shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Der tägliche Wahn

with 10 comments

Das ist eine ganz absurde Geschichte, die sich in meinem erweiterten Bekanntenkreis zugetragen hat:

Eine mit summa cum laude promovierte Biologin bekommt partout keine Stelle. Mehrmals werden ihr ältere Bewerberinnen mit schlechteren Noten vorgezogen. Irgendwann erfährt sie auch warum: Weil sie in gebärfähigem Alter ist. Notgedrungen arbeitet sie als Verkäuferin in einer Bäckerei. Sie fühlt sich in dem Job wohl, ist ungeheuer beliebt bei den Kunden wegen ihrer freundlichen, aufmerksamen Art. Als der Chef aber erfährt, dass die Frau einen Doktortitel hat feuert er sie. Begründung: Gefährdung des Betriebsfriedens.

Die spinnen, die Germanen.

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Written by chezweitausendeins

25. Januar 2009 um 18:11

10 Antworten

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  1. Tja, da würden unsere Besserblogger von der rechtsliberalen Front sagen:

    Schuld daran ist der Staat.

    Denn dann, wenn der Staat der jungen gebährfähigen Frau das Recht gäbe, sich ihren Doktortitel aberkennen zu lassen, genau dann wäre das Problem gelöst – und überhaupt: Ohne den Staat hätte diese Frau diesen verhängnisvollen Doktortitel mutmaßlich nicht machen können. Also, wie gesagt:

    Schuld ist der Staat.

    (Man/frau möge mir das als zynische – und den real kapitalistischen Verhältnissen geschuldete – Anmerkung durchgehen lassen. Meine tatsächliche Vermutung geht dahin, dass jene Frau mit ihrem Doktortitel ihre Schichtgrenzen übersprungen hatte, sodass ihr am Ende der Ausbildung kein Verwandter bzw. hierzu Bekannter mit „Vitamin B“ zu helfen vermochte. Könnte doch stimmen, Che – oder?)

    John Dean

    25. Januar 2009 at 20:49

  2. Das klingt sogar höchst plausibel.

    chezweitausendeins

    25. Januar 2009 at 22:48

  3. Schuld sind die Mutterschutzbestimmungen- wenn der Staat diese völlig überflüssigen bürokratischen Wirtschafthindernisse endlich abschaffen würde, dann wäre alles toll und niemand müsste fürchten, dass sie wegen Kinderkriegen ausfällt. Gleichzeitig soll er aber auf jeden fall für Rund-um-die-Uhr Kinderbetreuung sorgen, damit Mama&Papa auch endlich wieder Vollzeit arbeiten gehen können- denn das wollen „junge Frauen heute“.

    … und manchmal kann man gar nicht so viel essen wie man kotzen möchte…

    Ne Bekannte, Geologin, von mir hatte die Frechheit, ihren vollen Erziehungsurlaub zu nehmen. Jetzt sitzt ein Mann auf ihrem Posten.

    Eine ehemalige Kollegin hat schriftlich auf ihren Mutterschutz verzichtet als wir beide praktisch zeitgleich schwanger wurden. Ihr Vertrag wurde verlängert, meiner nicht.

    cassandrammviii

    26. Januar 2009 at 9:41

  4. Jeder beschwert sich, keiner zieht vor Gericht und klagt. Vielleicht liegt’s ja am Prozeßkostenrisiko. Das hätte man aber nicht, wäre man Gewerkschaftsmitglied.

    noergler

    26. Januar 2009 at 21:01

  5. Nörgler, da hast du leider genrell recht, aber konkret unrecht.

    Ich bin Gewerkschaftsmitglied, aber der Gewerkschaftsanwalt meinte, es sei aussichtslos, dagegen zu klagen, da mein Zeitvertrag die Option vorsah, ohne Begründung nicht verlängert werden zu können. Ist halt Standart. Und ich konnte nicht belegen konnte, dass es daran lag, dass ich nicht schriftlich verzichtet hatte.
    Aber ich bekam eine nette Gehaltsnachzahlung, weil sie auch 2 Euro/Stunde zu wenig gezahlt hatten.

    Abgesehen davon dass so ein schriftlicher Verzicht auf Mutterschutz keine rechtliche Wirksamkeit hat.

    cassandrammviii

    26. Januar 2009 at 21:33

  6. Na, da sind wir doch mal sehr schön im Konkreten. Bleibt nur zu fragen, was für die Praxis konkretisierbar ist, etwa im Sinne einer Schaffung von Selbsthilfenetzwerken.

    chezweitausendeins

    26. Januar 2009 at 23:17

  7. Ganz konkret sehe ich hier 2 Probleme:

    prekäre (im Sinne von ungesichert) Arbeitsverhältnisse durch kurzfristige Verträge (meiner war 3 Monate, aber es hatte in der selben Dienststelle auch schon 1-Monats-Verträge gegeben)

    Selbstverpflichtung zum Verzicht auf Rechte (egal wie irrelevant das juristisch sein mag). Dazu kann ich heute nachmittag noch mehr sagen (es gibt unglaubliches)

    cassandrammviii

    27. Januar 2009 at 7:29

  8. Denke, dass diese Bekannte helfende Hände bekommen würde, wenn sie bereit wäre ihre Biographie in die feuchten Hände der seriösen Medien geben würde. Nur wär ich in einer ähnlichen Problemlage niemals dazu bereit. Sehr schade, dass man für solche „Entscheider“ so aus meiner Sicht unakzeptabel weit gehen müßte.

    Sobalds um Geld für Arbeit geht, werden Menschen widerwärtig. Und gegenüber Berufsein- oder umsteigern noch schlimmer.
    Kann mich noch gut an die ersten Kandidatengespräche für die Mitarbeit an höchstheiligen Jay-Too-ih-ih Projekte erinnern. Mit hardcore-Fragestellungen, die die Job-Besetzer selbst nicht verstanden haben.
    Und wenn man dann drin ist, dreht das völlig.
    Das letzte ging etwa so:
    Ihre Stimme. Sie sind erkältet? Na Fragen über ihre Kenntnisse möchten wir Ihnen dann hier nicht stellen. Geht ja aus dem Lebenslauf hervor. Wir erzählen Ihnen einfach ein wenig und Sie teilen uns dann mit, ob Sie an dem Projekt interessiert sind.

    Und das Kopftätscheln von Leuten, die diesen Willen sich irgendwie „einzubringen“ toll finden, fänd ich an ihrer Stelle voll doof. Und ich halte solche unkonventionellen Nicht-Aufgeber trotzdem für völlig bewundernswert.

    Im chilenischen Paralleluniversum gibts eine Selbstgebackenes-in-Langstrecken-Bus-Verkäuferin (eine häufige und bekannt wenig ertragreiche Form der Selbstbeschäftigung), die sich 20 Jahre lang in ihrer knappen Freizeit mit unendlicher Energie um die Ausbildung ihrer Kinder gekämpft hat (inkl. verhältnismässig hohe Inventionen, persönlichen Gesprächen mit Lehrern bei Unzufriedenheit, Schulwechseln, etc). Der klar neoliberale aber z.T. durchaus intelligenzfähige El Mercurio (Zeitung, ich persönlich sympathisiere mit dem eher unmarxistisch linken und volksnäheren „The Clinic“) hat ihren Fall verhandelt und die Frau wurde dann mit Hilfsangeboten von Leuten mit Einfluß überschwemmt. Da waren ihre Kinder bereits Stipendiats-Studenten.

    Wenn man aber klar vor seiner Lebensmitte steht, halte ich eine solche mediale Entblössung für psychologisch schwer verkraftbar.

    Was hält die versammelte linke Intelligenz eigentlich von Dietmar Dath, über den ich nun über Spiegel Online erfahren habe?

    Lemmy Caution

    29. Januar 2009 at 21:52

  9. Was die versammelte linke Intelligenz von ihm hält weiß ich nicvht, ich finde ihn in erster Linie originell zu lesen und witzig. Zu dem, was er über Lenin sagt bin ich allerdings deutlich anderer Meinung.

    che2001

    30. Januar 2009 at 16:56

  10. ich habe von dem Mann noch nie vorher gehört, also auch noch nichts von ihm gelesen.

    cassandrammviii

    31. Januar 2009 at 7:13


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