren Job zu erledigen und diesen Seppen zu zeigen, wo auch ihr Recht auf  ’ne Meinung seine Grenze hat erteilen die Herren&Damen von der Polizei ihm einen Platzverweis. 

Wie bitte? Was? Hallo? Ich bin völlig platt von diesem Artikel.  Was soll der Unsinn?

 

Wenn Flaggen raushängen im Mietvertrag verboten ist, so ist das dann Sache des Vermieters, einen netten Brief ztu schreiben. Ich weiss grade nicht, welches Gesetz der Mieter verletzt haben sollte.

Vorgestern hatte der Handwerkertransporter des Studentenwerks eine Palästinenserflagge drauf. Darf ich den jetzt umwerfen oder was?

Es ist völlig begreiflich, dass man nicht gerade eine „Wir unterstützen Israel und seine Luftwaffe“-Demo zeit- und ortsgleich zur  „Stoppt die Bombardierungen“-Kundgebung stattfinden lässt.  Hier liegt der Fall aber anders: der Mann wohnte da, und das schon länger. Und er kann, solange er nix verfassungsfeindliches zeigt (SS-Runen, Hakenkreuz, Odalsrune etc) dekorieren wie er will.

In der Göttinger Innenstadt steht das Stammhaus der Familie Hahn. Das ist weiss-blau und hat dezente Davidssterne. Das stand da auch als die Strasse Adolf-Hitler-Strasse hiess und hatte immer noch seine Davidssterne. Ich muss immer lächeln wenn ich dran vorbeigehe. Wie dem auch sei- müssten diese Sterne dann nicht, wenn man der Logik dieses Handelns folgt, im Falle einer entsprechenden Demonstration verhängt werden?

Ich jedenfalls halte dieses Vorgehen für rechtsstaatlich extrem gefährlich.

Written by cassandrammviii

20. Januar 2009 at 20:16

Veröffentlicht in He! Sie da! Polizei!, Justitia

Good Luck, Mr. President!

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Das ist schon eine mächtig symbolträchtige Veranstaltung: Amtseinführung am Martin-Luther-King-Tag, und die First Lady packt Care-Pakete. Da bin ich ja wirklich gespannt, wie sich die Amtszeit gestaltet und wünsche Obama alles Gute.

Happy Birthday Edgar Allen Poe!

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Mein Vater hat ja immer gesagt, man müsse Hesses „Narziß und Goldmund“ lesen, bevor man 20 wird. Das selbe lässt sich wohl auch von Edgar Allen Poe sagen. Der wäre nämlich heute 200 Jahre alt geworden, würden wir derart alt werden.  Für mich gehört der ja noch zu den Ausläufern der Romantik, weiß aber nicht, was die Literaturwissenschaftler dazu sagen würden. Komischerweise habe ich Poe immer nur als Index wahrgenommen. Und erst als ich mich für H.P. Lovecraft zu begeistern begann, habe ich den Poe entdeckt (in der Schulzeit fehlte die anglophone Literatur gänzlich, der Englischunterricht war viel zu funktional ausgerichtet, so dass hier große Lücken herrschen). Und irgendwann realisiert man, dass drei der großen Formen der Trivialliteratur – Krimi, Horror, Abenteuerroman – ihren zentralen Fixstern in Poe finden. Außen vor bleibt einzig die Liebesgeschichte (obwohl Poe auch hier mit einigen Arabesken aufwarten kann). Alle drei sind ja – Jürgen Link würde das wohl so sagen – „nicht normale Fahrten“: Der Leser bekommt immer ein „was wäre, wenn“ vorgeführt, das ihn aus seiner Normalität heraus führt. Was wäre, wenn sie nahe der Antarktis Schiffbruch erlitten (Arthur Gordon Pym, )? Was wäre, wenn die Fassaden der wohlgeordneten Welt zusammen brächen und das Monströse erschiene (Der Fall des Haus Usher)? Aber auch: was wäre, wenn man allein mittels der Deduktion die Welt wieder in Ordnung bringen könnte (Der entwendete Brief; Der Doppelmord in der Rue Morgue)? Diesen Fahrten in das Ungewisse des Schreckens und des Unbekannten wie auch der eine Rückkehr zur Normalität versprechende Logik wohnt ein Moment der Alternative inne, das es von der deutschen Märchenromantik eines Hoffmann’schen  „Es war ein Mal“ scharf abhebt. Freilich lassen sich aus Poe schwerlich  Rückschlüsse für eine utopische Praxis ziehen – und gerade Lovecraft, der das Grauen immer aus dem moralischen Versagen einer heruntergekommenen Adelslinie entspringen lässt, die sich skrupellos der alten Mächte bedient, ist das beste Beispiel für die konservative Wende zumindestens des Horrors.  Aber diese Formlosigkeit des Grauens, die Technik, die Dinge anzudeuten und nicht auszumalen (wie es dann E.T.A. Hoffmann doch immer macht; man lese etwa seinen „Sandmann“ oder „Die Bergwerke zu Falun“), ebenso wie diese unbestimmt-bestimmten Schlußszenen bei Poe illustrieren einmal mehr die zweite Natur der Gesellschaft, in der die strukturierenden Prinzipien als absolut und unveränderlich präsentiert werden.

P.S.: Kannte Kafka eigentlich Poes Werk? Die SZ berichtet heute von einem Text Poes, in dem die Insassen eines Irrenhauses ein kleines Kalb zubereiten als wäre es ein Hase: Es wurde im Ganzen geröstet. Sind das nicht ähnliche Figuren wie Odradek, die Mischung aus Lamm und Kätzchen oder das Tier in der Synagoge, wie sie sich Kafka ausmalte? Sie sollen ja auch als die Welt aus der Perspektive der Versöhnung betrachten, weshalb sie uns so komisch vorkommen. Und ist das Grauen nicht eben jenes Gefühl, dass man nicht nur nicht Herr des Schicksals ist, sondern einem abstrakten anderen ausgeliefert?

Written by lars

19. Januar 2009 at 16:12

Gewesene Linke, heute: Die Demokratischen Sozialisten (DS)

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Am Anfang dieser längst vergessenen Partei standen der NATO-Doppelbeschluss von 1979 und die sogenannte Rotstift-Politik, welche die Regierung Schmidt nach ihrer Wiederwahl 1980 einschlug. Die damalige Stagflation und der von der Schmidt-Regierung angehäufte Schuldenberg ließ schon der damaligen SPD-FDP-Koalition den keynesianischen Wohlfahrtsstaat als nicht mehr finanzierbar erscheinen. Daher wurden ab 1980 die Mittel für diverse soziale Projekte gekürzt. Im Grunde war die Wirtschafts- und Sozialpolitik, die später von der Regierung Kohl-Genscher betrieben wurde unter Schmidt schon angelegt gewesen, mit dem entscheidenden Unterschied, dass Schmidt sicher keine umfassende Privatisierung staatlicher Unternehmen durchgeführt hätte. Aber mit Manfred Lahnstein bekam die BRD 1982 einen Finanzminister, dessen Hauptaufgabe das Sparen sein sollte. Haushaltskonsolidierung sollte vorrangig die deutsche Politik bestimmen. In dieser Situation brach die FDP bekanntlich die Koalition, Schmidt wurde durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt und Kohl Bundeskanzler. Austeritätspolitik erschien der FDP wohl mit dem Original besser. Dass es in Deutschland zu keinem neoliberalen Programm á la Thatcher kam, lag am Widerstand der Gewerkschaften und an der Oppositionsrolle einer SPD, die nun wieder die Interessen der Arbeitnehmerseite vertreten konnte und den „schmutzigen Job“ dem schwarzgelben Lager überließ. In dieser Situation, also im Zusammenhang mit der Bonner Wende von 1982, waren zwei neue Parteien gegründet worden: Die Liberalen Demokraten (LD) und die Demokratischen Sozialisten (DS), zwei Abspaltungen von FDP und SPD. Führende Köpfe der DS waren die früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Manfred Coppick und Karl Heinz Hansen. Coppick war für seine Ablehnung des NATO-Doppelbeschlusses von Helmut Schmidt heftig kritisiert und schließlich aus der Partei ausgeschlossen worden. Coppick trat daraufhin aus Solidarität ebenfalls aus. Die Demokratischen Sozialisten waren dem Programm nach eine quasi Vor-Godesberger SPD mit einer entschieden pazifistischen Ausrichtung. Im Europa-Wahlkampf und später bei Land- und Bundestagswahlen bildeten sie dementsprechend mit der DKP und Gruppierungen wie VVN und DFG/VK sowie Pax Christi und Aktion Sühnezeichen eine „Friedensliste“, die aber politisch erfolglos blieb. Die DS arbeiteten in Aktionsbündnissen mit Gruppierungen der Neuen Linken zusammen, die von Falken und Grünen über Autonome bis hin zur MLPD reichten (kann mich lebhaft aus eigenem Engagement an diese heterogenen Haufen erinnern, wobei bei uns dann auch noch die türkische Devrimci Yol und die Sympathisanten der Guerrillaorganisation Volksfedayin Irans dazugehörten), betonten dabei aber stets und ständig, dass sie Demokraten seien und auf dem Boden des Grundgesetzes stünden. Mit Linker Extradienst und Stachel brachten sie zwei lesenwerte linke Zeitschriften heraus. Insgesamt war ihre Bündnisarbeit konstruktiv und solidarisch, aber neben der DKP und ihren ganzen Front- und Vorfeldorganisationen und angesichts einer SPD, die unter Kohl die Oppositionsrolle voll ausspielen konnte war für eine solche eng auf die klassische Arbeiterbewegung alten Typs fixierte linksozialdemokratische Partei kein Platz. Gegenüber den Grünen erschien diese Kleinpartei auch als verschnarcht, untrendy, altmodisch. So gingen die DS Ende der 1980er leider zu Grunde. Nachdem man noch eine Weile erwogen hatte, sich mit der Vereinigten Sozialistischen Partei (VSP), einem wunderlichen Zusammenschluss aus der stalinistischen KPD/ML und der trotzkistischen GIM zusammenzuschließen löste sich die Partei schließlich 1991 auf, wobei der größte Teil ihrer Mitglieder in die PDS/Linke Liste eintrat, in der sich auch bald das „Antiimperialistische Bündnis“ aus den noch übriggebliebenen alten K-Gruppen und der anarchosyndikalistischen FAU Freiburg wiederfand. Also eigentlich nur eine Splittergruppe unter vielen, im Gegensatz zu den entsetzlichen ML-Sekten aber eine richtig nette.

Written by chezweitausendeins

16. Januar 2009 at 19:28

Weiße Europäer sollten sich im Gaza-Konflikt zurückhalten

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meint ein Genosse, der aus Kamerun auf abenteuerliche Weise nach Deutschland geflüchtet ist.

„The people who brought the Palestinians into this situation where white Europeans. First they colonised Palestine, brutalised and murdered the Jews and set the stage for a resettlement process ridden in conflict. Europeans should take their hands off this conflict because they are making it very conplicated for a negotiated settlement to be found. The perceived hostility towards Israel makes Israel feel vulnerable, isolated, hated and sees the build up of counter military might the only way out. israel also perceives European antagonism as the loud cry and hypocrisy of an angry vanquished. No one is foolish to see that when Russia invaded Georgia, European streets were quiet; this double standard gives israel a perceived sense of european hypocrisy. Hamas is a resistant Movement but its resistance has a double edge sword. It is not only fighting for the liberation of Palestine from Israeli occupation, it is also being exploited for an Iranian-American proxy war. maybe, a thawing of relations between Iran and America will give Iran a sense of security not to use hamas as an agent of shaping the balance of power in that region. Maybe a less hostile and perceived anti israel european posture will give Israel a sense of security to make those compromises necessary for peace and security.

All of these factors apart, Israel MUST halt expansion of settlement. This is the utmost provocation it can bring to bear in the conflict. For you can not occupy a peoples land and continuously use your military mite to grab land. This is insensible and stupifying. Hamas must also redefine its mission. War has a purpose and pursues a define end. It is not a way of life. Hamas has broaden this war from a liberation struggle to a religious conflict meant to preserve its own understanding of Islam. This makes Hamas vulnerable to manipulation by other agents who fear an encroaching hostile western culture void of morals, solidarity and generosity but thrives on profit. Though I hated the outcome of the South African struggle with its peace and reconciliation commission, the perceived accomodation given the white settlers assured them and precipitated the end of the conflict. If the ANC said every white person in South Africa would be destroyed or expelled, the whites would have resisted to the bitter end. Hamas should also look into this struggle and draw some historic lessons. But all in all, europeans are more of a liability to the Palestinian struggle than an asset. Their perceived solidarity has all the trappings of anger for being dwarfed by America than a genuine commitment to the freedom of Palestine.“

Was heißt denn hier eigentlich autonom?

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Ich glaube, hier scheint seit langer Zeit ein Klärungsbedarf zu bestehen, dem ich an dieser Stelle einmal nachkommen möchte.

Lieschen Müller, Klein Bruno und Georg August von Volksmund verstehen unter Autonomen normalerweise die schwarzvermummte ehrenamtliche Auftragsvergabe der Glaserinnung. Auch im engeren Umfeld bekam ich mit meiner Selbstverortung als Alt-Autonomer schon Schwierigkeiten, etwa, wenn ein Freund meinte, er hätte Probleme mit meinem Verhältnis zur Gewalt, obwohl wir uns darüber so richtig grundsätzlich überhaupt noch nie unterhalten hatten, er also gar nicht wissen konnte, was genau für ein Verhältnis zu Gewalt ich eigentlich habe. Bis weit ins linksliberale Lager hinein, für die meisten Leute sind Autonome einfach gewaltbereite Linke. Das ist insofern auch folgerichtig, als dass die meisten Straftaten im Zusammenhang mit linken Demos etwas mit Autonomen zu tun haben, sowohl im Sinne tatsächlicher Täterschaft als auch im Sinne von Kriminalisiert Werden. Dennoch lassen sich autonome Inhalte und autonome Politik nicht auf die Militanz reduzieren, abgesehen davon, dass Militanz und Gewalt auch nicht miteinander identisch sind. Wenn ich von autonomer Politik, autonomem Selbstverständnis und autonomer Theorie spreche, meine ich etwas Anderes als Schwarze Blöcke und Antifagruppen, auch wenn es da inhaltliche und personelle Überschneidungen gibt. Autonom in dem Sinne, wie ich den Begriff verwende meint in erster Linie den Operaismus, eine Auffassung von Klassenkampf, die nicht an Parteien oder Gewerkschaften, sondern der ganz unmittelbaren subjektiven Alltagserfahrung ansetzt. Operaistische Theoriebildung verbindet marx´sche Analyse mit teilweise anarchistischen Ansätzen, poststrukturalistischen Positionen und solchen der Kritischen Theorie und ist darüber hinaus auch für den Diskurs der Geschichtswissenschaft von Bedeutung (Alltagsgeschichte, Geschichte von unten, Mikro- und Makrohistorie).

http://deu.anarchopedia.org/Operaismus

Projekte, die in diesem Sinne autonome Theorie betrieben haben oder betreiben sind die Schriftenreihen Autonomie Neue Folge. Materialien gegen die Fabrikgesellschaft, E.Colibri, Materialien für einen neuen Antiimperialismus, Wildcat und Wildcat-Zirkular. Nun haben sicherlich die Durchschnittsautonomen weder das politische Selbstverständnis, das in diesen Schriften zum ausdruck kommt, noch überhaupt diese jemals gelesen, sind also nicht gemeint, wenn ich die Begrifflichkeit in diesem engen Sinne fasse. Dafür waren wir hinsichtlich der Selbstbezeichnung Autonome aber sozusagen auch das Original, dass andere Linke mit anderen Inhalten diese Bezeichnung für sich in Anspruch nehmen schafft eher Verwirrung. In den 1990ern bürgerte sich daher für im engen Sinne des ursprünglichen Begriffs autonom orientierte der Begriff Sozialrevolutionäre oder kurz Sozrevs ein, der inzwischen auch schon wieder vergessen sein dürfte. Zum anderen verwende ich den Begriff autonome Szene in einem viel weiteren Sinne, da er ein lebensweltliches Millieu umfasst, zu dem eigentlich die ganze nicht partei- oder gewerkschaftsförmige Linke dazugehört, einschließlich eines Großteils der Fanszene des FC St.Pauli oder diverser Fanprojekte in Niedersachsen und Bremen. Die autonome Szene reicht dann in diesem Sinne von Gruppen wie der Gewaltfreien Aktion/Graswurzelrevolution, Basisinitiativen im Umfeld von Organisationen wie Robin Wood oder Pro Asyl bis zur Antifa. Was nun die konkrete politische Praxis angeht, so ist es denunziatorisch, diese über ein bestimmtes Verhältnis zur Gewalt zu definieren. Ich bin in den 1980er und 90er Jahren oft im Schwarzen Block mitgelaufen, wie ich auch schon zwischen diesem und der Staatsmacht „Keine Gewalt!“ rufend auf dem Straßenbelag gesessen habe, habe in vielen Fällen Gewalt als Gegenwehr gegen prügelnde Polizeibeamte oder Neonazis erlebt, eher als eine Form vorher kalkulierter kollektiver Notwehr oder Nothilfe denn als eine eigentlich aggressive Gewalt, und etwa da verläuft für mich auch die Grenze des Legitimierbaren. Solche hirnrissigen Aktionen wie den Kreuzberger Ersten Mai oder die Steinwolke von Rostock halte ich jedebnfalls in keinster Weise für unterstützenswert, und auch die großen Antifa-Bündnisdemos, die unsereins früher so organisiert hat waren keine Veranstaltungen, von denen unmittelbar physisch Gewalt ausging, vom Aufbau einer Drohkulisse gegenüber den Nazis einmal abgesehen. Das, was wir politisch früher so getrieben haben (und von mir auf einer ganz anderen Ebene, eher in Form punktueller ganz legaler Interventionen bei Medien oder Behörden foertgesetzt wird) war zum großen Teil nichts Anderes, als das, was ai, die Caritas, die Diakonischen Werke, Greenpeace und die DGB-Jugend auch machen, nur mit einem ganz anderen Selbstverständnis. Eine grundsätzliche Sache spielt dabei allerdings schon eine Rolle: Das Unkontrollierbar sein wollen hinsichtlich staatlicher Repression. Ich habe es Anfang der 1980er erlebt, wie sich Teile der Friedensbewegung, von Pax Christi bis hin zu grünen PolitikerInnen wie Petra Kelly und Gert Bastian nicht zu schade waren, dazu aufzufordern, die Militanten zu isolieren und sie der Polizei auszuliefern. Ich war zum damaligen Zeitpunkt ein überzeugt gewaltfreier Ökopazifist, aber dieses Denunziantentum brachte mich ab vom Lager der ideologisch überzeugt Gewaktfreien und erstmals in Dialog mit Autonomen. Und die, die ich kennenlernte, waren keine hirnlosen Steineschmeißer und auch keineswegs alle persönlich gewaltbereit, sondern vertraten den Standpunkt, dass in Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht ein breites Spektrum an Möglichkeiten offen stehen sollte, oder wie Robert Jungk es später ausdrückte „Egal ob friedlich oder miltant, Hauptsache Widerstand!“. Ich habe diese Auffassung im Wesentlichen als libertären Pluralismus erlebt. Und daher sind von mir keine Aufrufe zu Gewalt zu erwarten, aber eben auch nicht öffentliche Distanzierungen, da ich diese Spaltungsteile aus grundsätzlichen Erwägungen nicht mitmache.