shifting reality

Es gibt kein richtiges Lesen im valschen!

Regierung der Kultur und Kritik der Kultur

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Habe das in der Freitag von letzter Woche gefunden.  Das ist trifft im Kern das Problem, mit dem ich mich ja herum schlage und stammt von einem ehemaligen Prof von mir:

„Eine heute notwendige Kulturkritik ist etwas anderes als eine Ästhetik, die über die Erosion der Kultur und der Maßstäbe klagt. Vielmehr ist sie der Versuch, gegenüber einer Ästhetisierung der Herrschaft, die sich in das endlose Spiel von Repräsentationen zurückzieht, politische Maßstäbe zur Geltung zu bringen, die Umwertung der Werte umzuwerten, an den Repräsentation derart zu arbeiten, dass die Kultur als Herrschaft, die Wirklichkeit und die wirklichen Kämpfe und Widerstände sichtbar werden, kurz: Kritik der Kultur.“ Alex Demirovic:  Die Herstellung von Distanz, in:  Freitag, vom 28.01.2009.

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Written by lars

3. Februar 2009 um 14:43

Veröffentlicht in Regierung der Kultur

10 Antworten

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  1. Dann genau wäre Kulturkritik wahrhaft progressiv, denn dasKlagen über Erosion der Kultur und der Maßstäbe bleibt ja letztlich wertkonservativ. Ästhetisierung der Herrschaft und das Spiel der endlosen Repräsentationen, ist das nicht das, was schon Habermas in „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ als Tendenz zur Refeudalisierung bezeichnete?

    che2001

    4. Februar 2009 at 12:29

  2. Zum Habermas, ja das könnte sein. Müsste ich nochmal nachlesen. (Liegt seit vorgestern abend aber auch wieder auf der Bettkante.).

    Weshalb ich’s zitierte, war ja auch: Ich ertappe mich dabei, dass ich den Studenten fehlendes Interesse an ihrer eigenen Tätigkeit vorwerfe und dann in der Deutung eines „generation gap“ verharre, der eben in so einer Kulturerosion münde. Die Frage ist doch eigentlich: Warum solle man für diese Kultur kämpfen? Weshalb gilt es, eine Wissenschaftstradition fortzuführen, die sich selbst nicht mehr transparent zu gestalten vermag ob ihrer Aufgabe. Das ist ja auch das Benjaminische Argument aus dem Kunstwerkaufsatz zu drin, dass der Faschismus eine Ästhetisierung der Politik betreibe und man darauf mit der Kritik der Ästhetik und damit der Kultur zu antworten habe. Was das heißen könnte, wird in diesem Artikel schon angedeutet.

    lars

    4. Februar 2009 at 13:36

  3. In Anbetracht von Bologna-Prozess, Billigstudiengängen (Bachelor), Studiengebühren und Mitteleinsparungen könnten die Studierenden aber weitaus, hmm, sagen wir mal bodenständigere Gründe für mangelnde Motivation haben…

    che2001

    4. Februar 2009 at 16:00

  4. Haben sie ja auch. Viele meiner Studies sehen das als Mischung zwischen Schule und Berufsausbildung. Das Problem ist natürlich, dass denen gar nicht dargelegt wird, warum sie dieses Modul belegen müssen oder wozu sie sich über Begriffe und Theorien Gedanken machen sollen, wenn sie hinterher „nur“ Kinder unterrichten wollen. Diese Erosion ist ja Produkt all dieser Faktoren. Nur: Indem ich Ihnen den Sinn dieses Studiums nicht klar machen kann, trage ich selbsr performtiv zu dieser Erosion bei, weil ich so an der Ästhetisierung dieser Wissenschaft teilhabe.

    lars

    4. Februar 2009 at 16:47

  5. OK, begriffen. Während meines Studiums begriffen wir Studieren noch als eine Zeit kreativer Muße, die in erster Linie dazu dient, mit dem eigenen Leben zu experimentieren, sich den Wind um die Ohren sausen zu lassen und eine gründliche Herzensbildung zuzulegen, die Grundlage eigener Widerständigkeit sein sollte. Das haben wir so auch den Erstsemestern in unseren Orientierungsphasen erzählt. Lang ist´s her. Wobei vor meinem geistigen Horizont aber immer noch „eben erst“, und das wird sich wohl auch nie ändern.

    che2001

    5. Februar 2009 at 11:40

  6. Es war, als ob ich mich Ende der 70er in Wells‘ Zeitmaschine gesetzt hätte, um Sekunden später an einer Uni des Jahres 2008 anzukommen. Ein paar Studenten erzählten mir, wie das Studium so läuft. Da brach es aus mir hervor: „Das soll ein Studium sein? Da kann ich mich ja gleich bei Aldi an die Kasse setzen!“

    noergler

    8. Februar 2009 at 12:26

  7. Erstaunlich, dass die aktuellen Studis zumindest noch habituell ähnlich wirken wie Studis zu meiner Zeit. Wahrscheinlich wird man ihnen das als Nächstes austreiben. Der Satz, den Workingclasshero drüben bei mir geäußert hat, nämlich, dass die Zeitumstände eine grobe Unverschämtheit darstellen kann verallgemeinert werden. Übrigens hast du mail…

    chezweitausendeins

    8. Februar 2009 at 18:30

  8. Hatten wir nicht mal abgesprochen, dass ein Telegramm geschickt wird, das einen Brief ankündigt, der einen Telefonanruf avisiert, indem ein Fax versprochen wird, das auf die Mail hinweist?

    An der hier naheliegenen Uni gab es in den letzten 2 Semesterwochen keinen Tag, an dem nicht irgendein Event wie Prüfung, Klausur, Referat fällig war. Auf der Website dieser Legebatterie lese ich, zum Studienbeginn habe man sich einen Plan zu machen, wie das Gesamt(!)studium abäuft. Mein Gesamtstudium lief so ab, dass die Sache selbst mich leitete, indem ich vom Bücherhocken Hornhaut am Hintern kriegte.

    noergler

    8. Februar 2009 at 21:51

  9. So ähnlich war mein Studium auch, abgesehen von frei assoziierenden Diskussionsrunden mit KommilitonInnen. Bekenne mich schuldig, den intern-kommunikativen Dienstweg verkürzt zu haben. Darfst mich jetzt Dienstwegverkürzer nennen.

    chezweitausendeins

    8. Februar 2009 at 23:42

  10. @Noergler: Ja. Die Organisation des Studiums und das BA/MA-System (das eigentlich den liberalen Leistungstheoretikern ziemlich widersprechen müsste), ist eine Aushölung der gesamten Universitätskultur. Aber als Nebeneffekt habe ich dann immer das Problem (im übrgen völlig gerechtfertigt), dass die Leute gar nicht mehr wissen (möchten), warum der Inhalt des Studiums von Bedeutung sein könnte. Gleichzeitig müssen sie viel zu viel besuchen, ohne das ganze reflektieren zu können. In den ersten Semestern sind die ja 10 Stunden pro Tag an der Uni. Die Hälfte wäre ja eigentlich die Obergrenze des Verarbeitbaren.

    lars

    9. Februar 2009 at 19:08


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